Hallo wassolls...
bei Dir glaube ich das Grundproblem zu erkennen, was ich auch an mir festgestellt habe. Das denken von "WAS WÄRE WENN..."
Erst letzte Woche hatte ich mal wieder eine tränenreiche Diskusion mit meinem Freund über mein Problem, mir viel zu viele Gedanken über die HÄTTE WÄRE WENNS zu machen. Ist es nicht viel wichtiger das Leben auszukosten, dass wir JETZT gerade führen? Wie können wir ein Leben JETZT denn bitte genießen, wenn wir uns dauernd den Kopf über die Zukunft zerbrechen? Auch wenn die Zukunft mit Sicherheit wichtig ist. Aber ich vergesse dieses Problem leider auch viel zu gerne, doch ich lerne gerade es mir schneller bewusst zu machen.
Weißt Du, es ist nicht so, dass wir über jeden unserer Schritte konkret nachdenken müssen, nur um spätere Katastrophen "vermeiden zu wollen". Denn gerade dieses Denken behindert uns oft dabei die Dinge zu sehen wie sie wirklich sind. Ich hoffe Du kannst mir jetzt gedanklich folgen, falls ich mich zu unklar ausdrücke...
Aber ich bin ein Paradebeispiel was das Problem mit dem "Gedanken um etwas machen" angeht. Dazu gehört auch das Problem, negative Ereignisse, die im direkten Umfeld (Freunde, Partner, Arbeitskollegen etc.) mit einem selbst zu tun haben, immer auf sich zu beziehen. So nach dem Motto: Hätte ich das und das nicht gesagt, hätte sich der mit dem nicht gestritten. Das ist völliger quatsch! Genauso wie: Wenn ich in dem Moment für denjenigen da gewesen wäre, wäre ihm dieses oder jenes Unglück nicht zugestoßen... Soforn Du diese Schritte nicht bewusst geplant hast (was man als Hinterhältig bezeichnen würde), ist es "normal" wenn solche Konflikte entsstehen, auch wenn Du vielleicht der Auslöser warst. Aber genausogut hätten die anderen auch anders reagieren können. Reaktionen sind nicht voraussehbar. Verstehst Du?
Soetwas nennt man Schicksal und sich HINTERHER darüber Gedanken zu machen ist völliger Unsinn! Genauso zu versuchen das Leben bis ins kleinste Detail zu planen. Denn die Realität ist das was uns passiert, während wir versuchen unser Leben zu planen
Wir können durch überlegtes
Handeln und Denken zwar versuchen unser Leben in ein geordnetes Muster zu bringen, aber wer kann Dir garantieren, dass ein geordnetes Leben morgen weiter so geht wie bisher? NIEMAND...
Ein gutes Beispiel ist der 11. September 2001.
Stell Dir mal die ganzen Angehörigen der Menschen vor die an diesem Tag ums Leben gekommen sind, die sich bis zu diesem Tag eingebildet haben ein geordnetes, geregeltes Leben zu führen... Wie muss es in ihnen ausgesehen haben, nachdem die Zwillingstürme eingestürzt sind? Meinst Du, dass sie daran gedacht haben, wenn sie ihr Leben anders geplant hätten, wären sie darin nicht verwickelt gewesen? Leben ist nicht planbar, aber lenkbar. Und selbst Menschen die heute denken ihr Leben 100 prozentig im Griff zu haben, können morgen durch einen unvorhersehbaren Zufall ins genaue Gegenteil gestürzt werden...
Das was Dir wirklich passiert musst DU hinnehmen und kannst für die Zukunft draus lernen. In dieser Sache scheint Dein Freund echt weise zu sein
... DAS ist das WAHRE Leben. DU hast es Dir nicht ausgesucht, aber es liegt in Deiner Hand. Du hast die Macht etwas daraus zu machen und etwas daran zu ändern (wie ich auch immer für mich selbst wieder neu begreifen muss
). Die obderste Frage an dieser Sache ist dabei eigentlich nur: Warum machen wir es uns dabei eigentlich so schwer, wenn die Lösung doch so einfach ist? Weil wir oft unser eigenes Ziel, unsere eigenen Bedürfnisse schnell aus den Augen verlieren.
Auch ich musste lernen meine Fehler einzusehen, was mir auch immernoch verdammt schwer fällt. Es ist eine Art schlechte Angewohnheit. Wir wollen perfekt sein, und unsere eigenen schwachen, schwarzen Flecken zu akzeptieren fällt uns schwer. Dabei würde es uns noch stärker machen sie anzunehmen, denn dann könnten wir lernen mit ihnen umzugehen.
Auch ich fühle mich schuldig, wenn sich Leute wegen Dingen in die Haare kriegen "die ich in die Welt gesetzt habe", dabei ist es doch ihre eigene Entscheidung sich darüber zu fetzen. Ich habe es ja nicht getan, damit sie sich streiten. Punkt.
Ich fühle mich oft Tagelang schuldig, wenn ich meinem Partner in irgendeiner Weise wehgetan habe, oder wenn wir irgendeine Meinungsverschiedenheit hatten. Selbst wenn wir eigentlich schon darüber gesprochen und es "aus der Welt geschafft" haben. Dabei denkt er daran schon gar nicht mehr. Hat die Sache längst abgehakt... Ich "verschleppe" solche Miesepetergefühle immer eine Ewigkeit. Wie eine große Bleikugel am Fuß schleife ich sie mit mir herum.
Ich mache mir Gedanken wie: "Jetzt denkt er schlecht über mich" oder "Er liebt mich nicht mehr so wie früher" oder "Das trägt er mir ewig nach" Dabei stimmt das gar nicht. Das muss er mir aber jedesmal wieder aufs neue erklären. Ganz einfach weil ich es nicht glauben kann. Ich WILL es ihm glauben, kann es aber nicht. Und ich weiß, dass es ihm immer mehr Kraft kostet. Ich habe das Gefühl, ich sauge ihn aus wie einen Vampir... Alles was ich im Grunde vermeiden will passiert gerade deswegen, weil ich es vermeiden will. Echt seltsam und zum verrückt werden. 
Auf Deine Frage, warum Du es nicht schaffst die einfachsten Dinge zu kapieren und einfach nur zu leben kann ich Dir sagen, weil Du Dir selbst das Leben schwer machst. Aber Du kannst nichts dafür. Genauso wenig wie ich, denn wir haben es nicht anders gelernt. Dennoch können wir lernen unser Leben zu ändern. Das WIE spielt dabei eine ganz wichtige Rolle. Ich versuche gerade zu lernen Dinge hinzunehmen wie sie sind und mich besonders nicht von negativen Ereignissen in meine berühmten "Depri-Löcher" hinunterziehen zu lassen.
Denn wenn ich erstmal "unten" bin, dann bin ich auch zu sehr gelähmt dazu um etwas daran zu ändern. Ich bin sonst immer gerne die "Mecker-Motz-Pöbel-Tante" gewesen, und wenn es ganz schlimm war hab ich mich in mein Schneckenhaus verkrochen, aber einzusehen dass ich mit dieser Methode nichts an der Situation ändere, musste ich erst lernen.
Wir verschwenden zu viel Energie darauf uns "aufzuregen" anstatt einmal tief durchzuatmen und zu sagen: "Hey, das war jetzt echt mies, aber ich kann es nicht ändern." Impulsives Verhalten gehört auch zu meinen "Stärken". Anstatt kühl und analytisch zu reagieren schlage ich mit der Faust auf den Tisch oder schieße über mein ziel hinaus. Oft verliere ich mich dann in grenzenloser Wut und Selbsthass, bishin zu Verzweiflung und grenzenloser Hilflosigkeit... Sicher auch "vertraute" Begleiter von Dir...
...Ich denke, dass war erstmal genug harter Stoff mit dem Du Dich erstmal auseinandersetzen möchtest. Ich hatte auch einen echt merkwürdigen Tag heute. Erst total gut und perfekt, und zum ende hin dann wieder .... Katastrophe... Also ein ganz normaler Tag halt 
Ich wünsch Dir was und lass Dich mal virtuell knuddeln.
Alles Liebe, KM