Was tun gegen die Gespenster aus der Kindheit?

  • hallo hobbit,

    willkommen im forum!

    ich verschiebe dich mal in die rubrik "kinder von alkoholikern". da bekommst du sicher antworten.

    mich persönlich würde aber erst einmal von dir konkret interessieren, wie deine geschichte ist, wer in deiner verwandtschaft alkoholiker ist und woran du leidest. versteh das nicht falsch, aber das forum hier baut auf vertrauen uns selbsthilfe betroffener, und auf ein paar wenig aussagekräftige mag ich nicht aus meinem leben erzählen. also ein bisschen mehr bei die fische, wenn du qualifizierte antworten haben möchtest :wink: .

    gruß

    lavendel

  • Hallo Hobbit,

    willkommen hier im Forum. Um es gleich offen zu sagen, ich verstehe nicht was Du sagen willst, was Du möchtest oder konkret von uns erwartest.

    Zitat

    möchte die Gelegenheit nutzen Menschen kennenzulernen die sich mit ähnlichen Gespenstern quälen wie ich?

    Was für Gespenster quälen Dich denn?

    Zitat

    Wer von euch hat sich weit aus dem Fenster gelehnt um dinge aufzuarbeiten ?

    Was verstehst Du denn unter "aus dem Fenster lehnen"?

    Zitat

    Wer hat in der zwischenzeit dein Leben weitergeführt?

    Ich arbeite meine Kindheit als Kind alkohlabhängiger Eltern mit Hilfe dieser und einer realen Selbsthilfegruppe und einer Therapie auf. Ich bin wie man es nennt ein erwachsenes Kind. Aber mein Leben lebe ich trotzdem selbst und eigenständig. Wie ist Deine Frage zu verstehen?

    Zitat

    Also ein paar Erfahrungen von euch würden mir gut tun und vieleicht ein puzzleteil in meinem Leben bewegen.

    Wenn es "nur" das ist was Du möchtest, brauchst Du nur zu lesen, dieses Forum ist voll mit Erfahrungen. Möchtest Du Erfahrungen die Deinen gleichen und damit eventuelle Lösungsansätze, dann musst Du schon etwas von Dir erzählen. Ich denke, das ist auch genau das was Lavendel meinte. Wenn Du Hilfe für Deine Situation möchtest, musst Du uns schon ein wenig von Dir erzählen.

    Zitat

    Ich habe das gefühl ein Doppelagenten zu spielen und wenn ich mehr schreibe fliegt meine Tarnung auf.

    Eine Freundin von mir sagt immer: "Nur sprechenden Menschen kann geholfen werden". Recht hat sie..... Was willst Du Hilfe oder Tarnung?

    Ich verstehe einfach nicht was Du möchtest. Dies ist eine Selbsthilfegruppe, daß heißt wir helfen uns gegenseitig durch unsere Erfahrungen und damit auch uns selbst. Das beinhaltet geben und nehmen. Wenn Du etwas nehmen willst, Hife, musst Du auch etwas geben, Informationen.

    Gruß Skye

  • Hobbit, ich denke, dass dir viel durch den Kopf geht und deine Gefühle durcheinander sind. Keiner kann dir helfen, wenn du beides nicht ein wenig sortierst. Ich glaube, das Tempolimit muss du dir selbst erst einmal geben. Dabei fällt mir noch eine Frage ein: Wie gehst du selbst mit Suchtmitteln um? Gespenster haben nach meiner Erfahrung auch oft die Eigenschaft, kleine "Mitbringsel" zu haben.

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • hallo hobbit,

    nein, du hast uns bestimmt nicht verärgert, keine sorge. und ich denke auch, dass du dir keine sorgen machen musst von wegen anonymität. keiner wird bei dem, was du schreibst erraten, wer dahintersteckt. glaub mir, sonst würde ich hier auch nicht schreiben :wink: .

    dir geht es im prinzip wie vielen alkoholiker-kindern (mir auch, früher):

    die scham, was da "zuhause" passiert (ist), das mit niemandem drüber reden wollen/können, das nicht verstanden werden, das feststellen, dass das eigene leben irgendwie "komisch" verläuft, die "macken", die man an sich feststellt und die man sich nicht erklären kann, oft übertriebene fürsorge und übertriebenes verantwortungsgefühl, sorge, dass den angehörigen etwas passiert, schuldgefühle, dass man sich nicht mehr kümmert, die frage, ob man "es" hätte verhindern können..... all das sind aspekte und ideen, mit denen ich mich auch rumschlagen musste.

    du fragst nach strategien, damit umzugehen.

    ich hab irgendwann mit mitte zwanzig gemerkt, dass ich so nicht mehr kann. ich war dann bei einer therapeutin und im seelsorgegespräch bei meinem pfarrer und hatte einen partner, der mich sehr dabei unterstützt hat, mich von meinen eltern freizustrampeln. das war nicht einfach, und ich denke, viele verhaltensmuster hab ich heute immer noch, aber ich kann sie jetzt besser einordnen und auch dagegen vorgehen, wenn es mir zu weh tut.

    dass allerwichtigste ist sich davon zu überzeuigen, dass DU das wichtigste für DICH bist. du solltest versuchen, einen gesunden egoismus zu entwickeln, zu sehen, was dir gut tut und was nicht. und wenn dir etwas nicht gut tut, du unter dem kontakt mit deiner familie leidest, sie dich instrumentalisieren musst du versuchen, den kreis um dich zu ziehen. ganz wichtig: du kannst deine familie nicht ändern oder gar "heilen", das können sie nur selbst.

    was ich auch noch gemacht habe: ich bin in eine reale selbsthilfegruppe gegangen. das hat mir sehr gut getan, dort mit alkoholikern über meine alkholabhängigen anhänge zu reden. dort wurde mir oft (wie hier) der kopf geradegerückt, wenn ich mal wieder zu sehr die co-abhängigen-brille aufhatte.

    hobbit, du musst kieine angst haben. alle, die wir hier schreiben, haben sicher ganz ähnliche gedanken wie du gehabt, du befindest dich also in bester gesellschaft :wink: . sieh zu, dass du hier kriegst, was du brauchst. wir können dir dabei helfen.

    gruß

    lavendel

  • Hallo Hobbit, nein, dass du zu viel Angst hast, habe ich nicht geschrieben. Ich hatte den Eindruck, dass dich deine Gefühle überschwemmen und dann ein Nachempfinden, weil ich Ähnliches von mir selber kenne. Als ich mich mit meinem Problem ganz alleine beschäftigt habe, viel las und wenig mit Anderen darüber redete, hatte ich eine ähnliche Panik wie du. Überall sah ich Parallelen und hatte schon Angst, vollkommen neben der Spur zu sein. Ruhiger wurde ich erst, als ich mit "Profis", sprich Therapeuten über all das, was mich bewegte, gesprochen habe. Dass du hier schreibst, den Austausch suchst, ist, glaub ich, ein guter Weg, ein Anfang. Ich weiß nicht, ob wir dir hier genügend helfen können, ob unsere Erfahrungen ausreichen. Aber sicher ist es erleichternd, sich mit Menschen, die Ähnliches erlebt haben, auszutauschen.

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hallo Hobbit,

    Du hast hier niemanden verärgert, ich war nur irritiert und wusste nicht was Du wolltest. Schön, dass Du ein wenig mehr von Dir erzählt hast. So wie Dir geht es vielen Kindern von Alkoholikern, dieses kümmern und sorgen, die Schuldgefühle wenn etwas schief geht, das extreme Bedürfnis nach Sicherheit, alles zu tun damit man gebraucht und geliebt wird, das Gefühl immer perfekt sein zu müssen. Ich denke, das kennen wir Alkoholikerkinder alle auf die eine oder andere Art und Weise.

    Ich weiß wie das ist, wenn man jahrelang versucht alles zu kontrollieren damit das Leben, nicht weiter aus den Fugen gerät. Sich Mauer um Mauer eine Fassade, einen regelrechten Schutzwall zulegt, damit nur niemand einen mehr verletzen kann, sich damit ein vermeintliche Sicherheit aufbaut und sich dabei selbst verliert. Irgendwann wenn es nicht mehr weiter geht und man begreift, dass man etwas ändern muß, wenn man eine Ahnung davon bekommt, was zu tun ist damit es einem besser geht, dann ist es vollkommen normal Angst zu haben. Die hatte ich auch, ich hatte die Hosen gestrichen voll. Allein nur der Gedanke, diese vermeintliche Sicherheit, die ich mir im Laufe der Jahre durch Kontrolle und Schutz zugelegt hatte, zu verlassen, hat mich Anfangs nur erstarren lassen. Du musst Dich nicht schämen, weil Du Angst hast. Die hatten wir anfangs alle mehr oder weniger.

    Aber so groß die Angst auch ist, egal was kommt, nichts ist schlimmer als die innere Einsamkeit, die ich zum Schluß verspürt habe. Ich kam mir zum Schluß innerlich so tot vor, so wollte ich nicht mehr weiter machen. Als erstes bin ich in eine reale Selbsthilfegruppe gegangen, dass hat mir sehr geholfen. Ich habe dort gemerkt, dass ich nicht allein bin, weder mit meinem Problem noch mit meinen Gedanken und Gefühlen, die mir immer absonderlich vorkamen. Dann habe ich eine Therapie angefangen, die mich bisher schon enorm weiter gebracht hat, vor allem was meine Sicht auf mich selbst und mein Selbstwertgefühl angeht. Irgendwann habe ich dann angefangen im Internet zu suchen und bin hier gelandet. Alles schön nacheinander, alles auf einmal anzufangen hätte mich überfordert.

    Weißt Du musst die Tür ja nicht gleich aufreißen und alle Welt einladen, das habe ich auch nicht gemacht. Ich habe sie anfangs auch nur eine kleinen Spalt geöffnet, die Hand an der Klinke, um sie bei Bedarf ganz schnell wieder schließen zu können. Auch Heute steht nicht sperrangelweit offen, aber ein Stück weit auf und ich habe die Hand auch nicht mehr an der Klinke.

    Versuch in kleinen Schritten was gut für Dich ist. Doch aufmachen musst Du die Tür, dass tut keiner für Dich. Fang an Dich zu denken, was Dir gut tut, was Du möchtest. Schau, was Du denkst, daß das Richtige für Dich ist, es gibt einige Möglichkeiten für den Weg da raus. Du brauchst kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn Du an Dich denkst. Denn an sich selbst zu denken ist vollkommen normal, wir haben es nur verlernt oder auch nie gelernt. Du musst an erster Stelle in Deinem Leben stehen, denn genau da gehörst Du hin und niemand anderes.

    Einen guten Abend wünscht….

    Skye

  • hallo hobbit,

    schön, dass du dich ein bisschen mehr öffnest, das tut dir sicher gut, und uns hilft es, ein bisschen mehr zu sagen.

    Zitat von Hobbit

    Du schreibst das du ruhiger geworden bist als du mit Profis geredet hast?
    Wie ist das gefühl einem gegenüber zu sitzen den man gar nicht kennt und sich zu öffnen und der jenige sagt nach einer Std. so bis zum nächstenmal?
    Diese Vorstellung( oder eine Verkehrte?) gibt mir ein Gefühl der Ohnmacht. Demütigungen möchte ich nicht mehr.

    mir ging es auch so, dass ich nach und nach nach gesprächen mit profis ruhiger geworden bin. zwar nicht während der gespräche, die sind natürlich aufwühlend, aber in der konsequenz. es ist ganz schwer, das fassbar zu machen. bei mir war es ein bisschen ein prozess, das ging von hilflosigkeit, hass, trauer, wut, verletzung, scham irgendwann über in akzeptieren, dass ich die vergangenheit nicht ändern kann, dass ich einen wert als mensch habe, dass ich einen gesunden egoismus entwickelt habe, auch mal öfter an mich zu denken bis hin zu einer gewissen art von "frieden", die ich geschlossen habe mit meiner vergangenheit. dieser frieden kam eben irgendwann aus der einsicht, dass alle wut, aller hass, all die negativen gefühle mich nich mehr kaputtmachen. aber das ist eher ein unbewusster prozess.

    ich bin auch immer mit pokerface rumgelaufen, alle fanden mich total stark, war ich aber nicht. irgendwann hab ich auch das aufgegeben, hab meine "freunde" danach selektiert, welche auch dann für mich da sind, wenn ich nicht immer die starke bin, hab irgendwann aufgehört mit gedanken zu machen, was "die leute" von mir denken. seitdem geht es mir deutlich besser.

    und zu der demütigung, bzw. der frage jemanden gegenüber zu sitzen, den man nicht kennt: ich fand das deshalb sehr gut, weil ich eben vor demjenigen irgendwann nicht mehr theater spielen musste. erstens hat er mich eh durchschaut, und ausserdem hat dieser mensch ja nix mit meinem realen leben zu tun, also kann es mir völlig wurscht sein, was er von mir denkt. er soll mir helfen, er muss mich nicht mögen. und kein fachmann wird dich demütigen, wie kommst du darauf? da hätte ich keine sorge.

    lieben gruß

    lavendel

  • hallo hobbit,

    zu deinen fragen:

    den denk- und abnabelungsprozess von meinen alkoholkranken eltern hab ich so etwa im alter von 20 bis 25 ausgefochten. so lange hat es aber auch gedauert, bis ich mich relativ "immunisiert" habe gegen ihre spielchen. damals hatte ich einen partner, der mir sehr beigestanden hat und der auch kein alkoholproblem hatte.

    mein jetziger partner hat eins (er wird gerade trocken, zum glück). ich bestreite mal, dass ich ihn mir aus dem alten muster heraus gesucht habe. mir war immer klar, dass ich nienienie mit einem alkoholiker zusammen sein würde. wir waren fünf jahre "normal" zusammen, da hat er angefangen massiv missbräuchlich zu trinken. ich hab das ziemlich schnell gemerkt und druck gemacht und mich dann letztlich auch von ihm getrennt, weil er nicht ernsthaft aufhören wollte. jetzt will er es, und vielleicht haben wir doch noch eine chance.

    was ich damit sagen will: ich glaube nicht, dass es immer auf dieses schädliche muster hinauslaufen MUSS. natürlich sind wir in einer gewissen weise konditioniert, anderen gefallen zu wollen, lieb gehabt zu werden und sich deshalb sicher auch mehr gefallen zu lassen, als kinder mit einem "gesunden" hintergrund das sind. aber ich bin sicher, dass dieser kreis zu durchbrechen ist, du musst keine angst haben, dass du jetzt den rest des lebens gefangen sein wirst. aber du musst halt auch was tun, und das ist oft anstrengend und auch schmerzlich. aber ich kann dir sagen: es lohnt sich.

    du schreibst:

    Zitat

    Wenn ich versuche etwas zu verändern habe ich das Gefühl mein Partner möchte das auf gar keinen Fall und drückt mich immer wieder in die Schublade zurück!!! So geht die abhängikeit weiter oder ? Geschockt

    was ich nicht so recht verstehe: du schreibst, deine eltern waren abhängig. dein partner auch? oder findest du "nur", dass deine kindheitserfahrungen deine partnerschaft beeinflussen? das wäre auch wichtig zu wissen, um dir adäquat zu raten. und zu deinen kindern: wie alt sind die?

    das mit der in eine schublade drücken hat viel mit selbstbewusstsein oder eben "gesundem" egoismus zu tun. wenn man sich selbst nicht mag, lässt man sich natürlich auch eher unterbuttern, weil man angst hat, die zuneigung zu verlieren. sowas geht aber auch dauer auch nicht gut. du leidest, weil du dich nicht ernst genommen fühlst, und dein partner hat keine richtige partnerin, sondern ein nicht wirklich greifbares gegenüber.

    gruß

    lavendel

  • Hallo Hobbit,

    Du fragst ob das innerlich tot fühlen und neben sich stehen wieder weggeht. Ja! Aber nur wenn Du etwas dagegen tust, von alleine verschwindet es nicht.

    Etwas aufzuarbeiten heißt nicht unbedingt, alles noch einmal zu empfinden bzw. zu erleben. Das, was Du heute fühlst beim Gedanken an Vergangenes, entspricht nicht dem, was Du früher empfunden hast. Die Erinnerung verfälscht auch viele Gegebenheiten. Der menschliche Verstand ist zum Glück so ausgelegt, daß er sich wohl an Gefühle erinnert, aber sie nachträglich nicht nochmal empfinden kann. Beides ist ein Schutzmechanismus. Ein Beispiel zum besseren Verständnis wie ich das meine: Ich weiß, das es weh tut mir mit dem Hammer auf den Finger zu hauen, aber ohne nochmal zuzuschlagen kann ich den Schmerz nicht empfinden und ich wäre ja schön blöd wenn ich es täte. Zu wissen, das es schmerzt reicht mir, um meine Lehre zu ziehen. Etwas aufzuarbeiten heißt nicht es nochmal alles eins zu eins zu erleben oder zu empfinden. Angenehm ist das trotzdem nicht, aber notwendig um den alten Ballast los zu werden.

    Für mich bedeutete und bedeutet aufarbeiten überhaupt Gefühle wieder zu lassen, die guten und die schlechten. Ich kam mir innerlich tot vor, weil ich nichts mehr gefühlt habe.

    Mir ging es wie Ette und Lavendel, nachdem ich mit Profis gesprochen habe, bin auch ich ruhiger geworden. Natürlich geht einem so eine Sitzung schon mal ganz schön an die Nieren. Es war bisher oft anstrengend, aber ich habe mich oft auch erleichtert gefühlt, weil es endlich draußen war. Wie eine Grippe die man ausgeschwitzt hat, man ist erschöpft, aber fühlt sich auf dem Weg der Besserung. Ich habe ein Licht am Ende des Tunnels gesehen.

    Mir ging es ebenso wie Lavendel, nach außen war ich immer die Starke, die die alles konnte und auch alles schaffte. Das wurde mir so von der Außenwelt suggeriert und ich habe es in großen Teilen übernommen. Auch wenn ich mich nicht so fühlte, habe ich mich so gesehen, schließlich habe es ja die anderen so gesehen. Das hat mir sehr dabei im Weg gestanden um Hilfe zu bitten. Das war eine Hürde die ich überwinden musste als ich eingesehen habe, das es ohne Therapie nicht oder nur sehr mühsam gehen würde.
    Angst vor Demütigung hatte ich nicht, Schwäche zuzugeben ja, aber Demütigung, nein. Da habe ich es genauso wie Lavendel gehalten, da könnte ich nur wiederholen was sie schon geschrieben hat. Du sitzt jemandem gegenüber, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Menschen mit Problemen zu helfen. Warum sollte er Dich demütigen, er will Dir helfen, das wäre doch widersinnig. Du musst nicht reden wenn Du nicht möchtest, im Großen und Ganzen gibst Du das Tempo bei solchen Sitzungen vor. Nur je mehr Du erzählst und Dich öffnest, desto besser kann Dir geholfen werden.

    Zitat

    Wie hast du das gemacht ?Wie kann man sein normales leben weiterleben ohne ein Pokerface.

    In einem „normalen“ Leben braucht man kein Pokerface! Das ist es was ich gelernt habe und zum Teil immer noch lerne. Es war für mich auch schwer vorstellbar, bevor ich angefangen habe an mir zu arbeiten, aber es ist so.

    Ich versuche inzwischen so offen und ehrlich wie mir möglich zu sein. Dazu gehört für mich auch hier recht private Dinge zu schreiben, bei denen vielleicht andere zögern würden, dies öffentlich ins www zu stellen, wer weiß. Für mich ist es gleichzeitig auch eine Übung, mich von meiner Umwelt nicht mehr vollkommen abzuschotten. Einfach mal darauf zu vertrauen, daß nicht jeder dem ich die Möglichkeit gebe mich verletzten zu können, das auch tut bzw. nur darauf wartet es tun zu können.
    Allerdings habe ich auch Grenzen, manche Dinge die gehen auch mir dann zu weit. Manches zu beantworten ist mir nicht möglich, ohne Dinge preiszugeben die ich nicht ins www stellen möchte, in keiner Form. Das ist nicht böse gemeint, nur manches bleibt einfach meinem Privatleben vorbehalten. Ich lerne zu unterscheiden, was hilft mir wenn ich es sage und was behalte ich besser für mich. Ich habe mich davon verabschiedet, dass alles was ich von mir preisgebe zu meinem Nachteil sein kann.

    Immer mit einem Pokerface ausgestattet, ist man für seine Mitmenschen nicht greifbar. Mir hat man sogar mal vorgeworfen gefühllos zu sein, dabei bin ich eher das Gegenteil. Mit einem Pokerface verstärkt man nur die eigene Einsamkeit, aus der man so gerne raus möchte. Ein Pokerface verhindert nicht nur das andere sehen, dass man verletzt ist, es verhindert auch das andere sehen das man sich freut.

    Lieben Gruß
    Skye

  • Hallo Hobbit,

    viele Jahre habe ich den Deckel auf dem Topf gelassen, wie Du es so schön beschrieben hast, als Alkoholikerkind lernt man das schnell. Auch das Gefühl, ein Mensch 2. Klasse zu sein, kenne ich. Ich habe dann irgendwann selber angefangen zu trinken, weil ich nicht wusste, wie ich leben soll, fühlte mich entsetzlich wertlos. Fast alles, was um mich herum geschah, bezog ich auf mich, dachte, meine Wertlosigkeit würde das verursachen.

    Im letzten November bin ich aufgewacht. Hier habe ich dann die ersten Schritte gewagt. Ich habe mich auf die Wartelisten bei verschiedenen Therapeuten setzen lassen, weil ich endlich begriffen habe, dass man bestimmte Erfahrungen gar nicht selber bewältigen kann.

    Hobbit, ich wünsche Dir viel Kraft und dazu den Mut, Dich selber liebzuhaben und zu erkennen, dass Du ein wertvoller Mensch bist, der ein Recht auf ein eigenes, glückliches Leben hat. Die ersten Schritte hast Du ja nun schon gemacht, immer schön mit der Ruhe, was Jahre unter dem Teppich lag, braucht seine Zeit...

    Alles Liebe, Meni

  • Hallo Hobbit,

    das Pokerface kenne ich auch. Keiner würde doch denken, dass ich mich manchmal so verlassen und einsam fühle wie ein kleines Kind. Hilflos ausgeliefert, dem, was um mich herum passiert. Inzwischen zeige ich schon immer wieder auf, wenn ich nicht mehr weiterkann und bitte um Hilfe, bestimmte Dinge geregelt zu bekommen. Ich habe für mich selbst aber noch nicht vollkommen akzeptiert, dass ich nicht NUR stark sein muss. Immer wieder holt mich da die Vergangenheit ein, in der ich nur angenommen war, wenn ich etwas geschafft habe, brav war, funktioniert habe.

    Ich empfand es nicht als demütigend, mit einem fremden Menschen meine geheimsten Ängste und Gefühle zu besprechen. Eher erleichternd, mal alles aus dem Kopf und von der Seele reden zu können. Natürlich waren diese Gespräche auch mit Schmerzen verbunden. Mancher Tag ging vorbei, an dem ich nur geweint habe, mich in meinem Bett verkrochen oder auch wütend durch den Wald gestapft bin, um akzeptieren zu können, dass ich Dinge, die mir irgendwann angetan wurden, nicht mehr ändern kann. Rückgängig lässt sich das Leben eben nicht machen. Nur zukünftig kann ich anders handeln und mit mir selber umgehen.

    Und genau wie jemand, der trinkt, habe ich auch noch immer meine Rückfälle. Meine noch immer, dass wenn jemand sich mir gegenüber abgrenzt, er mich nicht gern hat. Kann sehr schlecht loslassen, wenn mir etwas nicht gelingt, weil ich immer meine, wenn ich mich nur genug anstrenge, dann funktioniert es schon. Aufgeben von aussichtslosen Unternehmen fällt mir ganz schwer. Auch das Bemühen, das meiste selber auf die Reihe zu bringen, ohne Hilfe, muss ich für mich immer wieder entdecken und in Frage stellen. Denn meist ist es nur so eine Art Kontrollzwang, alles alleine zu machen, weil ich dann weiß, dass es so ist, wie ich es will. Oft überfordere ich mich dabei und merke es erst, wenn ich wieder Gleichgewichtsstörungen habe, dass alles zu viel war. Denn mein Körper, der ist scheinbar schlauer als meine Psyche und tritt dann schon mal auf die Bremse.

    Ich habe die Therapeutengespräche immer als hilfreich empfunden. Allerdings gingen sie zu früh zu ende. Deshalb bin ich dabei, mir jemand neuen zu suchen, damit ich auf längere Sicht Unterstützung bei meinem Veränderungsprozess habe. Alleine falle ich zu schnell wieder in alte Verhaltensmuster, die mir nicht gut tun.

    Eine schönes Wochenende wünsche ich Euch allen, die ihr hier lest und schreibt.

    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hallo Ette,

    Zitat

    mein Körper, der ist scheinbar schlauer als meine Psyche und tritt dann schon mal auf die Bremse.

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass nichts schlauer ist als meine Psyche (Gefühle). Nur wenn ich einfach nicht auf sie hören will, immer nur meinen Kopf für meine Entscheidungen nutze, senden sie über den Körper die Signale. Aus purer Verzweiflung, weil ich einfach nicht auf sie hören wollte.

    Mich einsam fühlen wie ein kleines Kind, kenne ich sehr gut. Erst als ich akzeptieren konnte, dass dieses kleine Kind noch immer zu mir gehört und diese Einsamkeit meine ureigene, schon sehr altem Ursprungs ist, konnte ich erwachsen werden und begreifen, dass ich für meine Gefühle selbst verantwortlich bin und nicht andere dafür verantwortlich machen kann und dass ich auch nicht für die Gefühle anderer verantwortlich bin.

    Sehr schön, dass Du Dir weiter therapeutische Begleitung holen willst. Ich mache nun schon mehr als ein Jahr meine Therapie und bin damit noch lange nicht am Ende. Doch ich spüre immer mehr Lebensfreude und habe nicht mehr das Gefühl, darum kämpfen zu müssen.

    Ganz viel Glück.

    Teufelchen

  • hallo hobbit,

    schön, dass du ein bisschen mehr von dir schreibst, so können wir wirklich besser antworten :D .

    zu zwei savcehn möchte ich explizit etwas sagen:

    Zitat

    Eine Zeitlang später wurde erzählt das ich ein Gefühlkaltes Stück wäre und man lieber kein näheren kontakt mit mir pflegen wolle.Die ist total Hartherzig...

    das kenne ich auch. meine großmutter fand mich hartherzig und "unchristlich", weil ich den kontakt mit meinem ständig betrunkenen vater verweigert habe. die schwester meiner mutter versteht bis heute nicht, dass ich distanz zu meiner muttere halte: "sie ist doch deine mutter, sie hatte eine schwere kindheit, du musst doch für sie da sein". als ich dann mal nur ansatzweise versucht habe zu erzählen, was bei uns zuhause los war (ganz ähnlich wie bei dir, flaschen wegbringen, schämen, haushalt machen....) erntete ich nur ein "ach, du übertreibst". irgendwann war es mir dann egal, was andere von mir gedacht haben. war dann lieber allein, als mir besserwisserische, belehrende und schuldzuweisende tiraden anzuhören.

    ähnliches mit dem "pokerface" hab ich jetzt gerade erlebt. ich hab mich nach einem jahr massiven trinkens im letzten herbst von meinem freund getrennt. bis dahin war ich bei seiner familie immer die fröhliche, die gut gelaunte, "unser lavendelchen", das engelchen mit den breiten schultern.... tja, als ich mich dann getrennt hab, hat es keiner für nötig gehalten mal anzurufen und zu fragen, wie es mir geht. klar, ich bin jetzt sicher die böse, die den armen, kranken mann fallen gelassen hat. wies aber in mir wirklich aussah, wussten sie nicht, oder wollten sie nicht wissen.

    Zitat

    Ohne Gefühle leben!!Das bedeutet ÜBERLEBEN!!!
    Ehe man sich versieht hat man den Ruf weg!
    Nur dann kann man die Starke sein
    Plötzlich ist es deine Rolle von Fremden zugeteilt.
    Und du nimmst sie erst mal an ****Immer noch besser als du selber zu sein.Falls du überhaupt weißt wer du Bist!

    als kind und jugendliche hab ich auch nur überlebt, weil ich versucht habe keine gefühle zuzulassen. ich glaub, wenn ich das nicht getan hätte, wäre ich verrückt geworden. es ist zuviel für eine "normale" kinderpsyche, sowas "normal" wegstecken zu können. ich hab mich manchmal auch gefragt (und tue das immer noch!), wer ich bin, ob ich ok so bin wie ich bin, suche nach gefü+hlen, finde mich oft gefühllos. aber ich versuche auch, nicht mehr immer alles zu hinterfragen wie "darf" ich so sein. ich bin wie ich bin. was andere von mir denken, ist mir mittlerweile relativ egal.

    Zitat

    Ist es verkehrt den Kreisslauf unterbrechen zu wollen?
    Denkt ihr das ,wenn mann sich nur ganz doll zusammenreißt das man es auch ohne hilfe schaffen kann?Irgendwie Vertrau ich mir nicht.?

    NEIN, es ist nicht verkehrt, den kreislauf durchbrechen zu wollen. du hast nur ein leben, und der kreislauf aus kinderzeiten tut dir wahrlich nicht gut. hör nicht auf das, was deine schwester (oder jemand anders) dazu sagt: hör auf DICH.

    du fragst, ob man - wenn man sich sehr zusammenreisst, auch alleine schaffen kann. das weiss ich nicht.

    aber ich glaube, dass dieser gedanke der falsche ansatz ist: weil du damit das frühere muster wiederholst: du willst wieder etwas mit dir alleine ausmachen - du willst wieder die starke sein. tu dir das nicht an.

    ich habe es als sehr erleichternd empfunden, dass in meiner therapie endlich mal jemand NUR FÜR MICH da war. ICH war mal der mittelpunkt, mit meinen ängsten, (schuld)-gefühlen, ideen... ich habe tipps bekommen, manchmal den kopf gerade gerückt... mir hat es sehr gut getan, und ich wäre nicht so weit gekommen, wenn ich nicht ein korrektiv in form einer therapie gehabt hätte. ich kann es dir wirklich nur ans herz legen: DAS ist stark, sich hilfe zu suchen :wink: .

    liebe grüße

    lavendel

  • Oh Hobbit, ich musste weinen, als ich las, was Du geschrieben hast. Ich weiß noch, wie ich mich fühlte, als der Mist endlich herauskam. Als ich hier anfing zu schreiben, fiel mir immer mehr ein, dabei wollte ich mich eigentlich gar nicht so gut erinnern... Aber es ging mir wie Dir - ich fühlte mich aufgefangen... Und dann begann ich, nach und nach aus meinem inneren Schneckenhaus zu krabbeln.

    Ich gehe seit Januar in die ambulante Psychotherapie und stehe bei mehreren Therapeuten auf der Warteliste. Ich möchte lernen, mit den alten Schrecken zu leben. Sie können uns nichts mehr tun, aber sie werfen immer noch ihre Schatten. Das will ich nicht mehr.

    Ich wünsche Dir auch ganz viel Mut und Kraft, Deine Freiheit anzugehen. Mit Deinem Mann zu sprechen war ein ganz wichtiger Schritt.

    LG, Meni

  • Hallo Baggerschen,

    ich kann Deine Wut, Deine Enttäuschung, Deine Verletzungen, Deine Frustration verstehen. Ich trage selbst noch viel zu viel davon mit mir herum. Was mich betroffen macht, ist dieser grenzenlose Hass der aus Deinen Zeilen klingt.

    Was willst Du mit damit erreichen, wenn Du Deiner Mutter den ganzen Hass vor die Füße wirfst? Auge um Auge, wie soll das überhaupt funktionieren? Glaubst Du wirklich, Deine Worte erreichen sie noch?

    Alkohol verändert nicht nur das Bewusstsein, jahrelanger Alkoholismus verändert auch das Wesen, je länger es dauert umso massiver und umso nachhaltiger. Deine Mutter ist schon lange nicht mehr die Frau, die Dich einmal geboren hat. Da kannst Du genauso gut eine Wand anschreien, das hat den gleichen Effekt. Wenn ich Deine Zeilen lese, dann könnte ich glatt meinen, Du wirfst Deiner Mutter vor, dass sie nur abhängig geworden ist um Dir Dein Leben zu verbauen und zu verderben. Egal was Du sagst, welche Wut und welchen Hass Du ihr vor die Füße wirfst, es wird sie nicht erreichen.

    Alkoholismus ist eine Sucht, auch wenn wir uns noch so sehr bemühen, als Nichtabhängige werden wir nie verstehen, wie es ist abhängig zu sein. Jeder Versuch mit dem Verstand eines Nichtabhängigen da ran zu gehen kann nur scheitern und das ist, was Du versuchst. Du setzt voraus, daß sie willentlich gehandelt hat, dass sie jederzeit in der Lage war mit dem Trinken aufzuhören, als sie Dir Deine Kindheit zur Hölle gemacht hat.

    Wenn Du etwas erreichen willst dann nur wenn sie nüchtern ist. Wenn ich mir allerdings Deine Schilderungen durchlese, dann ist der Zug, sie zu erreichen nicht nur schon abgefahren, sondern auch schon lange aus dem Bahnhof.

    Mit Angriffen auf ihre Person wirst Du nichts erreichen und schon gar nicht die Einsicht und die Bitte um Verzeihung die Du Dir insgeheim erhoffst. Sie hat sich ihr Leben zerstört, leider liegt es in der Natur der Dinge, dass Alkoholiker damit auch das Leben ihrer Kinder zerstören oder zumindest nachhaltig beeinträchtigen.

    Glaubst Du wirklich es wird Dich erleichtern, wenn keine Reaktion kommt oder wieder nur Hohn, Drohungen und erneute Demütigungen? Ich glaube kaum.

    Höre auf davon zu träumen, was Du tun wirst und Dir vorzumachen, dass sie Dich irgendwann um Verzeihung bitten wird, erkennen wird und Dir sagen wird was für ein wertvoller Mensch Du bist. Höre auf Antworten zu hoffen, Du wirst keine bekommen, zumindest keine die Dich zufrieden stellen. Sie kann es nicht, sie ist krank! Das ist keine Entschuldigung, sondern einfach Fakt.

    Glaub mir es ist alles andere als befriedigend, wenn sich die eigene Mutter vor Dir erniedrigt. Meine hat es sogar freiwillig getan, ich wollte es nicht, habe sogar noch versucht sie zu hindern. Keine Ahnung warum sie meinte es tun zu müsse. Mir ist nur schlecht geworden, bei dem Anblick, was Alkohol aus einem Menschen machen kann. Befriedigend war das nicht, es hat auch nichts wieder gut gemacht oder vergessen lassen.

    Du schadest Dir mit diesem Hass nur selbst, Du vergiftest Dein eigenes Leben. Du kannst jetzt mit Deiner eigenen Familie glücklich sein, kannst Dir selbst etwas schaffen. Solange Deine Gedanken jedoch so von Hass bestimmt sind, wird Deine Mutter nie aus Deinem Leben verschwinden und immer wie ein Schatten anwesend sein. Diesen Schatten kannst nur Du entfernen, jedoch nicht indem weiter diesen Hass nährst, sondern indem Du sie endlich los lässt. Wenn Du das allein nicht schaffst, dann besorg Dir Hilfe, aber höre auf Dir selbst Dein Leben weiter zu vergiften.

    Gruß
    Skye

  • Hallo Baggerschen,

    ich weiß nicht wie ich diese Zeilen anders deuten soll:

    Zitat

    Für mich selber währe es ein Befreiungsschlag wenn sie sich dann endlich mal todgesoffen hätte... ( man mag mir dese Einstellung entschuldigen und ich scheere auch nicht alle Alkoholabhängigen über einen Kamm .. das ist nur der Gedanke in meiner Situation)...abe bevor sie geht .. sag ich ihr alles ins Gesicht ... Auge in Auge .. kein Brief .. nein ich will es ihr persönlich sagen...Ich will mich über meine Angst vor ihr drüber stellen...

    Wenn ich etwas missverstanden habe, dann vergiß was ich geschrieben habe und laß es für andere dort stehen. Es war mein persönlicher Eindruck beim lesen Deiner Worte, nicht mehr, nicht weniger.

    Meine Worte waren sicherlich nicht als persönlicher Angriff gemeint, falls Du das so werten solltest. Egal was wir sagen oder schreiben, es wird immer jemanden geben, der etwas anders versteht als wir es gemeint haben, vor allem hier, wo wir allein auf die Schrift angewiesen sind, ohne Mimik, Tonlage und Gesten.

    Warum das jedoch ein Grund sein sollte, Deine Gedanken für Dich zu behalten kann ich jetzt nicht verstehen. :roll: Da bin jetzt etwas erstaunt.....

    Gruß
    Skye

  • Hallo Hobbit,

    auch ich habe die Eigenart, alles, was man mir an Gutem sagt, schnell von der Hand zu weisen, das Schlechte aber regelrecht gern zu glauben. Erst seit kurzem (seit ich mich hier im Forum bewege), erkenne ich, dass ich ich etwas ändern kann. Das erfordert Selbstüberwindung, aber haben wir das nicht frühzeitig gelernt? Dass Du hier schreibst, zeigt in meinen Augen, dass Du beginnst, Dich endlich anzunehmen.

    Auch heute senke ich noch den Kopf, wenn sich jemand mir gegenüber unfair verhält. Wenn meine Stieftochter einen Sch...ton mir gegenüber anschlägt und mein Freund sich grinsend über sein Brötchen beugt, weil seine clevere Tochter sich nicht die Wurst von der Stulle nehmen lässt, fühle ich mich hilflos, ungeliebt und wertlos. Warum soll ich von ihnen erwarten, dass sie damit umgehen können? I c h muss das lernen.

    Ich lerne gerade, dass mein Verhalten sich in anderen widerspiegelt, dass ich es selbst verursache. Ich glaube, es war Maria-Rita, die mir den Tipp gab, ein Kinderbild von mir aufzustellen und diesem Mädchen jeden Tag etwas Gutes zu tun. Und das mache ich auch. Dieses magere, braungebrannte, sommersprossige Mädchen mit der Zahnlücke und den Knubbelknien, missbraucht, ohne Urvertrauen, auf sich selbst gestellt, Verantwortung für Geschwister und saufende Mutter tragend, ohne zu wissen, was Verantwortung eigentlich bedeutet...

    Ich atme gerade tief durch und will endlich an mich glauben. Es kostet, wie gesagt, Selbstüberwindung, aber es lohnt sich.

    Alles Liebe für Dich,

    Meni

  • hallo hobbit, hallo baggerschen,

    Zitat

    Ich denke ich versuche einfach nur anders zu sein wie meine Mutter... ich will nicht vergleichbar sein .. ich will in keinem Wesenszug von ihr wiederzufinden sein ...Ich hab Angst so zu werden wie sie.... i

    dazu möchte ich zweierlei sagen: angst zu haben wie die eigene (trinkende) mutter zu sein ist für uns alkoholiker-kinder ganz normal. aber ich glaube auch, dass wir gerade deshalb mit ganz besonderen antennen ausgestattet sind, eben NICHT so zu werden. so gehts mir jedenfalls, zumindest, was das trinken angeht. das finde ich für mich schon mal ziemlich beruhigend.

    das zweite ist: in keinem wesenszug von der eigenen mutter wiederzufinden sein: ich glaube, dass das eine illusion ist. wir sind kinder unserer eltern, und wir kriegen eine menge vererbt, ob wir das wollen oder nicht. wenn ich fotos von mir sehe und von meiner mutter, haben wir ganz oft fast identische gesten, handhaltung, kopfneigung, wir haben eine ganz ähnliche handschrift, von der physischen ähnlichkeit mal ganz abgesehen. früher fand ich das ganz schlimm, wenn z.b. mein freund mir das gesagt hast "du siehst ja aus, oder du bist ja wie deine mutter". da bin ich an die decke gegangen.

    mittlerweile kann ich darüber fast grinsen - recht hat er. und das ist für meinen inneren frieden sehr wichtig. ich weiss, dass ich nicht meine mutter bin, dass ich in vielem ganz anders bin als sie - und darüber bin ich sehr froh, aber eben nicht in allem. so richtig kann ichs nicht ausdrücken. es sind meine wurzeln, und die muss ich annehmen, ob sie mir passen oder nicht. ich kann mich endlos dagegen auflehnen, versuchen, meine schrift zu verändern oder eine bestimmte handhaltung zu vermeiden, aber das ist albern für mich. für mich ist wichtig, dass ich da ICH bin, wo es mir ganz besonders wichtig ist, dass ich bei dingen, die ich an meiner mutter überhaupt nicht leiden kann aufpasse. nicht mehr aber auch nicht weniger.

    warum ich das schreibe: gerade bei dir, baggerschen, spüre ich ich eine solche wut gegen deine mutter, bei der ich sorge habe, dass sie letztlich auch DICH kaputtmachen wird. ich glaube, wir als alkoholiker-kinder können erst dann ein richtig eigenes leben leben, wenn wir den frieden mit unseren trinken eltern gemacht haben.

    wahrscheinlich haltet ihr mich beide jetzt für völlig übergeschnappt, aber mir ist es so ergangen. was ich zuhause erlebt habe, würde auch für wagenladungen hass reichen, hab ich auch alles gefühlt. aber wem nützt das? es macht nichts heil, im gegenteil, es hat mich noch mehr kaputtgemacht, weil - solange ich meine eltern noch gehasst habe - sie immer noch macht über mich hatten, wie über das kleine mädchen von früher. jetzt hasse ich sie nicht mehr. und es geht mir damit viel besser. das hat viel kraft gekostet, tränen, abnabelung, verletzungen, aber es hat sich gelohnt. dass ich ihnen wirklich jemals verzeiehen kann, was sie mir angetan haben, das glaube ich nicht, bei allem wissen darum, dass es eine krankheit ist. sie hätten die wahl gehabt, ihren kindern die hölle zu ersparen, sie haben es nicht getan. damit müssen sie leben. ich will damit nicht mehr leben.

    dies nur mal so als gedankenanstoss.

    lieben gruß

    lavendel

  • hallo hobbit,

    von wem redest du? die hobbit, die ich hier kennengelernt habe, hat keinen knall, jedenfalls keinen größeren als ich :wink: und viele andere hier (und überall) auch. also: was ist passiert?

    ja, und es IST das alte raster, nicht drüber nachzudenken. schliesslich kennste uns ja nu schon ein bisschen hier, auch dads wir dir nix wollen. mein ja nur, dass es dir wahrscheinlich gut tut, wenn du dich überwindest und erzählst.

    gruß

    lavendel

  • Hallo liebe Tina...

    Du hast keinen Knall. Sei Dir da bitte sicher. Denn dasselbe dachte ich bis vor ein paar Wochen auch von mir und ich bin nicht nur hier ganz schnell eines besseren belehrt worden...
    Wir sind alle Menschen. Punkt.
    Wir haben alle Schwächen. Ausrufezeichen.
    Wir alle haben aber auch unsere Stärken, nur manche trauen sich nicht so recht (genau wie ich) diese auch zum Vorschein zu bringen. Drei Ausrufezeichen.
    Deine Stärke ist doch auf jeden Fall, dass Du bereit bist Dich mit "Deinem Knall" wie Du es so nett umschrieben hast, auseinanderzusetzen, während andere sich mit "ihrem Knall" einfach abfinden und sich auf diese Weise selbst weiter zerstören... Kneif jetzt nicht nur weil Du andere gefühle und Empfindungen als vorher hast. Du bist gerade in einer schwierigen Phase. Der Anfangsphase. In der befinde ich mich auch gerade, und ich kann haargenau nachempfinden wie Du Dich jetzt fühlst... Aber ich bin schon einen Schritt weiter gegangen...
    Es ist verdammt schwer einen geeigneten Therapeuten zu finden. Alleine der Weg dahin liegt voller spitzer Steine. Das habe ich festgestellt. Was meinst Du, was es für ein Kraftakt für mich gewesen ist bei mittlerweile so um die zwanzig Psychotherapeuten nur anzurufen, denen jedesmal die Kurzfassung meines "Knalls" :D zu beschreiben um dann nur zu hören: "Ja schön. Ich setze sie dann auf die Warteliste..." Der Zeitdichteste Therapiebeginn wäre so in 6-9 Monaten (!!!).
    Du hast den ersten Schritt gemacht Dir Hilfe zu suchen. Niemand hat Dir gesagt das es einfach werden würde, aber bitte bitte bitte kneif jetzt nicht! Du bist schon so weit gekommen! Da musst Du am Ball bleiben, denn es geht immerhin um DICH! DAS DARFST DU EINFACH NICHT VERGESSEN! Denn es wird Dir nicht besser gehen wenn Du jetzt einfach aufhörst... Glaub mir! Kopf hoch, weiter gehts! Du schaffst das schon!!!
    Ganz lieben Gruß von KM

    Der richtige Weg ist nicht unbedingt auch der einfachste...

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