Hallo Frozen Tears!!
Ja, Du hast recht. Auch wenn man sich als Kind von Alkeltern immer als "Sonderling" vorkommt (was wir ja jeder für sich auch sicher sind...) ist es doch erstaunlich zu erfahren, wie vielen es genauso ging und auch immer noch geht.
Das ist jedoch unsere Chance, da wir uns hier im Forum eingefunden haben (ich könnte immer noch hüpfen vor Freude, dass ich dieses Forum gefunden habe...) und dadurch erkannt haben, dass wir doch nicht so sonderbar und gar nicht so alleine sind. Auch wenn jeder sein spezielles Problem hat.
@Teaser
Hallo mein "Ritter"
!!
Dein Problem mit dem "Gedankentheater", von wegen: "Hätte ich mich so und so verhalten, dann wäre das und das passiert!" kenne ich selbst zur genüge. Ich bin sozusagen Meisterin oberster Klasse in dieser Kategorie. Auch wenn es bei Dir noch extremer zu sein scheint. Aber glaub mir... Es wird mich nicht weniger Nerven gekostet haben als Dich...
So wie Du darüber schreibst ist es beinahe beängstigend zu lesen, denn ich habe das Gefühl, dass Du Dich darin total verloren zu haben scheinst.
ALLERDINGS, und das ist das Gute an Deiner Geschichte, ist, dass DU alleine auf den Gedanken gekommen bist, das es FALSCH ist.
In dem Buch was Du mir empfohlen hast, war unter anderem die Rede davon, dass Kinder von Alkis praktisch ihre Eltern immitieren, bzw. so mit ihren Gefühlen und Handlungen umgehen, wie sie es einst VORGELEBT bekommen haben.
WIR HABEN ES NICHT ANDERS GELERNT so falsch oder richtig zu empfinden! Und ich kann sehr gut nachfühlen wie frustrierend es für Dich ist an einem Punkt neu anfangen zu wollen, den jedes "funktionierende" Kind (normal gibt es ja bekanntlich nicht ;-)) praktisch mit in die Wiege gelegt bekommen hat.
Ich erwähnte schon anderswo, dass ich auch seit gut vier Wochen einen Neuanfang mit mir selber durchziehe und jeder Tag ist Momentan wie ein glitzerndes Geschenk für mich. Anders kann ich es nicht beschreiben.
Es ist Wahnsinn, wieviel neues täglich auf mich einprasselt. Manchmal fühle ich mich, als wäre irgendwie seelisch nackt.
Ich will mich jetzt bei Dir nicht als Therapeut versuchen (wie könnte ich
), ich möchte nur versuchen Dir mitzuteilen, was ich bei Dir zwischen den Zeilen lese, und wie ich darüber denke. Also sei bitte nicht böse, wenn ich falsch liegen sollte...
Du bist fast verzweifelt, weil Du erkannt hast, dass Du anders denkst und fühlst als vielleicht "die Norm" der übrigen Bevölkerung. Aber Du findest nicht den richtigen Ansatz um bei Null anzufangen. Du hast Dich so in Deiner Spur festgefahren (obwohl Du erkannt hast, dass es nicht richtig ist so zu leben), dass Dir der klare Blick für das für Dich richtige, verschleiert bleibt.
Du bist zu viel mit dem Problem an sich beschäftigt, anstatt mal zu sagen : So. Und nun lass ich das mal links liegen und mache den Kopf soweit leer, damit er aufnahmefähig für etwas Neues ist.
Das war auch für mich schwer. Ich war der Typ der ständig für sein Verhalten eine Ausrede parat hatte, die darüber hinaus auch noch hieb und Stichfest war. Das war auch eine Kunst, die ich mir in den Zeiten, als ich bei meinen Eltern aufwuchs angeeignet hatte, um Ärger aus dem Weg gehen zu können.
Das zu erkennen war für mich allerdings fast unmöglich gewesen. Es zu akzeptieren war noch schwieriger. Aber ich habe es geschafft. Vor allem habe ich für mich in letzter Zeit festgestellt, dass es an vielen Stellen viel einfacher ist die Wahrheit zu sagen, als irgendwelche Ausreden zu erfinden. Vor allem habe ich erkannt wie unnötig ich in den meisten Fällen nach irgendelchen Ausreden und Rechtfertigungen gesucht habe.
Bei Dir ist es (denke ich) wohl in etwa so, dass Du ersteinmal folgendes wissen musst. Du denkst: "Menno. Die anderen (Kinder v. Nichtalkoholikern) kennen sich und ihre Gefühle viel besser. Ich weiß nicht wie sich dieses und jenes Gefühl überhaupt eigentlich WIRKLICH anfühlt. Woher soll ich wissen, wann meine Gefühle richtig sind, und wann ich wieder falsch fühle??"
RICHTIG ist: Jeder Mensch hat sein eigenes Empfinden.
FALSCH ist: Jeder Mensch empfindet gleich.
Selbst wenn DU anfangen musst zu lernen, wie sich etwas anfühlt, kannst DU Dir Deiner Gefühle auch dann nie sicher sein, wenn Du darüber einen Doktor schreiben könntest. Weil wiegesagt jeder für sich alleine anders fühlt. Und irren ist auch eine menschliche Eigenschaft. Du wirst Dich nie zu 100 Prozent auf Deine Gefühle verlassen können, und ich weiß auch dass Du das ja auch gar nicht willst. Du willst nur fühlen können, was andere auch fühlen.
Wichtig ist jetzt aber nur für Dich zu wissen, dass Du neu lernen musst einfach auf Dein erstes Empfinden, Dein sogenanntes "Bauchgefühl" zu hören. Du musst es Dir bewusster machen.
Es ist kein Gerede, was ich Dir jetzt erkläre.
Es gibt ein sogenanntes seelisches Gedächtnis und es gibt darüber hinaus auch noch ein sogenanntes körperliches Gedächtnis.
Dazu soviel. Das seelische speichert alles aus Deinem Leben. Also Erinnerungen, Gesichter, gelerntes aus Leben und Schule. Und auch die Art zu Fühlen und zu Empfinden ist im seelischen Gedächtnis abgespeichert.
Da Du ein schlaues Kerlchen bist, wirst Du Dir sicher schon denken können was jetzt kommt. 
Das körperliche Gedächtnis tritt dann zu Tage, wenn das seelische nicht mehr weiterhelfen kann. Das körperliche Gedächtnis wird auch "Instinkt" genannt. Im Falle einer totalen Amnesie würde Dir dein körperliches Gedächtnis immer noch Deine Instinkte zur Verfügung stellen (was jetzt nicht heißt, dass Du Dir einen Gegenstand auf den Kopf hauen sollst, um Dein Gedächtnis zu verlieren
...).
...Sondern, zu den Instinkten gehört bekanntlich Intuition, das Gefühl bestimmen zu können, ob etwas oder jemand einem "gut tut" oder "nicht gut tut"...
Finde für Dich heraus, was Dir "wirklich " gut tut. Nicht nur für den Moment, sondern längerfristig. Fang mit kleinen Schritten an.
Was nicht heißt, dass Du jeden Deiner Schritte jetzt in Frage stellen sollst.
Der grundliegende Vorschlag ist simpel. Höre mehr auf Dein Herz (auch auf das, was es zwischen den Zeilen sagt). Denke nicht nur für jetzt, gleich, oder nachher. Sondern auch an später, Morgen, in zwei Jahren.
Für mich (nur mal als Beispiel...) stelle ich mir bei jedem Stück Schokolade die Frage: "Will ich das jetzt nur, weils mir gerade passt und ja unheimlich lecker ist, oder weil es mir auch gut tut??" ... hört sich zwar blöde an, klappt auch nicht jedesmal, aber jeden Tag etwas besser...
, besonders wenn ich den gefürchteten Gang zur Wage machen muss... *zwinker*...
Ich hoffe ich konnte Dir mit meinen Vorschlägen etwas geben, mit dem Du vielleicht hier oder da was anfangen kannst (ansonsten habe ich mir hier gerade umsonst Blasen an die Fingerkuppen geschrieben, ärks...
)...
Alles Liebe für Dich! Gruß, KM