Liebe Siri,
Vielen Dank für deine lieben und aufbauenden Worte. Ich lag die ganze Nacht wach und habe ein sehr dolles Gedankenkarussell gehabt. Habe sehr viel geweint und mich gestern Abend meinem Mann anvertraut. Es fiel mir unglaublich schwer, aber es musste sein. Mir fällt es so schwer auszusprechen, dass meine eigene Mutter ein Alkoholproblem hat.
Beim Reden gestern Abend fielen mir dann die altbekannten „Ausreden“ auf a lá „heute habe ich ein Glas Wein getrunken, weil ich frustriert war“ oder „so jetzt bin ich mit der Gartenarbeit fertig, jetzt kann ich ein Glas Wein trinken“ etc.. - mein Mann sprach dann gestern auch aus, dass ihm das aufgefallen sei was das große Kind betrifft. Sie hat noch vor ein paar Monaten nie getrunken wenn auch nur ein Kind in der Nähe war, geschweigedenn wenn eins dort schlief. Jetzt ist es wie schon geschrieben anders.
Ich fühle mich so hilflos und weiß nicht wie ich es ansprechen soll bei ihr. Wie sagt man jemandem, dass man glaubt, er oder sie habe ein Alkoholproblem - grade mit der Vergangenheit? Wie sagt man dann, dass das eigene Enkelkind nicht mehr dort übernachten darf bis sich alles beruhigt hat und besser wird? Sowas dauert Monate, Jahre … Ich fühle mich elendig und als würde ich meiner Mutter ihr Enkelkind entziehen. Ist das der richtige Weg? Mit Druck ist es doch eigentlich meist genau das Gegenteil was man bewirkt..
Du siehst: Fragen über Fragen. Und viel viel Trauer. Meine Therapeutin habe ich kontaktiert, ich warte auf Rückantwort ihrerseits um Hilfe zu bekommen.
Ich danke dir auf jeden Fall, dass du mir etwas von dir erzählst. Ich fühle mich nicht mehr ganz so allein.
Liebe Grüße
Aloy