Beiträge von Berliner

    Hi zusammen,

    ohne verallgemeinern zu wollen: Gibt es eigentlich Unterschiede des Alkoholismus bei Männern und Frauen? Gemessen an den sozialen Normen, an gesellschaftlicher Akzeptanz vom Alkohol im Allgemeinen und an den unterschiedlichen durchschnittlichen physiologischen Grundlagen müsste es doch schon Unterschiede geben.

    Oder ist das zu verkopft? Ich bin ein bisschen irritiert, dass sich hier im Co-Forum so viel mehr Frauen als Männer befinden. Mir ist bekannt, dass es wohl mehr Männer als Frauen unter den Alkoholiker:innen gibt, aber das Missverhältnis kann doch SO groß nicht sein, oder?

    Woher kommt das? Habt ihr eine Idee?

    Liebe Grüße vom Berliner

    Was hat dich denn damals selbst überzeugt aufzuhören?

    Ich wusste natürlich, dass ich Alkoholiker bin. So viel Intellekt hatte ich schon. Was mich wahnsinnig gemacht hat in den klaren Momenten, war der Kontrollverlust. Und eines Morgens habe ich beschlossen, dass es vorbei ist. Rückblickend muss ich allerdings sagen, dass kein Entzug psychisch so belastend war wie der vom Alk. Rückblickend muss ich allerdings auch sagen, dass das völlig verrückt gewesen ist, dass ohne ärztliche Begleitung zu machen.

    Naja, die Diskrepanz hängt mit einem Rückfall zusammen. Wenn ich den ausblende, sind es 20 Jahre. Bei mir war es auch nicht nur Alkohol, aber das ist eher nebensächlich. Ich habe es hinter mir, meine Frau aber nicht.

    Meine Frage ist wirklich eher praxistauglich gemeint, wie habt ihr das thematisiert in euren Beziehungen?

    Mein Ziel ist es, dass sie ihr Alkoholproblem endlich als das erkennt, was es ist. Ich kann kaum glauben, dass sie es nicht sieht. Aber sprechen wird sie von sich aus nicht darüber.

    Liebe Grüße vom Berliner

    Hallo zusammen,

    ich war vor einiger Zeit schonmal im Forum, stehe nun mal wieder vor einer akuten Situation.

    Meine Frau trinkt schon jahrelang, ich selber habe vor ungefähr 20 Jahren aufgehört, bin selber Alkoholiker.

    Es hielt sich bei meiner Frau in gewissen Grenzen, nunmehr sind es aber täglich mindestens 1,5 Flaschen Wein und zwar unterbrechungsfrei seit einem Jahr ungefähr. Selbst bei Krankheit. Immer abends, so dass keiner außer mir etwas mitbekommt. Fassade eben.

    Ich kenne eure Haltung dazu weitestgehend, aber ich möchte mal wissen, wie ihr als Co das zur Sprache bringt oder gebracht habt. Ganz praktisch. Mein Problem: in nassem Zustand ist es witzlos, in nüchternem Zustand möchte ich es nicht eskalieren lassen, wenn ich diesen Zustand mal ein bisschen genießen kann.

    Ich kriege die Kurve nicht richtig ... Bin aber nervlich ein Wrack und mir geht's echt beschissen.

    Daher würden mich eure Geschichten interessieren, das macht mir vielleicht Mut.

    Liebe Grüße vom Berliner

    Ich lese seit Tagen im Forum, stelle zahllose Parallelen fest und verstehe langsam immer besser, dass ich in der Situation mit meiner Frau reichlich machtlos bin. Ernüchternd würde ich das nennen wollen.

    Auffällig ist, dass vergleichbare Situationen oft genau andersherum sind, dass die Frauen an ihren Männern verzweifeln. Ich habe vieles auf meine eigene Suchtkarriere geschoben, aber da liege ich wohl falsch.

    Ich habe zwar noch keine Ahnung, wie ich hier weitermachen soll, aber es hilft mir ungemein zu erkennen, dass ich einer unter vielen bin. Danke an alle, die hier so offen und ehrlich schreiben, das ist Balsam für die Seele...

    Liebe Grüße vom Berliner

    Deine Frau ist ein Mensch und keine Sache, die du mal durchkämpfen kannst. Sie ist ein Mensch mit eigenem Willen. Da gibt es Grenzen, die du überschreitest. Sie " formen" zu wollen nach deinen Vorstellungen ist schlicht und ergreifend übergriffig.

    Das ist ein verdammt gutes Argument, danke!!!

    Wie hast Du es überhaupt geschafft, in ihrem Beisein trocken zu werden und zu bleiben? Und wie steht sie dazu?

    Sie hätte ja von Deinem guten Beispiel lernen können und sehen, dass das Leben ohne Alk gar nicht trostlos sein muss ...

    Vielleicht war es ein Rest an Vernunft, der mich geleitet hat. Ich habe ja schon davor einige Entzüge gemacht, kalt und stets alleine...

    Sie fand das am Anfang "Quatsch", ich würde alles übertreiben. Mittlerweile hat sie eine gewisse Achtung davor. Aber ich glaube, sie denkt, ich kompensiere das nur mit Arbeit. Das ist allerdings falsch, die macht mir nämlich Freude...

    Ich verstehe. Du kennst das.

    Wie bekommt man das hin, ohne das man sich im Nachgang Vorwürfe macht? Ich will irgendwie nicht glauben, dass ich überhaupt keinen Einfluss auf die Entwicklung habe.

    Zu gehen ist irgendwie eine Kapitulation. Das ist wirklich nicht mein Stil. Ich kämpfe eigentlich alles durch und fast immer auch erfolgreich. Bezogen auf mich selbst, aber auch beruflich und geschäftlich. Ich habe einige soziale Engagements, die auch viel Durchhaltevermögen erfordern. Und gerade bei meiner Frau soll das alles nicht funktionieren?

    Leichter gesagt als getan. Im Grunde bin ich von einigen Drogen weggekommen nur durch Sie. Der Alkohol kam danach. Dass das für mich eine Ersatzdroge war, habe ich erst später erkannt. Das war das typische Trinken auf hohem Niveau. Teure Weine, seltene Spirituosen, naja ... Ihr kennt das Schema. Am Ende geht's um Alk.

    Ich war daran auch aktiv beteiligt, dass sie da reingezogen wurde. Als ich vor 12 Jahren von einem Tag auf den anderen aufgehört habe, will ich einen nervlichen Zusammenbruch hatte, hat sie weiter getrunken. Das war für mich einerseits die Hölle, andererseits hat es mich noch mehr bestärkt.

    Ich will ihr einfach nur helfen. Bei diesem Prozess zuzusehen ist verdammt schmerzhaft. Dass die Beziehung darunter leidet, muss ich hier wohl nicht erklären. Aber ich befürchte, dass in einem Trennungsfall sich alles noch beschleunigt und verstärkt. Ich kriege das nicht übers Herz. Mangels Freundschaften steht sie ziemlich alleine. Ihe Familie wäre kaum hilfreich ...

    Berliner

    Hallo zusammen,

    ich bin ein Berliner, 54, seit ca. 12 Jahren trocken. Allerdings hatte ich mein Leben lang nicht nur Probleme mit Alkohol sondern eigentlich mit jeder Droge. Ich bin zu einem kontrollierten Konsum einfach nicht in der Lage, es eskaliert in rasender Geschwindigkeit. Egal, was es ist, selbst Zucker vermeide ich wo immer es geht. Ich mache kaum mehr einen Unterschied zwischen Alkohol, Tabak, Opiaten oder Zucker (ist eine Auswahl).

    Ich habe es soweit im Griff und bin auch seit 12 Jahren rückfallfrei. Einzig nach einer missglückten Operation bin ich unter Morphium und Oxi auf einer Intensivstation aufgewacht (trotz meiner Angaben in der Narkosesprechung). Danach war ich drauf und habe ca. 6 Monate damit zu kämpfen gehabt. Da wäre fast alles zusammengebrochen. Abgesehen von dieser Tortur bin ich einfach "vollabstinent". Es fällt oft schwer, aber ich schaffe es bislang immer.

    Ich wende mich an euch allerdings wegen meiner Frau. Sie ist ebenfalls (uneinsichtige) Alkoholikerin, trinkt täglich ca. 1 Flasche Wein. Nur abends, von außen weitestgehend unerkannt. Sie trinkt seit ca. 35 Jahren, seit über 20 in solchen problematischen Mengen.

    Ich bin beruflich sehr gut gestellt, so dass sich finanziell keine Probleme ergeben und auch sozial alles "fein" aussieht. Sie arbeitet ebenfalls, auch erfolgreich, es stellen sich aber praktisch nie Bindungen ein, eine Nähe zu Kollegen/innen ergibt sich nie.

    In den letzten Jahren mehren sich zudem depressive Anzeichen, die sie vehement abstreiten. Ängste jeglicher Art haben stark zugenommen.

    Sie ist über die Jahre immer übergewichtiger geworden, hat erhebliche Zahnprobleme, geht aber grundsätzlich niemals zu einem Arzt. Freunde haben wir kaum noch, obwohl ich eigentlich ein lebenslustiger, sozialer a Mensch bin, auch geschäftlich umgeben von tollen Menschen. Außerhalb der Beziehung Pflege ich alle diese sozialen Kontakte sehr, schaffe es aber nicht, sie einzubringen.

    Vor drei Jahren haben wir eine Paartherapie versucht auf mein Hinwirken. Da kam das Thema Alkohol auf den Tisch, sie hat ca. 3 Monate nichts getrunken, die Therapie wurde schon nach kurzer Zeit abgebrochen, sie redet praktisch nicht darüber. Danach ging es wieder an und schön nach wenigen Wochen war sie wieder auf dem alten Niveau (vorher Bier und Kräuterschnaps, jetzt Wein).

    Wir leben in einem eigenen Haus, also fällt eine Trennung oder ein "vor die Tür setzen" im Grunde aus, das ist finanziell nicht ohne weiteres leistbar. Eine Trennung möchte ich auch vermeiden. Ich fühle mich auch durch meine eigenen Probleme mitverantwortlich, aber ich bin völlig ratlos, wie ich damit umgehen soll.

    Sie ist nicht einsichtig in ihre Sucht und ich erkenne alle problematischen Verhaltensweisen aus eigener Erfahrung. Nun nehmen schon gesundheitliche Probleme zu, aber auch diese führen nicht zu einem Umdenken. Therapieansatz (s.o.) verlief nicht gut, ärztlicher Rat fällt mangels Konsultation aus.

    Mein Latein ist am Ende - das Geschriebene ist natürlich nur ein kurzer Auszug.

    Liebe Grüße

    Berliner