Hallo liebes Forum,
zunächst möchte ich mich für die Offenheit und Ehrlichkeit hier bedanken. Es tut gut zu sehen, dass viele andere Familien ähnliche Erfahrungen durchleben (Führerscheinentzug, versteckte Flaschen, verleugnete Rückfälle ...).
Zur Geschichte meiner Mutter:
Meine Mutter kämpft seit über 10 Jahren mit ihrer Alkoholsucht. Trotz wiederholter Warnungen hat sie bisher keinen Weg aus der Abhängigkeit gefunden. Eins meiner Geschwister hat den Kontakt abgebrochen und auch ihr Ex-Mann hat sich nach langer Zeit von ihr getrennt. Inzwischen hat sie zum zweiten Mal den Führerschein verloren und ihr körperlicher Zustand verschlechtert sich zunehmend – starkes Zittern, leerer Blick, gelbliche Fingernägel.
Sie war schon zwei Mal für längere Zeit in einer geschlossenen Einrichtung (2-4 Monate) und hat allein im letzten Jahr fünf Entgiftungen hinter sich. Vor etwa zwei Monaten schien es, als hätte sie ihren Tiefpunkt erreicht: Nach der Ankündigung der Scheidung und dem Kontaktabbruch meiner Schwester begann sie, regelmäßig die Treffen der Anonymen Alkoholiker (AA) zu besuchen.
Ich hatte den Eindruck, dass sie nun ernsthaft an ihrem Problem arbeiten wollte. Sie hatte sogar ein Jobangebot in Aussicht und ich wollte sie unterstützen, indem ich ihr ein E-Bike besorgte, damit sie mobiler ist. Die positive Entwicklung schien endlich greifbar.
Vor Kurzem hatte sie ihren 60. Geburtstag, und obwohl wir nicht mehr in derselben Stadt wohnen, lud ich sie ein (weil ich sie "belohnen" wollte, da sie ja an sich gearbeitet hat"), diesen bei uns zu feiern. Ich wollte sie nicht alleine lassen, da sie mir in den letzten Wochen verbessert vorkam. Doch als ich sie vom Flughafen abholte, war sie betrunken. Das gemeinsame Abendessen sagte ich ab und brachte sie ins Hotel, in der Hoffnung, dass sie am nächsten Tag nüchtern sein würde.
Leider wiederholte sich das Ganze am nächsten Tag, ihrem Geburtstag. Als ich sie im Hotel besuchte, war sie so betrunken, dass sie kaum stehen konnte. Sie wurde ausfallend, und ich bot ihr an, den folgenden Tag mit ihr zu verbringen, wenn sie nüchtern ist. Am Samstagmorgen trafen wir uns erneut, doch sie wirkte immer noch angetrunken und zeigte keinerlei Einsicht. Sie behauptete, sie könnte das Problem alleine in den Griff bekommen und bräuchte keine weitere Therapie.
Meine Fragen an das Forum:
1. Ist das „Abschalten“ der Einsicht eine Folge davon, dass sie noch „nass“ ist?
Oder hat sie wirklich keinen Wunsch, mit dem Trinken aufzuhören? Ich frage mich, ob ein „trockener“ Alkoholiker hier eine ähnliche Erfahrung kennt. Nach einer Klinikphase wirkt sie wie ein anderer Mensch – aber sobald sie trinkt, kehrt sie zu alten Mustern zurück.
2. Wie geht ihr mit Rückfällen um, wenn eure Eltern gerade aus der Klinik kommen?
Meine Mutter war zuletzt motiviert, sich helfen zu lassen, und wollte auch die Anonymen Alkoholiker-Treffen besuchen. Doch nach diesem Rückfall bin ich ratlos. Lasst ihr den Kontakt sofort wieder ruhen, wenn eure Angehörigen rückfällig werden, oder gebt ihr ihnen eine weitere Chance, solange sie sich bemühen?
Am Dienstag werde ich sie wieder zum Flughafen bringen und ihr raten, in eine Klinik zurückzukehren. Ich möchte ihr helfen, aber nur, wenn sie auch wirklich bereit ist, sich selbst zu helfen.
Vielen Dank für eure Antworten und Ratschläge.