Ich erinnere mich dass ich ganz am Anfang auch den Gedanken hatte- schade- so ein bisschen kontrolliert trinken zu können wäre schon toll.
Ich versuchte so ‚normal‘ wie möglich weiterzumachen. Die gleichen Leute, die gleichen Parties- nur ich eben mit alkoholfrei. Dafür hab ich mich noch von meinem nassen Umfeld feiern lassen und war tierisch stolz.
Aber 1. war das ein Kraftakt und 2. wäre das nicht mehr lange gut gegangen. Irgendwann hätte ich wieder mitgetrunken.
Ein Umdenken musste her, alternatives Freizeitprogramm, das jetzt vermehrt tagsüber statt abends stattfand.
Vertiefung von Beziehungen mit Menschen die auch den Fokus nicht auf das Feierabendbier legen- davon gab es Gott sei dank noch ein paar in meinem Umfeld.
Klare Absagen an Veranstaltungen die nur zum Saufen da sind- keine Kneipen mehr.
Meine Stammkneipe habe ich nie wieder betreten und werde dort auch nicht vermisst. Und ich brauch das auch nicht mehr. Ab und zu sehe ich einen ehemaligen Saufkumpan an meinem Fenster vorbeischwanken- unverständliches Zeug vor sich hinbrabbelnd. Der kommt gerade heim und ich sitze schon beim Kaffee. Da werde ich alles andere als wehmütig. Er tut mir leid aber er ist selbst erwachsen.
Heute will ich gar nicht mehr kontrolliert trinken können- wozu? Es gibt keine Situation die durch Alkohol schöner oder auch nur besser erträglich wird.
Rituale mussten geändert, Gewohnheiten ‚überschrieben‘ werden, aber das geht und macht wirklich innerlich zufrieden.
Nach etwas über einem Jahr Nüchternheit geht es mir so gut wie seit 20 Jahren nicht mehr. Und in letzter Zeit höre ich immer wieder dass man mir das auch ansieht,
Also: Nicht nur nicht Trinken, sondern einen Rahmen für ein gutes nüchternes Leben schaffen. Irgendwann vermisst du nichts mehr. Nur die blöde Suchtstimme meldet sich noch ab und zu wie ein Kind das noch nicht schlafen will. Aber man lernt auch sie zurück ins Bett zu schicken. Schon eine Stange Arbeit- aber es lohnt sich so sehr!