Beiträge von AnnaBlume

    Es klingt ein bisschen so als würde hier die Verantwortung für das Wohl der Kinder auf den Co-Abhängigen abgeschoben. Er soll dafür sorgen, dass die Kinder in Sicherheit kommen und nicht mit einem Alkoliker-Elternteil aufwachsen müssen.

    Der Alkoholiker selbst kann ja die Verantwortung nicht übernehmen, der ist ja suchtkrank.

    Aber sind die Cos nicht mit krank- wie der Name schon sagt? Ist es für sie nicht genauso hart wie für uns aus dem Sucht-System auszusteigen?

    Einer muss handeln, ja. Und hier sind es in den allermeisten Fällen die Cos die das Handeln übernehmen. Aber es sind die Cos die sich hier melden- die also den ersten Schritt schon getan haben.

    Muss nicht noch mehr das Umfeld in die Pflicht genommen werden? Freunde und Familie, die sehen was läuft und nur den Kopf schütteln? Das Dorf, das sich das Maul zerreißt über den ständig besoffenen schlägernden Vater aber keiner bietet der Mutter und den Kindern z.B. eine Zuflucht an? Diese Familien gab es doch schon immer. Warum zeigt man mit dem Finger auf sie statt zu helfen?

    Hat jemand das schon mal erlebt von euch?

    Ja! Bei mir! Aber es meistens oft nur Trinkpausen. Wenn die Einstellung wirklich passt kann es klappen/ leider sieht man das von außen nicht.

    wollte er mich quasi aus dem Haus schmeißen

    Warum sollst du gehen und nicht er?

    Er klingt schwankend, instabil. Vielleicht solltet ihr euch wirklich- zumindest für eine gewisse Zeit - räumlich trennen.

    Leider bedeutet das Signalwort ‚durchstarten‘ bei Männern, dass sie sich gleich ne neue Frau suchen wollen. Und egal wie unansehnlich, unausstehlich oder saudoof sie sind- klappt trotzdem fast immer.

    Nur als Hinweis.

    Was genau willst du für dich?

    Und das habe ich mir versucht bewusst zu machen

    Ich musste mir das gar nicht bewusst machen, es kam quasi über mich.

    Die Scham über mein Verhalten und die Angst dass wirklich mal ein schlimmer Unfall passiert waren irgendwann erdrückend.

    Komischerweise wurde in den Wochen vor meinem Entschluss nüchtern zu werden die ‚Sozialkater‘ weniger. Ich stumpfte quasi noch eine Stufe weiter ab und dachte an Tagen nach peinlichen Besäufnissen ‚ach wurscht‘. Das war Verdrängung. Und die ist es vielleicht auch bei den Leuten die keinen Leidensdruck haben- zumindest ihn nicht zu lassen. Aber die sind dann halt noch nicht so weit oder trinken halt weiter.

    Dann ist es am Umfeld zu entscheiden ob das ok ist oder man sich entfernt.

    Ich habe mich auch immer als ‚funktionierende Alkoholikerin‘ gesehen. Aber es ist ein Label. Von außen sieht ‚man‘ nix- wer näher dran ist, sieht doch was.
    Innendrin funktionierte gar nix und wenn ich ehrlich bin, fingen auch äußerliche Risse an.

    Wenn wirklich gar kein Leidensdruck da ist, das Umfeld fein damit, die Gesundheit gut, ist man dann überhaupt Alkoholiker?

    Bei psychischen Erkrankungen wird die Grenze ja da gezogen, wo der Leidensdruck einsetzt und jemandes Leben und/oder das seiner Mitmenschen beeinträchtigt ist.

    Kann man hier reihenweise nachlesen.
    Aber das was du beschreibst LK sind ja Menschen, die niemals hier landen. Läuft ja gut, warum sollten sie was ändern?

    In irgendeiner Weise noch ‚funktioniert‘ hat jeder hier. Ich denke der Alkoholiker, den sich meine Mutter als solchen vorstellt, der ungewaschen zwischen leeren Flaschen sitzt und die Wohnung nur noch für Nachschub verlässt, falls es denn eine Wohnung gibt, ist nicht die Regel.

    Ohne ‚Kennerblick‘ wurden die meisten hier von außen nicht für Alkoholiker gehalten- was ja auch Teil der Scharade ist, die irgendwo zur Sucht dazugehört.

    Kalt duschen, starker Kaffee, Kopfschmerztablette, kaugummi und hoffen keiner merkst, ist wahrscheinlich etwas das nicht nur mir sehr vertraut ist.

    Als wären wir eine besondere Einheit gewesen, oft mit dem Gedanken, andere verstehen uns nicht.

    Dafür gibt es sogar einen Fachbegriff ‚Romeo und Julia Effekt‘. Wegen diesem wird oft geraten z.B. als Eltern nicht zu sehr Einfluss zu nehmen, wenn das Kind ganz offensichtlich in einer ungesunden Beziehung steckt. ‚Wir gegen den Rest der Welt‘ hat leider was sehr romantisches. Gut dass du es da raus geschafft hast!

    warum jemand mit Depressionen sich alkoholabhängig fühlt, obwohl er nur zwei Gläser Wein pro Woche trinkt.

    Das hat jetzt mit Kazik wirklich gar nix zu tun ( Kazik sag bitte Bescheid wenn das verschoben werden soll), aber Hartmut, da sprichst du was an, was ich mich gar nicht getraut habe auszusprechen.

    Gibt es Menschen, die sich die Alkoholsucht nur einbilden? Ich wurde stutzig bei einer Reportage über eine ältere Dame, die in der Klinik war und wegen ihrer Alkoholsucht behandelt wurde. Die trank ein halbes Glas Wein am Abend. Ich dachte sofort ‚das klingt jetzt aber wenig‘ aber der Therapeut sagte im Interview auf die Menge komme es ja nicht an. ‚Gut‘ dachte ich ‚ich hab das jetzt nicht zu bewerten‘, aber es erschien mir eigenartig.

    An meiner eigenen Sucht zweifle ich ganz und gar nicht- um das mal gleich klar zu stellen. Sorry hat gerade so gut gepasst.

    Ich hatte zwei reaktive depressive Phasen. Gott sei dank sind die Menschen in meinem Umfeld da sehr sensibel mit umgegangen. Obwohl es im Kopf stattfindet, kann man es überhaupt nicht steuern- genauso wenig wie man einen gebrochenen Knöchel mit Willenskraft heilen kann.

    Für mich als selbst ernannte ‚Macherin‘ war das furchtbar. Da liegt ein Stapel Post und ich schaffe nicht mich drum zu kümmern. Die Gerichtsvollzieherin kommt um Geld einzutreiben, das ich einfach hätte überweisen können- ich hab es einfach nicht auf die Kette bekommen. Nichts wollte ich mehr. Nur schlafen und weinen. Diese fehlenden Farben, die Schwere, die Angst das geht nie mehr weg. Es war grauenhaft!

    Das einzige was man für einen depressiven Menschen tun kann ist zu zeigen: ich bin für dich da, du musst nix tun, ich warte nicht auf Reaktion und melde mich trotzdem regelmäßig ohne Druck auszuüben.

    Gerade ist ein Freund von mir in einem tiefen Loch. Ich schreibe ihm ganz regelmäßig und frage ob ich was für ihn tu kann. Über jeder Nachricht steht, dass es völlig ok ist, wenn er nicht antwortet und drunter steht ‚Ich melde mich weiter regelmäßig‘. Er meldet sich nicht und das ist auch wirklich ok. Er ist in Behandlung und jemand kümmert sich. Trotzdem gebe ich Lebenszeichen um zu signalisieren, dass er Freunde da draußen hat die nicht weglaufen.

    Mehr kann ich gerade nicht für ihn tun.

    bei Suchttherapeuten das Verständnis für diese Art "Doppeldiagnose" zu fehlen

    Erstaunlich weil das auch häufig ist. Ja viele Menschen tun das als ‚faul‘ oder ‚schlampig‘ ab. Aber die Menschen leiden. Trotzdem kein Grund dass zu sich zu nehmen. Bei meinem war auch Abhängigkeit im Spiel.

    Wir sind bis heute befreundet, aber weder will ich irgendwas mit seinen Lagerräumen zu tun haben, noch kommt er mir ins Haus. Gerne trinken wir zusammen irgendwo außerhalb Kaffee und dann ist es nett. Vielleicht kommt ihr irgendwann da hin.
    Jetzt erst mal Abstand finden.

    Aber Sorgen um die Gesundheit meines Gegenübers/Freundes/Familienangehörigen darf ich mir schon machen.

    Na klar! Mich haben ganz wenige Menschen auch angesprochen. Es hat erst mal gar nix genutzt und ich habe das als blödsinn abgetan, aber ich kann mich an jede Situation erinnern in der jemand mir gesagt hat ‚Anna, ich glaube du trinkst zu viel‘.
    Zumindest sagt man dann mal die Wahrheit- was derjenige damit anfängt ist seine Sache.

    könnte entrümpeln lassen, wenn er will

    Wenn er wirklich Messie ist, ist das keine Lösung. Man würde ihn quasi enteignen und die Bude wäre auch ganz schnell wieder voll.

    Ich war mit einem Messie zusammen und weiß von was ich spreche. Es ist eine Wertbeimessungsstörung- d.h. die Person hängt genauso an einem alten Joghurt Becher wie am Tafelsilber.
    Es ist übrigens ganz typisch, dass sich Messies dann lieber in anderen Wohnungen aufhalten, ohne wirklich die eigene ändern zu wollen. Meiner hauste 2-4 Jahre mit Unterbrechungen bei mir und dann musste ich bei mir entrümpeln.

    Das ist eine tiefgreifende Störung. Lass das bei ihm. Du kannst es nicht ändern.

    Es gibt Profis in diesem Bereich (Therapeuten- nicht entrümpler). Da kann man höchstens noch einen Kontakt raussuchen. Die absolute Expertin sitzt in Stuttgart und ist schweineteuer.
    Nicht deine Aufgabe!

    Ich hatte die gleiche Problematik mit meiner Schwester. Sie trinkt ganz klar. Ich hab mich vorsichtig vorgetastet, da kam sofort ‚so ein sektchen, das ist für mich Lebensqualität- wenn ich das nicht mehr dürfte, hätte ich ja gar keine Freude mehr‘.

    Irgendwie hat sie ja sogar recht- saufen ist ihr einziges Hobby. So bleibt mir nur zu fliehen wenn sie unangenehm wird. Nüchtern ist sie eine tolle Schwester.

    Da sie sich seit Jahren fast ausschließlich von Alkohol und Zigaretten ernährt geht sie äußerlich schon hart Richtung Naddel (in blond). Deshalb war ich so betroffen über deren Tod. Mit Promis hab ich es sonst nicht so.

    Ihren Freund hab ich noch angesprochen- aber der trinkt selbst ziemlich viel. Sie weiß ja Bescheid und kann auf mich zukommen wenn sie Hilfe braucht. Dabei belasse ich es jetzt. Sie steht voll im Beruf und ist gut versorgt- Leidensdruck ist also keiner da. Und gesundheitlich scheint bis auf das krasse Untergewicht alles ok.

    Ich fasse das jetzt mal zusammen. Du hast für dich erkannt, dass du so nicht weiter mit deinem Partner zusammen sein willst. Die Wohnung läuft auf deinen Namen und du willst, dass er auszieht. Aber du wartest noch darauf, dass es schlimmer wird. Was genau erwartest du dir davon?
    Hast du einen praktischen Plan, falls er nicht freiwillig geht? Und warum musst du für eine entsprechende Unterkunft für ihn sorgen?

    Habt ihr schon über einen eventuellen Auszug seinerseits gesprochen? Geht das mit ihm ruhig darüber zu sprechen?

    Nur diese gefühlte „Gehirnwäsche“ ständig macht mich ganz kirre. In endlosen Wiederholungsschleifen…

    Vielleicht einfach nicht mehr so oft reagieren? Wenn er nicht total verrückt ist, wird er ja nicht 20 Nachrichten hintereinander schreiben ohne dass eine Antwort kommt. Wenn doch dann ist er halt- wie gesagt- verrückt. Meistens wird die ‚Gehirnwäsche‘ aber ohne Reaktion langweilig. Hoffentlich.

    Nach allem was du erlebt hast ist doch klar dass du nicht freudestrahlend in seine Arme springst.

    Und wenn er dann noch ständig bettelt, treibt dich das ja noch zusätzlich weg. Vielleicht hilft es, wenn ihm das mal klar kommuniziert wird? Dass dieses Gebettel echt Nix bringt?

    Mein Vater ist völlig ‚unverschuldet‘ dement und im Heim. Ich besuche ihn ab und zu aber er erkennt mich nicht mehr.
    Profis kümmern sich um ihn. Er wird angezogen, gewickelt und umsorgt. Ich habe keine Sekunde das Gefühl, das sollte meine Aufgabe sein. Er war immer ein liebevoller und verantwortungsbewusster Vater. Trotzdem habe ich das Gefühl dass es in Ordnung ist, dass ich nicht so oft da bin und die Pflege an Profis delegiert.

    Ich will damit sagen, dass es nicht wichtig ist, was genau den Zustand deiner Mutter verursacht. Sie benötigt Hilfe und die können ihr am besten Profis geben. Dafür hast du gesorgt und das hast du gut gemacht.