Beiträge von AnnaBlume

    Oder Person die keinen echten Tiefpunkt außer einem 'gefühlten'.Das Letztere ist natürlich etwas überspitzt ausgedrückt

    Das ist ne interessante These. Ich recherchiere mal ob das systematisch untersucht wurde, aber so wie du es schreibst ergibt es Sinn. Es muss doch Statistiken geben, die Trinkverhalten und subjektive Selbsteinschätzung der Sucht in Zusammenhang mit dem Rückfallrisiko bringen.

    Laut Deiner These wäre ich dann ganz besonders gefährdet. Meine Trinkmengen waren nicht horrend, körperlich habe ich den Entzug nicht gemerkt und mein Tiefpunkt war ein Filmriss mit hinfallen und Handy verlieren. Ich war körperlich gesund, beruflich unauffällig und außer meiner Tochter hat sich keiner an meinem Trinkverhalten wirklich gestört. Tiefpunkt sieht anders aus.

    Also muss ich mich besonders schützen um mein höheres Risiko zu kompensieren.

    Ich fand immer dieses ‚für immer Alkoholiker‘ total erschreckend. Aber mir ist klar geworden, dass Alkoholiker zu sein wie eine Allergie oder so ist. Man darf halt keinen Alkohol trinken. Wenn man sich dann noch klar macht, dass das kein Verlust ist, weil auch mäßiger Alkoholgenuss die Lebensqualität von nicht-Alkoholikern nicht so steigert wie gerne propagiert, ist der Schrecken futsch.

    Klar, Saufdruck ist was ekliges- aber das geht nach ca. 20 min vorbei. Und man hat mehr Zeit. Was man erst mal als Vorteil erkennen muss.

    Aber sonst hat man keinerlei Einschränkungen und eine gute Lebensqualität.

    Wenn man den Alkohol also weglässt ist Alkoholsucht keine schlimme Erkrankung. Wenn man ihn weglässt wohlgemerkt!!!!

    weil durch die Trinkerei verging ja ohnehin alles wie im Flug, egal was ich machte

    Das ist bei mir bei einer Sache nicht so. Wenn ich mich mit Freunden treffe und wir einen Abend gemeinsam verbringen vergeht die Zeit tatsächlich schneller als mit Alkohol.

    Ich habe über dieses Paradoxon nachgedacht und überlegt ob ich jetzt einfach früher ins Bett gehe. Aber das ist es nicht. Ich glaube, dadurch dass ich früher oft Filmrisse hatte oder zumindest die Erinnerung etwas vernebelt war, habe ich irgendwie im Gedächtnis Zeit dazu gedichtet. Kennt einer das Phänomen???

    Silvester z.B. - früher erschien mir das endlos lange und diesmal war es nach gefühlt ein mal blinzeln halb vier.
    Da hab ich das erste mal seit vielen Jahren gespürt wie sich ein müder Morgen ohne Kater anfühlt. Müde. Aber eben ohne Kater 😆

    Witzig. Ich fange das mit dem Jogging-Hosing (ja, ich folge dem Trend und verwerbe alles) auch erst an seit ich nüchtern bin. Man denkt ja es ist eher umgekehrt. Wahrscheinlich wollte ich vorher so tun als hätte ich mein Leben im Griff und jetzt wo es stimmt kann ich auch verlottert rum laufen.
    Wenn ich zum Eisbaden gehe trage ich einen onesie aus Teddy. Weniger sexy geht nicht. Fühl mich sauwohl damit.

    Zur Arbeit brezel ich mich auf- danach hab ich Feierabend.

    So, da kann ich mit reden. Frolic hab ich probiert und fand es gar nicht so schlimm. Maggi aus dem Kaufladen hab ich auch gesoffen. Erster Likör mit 9- meine Schwester und meine Cousinen haben die Hausbar geplündert und mir als der jüngsten was gegeben, damit ich die Klappe halte. Erste Zigarette auch mit 9 - aus dem selben Grund. Und jetzt noch einen drauf: So ab 8 hab ich heimlich Codein Hustensaft genascht. Die Eltern haben es gemerkt und fanden es nicht schlimm. Ich erinnere mich, dass meine Mutter mir Kreislauftropfen zur Beruhigung gegeben hat wenn ich sie genervt habe- ich war ein lebhaftes Kind, also gab es oft Tropfen. ‚Du bist wieder wetterfühlig‘ hieß es da.

    Ich habe mit so etwas nicht gerechnet,

    Und das genau ist der Punkt! Mich traf es auch als ich überhaupt nicht damit rechnete- ein Krimi, der Kommissar hatte Feierabend, hörte schöne Musik und machte sich einen Rotwein auf und ZACK traf es mich wie ein Blitz!

    Ich war nicht vorbereitet. Jetzt weiß ich, dass es im Film vorkommen kann und ich mich vorbereiten muss, jederzeit ein Stück weiter zu spulen oder abzubrechen.
    Ich mache sehr gute Erfahrung mit Atemtechniken wie z.B. die Wechselatmung aus dem Yoga (einfach googeln). Das geht auch auf dem Klo wennnes keiner sehen soll.

    Und Frischluft ist auch immer gut. Mach dich nicht selbst fertig deswegen. Bei mir war das auch nach knapp 7 Monaten und es ist zwar krass unangenehm, aber deshalb ist nicht gleich alles umsonst.
    Vorbereitet sein ist das Geheimnis und zwar nicht im Sinne von die Taschen voller Skills haben sondern die innere Bereitschaft.

    Gut dass du stark geblieben bist!

    Aber ich merke auch was alleine das Aufschreiben mit dem Wissen das andere es lesen mir wie ein Verrat vorkommt

    Das auf gar keinen Fall. Es sind deine Ängste, die dich unglaublich beschäftigen. Die müssen doch irgendwo hin. Sieh es mal so: falls dein Verdacht stimmt und da wirklich was faul ist, wird dein Enkelkind dich noch brauchen. Da du verständlicherweise hier nicht mehr Details schreiben kannst/ willst, empfehle ich dir dringend mit jemandem ganz offen mit allen Details zu sprechen. Du zweifelst an deiner Wahrnehmung, bist natürlich nicht neutral, denn Angst ums Kind ist schlimmer als Angst um sich selbst.

    Denk bitte auch an dich! Wenn du bei der Beratung warst und/ oder mit jemandem gesprochen hast, nimm dir etwas für dich vor, das nichts mit deiner Tochter zu tun hat.
    Das ist wichtig und ich hab das lange nicht getan und bin damit selbst zusammen geklappt.

    Ein Suchtproblem betrifft nicht immer nur den Süchtigen sondern das ganze Umfeld. Also ist es auch dein Problem und du verrätst sie nicht, wenn du dir helfen lässt.

    Ich habe auch eine erwachsene Tochter mit Alkohol- und Drogensucht. Gott sei Dank ohne Kind. Ich kann deine Sorgen und Ängste sehr sehr gut verstehen. Ich kann dich nur ermutigen, Dich jemandem anzuvertrauen und auf jeden Fall zur Drogenberatung zu gehen.
    Was ist mit dem Kindsvater? Konsumiert er auch? Weiß er über den Konsum Bescheid?

    Es ist wirklich eine schwere Entscheidung professionelle Hilfe über den Kopf der Tochter hinweg zu holen. Ich kenne das sehr gut und mir hat dabei immer geholfen, dass ich ein paar sehr enge Freunde ins Vertrauen gezogen hatte, die mir den Rücken gestärkt haben.

    Lass dich erst mal von der Drogenberatung beraten, öffne dich einer vertrauten Person und schreibe hier. All das hilft!

    Ich kenne dieses Unvermögen mit der gewonnenen Zeit umzugehen. Auch ich habe nicht gemerkt, dass ich mir eine Beziehung schön gesoffen hatte auf die ich eigentlich gar keine Lust hatte. Die Wochenenden waren gefüllt mit Party und darauf folgenden Kater. Nüchtern hab ich alles wie wild mit Aktivität gefüllt. Sport. Yoga, aufräumen usw.

    Irgendwann ist alles sortiert und geordnet, der Sport gemacht, Dinge erledigt. Dann muss man sie aushalten, die Zeit mit sich selbst. Und mit dieser fremd gewordenen Person ‚nüchternes Ich‘ erst mal klar kommen.

    Die ist nicht immer laut und lustig, hat nicht immer einen Spruch Parat, sondern ist oft nachdenklich und bedürftig. Ich mag diese Person schon irgendwie aber sie ist mir auch ein wenig fremd. Etwas zu sortiert, relativ still, so gar nicht originell. Aber durch und durch authentisch. Sie muss nicht lügen und keine Show abziehen, sich nicht in den Vordergrund drängen und sich niemandem an den Hals werfen.
    Nach und nach füllt sich die Leere etwas und ich gewöhne mich und werde innerlich ruhiger. Aber das ist ein sehr langsamer Prozess. Irgendwie auch interessant.

    Ich hoffe irgendwann ist mir die andere Anna fremd. Die die lallend an der Theke sitzt und glaubt sie sei gerade total hinreißend. Die sich intellektuell findet mit einem teuren Rotwein lesend, um spätestens nach 2 Stunden verzweifelt irgendeinen Gelegenheitslover anzurufen und sich am nächsten Tag für alles zu schämen.

    Ja das füllt auch ein Leben aus, aber schön ist anders. Hab Geduld mit dir und gib dir Zeit, dich mit deinem nüchternen Ich zusammenzuraufen. Immerhin wollt ihr ja einen Bund fürs Leben schließen!

    Aber Ehrlich gesagt hoffe ich, dass er spätestens in der Langzeittherapie merkt, dass es ihm mit mir nicht gut geht als Partnerin... ( Was er mir auch schon ein paar mal gesagt bzw. geschrieben hatte) Nur sich nie wirklich getrennt hatte, obwohl er es einige Male geschrieben hatte, wenn mal Zoff war..

    Er braucht jemand anderes und das würde ich ihm auch gönnen, damit er mich endlich in Ruhe lässt..

    Bitte???? Du willst wirklich, dass ER merkt, dass DU nicht gut für ihn bist? Aber reicht es nicht dass du schlicht nicht mehr willst und er das Kindeswohl gefährdet?

    Der Typ kifft und säuft und besitzt die Frechheit dich damit auch noch emotional zu erpressen (‚ich würde ja aufhören, wenn du…‘). Stop! Was ist das für ein völlig verdrehtes Theater und mittendrin hüpft noch die Schwiegermutter mit rum und gibt ihren Senf dazu. Jugendamt und rausschmeißen den Kerl. Besser heute als morgen! Wenn du es nicht für dich tust, dann für das Kind.

    Ich finde es gar nicht so abwegig, dass sich jetzt was an der Beziehung ändert. Vielleicht kannst du deine Frau in einem ruhigen Moment um ein Gespräch bitten und nochmal sagen, dass du gerne die geplante Paartherapie machen willst. Du weißt ja auch gar nicht wirklich was sie sich wünscht und wie es für sie weiter gehen soll.

    Ein Gedanke: bis 6/7 weg gehen kann ich mir ohne Alkohol oder andere Substanzen nicht gut vorstellen. Wie alt ist deine Frau? Trinkt sie viel? Sorry falls du darüber schon geschrieben hast.

    Ich hatte gerade meinen dritten Trockenheits-Geburtstag und mich triggert ab und zu immer noch etwas. Und ich denke, das bleibt auch so.

    Geht mir nach 7 Monaten (huch, fast 8 )auch so. Allerdings ist ‚triggern‘ auch sehr individuell. Den zuckenden ‚Bier‘ Gedanken würde ich persönlich schon als Trigger bezeichnen. Man muss sich nicht immer gleich mit Schaum vor dem Mund auf Boden wälzen.

    Das ist schon ganz gut mit dieser Anfangseuphorie, genieße die mal ruhig etwas, aber hör auch auf die alten Unken hier im Forum die sagen ‚jetzt werde aber nicht übermütig‘.

    Alles Gute dir.

    Ich habe auch sehr bewegt mitgelesen. Ich entdecke da auch gewisse Parallen in der Familiendynamik wobei Alkohol bei uns zu Hause keine große Rolle spielte.

    Ich kann dich aber verstehen in deinen immer wieder aufkommenden Ohnmachtsgefühlen.

    Gut dass du das hier lassen kannst. In einem echten Gespräch hätte ich dich jetzt einfach mal gedrückt, wenn gewollt. Hier aber gerne virtuell.

    Aus aktuellem Anlass weiß ich, das selbst bei Personen, die ganz klar auch über die Suchterkrankung hinaus psychisch erkrankt sind, zunächst die Entgiftung im Vordergrund steht. Wünschenswert und sinnvoll ist dann eine direkt anschließende Reha mit klarem Focus auf Psychotherapie. Leider ist das in der Praxis nicht immer umsetzbar. Hier schrieb mal eine Alkoholikerin, dass sie die Entgiftung extra hinausgezögert hat, bis ein platz für die Reha im Anschluss frei war. Bis dahin hat sie kontrolliert weiter getrunken,

    Aber sie wollte das von sich aus und hatte einen klaren Plan- das ist immer die Voraussetzung. Ohne das geht gar nix.

    Bedeutet,daß ihr Freund, ihr das umgehend erzählt hat! Bedeutet, daß sie beide gerne was mit uns machen wollen! Super! Wie

    Wie schön! Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass Freunde, die eher mäßig trinken, meine Nähe jetzt mehr suchen. Eine hat sogar offen gesagt, dass sie jetzt lieber Zeit mit mir verbringt, weil es sonst ‚gegen Ende‘ immer sehr anstrengend wurde.

    Andere sehe ich gar nicht mehr, aber das waren auch keine richtigen Freunde sondern Saufkumpels.

    Es freut mich sehr, dass du gleich so gute Erfahrungen machst.