Beiträge von AnnaBlume

    ich weiß halt nicht ob beim 2ten mal irgendwas an Unterstützung eingeleitet wird

    Das wird nur dann eingeleitet wenn er es möchte.
    Und sie können euch nicht ‚einfach einbinden‘. Sie können es versuchen, aber ihr könnt ablehnen. Das hab ich auch gemacht und es fühlte sich fürchterlich an, war aber richtig. Bleibt bei euch und lasst ihn seinen Weg gehen- auch dann wenn dieser Weg geradewegs nach unten führt. Er allein hat das in der Hand!
    Er weiß wo er um Hilfe bitten muss. Gerade jetzt in der Klinik. Aber wenn er es nicht anleiert können auch die Nix tun!

    ich hab bei dir gar nix gefunden vom Sorgenkind, magst du mal kurz schreiben was das bedeutet?

    Ich will nicht so viel hier darüber schreiben, weil ich eigentlich wegen meiner eigenen Sucht hier bin.

    Nur so viel: Mein Kind ist auch erwachsen und suchtkrank - sehr anders als dein Sohn, weil weitere Erkrankungen im Spiel sind, aber auch ich musste meine Vorstellung vom Lebenslauf völlig neu denken.

    Sogar die Möglichkeit mein Kind ganz zu verlieren ist nicht so abwegig.

    Dennoch musste ich mich abgrenzen und muss es immer wieder.
    Ich kenne also diese innere Zerissenheit die du hier beschreibst und auch die schlaflosen Nächte und dass es einem vor lauter Sorge die Luft zum Atmen nimmt.

    Dennoch lebe ich ein Leben jenseits dieser Sorgen. Und dieses Leben darf auch schön sein. Das tatsächlich ohne schlechtes Gewissen zu leben, musste ich in einem langen Prozess lernen.

    Das alles lässt sich regeln. Für mich war im Kern die größte Aufgabe, die Vorstellung die ich mir von der Zukunft meines Kindes gemacht habe zu verändern.

    Im Grunde ist es gut, wenn wir uns als Eltern von den Erwartungen an unsere erwachsenen Kinder lösen- auch wenn sie keine so schweren Probleme haben wie dein Sohn.
    Das ist ein trauriger und schmerzhafter Prozess, aber er befreit beide Seiten und vielleicht kommt eine Zeit in der ihr euch als erwachsene auf Augenhöhe begegnen könnt.

    Das wünsche ich mir für mein Sorgenkind und euch für eures. Mehr haben wir nicht in der Hand.

    Was meinst du denn mit kumulieren?

    Aufrechnen. Ich kenne das von mir. Es passiert was schlimmes und dann denke ich bei jedem weiteren negativen Erlebnis ‚das auch noch‘. Am Ende sieht man alles als Summe und fühlt sich vom Schicksal quasi verprügelt. Dabei gibt es niemanden auf der Welt, dem nie etwas doofes passiert.

    Deshalb ist es für mich besser Erlebnisse einzeln zu betrachten.

    Versuche nicht zu ‚kumulieren‘ sondern sortiere. Ein dementes Elternteil ist traurig aber im hohen Alter nicht ungewöhnlich.

    Ich hoffe dein Mann kann sich noch gut von seinem Bruder verabschieden- das ist wirklich sehr traurig.

    Toll dass du wieder besser schlafen kannst- das zeigt, dass ihr auf dem richtigen Weg seid. Überhaupt, Hut ab, dass ihr als Paar in so einer schwierigen Zeit zueinander haltet- klopft euch da ruhig mal gegenseitig auf die Schulter, denn das ist nicht selbstverständlich.

    hast du bis jetzt ganz alleine aufgehört, ohne Klinik und Begleitung?

    Ja alleine, aber das ist allgemein nicht zu empfehlen.
    Ich stand noch gut im Beruf und ‚funktionierte‘ soweit. War aber Rauschtrinkerin mit Unfällen und Filmrissen.

    Niemand hätte mich aufhalten können als ich noch trinken wollte- egal wie sehr ich die Person geschätzt und geliebt habe oder wie sehr ich geliebten Personen geschadet habe.

    Ich musste an den Punkt kommen, dass ich das so nicht mehr wollte.

    Wenn man so abwertend wird ist das ein Zeichen für Überforderung. Warum hältst du so an der Wohnung fest? Ein ‚das steht mir zu‘ ist bei Trennungen hinderlich. Schau mehr auf dich und nicht auf sie. Du hast dich klar für die Trennung entschieden, also schau nach vorne und beginne dein Leben. Lass sie los.

    Diese Angst dass er sich etwas antut weil er keinen Ausweg sieht macht uns total fertig.....

    Diese Angst begleitet mich seit Jahren. Wenn sich ein erwachsener Mensch das Leben nimmt, weil er keinen Ausweg sieht, dann ist es niemals ein Problem, das Mama und Papa hätten lösen können.

    Das klingt furchtbar, nimmt aber die Schuld. Er kann sich wie oft gesagt nur selber helfen und ihr helft ihm nicht, wenn ihr ihm Erleichterung anbietet- denn das hält ihn eher im Suchtsystem.

    Die meisten Alkoholiker hier (mich eingeschlossen) mussten an einen Punkt kommen, an dem sie dachten ‚stop, so geht das nicht mehr‘. Die einen brauchten dafür härtere Zustände. Offenbar ist dieser Moment bei eurem Sohn (noch) nicht da. Aber ‚pampern‘ bringt ihn da auf keinen Fall hin.

    Natürlich fühlt ihr euch nicht toll dabei- richtig ist es dennoch und damit ein schmerzhafter Dienst an eurem Sohn.

    Das einzige was mir gegen diese Träume hilft ist sprechen! Offen aussprechen vor was genau ihr Angst habt und dann ein mal dieses Horrorszenario zu Ende denken und einen Plan entwickeln was ich dann tue und wen ich als erstes anrufe (die Person habe ich um Erlaubnis für diesen Anruf gebeten).

    Erst als ich wusste ‚selbst wenn es zur Katastrophe kommt, überlebe ich das‘ ging es nachts besser. Es kommt auch bei mir noch manchmal. Dann atme ich tief und lasse diese Gedanken zu- sie sind ja da.

    Und immer wieder sehe ich ihn weinen und schluchzen und höre wie er sagt:Ich schaffe es nicht....

    Solche Bilder kenne ich auch. Suche dir professionelle Hilfe. Jeder hat seinen individuellen Weg mit so einer schlimmen Situation klar zu kommen.

    Ich habe auch eine Therapeutin die mir hilft. Mir hilft auch die Einstellung, dass mein Schicksal eben Teil von mir ist, aber nicht alles. Ja, da gibt es diese Angst, diese Trauer und die schrecklichen, immer wieder kehrenden, Bilder.
    Aber: Da gibt es auch mich- eine grundsätzlich optimistische Person mit Beruf, Hobbys und Menschen die ich liebe.

    Verliere dich nicht! Du begehst keinen Betrug an deinem Sohn, wenn du dir etwas gönnst.

    Damit meine ich nicht was teures kaufen sondern einen netten Schwatz mit einer Freundin, ein schöner Spaziergang, lachen über einen guten Witz.

    Das kann nebeneinander existieren!!! Und soll es auch. Denn du bist nicht nur die sorgenvolle Mutter sondern auch eine Frau mit Bedürfnissen und Fähigkeit zur Freude am Leben.

    die sind alle so informiert

    Ja, weil die, die hier aufschlagen in der Regel viel weiter sind. Sie wissen dass sie Alkoholiker sind und sie wollen dauerhaft abstinent leben.

    Aber alle haben bis dahin einen langen Leidensweg durchlaufen, bei vielen sahen die Angehörigen was Sache ist und sie haben die Augen davor verschlossen und weiter gesoffen. Der Entschluss zum aufhören und Information über die Möglichkeiten kommt danach.

    Du kannst nix tun außer dafür zu sorgen, dass er, sollte er eines Tages (nicht morgen!) dauerhaft abstinent sein, eine stabile Mutter hat, die ihr eigenes Leben führt und nicht auch noch an dieser dummen Sucht zerbricht.

    Du bist nicht süchtig sondern nüchtern im Urlaub und hast die Chance etwas für dich zu tun. Ergreife sie!

    Liebe foxi58 ,

    Ich habe den Eindruck, dass du immer neue Sachen findest, die dich an ihn binden und die du für ihn tun kannst.

    Diese Co-Sache ist ja keine Einbahnstraße. Auch du als Mama hast einen ‚Gewinn‘ Aus der Situation und ‚brauchst‘ dieses Kümmern irgendwie- auch wenn du klar unter der Situation leidest.

    Das soll alles andere als ein Angriff sein, denn ich kenne diese Situation sehr gut und verstehe wie schwer es ist, sich aus der CoMama Rolle zu lösen.

    Denn das ist über die Zeit zu deiner Mutterrolle (nur auf diesen Sohn bezogen) geworden. Aber seine Mutter sein geht auch anders. Wie entscheidest Du.

    Was ist mit Wohnungssuche? Es muss schrecklich sein sie ständig so zu sehen- du bist zwar zur Trennung entschlossen, was gut und richtig ist, aber hast sie ja mal geliebt. Ich vermute, dass es dir deutlich besser gehen würde, wenn du eine eigene Wohnung hättest.

    Sie ist offensichtlich nicht in der Lage sich eine zu suchen- also musst du raus.

    Ich habe gerade deine Konversation der letzten Tage gelesen. Ich kenne dich ja nicht persönlich aber habe den Eindruck, dass da etwas stark drückt und du wütend wirst, wenn jemand dem Thema zu nah kommt.

    Du bist jetzt 10 Tage nüchtern und zu recht stolz drauf. Trotzdem gibt es da einen Druck auf der Seele. Was ist es? Ist es eventuell ein Einsamkeitsgefühl, weil du jetzt nicht mehr mit den Leuten mit denen du so gerne bei einen alkoholischen Getränk gequatscht hast sein kannst?

    Hast du von jemandem Unterstützung? Nahe Menschen, die Bescheid wissen und mit denen du deine Sorgen besprechen kannst?

    Wie kann ich mir ungefähr deinen Alltag vorstellen? Hier kann man ja viele Schräubchen drehen um es etwas leichter zu machen- und gerade dabei findest du hier super Unterstützung.

    heut morgen ab 4 Uhr war die Verzweiflung wieder so groß

    Nachts kommen die Sorgen angerollt. Ich höre dann einen möglichst erheiternden, leichten Podcast.

    Dein behindertes Kind empfindest du als Geschenk und das ist toll. Eltern

    werden Pflegebedürftig, das ist traurig aber der Lauf der Dinge.

    Das mit deinem Sohn ist wirklich furchtbar und schwer auszuhalten. Der Knackpunkt ist, sich die Erlaubnis zu geben, das von sich weg zu halten.

    Ich kann deinen Zwiespalt mit der Wohnung gut verstehen. Natürlich ist der erste Impuls ‚ich kann doch nicht so eine herzlose Mutter sein und ihm meine Wohnung nicht überlassen‘.

    Bei allem was ich hier lese bist du alles andere als eine herzlose Mutter. Du liebst deinen Sohn und würdest sehr viel tun, damit er endlich zur Vernunft kommt. Du bist schon am Rand der Erschöpfung und darüber hinaus. ABER leider hilft das alles Nix. Im Falle der Wohnung wäre es sogar kontraproduktiv.

    Und deshalb ist es keine Herzlosigkeit sondern ein Akt von Vernunft, ihn nicht dort einziehen zu lassen. Auch wenn es sich wirklich mies anfühlt.

    Denn es würde nicht nur ihm nicht helfen sondern dir und deinem Mann schaden- und dadurch letztendlich deinem anderen Sohn.

    Tu es nicht!

    Alles Gute!

    Liebe Janine,

    Schön dass du da bist. Ich habe mich hier am Anfang auch völlig missverstanden gefühlt.

    Ich hatte 4 Monate keinen Alkohol getrunken, trank alkoholfreies Bier und ging auf die gleichen Veranstaltungen wie vorher.

    Ich war mächtig stolz auf mich- auch weil die Leute um mich rum gar nicht merkten, dass ich das Bier gegen Alkoholfreies eingetauscht hatte.

    Ich berichtete hier stolz, wie toll ich das hinbekomme. Ich wollte Lob, denn es kostete mich viel Kraft.

    Aber das Lob blieb aus. Im Gegenteil- mir wurde knallhart und offen mitgeteilt, dass mein Weg so auf Dauer nicht funktionieren wird und ich mich an den Grundbausteinen orientieren solle.
    Ich reagierte sauer und abwehrend, kam mir belehrt vor und dachte ‚die spinnen hier doch‘ oder manchmal ‚ich werde doch wohl selbst wissen wie das geht‘.

    Nach und nach änderte ich aber doch was. Der Alkohol verschwand als erstes aus der Wohnung, dann ließ ich ‚mal zum Test‘ das alkoholfrei Bier weg und behielt das so bei.
    Meine Freizeitaktivitäten veränderten sich. Nicht mehr die üblichen Runden wo alle trinken- statt dessen viel Natur.

    Ich setzte also nach und nach die Grunbausteine um. Heute denke ich, dass ich es nur so schaffen konnte jetzt über ein Jahr nüchtern zu sein.

    Und ich bin sehr sehr glücklich darüber.

    Ich wünsche dir dieses Gefühl auch.

    Deine Anna