Beiträge von stef2303

    Dass du einen lockeren Umgang mit der Sucht hast, das lese ich ja. Es ist ein Weg, der nicht empfehlenswert ist.

    Wie ich sagte... (siehe oben)...

    Ich habe schon immer die Meinung vertreten, dass ich in Bezug auf die Alkoholfrage ein Realist bin. Das war immer schon so. Es gibt ein Utopia, die Welt des makellos Wunderbaren, des Schönen, die Welt der Glückseligkeit (den Verweis auf die amerikanische Prohibition erspare ich mir hier lieber) - ja, und es gibt einen Bereich des Tatsächlichen, des Realistischen, des "Machbaren". Dort, wo man trotz der vorhandenen, schwierigen Umstände und Lebensrealitäten trocken werden will. Ja, wo ich mich insoweit zugehörig fühle, ist wohl klar. Frage: Zählt letztlich nicht das Ergebnis?

    Seit einem Jahr trinke ich nicht(s) mehr und das wird wohl auch so bleiben. Mein "Jahrestag" war mir so etwas von egal, gibt es hier wirklich etwas zu feiern? Aus meiner Sicht nein.

    Die letzten Tage habe ich mich tatsächlich bewusst aus diesem Forum herausgenommen (obwohl ich hier ständig lese), da ich mir zeitweise schon gedacht habe, dass... (ach, ich lasse es)...

    Einen "lockeren" Umgang mit der Sucht (der mir vorgeworfen wird), den habe ich nicht. Auch dazu äußere ich mich nicht weiter. Mir hat mein Alkoholmissbrauch nicht nur fast mein gesamtes soziales Leben ruiniert und mich auch sehr viel Geld gekostet; fast alles, was ich mir über die Jahrzehnte aufgebaut habe, ist weg und es wird Jahre dauern, mich hier wieder zu festigen. Und ich mache hier sehr viel, um hier wieder Fuß zu fassen. In allen Bereichen... Die Vorhalte des "lockeren Umgangs mit der Sucht" möchte ich daher hier nicht weiter kommentieren... Ja, ich habe zuviel getrunken, dies ist mir klar. Ich habe dies gestoppt und versuche mir nun, meine Existenz neu aufzubauen. Den Vorhalt eines vermeintlich laxen Umgangs mit der Trinkerei nehme ich zur Kenntnis, muss aber auch sagen, dass ich diesen so nicht annehmen kann...

    Aus meiner Vergangenheit habe ich seit den Ereignissen des letzten Jahres sehr viel gelernt; ich gehe davon aus, verstanden zu haben, wie ein zukünftiges Leben aussehen sollte...

    Ich schätze dieses Forum wirklich sehr und ich habe hiervon sehr viel profitiert.

    Insoweit bedanke ich mich auch für die oft aufmunternden Antworten der Mitglieder.

    Dort, wo mir (metaphorisch) die Holzlatte vor (auf?) die Stirn geknallt wird, auch dies akzeptiere ich... Gleichwohl erlaube ich mir dabei auch schon, mir meinen Teil dahingehend zu denken und vielleicht zu bedenken zu geben, dass nicht alle Menschen gleich sind, andere Lebensgeschichte haben und dennoch, womöglich unter anderen Voraussetzungen bemüht sind, ein neues Leben zu leben...

    „Könnte im Job schaden“ – kommt zuverlässig. Ein Schutzschild gegen Offenheit, gestützt auf reine Annahmen. Deshalb sag ich: Wer’ es erfahren hat, soll erzählen. Ich bin kein Fan von Hörensagen. Das macht abhängig von Gerüchten. Und ich war abhängig, saufen zu müssen.

    Ich weiß nicht, aber so manches hier an Aussagen projiziere ich - zumindest indirekt - auch auf mich, daher:

    [Lieber Hartmut , wir könnten ja mal, wie ich hoffe, auch wenn wir gefühlt fast jedes Mal von der Auffassung her aneinander geraten (und oft so was von weit auseinander liegen), vielleicht mal auf einen Tee oder eine Pizza (oder was in der Art) gehen... Die Einladung steht! ;)].

    Ich habe hier bei mir im HR-Bereich über die vielen Jahre genug Lebensgeschichten miterlebt. Sehr viele. Viele davon sind ziemlich traurig! Und ich erlebe hier fast täglich neues. Diese "Geschichten" (ich setze das bewusst in Anführungszeichen, weil es keine Geschichten, sondern Schickale sind, oft richtig traurige) werde ich hier sicher nicht erzählen, obwohl ich sie erfahren habe. Und ich kenne meine Leute. Daher werde ich dieser Aufforderung des "Erzählens" hier sicher nicht folgen, obwohl ich "es" erfahren habe und so einiges erzählen könnte.

    Ich selbst bin übrigens regelmäßig bei Gesprächen mit Mitarbeiter/-innen in prekären Situationen [Zwangsvollstreckungen und Insolvenzen sind hier noch harmlos (für die Betroffenen sicher nicht!)] anwesend, bis hin zu Todesfällen, ab und zu auch von Mitarbeiter/-innen mit Alkohol als Hintergrund des Ablebens (leider), von Suiziden mag ich gar nicht sprechen. Auch diese gibt es.

    Bezüglich der Diskussion, die hier breitgetreten wird, das muss ich schon sagen: Hier würde ich um ein wenig Sensibilität ersuchen. Und über Schicksale anderer sollte man meines Erachtens hier nicht diskutieren, denke ich.

    LG, Stef.

    Ich habe das auch schon mal hier und da im Forum geschrieben:

    Ich bin Alkoholiker, habe mir einen Teil (Großteil?) meines Lebens dadurch ruiniert. Nun versuche ich mein Leben umzukrempeln, was nicht nur Zeit und Energie kostet. Sondern auch in finanzieller ebenso wie in gesellschaftlicher Hinsicht belastend ist.

    Jetzt also, wo ich mein Problem erkannt habe, mich aus dem Sumpf zu ziehen und mein Leben mit so viel Energie umzugestalten versuche, soll ich mir da wirklich durch ein unreflektiertes berufliches und gesellschaftliches Outing meine Existenz gefährden? Also das war noch da ist und gerade das, was mir vielleicht die letzten Jahre meinen Hals gerettet hat? Was hätte das Outing dann gebracht? Ja, ich könnte sagen, ich habe meine Abhängigkeit publik gemacht und darauf bin ich stolz. Alle sollen es wissen. Aber meinen Job und das, was damit verbunden ist, habe ich dadurch leider auch verloren und jetzt kann ich wieder von vorne beginnen... War es das wert?

    Ich habe hier bei mir Schicksale erlebt, da ist dieses offene Bekenntnis so etwas von nach hinten los gegangen - nicht in Bezug auf den Arbeitgeber, aber man hat halt auch nicht immer nur Freunde.

    Die Bekenntnis gegenüber der Familie, engen Freunden, ja natürlich ist die sinnvoll - inwieweit freilich muss jeder selber wissen. Aber was das Berufsleben und damit für die meisten von uns wohl die finanzielle Existenz betrifft, da kann ich nur warnen. In meinem derzeitigen Bereich bin ich jetzt dann bald 20 Jahre tätig und ich habe gesehen, was dabei herauskommen kann, wenn man sich im Betrieb zu "blauäugig" in der Hoffnung auf ein wohlwollendes Verständnis des Umfelds outet. Das gilt übrigens nicht nur in Bezug auf Alkohol, sondern ganz generell hinsichtlich aller Abhängigkeiten und Krankheiten...

    Natürlich ist aber jedes Arbeitsumfeld ein anderes, mal gibt es mehr Verständnis, manchmal weniger. In manchen Bereichen ist die Bekenntnis, alkoholkrank zu sein, nach wie vor ein Knock-Out-Kriterium. Nicht weil man trocken ist, aber weil die Gefahr besteht, ja wieder zu trinken anzufangen... Und dann?

    Guten Morgen, liebe Leute!

    Danke erstmal für die Glückwünsche und das aufmunternde Feedback. Wie ich oben schon geschrieben habe, so verlief das vorangegangene Jahr quasi "im Nebenher", weil ich die meiste Zeit doch so beschäftigt war, mir (fast alles) neu aufzubauen, dass das Zählen der Wochen und Monate der Abstinenz irgendwie - ich sage mal - "unterging". Dies ist übrigens oft bei mir so der Fall, da ich meistens maximale Energie und maximales Engagement in eine Sache stecke, so dass dann für anderes keine Zeit mehr bleibt.

    Bei uns hier im Unternehmen (die Branche lassen wir mal weg, der Mitarbeiterstand ist für unsere Region aber nicht gering) sind wir drei Personen, die sozusagen am Steuerrad stehen. Die Gesellschafter selbst gibt es natürlich auch, aber ich meine jetzt operativ: Den/die CEO, den/die CTO und den "Dritten", ja und der bin ich - zuständig für die anderen Dinge, insbesondere auch für den Bereich der HR. Gerade was nun die Personalagenden betrifft, da bekommt man täglich eine Menge mit. Sehr oft nicht gerade schöne Dinge. Ob man will oder nicht, erhält man Einblick ins persönliche Leben von Menschen. Gute wie weniger gute Entwicklungen bis hin zu den schlimmsten. Da meine ich die, wo dann das Leben letztlich zu Ende geht, ging oder ... die dritte Variante kann man sich denken.

    Was nun das Thema der "Unzufriedenheit" anbelangt, so spukt dieses Gefühl deshalb immer wieder in mir herum, da ich einerseits (tagtäglich!) sehe, wie andere leben, dann sehe, wie ich lebe - und so grotesk dies auch klingen mag, sofern die anderen ein einigermaßen geregeltes ("normales") Leben führen, denke ich mir immer: Das hast Du nicht geschafft! Mit dem Ergebnis, dass ich mich ständig zu ändern oder auch zu optimieren versuche. Gleichzeitig im Wissen, dass das eh nicht funktioniert.

    Früher war es so, dass dann, wenn mal wieder alles zu viel wurde, der Griff zur Flasche / zum Glas anstand. Ob in Gesellschaft oder nicht, war weniger von Relevanz. Für ein paar Stunden waren jedenfalls die Probleme (meine, aber auch die von anderen, die ich "als meine Probleme" zu lösen hatte) weg. Wobei natürlich aufgeschoben nicht aufgehoben bedeutet. Weg war also gar nichts.

    Jetzt, wo diese "Auszeit" nicht mehr da ist, stellt sich tatsächlich die Frage, was tun mit der Zeit, die nun vorhanden ist? Die Zeit, die als Ausgleich nötig ist. Diese Thematik wird auch hier im Forum immer wieder angesprochen. Die Lösung muss klarerweise jeder für sich selbst finden, aber leicht ist das nicht. Derzeit ist für mich die beste Möglichkeit, mit dieser Situation umzugehen, mich "müde" zu machen. Sprich: Sport. Täglich, wenn es sich einrichten lässt. Würde ich mich vor allem abends hinsetzen und ein Buch lesen, käme der Gedanke: Früher hast Du dazu ein Glas xxx auf dem Tisch stehen gehabt. Soll jetzt nicht heißen, dass ich nicht lese...

    Damit dieser Beitrag nicht zu lange wird, möchte ich noch zwei Kommentare anbringen:

    Was mir bei Dir von Anfang an aufgefallen ist, dass Du von dem, was ich von Dir lese beruflich und privat ganz schön auf der Überholspur lebst. Und das meine ich nicht als Angriff. Und Alkohol ist ja auch ein schöner "Treibstoff". Vielleicht liegen hier ja auch die Gründe, dass sich Zufriedenheit bei Dir noch nicht so richtig eingestellt hat?

    Kazik : Diese Idee mit dem Treibstoff kam mir so noch nicht. Bei mir war es dann aber eher so, dass der Treibstoff eine Art "Tranquilizer" war, ich könnte auch sagen: ein "Bremser". Aber ja, ich gebe ich dir schon recht, weil durch den Wegfall des Alkohols ist Zeit vorhanden, die ich nutzen möchte, in einer für mich selbst rechtfertigbaren Art. Daher wohl auch meine derzeitige Lebensweise zwischen Beruf, Freizeitbeschäftigung und Ausruhen.

    Ja und heute? Ich bin 65 und habe Freunde, keine Trinker, die beachtliche berufliche Karrieren hinter sich haben. Ich bin schwerbehindert und arbeite seit Jahren nichts mehr. Und trotzdem bin oft ich der zufriedenste in dieser Runde. Gut, ich hab auch keine Geldsorgen und wohne in einer guten Gegend und so, aber ich glaube, ich bin im Verhältnis zu meinen eigenen Ansprüchen am mich weiter gekommen, als ich da je vorhatte, und in meinem Freundeskreis haben manche sehr hohe Ansprüche an sich selbst, die sie nie erreichen können. Ausserdem haben da manche so volle Terminkalender, wundert mich überhaupt nicht, dass die unzufrieden sind.


    Lebenskuenstler : Ja, das ist auch ein wenig meine Baustelle. Dieses "Vollstopfen" des Tages mit Aktivitäten kann nicht zur Zufriedenheit führen. Vor allem dann, wenn vieles davon berufsbezogen ist. Wie soll das dann in der Rente aussehen? Wobei: Ein paar Jährchen habe ich da ja noch... Gehe daher auch regelmäßig auf sog. "Entschleunigungsseminare", auch über mehrere Tage - mit dem schrägen Ergebnis, dass ich mich dort furchtbar langweile und Pläne mache, was dann zu tun ist (was gemacht werden könnte), wenn diese vorüber sind.

    Zum Abschluss:

    Eine letzte Episode für heute noch, um zeigen, wie alte (nasse) Gewohnheiten nachwirken, wobei ich das schon fast wieder amüsant finde: Früher, wenn ich in einer anderen Stadt beruflich unterwegs war und abends ausging, notierte ich mir auf einem Zettel, den ich im Hotelzimmer auf den Schreibtisch legte, wo mein Auto stand. Sollte ich es an einen der kommenden Tage vielleicht suchen müssen.

    Erst kürzlich war ich wieder dienstlich unterwegs, in einer anderen Region mit recht schwierigen Parkplatzverhältnissen. Nachdem ich endlich einen Parkplatz gefunden hatte, schrieb ich mir tatsächlich wieder einen Zettel fürs Hotelzimmer, wo mein Auto zu finden sei... Für den Fall der Fälle... (aber ohne Umherziehen am Vorabend). Das wurde mir erst jetzt bewusst, wie sich Verhaltensweisen manifestieren...

    Naja, jedenfalls wünsche ich noch einen schönen Sonntag. Solange es noch einigermaßen sonnig ist, gehe ich jetzt mal hinaus an die frische Luft.

    LG, Stef.

    ... Sag mal als Buslenker Deinem Vorgesetzten, dass Du ein Alkoholproblem hast.

    Als Kindergärtnerin, Krankenschwester, Lehrerin, Ärztin...

    Also, ob da das Verständnis dann so groß ist wie erhofft, das sei einmal dahingestellt...

    Da, wo ich tätig bin, geht es nicht so sehr um Soziales, sondern im weiteren Sinn um Produktion und damit dann auch verbunden - wie so oft im Leben - ums liebe Geld. Auch hier steht die Verlässlichkeit im Vordergrund... Und das Eingeständnis der Alkoholabhängigkeit trägt halt leider den nicht ganz leichten Rucksack mit sich, als nicht mehr... naja, man kann es sich wohl denken..., zu gelten...

    Das wird natürlich nicht überall so sein, aber mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit landet man halt wohl in der einen oder anderen ungeliebten Schublade...

    Hat das noch Bestand?

    Das habe ich mal am Anfang gelesen, dann wäre heute dein erstes Jahr?

    Wenn die Sucht dich nicht zwingt, dann ist ja alles in Ordnung, aber nicht jeder schafft es nur mit Willen.

    Ja, tatsächlich, ich hätte es mir auch nicht gedacht, aber ja, das erste Jahr habe ich echt geschafft. Bei mir war es ausschließlich der Wille (habe ich von meine Vater). Und persönlich viel erreicht: Neues Umfeld, neue Unternehmenskultur, neue Wohnung, neue Freunde, 30 kg weniger, Marathonläufer, über 5.000 km im Jahr, fit wie ein Turnschuh)...

    Für mich persönlich ABER: Kein Grund zum Feiern, weil ich im letzten Jahr so viel neu organisieren musste (und so viel in den Sand gesetzt habe). Hat aber funktioniert. Der bessere "Chef" bin ich leider auch nicht geworden! ;) Und ein "besserer Mensch" - naja, schon gar nicht, aber ich arbeite noch dran! Mit meiner Therapeutin...

    Aber danke der Nachfrage! :thumbup:

    Ja, es hilft nichts, darauf muss ich antworten, weil ich das auch auf mich gerichtet beziehe und so auch nicht auf mir sitzen lassen möchte:

    Nein, bei mir in meinem Betrieb wird das "Saufen nicht gern gesehen". Gar nicht, übrigens! Vielleicht ist dies anderswo anders, aber hier bei mir nicht. Definitiv. Das weiß man.

    Den generellen Aussagen hier im Forum, die anders lauten, liegen - nehme ich an - entsprechende Erfahrungsberichte zugrunde. Ich nehme an, hier gibt es Erfahrung seitens der Unternehmenskultur? Ich selbst maße mir jedenfalls nicht an, über andere Unternehmen und über diese, also wie dort mit Alkohol am Arbeitsplatz umgegangen wird, zu urteilen.

    Nein, hier bei mir wird das Trinken nicht gerne gesehen (Feierlichkeiten, ja aber im Rahmen!), aber was jenseits der Öffentlichkeit passiert, weiß ja niemand. Wie überall.

    Verhindern kann man die Trinkerei im Betrieb freilich nicht. Und wenn es nicht mehr geht, das war es dann wohl. Ich kann hier nur meine langjährige Erfahrung als Personalverantwortlicher aussprechen.

    Ich, selbst als Betroffener, würde niemals einem Mitarbeiter "den Strick drehen" (sagt man das so?), wenn er abhängig ist. Natürlich hängt das von den einzelnen Umständen ab. Aber eines ist klar: Regelt das der Mitarbeiter selber, ist das gefühlt wesentlich besser als wenn dies "über den Betrieb" laufen würden. Denn vor allem bei den unmittelbaren Mitarbeitern hat man nicht nur Freunde. Und das könnte schwierig werden.

    Wenn andere der Ansicht sind, man sollte seine Krankheit uneingeschränkt in der Firma publizieren, dann ist diese Ansicht natürlich legitim.

    Aber was dann dabei herauskommt, das ist vermutlich eine andere Sache...

    Ich hoffe, diese übernehmen dann auch - für ihre Ratschläge - die Verantwortung, wenn es schließlich nicht so läuft, wie es laufen sollte...

    Liebe Leute!

    Ich brachte die Sache mit dem Müsliriegel tatsächlich nur als eine Episode aus meinem Leben hier in dieses Forum ein.

    Als der freundliche Herr von der Brauerei diesen Satz brachte, realisierte ich diesen - bzw. dessen Inhalt - vorerst kaum. Bier, so wurde kommuniziert, bedeutet also: Elektrolyte, ja die sind nach einer sportlichen Betätigung besser als jeder Softdrink, gesund, quasi wie ein Müsliriegel und den Alkohol, der da drinnen ist, vergessen wir mal lieber. Gefühlt haben alle Anwesenden gelächelt, geschmunzelt und teils applaudiert.

    Mir selbst ist dies nur beim Nach-Hause-Fahren irgendwie ins Bewusstsein gesprungen, was dann doch im Gedächtnis geblieben ist. Freilich ohne Gefahrenpotenzial. Ich trinke ja auch nichts.

    Würde mir dies allerdings komplett egal sein, würde ich es hier nicht erwähnen. Aber nur deswegen gerate ich auch nicht in ein persönliches Dilemma oder schlafe schlechter, nehme dies eher lächelnd zur Kenntnis und damit soll es halt so sein. Ein "Tiramisu-Gate" wird das hier sicherlich nicht, selbst wenn ich einen Becher davon getrunken hätte. Habe ich aber nicht.

    Dass es "funktionierende Alkoholiker" gibt: Ja natürlich, in Mengen! Da kenne ich genug davon. Bei mir hier sind es locker xx. Denke ich an meine letzten 30 Jahre zurück und auch an so viele Geschäftspartner und Kollegen von damals, ja dies abzustreiten, bringt nichts. Aber auch der Alkoholiker, der so lebt, dass andere es nicht bemerken (oder vielleicht bestenfalls vermuten), bleibt ja trotzdem einer. Manche schaffen es tatsächlich, dass es nicht auffällt...

    Ich habe auch schon mal geschrieben, mir als Sportler ist es klar, dass bei Veranstaltungen im Zielbereich fast immer Bier angeboten wird (ja, das ist so und dies wird auch niemand abstellen). Aber: Ich muss es ja nicht trinken, tue ich auch nicht.

    Wichtig ist es meiner Ansicht eher, sich klar zu sein, dass es diese "Versuchungen" gibt - aber niemand gezwungen wird, sich ein Glas / einen Becher zu genehmigen.

    LG, Stef.

    Ich bin nach wie vor - trotz vieler Gegenargumente hier - der Meinung, dass man sich ein "Outing" am Arbeitsplatz gut überlegen sollte, wenn man noch die Wahl hat.

    Nein, liebe Rennschnecke, Du liegst aus meiner Sicht absolut richtig!

    Und auch ich kann hier nur "warnen":

    Ich selbst bin in meinem Betrieb (neben vielen anderen Dingen) auch personalverantwortlich für mehrere hundert Mitarbeiter/-innen. Und, liebe Rennschnecke, Du hast aus meiner Sicht, wenn ich jetzt an den/die einzelnen/einzelne Mitarbeiter/-in denke, absolut recht! Ich kann hier auch nur mit vielen, vielen Jahren Berufserfahrung im Gepäck zu bedenken geben, dass eine vollkommene "Offenheit" hinsichtlich Alkoholabhängigkeit betrieblich mitunter zu erheblichen Schwierigkeiten führen kann. Weil man ist schneller stigmatisiert, als man denkt. Nicht mal seitens des Arbeitgebers, sondern oft auch von den Abteilungsleitern/-innen, Mitarbeiter/-innen... Beförderungen, Belastbarkeit, Zuverlässigkeit, mehr Verantwortung... und und und... Das ist meines Erachtens fast noch schlimmer, ich meine, wenn der Druck dann auch noch innerhalb der Abteilung kommt.

    Wenn es wirklich hart auf hart kommt, würde ich (jetzt aus meiner Sicht mich dem Arbeitgeber zugehörig sehend) tatsächlich eher dazu raten, sich vielleicht vorerst einmal (also vor einem Outing) mit dem Betriebsrat (Personalvertretung) oder dem Betriebsarzt (oder der Ärztin) in Verbindung zu setzen. Das unreflektierte (ich könnte auch sagen: unüberlegte oder unvorsichtige) öffentlich-innerbetriebliche Bekennen, ein Problem mit der Trinkerei zu haben, hat in aller Regel noch selten das gebracht, was man sich erhofft... Ist zumindest bei mir hier so...

    LG, Stef.

    Hartmut Das habe ich - auch wenn ich oft mal was auf mich gemünzt sehe (nicht hier, aber anderswo) - tatsächlich nicht auf mich bezogen gefühlt. Soweit habe ich dieses Forum schon verstanden.

    Und eine kleine "Episode" aus meinem Leben kann ich heute auch noch anbieten, um zu zeigen, was eigentlich so mancherorts schief läuft (und das einfach so):

    Vor ein paar Wochen war ich bei einem Laufsportevent. Nett aufgezogen und organisiert. Eine der großen Sponsorinnen: Eine örtliche Brauerei.

    Um es kurz zu machen: Bei einem Interview sagte ein Vertreter dieser Brauerei auf die Frage hin, wie sich eigentlich Bier mit Sport verträgt, sinngemäß (aber ich habe es noch so ziemlich im Ohr): "Eine Flasche Bier ist wie ein Müsliriegel. Und über das bisschen Alkohol sprechen wir heute nicht."

    Ja, so ist es hier bei uns...

    LG, Stef.

    Liebe Leute!

    Viele [durchaus berechtigte!] Fragen und ja, ich kann da, werde und möchte auch so einiges beantworten! Ich denke mir, zu viel der Geheimniskrämerei bringt ja auch nichts.

    Auch wenn so manche hier [sicherlich: berechtigt] auf die sog. "Geschlossene" verweisen... Bis zu einem gewissen Grad vermeine ich durchaus sagen zu können (und zu wollen), was aus meiner Sicht Sache ist, da habe ich kein Problem damit: Manches geht aber auch (verständlicherweise) schlichtweg nicht. Ein wenig muss ich da auch an mich denken. Daher bin ich auch in diesem Forum - was für ein Wortwitz - "blau" - vielleicht irgendwann mal "grün"... So manches kann ich erzählen, da habe ich kein Problem damit, manches, naja, das lasse ich lieber dort, wo es hin gehört...

    Ich möchte euch auch an dieser Stelle fürs Lesen (echt!) danken. Weil ich aber mal wieder beruflich weit weg bin möchte ich erst am Wochenende auf die gestellte Fragen antworten dürfen...

    Bitte um Verständnis.

    LG, Stef.

    Liebe Leute!

    Ich muss an dieser Stelle wirklich sagen, wie glücklich und auch dankbar ich mich schätzen darf, hier in diesem Forum sein, lesen und schreiben zu dürfen. Daher danke ich auch wirklich allen, die sich die Mühe machen (das ist keine Selbstverständlichkeit!), mir auf meine Beiträge, die oftmals in Zeiten erfolgen, wo es mir eben nicht so gut geht, zu antworten oder auch nur diese zu lesen. Wie auch gestern. Da dachte ich mir wirklich in der Früh, Du hast alles in den Sand gesetzt, wie geht es weiter!? Sag das!

    Nach meinem Posting: Zu antworten braucht natürlich niemand, wieso auch!? Vielleicht aber denkt ja auch jemand ab und zu an mich... Das meine ich tatsächlich so! Ich denke auch immer wieder an so manche hier im Forum. Das hilft so viel mehr, mehr als man glauben möchte! Wenn ich selbst so manche Beiträge lese, da finde ich mich sowas von wieder. Gerade was - nur um ein Beispiel zu nennen - Soapstar betrifft (ach, und viele andere)- da sind wir irgendwie nicht weit voneinander entfernt.

    Reale Selbsthilfegruppen als vermeintliche Lösung: Ja, die gibt es, und weiß Gott, wie gerne würde ich dort hingehen - aber leider, wenn ich dorthin gehen würde, dann ist es leider aus, mit allem was ich bin und mir über so viele Jahre aufgebaut habe. Das kann ich leider nicht (obwohl es solche Gruppen gebe). Glaubt mir, dort wo ich tätig bin, ist dies unmöglich... [Sarkasmus pur: Dafür darf ich xxx Euro in private (anonyme) Therapien stecken... Ergebnis: Jenseits von nirgendwo!].

    Nichtsdestotrotz, ich hätte mir vor einem Jahr nicht gedacht, dass mir dieses Forum so hilft, mich und mein Leben so zu stabilisieren!

    Dafür "Danke!" und in diesem Sinne!

    Euer Stef.

    Guten Morgen, liebe Leute!

    Durch meinen Beruf und andere Verpflichtungen komme ich unter der Woche kaum dazu, mich mit Grundlegendem mich selbst betreffend zu beschäftigen. O.k.: Wohl eher will ich das gar nicht wirklich. Nachdem aber "aus den Augen" nicht "aus dem Sinn" bedeutet, schlägt das Unterbewusste meistens am Wochenende, bei mir sehr oft am Sonntagmorgen, zu. Und da ich zu dieser Zeit nicht wirklich jemanden habe, um darüber zu sprechen, lande ich immer wieder hier im Forum. Weil ich mir auch denke, dass ich mit meiner Situation nicht allein bin. Bzw. finde ich mich in so vielen Fäden mal stärker und mal schwächer wieder.

    Was ich bei mir feststelle ist, dass ich mich nicht an ein (mein?) tatsächlich alkoholfreies Leben erinnern kann. Zumindest die vergangenen 30 Jahre war der Alkohol immer irgendwie präsent. Mal gab es längere Trinkpausen (auch sehr lange), mal kürzere. Aber irgendwann war er wieder da, der Alkohol.

    Denke ich nun an die vielen Jahre zurück, bin ich erschüttert (könnte auch erschrocken sagen), was die Trinkerei eigentlich aus mir gemacht hat. Langsam, schleichend... über die Jahre. Aus einem optimistischen, geselligen Jungen mit bereits damals einem gewissen Hang zum Abenteuer (die "wilden Jahre" dauerten bei mir etwas länger) bin letztlich dann "ich" geworden. Gut, hier spielt vielleicht auch meine Arbeit eine gewisse Rolle. Nein, ziemlich sicher sogar. In meinem Job hat man leider keine echten Freunde; auch hat man nicht nur einen Betonklotz an Verantwortung, sondern man muss auch viel einstecken bzw. aushalten können, um über die Runden zu kommen. Dass hier das Glas oder die Flasche die denkbar schlechteste Hilfe sind, ja da brauchte ich sehr lange, um das zu realisieren.

    Als dann immer mehr schief lief, zog ich die Notbremse und versuchte noch zu retten, was zu retten ist. In dieser Phase stecke ich immer noch fest. Zwar habe ich wirklich viel verändert und umgestellt, aber: Was mich irritiert ist, dass sich nach wie vor keine "richtige" Zufriedenheit einstellt. Ich sehe andere Menschen und denke mir oft: Die haben ein schönes, normales Leben. Wobei, ob das denn tatsächlich so ist, ist eine andere Sache. Das sorgt dann wieder für Frustration, weil ich gefühlt auf der Stelle trete. Ich könnte es auch so sagen: Während sich andere über 30 Jahre ein schönes Leben aufgebaut haben, habe ich mir über 30 Jahre mein schönes Leben ruiniert. Dass ich mir diese 30 Jahre nicht zurückholen kann, diese Erkenntnis spukt dann, wenn ich Ruhe habe, immer wieder in meinen Gedanken herum.

    Klar gilt es nach vorne zu schauen und natürlich wird das Leben weitere Entwicklungen und auch Überraschungen bereithalten. Das motiviert selbstverständlich. Aber dieser Rückblick auf eine Zeit, die so anders war als sie hätte sein können, trübt schon auch ab und an mal die Stimmung.

    Nun gibt es hier im Forum Mitglieder, die schon sehr lange abstinent leben. Hattet ihr auch solche nicht gerade die Stimmung aufhellenden "Phasen"? Bzw. kann man nach so langer Zeit der Trinkerei eigentlich "zufrieden" sein? Ich selbst kann mir das kaum vorstellen.

    Deshalb schreibe ich heute hier... Ich bin mir sicher, es gibt auch positive Beispiele.

    Nachdem die Sonne scheint, zieht es mich an die frische Luft (in der Gegend findet auch ein (Mittelalter-)Markt statt - so etwas mag ich sehr gerne).

    Danke fürs lesen und noch einen schönen Sonntag!

    Euer Stef.

    Einen neuen Ausweis hat sie noch immer nicht beantragt, und dass sie Anspruch auf Trennungsunterhalt hätte, hat sie auch noch nicht erkannt. Das ist natürlich gut für mich, weil den muss sie aktiv einfordern, und das geht nicht rückwirkend . Wenigstens etwas Gutes, die Zeit läuft ja bereits.

    Mit Verlaub, aber auch das (also diese Einstellung) finde ich persönlich schon sehr befremdlich! Selbst wenn ich mit meiner früheren Partnerin oft im "Clinch" war (oh ja, da kann ich ein Lied davon singen), aber wenn jemandem etwas zusteht, dann ist das so. Ich selbst habe auch Länge mal Breite gezahlt. Das ist halt mal so.

    Anderes hätte man sich vermutlich früher überlegen sollen.

    Ja, normalerweise komme ich mit unseren "Abgängen" (ein hässliches Wort, finde ich) in der Firma leichter klar. Bei ihm hier war es halt so, dass wir uns irgendwie ein wenig ähnlich waren. Und ich konnte ihn gut leiden. Trotz der Trinkerei war er ein Mensch, mit dem ich irgendwie doch meistens (auf der persönlichen Ebene) recht gut klar kam. Ein freundlicher, umgänglicher, jovialer Zeitgenosse. Vermutlich auch hier wohl mehr Schein als Sein...

    Was bleibt ist noch der Gedanke, dass ihm nach seinem Jobverlust (er hatte sonst wohl nichts mehr in seinem Leben), womöglich alles egal gewesen sein dürfte. Und irgendwie denke ich nach wie vor: Vielleicht wäre es besser gewesen, ihn im Betrieb zu halten...

    Dann aber fühle ich mich wieder auch meinem Unternehmen verpflichtet... und dass es nicht mehr ging, war offensichtlich. Bei der Arbeit meine ich. Ich denke, das war auch ihm irgendwie klar. Es war, glaube ich, allen klar.

    Ja, der Alkohol, da sieht man, wie es enden kann...

    Ja, was soll ich sagen, wie ich erst jetzt hörte, ist er vor ca. einem Monat verstorben. Er war noch keine 40 Jahre alt...

    Zu denken gibt mir das irgendwie schon... [mochte ihn irgendwie gerne, obwohl er hoffnungslos dem Alkohol verfallen war]...

    LG, Stef.

    Das ist der springende Punkt.

    Ja, wenn sie denn auch kommt, die Zufriedenheit...

    Ich selbst habe mit der Trinkerei aufgehört, weil ich irgendwann - naja sagen wir es mal so: da gab es ein Jahr, da gingen viele kleinere oder auch größere Dinge ziemlich schief - realisierte, dass ich sprichwörtlich den "Karren an die Wand fahre", wenn ich so weitermache bzw. weiterlebe wie bisher.

    Die Umstellung auf "Kein Alkohol mehr!" war an sich nicht wirklich schwer, es war ja auch genug Motivation da. Und die Veränderungen (Gesundheit, Aktivitäten, Arbeit, Umfeld) stellten sich ja auch recht rasch ein. Mein Leben war (und ist auch heute noch) ganz anders als die letzten 25 oder vielleicht auch 30 Jahre... Klar: Besser! Aber auch anders und nicht immer ganz so, wie es sein sollte.

    Die Sache mit der "Zufriedenheit", das ist für mich so ein Ding. Mir gefällt es, ein trockenes Leben zu führen, das ich so eigentlich nicht kannte. Im Grunde fing das nasse Leben bei mir Anfang zwanzig an. Wirklich "zufrieden" (im Gesamten) bin ich aber nicht, weil ich tagtäglich sehe, wie sich andere aus meinem Umfeld die letzten 20, 30 Jahre entwickelt haben, was sie sich geschaffen haben, kurz: wie sie leben. Da denke ich mir, schade, dass ich vieles davon nie gehabt habe, vielleicht auch nicht haben werde.

    Gut, vieles bei anderen ist auch mehr Schein als Sein und wer weiß, welche Probleme es in meinem Umfeld gibt (von ein paar "hässlichen" weiß ich auch).

    Vor allem aber nun (hier und heute) - und da möchte ich Soapstar recht geben - wenn die Erkenntnis kommt, dass trotz vieler Trinkpausen (bei mir) mein Umfeld eigentlich immer "nass" war und ich mich so weit es geht von diesem fernhalte, dann finde ich es im Grunde eher traurig, dass es soweit kommen musste. Nun gilt es, das Leben auf komplett neue Beine zu stellen. O.k., an meiner Situation bin ich selber schuld [wobei: Ich glaube, diesbezüglich werde ich mal was in meinem Faden schreiben, weil ich die Sache mit der "mea culpa" doch etwas differenzierter sehe.] Aber Wunsch und Wirklichkeit sind eben auch nicht dasselbe.

    Was heißt das für mich? Ich finde es gut, richtig und wichtig, mit der Trinkerei aufgehört zu haben. Die Abstinenz war (ist) alternativlos. Ja, ich bin auch "zufrieden" damit, dass ich keinen Alkohol mehr trinke und dass ich vieles machen kann, was früher nicht mehr möglich war. Bloß mit der Gesamtsituation kann ich (für mich) - zumindest derzeit - nicht zufrieden sein, weil sich insgesamt so furchtbar viel geändert hat, dass es noch sehr lange dauern wird, bis ich das alles wieder auf die Reihe bekomme.

    In der Abstinenz wurde mir diese Situation erst klar...

    LG

    Stef.

    An meine Träume erinnere ich mich nur sehr selten, aber an den Traum in der Nacht auf den Tag, an dem ich beschloss, nüchtern zu werden, schon, und zwar noch immer (selbst heute!):

    Ich schwamm im Meer, man könnte auch sagen: Auf hoher See. Weit draußen und kein Land in Sicht. Ringsum nur Wasser. Und es war bewölkt und düster. Das Meer war allerdings nicht wie sonst blau, sondern eine verschmutzte, ölig-schmierige, dunkelbraune bis pechschwarze "Suppe". Hinter mir in der Ferne sah ich einen Tanker, riesig, der mich langsam aber sicher einzuholen und zu überfahren drohte. Ich schwamm schneller, doch er kam näher und ich realisierte, dass ich nicht davon kommen werde, wenn ich weiter schwimme. Als dieses "Riesending" (das bereits den Himmel verdunkelte) nur noch ein paar Meter hinter mir war, kam die Panik und ich entschloss mich zu tauchen, tief hinunter, um dem Ungetüm zu entkommen. Was ich auch tat. Während ich mich abwärts bewegte und merkte, dass der Tanker über mir über mich hinweg fuhr, dachte ich mir: "Hoffentlich überlebe ich das!".

    Als mir im Traum die Luft zum Atmen auszugehen drohte und ich mich fragte, ob ich dies alles lebend überstehen würde, wachte ich auf. Da war es mitten in der Nacht. Schweißgebadet weckte ich meine Frau neben mir auf und erzählte ihr von diesem Traum. Nach einem längeren Gespräch wusste ich, dass ich etwas ändern musste: Jetzt.

    Und so war es dann auch: Seitdem habe ich die Finger vom Alkohol gelassen.

    Für mich war dieser Traum der letzte "Fingerzeig", dass die Trinkerei enden muss. Aus meiner Sicht hat mir hier das Unbewusste (der Traum) den entscheidenden Schupps gegeben, mein Leben zu ändern. Das hat mehr gewirkt als viele gut gemeinte Ratschläge von Familie, Freunden, Bekannten.

    So war es zumindest bei mir. Wobei ich mich noch immer über mich wundere, dass ich als Realist letztlich nicht aufgrund von Argumenten, Ratschlägen und dergleichen, sondern aufgrund eines für mich einschneidenden Traumerlebnisses den Absprung gemacht habe... Bzw. dieser Traum wohl der letzte entscheidende "Knopfdruck" war.

    Auch das Unterbewusste kann somit seinen Beitrag zur Abstinenz leisten. Bei mir zumindest war das der Fall.

    Dann war ich also wieder bei ihr, es wohnten dort auch auf Zeit immer wieder andere Menschen, nette, tolle Leute, wie auch meine Gastgeberin. Glaube nicht, daß da jemand ein Alkoholproblem hatte. Spielt aber auch keiner Rolle. Bin früh wie immer aus dem Haus und kam am Abend zurück. Die Menschen dort haben entdeckt, daß ich an dem Tag Geburtstag hatte und eine kleine Überraschungsparty veranstaltet, mit gutem Essen und natürlich Wein. Meine Gastgeberin bot mir an, ich nahm ein Glas. Das wars. Hab mir am nächsten Tag Wein im Supermarkt gekauft und auf meine Tagestour mitgenommen, und zuhause weitergemacht. Mein schlechtes Gewissen mir selbst und den Menschen gegenüber die mir vertrauten hab ich ignoriert und "weg gedacht" - kennt jeder, diese Gedanken: ich kann ja morgen aufhören. Konnte ich nicht mehr.

    Hallo Lila !

    Möglicherweise eine naive Frage meinerseits, aber bloß mal hypothetisch:

    Und wenn Du Dir am nächsten Tag keinen Wein im Supermarkt gekauft und auf Deine Tagestour mitgenommen hättest? Wäre das (noch) möglich gewesen?

    Ich meine in dem Sinne, dass man vielleicht sagen hätte können: Ok, das Glas Wein gestern bei der Feier war jetzt ein Fehler. Für die Zukunft weiß ich's und lasse es. Oder hat der Griff zum Glas praktisch per sofort den mentalen Schutzwall komplett eingerissen?

    Da ich in meiner nassen Zeit (es waren doch mehr als 25 Jahre) zwar immer wieder mehr oder weniger lange (auch einige Monate lange) Trinkpausen eingelegt, damals den Willen zur dauerhaften Abstinenz allerdings nicht gehabt habe, tue ich mir schwer, mir solche Situationen vorzustellen. Bei mir war es damals immer klar, ok, wenn es passt, dann trinkst eben wieder was und wenn es zu viel wird, lässt Du mal eine Zeit die Finger von dem Zeug. Naja, mit dieser Einstellung habe ich letztlich auch den Karren ganz schön gegen die Wand gefahren. Als ich verstanden habe, dass meine Lebensweise so nicht funktioniert, hatte ich mir in meinem Leben schon sehr viel ruiniert.

    Jetzt, wo ich aus verschiedenen Gründen den Entschluss zur dauerhaften Abstinenz gefasst habe und doch auch schon seit einiger Zeit nichts mehr trinke, versuche ich mich auch in Bezug auf die von Dir geschilderte Situation zu sensibilisieren. Daher drängte sich mir diese Frage von oben irgendwie beim Lesen Deiner Schilderung auf...

    LG, Stef.