Hi Hartmut und Ihr,
zunächst einmal möchte ich Dir danken, dass Du Dir nach gestern noch einmal die Mühe gemacht hast zu erklären, was Du meinst. Das finde ich wichtig, weil Du viele Dinge geschrieben hast, die ich für mich praktisch, aber auch für das eigene Verständnis von meinen Depressionen mitnehmen konnte. Und auch für den Zusammenhang von meiner Alkoholsucht und meinen Depressionen konnte ich Dinge mitnehmen. Das war für mich gestern zunächst schwierig, weil ich mich aktuell in einer Depression befinde und die Zahnräder in meinem Kopf in Zeitlupe drehen. Außerdem bin ich dünnhäutig und fühle mich gerade von wirklich allem sehr leicht angegriffen. Aber wie geschrieben konnte ich gestern doch daran vorbeischauen und bin zu dem eben geschriebenen Schluss gekommen. Ich persönlich würde mir wünschen, dass Menschen, denen es ähnlich wie mir gegangen ist, sich das, was Du geschrieben hast, noch einmal anschauen. Es ist es wert.
Aber ich wundere mich schon, was da alles hineininterpretiert wird. Einfach nur das das lesen, was tatsächlich dort steht, und nicht irgendwelche Dinge willkürlich hineininterpretieren, nur weil man sich selbst angegriffen fühlt.
Es wurde nichts verboten, und selbst wenn du das für dich siehst, solltest du keine unnötigen Anschuldigungen aufstellen.
Für mich persönlich erfordern Deine Beiträge öfters einen hohen Grad an Abstraktion und Abstand. Und beides habe ich nicht immer zur Verfügung. Ich stehe noch am Anfang meiner Abstinenz und befinde mich aktuell in einer Depression. Mein Abstand ist gefühlt diesbezüglich zero. Und manche Dinge, die Du schreibst, sind komplex, auch wenn sie Dir einfach erscheinen mögen.
Zudem verboten, ich habe es nicht so verstanden, dass Du in Deinen Beiträgen irgendetwas verboten hast.
Wie war das bei dir, war dein Trinkverhalten auch mal ein Thema bei deiner Behandlung wegen deiner Depressionen? Und hat mein Psychologe auch recht damit, wenn er schreibt, dass es gewisse Mechanismen gibt, die sich auf eine Sucht auswirken oder ähnlich sind ? Hast du da Erfahrungen damit?
Die ehrliche Antwort auf die erste Frage ist Nein. Diese Antwort mag hier in der SHG verwundern aber mein Trinkverhalten war "lediglich" ein weiteres selbstschädigendes Verhalten von mir, zu denen ich neige, wenn ich eine Depression habe oder depressiv bin. Ich spreche jetzt allerdings von den Jahrzehnten, wo ich nicht abhängig war. Als ich dann vor ca. neun Jahren begann ernsthaft zu trinken war mir allerdings schon klar, dass ich eine Sucht entwickeln werde und dass ich dieses selbstschädigende Verhalten nicht mehr kontrollieren oder "einfach" abstellen kann. Allerdings habe ich mich in dieser Zeit auch nicht speziell wegen meiner Depressionen in therapeutische Behandlung begeben. Ich habe in dieser Zeit eine Traumatherapie abgeschlossen. In der konnte ich einiges für mich erreichen. Hätte ich dort meine Sucht thematisieren sollen? Ja. Hätte ich dort trocken mehr für mich erreichen können? Ja.
Ich bin analog zu dem funktionierenden Alkoholiker ein weitestgehend funktionierender Depressiver. Das ist für mich notwendig, weil ich versuche mich von meinen Depressionen nicht mehr aus dem Leben kegeln zu lassen als unbedingt nötig. Da bin ich stur, ich will leben.
Und hat mein Psychologe auch recht damit, wenn er schreibt, dass es gewisse Mechanismen gibt, die sich auf eine Sucht auswirken oder ähnlich sind ? Hast du da Erfahrungen damit?
Auf beide Fragen lautet meine laienhafte Antwort Ja. Und über meine eigenen Erfahrungen habe ich hier auch schon geschrieben. Zwei Beispiele. Alkohol beeinflusst Botenstoffe im Gehirn, die bei meiner Depression gestört sind. Die gleichen Verhaltensänderungen, die geeignet sind, um meine Depression zu bewältigen, sind geeignet, um meine Alkoholsucht zu stoppen. Und das ist kein Zufall, sondern zeigt mir, dass beide Krankheiten Gemeinsamkeiten haben.
Liebe Grüße
Kazik