Hallo Leonie, schöner Name by the way.
Ich habe inzwischen schon vieles von Deinem Faden gelesen. Ich bin in Deinem Faden hängengebieben, weil ich davon so beindruckt war wie mutig und offen Du Dich hier zurückgemeldet hast und Deinen Weg zu einer zufriedenen Abstinenz wieder aufgenommen hast. Und nachdem ich das meiste von Deinem Faden gelesen habe finde Ich das Du schon viel für Dich erreicht hast. Vieles auf das Du stolz sein kannst. Vieles was mit dem Rückfall ja nicht ungeschehen ist. Diese Erfahrungen hast Du gemacht und das haben Dir ja auch schon andere hier gesagt.
Ich selbst noch ganz neu hier in unserer Selbshilfegruppe und kann dir deshalb kaum hilfreiche Erfahrungen für Deinen Weg mitteilen. Schlicht weil ich sie nicht habe oder gerade erst selbst mache.
Du schreibst am Anfang von Deinem Missbrauch (aka Trauma) und Deinen Depressionen. Dann schreibst Du das Du Dir therapeutische Hilfe gesucht hast und Dir das hilft. Und danach verschwinden diese beiden Themen.
Ich selbst habe körperlichen und seelischen Missbrauch während meiner Kindheit und Jugend durch meine Eltern erleben müssen. Und mein unbewusst eingeschlagener Weg war das ich diese Erfahrungen und die damit verbundenen Gefühle abgespalten habe. Damit waren die Erfahrungen und Gefühle "bewusst" weg. Und ich konnte weiterleben. Beschädigt aber weiterleben. Leider vergisst das Unterbewusstsein nichts. Das ist ja auch der Grund warum mein Suchgedächtnis niemals etwas vergessen wird. Die Gefühle die ich versucht habe ab zu spalten, waren zum Beispiel Angst, Hilflosigkeit, Wut, Wehrlosigkeit, Agressionen, Selbsthass oder besser fehlende Selbstliebe. Das sind alles Symptome einer Depression. Ich entwickelte Mitte Ende meiner Zwanziger zunächst eine Angststörung gefolgt von meist schweren Depressionen. Rückblickend wenig überraschend (Ironie aus). Es folgten zahlreiche, meist akute, Klinikaufenthalte. Ich wurde verschiedenlich medikamentös eingestellt. Und nehme heute noch Antidepressiva. Es folgten Therapien mit unterschiedlichen Ansätzen die ich aber oft abbrach weil sie mir entweder nicht genug halfen oder ich zu instabil wurde und ich mich in eine Klinik in Sicherheit bringen musste. Bei den Therapien und in den Kliniken habe ich meine Missbrauchserfahrungen immer angesprochen. Nach mehreren Klinikaufenthalten im Jahr 2005 bot mir die Leitende Psychologin dort an, eine ambulante Therapie bei Ihr zumachen. Ein absoluter Glücksfall, den Sie ist eine sehr sehr gute Therapeutin. Ich habe dann eine komplette abulante Therapie bei Ihr abgeschlossen. Meine Angsstörung konnte ich komplett überwinden und die Depressionen konnte ich zumindestens soweit bewältigen das ich stabil war. Sie waren selten ganz weg. Gleichzeitig fing ich mehr oder weniger bewusst mir die Frage zu stellen warum sie nie endgültig verschwanden. Ich meine ich hatte eine Therapie abgeschlossen bei der ich auch Wege gelernt um mir bei einer Depression zu helfen. Also Warum? Ich hatte zwar eine ziemlich gute Ahnung, dennoch dauerte es nochmal 10 Jahre bist ich nach zwei Klinikaufenthalten 2015 erkannte das die unbewältigten Traumata der Grund für die wiederkehrenden Depressionen waren. Ich beschloss also da nochmal ran zu gehen. Auf den Tip einer damals Bekannten heute sehr guten Bekannten. Kontaktierte ich eine Therapeutin, aus einer Therapierichtung über die ich mich genauer informiert hatte und gutes gehört und gelesen hatte, die von der Kasse bezahlt wurde und die ein Verfahren zur Traumabewältigung anbot. Wieder ein absoluter Glücksfall, ich konnte sofort anfangen und Sie ist eine sehr sehr gute Therapeutin. Ich habe bei Ihr eine Therapie abgeschlossen und bei Ihr Wege gelernt wie ich mir helfen kann, wenn die Traumata "sich melden".
Es gibt allerdings auch eine Verbindung zu meiner Alkoholsucht. Ich wollte meine Depressionen im wahrsten Sinne des Wortes wegsaufen. Ich wusste und fühlte das das nicht funktioniert und auch niemals funktionieren wird. Im Gegenteil die Depressionen wurden während der Sauferei immer schlimmer.
Aktuell konzentriere ich mich auschliesslich darauf meine Akoholsucht zu stoppen und meinen Weg zu finden zufrieden abstinent zu werden. Allerdings geht es mir nach dem Entzug schon besser und meine antidpressiven Medikamente können jetzt "ungestört" Ihre Wirkung entfalten.
Meine Depressionen und Traumata gehe ich erst wenn nötig an, wenn ich mich stabil fühle.
Vielleicht sind meine Schilderungen ja irgendwie hilfreich für Dich.
Liebe Grüße
Kazik