Beiträge von Lebenskuenstler

    Mein Vater und ich haben uns sogar über seinen Alkoholismus unterhalten.
    Irgendwann, nachdem ich selbst aufgehört hatte, kam es bei einem Besuch zur Sprache, dass ich eben aufgehört hatte, weil ich Alkoholiker bin.
    Er hat mir was angeboten und ich habe es abgelehnt, und da habe ich das klargestellt.

    Und ein oder zwei Jahre später kam er selbst damit, dass er mit seinem Verbrauch Alkoholiker ist.
    Und erklärte mir zwei Sätze weiter, dass sich aufhören für ihn nicht rentiert, da ein nüchternes Leben kaum Gewinn für ihn wäre, der es rechtfertigen würde, dafür die Anstrengungen des Aufhörens auf sich zu nehmen. Und natürlich hat er nicht aufgehört.

    Hi R/no,

    mit diesem Überraschenden wie Lottogewinn, jetzt gibts was zu feiern, habe ich meine längste Trinkpause beendet.
    Ich wusste von Anfang an, es ist eine Trinkpause, und ich hatte mich schon drauf gefreut, wenn ich das durchgehalten habe und dazu noch etwas bestimmtes geschafft (war fast wie ein Lottogewinn, nur musste ich dafür arbeiten), dann hab ich mir das verdient.

    Die Sauferei war positiv besetzt. Ich mache einen schönen Tag noch schöner, indem ich mich besaufe.
    Die Erfahrung, die ich da gemacht habe, war aber, mit Saufen kann ich mir noch den schönsten Tag restlos ruinieren.

    LG LK

    Schon eine interessante Diskussion.
    Jeder der sich beteiligt, säuft momentan jedenfalls nicht.
    Also scheint es mir persönlich eher ein Nebenproblem zu sein.

    Ich bin meistens einfach nüchtern, trocken ist ein Begriff unter uns Alkis für mich.

    Und ich glaub, trocken gedacht habe ich schon in dem Moment, als ich beschlossen habe aufzuhören. Denn da war mir bereits klar, dass Alkohol unter keinen Umständen, und wenn der dritte Weltkrieg ausbricht und mich alle einschliesslich meiner Frau verlassen, noch eine Option ist. Denn dann schaff ichs nicht und fertig.

    Er muss es doch wissen oder spüren.. oder realisieren, dass es einfach nicht normal ist, dass jeden einzelnen Abend Wein geöffnet wird.

    Mein Vater hatte in den 56 Jahren, die ich ihn kannte, meines Wissens keinen einzigen Tag ohne Alkohol. In meiner Kindheit waren es täglich mindestens drei Bier, ein Liter Wein, mehrere Schnäpse. Später hatte ich lange keinen Kontakt mehr mit ihm. Ich habe es aber auch völlig normal empfunden, jeden Tag zu trinken, ich habe noch viel mehr getrunken als er.

    Bei meinem Vater kam in späteren Jahren nur noch die Frage "willst Du mich kontrollieren", wenn ihn irgendwer auf seinen Konsum oder auf sein Leben ansprach.
    Und er erteilte Hausverbote, ganz einfach.
    Als er starb, habe ich zwanzig Liter Schnaps und ein halbvolles Weinfass mit vielleicht 50 Litern Rest entsorgt.
    Das Hirn war kaputt und die Leber auch.

    Nicht mein Problem. Mein Leben war unabhängig von seinem. Und ich war da längst trocken und ich wusste aus eigener Erfahrung, Hilfe wird abgelehnt. Habe ich ja auch so gemacht.
    Ich hab zwar den Pflegedienst organisiert und ihm einen Heimplatz besorgt, als es nicht mehr ging, aber meine eigene Befindlichkeit beeinträchtigte das nicht.

    Wozu brauchst Du das, dass er aufhört? Du bist erwachsen.

    Zu dieser Fitness in den Pausen und dem Fehlen des sichtbaren Entzugs und dem, dass er sich in der Öffentlichkeit beherrschen kann, nicke ich nur den Kopf.

    In meiner Welt hat das bewiesen, dass ich es noch unter Kontrolle hatte. Wenn ich wollte, könnte ich jederzeit aufhören, ich will ja nur nicht. Ich, abhängig, aber gar nie nicht.
    Und alle Punkte gehören bei mir auch dazu, die Schäden so weit zu begrenzen, dass ich eben nicht aufhören musste.
    Nur bei mir wurde es mit der Zeit immer schlimmer. Aber ich habe auch lange getrunken. Irgendwann war ich kaputt, fertig. Aber immer noch nur während und direkt nach dem Saufen. Das ist bei ihm aber ja bereits der Fall. Bei mir war auch mal der Notarzt da, das hat mich noch nicht zum Aufhören gebracht, musste noch schlimmerwerden.

    Und das Ganze habe ich in der Klarheit erst gesehen, als ich aufgehört hatte.

    Im Währenden habe schlicht zugegriffen, ohne nachzudenken, wenn ich mal wieder so weit war, dass ich es vor mir vertreten konnte. Und immer öfter auch ohne jeden Anlass. Einfach weil ich meine drei Tage nüchtern hinter mir hatte, die ich mir verordnet hatte, um keine körperliche Abhängigkeit zu entwickeln. Und um an den anderen 4 Tage (Wochenrythmus) so viel trinken zu können, wie ich wollte.

    Vielleicht hat er auch solche Gedanken. Oder sonst ein Trinksystem, das er sich zurechtgebastelt hat.
    Es ist eigentlich egal ob Du das verstehst, es geht um das, was für Dich dabei herauskommt.

    Weiss nicht, ob Dir das jemand wirklich sagen kann.

    Ich habe zwar auch exzessiv getrunken und mich mit meiner Frau heftig gestritten, aber so nen extremen Hass, wie Du das mit der Kamera beobachtet hast, hatte ich nicht.
    Im Streit und dazu besoffen wird es natürlich schon mal schräg.
    Ich hab ihr einmal eine gelangt und sie hat mir einmal ein Weizenglas über den Kopf gezogen. Damit hatten wir Gleichstand und wir waren uns einig, das kommt nicht wieder vor. Streit an sich gehört für uns zu einer Beziehung.

    Was sehr häufig der Fall ist, was wir auch hatten, dass der Trinker es als persönlichen Angriff auffasst, wenn ihn jemand vom Trinken abhalten will.
    Aus meiner Logik war es völlig klar, dass Saufen absolut normal ist und ich jedes erdenkliche Recht dazu hatte.
    Und wer mir das absprechen wollte, war nicht mein Freund.
    Und ich wollte auch keine Partnerin, die sich an meiner Sauferei störte. Das entwickelte sich und dann waren Gefühle da, sonst wäre das ein klarer Fall für Trennung gewesen.

    LG LK

    Ausreden.

    Ich habe mir Ausreden erst ausgedacht, als es Andere störte und sie mich fragten, warum ich so viel trinke. Für mich brauchte ich nie welche.

    Meine eigene Einstellung dazu war lange, das Trinken macht das Leben schöner, und dafür opfere ich lieber einige Jahre meines Lebens und sterbe dementspechend früher, bevor ich das Leben nüchtern erlebe. Erschien mir einfach nicht erstrebenswert. Es war auch meine Angst, den Verstand zu verlieren,und dass es mir sehr schlecht ging und ich dann schon so viel vertrug, dass nur noch der Körper umkippte, ich aber keine Filmrisse mehr hatte. Dann tats mir nämlich erst weh.

    Und sehr lange, wenns mir schlecht ging, habe ich auch Trinkpausen gemacht und war überzeugt, dadurch kriege ich das wieder unter Kontrolle oder halte meine Schäden so in Grenzen, dass ich bis zu meinem Ableben eben nicht aufhören muss. was wegen dem Kontrollverlust halt nicht wird, aber weil mans auch vergisst, für mich als Trinker nicht weiter schlimm war. Da kenne ich ein paar Intellektuelle, die machen das genau so. Ich bin doch viel zu schlau, einer Sucht zu erliegen....

    Und der Beruf kann sich noch so gut und wichtig anhören, ob er deswegen so glücklich macht, dass man deswegen mit dem Trinken aufhören will, ist fraglich.

    Ausserdem steuern Gefühle die Gedanken und umgekehrt. Du müsstest das eigentlich nachvollziehen können, den Du hast ja auch verschiedene Gründe, die Situation nicht zu verlassen, die ich als Aussenstehendeer ja auch nicht nachvollziehen kann bzw. nur, wenn ich ernsthaft versuche, mich reinzuversetzen. Du brauchst ihn ja nicht aus finanziellen Gründen und könntest auch ohne ihn leben, wie Du willst. Und wenn der Suchtdruck, oder auch die Liebe kommt, findet jeder viele Gründe, warum das fortgesetzt wird. Oder greift einfach zu.

    Hallo Somadi,

    mit Abweichungen erinnert mich das Trinkverhalten Deines Mannes an meines.

    Ja, das Vergessen macht es dem Trinker deutlich einfacher als der Partnerin. Der Segen der Filmrisse.

    Meine Frau hatte auch sehr viele Gründe, mit mir zusammenzubleiben.

    Sie holte sich selbst in einer Angehörigengruppe Hilfe, sagte mir eines Tages, dass sie verstanden hat, dass sie nichts machen kann. Dass sie mir nicht dabei zugucken wird, wie ich mich zu Tode trinke. Und dass sie mich deswegen verlassen wird. Besser als Alles Andere immer noch.

    Und dann interessierte es niemandem mehr, wie viel ich trinke. Für mich die Gelegenheit, so viel zu trinken, bis ich selbst begriffen habe, dass ich besser aufhöre.

    Das ist die eine Seite. Die andere ist: die wenigsten schaffen es.

    Es ist Deine Entscheidung.

    LG LK

    Noch was zu dem Verhalten.

    Du hast gescrieben, er wollte sich trennen wie Erwachsene. Die Kernaussage dabei ist, er war mit der Beziehung nicht glücklich und wollte sie beenden.
    Vielleicht hatte er auch so nen lichten Moment, dass er Dich mit in den Untergang zieht.
    Und weil Du Dich nicht darauf eingelassen hast, hätte ich an seiner Stelle folgende Gedanken gehabt:

    "die will mich warmhalten"
    "Die will mich weiter volljammern"
    "Die will mich bearbeiten und manipulieren"
    "Die geht mir sowieso auf den Sack mit dem, dass ich mit dem Trinken aufhören soll"
    "Ich will trinken und das geht mit ihr nie entspannt"
    "Und wenn ich mich auf Gespräche einlasse, fängt sie immer wieder von vorne an und ich komme nie aus dieser Beziehung raus"

    Normalerweise ist es hier umgekehrt, Angehörigen wird der Kontaktabbruch nahegelegt, weil sie sonst immer wieder bearbeitet werden.

    Du kannst es auch so sehen:
    Du hast jetzt ein Problem weniger. Jetzt kannst anfangen den Liebeskummer zu bearbeiten und dann nach vorne gucken.

    Ich hab eigene Erfahrungen in der Richtung.