Beiträge von Lebenskuenstler

    Eine Frage, die mich in diesem Zusammenhang wirklich interessiert: Wie schaffst du es, in Situationen, die früher mit Alkohol verbunden waren, nichts zu trinken? Muss sich da nicht etwas am Mindset ändern, damit das funktioniert?

    Ich schreibe da jetzt meinen, nicht forumskonformen Senf dazu, und das mit knapp 25 Jahren Trockenheitserfahrung.

    Manche Situationen haben mich ganz einfach gelangweilt, weil ich nicht mehr über die gleichen Witze lache wie Betrunkene zum Beispiel.
    Und in Kneipen zum Beispiel bin ich eh schon lange nicht mehr gegangen, weil es mir nicht mehr um Kontakte, sondern nur noch ums Trinken ging und das konnte und wollte ich auch alleine.

    Ansonsten habe ich erst mal wenig geändert, bin überall hingegangen, wo ich hingehen wollte.
    Alle Situationen, die ich besoffen erlebt habe, nüchtern erlebt und festgestellt, dass es für mich funktioniert, die Situationen vom Trinken emotional und kognitiv zu trennen und selbst in eine Situation, in der mich der Saufdruck mal überraschte (und das war wirklich nur zwei Mal ganz am Anfang in der ganzen Zeit) bin ich bewusst noch mal gegangen und als ich mich drauf eingestellt hatte, passierte gar nichts mehr.

    Vieles von dem macht mir nüchtern sogar mehr Spaß, weil es jetzt Genuss ohne Reue ist.
    Anderes hat sich von selbst verändert, weil ich die Welt nüchtern anders erlebt habe.
    Manche Schwierigkeiten tauchten aber auch erst so richtig auf, als ich mich nicht mehr abgeschossen und betäubt habe.
    Das betraf aber mehr meine Gesamtsituation, weniger konkrete Trinksituationen..

    Wir sind hier beim Erfahrungsaustausch. Viele haben erlebt, dass sie das triggern würde. Ich habe erlebt, dass es mich nicht triggert.
    Ein Einzelfall bin ich nicht, das weiss ich.
    Aber ich habe auch keinerlei Rückfallerfahrung, nachdem ich wirklich aufhören wollte.
    Meine Kontrollversuche, irgendwann "vernünftig" zu trinken, waren alle gescheitert. Aber nachdem ich eingesehen hatte, dass das nicht funktioniert, konnte ich hingehen, wo ich wollte.

    Du bist für Dich selbst verantwortlich, Du musst hier nur nehmen, was für Dich passt.
    Allerdings bezahlst Du für jeden Fehler, den Du machst, auch selbst.
    Wenn Du Dich beispielsweise ärgerst, dass Du immer wieder angefangen hast, dann musst Du selbst gucken, wie Du das änderst.

    LG LK

    Ich bin sehr hin- und hergerissen zwischen "ich will gehen" und "vielleicht ist es besser zu bleiben".

    Du weisst ja, keine Entscheidung ist auch eine Entscheidung. Dann bleibt es, wie es ist.

    Ansonsten würde ich, wenn ich in der Situation wäre, zusammenzählen, was mir voraussichtlich an Mitteln zur Verfügung steht und dann würde ich nach so was wie "günstig wohnen im Alter" suchen. Einfach mal mit google anfangen, mich eventuell in Social Media Interessengruppen anschliessen.

    Das ist jetzt aber nicht besonders ausgearbeit, ich bin nur in Deinem Alter und da hört man manchmal von so was.
    Und das wäre der Weg, den ich gehen würde, ich kann Dir aber keine Entscheidungen abnehmen und qualifiziert beraten kann ich Dich auch nicht.

    Ich wollte 2 oder drei Jahre nach dem Aufhören eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschliessen.

    Die Versicherungsunternehmen verlangten, dass ich meine Ärzte von der Schweigepflicht befreie und sämtliche Erkrankungen der letzten 10 Jahre angebe.
    Können die machen. Sie stellen die Bedingungen, zu denen sie einen nehmen.

    Tja, ich hatte meinem Hausarzt mal gesagt, dass ich ein Alkoholproblem habe, der musste das angeben und da haben mich die Versicherungen abgelehnt.
    Bei Alkoholikern ist ihnen das Risiko zu hoch.

    Es hätte bei vielen noch tiefer gehen können.
    Wir haben uns hier alle noch nicht so blöde gesoffen, das wir keine Tastatur mehr bedienen und uns nicht mehr schriftlich ausdrücken können.
    Und ich hatte noch Frau, die allerdings bereits auf dem Abflug war, Führerschein, Wohnung, Beruf, ausserhalb meiner engsten Umgebung hat man mir nicht sehr viel angemerkt.

    Bei mir wars eine Mischung aus sehr schlechtem Gefühl und der Erkennntnis, dass ich immer wieder abstürze, wenn ich mal mit dem Trinken anfange. dass ich also dieses schlechte Gefühl selbst verursache, weil ich mir einbilde, dass ich mir mit trinken was Gutes tue.
    Ich habe nicht täglich getrunken, hatte dabei auch keine spürbaren Entzugserscheinungen, aber jedesmal, wenn ich angefangen habe, endete das nach zwei oder drei Tagen in der Bewusstlosigkeit mit allen Nebenwirkungen wie Hängen über der Kloschüssel etc.. Mit ging es sehr schlecht dann.
    Und ich hatte die Erkenntnis, das ich alles verliere, wenn ich weitertrinke. Aber noch war es nicht so weit.

    Und ich habe jahrelang dagegen angekämpft, indem ich Trinkpausen gemacht habe und mir oft vorgenommen habe, das nächste mal hörst Du kurz vorher auf, bevor Du völlig fertig bist.
    Eines Tages hab ich halt eingesehen, dass ich niemals mit dem trinken anfange, ohne kurz darauf abzustürzen. Und dass es viel leichter wäre, es ganz zu lassen, als mir immer wieder einzubilden, dass ich jemals weniger trinken würde.

    LG LK

    UND trotz allem denke ich, weiter geschafft als Millionen andere ..und das mit nur 3 Monaten....

    als ich frisch aufgehört hatte, hab ich öfter solche Sprüche gehört, Rückfälle bauen viele, am Suff sterben auch viele.

    Nur, was hätte mir das genützt, dass Andere auch tot sind?

    Du wirst nicht wegen Anderen oder für Andere trocken, sondern Dir tut die Fresse weh, wenn Du auf selbige fliegst.

    Schade, dass ich keine richtige Antwort von dir erhalten habe. Es hätte mich schon interessiert wie „die andere Seite der Macht“ das wahrnimmt.

    Das ist nicht allgemein zu beantworten.
    Meine Frau hat mich wegen meiner Sauferei verlassen. Zur räumlichen Trennung kam es noch nicht, weil das nicht so einfach war. Aber sie hat mir klar gemacht, dass sie mir nicht dabei zuguckt, wie ich mich totsaufe.

    Es waren mehrere Dinge dabei. Erstens fand ich es würdelos, dass sie bei mir blieb, obwohl sie das so kaputt machte. Zweitens sah ich keine Möglichkeit, aufzuhören, weil ich der Überzeugung war, dass ein Leben ohne Alkohol so freudlos wäre, dass ich mich nüchtern umbringen würde. Von daher war ich auch nicht bereit mir Hilfe zu holen, weil ich überzeugt war, das bringt eh nichts.

    Im Resultat habe ich das so erlebt, dass die Trennung mir den Druck nahm, mich beim Saufen zu beherrschen. Endlich konnte ich ungestört kippen, was ging.
    Im Übrigen war das für mich die Gelegenheit, den berühmten Tiefpunkt zu erreichen, dass ich nämlich endlich mal Angst um mich selbst bekam.

    Und bei dem, was Dein Typ so treibt, hätte ich viel zu viel Angst gehabt, dass ich irgendwann eingesperrt werde und dort nichts mehr zu Saufen kriege.

    LG LK

    Es geht um zwei verschiedene Punkte.

    Beziehungsmäßig seid Ihr zwei erwachsene Leute, die beide ihr Leben nach ihren eigenen Entscheidungen leben dürfen und als Erwachsene muss man sich einigen, was man vom Partner erwartet und will und was derjenige dann mitmacht. Im Zweifelsfall passt es nicht, auch wenn es wegen Liebe schmerzhaft sein kann. Das verpflichtet trotzdem niemanden, gegen seinen Willen irgendwas mitzumachen und das gilt für sie wie für Dich.

    Und niemand ist verpflichtet, sich gegen seinen erklärten Willen helfen zu lassen, ausser es kommt ganz extrem, aber da seid ihr viele Meilen davon weg. Da gibts Gerichturteile, ab wann das zulässig ist, das ist nicht nicht mal bei kompletter Verwahrlosung der Fall. Das gilt explizit auch bei psychischen Erkrankungen, zu denen man Sucht zählen könnte. Wenn es denn überhaupt eine ist.
    Selbst wenn es aus Deiner Sicht externer Hilfe bedürfte, könnte sie das aus Gründen der Selbstbestimmung ablehnen.


    Hier zeigt sich wieder, dass ich teilweise noch nicht für mich trocken bin.

    Da mal noch eine Frage: für wen bist Du trocken, wenn nicht für Dich?

    Ich hab noch mal Deinen ersten Beitrag gelesen, da wolltest Du ja erst mal hören, ob Du aufhören musst.
    Du warst Dir nicht sicher, ob Du wirklich aufhören sollst.
    Dein Leidensdruck war nach meinem Dafürhalten auch nicht besondes hoch.
    Da war Deine Rede davon, in 9 von 10 Fällen behälstdu die Kontrolle, und es passiert dir zwei oder drei Mal im Jahr, dass es peinlich wird.
    Und wenn ich das heute lese, steckst Du immer noch in dem gleichen Zwischenzustand wie damals.

    Es ist natürlich Deine Angelegenheit, wie Du das machst.
    Für mich liest es sich so, als ob Du nie eine endgültige Entscheidung getroffen hast und dabei bleibst, sondern Du legst es immer auf Wiedervorlage und jedesmal haderst Du wieder damit.

    Das kannst Du zwar machen, aber damit wirst Du möglicherweise nie zufrieden trocken, denn Du quälst Dich jedesmal, wenn Du gerne trinken würdest, damit.
    Die Entscheidung kann Dir gar niemand abnehmen.

    Dadurch, dass ich abhängig geworden bin, ist mir vieles schönes genommen wurden.

    Das hast Du Dir ja selbst genommen. Hättest Du halt früher aufgepasst. Hast Du aber nicht, so wie ich auch nicht.

    Freiheit....

    Hast Du schon mal probiert, für 10 Minuten die Luft anzuhalten?
    Von manchen Umständen werden wir nie unabhängig.
    Atmen muss ich, ich habe nicht die Freiheit, es zu lassen.

    Trinken könnte ich immer. Ich müsste nur die Konsequenzen dafür tragen.
    Ich war froh, als ich erkannt habe, dass ich die Freiheit habe, es zu lassen.
    Und Möglichkeiten, es unbemerkt zu tun, hätte ich einige, obwohl ich verheiratet bin und mit meiner Frau zusammen wohne.
    Ich fahre hin und wieder alleine in Urlaub, da kennt mich niemand.

    Ich beobachte seit vielen Jahren Rückfällige.
    Ich habe noch keinen gesehen, der durch einen Rückfall glücklicher wurde.

    In meinem Umfeld gab es mal einen Satz: Zweifel müssen weggesoffen werden.
    Was glaubst Du, wie es Dir gehen würde, wenn Du es probieren würdest?

    Wenn das wirklich besser wäre, tu es.


    Ich habe das Gefühl er versteht den Ernst der Lage nur selten . Dann aber richtig. Dann ist wieder alles egal. Hast du Erfahrungen damit ?

    Ich war nicht so schwankend. Ich wollte bis kurz bevor ich es getan habe, nie aufhören. So wie ich mir das nüchterne Leben vorgestellt habe, so lange ich noch getrunken habe, war mir das nicht erstrebenswert.

    Ich wusste schon, das zu viel trinken ungesund ist. Aber ich war überzeugt, ich kriege das unter Kontrolle.

    Ich hatte vor 4 Jahren ein hypomanischen Schub aufgrund langanhaltenden Schlafmangels wegen meinen körperlichen Erkrankungen. Hab mich da selbst eingeliefert.

    Ich kenn das, so quasireligiöse Phantasien hatte ich da auch, aber attestiert keinen Realitätsverlust. Also ich wusste noch, dass das Phantasie ist.

    Seit dem lasse ich alle zwei Monate meinen Neurologen, der gleichzeitig Psychiater ist, auf mich drauf schauen, denn es könnte ja sein, dass ich selbst gar nicht merke, wenn ich wahnsinnig werde.
    Das ist keine große Belastung, denn wegen Schwerbehinderung und Medis muss ich ja sowieso hin und ich brauche auch keine Extra-Termine, sondern ich gehe einfach hin und komme immer dran, wenn ich das möchte.

    Ich werde das auch beibehalten, obwohl mir auch jetzt in einer Reha bescheinigt wurde, dass ich voll bewusstseinsklar und in allen Dimensionen orientiert bin (so heisst das wohl), aber vor Psychosen habe ich einen gewissen Respekt.

    Der Blick von aussen durch jemanden, der sich auskennt, kann nützlich sein.

    Seit dreieihalb Wochen bin ich wieder aus der Reha zurück.

    Die Reha habe ich im geschlossenen Bereich beschrieben.
    Mit den Mitpatienten und den Ärztenund Therapeuten lief es OK.
    Alkohol war und ist kein Thema.

    Gesundheitlich hat die Reha keine Wunder bewirkt, ich bin nach wie vor schwerbehindert und krank geschrieben. Das wird sich auch nicht mehr ändern. Ich habe das akzeptiert und es zieht mich psychisch nicht runter. Seit Jahren stehe ich auf dem Standpunkt, dass den Rest des Lebens Trübsal deswegen blasen nicht meins ist. Ich geniesse mein Leben, so wie es mir möglich ist.

    Die Woche war ich schon auf einer Bergwanderung, meinem Zustand entsprechend natürlich, und E-Bike-Fahren geht auch noch gut.

    So weit
    LG LK

    Liebeskummer geht erfahrungsgemäß irgendwann vorbei.

    Dagegen ist das

    wünsche mir nichts mehr als dass er es irgendwie sieht

    mit großer Wahrscheinlichkeit eine unendliche Geschichte. Na ja, nicht unendlich, irgendwann löst sich das biologisch.
    Jedenfallls hört sich das nicht so an, als ob er es mit dem Aufhören eilig hätte. Eher wie einer, der nie aufhören wird, bis er in die Kiste hüpft.

    Was ist dir lieber, ein oder zwei Jahre maximal Liebeskummer, dann bist Du damit durch, oder noch viele Jahre neben einem Trinker, der wahrscheinlich nie aufhören wird?

    LG LK

    Linie 3 das Trinkverhalten - was und wieviel

    Lach, so etwas ähnliches habe ich vor 25 Jahren bei der Suchtberatung gemacht,
    Spätestens danach war für mich klar, dass Trinken für mich ein Allzwecktool, war, mein Schweizer Messer für jede Lebenslage.

    Die wichtigsten Trinkgründe für mich:
    Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag, Sonntag
    Nur deswegen nicht so ausgeführt, weil ich prinzipiell Trinkpausen gemacht habe. Und das warum?
    Mein Körper hätte mich sonst schon früher zum Aufhören gezwungen. Wollte ich aber nicht.

    Ich habe mich damit ausgesöhnt. Es war früher das, was ich wollte, und ich muss es niemanden gegenüber rechtfertigen.

    Ich glaube, das erste, was Du verinnerlichen müsstest, ist:

    Es ist viel einfacher, bei Stress nicht zu trinken, als zu dem Stress dann anschliessend auch noch den Rückfall aufzuarbeiten.

    Denn das Argument, dass Du wegen Dauerstress trinkst, hinkt ja dermaßen, mit Rückfällen hast Du ja noch mehr Stress.