Beiträge von Lebenskuenstler

    Moin,

    ich schreibe jetzt gleich mal was bei mir zu meiner Endphase.

    Am Ende wollte ich nur noch sterben, dann habe ich begriffen, ich muss ja nur aufhören.

    Und jetzt, als Ausblick, ist es so, ich lebe ein ganz normales bürgerliches Leben, und ich merke nichts mehr von meiner durchgedrogten Vergangenheit.
    Nur ein paar Alterserscheinungen, anderes Thema, etwas, was auch Leute mit anderer Vergangenheit trifft.
    Und ich habe mehr Skills, mit mir umzugehen, als deer Normalbürger, weil ich sie lernen musste.

    Ich war übrigens auch 40.

    Es rentiert sich.

    LG LK

    Das größte Problem was ich jedoch sehe, was sind die Gründe? Ich war bei mehreren Psychologen, die konnten mir auch nicht wirklich helfen. Spezialisiet auf Süchte von anderen Stoffen, aber nicht Alkohol. Entweder inkompetent oder die haben sich nicht wirklich "für die Materie" interessiert.

    Moin,

    ich bin Polytox und am Ende blieb der Alkohol als Droge übrig. Auch eine lange Geschichte, nur bei mir schon seit 24 Jahren beendet. Folglich bin ich auch schon ein bisschen älter. Und ziemlich direkt.

    Als ich noch getrunken habe, dachte ich auch, es ist wahnsinnig wichtig, die Gründe herauszufinden.

    Ich, schönes Leben, läuft im Prinzip, warum schütte ich mich zu? Vom Kopf her wusste ich das, die Gier war trotzdem da.

    Es ist irgendwo die Wirkung, wegen der man trinkt. Irgendwann, lange trocken, fiel mir auf: irgendwann war es mal schön, das habe ich damit verbunden. Bewusst/unbewusst, wenn ich trinke, wird irgendwas besser. Laune, Langeweile, irgendwas. Und selbst als das schon nicht mehr stimmte, war die Erwartungshaltung immer noch da, auch wenn mir das nicht bewussst war. Im Stress bzw. in dem Loch, in das ich fiel, wenn der Stress durch war, automatisches Verhalten.

    Das nächste ist, wenn ich weiss, warum ich trinke, weiss ich eben nur, warum ich trinke. Wie ich aufhöre und was ich dann stattdessen mache, weiss ich deswegen noch lange nicht.

    Das dritte ist, ich musste erst mal eine Zeitlang nüchtern sein, damit meine ich, einige Monate, bis ich gemerkt habe, was ich eigentlich brauche. Was sozusagen die Basisfeelings waren, die ich befriedigen musste. Und aus langer Trockenheit kann ich Dir sagen, die Bedürfnisse ändern sich auch. Was mich heute gut drauf bringt, ist nächstes Jahr vielleicht schon wieder anders.

    Und ausserdem gibt es aus meiner Sicht keinen wirklich einfachen Weg. Erst mal ist schlicht Durchhalten angesagt. Ich kenne kein Wundermittel, ausser dem, dass es einem wirklich reicht.

    Weitermachen.

    LG LK

    Will ich mal kurz beantworten.

    Wenn Du in eine reale Selbsthilfegruppe gehst, dann gibt es da Leute, denen man gar nichts ansieht, und Leute, denen man es deutlich ansieht.

    Ich bin die Sorte, da käme von aussen keiner auf die Idee, dass ich so viel getrunken habe.

    Ich hab schon mal ein Buch gescrieben, bin aber zu faul, es zu überarbeiten. Und meine Frau und ich scherzen öfter, dass unsere Geschichten das leicht hergeben würden.

    Bei uns gibt es aber auch Vorgeschichten.

    Ich hatte mich aus Gründen schon lange, bevor meine Frau und ich zusammenkamen, entschlossen, eine Beziehung gehe ich nur noch ein, wenn ich trinken kann, so wie ich Lust habe. Der Extremfall war, eine Frau kam auf mich zu, wollte mit mir zusammenkommen, um mich zu retten, weil sie dachte, ich brauche das. Nada, habe ich sofort unterbunden.
    Und meine Frau und ich waren, schon bevor wir zusammen kamen, gerne mal die Letzten, die aus der Kneipe gingen, sie wusste also im Prinzip, wie ich ticke.

    Und es gab bei meiner Frau auch einen Vorgänger von mir, den ich sogar vor ihr kannte, der gewalttätig wurde. Da wusste sie schon, sie muss sich selbst retten.

    Wir waren uns von Anfang an auch drüber einig, dass eine Beziehung kein Zwang ist. Wenn es nicht mehr läuft, trennt man sich. Und meine Frau war auch nicht bereit dazu, mir dabei zuzugucken, wie ich mich zu Tode trinke. Das habe ich verstanden. Ich war ich nicht so wahnsinnig sauer, als sie sich dazu entschlossen hat.

    LG LK

    Das klingt so, als wärst du am Ende doch noch angekommen.

    Du hast etwas geändert, um beruflich zufriedener sein. Und als es dann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ging, hast du wieder nach einer Lösung gesucht. Klingt gut.

    Ja, am Ende schon.

    Es gehört aber auch zu meiner Geschichte, dass meine Frau mich wegen der Sauferei bereits verlassen hatte. Und ich fand das erstmal gut, weil ich dann trinken konnte, ohne dass mir jemand unangenehme Fragen stellte.
    Und erst dann hatte ich noch einige richtige Abstürze, musste ja niemandem mehr was vormachen, bei denen ich zunehmend Angst davor bekam, dass ich bleibende Schäden davon trage. Bis dahin war es nämlich so, ich konnte richtig viel trinken (Schnapstrinker), am nächsten Morgen stand ich auf der Matte und konnte arbeiten. Ich habe die Sauferei selbst gar nicht ernst genommen, mir passiert nichts und wenn ich will mache ich Pause, wo ist das Problem? Und meine Frau, wenn sie jemanden will, der weniger trinkt, soll sie sich doch einen suchen. Warum muss ich das sein?

    Aber grade weil ich dann alleine war, bekam ich überhaupt erst Angst um mich selbst. Tut mir leid, das zu sagen, alle anderen, Frau, Kinder wenn man hat, können einen verlassen, auf die kommt es nicht an. Es kommt auf den einzigen Menschen an, mit dem man 24 Stunden täglich 365 Tage im Jahr zusammen ist, auf einen selbst.

    Nachdem ich dann aufgehört habe, hatte ich die Schnauze dann vom Saufen allerdings voll. Nur kommen die wenigsten da hin.

    LG LK

    Nachdem sich meine Frau und ich selbstständig gemacht hatten, hatte ich schon Lust zum arbeiten. Wir haben unsere Hobbies mit den Berufserfahrungen zusammen zum Beruf gemacht.
    Ich bin aber schwerbehindert und war vor ein paar Jahren schwer krank - nicht wegen Alkohol - und da bin ich aus meiner Firma ausgestiegen.
    Damit geht es mir ziemlich gut.

    Ich finde das alles halb so wild. Ich habe unter meiner Sauferei ausser in den letzten Wochen nicht wirklich gelitten, ich habe gerne getrunken.

    Jede dritte Ehe wird geschieden, ob Alkohol oder nicht. Alle kommen irgendwann drüber weg.

    Und die Tage erst habe ich die Ergebnisse einer Umfrage gelesen. Bei der Mehrheit der Berufstätigen sinkt die Zufriedenheit innerhalb 4 Wochen nach dem letzten Urlaub auf 2, 6 oder so. jedenfalls unter 3 von 5 Sternen. Wenn bei Google ein Restaurant nur unter drei Sternen hat, würde ich da nur im äussersten Notfall zum Essen hingehehen.
    Ich kannte in meinen ganzen Jobs hauptsächlich Leute, die höchstens mässig begeistert waren. Jeder sagt, muss halt sein. Natürlich gibt es auch welche, die sich zu irgendwas berufen fühlen, was der Begriff Beruf ja eigentlich aussagt. Auch da kenne ich wenige, die ticken aber eindeutig anders als ich.
    Das jemand keine Lust zum Jobben hat. würde kein Therapeut als krankhaft ansehen. sondern eher als ganz normal. Ich hab mich schon mal drüber unterhalten.

    Das ist Normalität, aber für sich nicht spannend genug, um mit dem trinken aufzuhören.

    Ich habe bei Dir jetzt nicht alles gelesen, aber es ist doch so, dass Du an Deinem Leben etwas ändern willst, und er nicht an seinem. Vermutlich leidest Du mehr darunter als er. Und deswegen sollte es mehr um Dich gehen.

    Also geht es mir nur drum, Dir zu sagen, dass es auf den Standpunkt ankommt, wie man etwas sieht. Für ihn sieht es vermutlich ganz anders aus als für Dich, und daran wirst Du absolut nichts ändern können. Für Dich geht es ums loslassen können, und ich kann besser loslassen,wenn ich mich in den Standpunkt des Anderen versetzt habe. Der Punkt ist schon, dass Alkohol eine Droge ist. Eine Droge ist aber u.A. deswegen gefährlich, weil die Wirkung angenehm ist. Und an dieser Wirkung habe ich festgehalten, bis es nicht mehr angenehm war. Dazu kommt aber auch noch eine gewisse Sturheit, muss doch gehen ... die beim Aufhören dann aber auch nützlich ist.

    Mit meiner Frau habe ich mal rausgearbeitet, dass das nicht Persönliches zwischen uns war. Der ganze Konflikt kam ursprünglich aus unterschiedlichen Standpunkten zu meiner Trinkerei, das wurde erst bösartig als es verbissener wurde.

    LG LK

    aber man bekommt auch viel mehr Hilfe. Warum versagt dann trotzdem jegliche Logik?

    um sich Hilfe zu holen, muss man erst mal Hilfe wollen. Und das setzt schon mal voraus, dass man aufhören will.
    Da kann ich Dir ganz sicher sagen, ich wollte nicht aufhören und ich wollte definitiv keine Hilfe.
    Sondern Hilfe wurde mir lange höchstens gegen meinen Willen aufgedrängt, was ich durchaus feindselig quittiert habe.
    Für einen aktiven Trinker fühlt es sich nicht so an, als ob man ihm helfen will. Sondern es fühlt sich so an, als ob man ihm etwas wegnehmen und verbieten will, was ihm sehr wichtig ist.

    Und damit war ich ganz sicher kein Einzelfall.
    Mach Dir mal keine Hoffnungen, dass es das als Gefallen ansieht, dass Du ihn davon abbringen willst.

    Ich will mal versuchen, Dir zu antworten.

    Kinder haben mich persönlich nie besonders interessiert. Meine Frau und ich kommen aus Elternhäusern, in denen die Schwierigkeiten beim Kinderhaben im Vordergrund standen. Ich hatte nie das Gefühl, dass meine Eltern gerne Eltern waren. Sie waren es, weil man es halt so machte, aber an sich nervte sie es mehr, dass Kinder Geld kosten und Arbeit machen. Ich hab das so übernommen und gleich vorgebaut, dass mir das nicht passiert.

    Da will ich aber dazu einwerfen, als ich noch Anfang 20 war und mir das noch nicht so genau überlegt hatte, hätte ich mich fast mal dazu überreden lassen. Verliebt wie ich war und weil ich die Frau nicht gleich verlieren wollte, habe ich das aber nicht so direkt rübergebracht. Und ich bin überzeugt, das wäre schief gegangen. Es ist auch so schiefgegangen, aber noch rechtzeitig.

    Und auch Arbeit war für mich immer nur Mittel zum Zweck. Wegen dem Geld halt. Ich war zwar beruflich zeitenweise erfolgreich, aber im Prinzip habe ich immer nur für Wochenende und Urlaub gelebt. Für einen Job mit dem Trinken aufhören, wozu? Ich hatte gute Zeugnisse, hab ich halt gewechselt. Trotzdem habe ich erst, als ich schon Jahrelang trocken war und mich selbstständig gemacht habe, Spaß am Arbeiten gefunden. Bis da hin war es immer irgendwie eine Plagerei bei mir.
    Und ich hatte durchaus auch Hobbies, aber die wurden auch erst dadurch richtig schön, dasss man hinterher zum Trinken ging.

    Das änderte sich alles erst, als es mir selbst vom Trinken so fürchterich ging, dass ich dachte, nüchtern kann es dann doch nicht noch schlimmer sein. Ich habe dann aber auch erst mal damit gerechnet, dass ich mindestens 5 Jahre brauche, bis ich dann eingermassen damit durch bin. Hörte sich für mich nach furchtbar viel Arbeit und Leiden an, mit dem Trinken aufzuhören. Dafür musste sich das dann schon so anhören, dass es sich auch rentiert.

    Natürlich sieht das heute, lange trocken, anders aus. Aber als ich noch da war, war das für mich völlig logisch, dass man das Leben nur trinkend ertragen kann.

    Hi Sonnenschein,

    ich antworte Dir als Alkoholiker

    Wie kann ein Mensch seine Frau, seine Kinder, seinen Job und seine Gesundheit aufgeben, wegen einer Sucht? Wegen Alkohol? Ich kann das nicht verstehen? Es macht mich so traurig. Wie kann ein Mensch sich so aufgeben?

    Wahrscheinlich wirst Du das nicht verstehen.

    Als ich noch getrunken habe, hatte ich keineswegs das Gefühl, dass ich mich aufgebe.
    Im Gegenteil, ich hatte das Gefühl, ich mache das Einzige, was mir wirklich Sinn im Leben gibt, nämlich trinken.

    So lange ich noch nicht so weit war, aufzuhören, war ich davon überzeugt, dass das Leben ohne Alkohol eine tieftraurige Angelegenheit wäre.
    Meine Vorstellung, grob beschrieben:
    Meine Frau hat dann zwar, was sie will, und ich sitze täglich mit Selbstmordgedanken daneben. Weil mir ohne Alk nun wirklich gar nichts bleibt, wofür es sich zu leben lohnt.
    Da habe ich lieber gesoffen, und der Spass war es mir auch wert, dafür ein paar Jahre früher zu sterben.

    Die Welt sah, als ich soff, so aus.

    Du glaubst vielleicht, Kinder und Ehe sind mehr wert. Ich schätze mal, er glaubt das nicht.

    LG LK

    Zu dem Risiko:

    ich hatte mich schon mindestens 10 Jahre, bevor ich aufgehört habe, aus der Trinkerszene verabschiedet, weil sogar mich schon damals das besoffene Geschwätz eher angewidert oder gelangweilt hat. Also Kneipen, Bierzelte waren für mich schon lange keine Aufenthaltsorte und selbst in den Biergarten bin ich in erster Linie, weil es da oft schön sitzen war und es was Gutes zum Essen gab..

    Ansonsten habe ich mich in der gesamten Zeit meiner Trockenheit danach gerichtet, ob mich das Thema einer Veranstaltung interessiert, und ob es da auch Leute gab, die dazu getrunken haben, war für mich von Anfang an Nebensache. Als ich meinen Blick mal geöffnet hatte, waren da auch immer viele, die keinen Alkohol getrunken haben, weil es keine Saufveranstaltungen waren, sondern beispielsweise eben Rockkonzerte. Natürlich waren auch Situationen dabei, die ich selbst bis dahin nur unter Alkoholeinfluss kannte. Ich war da schon lange davon weg, das ich getrunken hätte, weil es Andere getan haben. Aber ganz im Gegenteil, ich habe, wenn ich wollte, sogar gesoffen, wenn es niemandem gefiel ausser mir. Und grade, dass ich schon nass sowieso machte, was ich wollte, machte mir das auch nüchtern leicht, abzulehnen.
    Am Anfang ergab es sich ziermlich von selbst und ungeplant, weil ich viel im Garten und Radfahren war und sowieso kaum unter die Leute ging.

    Ich rede auch nicht von der ersten paar Tagen, das war im Prinzip nicht so viel anders als eine Trinkpause, die ich ja machen konnte und mir von daher ohne Weiteres zugetraut hatte, sondern so ein Jahreslauf wo von Sylvester bis Geburtstagen, Urlaub etc alles mal dabei war.

    Für mich waren die Kurzen an der Supermarktkasse oft die erste Anlaufstelle, und ansonsten gezielt eingekauft, um es zu Hause zu konsumieren. Also etwas, was ich absolut selbst in der Hand hatte. Da an der Supermarktkasse fing es auch an, dass mir das eines Tages einfach ins Auge stach und ich dann wirklich in mich gegangen bin, ob ich das will bzw. wie ich dazu stehe. Seit dem bin ich mir auch sicher, dass mir das nichts ausmacht. Nichts ausmacht ist dabei untertrieben, denn ich fand den Gedanken daran schlicht widerlich.

    LG LK

    Inzwischen bin ich wieder bei meiner heiteren Nüchternheit angelangt.

    Neulich diese Diskussion hier brachte mich tatsächlich zum Nachdenken,ob mir so ein Rückfall nach vieljähriger Trockenheit auch passieren könnte, inzwischen bin ich aber wieder ziemlich davon überzeugt, dass mir das nicht so aus Versehen passieren wird.
    Und zwar gerade deswegen, weil ich das Saufen nicht nur visualisiere, sondern mir Geschmack, Geruch und Wirkung dazu ebenfalls vorstelle....und ich mich damit wohl fühle, dass das eben überhaupt nicht appetiterweckend oder anstrengend ist.
    Das muss niemand nachvollziehen können, ich fühle mich pudelwohl damit, mir vorzustellen, wie das wirkt, und dann festzustellen, dass es mich nicht reizt. Das gibt mir auf eine Art eine absolute Gewissheit, dass ich nicht gefährdet bin. Und trotzdem kannte ich es und habe nichts verpasst.

    Es ist ein bisschen so wie: früher konnte ich auch große Bergtouren machen. Wegen meiner Behinderung sind es heute maximal noch Wanderungen. Trotzdem erinnnere ich mich gerne dran, aber nicht wehmütig, sondern dankbar, dass ich es erlebt habe, als ich es noch konnte.
    Oder anders: ich war jung und unsterblich in eine Frau verliebt, aber es hat sich dann auseinandergelebt. Hatte keinen Reiz mehr. Deswegen war es zu seiner Zeit trotzdem so, wie es war.

    Meine Posts sind für Leute, die mehr oder weniger noch am Kämpfen mit ihrer Sucht sind, nicht so geeignet.
    Ich habe mal das ganze Thema von B, jetzt a., durchgelesen, und kein Wunder dass ihr das, was ich schreibe, nichts brachte. Denn dort bei ihr stand auf fast jeder Seite was von Suchtdruck, und ich kenne dieses Gefühl zwar aus meinen Trinkpausen, hatte es aber nach meinem Entschluss, endgültig aufzuhören, nie wieder ernsthaft. Ich kann überhaupt nicht mehr nachvollziehen, wie es sich anfühlt, wenn man Suchtdruck hat. Jedenfalls nicht so, wie ich es bei manchen hier lese. Vielleicht ist Sucht ja doch unterschiedlich intensiv ausgeprägt, oder ich bin schon zu lange weg davon, um das noch nachzuvollziehen.

    Da war heute dieses Thema mit der psychischen Abhängigkeit. Ich selbst habe oft zwei bis drei große Flaschen Schnaps getrunken, eine Flasche Whisky während dem Kochen niederzumachen fand ich lange ziemlich normal. Nach dem Essen ging es logischerweise weiter. Und ich habe kaum gelogen, weil ich gar nicht auf die Idee gekommen wäre, mich deswegen zu schämen. Für Scham war Trinken für mich zu selbstverständlich, und ich schreibe ja immer noch, dass es nicht verboten ist. Also das hat für mich nichts mit Moral oder gut oder schlecht zu tun. Ich habe mich allerdings selbst gewundert, warum ich nie das Flattern bekam, das hatte ich überhaupt nie.
    Und ich dachte damals tatsächlich, es ist einfacher, aufzuhören, wenn man njicht körperlich abhängig ist. Damals wusste ich aber tatsächlich auch noch nicht, dass dauerhafte Trockenheit für mich absolutes Neuland ist, weil ich sehr früh mit dem Trinken angefangen habe und Saufen für mich ein Allzweckmittel war. Ich habs überstanden.

    Diese Woche waren wir in der Mainacht auf einem großen Rockkonzert. Natürlich waren die Hälfte der Leute mehr oder weniger mein Kaliber so wie früher, Bier etc gehört dazu.
    In der Stadt, in der das stattfand, haben wir etwa 10 Jahre gelebt, die für mich oft feucht-fröhlich waren. Jetzt war ein Freund dabei, den wir damals noch nicht kannten. Und auch meine Frau erzählt ganz locker, was wir damals gerne für einen Sch... gebaut haben. wir lachen drüber und finden es im Nachhinein immer noch lustig. Ich ganz persönlich fände es schade, wenn ich die ganzen langen Jahre so abtun müsste, als ob ich damit nichts mehr zu tun haben wollte. Es ist zwar Vergangenheit, trotzdem war es auch damals oft schön und es ist meine Lebenszeit, die ich als gut oder schlecht gelaufen bewerte. Dadurch, dass ich aufgehört habe und es für mich schon lange kein Problem mehr darstellt, hat auch das Gute seinen Platz gefunden. Ausserdem habe ich nicht nur getrunken, sondern dazu gehörte auch ein ganzes Leben, das ich gerne gegen den Strom gelebt hatte. Normalsein war für mich ja lange nicht so das, was ich wollte.

    Und ja, ich bin dankbar, dass ich keine Ehrenrunden drehen musste, nie damit zu kämpfen hatte, dass ich nicht aufhören konnte, obwohl ich es wollte. Bei mir hat sich meine Behauptung, dass ich jederzeit aufhören könnte, wenn ich das wollte, bewahrheitet. Und ich nehme das dankbar an. Kann durchaus sein, dass ich das deswegen gar nicht so von mir wegschieben will. Bis auf den Tiefpunkt habe ich darunter nicht so sehr gelitten. Besser, ich habs nicht wahrgenommen, erst im Nachhinein gesehen, was es für Folgen hatte, trotzdem, es war bei weiten nicht nur alles schlecht.
    Denn dass ich mich damit tatsächlich gerne beschäftige, wird mich auf immer davor bewahren, dass ich jemals behaupte, dass ich meine Sucht vergessen habe, wie das auch hier aktuell jemand geschrieben hat. Für mich kaum vorstellbar, wie so was passieren kann, ausser bei Demenz vielleicht..

    Ich habe um den Alkohol getrauert, als ich etwa 4 Monate trocken war. Das war aber kein Suchtdruck, sondern ich habe um den Alkohol getrauert, wie um einen langjährigen Freund, der gestorben war. Der Alkohol war lange so was wie mein bester Freund, wir hatten schöne Zeiten zusammmen, und trotzdem war absolut klar, dass diese Freundschaft abgelaufen war.

    LG LK

    Hi,

    dass sie Dich da jetzt wegen Deiner Troclenheit nicht besonders mit Sandhandschuhen anfassen, ist irgendwie normal, denn für die Angehörigen ist das oft keine besondere Leistung, sondern ein Problem, unter dem sie vielleicht mitgelitten haben und an dem Du aus ihrer Sicht sowieso selbst schuld warst. Also hast Du da für sie bestenfalls endlich den Blödsinn aufgehört, war eh höchste Zeit.

    Dass Du Deinen Freiraum brauchst, und nicht zuletzt deswegen, weil Du den Stress früher weggesoffen hast, ist aber Dein gutes Recht. Das darfst Du einfordern. Ja, auch mit Brüllen, sollen sie Dich doch mal kennenlernen. Vor allem, weil Saufen zwar ein verständlicher Versuch, aber doch ein ungeeignetes Mittel gegen den Stress war und Abgrenzung ein viel besseres Mittel dagegen ist.


    LG Lk

    Letztlich entscheidest nur Du selbst, was Du tun willst und was Du tun kannst.

    Was ich oder sonst jemand hier an Deiner Stelle tun würden, ist nur bedingt relevant, weil ich ja nicht in Deiner Situation bin. Ich muss auch nicht mit den Folgen Deiner Entscheidung leben, wie auch immer diese ausfällt. Du musst es.
    Das muss auch niemand nachvollziehen können, sage ich immer, ich muss den Menschen mögen, den ich morgens im Spiegel sehe.

    Und Du kannst ja, das wäre auch nachvollziehbar, durchaus sagen, er ist nicht so ein Arsch, dass ich ihn aus meinem Leben verbanne. Und wenn ich im Nachhinein das Gefühl habe, ich habe nicht mein Möglichstes getan, dann leide ich auf Dauer mehr darunter, als wenn ich jetzt, ebenfalls unter kämpfen, einen Schlussstrich ziehe.
    Auf der anderen Seite hast Du die Probleme mit ihm, die Du hast.
    Was zählt mehr für Dich?

    Ich selbst bin trockener Alkoholiker und ich habe mit meiner Frau die Abmachung, bei einem Rückfall wäre sofort Schluss. Das würde nicht nur von ihr ausgehen, sondern auch von mir, denn Beziehungskiste wäre für mich da nur eine zusätzliche Komplikation. Und wenn ich saufen will, will ich nicht, das mich jemand davon abhalten will, das wäre ja schon ein Widerspruch in sich. Und ich habe nicht die Opfermentalität, die Dein xy nach Deinen Beschreibungen vielleicht hat. Ich stehe auf dem Standpunkt, wenn ich wieder anfange, weiss ich, worauf ich mich einlasse, jedes Gejammer wäre sowieso gelogen.
    Allerdings sehen wir bei mir die Wahrscheinlichkeit als nicht gerade besonders groß an, weil ich das durchaus gut im Griff habe. Ich habe auch keine solche Erfahrungen mit Mehrfachentgiftungen oder Mehrfachtherapie wie Dein Partner, ich habe einfach irgendwann einen Schlusstrich gezogen. Schon mit harter Vorgeschchte, aber danach ohne irgendwelches Rumgeeiere. Also ich hatte mich entschieden.

    Im Gegensatz zu mir hat mein Vater sich entschieden, bis zum Tod zu trinken. Er sah einfach keinen Sinn in einem nüchternen Leben. Und er war da auch konsequent.
    Auch gut, auch eine Entscheidung. Und da habe ich mich abr entschieden, so ein Arsch war er dann doch nicht, dass ich ihn einfach verecken lassen wollte. Ich konnte etwa abschätzen, was auf mich zukommt, und ich habe es gemacht. Das ist dann aber ganz eindeutig kein Rettungsversuch, sondern Sterbebegleitung. Die Würde noch ein bisschen wahren und so. Ich konnte aber auch gut innerlich Abstand dazu halten, für mich war sowieso klar, irgendwann stirbt er.

    Aber dann ist das trotzdem (D)eine Entscheidung. Du wirst dann nicht nur von der Situation getrieben, sondern Du sagst, ich mache das, und wenn es bis zum bitteren Ende so geht.

    Was ich nicht wollen würde, ist so ein durchwurschteln. Weil Du Dich nicht entscheiden kannst, machst Du das halt mit. Lässt Dich rumkriegen, manipulieren. Keine Entscheidung ist ja auch eine Entscheidung.

    Jetzt ist Dein Partner gut drei Monate weg. Und Du kannst Dir sicher sein, er kriegt dort alles, was er braucht, er hat dort keine existientiellen akuten Probleme. Du kannst ihn dort getrost in Ruhe sein Ding machen lassen und Dich auf Dch selbst konzentrieren. Du kannst auch mal innerlich aus der Situation heraustreten und Dir vorstellen, dass Dir eine gute Freundin Deine Geschichte etzählt. Was würdest Du ihr dann raten? Das gibt dann schon Hinweise, womit Du dich besser fühlen würdest.

    LG LK

    Um mal zu verdeutlichen, was ich da lese:

    Er wird nach der Reha immer noch große Probleme zu lösen haben und die Wahrscheinlivchkeit, dass er lieber wieder trinkt, ist hoch. Das siehst Du ja selbst so. Du glaubst ja gar nicht wirklich, dass er es schafft. Ich ganz nebenbei auch nicht. Aber hellsehen ist trotzdem schwierig.

    Und Du hast auch große Probleme, Nein zu sagen, bzw. bis jetzt hast Du es noch nicht geschafft, ihn konsequent aus Deinem Leben rauszuhalten.

    Du wünschst Dir ja, das es klappt, und deswegen bist Du zu allem möglichen bereit. Deswegen hast Du ja das Dauerdilemma. Das kann gehen, bis sich das Problem dadurch löst, dass er stirbt. Gibts ja hier im Fiorum, dann bist Du aber immer noch diejenige, die nur reagiert, dann reagieren muss. Du bist dann nicht diejenige, die über ihr eigenes Leben bestimmt, Du wirst gelebt.

    Die Frage ist halt, wo ist Deine Grenze, ab der Du konsequent sein kannst und willst.

    LG LK

    Hallo Ella

    Es tut mir leid, wenn ich so (zu) viel über ihn geschrieben habe. Will niemanden nerven damit.

    ich meine, dass Du nur auf Dein eigenes Handeln wirklich Einfluss hast. Also rentiert es sich vermutlich mehr, darüber nachzudenken.
    Und die Entscheidungen darüber musst Du treffen.

    Ob er nach der Reha trinkt oder nicht, kannst Du kaum beeinflussen, sonst wäre Dir das ja schon lange gelungen.

    Bis jetzt liest sich das für mich über weite Strecken so, als ob Du Dein gesamtes Handeln von ihm abhänig machst und Du selbst gar keinen unabhängigen eigenen Standpunkt hättest.

    Na dafür hast du ja jetzt Zeit.

    LG LK