Beiträge von Lebenskuenstler

    Guten Morgen, ich war gestern in meiner live SHG und bin danach extrem frustriert nach Hause gekommen, wir haben allen ernstes 2 Stunden lang über Festnetzverträge und Wohnungen gesprochen, irgendwie kam mir alles so vor als ob ich ein Fremdkörper wäre, die kennen sich halt schon lange, Freundschaften sind entstanden usw.

    Ich hatte auch das Gefühl das da alle auf das Ende der Veranstaltung warten als ob sie gezwungen wurden dort hinzugehen. Ich denke ich schreibe heute in die Gruppe das ich nicht mehr komme weil die Chemie zwischen uns nicht mehr passt. Ich brauche eher etwas wie hier wo ich meinen Gedanken freien Lauf lassen kann und ehrliche konstruktive Kritik bekomme anstatt über alltagsprobleme zu diskutieren oder über den Kassenstand informiert zu werden und welchen Ausflug man machen könnte. Dann stand noch die Frage im Raum ob die Jahresgebühr erhöht werden soll. So ging das zwei Stunden lang...davon haben wir 10 Minuten über die wirklichen Probleme gesprochen. Irgendwie war es für mich nur verlorene Zeit, wie seht ihr das? Würde mich echt interessieren, bevor ich denen schreibe.

    Nicht falsch verstehen ich möchte jetzt nicht über die Gruppe abledern falls das so klingt.

    Wie sich doch manche Dinge ähneln, sage ich da. Such Dir eine andere Gruppe oder mache es hier.

    Hallo Lebenskünstler, echt enorm wie manche Charaktere sich ähneln. Das könnten auch meine Frau und ich sein.

    Hallo Topfmann,

    ich muss dazu sagen, dass genau unsere Streitfähigkeit für unseren Paartherapeuten ein Grund war, uns zu bestätigen, dass es sich rentiert, weiterzumachen. Besser als sich schmollend (oder saufend) in eine Ecke zu verkriechen. Falls Du das auf Deine Situation beziehen kannst, tu es

    ich mag manche Menschen, aber bei Weitem nicht alle. Und ich bemühe mich auch nicht, es allen recht zu machen, wozu auch? Mir machen es ja auch nicht alle recht.

    Der Großkotz.... früher habe ich eher von unten nach oben getreten als umgekehrt. Ich habe gelernt, dass es falsch ist, sich klein zu machen.

    Und ich war durch meine Chaotik und auch wegen fehlender Unterstützung seitens meines explodierten Elternhauses längere Zeit am Existenzminimum und sogar einige Monate obdachlos. Heute bin ich im oberen Drittel angelangt und natürlich geniesse ich den Gegensatz. Und ich mag mich, weil ich mich da herausgearbeitet habe. Tatsächlich bin ich aber auch dankbar für das Glück, das ich hatte.

    Und im Übrigen bin ich so durchschnittlich, wie Du es Dir nur vorstellen kannst, Aber von manchen Leuten umgeben, die mich für etwas Besonderes halten. Das werde ich hier aber nicht im Detail ausführen wegen Wiedererkennungsmöglichkeit. Und Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr.

    Erwarten kann man viel, ob man es davon bekommt, ist die andere Frage.

    Meine Frau und ich haben das alles ausgefochten. Eigenen Standpunkt geklärt, diskutiert, gestritten und uns irgendwann geeinigt.

    Spannend wars beim ersten Mal nach dem Trockenwerden. Denn aus einem Streit zum Saufen zu gehen gehörte zu meinem Repertoire.
    Das hätte sie aber nicht verhindern können.
    Es war mein "ich trinke auf gar keinen Fall. Auf überhaupt keinen Fall". Weil ich auf den ganzen Rattenschwanz an Konsequenzen, vorn dran meine Selbstverachtung, absolut keine Lust hatte.

    LG LK

    Ich könnte auch schon wieder verschiedentlich meinen Senf dazu geben.
    Weil mich das aber stresst, schreibe ich hier.

    Also, ich habe meinen Vater, der mich so verprügelt hatte, in Liebe losgelassen.
    Es war Selbsterkenntnis auf mehreren Ebenen dabei im Spiel.

    Ich erkannte meine Charaktereigenschaften in ihm, kurze Zündschnur, wenn es eng wurde, allgemeine Grantigkeit. Saufen hatten wir gemeinsam. Gewalttätigkeit konnte ich mir nach ein paar Schlägereien als Spätpubertierender zum Glück vollkommen abgewöhnen.

    Ein Glück, dass meine Frau unbedingt so einen Grantler und Unangepassten wollte, der jedem seine Meinung gurkte und sich viele Leute auf Abstand hielt. Sie wurde ja vor mir gewarnt:lol:.
    Sie litt aber unter einem Elternhaus, in dem Konflikte am liebsten unter den Teppich gekehrt wurden.

    Wenn wir streiten, will sie genau so streiten wie ich. Hart, unfair, unter der Gürtellinie, einfach raus was da in Gefühlen drinsteckt. Wir finden erfahrungsgemäß da immer wieder den Ausgang. Wir sind uns einig im Scherz, für eventuell andere Partner wären wir längst zu verhunzt und die würden ja die Flucht ergreifen, so wie wir austeilen. Und einstecken. Ich hab mir schon die tollsten Dinge über mich angehört und ich lebe trotzdem noch.
    Damit kann ich fast unkomplizierter umgehen als mit Lob. Bei Lob war ich früher automatisch gleich mal vorsichtig, denn dafür wurde meistens was verlangt.
    Ausserdem bin ich überzeugter Gerechtigkeitsfan und Arbeitsteiler, Ich stehe gerne in der Küche. Sie wird schon Gründe haben, warum sie noch da ist.

    Veranstaltungen und Langeweile? Ich veranstalte selbst und da gibt es was ich will. Da trinkt keiner. Morgen abend wieder.
    Und übermorgen eine andere Veranstaltung von jemand Anderem, da trinkt auch keiner. Und es sind keine Alkoholiker.
    Das Risiko bin ich bewusst und aktiv eingegangen, wenn mir etwas sehr wichtig war, denn ich habe auch mindestens ein Hobby, was meine Kraftquelle ist - und da gibt es eben welche, die trinken. Nachdem ich gemerkt habe, dass mir auch das nüchtern besser gefällt, als wenn ich früher mitgetrunken habe, war mir das egal. Meine Wahrnehmung habe ich trotzdem, denn ich schule in anderen Bereichen meine Wahrnehmung. Zum Beispiel neulich bei der Trauerfeier, wo der Wein stand...ich aber nur am überlegen, wie der Kelch im Wortsinn an mir vorüber geht.
    Bei Partys habe ich nüchtern festgestellt, dass mich die so langweilen, dass ich früher da wohl gegen meine Langeweile angesoffen habe. Um die Leute überhaupt zu ertragen. Könnte 20 Jahre her sein, dass ich zuletzt auf einer war. Und das war wohl eher die Weihnachtsfeier in der Firma.

    Ich weiß aus meiner eigenen Erfahrung, dass mich niemand hätte retten können.

    Der Satz könnte, nein, kann sogar von mir sein. Ich habe ihn auch schon so ausgesprochen.

    Und er hat mir sehr geholfen, als mein Vater am Alkohol starb.

    Ich habe ihn auch in Liebe losgelassen. Das ist das beste, was Du tun kannst, meiner Meinung nach.

    Jetzt mal ganz langsam von meiner Seite.

    Du hast bedeutend schneller und mehr hier geschrieben als ich. Und bei mir merkte jemand an, dass ich wohl schon etwas über der Gleichgewichtslinie bin.
    Mich geht es überhaupt nichts an, was Du tust, ich kenne Dich ja nicht mal. Aber wenn ich so schreiben würde, wie Du die letzten Tage, rein von der Menge her, dann würde das bei mir irgendwann zu einer Art Burnout führen.

    Wenn ich mich um kranke Familienmitglieder kümmere, gabs schon mal, dann habe ich überhaupt keinen Nerv, mich mit Anderen zu unterhalten. Und wenn, dann höchstens ganz kurz. Aber wie gesagt, mach wie Du denkst. Aber nachdem Dir der Austausch anscheinend nicht so gut getan hat - was ich deinem Geschriebenen so entnehme - stelle ich Dir jetzt mal die Frage, was Selbstfürsorge für Dich heisst. Und ich brauche die Antwort sicher nicht, um mich gut zu fühlen.

    Ja, es kann sein, dass ich für Dich schon wieder in Rätseln schreibe. Ich schreibe Dir, wie es mir gehen würde, wenn ich mich so verhalten würde wie Du. Meine Energien sind nicht endlos.

    Ich habe Chefs und Autoritätspersonen immer gehasst und nach Kräften demontiert.
    Aber weil ich mir nichts sagen lassen wollte, musste ich in irgendetwas gut werden.
    Manager ist nicht anderes als eine Bezeichnung für einen Experten mit Führungsverantwortung.
    Und ab einer gewissen Qualifikation nehmen sie Dich nicht mehr ernst, wenn Du Dich unter Wert verkaufst.

    An sich bin ich ein Freak wie er im Buche steht. In abgerissenen Klamotten rumgelaufen und brave Bürger erschreckt.

    Aber eben auch ein Nerd.

    Nun ja. Ich will jetzt nicht schon wieder mit der Geduld kommen, aber in 10 Tagen könnte das schon wieder anders aussehen.

    Ausserdem hast Du zwar eine Endlosdiskussion geführt, die Du selbst gefüttert hast, und dann hast Du trotzdem das getan, was Du ursprünglich vorhattest, und Du bist immer noch hier und niemand hat Dir das Wort verboten.

    Was genau erwartest Du Dir eigentlich von so einem Austausch? (ernstgemeinte Frage, die du aber mir nicht beantworten musst. Reicht, wenn Du es weisst.)

    Übrigens habe ich das genau deswegen nicht bei Dir geschrieben, weil ich es NICHT als Empfehlung für Andere geschrieben habe, sondern als meins.
    Es ist ein bisschen Gratwanderung für mich, was ich hier schreibe, da vieles so ähnlich ist, dass ich es mühelos verstehe, und manches aber doch anders.

    Vor allem kommen meine Vorstellungen von einem Rückfall durchaus an das ran, was Du Dir vorstellst.

    Und Suchtdruck kenne ich ja auch, aus meinen Trinkpausen. Da habe ich alles in Bewegung gesetzt, um trinken zu können. Ich konnte es aber aufschieben, bis die Gelegenheit günstig war. Und die Gelegenheiten habe ich geschaffen, vielfältig. Es mussten Gelegenheiten sein, bei denen ich hemmungslos trinken konnte, deswegen habe ich ja nicht tagsüber gesoffen. Ich hatte einen Trinkplan. Musste ja laufen, da ich nicht aufhören konnte.

    Die Zeit, von der ich schreibe, also damals in der Firma, da war ich mit meinem Leben unzufrieden. Ich sah aber wenig Möglichkeiten, das zu ändern, weil im nächsten Job das Gleiche in Grün war. Und selbstständig konnte ich mich nur mit einem Polster machen. Ich war mal bei der Bank, eine Million können Sie kriegen, hunderttausend sind uns zu popelig, und ich wollte mich nicht so binden. Auch meine Entscheidung, klar. Und aus heutiger Sicht eine richtige Entscheidung.
    Ich war aber trotzdem in dem Sinn zufrieden trocken, als ich diese Entscheidung, nicht mehr zu trinken, trotz aller Schwierigkeiten als richtig empfand.

    Würdest du heute auch noch so denken?

    Ich komme aus einer Branche, in der es zum guten Ton gehört, nach Meetings und Erfolgen anzustoßen. Ich habe mich jedoch bewusst daraus zurückgezogen und mich im selben Berufsfeld als "Alleinunterhalter" weiter gemacht.

    Ich habe so gedacht, bis ich einen schweren Unfall hatte, der mit meiner Sauferei nichts zu tun hatte. Danach lernte ich, die kleinen Dinge zu schätzen. Seit dem weiss ich aber auch, dass mich so schnell nichts kleinkriegt.

    Ausserdem habe ich mich irgendwann selbstständig gemacht, weil mir das Firmenleben auf den Sack ging. Jetzt geniesse ich sowieso nur noch die Früchte.

    Das, was du beschreibst, sind Kompromisse, die du für dich aus materiellen Gründen eingegangen bist.

    Du hast Du nur teilweise recht. Nicht nur aus materiellen Gründen.
    Ich war auch nüchtern erst einmal der Ansicht und es war auch mein Gefühl, dass MIR mein Leben nichts wert ist, wenn bestimmte Bedingungen nicht erfüllt sind.

    Ja, es war ein Kompromiss. Aber sonst hätte ich einfach weitergesoffen. Oder eine andere Möglichkeit gefunden, mich auszuknipsen.

    Mein Senf zum Thema Rausschleichen

    Da es um Erfahrungsaustausch geht, kommt Meins jetzt auch noch.

    Ich habe erst mal alleine aufgehört und im Prinzip erst einmal nur eine meiner Trinkpausen verlängert. Und weil ich die ja sowieso laufend gemacht habe, habe ich mir auch keine Gedanken über den Entzug gemacht. Dass mein Arzt meinte, ich soll doch einfach weniger trinken, habe ich an anderer Stelle schon mal geschrieben. Im Prinzip hatte ich vermutlich jede Woche einen kalten Entzug, aber ich die Einstellung, wer saufen kann, der kann auch arbeiten. Schönheit muss leiden und Strafe muss sein.
    Ich bin da eigentlich sowieso ziemlich unbedarft reingestolpert, weil es ein spontaner Entschluss war, aufzuhören. Ja, durch die Situation gepusht, aber im Prinzip ungeplant.

    Es gab auch keine Warnungen, die ich ignorieren konnte, es gab schlicht keine Warnungen, da ich mit trockenen Alkoholikern zu dem Zeitpunkt nichts zu tun hatte. Also bin ich rein ins kalte Wasser und habe das so gemacht, wie ich es mir vorgestellt habe. Und bei mir blieb ja der Rückfall die Theorie und die Nüchternheit war die Praxis. Selbstvetrauen hatte ich, weil ich in meinen Trinkpausen Saufdruck widerstehen konnte. Ich habe als Erwachsener fast nie nach dem Glas gegriffen, weil es da stand, ich habe die Saufgelegenheiten fast immer selbst geschaffen.

    Schüchtern war ich nicht, auch nicht, als ich noch gesoffen habe. Ich fand es ja völlig normal, zu trinken, für mich waren eher die Wenigtrinker diejenigen, die vom wirklichen Leben keine Ahnung hatten. Ich war die Sorte "ich trinke schon immer gern und viel", auch im Gespräch..

    Ich hab mich dann auch geoutet, bin aber selbst bei engsten Kollegen, mit denen ich täglich zu tun hatte, auf Unverständnis gestoßen. Ich habe einfach nicht ausgesehen wie die sich einen Alkoholiker vorgestellt haben. Tagsüber hatte ich mich ja im Griff und der eigentliche Suff fand zu Hause statt. Kneipen fand ich schon da schon lange nicht mehr spannend. Selbst jemand, der sich über meine Sauferei schon mal aufgeregt hatte, meinte, deswegen hätte ich doch nicht gleich ganz aufhören müssen. Manche fanden es auch schlicht blöd von mir.

    Langer Rede kurzer Sinn, es war lange eine einsame Angelegenheit mit dem Trockenwerden bei mir. Auch in der ersten Selbsthilfegruppe fühlte ich mich ziemlich alleine, weil ich Manager war und in der Gruppe hatten alle Anderen eine Menge Tagesfreizeit. Und auch sonst völlig unterschiedliche Lebenssituationen. Ausserdem hatten die mehrheitlich viel stärker mit Suchtdruck und Rückfällen zu kämpfen als ich, für mich passte das gar nicht, was die mir geraten haben. ich bin dann da wieder verschwunden.

    Der einzige Ort, wo ich mich ernstgenommen gefühlt habe, war die Suchtberatung. Und auch deren Vorschläge habe ich genau so weit umgesetzt, wie es mir sinnvoll erschien.

    Ja, OK, und dann kommt die Ehrlichkeit zu mir selbst und raus aus der Opferhaltung. Das konnte ich. Ich konnte sehr gut in mich hineinhorchen, wie es mir geht, was ich mir zutrauen kann, und ich beherrschte es, die Verantwortung für mich nicht abzugeben. Rausgeschlichen habe ich mich mit Sicherheit nicht, ich habe meine Trockenheit im Gegenteil gegen meine Aussenwelt verteidigt.

    Und Risiken musste ich eingehen, weil in den letzten Jahren der Job und Feierabend meine grössten Saufrisiken waren. In sämtlichen Jobs, die ich hatte, wurde gesoffen, und Arbeitslosigkeit und Schulden hätten das nicht besser gemacht. In meinem letzten Job, also trocken, musste ich nur irgendwo einen Kühlschrank aufmachen, da fielen gleich die Biere raus, und einer der Kollegen war mir jahrelang beleidigt, weil ich zu seinem Geburtstag im Büro nicht mit Alkohol anstossen wollte.

    Selbstvertrauen zu unterstützen wäre vielleicht ein wichtiger Punkt auch hier fürs Forum.

    Ich habe bei Weitem nicht alles gelesen, mir ist nur der Satz da aufgefallen.

    Selbstvertrauen kommt aus mir selbst.
    Wenn mich jemand bestätigen muss, dann ist das das Gegenteil von Selbstvertrauen für mich.

    Und wenn ich die Meinung Anderer zu meinen Vorhaben nicht hören will und sowieso nicht vor habe, mich danach zu richten, was die denken, dann halte ich gelegentlich einfach die Fresse. Spart Zeit und Energie.

    Ich hätte mir gewünscht das ich mich vor dem ausloggen hier noch mitgeteilt hätte weil mich das erleichtert hätte.

    Gestern haben hat sich mein inneres Kind (Kinder) irgendwann sehr lautstark und verweifelt gemeldet, weil es sich alleine, nicht gesehen und nicht beschützt gefühlt hat. Nun das traf zwar nicht ganz zu. Aber mein inneres Kind(Kinder) kennt nur schwarz und weiß. Ich habe dann den Kontakt aufgenommen und konnte es langsam beruhigen.

    Du sollst auch noch das Bild wissen, was mir spontan in den Kopf kam, als ich Deinen Beitrag gelesen habe. Und wie immer ist eine Selbstreflektion dabei.

    Vielleicht hast Du hier zu sehr auf Andere geguckt und da haben Deine inneren Kinder protestiert. Vielleicht hatten sie es eilig und wollten verhindern, dass Du Dich hier noch lange beschäftigst?
    Meine sagen mir das gerade:)

    Schöne Grüße LK