• Mein Senf zum Thema Rausschleichen

    Da es um Erfahrungsaustausch geht, kommt Meins jetzt auch noch.

    Ich habe erst mal alleine aufgehört und im Prinzip erst einmal nur eine meiner Trinkpausen verlängert. Und weil ich die ja sowieso laufend gemacht habe, habe ich mir auch keine Gedanken über den Entzug gemacht. Dass mein Arzt meinte, ich soll doch einfach weniger trinken, habe ich an anderer Stelle schon mal geschrieben. Im Prinzip hatte ich vermutlich jede Woche einen kalten Entzug, aber ich die Einstellung, wer saufen kann, der kann auch arbeiten. Schönheit muss leiden und Strafe muss sein.
    Ich bin da eigentlich sowieso ziemlich unbedarft reingestolpert, weil es ein spontaner Entschluss war, aufzuhören. Ja, durch die Situation gepusht, aber im Prinzip ungeplant.

    Es gab auch keine Warnungen, die ich ignorieren konnte, es gab schlicht keine Warnungen, da ich mit trockenen Alkoholikern zu dem Zeitpunkt nichts zu tun hatte. Also bin ich rein ins kalte Wasser und habe das so gemacht, wie ich es mir vorgestellt habe. Und bei mir blieb ja der Rückfall die Theorie und die Nüchternheit war die Praxis. Selbstvetrauen hatte ich, weil ich in meinen Trinkpausen Saufdruck widerstehen konnte. Ich habe als Erwachsener fast nie nach dem Glas gegriffen, weil es da stand, ich habe die Saufgelegenheiten fast immer selbst geschaffen.

    Schüchtern war ich nicht, auch nicht, als ich noch gesoffen habe. Ich fand es ja völlig normal, zu trinken, für mich waren eher die Wenigtrinker diejenigen, die vom wirklichen Leben keine Ahnung hatten. Ich war die Sorte "ich trinke schon immer gern und viel", auch im Gespräch..

    Ich hab mich dann auch geoutet, bin aber selbst bei engsten Kollegen, mit denen ich täglich zu tun hatte, auf Unverständnis gestoßen. Ich habe einfach nicht ausgesehen wie die sich einen Alkoholiker vorgestellt haben. Tagsüber hatte ich mich ja im Griff und der eigentliche Suff fand zu Hause statt. Kneipen fand ich schon da schon lange nicht mehr spannend. Selbst jemand, der sich über meine Sauferei schon mal aufgeregt hatte, meinte, deswegen hätte ich doch nicht gleich ganz aufhören müssen. Manche fanden es auch schlicht blöd von mir.

    Langer Rede kurzer Sinn, es war lange eine einsame Angelegenheit mit dem Trockenwerden bei mir. Auch in der ersten Selbsthilfegruppe fühlte ich mich ziemlich alleine, weil ich Manager war und in der Gruppe hatten alle Anderen eine Menge Tagesfreizeit. Und auch sonst völlig unterschiedliche Lebenssituationen. Ausserdem hatten die mehrheitlich viel stärker mit Suchtdruck und Rückfällen zu kämpfen als ich, für mich passte das gar nicht, was die mir geraten haben. ich bin dann da wieder verschwunden.

    Der einzige Ort, wo ich mich ernstgenommen gefühlt habe, war die Suchtberatung. Und auch deren Vorschläge habe ich genau so weit umgesetzt, wie es mir sinnvoll erschien.

    Ja, OK, und dann kommt die Ehrlichkeit zu mir selbst und raus aus der Opferhaltung. Das konnte ich. Ich konnte sehr gut in mich hineinhorchen, wie es mir geht, was ich mir zutrauen kann, und ich beherrschte es, die Verantwortung für mich nicht abzugeben. Rausgeschlichen habe ich mich mit Sicherheit nicht, ich habe meine Trockenheit im Gegenteil gegen meine Aussenwelt verteidigt.

    Und Risiken musste ich eingehen, weil in den letzten Jahren der Job und Feierabend meine grössten Saufrisiken waren. In sämtlichen Jobs, die ich hatte, wurde gesoffen, und Arbeitslosigkeit und Schulden hätten das nicht besser gemacht. In meinem letzten Job, also trocken, musste ich nur irgendwo einen Kühlschrank aufmachen, da fielen gleich die Biere raus, und einer der Kollegen war mir jahrelang beleidigt, weil ich zu seinem Geburtstag im Büro nicht mit Alkohol anstossen wollte.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Mein Senf zum Thema Rausschleichen

    den hättest du auch im besagten Thread schreiben können.;)

    Es gibt sowohl Alkoholiker , die sich mit dem Entzug auskennen, als auch solche, die weniger informiert sind. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Unwissende versuchen, Stärke zu demonstrieren, so wie du es geschrieben hast: 'Wer trinken kann, kann auch arbeiten.' und Kalt entziehen. Zudem war es in den Trinkpausen gang und gäbe.

    In diesem Forum achten wir darauf, dass solche Aussagen vermieden werden. Jeder, der aufhören möchte, kann einen Arzt aufsuchen, um Risiken auszuschließen. Das steht im Einklang mit unseren Prinzipien hier. Es ist ein Unterschied, ob man in einer Gruppe von 5-10 Personen spricht oder in einem öffentlichen Internetforum, das täglich von zahlreichen Menschen gelesen wird.

    Und jemand, der noch pitschnasses Denken hat, saugt solche Informationen auf und denkt er könne das auch machen . Alles schon erlebt. Auch jemand, der in einem Bus auf einer Ferienfahrt einen Krampfanfall bekommen hat, und die Frau, die verzweifelt versucht hat, ihm Sekt einzuflößen, um das Übel zu beseitigen. Dann kam der RTW.

    Ich kann nachvollziehen, dass du dich in deiner Gruppe nicht wohlgefühlt hast. Vieles von dem, was du geschrieben hast, entspricht zwar unseren Grundprinzipien /Grundbausteine und auch dem gesunden Menschenverstand.

    Dennoch gibt es Phänomene wie Suchtdruck oder Ähnliches, die dir unbekannt sind weil du sie nie erlebt hast. Man kann sich als jemand, der solche Erfahrungen nicht gemacht hat, manchmal ziemlich isoliert fühlen.

    Was ich nicht selbst erlebt habe , bleibt mir auch fremd.

    Diese spezifischen Eigenschaften sind fast Alleinstellungsmerkmale unter Alkoholiker und die Mehrheit der ehemaligen Säufer hat eben nicht das Glück und müssen dann da durch.

    Und Risiken musste ich eingehen, weil in den letzten Jahren der Job und Feierabend meine grössten Saufrisiken waren

    Ich musste nie ein Risiko eingehen, da ich meine Nüchternheit an erste Stelle gesetzt habe. Niemand hat mich dazu gezwungen, Risiken einzugehen. Das, was du beschreibst, sind Kompromisse, die du für dich aus materiellen Gründen eingegangen bist.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Das, was du beschreibst, sind Kompromisse, die du für dich aus materiellen Gründen eingegangen bist.

    Du hast Du nur teilweise recht. Nicht nur aus materiellen Gründen.
    Ich war auch nüchtern erst einmal der Ansicht und es war auch mein Gefühl, dass MIR mein Leben nichts wert ist, wenn bestimmte Bedingungen nicht erfüllt sind.

    Ja, es war ein Kompromiss. Aber sonst hätte ich einfach weitergesoffen. Oder eine andere Möglichkeit gefunden, mich auszuknipsen.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Ja, es war ein Kompromiss. Aber sonst hätte ich einfach weitergesoffen.

    Würdest du heute auch noch so denken?

    Ich komme aus einer Branche, in der es zum guten Ton gehört, nach Meetings und Erfolgen anzustoßen. Ich habe mich jedoch bewusst daraus zurückgezogen und mich im selben Berufsfeld als "Alleinunterhalter" weiter gemacht.

    Gruß Hartmut

    ------------------

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    Trocken seit 2007

  • Würdest du heute auch noch so denken?

    Ich komme aus einer Branche, in der es zum guten Ton gehört, nach Meetings und Erfolgen anzustoßen. Ich habe mich jedoch bewusst daraus zurückgezogen und mich im selben Berufsfeld als "Alleinunterhalter" weiter gemacht.

    Ich habe so gedacht, bis ich einen schweren Unfall hatte, der mit meiner Sauferei nichts zu tun hatte. Danach lernte ich, die kleinen Dinge zu schätzen. Seit dem weiss ich aber auch, dass mich so schnell nichts kleinkriegt.

    Ausserdem habe ich mich irgendwann selbstständig gemacht, weil mir das Firmenleben auf den Sack ging. Jetzt geniesse ich sowieso nur noch die Früchte.

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  • Die Zeit, von der ich schreibe, also damals in der Firma, da war ich mit meinem Leben unzufrieden. Ich sah aber wenig Möglichkeiten, das zu ändern, weil im nächsten Job das Gleiche in Grün war. Und selbstständig konnte ich mich nur mit einem Polster machen. Ich war mal bei der Bank, eine Million können Sie kriegen, hunderttausend sind uns zu popelig, und ich wollte mich nicht so binden. Auch meine Entscheidung, klar. Und aus heutiger Sicht eine richtige Entscheidung.
    Ich war aber trotzdem in dem Sinn zufrieden trocken, als ich diese Entscheidung, nicht mehr zu trinken, trotz aller Schwierigkeiten als richtig empfand.

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  • Übrigens habe ich das genau deswegen nicht bei Dir geschrieben, weil ich es NICHT als Empfehlung für Andere geschrieben habe, sondern als meins.
    Es ist ein bisschen Gratwanderung für mich, was ich hier schreibe, da vieles so ähnlich ist, dass ich es mühelos verstehe, und manches aber doch anders.

    Vor allem kommen meine Vorstellungen von einem Rückfall durchaus an das ran, was Du Dir vorstellst.

    Und Suchtdruck kenne ich ja auch, aus meinen Trinkpausen. Da habe ich alles in Bewegung gesetzt, um trinken zu können. Ich konnte es aber aufschieben, bis die Gelegenheit günstig war. Und die Gelegenheiten habe ich geschaffen, vielfältig. Es mussten Gelegenheiten sein, bei denen ich hemmungslos trinken konnte, deswegen habe ich ja nicht tagsüber gesoffen. Ich hatte einen Trinkplan. Musste ja laufen, da ich nicht aufhören konnte.

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  • Übrigens habe ich das genau deswegen nicht bei Dir geschrieben, weil ich es NICHT als Empfehlung für Andere geschrieben habe, sondern als meins.
    Es ist ein bisschen Gratwanderung für mich, was ich hier schreibe, da vieles so ähnlich ist, dass ich es mühelos verstehe, und manches aber doch anders.

    Nun, es gibt hier einige Langzeittrockene die Abweichungen in ihren Weg zu den Grundbausteine aufweisen. Das ist jedoch nicht weiter schlimm. Selbsthilfe bedeutet, dass der Alkoholiker sich das herauszieht, was er für sich braucht.

    Dass wir hier die Grundbausteine etabliert haben, hat den Sinn, dass sie funktionieren und das Aushängeschild des Forums von Anbeginn sind. So wie in anderen Gruppen andere Regularien gelten, gilt auch hier.

    Mache dir aber nicht soviel Kopf, sollte etwas abweichen. Wenn ich/wir es als bedenklich betrachten, stellen ich/ wir auch klar, warum wir es für bedenklich halten. Erfahrungen die du gemacht hast, lassen sich ja nicht wegzudiskutieren; sie wurden gemacht.

    Sie können jedoch immer hinterfragt werden, ob sie zu jedem passen. Ich hoffe, ich konnte da etwas klarstellen.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Hi LK,

    weil ich Manager

    wie schrieb Nayouk gerade in einem. I knew it! Jetzt habe ich es schwarz auf weiß! Manager, die habe ich immer gehasst!

    Spaß beiseite. Wir wären uns mit nahezu einhundertprozentiger Sicherheit nirgendwo anders über den Weg geschrieben als hier. Alkoholismus als Gleichmacher. Interessanter Gedanke.

    Bleibt aber für mich das ich Dir dankbar bin das wir uns hier über den Weg geschrieben bin. Partner in crime. Hätte nicht gedacht das ich das mal über einen Manager schreibe.;)

    Danke Dir und Hartmut das Ihr uns an Euren Erfahrungen und Gedanken teilhaben lasst. Profiwissen.;)

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Ich habe Chefs und Autoritätspersonen immer gehasst und nach Kräften demontiert.
    Aber weil ich mir nichts sagen lassen wollte, musste ich in irgendetwas gut werden.
    Manager ist nicht anderes als eine Bezeichnung für einen Experten mit Führungsverantwortung.
    Und ab einer gewissen Qualifikation nehmen sie Dich nicht mehr ernst, wenn Du Dich unter Wert verkaufst.

    An sich bin ich ein Freak wie er im Buche steht. In abgerissenen Klamotten rumgelaufen und brave Bürger erschreckt.

    Aber eben auch ein Nerd.

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  • Und ab einer gewissen Qualifikation nehmen sie Dich nicht mehr ernst, wenn Du Dich unter Wert verkaufst.

    Ja hart ist das Leben an der Küste (aka im Haifischbecken)!

    Alles gut LK (obwohl warum sage ich das eigentlich das eigentlich dem Sichselbstgutfinder?)!. Ich bleibe bei dem was ich geschrieben, egal ob Du Freak,Nerd, Manager oder ganz was anderes bist. Und ich erspare Dir eine Aufzählung was ich bin oder war.

    Und nur eine kleines Detail. Mir ist aufgefallen das Du wertfrei über die Menschen Deiner ehemaligen SHG geschrieben hast.

    LG Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Ich könnte auch schon wieder verschiedentlich meinen Senf dazu geben.
    Weil mich das aber stresst, schreibe ich hier.

    Also, ich habe meinen Vater, der mich so verprügelt hatte, in Liebe losgelassen.
    Es war Selbsterkenntnis auf mehreren Ebenen dabei im Spiel.

    Ich erkannte meine Charaktereigenschaften in ihm, kurze Zündschnur, wenn es eng wurde, allgemeine Grantigkeit. Saufen hatten wir gemeinsam. Gewalttätigkeit konnte ich mir nach ein paar Schlägereien als Spätpubertierender zum Glück vollkommen abgewöhnen.

    Ein Glück, dass meine Frau unbedingt so einen Grantler und Unangepassten wollte, der jedem seine Meinung gurkte und sich viele Leute auf Abstand hielt. Sie wurde ja vor mir gewarnt:lol:.
    Sie litt aber unter einem Elternhaus, in dem Konflikte am liebsten unter den Teppich gekehrt wurden.

    Wenn wir streiten, will sie genau so streiten wie ich. Hart, unfair, unter der Gürtellinie, einfach raus was da in Gefühlen drinsteckt. Wir finden erfahrungsgemäß da immer wieder den Ausgang. Wir sind uns einig im Scherz, für eventuell andere Partner wären wir längst zu verhunzt und die würden ja die Flucht ergreifen, so wie wir austeilen. Und einstecken. Ich hab mir schon die tollsten Dinge über mich angehört und ich lebe trotzdem noch.
    Damit kann ich fast unkomplizierter umgehen als mit Lob. Bei Lob war ich früher automatisch gleich mal vorsichtig, denn dafür wurde meistens was verlangt.
    Ausserdem bin ich überzeugter Gerechtigkeitsfan und Arbeitsteiler, Ich stehe gerne in der Küche. Sie wird schon Gründe haben, warum sie noch da ist.

    Veranstaltungen und Langeweile? Ich veranstalte selbst und da gibt es was ich will. Da trinkt keiner. Morgen abend wieder.
    Und übermorgen eine andere Veranstaltung von jemand Anderem, da trinkt auch keiner. Und es sind keine Alkoholiker.
    Das Risiko bin ich bewusst und aktiv eingegangen, wenn mir etwas sehr wichtig war, denn ich habe auch mindestens ein Hobby, was meine Kraftquelle ist - und da gibt es eben welche, die trinken. Nachdem ich gemerkt habe, dass mir auch das nüchtern besser gefällt, als wenn ich früher mitgetrunken habe, war mir das egal. Meine Wahrnehmung habe ich trotzdem, denn ich schule in anderen Bereichen meine Wahrnehmung. Zum Beispiel neulich bei der Trauerfeier, wo der Wein stand...ich aber nur am überlegen, wie der Kelch im Wortsinn an mir vorüber geht.
    Bei Partys habe ich nüchtern festgestellt, dass mich die so langweilen, dass ich früher da wohl gegen meine Langeweile angesoffen habe. Um die Leute überhaupt zu ertragen. Könnte 20 Jahre her sein, dass ich zuletzt auf einer war. Und das war wohl eher die Weihnachtsfeier in der Firma.

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  • Also, ich habe meinen Vater, der mich so verprügelt hatte, in Liebe losgelassen.
    Es war Selbsterkenntnis auf mehreren Ebenen dabei im Spiel.

    Ich erkannte meine Charaktereigenschaften in ihm, kurze Zündschnur, wenn es eng wurde, allgemeine Grantigkeit. Saufen hatten wir gemeinsam. Gewalttätigkeit konnte ich mir nach ein paar Schlägereien als Spätpubertierender zum Glück vollkommen abgewöhnen.

    Ein Glück, dass meine Frau unbedingt so einen Grantler und Unangepassten wollte, der jedem seine Meinung gurkte und sich viele Leute auf Abstand hielt. Sie wurde ja vor mir gewarnt :lol: .
    Sie litt aber unter einem Elternhaus, in dem Konflikte am liebsten unter den Teppich gekehrt wurden.

    Hallo Lebenskünstler, echt enorm wie manche Charaktere sich ähneln. Das könnten auch meine Frau und ich sein.

    LG TM

  • Bei Partys habe ich nüchtern festgestellt, dass mich die so langweilen, dass ich früher da wohl gegen meine Langeweile angesoffen habe. Um die Leute überhaupt zu ertragen.

    Magst du Menschen im Allgemeinen nicht oder warst du nur auf den falschen Partys?

    Oder bezog sich das auf betrunkene Menschen?
    Ich lese dich manchmal etwas selbstherrlich und über andere ‚erhaben‘, deshalb stolperte ich über diesen Satz.

    Geht nicht drum dich anzugreifen, es ist nur manchmal gut sich echt zu hinterfragen und dabei nicht mal gut auszusehen oder sich dabei interessant anzuhören.

    Letztendlich sind wir hier alle Alkoholiker, die versuchen ihre Nüchternheit zu erhalten und eine gute Lebensqualität zu erreichen.

    Ob da jetzt das Etikett ‚Manager‘, ‚Müllmann‘, ‚Prof.Dr‘ oder ‚Zauberer‘ drauf pappt ist Wurscht. ‚Find ich auch‘ wirst du sofort rufen und es blumiger ausdrücken. Aber stimmt das denn wirklich?

    Wie gesagt geht es nicht darum dich anzugreifen. Mir ging es halt so, dass mich die Erkenntnis der eigenen Normaltät extrem weitergebracht hat. Der Versuch besonders, erhaben oder originell zu sein, ist etwas das ich auch von mir kenne und das mir hart im Weg steht. Deshalb hier der Finger in der Wunde.

  • Hallo Lebenskünstler, echt enorm wie manche Charaktere sich ähneln. Das könnten auch meine Frau und ich sein.

    Hallo Topfmann,

    ich muss dazu sagen, dass genau unsere Streitfähigkeit für unseren Paartherapeuten ein Grund war, uns zu bestätigen, dass es sich rentiert, weiterzumachen. Besser als sich schmollend (oder saufend) in eine Ecke zu verkriechen. Falls Du das auf Deine Situation beziehen kannst, tu es

    ich mag manche Menschen, aber bei Weitem nicht alle. Und ich bemühe mich auch nicht, es allen recht zu machen, wozu auch? Mir machen es ja auch nicht alle recht.

    Der Großkotz.... früher habe ich eher von unten nach oben getreten als umgekehrt. Ich habe gelernt, dass es falsch ist, sich klein zu machen.

    Und ich war durch meine Chaotik und auch wegen fehlender Unterstützung seitens meines explodierten Elternhauses längere Zeit am Existenzminimum und sogar einige Monate obdachlos. Heute bin ich im oberen Drittel angelangt und natürlich geniesse ich den Gegensatz. Und ich mag mich, weil ich mich da herausgearbeitet habe. Tatsächlich bin ich aber auch dankbar für das Glück, das ich hatte.

    Und im Übrigen bin ich so durchschnittlich, wie Du es Dir nur vorstellen kannst, Aber von manchen Leuten umgeben, die mich für etwas Besonderes halten. Das werde ich hier aber nicht im Detail ausführen wegen Wiedererkennungsmöglichkeit. Und Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr.

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    Einmal editiert, zuletzt von Lebenskuenstler (29. Januar 2025 um 10:25)

  • Gut, und jetzt lösen wir das Spielchen auf, denn ich mag keine Rätsel.

    Quod erat demonstrandum, was zu beweisen war.

    Jetzt hast Du mir gezeigt, dass ich Dir gezeigt habe, dass das Bild, dass Du von mir hattest in Deinen Augen stimmt.

    Und e.h.e heisst nicht Ehe, obwohl der Begriff bei manchen sicher auf ihre Ehe zutreffen wird.

    Sondern e.h.e heisst errare humanum est, Irren ist menschlich.
    Und jetzt kann ich mich in meiner Interpretation geirrt haben und bei mir haben sich auch schon manche gewundert, wer der Kerl nun wirklich ist, also wir können uns beide in unserer Interpretation oder unserem Urteil auch irren.

    So, und jetzt wünsche ich viel Spaß und gute Unterhaltung, ich bin jetzt bei meiner Veranstaltung.

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  • Ich lese mich quer durch die neuen Beiträge und da ploppt immer was in meinen Gedanken auf, was auch mich betrifft.

    Hier das mit der Durchschnittlichkeit.
    Es ist ja nicht nur so, dass ich Einiges kann, andere Dinge kann ich weniger oder überhaupt nicht. Und für manche Dinge, die ich besser können möchte, brauche ich ein Übungsfeld (wozu dieses Forum gut geeignet ist).

    Kazik schrieb, Seele muss nachkommen ist bei mir manchmal auch so, wenn die Veränderungen sehr schnell sind. Und bei mir hat sich im Leben schon sehr viel geändert.

    Nachdem ich das gestern geschrieben habe, wo ich schon mal war, ist mir das wieder aufgefallen.

    Ebenso wie dorothea schreibt, dass mir durchs Aufschreiben schon sehr deutlich auffällt, wo ich nie wieder hin will.

    Und bei R/no , was Hartmut schreibt, so lange ich nüchtern bin, habe ich alle Zeit meines Lebens, mein Leben zu ändern.

    Ich habe nüchtern auch Träume verwirklicht, an die ich seit Kindesbeinen gar nicht mehr zu denken wagte. Das ist der Vorteil der Langzeitabstinenz.
    Und jetzt arbeite ich auch gerade dran, einen Punkt in meinem Leben noch zu ändern.

    Das will ich jetzt aber nicht zerreden, manche Dinge brauchen Zeit zum Wachsen, und um spruchreif zu werden.

    Es geht um meine Verträglichkeit. Ich bin lange Zeit zu schnell nach oben gefallen, bis die Luft ziemlich dünn wurde. Das wollte ich so gar nicht. War mir zu einsam.

    Ich bin jetzt gerade ziemlich angenehm innerlich aufgeräumt.

    LG LK

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  • Es geht um meine Verträglichkeit. Ich bin lange Zeit zu schnell nach oben gefallen, bis die Luft ziemlich dünn wurde. Das wollte ich so gar nicht. War mir zu einsam.

    Hallo LK!

    Das kann ich nur allzu gut nachvollziehen. Als ich vor so ca. zehn Jahren in meiner Firma kurz vor meinem ziemlich großen Sprung nach oben stand, sagte mir ein guter Freund (und früherer Personalchef - dessen Chef ich dann werden durfte) damals (in etwa): "Überlege Dir gut, ob Du es machst, denn Du wirst sehen - und wenn Du es siehst, dann ist es zu spät: Je höher Du steigst, desto kleiner wird die Zahl Deiner Freunde. Und am Ende bleibt fast keiner mehr."

    Das glaubte ich anfangs nicht, aber es sollte tatsächlich so sein. Man glaubt gar nicht, wie schnell das geht, dass man letztlich fast alleine dasteht. Das ging innerhalb von Monaten. Vielleicht damals auch deshalb die viele Trinkerei... Wie oft habe ich später zu mir gesagt: Hättest Du das bloß gelassen, dann wäre Dein Leben nicht so ein Trümmerhaufen...

    Den ich jetzt Stück für Stück - zumindest aber trocken - zusammenräumen darf... Naja...

    LG, Stef.

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