Hallo Farfalla ,
ich kenne diese Gefühle von Wut nur zu gut. Die haben mir zeitweise richtig die Luft abgeschnürt und mich bitter und zynisch werden lassen. Bei mir ging es um meinen Ex-Partner - ist natürlich ein anders gelagerter Fall, weil das Distanzieren weniger mühsam ist. Mir half da nur stetig zunehmender Abstand, der Gedanke, dass mein Ex es nicht persönlich meint, aus seiner Sucht heraus handelt usw. Aber ich weiß auch, dass das eine Gratwanderung ist.
Deinen Impuls, vor allem Deinen Vater stärken zu wollen, finde ich sehr verständlich und richtig- aber bedenke, Dein Vater ist ein erwachsener Mann, der auch für sich selbst einstehen und für Selbstschutz sorgen sollte und das bestimmt auch kann. Offenbar hat er das ja mit seinem Auszug schon mal für einige Zeit versucht, was vermutlich die richtige Entscheidung war, bei der er hätte bleiben sollen.
Deine Situation klingt so, als versuchst Du, alle Bälle in der Luft, sprich: den Laden zusammen zu halten. Psychiater/Therapeuten über das wahre Ausmaß ihrer Sucht aufklären wollen, den Vater unterstützen, die eigene Wut managen, und auch den Kontakt zu Eurer Mutter trotz ihrer Anfeindungen im betrunkenen Zustand halten - das klingt extrem anstrengend. Die Angehörigenberatung ist sicher ein guter erster Schritt. Ich fände es generell ratsam, Verantwortung abzugeben, auch wenn das gerade bestimmt schwer fällt, möglichst viel externe Hilfe in Anspruch zu nehmen, zB über einen sozialpsychiatrischen Dienst, Dir Auszeit nur für Dich zu schaffen, um nicht immer weiter in diesen Strudel zu geraten.
Wenn Du Wut und Verachtung für Deine Mutter aufgrund ihres Verhaltens empfindest, ist fraglich, wie ein konstruktiver Kontakt derzeit überhaupt aussehen könnte - das meine ich überhaupt nicht vorwurfsvoll, im Gegenteil, wie gesagt, diese Gefühle kenne ich auch. Genau deshalb ist vielleicht ein Kontaktabbruch momentan die einzige Option. Das heißt ja nicht, dass Du Deine Mutter nicht gern hast. Aber da sie keine Krankheitseinsicht hat, kannst Du momentan leider ohnehin nix für sie tun, wie Du selbst schon geschrieben hast. Vielleicht gäbe es Deiner Mutter zumindest einen kleinen Denkanstoß, dass sie etwas ändern und sich helfen lassen sollte, wenn sie wieder mit ihrer Familie zurechtkommen möchte. Eine Garantie dafür gibt es leider nicht. ..
Mir fiel übrigens jetzt erst auf, dass Dein Faden im EKA-Bereich ist - gab es da möglicherweise noch eine Verschiebung? Sorry jedenfalls, falls meine Erfahrungen mit Ex nicht ganz hierher passen sollten.
Liebe Grüße