Beiträge von EllaDrei

    Liebe SonnenscheinCoA,

    Ich versuche immer mal, mich in beide Seiten reinzudenken und abzuwägen. Uns allen, ob Co oder Alkoholiker, stecken unsere persönlichen Geschichten in den Knochen. Deshalb ist es wichtig, nicht vom eigenen Erlebten auf andere zu schließen (was ich jetzt nicht Dir persönlich vorwerfe, bitte nicht falsch verstehen, doch manchmal hab ich schon auch auf Co-Seite recht abwertende und allgemeine Äußerungen in Richtung Alkoholiker gelesen, was ich auch gelegentlich heikel fand).

    Gerade iim Moment ist die Stimmung offenbar etwas aufgeheizter, umso wichtiger fände ich, wenn alle verbal etwas abrüsten und man nicht auf alles einsteigt. Letztlich sind doch hier alle als "Betroffene" - ob Alkoholiker oder Cos.

    Klar hab auch ich schlechte Erfahrungen gemacht, aber eben mit einem bestimmten Menschen, in einer bestimmten Situation, und ich habe auch meinen Teil dazu beigetragen, dass es lief, wie es lief. Und umgekehrt gibt es Pauschal-Aussagen auch aus der Alkoholiker-Ecke gegenüber den Cos, die ich als nicht stimmig empfinde. Ich zB glaube nicht, dass mein Ex Narzisst ist. Ich suche nicht nach Diagnosen, eher hat er selbst immer wieder versucht, sich seine Sucht mit unterschiedlichsten Diagnosen zu erklären, von Trauma über ADHS bis Depression. Aber das zeigt mir nur wieder, dass jeder Mensch unterschiedlich ist.

    Weniger Pauschalisierungen wären glaube ein guter Weg... Und auch weniger Gegensatz im Sinne von "Wir" und "Die"., denn eigentlich snd ja alle hier, um Selbsthilfe über Austausch zu betreiben. Und ich glaube auch, dass beide Seiten voneinander lernen können.

    PS: Das überschnitt sich mit Hartmut s Antwort. Falls es als unangemessener Diskussionsbeitrag gesehen werden sollte, löscht es einfach.

    Liebe Grüße

    Hallo lumen ,

    Ich zieh das mal zu Dir:

    Na bei mir ist er ja außer Haus. Ist im Moment bei einer Bekannten di sich kümmert ( ich will ihn ja nicht helfen, seine Worte!)


    Ich wäre bereit zu unterstützen, zb zur Klinik fahren etc aber kümmern und organisieren muss er oder sehe ich das falsch

    Ja, organisieren muss er das - FALLS er es überhaupt ernst meint und nicht einfach nur im Dauer-Appell-Modus Dir gegenüber ist, sprich, Dir einfach nur einreden will, dass er trocken werden will, damit er Dich weich geklopft kriegt.Jetzt spielt er also die Karte der "Bekannten" aus, die sich besser kümmert, als Du, nunja, noch so ein Appell. Warum eigentlich kümmern, er ist doch erwachsen, wie auch Lanananana schrieb - hast Du das mal hinterfragt? Ich sag das bewusst so, obwohl ich auch lange die Kümmerin war. Hat rein gar nix gebracht.

    Er müsste zum Arzt, Überweisung besorgen, mit Klinik Kontakt aufnehmen, dort Termin für Entgiftung anfragen, gegebenenfalls mehrmals nachhaken, eventuell auch zur Suchtberatung und dort einen Bericht erstellen zusammen mit Berater/in für anschließende Langzeitreha, wenn er denn auch das in Erwägung zieht. Telefonnummern und Adressen dürfte der Arzt haben. Es ist einfach wichtig, dass er sich das selbst erarbeitet und Du nicht alles auf dem Silbertablett servierst, weil ER ja - vielleicht? - trocken werden will, nicht Du. Und hinfahren kann er notfalls vermutlich auch öffentlich. Ich zB hab bei der x-ten Entgiftung von Xy zuletzt nichts mehr davon gemacht und es sozusagen aus der Ferne beobachtet.

    Zum Thema "nur Radler" möchte ich nur anmerken: Das ist halt Bier mit Limo, hat also auch Alkohol. Ein paar davon, und Du hast irgendwann auch die Alkoholmenge einer Flasche Wein beisammen.

    Liebe Grüße

    Hallo liebe Jump!

    Du schriebst zwar oben, dass es genug Hin und Her war, aber da danach noch weitere Beiträge kamen, ist hoffentlich okay, wenn ich auch noch was schreibe.

    Ich hab lange mit dem Begriff Co-Abhängigkeit an sich gehadert, hab ihn erst von mir gewiesen, fand ihn unpassend, pauschalisierend, pathologisierend, abwertend, schuldzuweisend. Die typischen, so oft beschriebenen Verhaltensweisen - Flaschen kontrollieren, beim Chef verleugnen etc. - gab es bei uns nie. Aber schon viel Verhalten meinerseits, mit dem ich letztlich nur mich geschädigt und nichts erreicht habe. Auch Verantwortungsübernahme an seiner Stelle. Alles aus "Liebe" und Sorge um ihn, so dachte ich. Und da wird es doch auch schräg, vielleicht auch auf gewisse Weise"krank" (ich spreche nur für mich). Auf jeden Fall nicht gesund für mich selbst. Ich glaube, jede und jeder muss das ganz individuell für sich betrachten. Ich sehe mich nicht gerne so, aber mir hilft es nicht, es mir selbst schön zu reden. Ich hab mir in dieser Beziehung mit diesem Mann selbst Leid angetan, weil ich lange nicht in der Lage war, sie zu stoppen, obwohl sie mir nicht gut tat. Immer noch im Vergangenen fest hing. Verlustängste hatte, mich an Hoffnungen geklammert hab, auf meine Art Realitätsverleugnung betrieben hab. Und wenn jemand das Ganze als eine Art Sucht definieren würde, läge er - nur für mich gesprochen- vermutlich gar nicht so weit daneben. .

    Mein Ex zog sich für seine Konsumphasen ja immer zurück, tauchte dann wie aus dem Nichts wieder auf, war dann fast schon über-zugewandt und aktivierte damit wieder mein Bindungsverhalten. Lange Zeit war ich in so Situationen sowas von erleichtert, dass er wieder da war, dass ich bereitwillig verdrängt habe, was er mir immer wieder zumutete. Dabei spielte seine manipulative Art natürlich eine Rolle. Ich will aber bei mir bleiben - warum hab ich das mit mir machen lassen? Ich hab ja längst die manipulativen Tricks erkannt, trotzdem war ich wie paralysiert, hab das Karussell nicht angehalten.

    Mittlerweile sehe ich Co-Abhängigkeit als eine Art "Arbeitsbegriff". Mir macht er für mich klar, dass da etwas ganz gewaltig nicht gestimmt hat, dass ich auf der Suche nach Liebe und Zweisamkeit mich selbst verloren habe. Ich wollte diese Beziehung halten, wider besseres Wissen. Ob das symptomatisch für mich ist, weiß ich nicht. Ein wenig vielleicht, und vielleicht war es auch vor allem meiner jetzigen Lebensphase geschuldet. Ich hatte aber auch in jungen Jahren (kürzere) Beziehungen zu Männern, die zu viel tranken oder auch anderes konsumiert haben. Die straighten haben mich schlicht nicht so interessiert, so blöd und teenagerhaft das auch klingt. Vielleicht/vermutlich bin ich aus dieser unreifen Denke nie herausgekommen.

    Welche Konsequenzen meine "Risikoneigung" in Beziehungen hat, durfte ich jetzt endgültig lernen. Bin kein EKA, und kann sagen, dass ich aus einer stabilen und fürsorglichen Familie komme, Ich sehe mich selbst dafür verantwortlich, da so mit offenen Armen hineingerannt zu sein. Ich habe meinen Ex als damals schon suchtgefährdeten oder bereits Süchtigen in meiner Jugend kennengelernt.

    Bei anderen Betroffenen sind die Fälle natürlich wieder ganz anders gelagert. Viele müssen erleben, wie eine einst glückliche und unbeschwerte Beziehung durch Sucht eines/einer Partners/Partnerin immer mehr zum Scherbenhaufen wird und sich sehr mühsam ihren Ausgang suchen. Ich aber hätte es wissen können, dass es so kommt. Co-Abhängigkeit hat glaube einfach viele Gesichter.

    Ich wünsche Dir einen guten Start ins neue Jahr. Les Dich immer gerne und freue mich auf den weiteren Austausch - auch 2026,

    alles Liebe von Ella

    Hallo maibisjuni ,

    das hier kann ich so gut nachvollziehen:

    DIe alten Freundschaften bestehen zwar auch noch, aber noch auf dem reduzierten Niveau, auf dass sie sich durch die Sucht entwickelt haben.

    Mein Sohn ist auch schon aus dem Haus und ich fühle mich auch gelgentlich einsam. Aber ich versuche jetzt immer mehr, was dagegen zu tun. Vor allem meine engste Freundin hatte kein Verständnis mehr für mein co-abhängiges Verhalten und hat sich vor Jahren schon immer stärker zurückgezogen. Ich arbeite daran, das wieder aufzubauen, weil ich sie einfach sehr mag, und auch weil Freundschaften die wichtigste Stütze gegen diese Melancholie sind, finde ich.

    Wenn man nicht mehr ganz so jung ist, fällt der Aufbau neuer Freundschaften ja meist auch nicht so leicht. Ich zB bin Mitte 50, war noch nie an Vereinen interessiert, das macht es schwierig. Aber es geht trotzdem, ich möchte Dir gene Mut machen. Ist natürlich ein bisschen Glückssache, die rchtigen Leute zu finden, die einem liegen. Ich nutze eine Freizeit-App für Verabredungen mit Leuten, die gleiche Interessen haben. Konzerte, gemeinsame Kino- und Theaterbesuche, Spieleabende, tanzen gehen , wandern, sporteln oder Stricken und Häkeln bei Kaffee und Kuchen geht dort alles, je nachdem, was man gerne mag. Klar muss sich das erst finden. Aber wieder aus sich und dieser Schwere herauskommen tut wirklich gut.

    Liebe Grüße

    Hallo liebe maibisjuni ,

    einen schönen Nickname hast Du, ist die beste Zeit des Jahres 🌷ich verstehe Dich gut. Ich habe räumlich nie zusammen gelebt, deshalb gab es in der Hinsicht keine Trennung, aber in den vergangenen Jahren ein immer weiteres, alkohol- und drogenbedingtes Auseinanderdriften mit meinem Ex-Partner. Ich will trotzdem sozusagen hierbleiben, lese weiter, schreibe gelegentlich was, weil mich die Gedanken auch nicht einfach loslassen und ich mit anderen mitffühle, an welcher Station des Weges sie auch gerade sind. Er fehlt mir oft. Aber ich blicke dank des Forums auch mit mehr Zuversicht aufs Alleinsein. Bin wieder offener für neue Menschen geworden.

    Eine Zeitlang ging es mir so, dass ich mich für die spärlichen Momente, in denen er aus seinem Rückzug auftauchte, praktisch bereitgehalten habe. Unternehmungen mit anderen waren Notlösungen, weil er nicht da war. Das führte dazu, dass ich Freunde gar nicht mehr wirklich wahrgenommen und schließlich auch langjährige Freundschaften fast verloren habe. Ich müsste mich zwingen, da herauszukommen und verstehe glaube gut, wie es Dir geht. Gib Dir Zeit, wie Du schreibst, ist das ein längerer Prozess. Ich habe mir irgendwann angefangen, ganz bewusst Dinge nur mit bestimmten Freunden vorzunehmen, die ich ganz speziell nur mit der jeweiligen Person machen wollte, das half mir, da wieder etwas herauszukommen.

    Liebe Grüße

    Liebe Halbmond,

    fühle Dich mal gedrückt, ich kann mir ziemlich genau vorstellen, wie es Dir gerade geht.

    dass er eine Entscheidung treffen muss, ob er zum Arzt gehen wird, regelmäßig zur Suchtberatung geht und Therapie machen will, sodass unsere Beziehung überhaupt noch eine Chance hat und wenn nicht, dass ich heute Schlussmachen muss. Er sagt, er macht es. Ich bin zweigespalten, ob ich das glauben soll. Ich werde es sehen.

    Deine Zweifel sind leider sehr berechtigt. Druck oder Drohung mit Beziehungsende, Bitten oder Flehen, Tränen, das hab ich alles hinter mir. Wenn er selbst das Problem nicht sieht und weiter trinkt, dafür in Kauf nimmt, dass er ausziehen muss und Du Dich voraussichtlich auch trennst, steht es nicht gut. Es tut mir sehr leid für Dich. Lass es erst einmal sacken. Hast Du jemanden, der Dich gerade auffängt? Ich wünsche Dir, dass Du es bald als Chance für einen Neuanfang für Dich sehen kannst.

    Liebe Grüße

    Liebe foxi58 ,

    diesen Satz würde ich umdrehen wollen:

    Kinder geben dem Leben {auch ) Sinn, zumindest war das bei mir so.....

    in: Auch Kinder geben dem Leben Sinn. Denn was würden sonst Menschen tun, die keine Kinder haben? Es ist schwer, aber manchmal hilft ein Perspektivwechsel. Da ist noch mehr, auch in Deinem Leben. Es gibt noch mehr Menschen um Dich herum, für die Du da bist und die für Dich da sind. Dein anderer Sohn, Dein Mann, ein Beruf, der Dich erfüllt, wie Du immer wieder geschrieben hast, Freunde, vielleicht auch so etwas wie ein Ehrenamt, falls Du das zeitlich überhaupt schaffst. Du wirst gemocht und gebraucht, hast Deinen Platz im Leben, auch wenn Du gerade eine schwere Zeit durchmachst. Auch Selbstfürsorge ist eine sinnvolle Aufgabe und in Deiner jetzigen Situation einfach lebensnotwendig.

    Liebe Grüße

    Liebe releaseme ,

    hab Dich noch gelesen und schick Dir ein paar liebe und aufmunternde Gedanken. Du machst das Richtige. Auch ohne Alkohol würde es so zusammen nicht mehr funktionieren. Wunde Punkte finden, da den Stachel ansetzen, gezielte Gemeinheiten austeilen - das ist kein gutes Zusammenleben mehr, für Dich nicht und erst recht nicht für die Kinder.

    Und er weiß dass der geplatzten Traum von Familie mein wundester Punkt ist, neben Gemeinheiten gegeb die Kinder.

    Schade, dass er so gar nicht seinen Beitrag dazu sieht und ihm selbst die Familie so wenig wert ist. Gut, dass Du Dich beginnst, herauszulösen. Rückschritte gehören dazu - Du wirst das schaffen.

    Schlaf erstmal gut, alles Liebe!

    Liebe foxi58 ,

    auch Dir herzlichen Dank, dass Du mir schreibst.

    Ich versuche das irgendwie auszuhalten und hoffe auch immer dass ich es mir in meinem Kopf dramatischer ausmale als es vielleicht ist...

    In diesem Gedanken möchte ich Dich bestärken - auch wenn es mir ja ähnlich geht. Die Antworten von Jump und Bergdohle zeigen mir, dass wir damit nicht alleine sind. Ich vermute auch, dass Dein Sohn nicht annähernd ahnt oder nachfühlen kann, wie es Euch mit seinem Trinken geht.

    Aber es ist gut so,

    Ich kann mir vorstellen, wie viel Herzensarbeit es kostet, diesen Satz zu schreiben. Es ist gut, dass Du ihn inzwischen schreiben kannst. Ein ganz wichtiger Schritt, auch wenn Du ihn sicher nicht täglich mit gleicher Überzeugung denken oder aussprechen kannst. Ich versuche, ihn mir in meiner natürlich anderen Situation auch immer wieder zu sagen.

    Ich wünsche Dir, dass das leichter wird. Versuche, Weihnachten gedanklich nicht zu sehr zu überfrachten. Das von außen suggerierte Heile-Welt-Bild passt doch auf so viele Familien und Haushalte nicht, in denen Streit, Gewalt oder totale Einsamkeit herrscht, das halte ich mir immer wieder vor Augen. Vielleicht könnt Ihr Weihnachten anders als sonst verbringen? Ich spiele mit dem Gedanken, wegzufahren, muss allerdings an HlAbend noch arbeiten.

    Liebe Grüße und fühl Dich auch gedrückt, liebe Foxi

    Liebe Bergdohle ,

    hab auch Du vielen Dank für Deine Worte. Ich habe mich ja so ertappt gefühlt an dieser Stelle:

    Einmal huschte mir der Gedanke in meinem Kopf, ob ich ihm anbieten solle seine Wäsche zu waschen. Dann hab ich mich aber selbst getadelt ob diesem irrwitzigen Gedanken.

    Sowas habe ich all die Jahre ohnehin schon selbstverständlich hier mitgemacht. Eine Art Versorgungsjob. Obwohl Xy hier nicht wohnte, nur gelegentlich für zwei, drei Tage da war und dann tagelang wieder weg und off. Sein Beitrag zu diesem halbwegs gemeinsamen Leben war extrem überschaubar. Momentan tue ich nichts mehr - wir sehen uns ja nicht mehr - aber was Du schreibst, macht mir wieder bewusst, an wie vielen Stellen mir die Haltung in Fleisch und Blut übergegangen war, dass er das ja alles nicht mehr leisten "kann", was zumindest bisher Unsinn war. Ich habe ihm nur Spielräume dafür geschaffen, weiter zu trinken und zu konsumieren, indem ich ihm viel vom Rest des Alltags abgenommen habe. Es ist wichtig, da immer wieder hinzuschauen, gerade auch in solchen Tief-Phasen, in denen sich auch Verklärung in meine Gedanken mengt.

    Und genau das ist der Schlüssel, den Du beschreibst. Ein Netz aus positiven Kontakten wieder aufbauen. Toll, was Du schon geschafft hast, liebe Bergdohle! Das ist es, was auch ich möchte. Ich werde weiter dran arbeiten.

    Danke und alles Liebe Dir!

    Vielen lieben Dank für Eure Nachrichten, es tut so gut, sich verstanden zu wissen von Menschen, die ähnliches erleben.

    Liebe Jump! ,

    Du hast so Recht, das denke ich auch immer wieder: Ich kann es nicht ändern, und er weiß, was zu tun wäre und hätte eigentlich alle Hilfen greifbar. Ich fürchte, dass ihm der Lebenswille ausgeht, weil er wieder so aus seiner Sicht gescheitert ist, aber auch das könnte ich ja nicht verändern. Es ist seine Entscheidung, wie er damit umgeht. Früher habe ich mich aufgerieben, auf ihn eingeredet, dass er sich doch bitte wieder aufrappeln, neu beginnen soll. Letztlich hat es nur mich viel Kraft gekostet. Denn genauso wahr ist auch dies hier, was Du schreibst:

    Manchmal hatte ich den Eindruck, dass sich das für mich, so von außen mit klarem Bewusstsein, schlimmer angefühlt hat, als für meinen Mann selbst, der ja dann in seiner eigenen Welt war.

    Exakt so habe ich es auch immer wieder erlebt. Wenn er wieder auftauchte, war ihm nie bewusst, wie es mir in der Zwischenzeit ergangen war. Er hatte sich ja betäubt, ich musste nüchtern da durch.

    Ich habe so ein Kopfkino nur durch Ablenkung weg bekommen. Raus gehen an die Luft, laufen. Aber auch durch das Schreiben und Lesen hier.

    Das hilft mir natürlich auch. Und ich will und muss weiter an meinem sozialen Netzt arbeiten. Das habe ich während der Jahre mit ihm vernachlässigt, was vermutlich mein größter Fehler war. Aber es gibt auch immer wieder Lichtblicke, die man sich bewusst machen muss. So wie Du Deinen Weihnachtsmarktbesuch - klingt wunderbar, iwürde ich auch mal mit Dir machen 🙂.

    Bei mir löste kürzlich eine WhatsApp an eine Kollegin ein zweistündiges Telefonat aus, das schön und auch lustig war und in dem die xy-Gedanken keine Rolle spielten. Sowas ist ein Geschenk.

    Liebe Grüße an Dich

    Ich weiß, ich sollte bei mir bleiben, aber so ganz gelingt das natürlich auch nicht, nachdem xy und ich jetzt über acht Jahre irgendwie mehr oder weniger zusammen waren - und das ja auch schon zum zweiten Mal. Er ist jetzt seit einem Monat weg und hat bis heute kein Sterbenswort dazu gesagt. Finde das schon Wahnsinn, auch wenn ich es schon oft erlebt habe, wenn auch meist für kürzere Zeit,. Einfach weg. Irgendjemand schrieb hier, dass Beziehung nicht funktioniert, wenn man sich nur ab und zu noch sieht. Das stimmt natürlich - aber bei uns war das längst Alltag, weil der Alk und die Drogen bestimmten, ob und wann wir uns sehen.

    Gut, einerseits ist es konsequent, dass er jetzt weg ist, vielleicht muss ich sogar sagen: auf geisse Weise rücksichtsvoll - ich hatte ihm ja gesagt, dass ich mich endgültig zurückziehen werde, falls er weiter konsumiert und dann keinen Kontakt mehr will. Und das nicht, weil ich ihn nicht mag, sondern weil ich es nicht mehr mitansehen bzw miterleben will. Anfangs kamen einige wenige oberflächliche und kurze Nachrichten zu so Dingen, dass er einen von mir gesuchten Gegenstand bei sich nicht gefunden hat, oder dass er gerade krank ist. Aber zu den Gründen seines Verschwindens keine Silbe.

    Und jetzt herrscht absolute Funkstille. Ich kieg das Bild nicht aus dem Kopf, dass er nur in seiner Wohnung liegt, einsam vor sich hin vegetiert, gefangen in diesem ewigen Kreislauf aus Scham, Schuldgefühlen und Selbsthass, er nix zu Essen hat, weil alles für den Monat versoffen und verkonsumiert ist,. Auch aus der sicheren Distanz bleibt das schwer auszuhalten für mich. Ich grübele phasenweise wieder viel und das kleine Hoch durch meine Freizeit-App ist verflogen. Mal sehen, wie ich mich da wieder rausarbeite.

    Hallo liebe Halbmond,

    na das ist ja mal eine "charmante" und ziemlich wenig empathische Aussage von Deinem Nachbarn. Ist er zufällig ein Trinkkumpan von Deinem Partner? Das würde erklären, warum er Deine Gründe für die Trennung kaum ernst nimmt und so stumpf kommentiert. Aber selbst wenn nicht: Lass Dich nicht beirren und ihn einfach reden. Du bist diejenige, die mit diesem Mann zusammenlebt, daher entscheidest Du alleine, ob Dich die Beziehung unter den derzeitigen Umständen noch glücklich macht oder nicht. Und das hattest Du zu Beginn ja ziemlich klar verneint, was total nachvollziehbar ist.

    Dein Partner scheint das Trinken nicht stoppen zu wollen und verkriecht sich teils über Wochen in seinem Zimmer., letzteres kommt mir sehr bekannt vor. Das ist doch kein schönes Leben zu zweit, sondern eine ganz einsame und belastende Situation. Und sie raubt Dir die Kraft und Zuversicht, Dich einem besseren Leben zuzuwenden.

    Liebe Grüße

    Und das betrifft nicht nur Alkoholiker. Co-Abhängige hängen genauso mit drin, auch wenn viele das ungern hören. Sie fügen sich selbst genauso Leid zu, weil sie nicht ins Handeln kommen, nicht aus ihren Mustern raus, nicht aus der Dauerschleife.

    Gebe Dir zu 100 Prozent Recht, Hartmut Es ist eine Dynamik, zu der Zwei gehören, (und mir ging es auch nicht um Schuldzuweisungen). Das hätte ich auch oben erwähnen sollen - ich habe Verhalten erklärt, gerechtfertigt und entschuldigt, aber letztlich, damit ich mich selbst nicht bewegen muss. Danke, dass Du das nochmal so gut eingeordnet hast.

    Liebe Simsalabim,

    den Satz, dass Sucht nichts entschuldigt, hatte ich hier im Forum erwähnt, daher antworte ich Dir. Ich wollte den niemandem überstülpen und auch niemanden angreifen damit. Ich fand ihn für mich gut, weil ich selbst so viele Jahre immer wieder an dem Punkt gelandet bin, mir alles Verhalten von xy immer wieder damit zu erklären, zu rechtfertigen und zu entschuldigen. Mein Mantra "Er kann halt suchtbedingt nicht anders." Und Folge war, dass ich Verantwortung übernommen habe an so vielen Baustellen, die eigentlich seine waren.

    Der Satz ist jjetzt mein gedankliches Stopp-Signal, weil er so klar ist. Ob Dir das auch so geht, weiß ich natürlich nicht. Dort, wo ich es geschrieben hatte, passte es nach meinem Empfinden, weil es auch dort um schwieriges Verhalten ging, um Zweifel an eigenen Wahrnehmungen und um Entschuldigungen.

    Liebe Franzi,

    hab mal ein wenig zu Beginn Deines Fadens gelesen..in einem Deiner frühen Einträge schreibst Du unter anderem:

    Ich mag nicht mehr. Ich mag nicht mehr als Arsch oder Schlampe bezeichnet werden wegen Lappalien (eigentlich gar nicht!). Ist da der Alkohol nicht eigentlich sch…egal? Jahrelang hab ich dieses miese Benehmen mit selbst gegenüber entschuldigt - es geht ihm ja so schlecht, der Stress in der Arbeit, die eigenen Kindheitserfahrungen, der hausbaustress, die kleinen Kinder, usw usf…

    Aber das ist alles kein Grund sich so gehen zu lassen und kein Grund für mich sowas zu entschuldigen!!

    Vielleicht ist er momentan trocken, aber Du weißt nie wie lange. Möglicherweise kommen solche Ausfälle, wie Du sie in dem Zitat beschreibst und immer wieder in Deinem Faden beschieben hast, auch derzeit seltener oder gar ncht mehr vor - könnte aber auch sein, dass er sich gerade nur zuückhält, weil er Dich zurückgewinnen will. Dabei ist er gehörig manipulativ unterwegs. Solange er Dich so bedrängt und Dir noch Schuldgefühle für die Trennung einredet - nachdem er Dich vorher so behandelt hat - zeigt das doch, dass er gar nichts verstanden hat. Eine Auseinandersetzung damit würde für mich auch zur Krankheitseinsicht gehören.

    Ein sehr erfahrener Sichtberater sagte neulich den Satz "Sucht entschuldigt gar nichts". Wir Cos sind ja allzu leicht bereit, uns alles mit Sucht zu erklären und schräges Verhalten zu entschuldigen bzw zu rechtfertigen..Ich fand den Satz richtig gut, den hab ich mir jetzt hinter die Ohren geschrieben. Vielleicht hilft er Dir ja auch?

    Liebe Grüße

    Heute wieder mal ein kleines Update hier. Ich habe in den vergangenen Wochen einiges über die App unternommen und wirklch nette Begegnungen gehabt. Bin froh, dass ich über meinen Monster-Schatten gesprungen bin und das endlich nutze. War sogar mal wieder tanzen, das hat sich wie ein kleiner Befreiungsschlag angefühlt. Früher war ich echt gesellig, aber die letzten Jahre hing ich ständig niedergeschlagen, erschöpft und immer einsamer hier rum. Das will ich jetzt endlich wieder ändern. Bin ein bisschen stolz auf mich :)

    Xy ist wieder aufgetaucht, habe gestern erstmals nach Wochen eine Nchricht mit einem Halbsatz von ihm erhalten zu einem Termin, den er angeblich wahrgenommen hat. Ob es stimmt, weiß ich nicht, aber war in Ordnung für mich, ich bin ja froh, dass er okay ist. Habe ihm gutes Gelingen gewünscht, das war's. Es ist gut, den Betreuer in seiner Nähe zu wissen und dass der ihn im Blick behält. Ich will außen vor bleiben.

    Guten Morgen liebe Hopeless,

    finde auch, Du hast viel Stärke bewiesen, dass Du Deine Position vertreten hast, obwohl er Dich wieder so umgarnen wollte. Dich bei einem kuzen Kaffee zu zweit umstimmen zu wollen, kostet ihn halt wenig Mühe und reden kann er da viel vom gemeinsamen Alt werden als Familie. Wollte xy auch, hat immer schön die Fernziele formuliert, aber die naheliegendsten Voraussetzungen dafür ausgeblendet.

    Meine Empfehlung wäre: wappne Dich gut dafür, , dass er die von Dir gesetzte Grenze eben nicht einhält. Zunehmender innerer Abstand, eigene Unternehmungen, Fokus auf Deine Kinder können Dir dabei vielleicht helfen. Er ist nasser Alkoholiker und hat bislang keine Anstalten gemacht, mit dem Trinkn aufzuhören. Auch wenn Deine Worte in dem Moment Eures Gesprächs anzukommen schienen, zählt nur, was er tut. Und als Du auf den Alkohol zu sprechen kamst, endete Euer Gespräch, und er musste schnell zur Arbeit, so oder ähnlich kenne ich das leider nur zu gut.

    Liebe Grüße

    Liebe Bergdohle,

    wirklch bewunderungswürdig ifinde ich, dass Du trotz der langen Jahre der auch finnziellen Abhängigkeit den Mut hast, auszubrechen, eigene Wege zu gehen und jetzt alles daran setzt, auf eigenen Beinen zu stehen. Dafür hast Du allen Respekt verdient! Ich wünsche Dir alles Gute für das Vorstellungsgespräch - Du schaffst das! Und selbst falls es heute aus irgendeinem Grund nicht klappen sollte, wird sich bald eine nächste Gelegenheit auftun. Gerade im Gastrobereich werden doch überall Leute gesucht.

    Liebe Grüße