Guten Morgen Endless Summer,
in Teilen erkenne ich mich in Deiner Geschichte wieder - und vor allem meinen (Ex)-Partner in Deinem Partner. Alkohol und Drogen sind auch seine langjährigen Begleiter, auch er ist "eigentlich" ein gestandener Mann, der eine große Hilfe sein könnte bei allem, was hier anliegt, aber immer mehr selbst hilfsbedürftig wird.
Auch wir wohnen nicht zusammen, bis vor der derzeitigen Reha war er mehr weg als da - und doch hält mich diese Beziehung gefangen. Obwohl wir anders als Ihr kein gemeinsames Kind haben. Das nutzt Dein Partner offenbar als Türöffner,. Eine Partnerschaft leben, schafft er suchtbedingt nicht, aber so ganz jede Verbindung zu Euch verlieren will er auch nicht... Kenn ich so gut...
Bestimmt hast Du längst versucht, Regeln für den Umgang mit Eurem Kind aufzustellen? Nüchtern und "auf neutralem Boden" wäre ja grundsätzlich in Ordnung, aber darauf kannst Du Dich bestimmt nicht verlassen und lässt Dich vermutlich bisher drauf ein, dass er dann bei Dir ist? Vielleicht hilft Dir, das zuallererst vom Kindeswohl her zu denken. Der Schutz sollte ja über allem stehen. Unter diesen Umständen kein Kontakt - das sehe ich wie Sonnenschein.
Parallel wird's aber auch drum gehen, Dich gedanklich aus der Beziehung herauszuarbeiten. So wie Du die Lage beschreibst, ist es aussichtslos, dass er was ändert. Er hängt tief drin, und auf all Deine Fragen gibt es leider nur die eine traurige Antwort: Weil er süchtig ist. Und offenbar keine Krankheitseinsicht hat, wie schon Morgenrot schrieb. Und wenn doch, hat er vielleicht wirklich resigniert. Du kannst jedenfalls nichts daran ändern, auch kein konstruktives Gespräch würde was nützen, alleine er müsste da raus wollen.
Für uns Cos sollte im Mittelpunkt stehen, uns selbst zu helfen. Das ist schwer genug, hab ich festgestellt. Ich bin schon Mitte 50, in Deinem Alter hab ich mich in einer Art "emotionaler Umnachtung" zum zweiten Mal auf meinen Xy eingelassen, nachdem schon einmal eine Beziehung mit ihm in jungen Jahren wegen Drogen vor die Wand gefahren ist. Oft denke ich wie einfältig kann man sein, das wiederholen zu wollen? Aber das hilft mir ja letztlich nix und ist nur weitere Zeitverschwendung.
Ich möchte noch ein paar bessere Jahre erleben. Mit neuem Mann wäre schön, aber besser ohne als mit einem Menschen, der vor allem eine Belastung für mich ist und an mir klebt, wie Du es so treffend von Deinem beschrieben hast. Ich mag meinen Xy wirklich, aber es gibt auch immer wieder Momente, in denen mich seine Egozentrik auf die Palme bringt. Er hat sich jahrzehntelang mit Vollgas selbst zerstört und erwartet nun, dass sich alles um ihn dreht.
Deshalb hab ich mir selbst das endgültige Beziehungsende "verordnet", falls er wieder konsumiert nach der Reha. Bin auch ziemlich sicher, dass dieser Tag kommen wird. Vielleicht könnte Dir auch so ein Ultimatum an Dich selbst helfen, um Dich ganz zu lösen? Und positive Erlebnisse mit anderen Menschen plus Untersützung für Deinen Alltag von anderer Seite. Au Pair, Praktikanten, Urlaub gegen Hand auf dem Hof, Freiwilliges Soziales Jahr, Freunde, was auch immer. Das sind alles auch Möglichkeiten, aus dem Gedankenkarrussell um ihn herauszufinden.
Ich nehme mir wieder mehr vor, möglichst ohne Xy. Er kann auch vieles gar nicht mehr, die Sucht hat ihn körperlich ziemlich kaputt gemacht. Zurzeit bin ich ohne ihn im Urlaub, und das ist gut so... .
Liebe Grüße!