Beiträge von EllaDrei

    Das möchte ich aus Anonymitätsgründen hier lieber nicht sagen, liebe foxi58 , bitte um Verständnis. Aber ziemlich sicher gibt es das auch bei Euch. Gib doch in einer Suchmaschine mal Euren Landkreis und sozialpsychiatrischer Dienst ein.

    Vielleicht war das missverständlich ausgedrückt. Es sollte ein Vorschlag sein, wie Du Experten einschalten kannst, um Dich dann selbst aus der Verantwortung herausziehen zu können, was ja auch hilfreich für Dich und Deinen Mann sein. Könnte

    Garantie gibt es natürlich nicht. Auch die werden sagen, dass Dein Sohn in irgendeiner Form mitarbeiten muss. Aber da nun auch das Thema Wohnungsverlust ansteht, können sie hoffentlich etwas raten.

    Ich könnte mir zB vorstellen, dass er ein Kandidat für betreutes Wohnen sein oder werden könnte. Aber das geht vermutlich auch nur nach vorheriger Entgiftung/Reha. Ist alles viel Spekulation, deshalb nehmt doch erstmal mit denen Kontakt auf.

    Guten Morgen liebe foxi58 ,

    danke Dir sehr für Deine aufbauenden Worte. Glaub mir, ich war sehr oft gar nicht stark, sondern ein Häuflein Elend, hab xy bereitwillig wieder die Tür geöffnet, obwohl ich mir kuz zuvor geschworen hatte, mich nicht mehr auf ihn einzulassen. Wir kennen uns ja schon seit Jahrzehnten, da ist viel passiert, und es gibt viel Verbindendes. Auch jetzt werde ich auf mich aufpassen müssen, nicht "umzufallen". Ich hatte immer (zu) viel Mitgefühl mit ihm und mag ihn seit jungen Jahren - bester Nährboden für meine Co-Abhängigkeit . Nach seinen vielen Anläufen hatte ich diesmal während der Reha weniger Hoffnung, dass er es wirklich dauerhaft schafft. So hart es klingt, das war gut so, denn dann fällt man als Angehörige nicht ganz so tief. Hoffnung ist nicht immer eine gute Beraterin.

    Ich habe in Deinem Faden gelesen, dass Du Dich wegen des endenden Mietverhältnisses Deines Sohnes sorgst und möchte Dir nochmal den sozialpsychiatrischen Dienst Eures Landkreises ans Herz legen. Hast Du schon einmal danach gesucht im Internet, oder dort mal angerufen? Sonst erkundige Dich doch mal über die Kreisverwaltung nach dieser Stelle.

    Du kannst Dich als Angehörige dorthin wenden und auf Deine Sorgen und den Bedarf Deines Sohnes hinweisen - Du hast ja auch chon die Beürchtung geäußert, dass er sich was antun könnte - dabei auch sagen, dass Du mit Deiner Kraft am Ende bist, selbst auf Abstand bleiben möchtest, er aus Deiner Sicht aber auf Hilfe angewiesen ist. Immerhin ist oder war er ja jetzt erneut in einer entsprechenden Klinik und es gab vor einiger Zeit diesen Polizeieinsatz, das verdeutlicht ja die Lage.

    Die Ansprechpartner können hoffentlich Hilfen benennen und gehen gegebenenfalls auch direkt mit ihm in Kontakt, da musst Du nicht dabei sein. Hier in meinem Bundesland ist das jedenfalls so. Ich empfände glaube jedes Gespräch mit Fachleuten derzeit als Entlastung. Manchmal sind Eltern auch einfach mit ihrer emotionalen Verstrickung zu nah dran, das habe ich selbst so erlebt mit meinem Sohn. Vielleicht kann Dein Sohn die Hilfe von Profis besser annehmen.

    Liebe Grüße

    Mal wieder zu früh auf Senden gekommen - leider kann man das nicht rückgängig machen... also weiter im Text: es tut sehr gut verstanden zu werden.

    Sicherer Rückzug in der Hinterhand ist wichtig. Hier ist der Fall ja etwas anders, weil auch xy selbst seinen "sicheren Rückzug" immer behalten wollte, um dort im Verborgenen völlig versacken und konsumieren zu können. Nach Tagen tauchte er dann wieder auf, und ihm war wenig anzumerken. Trinken in meiner Anwesenheit gab es erst in den letzten paar Monaten vor Entgiftung und Reha.

    Bei mir danach praktisch erstmal für einige Zeit einziehen zu wollen, hatte er mir als ne Art Rückfallprophylaxe für die erste Zeit verkaufen wollen. Aber das ist ja jetzt eh alles rum ums Eck.

    Du machst das gut mit Deinem Hafen-Nest Jump! . Und beschreibst die Anzeichen perfekt. Hier war es das letzte Wochenende ein übermäßiges Aufgebrachtsein über eine Kleinigkeit, bei der ich das Gefühl hatte, es steckt eigentlich Suchtdruck dahinter. Generell lief die Reha für meinen Geschmack zu glatt. Ich hab auf Nachfragen immer nur kurz angebundene Antworten bekommen a la "Alles bestens".

    Ich hab nun die letzten besorgten Nachrichten an ihn gelöscht und gestalte meine Tage ohne ihn. Organisiere weg, was eigentlich er mir helfen wollte. Mein Plan steht, dass auch ich nun als Retterin nicht mehr greifbar sein werde.

    Wir haben ja zuletzt nur noch eine Art Freundschaft geführt, allerdings auch kombiniert damit, dass er mit einer Selbstverständlichkeit auch mal übers Wochenende hier war. Und ja, es war Hoffnung da, dass es vielleicht wieder eine Beziehung werden könnte, wenn er sich stabilisiert.

    Das will ich jetzt nicht mehr. Ich sehe einfach keinen Ansatzpunkt mehr für zum Beispiel Gespräche, wenn doch das Thema Alkohol/Droge immer zwischen uns hängt, Konflikte auslöst oder auch unausgesprochen da ist. Ich möchte den Kopf frei bekommen von alldem, weil es mir einfach so sinnlos vorkommt, mich damit weiter auseinanderzusetzen, wenn er doch alle Hilfen nicht annehmen kann. Aber das wird für mich noch ein längerer Weg. Ich setze auf den Faktor Zeit.

    Liebe hiiumaa , auch Dir vielen lieben Dank für Deine mitfühlenden Worte. Wie ist denn Dein Stand? Bist Du weiter auf Abstand?

    Ich konnte keine Beziehungen (nicht nur partnerschaftliche, sondern auch zu Eltern und sonstigen nahestehenden Menschen)führen und das hatte nichts mit fehlender Liebe oder Sturheit oder sonstwas zu tun, sondern weil ich als Alkoholiker trinken musste.

    Soapstar , Dein Zitat hab ich mir mal hierher geholt aus einem anderen Thread. Es hilft (auch) mir, das so klar und deutlich zu lesen, um besser Abstand gewinnen zu können. Danke Dir.

    Habt einen schönen Tag

    Liebe Simsalabim,

    Angstplatte vermutlich, weil Du dann Schwarz auf Weiß bekommen könntest, was Du eigentlich gar nicht wirklich so ganz genau wissen möchtest, weil dann mögliche Konsequenzen im Raum stünden? Auf andere Weise kenne ich das. Ich hab lange die Augen zugemacht und zB nicht hinterfragt, warum xy ständig in Geldnot war. Letztlich ist die Feststellung, ob er nun Alkoholiker ja fast nebensächlich. Wie Du schon schreibst, auf Dein Befinden und Deine Wahrnehmung kommt es an. Wie geht es Dir und welche Optionen hast Du. Gibt es noch genug Verbindendes und so weiter...

    Ich bin ein Stück weiter. Xy hat jemanden, der ihn als eine Art Betreuer unterstützt, und den ich gestern kurz darüber informiert habe, dass er plötzlich nicht mehr erreichbar für mich ist. Der hatte eigentlich auch einen Termin mit ihm, bei dem es um Schuldenklärung gehen sollte, und den er ihm per SMS abgesagt hat. Aus dem genau gleichen Grund hat er aber mir abgesagt - er müsse die Schuldensituation für Termin bei Schuldnerberatung nächste Woche klären.

    Damit ist klar dass er sich nach allen Seiten Luft für seinen Konsum verschaffen hat. Er muss mir jetzt nix mhr erklären, es ist vorbei. Sagen kann ich ihm das im Moment nicht, er ist ja weg, und das wird sicher vorerst so bleiben. Wichtiger ist ja auch, dass ich es mir bewusst mache.

    Bis Mittwoch war er voller Tatendrang, mit vielen Terminen in Sachen Nachsorge,um das Leben wieder irgendwie aufzurichten inklusive wieder einem wichtigen familiären Kontakt, der nach Jahren zustande kam und gut verlief.

    Diese einsamen Entscheidungen, alles wieder komplett aufzugeben und alle Konsequenzen auszublenden, nachdem es ein halbes Jahr gut funktioniert hat, man sich doch irgendwie etwas Lebenszeit zurückerobert hatte, das wird mir immer ein Rätsel bleiben.

    Eine gute Woche ist Xy nun aus der Reha zu Hause, und es gibt bereits einen Rückfall in alte Verhaltensmuster. Was mich befürchten lässt, dass es auch einen Rückfall mit Alkohol / Droge gibt.

    Wir waren heute verabredet, was er unter einer sehr fadenscheinigen Begründung und auch erst auf Nachfrage mit einer seltsam wirren Nachricht abgesagt hat. Ich kenne ihn gut, da läuft gerade mit ziemlicher Sicherheit irgendwas schief.

    Kann sein, dass ich mich täusche ,aber meine Gedanken fahren wieder Karussell, Herzrasen und -stolpern, es setzt mir zu. Ein halbes Jahr hat er durchgehalten. Ich hab Distanz gewahrt, aber wohl noch immer nicht genug. Jetzt lässt er mich wieder im Unklaren, geht nicht ans Telefon, antwortet nur vage auf WhatsApp, während ich versuche, rauszufinden, was los ist, in Sorge bin, wütend, verletzt, die altbekannte Mischung. Pläne, die den Bach hinuntergehen, Hoffnungen, die zerbröseln. Da wollte ich nicht mehr hin. Ich war drauf gefasst. Trotzdem fühlt sich's schlimm an.

    Liebe Foxi,

    das muss doch nicht für immer so sein. Manche Menschen mit Suchterkrankung brauchen viele Anläufe - und schaffen es irgendwann. Wissen kann das niemand, ob und wann es so weit sein wird bei ihm. Versuche Dich doch einmal von diesen negativen Gedankenspiralen ein kleines Stück zu lösen. Sie helfen weder Dir noch Deinem Sohn in der derzeitigen Situation. AnnaBlume hat Dir viele gute Anregungen dazu gegeben, auf die Du teils wenig eingegangen bist. Ich würde Dir so wünschen, dass Du Deinen Blick ein wenig weitest, mit dem Fokus etwas weg von den negativen Dingen in Deinem Leben gehst und hin zu Ressourcen, zu Mutmachendem, das Dich stärken kann und das es auch in Deinem Leben gibt. Eine tragfähige Partnerschaft - hat längst nicht jeder! - eine gute Freundin, mit der Du Dich austuschen kannst, und bestimmt einiges mehr.

    Gar nicht so wenige Menschen haben Sorgenkinder. Auch ich musste meines ein Stück weit loslassen, was mir äußerst schwer fiel. Wenn ich anderen darüber gesprochen habe, bekam ich oft zu hören, dass es denen ähnlich geht, oder dass sie ähnliche Fälle aus dem Umfeld kennen. Schmerzhafte Entwicklungen und auch Krisen gehören zum Leben.

    Es ist jetzt nicht aller Tage Abend, auch nicht bei Euch. Trau Deinem Sohn doch etwas zu. Er konnte ja bisher arbeiten, eine Frau finden, heiraten, eine Wohnung beziehen. Er wird reifer, kommt vielleicht selbst zu der Erkenntnis, dass es so nicht weitergehen kann. Dann kann er vielleicht die ersehnte Entscheidung treffen, etwas zu verändern. Noch ist er sehr jung. Vielleicht braucht er auch einfach länger dafür, als andere.

    Gib der Sache etwas Zeit und nimm Dir jetzt ein wenig davon, um durchzuatmen. Das wünsche ich Dir wirklich.

    Liebe foxi58 ,

    ich lese immer wieder heraus, dass Du Dich erklären möchtest, was ja erstmal verständlich ist. Aber um Deiner selbst Willen, wäre es wichtig, ausgetretene Denkpfade mal zu verlassen und für Dich Veränderungen zuzulassen. Werde zur Kümmerin für Dich selbst! Ich wusste auch lange nicht, was damit eigentlich gemeint sein soll. Ich kannte meine Bedürfnisse nicht mehr, nicht nur wegen meines suchtkranken Partners, es gab noch mehr Baustellen. Den Blick nicht nur auf andere lenken, Dich nicht nur stetig in der Pflicht sehen, Dich mal ernsthaft fragen, was Dir selbst gerade gut tun würde, nicht unter Kontrolle haben zu wollen, was Du nicht selbst in der Hand hast, sondern auch sagen können: hier nehme ich Hilfe in Anspruch (dementer Vater), dort lasse ich los, weil ich so viele Jahre vergeblich versucht habe, zu bewahren, zu helfen (Dein Sohn) und lenke meinen Blick auf Positiveres, weil es mir gut tut.

    Hast Du Deinen Kurzurlaub angetreten? Was kannst Du im Alltag einbauen, um Dir Auszeiten für Dich zu nehmen?

    Liebe Simsalabim, irgendwie bleibst Du immer ganz schön vage. Vielleicht aus Sorge, Dich selbst unter Zugzwang zu setzen, mit einem klaren Benennen der Situation?

    Soll kein Vorwurf sein, bitte nicht falsch verstehen. Ich kann das schon nachvollziehen, hab selbst viel zu lange vermieden, den Tatsachen ins Auge zu sehen, um ja keine Konsequenzen ziehen zu müssen. Und durch bin ich ja auch noch immer nicht damit. Bloß fürchte ich, dass hexhex da nicht weiterhilft. Letztlich haben wir, hast Du es in der Hand, liebe Simsalabim, nicht Bibi Blocksberg... Auch wenn's vielleicht schön wäre... 😉 Welche Pläne hast Du denn für die kommenden Jahre? Wieder mehr PingpongAustausch, statt eintöniges, ungutes Schweigen? Ist das noch möglich in Deiner Ehe? Was wünschst Du Dir für Dich?

    Der Alkohol hat ihn definitiv zu dem Jetzt werden lassen. Ich habe ihn ganz anders kennen gelernt und zu wissen, das er anders sein kann, ist vermutlich auch das, weswegen es mir so schwer fällt loszulassen.

    Ich wollte mit diesem Mann alt werden. Das war das gemeinsame Ziel, bis er nach und nach sein Wesen verändert hat. Und ich mich selbst für diese Beziehung verloren habe. Ja mein Selbstwertgefühl hat ganz schön gelitten und tut es noch, aber ich versuche daran zu arbeiten.

    Könnte von mir sein. Auch zusammenziehen, heiraten stand anfangs mal im Raum. Zum Glück hab ich mich nicht drauf eingelassen. So war ich "nur" emotional völlig am Boden zerstört und erschöpft. Ich hab die rosarote Brille abgezogen. Auf Wunder oder eine Rolle rückwärts den Berg wieder rauf kann man bei Sucht leider nicht hoffen.

    Hallo Hopeless,

    was Du beschreibst, habe ich auch immer wieder erlebt. Leider ist meine Erfahrung, dass Gefühlsäußerungen nur eine kurze Halbwertszeit unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen haben. Mal wurde ich auf Händen getragen, dann tagelang ignoriert. Ich bezweifle deshalb, dass es in Konsumphasen noch wirkliche Liebe geben kann - es dreht sich doch alles um den Suchtstoff. Er müsste entgiften, entwöhnen, könnte dann mit Dir zusammen vielleicht irgendwann schauen, ob Euch noch genügend verbindet. Aber im Moment steht das offensichtlich für ihn nicht im Vordergrund, so traurig das ist. Mach Dir keine Vorwürfe deshalb, Du hast genau richtig gehandelt, indem Du auf Abstand gegangen bist. Bleib da dran.

    Vielleicht hat er sein "Hab Dich lieb"tatsächlich in dem Moment so gemeint - oder es war nur Mittel zum Zweck, um Dich wieder für sich einzunehmen. Das bei Dir auch wiederkehrende Nichtmelden hab ich unzählige Male erlebt. Ich war in einer Dauerwarteposition erstarrt, ein furchtbares Gefühl. Die Grübeleien und Warum-Fragen drehten sich ständig im Kreis. Sobald sich Xy nach manchmal über einer Woche meldete, stand ich wieder parat. Weil: "ich kann ihn doch nicht im Stich lassen". Das kennst Du ja auch, wie Du schreibst. Aber bedenke, es gibt so viele Hilfen, für Alkoholiker, noch weit mehr als für uns Cos. Ergreifen muss er diese Chancen. Uns bleibt nur, auf uns selbst und in Deinem Fall auf Deine Kinder aufzupassen.

    Liebe Grüße

    Guten Morgen Endless Summer,

    in Teilen erkenne ich mich in Deiner Geschichte wieder - und vor allem meinen (Ex)-Partner in Deinem Partner. Alkohol und Drogen sind auch seine langjährigen Begleiter, auch er ist "eigentlich" ein gestandener Mann, der eine große Hilfe sein könnte bei allem, was hier anliegt, aber immer mehr selbst hilfsbedürftig wird.

    Auch wir wohnen nicht zusammen, bis vor der derzeitigen Reha war er mehr weg als da - und doch hält mich diese Beziehung gefangen. Obwohl wir anders als Ihr kein gemeinsames Kind haben. Das nutzt Dein Partner offenbar als Türöffner,. Eine Partnerschaft leben, schafft er suchtbedingt nicht, aber so ganz jede Verbindung zu Euch verlieren will er auch nicht... Kenn ich so gut...

    Bestimmt hast Du längst versucht, Regeln für den Umgang mit Eurem Kind aufzustellen? Nüchtern und "auf neutralem Boden" wäre ja grundsätzlich in Ordnung, aber darauf kannst Du Dich bestimmt nicht verlassen und lässt Dich vermutlich bisher drauf ein, dass er dann bei Dir ist? Vielleicht hilft Dir, das zuallererst vom Kindeswohl her zu denken. Der Schutz sollte ja über allem stehen. Unter diesen Umständen kein Kontakt - das sehe ich wie Sonnenschein.

    Parallel wird's aber auch drum gehen, Dich gedanklich aus der Beziehung herauszuarbeiten. So wie Du die Lage beschreibst, ist es aussichtslos, dass er was ändert. Er hängt tief drin, und auf all Deine Fragen gibt es leider nur die eine traurige Antwort: Weil er süchtig ist. Und offenbar keine Krankheitseinsicht hat, wie schon Morgenrot schrieb. Und wenn doch, hat er vielleicht wirklich resigniert. Du kannst jedenfalls nichts daran ändern, auch kein konstruktives Gespräch würde was nützen, alleine er müsste da raus wollen.

    Für uns Cos sollte im Mittelpunkt stehen, uns selbst zu helfen. Das ist schwer genug, hab ich festgestellt. Ich bin schon Mitte 50, in Deinem Alter hab ich mich in einer Art "emotionaler Umnachtung" zum zweiten Mal auf meinen Xy eingelassen, nachdem schon einmal eine Beziehung mit ihm in jungen Jahren wegen Drogen vor die Wand gefahren ist. Oft denke ich wie einfältig kann man sein, das wiederholen zu wollen? Aber das hilft mir ja letztlich nix und ist nur weitere Zeitverschwendung.

    Ich möchte noch ein paar bessere Jahre erleben. Mit neuem Mann wäre schön, aber besser ohne als mit einem Menschen, der vor allem eine Belastung für mich ist und an mir klebt, wie Du es so treffend von Deinem beschrieben hast. Ich mag meinen Xy wirklich, aber es gibt auch immer wieder Momente, in denen mich seine Egozentrik auf die Palme bringt. Er hat sich jahrzehntelang mit Vollgas selbst zerstört und erwartet nun, dass sich alles um ihn dreht.

    Deshalb hab ich mir selbst das endgültige Beziehungsende "verordnet", falls er wieder konsumiert nach der Reha. Bin auch ziemlich sicher, dass dieser Tag kommen wird. Vielleicht könnte Dir auch so ein Ultimatum an Dich selbst helfen, um Dich ganz zu lösen? Und positive Erlebnisse mit anderen Menschen plus Untersützung für Deinen Alltag von anderer Seite. Au Pair, Praktikanten, Urlaub gegen Hand auf dem Hof, Freiwilliges Soziales Jahr, Freunde, was auch immer. Das sind alles auch Möglichkeiten, aus dem Gedankenkarrussell um ihn herauszufinden.

    Ich nehme mir wieder mehr vor, möglichst ohne Xy. Er kann auch vieles gar nicht mehr, die Sucht hat ihn körperlich ziemlich kaputt gemacht. Zurzeit bin ich ohne ihn im Urlaub, und das ist gut so... .

    Liebe Grüße!

    Guten Morgen Simsalabim,

    schweigt Dein Mann bewusst als eine Art Strafe oder stummer Vorwurf? Oder habt Ihr Euch einfach nichts mehr zu sagen? Oder ist das eher aus einer Art Verzweiflung über seine Lage und weil er weiß, dass es eh nichts dazu zu sagen gibt?

    Vor seiner Reha ist Xy immer verstummt, wenn ich etwas zur aktuellen Situation gesagt habe. Er konnte oder wollte nicht darüber reden oder nur darüber, wie schlecht es ihm geht. Letztlich geb ich ihm sogar Recht. Reden darüber bringt ja nichts, wenn der trinkende Partner nichts ändern möchte.

    Da kommt man aber ganz schnell an den Punkt, die Partnerschaft zu hinterfragen. Kommunikation, Austausch, gemeinsam verbrachte Freizeit, auch miteinander Lachen können, sich gegenseitig als Person wahrnehmen und schätzen, das gehört doch dazu. Bei uns ging das unter. Wir hatten auch als Paar schon lange keine Außenkontakte mehr.

    Ob sich daran was ändern kann, wage ich zu bezweifeln. Natürlich hat die Nüchternheit der vergangenen Monate positiv gewirkt. Aber bis heute ist es so, dass Xy in erster Linie sich selbst und seine Probleme sieht und nur selten Empathie zeigt. Letztlich eine einsame Sache, so eine Beziehung....

    Zumindest wäre es gut,sich nicht verpflichtet zu fühlen, ihm nun eine Wohnung zu stellen, nur weil er jetzt wieder eine braucht. Er hat den Polizeieinsatz ausgelöst und jetzt schlägt seine Frau wieder Alarm, weil die Wohnung weg ist. Beide sind erwachsene Menschen. Wie weiter oben schon geschrieben: Sie wissen, dass Du Dich verantwortlich fühlst und nutzen das für sich aus.

    Dieser Glaubenssatz mit Kindern und Partnern mag ja stimmen, aber ich glaube, er hält Dich in dem steten Gefühl fest, letztlich doch immer parat stehen zu müssen, wenn es brennt.

    Guten Morgen Foxi,

    gibt es in Eurem Landkreis einen sozialpsychiatrischen Dienst? Ich habe es gerade für meinen Landkreis nachgelesen, die dortigen Ansprechpartner nehmen Kontakt zu Betroffenen auf - es geht um Menschen mit seelischen und Suchterkrankungen - und vermitteln auch weiterführende ambulante und stationäre Hilfen. Selbst wenn Euer Sohn die wegschicken sollte, hättet Ihr den Kreis der Menschen, die die Situation kennen und auch im Notfall ansprechbar wären, erweitert. Vielleicht könnte das etwas entlasten.

    Alles Gute Euch!

    Natürlich nicht, und das sollst Du ja auch gar nicht. Es ist schwer, natürlich, und ich will das weder schmälern noch vergleichen...

    dass wir ihn lieben aber nichts mehr für ihn tun werden.

    Das wäre an der Stelle nicht ganz meine Formulierung. Eher: Es gibt nur noch Unterstützung wenn erstmal ER ernsthaft aktiv wird Aber das entscheidest natürlich Du.

    Liebe Foxi,

    aus meiner Sicht geht es nicht darum, härter zu werden, sondern einerseits um Deinen wichtigen Selbstschutz - denn Dir geht es nicht gut - und auch um die ernsthafte Frage, was ihm jetzt wirklich hilft. Und ja, da ist der Verstand gerade ein besserer Berater als die vielen Ängste und Sorgen, glaube ich. Deine Liebe zu Deinem Sohn und den grundsätzlichen Willen, ihn zu unterstützen, musst Du deshalb doch keinesfalls über Bord werfen.

    Mir hat eine Lehrerin in der Schulzeit meines Sohnes mal sinngemäß gesagt, ich helfe ihm nicht, wenn ich ihm alles abnehme. Klingt erstmal simpel, aber ist glaube für viele Mütter und war auch für mich wirklich schwer - die Möglichkeit des Scheiterns des Kindes in Betracht zu ziehen und trotzdem die Füße stillzuhalten, nicht alles engmaschig beobachten, nicht sofort zur Stelle sein, wenn sich ein Problem auftut, sondern aus sicherem Abstand die Kinder selbst ins Tun kommen lassen. Und es ist auf viele Situationen im späteren Leben übertragbar. Es gehört zum Groß- und Erwachsen werden dazu, Entscheidungen zu treffen und Probleme auch selbst anzugehen.

    Bei meinem suchtkranken Partner dachte ich oft, dass er irgendwo im Teenageralter hängen geblieben ist. Lebt in den Tag hinein, hat nicht gelernt, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Selbstmitleid ist sein ständiger Begleiter. Lange hab ich versucht, das auszuleichen und durch Reden und stetige Unterstützung was bei ihm zu bewegen, hab ihn ja geliebt. Konnte ich aber vergessen. Erst seit ich ihm gesagt habe, dass ich jetzt raus bin und er dran ist und sich klipp und klar und nur für sich selbst entscheiden soll, ob er weiterleben will und falls ja, auch danach handeln soll, erst seither habe ich den ganz vorsichtigen Eindruck, dass sich ein wenig was tut bei ihm. Das hab ich ihm nicht aus Härte gesagt, sondern gerade weil ich ihn mag. Und obwohl er mir wichtig ist, werde ich mich trennen, wenn er wieder rückfällig wird - aus Selbstschutz.

    Niemand wird Dir raten, Deinen Sohn weniger liebzuhaben. Aber momentan braucht es eine Art Stoppsignal an ihn und vermutlich innerlich auch an Dich selbst. Verlasse Deinen Beobachtungsposten, zerbricht Dir nicht den Kopf darüber, dass der Vermieter mitbekommt, wenn er sich Alk beschafft. Das ist wirklich sein Problem. Sieh es doch als kleine Chance - wenn das wirklich für ihn unbequem und unangenehm werden sollte, wäre es schon ein Grund, die Trinkerei zu überdenken. Ich würde ihm glaube wie schon gesagt in einem Brief nochmal alles zusammenfassen nach dem Motto "Wir lieben Dich, und genau deshalb brauchen wir im Moment Abstand, unterstützen Dich aber immer, wenn Du ins Handeln kommst und wenn wir sehen, dass Du Dir aktiv Hilfe suchst". Das finde ich nicht hart.