Guten Abend liebe Forenmitglieder,
zunächst einmal eine gute Nachricht, es geht voran. Tag 2 ist so gut wie geschafft. Tagsüber war ich auf einem Kongress, war also gut abgelenkt. Auf der Heimfahrt kamen natürlich Gedanken auf die sich nicht vermeiden lassen, aber es blieb bei den Gedanken. Mal abgesehen davon, dass ich in Behandlung bin und die Konsequenzen Alkohol zu konsumieren sehr bitter werden würden.
Alles anzeigenHerzlich willkommen im Alkoholiker-Forum, Paul_,
da hast du ja schon eine bewegt Geschichte hinter dir.
Hier tauschen sich bekennende Alkoholiker aus, die eine lebenslange Abstinenz anstreben.
Dies hast du mit deiner Vorstellung schon bestätigt.
Mit dem was du schreibst, machst du gerade einen ambulanten Entzug unter ärztlicher Betreuung und zwar seit heute.
Habe ich das richtig verstanden?
Und noch eine Frage, was hast du in den 4 Jahren Trockenheit zur Stabilisierung deiner Abstinenz getan?Viele Grüsse
Nayouk
Vielen Dank für dein Willkommen!
Du hast es richtig verstanden, der Entzug läuft ambulant. Abgesehen der zu erwartenden Nebenwirkungen die die Medikation mit sich bringt, geht es ganz gut gerade. Aber zu sagen, die Gedanken würden nicht um Alkohol kreisen, wäre gelogen. Gleichzeitig kreisen Sie aber auch um die Ereignisse der letzten Monate. Das würde ich am liebsten sofort abstellen weil es so eklig ist. Zum Glück geht das nicht, die Nummer soll mir ja auch eine Lehre sein. Wenn ich keine Lehre draus ziehen würde, wüsste ich ja was ich sofort machen würde.
Die 4 Jahre Trockenheit, gut, das ist nicht mit einem Satz zu beantworten. Es war eine Verkettung.
1. Der Schaden den ich meinem Umfeld angetan habe (Frau, Familie) und deren Reaktion. Das war so schlimm, dass ich nur einmal an diesen verhängnissvollen Tag denken musste und ich sofort Ekel for Alkohol und meinem bisherigen Werdegang verspürte. Das hielt sich über Monate und nach einer guten Weile kreisten meine Gedanken nicht mehr um Alkohol. Positiv war dann auch, dass es auf der Arbeit immer besser lief. Ich war leistungsfähiger, frischer, gesünder, ich würde sagen ich habe wieder richtig gelebt.
Wieso ich das alles aufgegeben habe? Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich mein Leben mit einem Shot Wodka aufgeben werde. Tatsächlich ging es dann Abend sehr gesittet zu, der nächste Tag machte sich jedoch das schlechte Gewissen breit. Um das zu umgehen, redete ich mir wohl ein, ich sei nicht mehr abhängig und könnte wie alle anderen Normalos auch, ab und zu ein Glas trinken. Schön wenn man sich noch selbst belügen kann. Was danach kam war ja im Grunde vorprogrammiert. Nur enwickelte sich das ganze noch ne ganze Spur heftiger.
Was mach ich diesmal anders? Mir wird zunehmend bewusst, dass das meine letzte Chance ist bevor ich wirklich alles verliere. Wirklich alles.
Alles anzeigenMoin,
ich bin Polytox und am Ende blieb der Alkohol als Droge übrig. Auch eine lange Geschichte, nur bei mir schon seit 24 Jahren beendet. Folglich bin ich auch schon ein bisschen älter. Und ziemlich direkt.
Als ich noch getrunken habe, dachte ich auch, es ist wahnsinnig wichtig, die Gründe herauszufinden.
Ich, schönes Leben, läuft im Prinzip, warum schütte ich mich zu? Vom Kopf her wusste ich das, die Gier war trotzdem da.
Es ist irgendwo die Wirkung, wegen der man trinkt. Irgendwann, lange trocken, fiel mir auf: irgendwann war es mal schön, das habe ich damit verbunden. Bewusst/unbewusst, wenn ich trinke, wird irgendwas besser. Laune, Langeweile, irgendwas. Und selbst als das schon nicht mehr stimmte, war die Erwartungshaltung immer noch da, auch wenn mir das nicht bewussst war. Im Stress bzw. in dem Loch, in das ich fiel, wenn der Stress durch war, automatisches Verhalten.
Das nächste ist, wenn ich weiss, warum ich trinke, weiss ich eben nur, warum ich trinke. Wie ich aufhöre und was ich dann stattdessen mache, weiss ich deswegen noch lange nicht.
Das dritte ist, ich musste erst mal eine Zeitlang nüchtern sein, damit meine ich, einige Monate, bis ich gemerkt habe, was ich eigentlich brauche. Was sozusagen die Basisfeelings waren, die ich befriedigen musste. Und aus langer Trockenheit kann ich Dir sagen, die Bedürfnisse ändern sich auch. Was mich heute gut drauf bringt, ist nächstes Jahr vielleicht schon wieder anders.
Und ausserdem gibt es aus meiner Sicht keinen wirklich einfachen Weg. Erst mal ist schlicht Durchhalten angesagt. Ich kenne kein Wundermittel, ausser dem, dass es einem wirklich reicht.Weitermachen.
LG LK
Hi Lebenskünstler,
da erkenne ich mich in mehr als einem Punkt wieder. Polytox, die Wirkung, die Routine, das Abschalten, das Gefühl einfach mal mit sich alleine zu sein und was für die Seele zu tun. Das waren bei mir die ursprünglichen Gründe. Das änderte sich jedoch gravierend als auch bei mir, nur noch der Alkohol eine Rolle gespielt hat. Also nicht mehr Polytox. Wirklich besoffen wurde ich ja gegen Ende auch nicht. Wenn ich mal dieses Satdium von früher erreichen wollte, hätte ich mir locker nen liter Wodka am Abend geben müssen. Aber bevor es soweit kam, hat die Sedierung das Craving übertönt und ich ging komplett voll schlafen. Kurz gesagt, gebracht hat es komplett garnichts.
Das mit den Gründen und den Bedürfnissen, gibt mir wirklich zu denken. Deine Herangehensweise klingt für mich schlüssiger als meine. Die Bedürfnisse zu erkennen, oder die Gründe zu kennen, wird mich wohl nicht weiter bringen. Zumindest nicht ans Ziel (Ziel...).
Durchhalten ist wohl das beste Mittel. Aber glaub mir, es reicht mir auch komplett damit. Ich bin wirklich durch mit diesem Leben, sofern man es überhaupt so nennen kann. Eher dem Tagesablauf von Aufwachen, Essen, Zeit vertrödeln, Langsam was trinken, Essen, weiter trinken, Einschlafen. Tag ein, Tag aus. Ne, es reicht jetzt wirklich.
Vielen Dank für eure Anworten! Tag 3 kann kommen.