Hallo Fee,
danke für deine Nachricht. Ich war anfangs völlig naiv. Es war ein Bekannter von mir, den ich schon viele Jahre kannte, wir aber nicht so viel Kontakt hatten. Dann hatte ich bemerkt, dass er ein Alkoholproblem hat. Daraufhin kam das übelste Rettersyndrom in mir durch und habe meine damalige Beziehung dafür in den Sand gesetzt.
Ich dachte, ich muss ihm (den Alkoholiker) nur zeigen, dass er nicht alleine ist, ihm nur Liebe schenken, und dann trinkt er nicht mehr. Ich dachte wirklich, dass es so einfach wäre. Nach und nach bin ich dann in diese Co-Abhängigkeitsspirale gerutscht und habe immer mehr Verantwortung für ihn übernommen. Nach ca. 1 Jahr ist er aus seiner Wohnung geflogen und ich habe ihn in meine Wohnung aufgenommen, was der größte und dümmste Fehler meines Lebens war.
Er war dann 4 Monate nüchtern (weil er kein Geld hatte und ich diese Bedingung für die Aufnahme in meine Wohnung gestellt hatte), wurde dann aber zunehmend schlecht gelaunter, vermutlich weil er nicht trinken konnte. Irgendwann hatte er dann Geld und fing an zu trinken und meine Wohnung zu ramponieren. Darauf folgte ein Rhythmus aus Trinkphasen und Trockenphasen. Ich war da schon am Ende, denn dazu kam, dass er für absolut nichts irgendeine Verantwortung übernahm wie mal einkaufen zu gehen oder Geschirr abspülen. Er saß jeden Tag den ganzen Tag vorm Computer.
Schon da hab ich gemerkt, dass ich ihn aus meiner Wohnung loswerden will, wusste aber nicht wie. Dann folgte wieder eine Trinkphase und ich hatte auch Angst vor ihm und bin dann für Wochen zu einer Freundin geflüchtet. Es gab Polizeieinsätze, er hatte also keinen Schlüssel mehr, aber hatte die Wohnungstür eingetreten und hatte so 5 Wochen lang in meiner Wohnung gehaust und sie absolut verwüstet und zerstört. Ich war absolut machtlos und hatte nur noch Angst.
Dann hat er sich selbst in die Suchtklinik eingewiesen, nachdem er mehrfach beim Klauen im Supermarkt erwischt wurde. Es folgte eine Langzeittherapie, die er jedoch nur machte, damit er ein Dach über den Kopf hat. Ich habe ihn immer in der Klinik besucht und er hat sich dann endlich eigenständig eine Wohnung gesucht. Er wurde dann frühzeitig entlassen, weil nicht therapierbar! Bis zur Schlüsselübergabe für seine Wohnung suchte er sich eine Zwischenmiete, wo er nach wenigen Tagen mithilfe der Polizei rausflog, weil er dort natürlich wieder gesoffen hat und die Bewohner Angst vor ihm hatten.
Er ist bis heute der Meinung, diese haben ihm Unrecht getan und sowieso sind alle anderen Schuld an seiner Situation. Mir hat er auch vorgeworfen, dass ich ihm in die Suchtklinik getrieben habe und ob ich mir bewusst bin, was ich ihm damit angetan habe. Bis heute unterstellt er mir emotionalen Missbrauch. Ich habe ihm bei so vielen Sachen (behördlich, finanziell usw.) geholfen, habe mehrere tausend Euro, die ich mir mühevoll als Studentin verdient habe, für ihn ausgegeben. Das ganze ging ca. 3 1/2 Jahre.
Es ist nun über ein Jahr her, dass ich ihn nicht mehr gesehen habe, aber wir haben bis vor kurzem manchmal noch telefoniert, er hat mich oft krass beleidigt (also die unterirdischsten Beleidigungen, die ihr euch vorstellen könnt). Vor ein paar Wochen habe ich ihn endlich überall blockiert.
Er hat einen Youtube Kanal, und seine Videos sind richtig krank. Bis heute bin ich die "dumme F..., die ihm ganz schlimmes angetan hat". Ich merke, wie ich emotional absolut erschöpft bin (obwohl ich seit über einem Jahr ihn nicht gesehen habe). Ist das normal, dass diese Erschöpfung erst jetzt kommt?
Der Text ist ja ziemlich lang geworden. Ich hoffe, dass das okay ist, denn ich musste mir mal alles von der Seele schreiben. Vielen Dank