Was willst du denn in einer Woche von mir hören ?
Beiträge von Disziplin
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Siehst du, da wo es pickt, da geht es lang!!! Wie du es immer so schön benennst:"hab ich da etwa einen wunden Punkt getroffen?"
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Meine Erfahrung basiert u.a. aus der jahrelangen Mitarbeit in einer großen SHG, dessen Name ich ja hier nicht nennen darf.
Diese war auch ein geschützter Raum. Und da gab es Alkoholiker in der Gruppe denen es gelang, das besagte Wort erst nach Monaten auszusprechen. Die Krankheitseinsicht war schon lange da bei denen, sonst wären sie nicht jede Woche gekommen. Man hat sie nicht weggeschickt und gesagt; komm später wieder.
Rumeiern über die Krankheit gab es da auch nicht; das wurde nicht geduldet, wie es zugegebenermaßen hier im Forum bei manchen Erstvorstellungen hier der Fall ist.
Aber hier im Forum geben zu anfangs viele ihr offenes Alkoholproblem zu, sind verunsichert und dürfen nicht rein. Komm wieder wenn du ....
Für diese Menschen plädiere ich, weil man sie nicht einfach so abtun sollte.
Das ich hier auf taube Ohren stoße, ist mir klar geworden. Hartmut redet ein Machtwort und immer die gleichen User bestätigen das. Aber es gibt noch viele andere im Forum, die sich still halten. Deren Meinung würde mich auch mal interessieren. Aber zwischen den Zeilen kann man so einiges raushören.
Was Stammtischgeplänkel angeht weiss ich nicht was gemeint ist. Ich war nie in Kneipen am Stammtisch und weiss auch nicht was da gesprochen wird. Kann ich auch nicht als Vergleich mit so einer wichtigen Sache annehmen.
Ich habe eine Meinung, welche ich vertrete und eine 16-jährige Abstinenzerfahrung und Zusammenarbeit mit nassen und trockenen Alkoholikern.
Ich will hier auch nichts aufmischen in der Gruppe, aber was ich auch schreibe, es kommen immer Einwände. Immer. Mir macht das nichts aus. Ich hab ja selbst was geleistet. Ich kann Fehler problemlos revidieren und ich kann mich anpassen was Meinungen betrifft, manche jedoch nicht.
Erfahrungen sind ok; letztendlich zählt der Mensch.
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Weil vielleicht nicht jeder Mensch gleich ist, weil es vielleicht akzeptiert werden muss. Weil es schwer ist für manche, weil sie sich schämen. Weil sie es sich nicht eingestehen wollen und können. Weil es erst mit der Zeit kommt das Wort zu akzeptieren. Nur weil ihr es "geschafft" habt, heisst das doch lange nicht, dass es andere genau so sehen. Klar haben die dann eurer Meinung hier nichts zu suchen.
Aber die Menschen die selbst einmal in solch einer Lage gewesen sind, sind meistens die schlimmsten die kritisieren. Ich komme schwer mit solchen Äußerungen zurecht, weil ich die anderen auch verstehen kann.
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In einer Entwöhnungsbehandlung, wo sich ja viele am Anfang befinden, ist das "Wort "Alkoholiker" ein wichtiger, aber nicht zwingender Begriff, weil es eben ein langwieriger Prozess ist.
Stellt man sich vor, es wird einem die die stationäre oder ambulante Behandlung verweigert, nur weil man das dieses Wort "Alkoholiker" nicht ausspricht. Wo würde das denn hinführen?
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Würdest du mir zustimmen, dass trockene Alkoholiker mitunter zu Egoisten werden können?
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Manchmal pauschalisierst du mir zu viel Hartmut. Du gehst von dir aus, kritisierst und bindest deine Worte als allgemein ein. Wenn dann andere Ansichten geschrieben werden, dann ist dir das schon auch mal egal und dann können " die sich von mir aus auch tot saufen." Fand ich daneben diesen Satz. Du kennst viele, die sich outen und damit keine Probleme haben und ich keine viele, die damit ein großes Problem haben. Wo wir wieder beim Thema jeder kennt einen .... wären.
Ich war ein Jahr trocken, als eine meiner beiden Töchter geheiratet hat. Ich hab mich nicht wohlgefühlt. Es wurde mit Sekt abgestoßen, Mama mit Wasser. Keiner hat gefragt warum. Ich bin da durchgekommen.
Wenn ich mich nicht ausreichend dazu in der Lage fühle, dann kann ich da nicht hingehen. Deine Worte.
Ja klar, die Mutter bleibt der Hochzeit fern. Bestimmte Situationen im Leben erfordern bestimmte Maßnahmen. Halbes Jahr später die Taufe meiner Enkeltochter. Das gleiche Problem.
Wir haben keine Alkoholiker in der Familie, ich war nie in Kneipen, hatte auch nie Saufkumpane oder musste meinen Freundeskreis auch nicht austauschen. Ich habe immer nur allein, heimlich und vor allem zu Hause getrunken.
Was ich damit sagen möchte, dass jedes Leben nach der Abstinenz anders ist. Klar gibt es Bausteine zur Unterstützung der Abstinenz und bei Rückfällen, aber im Leben gehts es nicht immer nach Schema F. Da muss man Kompromisse eingehen, auch wenn man trockener Alkholiker ist.
Und ein letztes noch. Ich habe hier meine Geschichte ehrlich und offen aufgeschrieben. Ich möchte bitte nicht als "Paradebeispiel" im Zusammenhang genannt werden, was passieren kann wenn man rückfällig wird oder zu spät etwas unternimmt.
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Hartmut, du bist ein alter Hase und dir glaube ich aufs Wort, dass du das sagst. Aber das macht doch keiner, der erst ein paar Monate oder ein Jahr trocken ist. Der sagt doch nicht gleich in der Öffentlichkeit "Nein Danke, ich trinke nichts, ich bin Alkoholiker."
Der ist doch noch so was von unsicher in solchen "nassen Bereichen" und ist wahrscheinlich froh ungeschoren da raus zu kommen.
Das kommt doch erst alles mit der Zeit
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Ich auch. Manchmal gerate ich aber doch rein, weil ich eine Veranstaltung im Vorfeld völlig falsch eingeschätzt habe.
Da musste ich lernen nicht zu sagen ‚Augen zu und durch‘ sondern ‚ab durch die Mitte‘. Ich gehe inzwischen einfach. Und zwar ohne große Umschweife. Das mag manchmal unhöflich sein aber so ist das dann halt.
Ich kann auch immer noch nicht sagen wann genau es mir zu viel wird. Hängt wahrscheinlich von der Tagesform ab. Wichtig ist, dass ich es spüre und dann sofort weg bin.Ganz oft ist es ja absehbar. Bestimmte Gruppen in meinem Bekanntenkreist treffen sich hauptsächlich zum gemeinsamen Trinken.Da bleibe ich konsequent fern. Da verpasse ich auch Nix, denn die Gespräche in solchen Runden sind oft erst oberflächlich und dann anstrengend. Brauch ich nicht mehr.
Ich werde inzwischen auch nicht mehr angefragt und entsprechend komisch gefunden. Um so besser. -
Eins muss ich noch fairerweise hinzufügen. Während meines langen Klinikaufenthaltes wurde ich nie herablassend von irgendeinem Arzt oder vom Klinikpersonal wegen meiner Alkoholabhängigkeit behandelt. Ich war ein Patient wie jeder andere auch. Man hat sich über jeden kleinsten Fortschritt mit mir gefreut.
Das waren wirklich Fachleute, die den Mensch so wie ich bin, hinter dem Alkohol gesehen und akzeptiert haben.
Spitzfindigkeiten sind mir erst in den Jahren begenet.
So jetzt ist aber Schluss. Ich danke euch !
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Hallo Hartmt,
intensiv angefangen zu trinken habe ich 2006. Erst Gläser, dann Flaschen. Ich hab es als Missbrauch gedeutet. 2009 zwei Bandscheibenvorfälle. Ab dann Ibufrofen täglich eingenommen und dazu weiter Alkohol täglich.
Dann hat mich meine Tochter sturzbetrunken auf der Couch gefunden und ich bin zur Entgiftung in die Klinik. Nach einer Woche hab ich den Entschluss gefasst in eine Langzeitentwöhnung zu gehen.
Dazu kam es nicht mehr. Mir ging es nach der Entgiftung plötzlich sehr schlecht. Nur noch müde, keinen Stuhlgang mehr. Mittwochs dann ins KH. Leberwerte unterirdisch und Leberpunktion. Das Ammoniak fing an ins Gehirn zu steigen. Ich wusste nicht wo ich bin, konnte nicht mehr von 10 rückwärts zählen. Ich konnte mich nur noch an eine Psychologin erinnern, die da war. Dann Koma. Alles weitere hat mein Mann für mich unterschrieben. Ich war nicht mehr zurechnungsfähhig. Dann sofort Listung und Transplantation. Max. 48 Std. kann man ohnne funktionierre Leber leben. Meine Familie war auf alles vorbereitet.
Nach 4 Wochen Koma bin ich aufgewacht und hatte eine neue Leber. Ich konnte mich nur schemenhaft erinnern. Diagnose: alkohol-toxisches Leberversagen
3 Monate Klinik, 8 Wochen Reha.um Alkhohol ging es zu dem Zeitpunkt gar nicht mehr. Keine Nachsorge, nichts.
Dann war ich zu Hause. Mir ging es besser und da stand eine halbe angefangene Flasche Wein. Und die hab ich ausgetrunken.
Mein Mann kam von der Arbeit. Um Himmels Willen was hast du gemacht? Er hat es sofort gemerkt.
Und dann habe ich sofort in der Ambulanz angerufen, den Rückfall erzählt und bin dann in die Entwöhnung.
Das war endlich das allerallerbeste was ich gemacht habe. Endlich habe ich das Thema Alkohol aufgegriffen, mich damit intensiv beschäftigt und mir selbst eingestanden; du bist Alkholiker. Selbst eine Transplantation hat dich nicht davon abgehalten weiter zu trinken.
Ich bin entlassen worden und hab von da an nie wieder einen Schluck getrunken. Mir selbst und dem neuen Organ zu liebe. In der Therapie hab ich so viel gelernt und Menschen kennengelernt, die nicht in eine liebevolle familiäre Umgebung entlassen werden.
Viele gehen nach Hause, dann kommen ersten Probleme und der Rückfall ist da.
Ich hab mir bewusst gemacht, dass ich doch eigentlich ein schönes Leben habe, dankbar sein sollte und mir ein zweites Leben geschenkt wurde.
Wie gesagt, es ist ein gebrauchtes Orrgan, welches jetzt nach 16 Jahren auch schon erste Verschleißerscheinungen zeigt. Wie lange es noch hält, weiß niemand.
Ob ich von allein aufgehört hätte, wenn dass nicht passiert wäre.
Ich glaube nicht. Es musste bei mir erst etwas ganz schlimmes passieren.
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Hallo Rene, ich muss mein ganzes Leben lang Immunsupressiva nehmen, sonst wird das Organ vom Körper abgestossen. Das wiederum führt dazu, dass das Immunsystem runtergefahren wird. Wird mir jetzt ein Zahn gezogen, muss ich die Medikamente absetzen, weil die Wundheilung dann schlecht ist. Ich muss aufpassen vor Infektionen usw.und darf keine Schmerzmittel nehmen. Bei jedem Medikament, ob Schmerzmittel o.ä. muss geschaut werden dass es nicht auf die Leber geht. Du siehst, es ist nicht einfach.
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Hallo Eternal, du musst mir nichts aufzeigen, wirklich. Ich hab die schlimmsten Folgen des Alkohols erlebt. Wie gesagt, ich war schon auf der anderen Seite. Und niemand weiss besser, dass es sich hier um "keinen Schnupfen" handelt als ich.
Ich habe eine Meinung über bestimmte Dinge, die aus meiner jahrelangen Abstinenz und Erfahrung resultieren.
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Hartmut, du kannst es nicht verstehen. Ich weiss nicht, wie ich es dir erklären soll.
Das Transplantationsthema als solches ist so kompliziert. Es gibt zu wenig Organe. Die Organe sind so was von rar. In der Sprechstunde sind transplantierte Leute und solche die auf eine Leber warten. Quittegelb und mit Wasser im Bauch. Und das nächste Mal fehlen sie, weil es keine Leber gab. Sie sind tot.
Wenn man eine Leber als Alkoholiker bekommst, dass ist wie ein 6er im Lotto. Das haftet dir dann aber ein lebenlang an. Warum haben Sie die Leber bekommen, ach wegen Alkohol. Oh na da hatten sie ein ja Glück. Es schwingt immer ein Unterton mit, immer.
Vorausgegangen ist bei mir eine Autoimmunerkrankung und der Alkohol hat mir den Rest gegeben. Ich hatte akutes Leberversagen innerhalb einer Woche. Wäre es nur der Alkohol gewesen, dann weiss ich nicht.
Es liegt nicht an mir, mich ständig zu erklären. Ich muss, weil es oft notwenig ist. Ich muss Medikamente (Immunsupressiva) absetzen, wenn ich eine Zahnbehandlung habe , wenn ich eine Operation anliegt. Die Fragen sind da. Warum, wieso, weshalb. Da kann ich nicht sagen, dass geht Sie doch nichts an
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Das Wort "ich bin ein "Alkoholiker" wird hier nahezu "euphorisch" auf den Sockel gehoben. Jeder der das ausspricht, erhält einen Ritterschlag und ist drinnen in Forum. Ist zu verstehen für Frischlinge, denen zu Anfang die Augen geöffnet werden sollen, sich endlich so zu bezeichnen, um den Kampf mit dem Alkohol aufzunehmen und endlich ein absolut alkoholfreies Leben zu frühren.
Für mich ist das Wort wie ein altes Krebsgeschwür, dass an mir haftet bis ich sterbe. Es ist festgetackert als Diagnose in meinen Entlassungsbriefen an erster Stelle.
Zu jedem Facharzt, wohin ich auch gehe oder ob ich auf Kur fahre usw. , überall muss ich mich erklären. Ich muss, weill ich danach gefragt werde.
Das macht nach so vielen Jahren Nüchternheit immer wieder großen Spass zu sagen, ja ich bin Alkoholikerin. Das könnt ihr mir glauben!
Aber das ist mein Schicksal, dass hab ich mir selbst angetan und ich gebe niemandem die Schuld.
Ich werde mich zu diesem Thema nicht mehr äußern. Meine Aussagen sind eh "fragwürdig", "nebulös" und nicht zu verstehen.
Ich erwarte kein Verständnis und lese auch weiterhin mit und freu mich über jeden, der es schafft dabeizubleiben.
Die Gruppe ist so wie sie ist. Das Wort ist Gesetz. Über den Gartenzaun wird leider sehr wenig geschaut.
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