Beiträge von helianthus

    Liebe Helianthus. Das ist bitter. Und es kostet enorm Kraft, sich nicht reinziehen zu lassen. Da hilft nur Abstand. Ist leichter gesagt, im Traueralltag, der mit Trauer u viel Erledigungen gespickt ist und ist doppelt anstrengend. Ja und oft ist einfach auch das Verständnispotenzial für das Gegenüber aufgebraucht u ich muss schauen, dass ich den Rest an Verständnis für mich einsetze. Ich sende dir eine große Tüte Verständnis u Fürsorge für DICH. Liebe Grüße Simsalabim

    Danke für deine Worte. Wenn das so einfach wäre. Ich hatte den Kontakt zu ihr schon weit vor dem Kontaktabbruch zu meinem Vater komplett blockiert. Durch sein Versterben mussten wir wieder in Kontakt treten, weil es einiges zu organisieren gab. Ich habe den Kontakt trotzdem auf ein Mindestmaß beschränkt, um nur das Nötigste mit ihr zu besprechen. Und doch nutzt sie jede Gelegenheit aus. Selbst, wenn ich mit ihr gerade sachlich etwas Bürokratisches bespreche, wirft sie zwischendurch Vorwürfe oder Provokationen rein. Das macht sie nicht nur bei mir, sondern auch bei meinen Schwestern. Und auf diesem Wege erfahre ich dann auch noch davon. Sie kontaktiert Außenstehende und verbreitet dort Lügen über uns Töchter. Sie gibt meine Handynummer ungefragt an ihren Sohn weiter, der mir dann Sprachnachrichten schickt, in denen er genau die gleiche Masche abzieht wie sie selbst. Sie ist gestern Abend so ekelhaft geworden. Möchte sich das Geld, das eigentlich für die Bestattung bestimmt ist, unter den Nagel reißen. Und wir als Bestattungspflichtige müssen jetzt zusehen, wie wir das geregelt bekommen. Sie versucht, uns als Schwestern gegeneinander auszuspielen. Erzählt von schlimmen Dingen, die unser Vater über uns gesagt haben soll. Ich könnte ewig so weitermachen. Wir sind leider darauf angewiesen, das Finanzielle mit ihr geregelt zu bekommen, sonst hätte ich sie längst hinter den Mond katapultiert.

    Ich melde mich hier mit einem neuen Update. Hab schon eine Weile nicht mehr reingeschaut in meinen Thread. Aber jetzt muss ich mich doch nochmal auskotzen.

    Die Partnerin meines Vaters macht uns das Leben zur Hölle. Sie legt uns Steine in den Weg, wo es nur geht. Sie macht uns Vorwürfe bei jeder Gelegenheit. Sie verbreitet Lügen über uns, will uns schlecht dastehen lassen, sich selbst empor heben.

    Ich wünschte, ich könnte das einfach an mir abprallen lassen. Aber ich schaffe es langsam nicht mehr.

    Hallo liebe Seelenwind,

    ich verstehe dich total und kann mich gut wiederfinden in dem, was du berichtest. Ich bin 32 Jahre alt und mit einem alkoholabhängigen Vater aufgewachsen. Meine ganze Kindheit und Jugend war stark davon geprägt und die Wunden, die das alles hinterlassen hat, begleiten mich bis heute. Vor rund einem Jahr habe ich den Kontakt zu meinem Vater abgebrochen, vor drei Wochen ist er an den Folgen seiner Sucht verstorben. Obwohl es mir schwer fällt, damit nun einen Umgang zu finden, stehe ich nach wie vor hinter meiner Entscheidung, den Kontakt abzubrechen. Es war der richtige Weg für mich, für meine Gesundheit, für mein Kind und für meine kleine Familie. Das, was ich mit ihm mein Leben lang durchmachen musste, war einfach zu viel, um es noch länger tragen zu können. Wenn du magst, können wir uns gern austauschen 🫂

    Ich habe auf mein Bauchgefühl gehört. Eure Beiträge haben mich darin bestärkt. Also habe ich mich gestern Abend dazu entschieden, dass ich meinen Papa noch ein Mal sehen will. Leider hat sich dann heute Morgen herausgestellt, dass es wohl doch nicht möglich ist. Das hat mich sehr enttäuscht. Das Gefühl, ihn nun wirklich nie wieder persönlich sehen zu können, ist schlimm.

    Der Bestatter hat mir aber den Wunsch erfüllt, Fotos von ihm zu machen und mir zukommen zu lassen. Ich wollte diese Fotos haben, selbst wenn er vielleicht nicht mehr so gut aussehen sollte und sie sonst eher davon abgeraten hätten. Die Fotos haben mich vorhin erreicht, aber ich habe sie mir noch nicht angesehen. Das mache ich dann gemeinsam mit meinem Mann. Ich merke auf jeden Fall, dass das gute Gefühl über die Möglichkeit, ihn nochmal zu sehen, die Sorge vor dem, was ich sehen werde, überwiegt.


    Seine Partnerin hat heute wieder Kontakt zu mir aufgenommen. Wieder mit Vorwürfen. Nun wirft sie mir vor, dass mein Vater sein Enkelkind nicht sehen durfte, obwohl er 70 Tage lang trocken war. Zum Einen wusste ich damals doch nicht einmal, dass er trocken war. Wir hatten ja keinen Kontakt und mich hat niemand darüber informiert! Außerdem war für mich auch immer klar, dass ich ein Kennenlernen nicht möchte, kurz nachdem er trocken geworden ist. Da wäre es mir noch zu riskant gewesen, dass er wieder rückfällig wird. Kann natürlich immer passieren, auch nach langer Abstinenz. Aber gerade in dieser kritischen Phase wäre es mir zu riskant gewesen. Mein Kind genießt die Zeit mit Opa und plötzlich verhält er sich komisch und der Kontakt bricht wieder weg. Das wollte ich einfach nicht. Außerdem möchte sie mir nun doch alles aus deinem Leben erzählen. Sie inszeniert sich wieder als die Retterin und meint, ich hätte ja keine Ahnung wie es sei, mit einem Alkoholiker zusammen zu leben und nicht zu wissen, was einen erwartet, wenn er nach Hause kommt. Doch, meine gesamte Kindheit und Jugend war so! Und auch im Erwachsenenalter habe ich nie gewusst, wie er mir begegnet. Ich frage mich echt, was in ihrem Kopf vor sich geht.

    Das einzig Schöne ist, dass sie nochmal betont hat, wie sehr er zuletzt versucht hat, trocken zu werden. Es tröstet mich, dass er auf dem Weg war.

    Liebe Helianthus. Diese u ähnliche Fragen hatten mich auch beschäftigt.

    Z. Bsp. wusste ich nicht, was ich tun sollte, als mein SchwieVater im Sterben lag. Ich war hin u hergerissen ob ich ihn nochmal besuchen möchte oder nicht. Ich kam zu keiner Antwort. Hab dann bei einem unserer Hospize angerufen und meine Situation geschildert. Die Dame war sehr verständnisvoll u hat gemeint, meistens sind die Vorstellungen von einer Abschiedssituation schlimmer als die Realität. Danach wusste ich was ich zu tun hatte. Ich habe ihn noch ein letztes Mal besucht und es war einfach gut dass ich’s gemacht habe u wie gesagt, VIEL weniger schlimm als befürchtet.
    Bei meinem Vater hatte ich rumgezockt, ob ich ihn aufgebahrt im Sarg nochmal sehen wollte. Ich hatte dann spontan die Möglichkeit dazu. Und es war soso gut, dass ich’s gemacht habe. Er war auch kurz davor vor seiner letzten Fahrt. Und ich zutiefst beeindruckt wie er da lag und wie alles so fein u würdevoll gestaltet war, sein eingesargt sein. Ich habe es nicht bereut. Das Bild ist mir auch nicht störend in Erinnerung. Im Gegenteil, es gibt mir auch eine besondere Kraft, diesen für mich letzten Abschied noch wahrgenommen zu haben.

    Die Realität ist allermeist weniger dramatisch als das Kopfkino das in mir läuft.
    Viel Kraft u stimmige mutige Entscheidung, ob so oder so, das wünsche ich dir. 🥰

    Danke, dass du deine Erlebnisse und Erfahrungen mit mir teilst. Das finde ich total wertvoll! Und es freut mich, dass du da so gute Erfahrungen machen konntest. Ich kann die Ansicht auf jeden Fall teilen. Ich habe meine Oma und meinen Opa beim Sterben begleitet. Somit habe ich beide tot gesehen und habe großen Trost darin gefunden, mich von ihnen verabschieden zu können auf diesem Wege. Ich habe es mir immer ganz gruselig vorgestellt, das Sterben und auch, wie jemand aussieht, der tot ist. Es war überhaupt nicht so wie in meiner Vorstellung.

    Bei meinem Vater ist allerdings die Sorge, dass die Umstände ganz anders sein werden. Er ist morgen bereits drei Tage tot, er wird nur mit einem Tuch bedeckt sein oder im Leichensack liegen, er wird nicht geschminkt oder anderweitig zurechtgemacht. Ich würde ihn so sehen, wie er aus der Kühlung kommt. Und was genau mich da dann erwartet, kann ich schwer einschätzen. Es wird auf jeden Fall ganz anders sein als bei meinem Großeltern. Nicht so fein und würdevoll, als würde er einfach schlafen. Das macht mir Angst.

    Ich würde mich gerne von ihm verabschieden und hätte auch die Hoffnung, es dann endlich zu realisieren. Gleichzeitig habe ich Angst vor dem Bild, dass ich dann von ihm in meinem Kopf habe.

    Im Moment denke ich darüber nach, ob ich meinen Vater nochmal sehen will. Es wäre meine letzte Chance, ihn nochmal zu sehen. Und es könnte mir helfen, zu begreifen, dass er wirklich tot ist. Aber ich habe auch Angst vor dem, was mich erwarten würde. Er wäre nicht zurechtgemacht, nicht geschminkt, vorbereitet und aufgebahrt. Ich würde ihn so sehen, wie er jetzt aussieht. Zwei Tage in der Kühlung der Gerichtsmedizin, wenn der Bestatter ihn morgen ins Krematorium überführt. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Gleichzeitig habe ich Angst, zu bereuen, ihn nie wiedergesehen zu haben. Gerade nach dem Kontaktabbruch und der langen Zeit, in der wir uns nicht gesehen haben, fühlt es sich so unwirklich an, dass er tot sein soll.

    Ja. Ist es. Sehr verletzend. Und, so meine Erfahrung,, mit dem Trauerfall tritt man auch in eine sehr leicht verwundbare Blase ein und manches kommt auf eine Weise zutage u trifft einen mit voller Wucht.
    Viel Kraft für dich in dieser Trauerzeit.

    Da hast du Recht. Die verwundbare Blase beschreibt es sehr gut. In einer anderen Lebenslage hätte ich über ihren Aussagen einfach drüberstehen können. In der jetzigen Situation trifft es mich sehr. Vielleicht auch, weil ihre Vorwürfe etwas kritisieren, dass sich niemals wieder verändern kann.

    Hallo Helianthus,

    vertrau auf deinen Weg. Als EKA ist Abstand wirklich wichtig, sonst kreist du nur ums suchtkranke Elternteil und das tut weder dir, noch der nächsten Generation gut.

    Vielleicht ist sie süchtig, vielleicht ist sie co-abhängig, schwer zu sagen.

    Am besten auch zu ihr erst einmal Abstand halten. Vielleicht könnt ihr ja mit etwas zeitlichem Abstand nochmal das Gespräch suchen.

    Viele Grüße, Linde

    Auch dir danke für deine Worte!

    Eigentlich weiß ich ja, dass der Kontaktabbruch der richtige Weg war, sowohl für mich als auch für mein Kind und meine kleine Familie. Und vielleicht auch für meinen Vater, wenn er so mit der Zeit erkennen konnte, dass er etwas in seinem Leben verändern will. Aber das lässt sich natürlich rückblickend nicht sicher sagen.

    Süchtig ist sie auf jeden Fall. Das weiß ich aus der Vergangenheit. Ob co-abhängig, weiß ich nicht. Ich glaube, sie hat ihn in seiner Sucht immer so lange unterstützt, bis es zu sehr ausgeufert ist. Aber auch das sind nur Annahmen.

    Leider gibt es noch einige Dinge zu regeln, sodass wir zwangsläufig noch das ein oder andere Mal Kontakt zu ihr aufnehmen müssen. Ich habe noch keine Ahnung, wie das überhaupt klappen soll.

    Hallo Helianthus,

    Lass dich durch die Tiraden dieser Frau nicht verunsichert.

    Sie kann meiner Meinung nach, nicht anders reagieren. Denn sonst müsste sie sich mit sich selbst beschäftigen. So kann sie sich an euch "abarbeiten ".

    LG Morgenrot

    Danke für deine Worte! Die Sichtweise darauf hilft mir auf jeden Fall. Ich glaube, dass sie sich ohnehin nicht gut selbst reflektieren kann. Daher passt es schon irgendwie. Ich finde es nur echt krass, sowas vom Stapel zu lassen, kurz nachdem unser Vater verstorben ist. Einfach anstandslos und verletzend.

    Ich weiß gerade einfach nicht mehr weiter. Ich bin so fassungslos.

    Die Partnerin meines Vaters wirft mir - 2 Tage nach seinem Tod - nun vor, dass ich keinen Kontakt zu ihm hatte und er seinen Enkel nicht sehen konnte und gibt mir damit Schuld daran, so traurig darüber gewesen zu sein. Auch bei meiner Schwester, die selbst kaum Kontakt zu unserem Vater hatte, hat seine Partnerin sich gemeldet. Eigentlich, weil sie ihr etwas über unseren Vater erzählen wollte, über sein Leben und was alles so passiert sei in letzter Zeit. Als meine Schwester dann danach fragte, was sie denn erzählen möchte, änderte sich ihre Meinung plötzlich und sie wollte uns gar nichts mehr erzählen. Es fühlt sich manchmal an, als würde sie die Position sehr genießen, mehr zu wissen als wir und uns diese Informationen vorzuenthalten. So fand sie es auch unmöglich, dass die Kriminalpolizei uns über die Obduktion informierte. Im Gespräch mit meiner Schwester wurde sie dann wieder vorwurfsvoll und sagte, sie könne nicht verstehen, wie man so sein könne wie wir und dass wir so egoistisch seien. Meine andere Schwester war die einzige von uns, die zuletzt sporadisch den Kontakt gehalten hatte. Sie hätte es nie übers Herz gebracht, den Kontakt abzubrechen, weil sie glaubte, nur so eine gute Tochter zu sein und immer so viel Mitleid mit ihm hatte. Die Partnerin meines Vaters hat sie in höchsten Tönen gelobt, gleich nachdem sie uns so scharf kritisiert hatte. Meine Schwester sagte ihr dann, dass sie solche Vorwürfe bitte unterlassen soll. Daraufhin antwortete die Partnerin nur noch, dass sie uns nie etwas vorgeworfen hätte und ab sofort nichts mehr mit uns zu tun haben will. Ich finde das alles so furchtbar. In so einer Situation solche Sachen zu sagen. Das ist einfach unendlich verletzend!

    Es fiel mir damals so schwer, diese Entscheidung zu treffen. Aber ich habe sie getroffen, um mich und mein Kind zu schützen. Weil ich nach über 30 Jahren, in denen ich unter dem Alkoholmissbrauch, der Gewalt, den Lügen und all den anderen schweren Erlebnissen gelitten habe, einfach nicht mehr konnte. Ich habe war mein ganzes Leben lang immer für ihn da. Selbst in Angelegenheiten, die überhaupt nicht meine Aufgabe gewesen wären. Als ob ich nicht selbst traurig darüber gewesen bin, dass ein Kontakt offenbar nicht möglich ist. Ich habe vor dem Kontaktabbruch lange versucht, einen Spaziergang zu organisieren, damit er seinen Enkel mal sehen kann. Dass dieser Spaziergang nie stattgefunden hat, war seine Schuld, denn er hat mich immer wieder versetzt. Und er kannte dann auch die Bedingungen für die Wiederaufnahme des Kontakts. Ich habe ihm klar gesagt, dass er sich gerne wieder bei mir melden darf, wenn er trocken ist und dass ich mich dann freuen würde, wenn wir nochmal einen Neuanfang versuchen. Und jetzt muss ich mir so etwas vorwerfen lassen. Das tut einfach so weh.

    Es war ja schon immer sehr schwierig mit ihr. Sie ist eine sehr egozentrische und für mein Gefühl sehr manipulative Person. Egal um was es in der Vergangenheit ging oder auch heute noch geht, sie lenkt den Fokus immer wieder darauf, dass sie immer für meinen Vater da war, ihn immer verteidigt hat, immer an seiner Seite war, ihn nie im Stich gelassen hat. Manchmal fühlt es sich so an, als ob sie einen Helferkomplex hat oder eine Medaille dafür erwartet, dass sie trotz Sucht an seiner Seite war. Dazu sei zu sagen, dass sie selbst alkoholabhängig ist. Vielleicht ist es auch ein Weg für sie, von ihrer eigenen Sucht abzulenken. Als sie vielleicht gerade einmal ein Jahr lang mit ihm zusammen war, meinte sie schon, mir erzählen zu können, sie würde ihn ja viel besser kann als ich. Sie wollte mir meine Erfahrungen mit meinem Vater immer absprechen. Wenn sie mal wieder Beziehungsprobleme hatten, hat sie sich immer an mich gewandt und wollte, dass ich schlichte. Meine Grenzen hat sie nie akzeptiert. Ich habe ihr immer wieder gesagt, dass ich mit deren Beziehungsproblemen nichts zu tun haben möchte und dass sie das bitte unter sich klären sollen. Schlussendlich musste ich ihre Nummer irgendwann blockieren, weil ich sonst keine ruhige Minute mehr gehabt hätte und sie diese Grenze einfach nicht einhalten konnte. Ich könnte ewig weiter erzählen. Es war einfach immer schon schwer mit ihr.

    Leider war sie die einzige, die uns hätte erzählen können, wie sein Leben zuletzt so verlaufen ist. Ich hätte das gern gewusst.

    Entschuldigt den Roman. Das musste gerade alles raus. Ich hoffe, ihr könnt meinen Erzählungen folgen. Und danke für's Lesen!

    Ich wünsche dir, dass du irgendwann weinen kannst. Vielleicht passiert es dann, wenn du gar nicht damit rechnest. Wenn jemand geht und man noch so viel zu sagen gehabt hätte, ist das verdammt schwer. Alles Gute für dich und viel Kraft für das, was kommt.

    Lieber Gruß

    Danke dir! Als ich es erfahren habe, traf es mich wie eine Bombe und ich musste sehr weinen und war am Boden zerstört. Und dann zog sich in mir irgendwann einfach alles zu und seitdem bin ich ganz gefasst, wenn auch innerlich trotzdem voller Gefühle. Es ist ein ganz komischer Zustand.

    Ja, es hätte noch viel zu sagen gegeben. Und viel zu fragen. Es tut weh, zu wissen, dass diese Dinge niemals mehr miteinander besprochen werden könnten.

    Hallo Helianthus,

    mein aufrichtiges Mitgefühl für dich und deine Familie. Es ist manchmal einfach so ungerecht, hätte doch jede Familie irgendwie ein Happy-End verdient. Ich verstehe, dass diese Fragen, ob er wusste wie sehr du ihn doch geliebt hast, dich sehr bewegen und auch, dass einem dieser plötzliche Schock einmal komplett den Emotionsstecker zieht, weil einfach alles zu viel ist. Wie du schon richtig schreibst, gibt verschiedene Arten die Trauer zu bewältigen, keine ist falsch oder besser, alles in dir darf gerade so sein, wie es ist.

    Ich hoffe, dass ihr euch dahingehend genügend Raum oder auch Nähe schaffen werdet, um es gemeinsam zu überwinden.

    Ich wünsche euch ganz viel Kraft und achte gut auf dich.

    Viele Grüße, Floralia

    Danke für deine lieben Worte, Floralia!

    Im Moment fühlt es sich sehr unangenehm an, nicht mehr weinen zu können. Ich fühle mich wie in einer Blase und habe ein Druckgefühl in mir. Ich würde gerne weinen und alles rauslassen, aber es geht einfach nicht. Ich glaube, ich kann es auch einfach noch nicht richtig begreifen. Alles fühlt sich ganz surreal an.

    Leider sind die Verhältnisse in meiner Familie alle etwas kompliziert. Auch unter uns Schwestern. Ich hoffe, dass wir irgendwie mehr zueinander finden können, um diese Zeit zu überstehen.

    Das Schmerzhafteste ist, dass meine Hoffnungen nun auch gestorben sind. Aber es tröstet mich, dass er zuletzt wirklich versucht hat, die Sucht zu besiegen.

    Liebe helianthus,

    mein herzliches Beileid zu deinem Verlust.

    Es sind sehr viele Gefühle gerade, das gehört dazu und darf sein. Alle haben ihre Berechtigung. Trauer ist so.

    Ich drück dich einfach mal, wenn du magst.

    Liebe Grüße Aurora

    Danke Aurora!

    Ja, es sind wahnsinnig viele Gefühle, die sich ständig abwechseln. Und gleichzeitig muss ich gerade so sehr funktionieren, weil ich und meine zwei Schwestern die einzigen Angehörigen sind und uns um alles kümmern müssen. Es ist einfach viel.

    Ich merke, dass ich sehr stark das Bedürfnis habe, mich sehr in die ganze Organisation reinzuhängen, weil ich das Gefühl habe, dass das jetzt meine letzte Chance ist, etwas wieder gut zu machen und ihm zu zeigen, dass er mir wichtig war. Meine Schwester hat gleichzeitig große Schwierigkeiten, mit der Situation umzugehen, und nimmt deshalb alles selbst in die Hand, lenkt sich damit vielleicht auch etwas von der Trauer ab oder bewältigt sie auf diese Weise. Ich habe das Gefühl, sie will es einfach schnell erledigt wissen. Und irgendwie bleibt dabei der Raum für gemeinsames Trauern so auf der Strecke. Wir drei hatten alle ein ganz unterschiedliches Verhältnis zu unserem Vater und jetzt, nach seinem Tod, wird es nochmal richtig deutlich. Das schmerzt sehr.

    Liebes Forum,

    ich habe hier schon lange nichts mehr geschrieben. Mein erster und letzter Beitrag war mein Vorstellungsbeitrag, in dem ich von meinem alkoholkranken Vater berichtet habe und davon, endlich den Kontaktabbruch geschafft zu haben, um mich und meine Familie zu schützen.

    Heute Mittag habe ich nun von der Partnerin meines Vaters erfahren, dass er heute Vormittag verstorben ist. Er war wohl seit Freitag in einer Entzugsklinik und wurde heute tot in seinem Zimmer aufgefunden. Er soll einfach umgekippt sein. Genaueres klärt nun die Kriminalpolizei. Man habe eine Stunde lang versucht, ihn zu reanimieren. Leider erfolglos.

    Seine Partnerin erzählte mir außerdem, wie sein Leben zuletzt so verlief. Nach einem 21-tägigen Aufenthalt in einer Entzugsklinik habe er es geschafft, 70 Tage trocken zu bleiben, bis die Sucht schließlich wieder lauter wurde. Er habe sich dann direkt um einen Platz in der Entgiftung bemüht, wollte es endlich schaffen, sei endlich bereit gewesen, auch eine Langzeittherapie zu machen. Er musste wohl 8 Wochen auf diesen Platz warten, da die Wartelisten sehr voll waren. Er bekam die klare Ansage, unbedingt seinen Pegel zu halten, um nicht in einen kalten Entzug zu rutschen. Leider hielt er diesen Pegel nicht nur, sondern überschritt ihn immer wieder enorm. Und immer wieder versuchte er zwischendurch selbst, kalt zu entziehen. Er erlitt diverse Krampfanfälle in dieser Zeit und baute immer mehr ab. Sein Körper muss sehr gelitten haben.

    Seit Freitag hatte er dann endlich den Platz. Seine Leberwerte lagen wohl bereits bei über 3000 und auch die anderen Blutwerte sollen sehr schlecht gewesen sein. Er wurde medikamentös eingestellt für die Entgiftung. Leider hatte sein Körper keine Kraft mehr, um weiter zu kämpfen.

    Ich weiß gar nicht mehr, wie ich mich fühlen soll. Ich habe mich immer gefragt, wie es sich wohl anfühlen würde, wenn er irgendwann stirbt. Weil wir so ein schwieriges Verhältnis hatten. Und jetzt fühlt es sich einfach so komisch an. Da wir keinen Kontakt hatten, ändert sich an meinem Alltag ja erstmal nichts so deutlich. Das macht es für mich sehr schwer zu begreifen, dass er wirklich tot ist. Gleichzeitig stirbt meine Hoffnung, die immer noch irgendwie da war, dass er es doch irgendwann schaffen würde und wir nochmal Kontakt haben würden. Ich bin geschockt, traurig und gefasst zur gleichen Zeit. Und zwischendurch fühle ich mich auch schlecht wegen des Kontaktabbruchs. Ich frage mich, ob er wusste, dass ich ihn trotz allem lieb hatte und ob er auf lange Sicht verstanden hat, warum ich den Kontakt damals abbrechen musste. Das letzte Mal, als ich ihn gesehen habe, ist noch gar nicht so lange her. Er lief beim Einkaufen etwas entfernt an mir vorbei. Er sah mich nicht, ich hielt Abstand, wollte den Kontakt unbedingt vermeiden. So beobachtete ich einfach, wie er in der Ferne vorbeiging. Dass ausgerechnet dies das letzte Mal gewesen sein soll, ist für mich unbegreiflich. Ausgerechnet dieser Moment, in dem ich unbedingt verhindern wollte, dass wir uns begegnen.

    Mein Vater war über 32 Jahre lang gefangen in seiner Sucht. Jetzt ist er endlich frei.

    Hallo Landliebe,

    vielen lieben Dank für deine lieben Worte. Nicht allein zu sein und auf so viel Verständnis zu stoßen, ist für mich schon unheimlich hilfreich und beruhigend!

    Vor allem dieser Kontaktabbruch jetzt kam alles andere als aus heiterem Himmel. Ich habe in schwierigen Zeiten schon häufiger den Kontakt zu meinem Vater einschlafen lassen oder konkret auf Eis gelegt. Als dann mein Kind auf die Welt kam, habe ich schlagartig gemerkt, dass ich es mir absolut nicht vorstellen kann, dass mein Vater mein Kind kennenlernt. Mein Vater ist eine schwierige Persönlichkeit, vor allem dann, wenn er viel getrunken hat. Ich habe in der Kindheit sehr unter dem Alkoholismus meines Vaters gelitten. Und tue es noch heute. Ich wollte unter keinen Umständen, dass mein Kind auch darunter leiden oder ihn so erleben muss. Ich wollte nicht, dass mein Kind mit einem problematischen, alkoholkranken Opa aufwächst. Dann lieber einen Opa weniger. Also habe ich nach der Geburt den Kontakt zur Ruhe kommen lassen. Mein Vater hatte sich eh kaum gemeldet, da war das sehr leicht. Aber vor rund zwei Wochen hat er mich dann kontaktiert, weil es ihm wohl wahnsinnig schlecht ging. Seine Partnerin, selbst alkoholkrank, hatte sich von ihm getrennt, weil sein Konsum immer mehr ausschweifte. Er hat nur geweint, hatte Suizidgedanken, wollte plötzlich etwas verändern und aufhören zu trinken. Ich hatte schon die Befürchtung, dass genauso laufen würde, wie die letzten Male, aber ich wollte ihm diese eine letzte Chance geben. Aber für mich war ganz klar: Wir können nur Kontakt haben und er kann sein Enkelkind auch nur kennenlernen, wenn er trocken und stabil ist. Er war dann in einer Klinik zur Entgiftung, war kurz darauf sehr stark delirant, es kam zu einem Vorfall und er musste mit Hilfe der Polizei auf die geschlossene Station verlegt werden. Ich hab in dieser Zeit gemerkt, wie sehr mir dieses Thema an die Substanz geht und habe bereut, ihn wieder diesen Schritt in mein Leben gemacht haben zu lassen. Und am Ende seiner Klinikzeit zeigte sich dann, was ich schon befürchtet hatte: Er war nicht bereit, die Therapie fortzuführen, wollte umgehend nach Hause, war sehr gereizt. An diesem Punkt habe ich den Kontakt dann vollständig abgebrochen. Ich habe es ihm ruhig erklärt, er hat es akzeptiert, wenn auch mit viel Verletzung und Trotz. Er hat die Klinik am Donnerstag trocken verlassen, aber ich befürchte, dass das nicht lange anhalten wird, wenn er nicht schon wieder rückfällig geworden ist. Ich schwanke dauerhaft zwischen Mitleid, Wut, Sorge und Genervtheit. Aber seit ich den Kontakt am Donnerstag wieder abgebrochen habe, habe ich von Tag zu Tag meinen Kopf wieder mehr für mich und vor allem für meine kleine Familie frei. Es wird täglich etwas leichter mit jedem Stückchen mehr Distanz zu diesen anstrengenden zwei Wochen.

    Ich war schon sehr früh sehr stark mit seiner Sucht konfrontiert, sodass mir zum Glück schon sehr lange klar ist, dass er krank ist. Das macht es mir, glaube ich, oft auch so schwer. Ich bin dann zu empathisch und habe zu viel Mitleid. Ja, ich habe noch Kontakt zu anderen Familienmitgliedern, die den Kontakt zu ihm noch aufrechterhalten. Eine meiner beiden Schwestern hat noch Kontakt zu ihm. Und ich glaube, den würde sie auch niemals abbrechen. Die andere hat den Kontakt selbst auch abgebrochen.

    Hallo Gemini,

    ich kann mir sehr gut vorstellen, wie du dich fühlst. Ich kenne diese Gedanken und Sorgen sehr gut. Mein Vater ist seit über 30 Jahren starker Alkoholiker.

    Leider musste ich lernen: wir können nichts für unsere suchtkranken Eltern tun. Wir können sie nicht retten. Wir sind nicht dafür verantwortlich, sie zu retten. Nur sie selbst können sich retten. Das einzige, was wir tun können, ist gut für uns selbst zu sorgen und auf uns aufzupassen.

    Auch, wenn es sehr schmerzhaft und schwierig ist. Ich musste schon mehrfach den Kontakt zu meinem Vater abbrechen, wenn der Alkoholkonsum mir zu krass wurde. Und gestern Abend habe ich den Kontakt nun endgültig abgebrochen. Zumindest möchte ich den Kontakt nicht, solange er nicht trocken und stabil ist.

    Deine Mutter muss trocken werden wollen. Sonst wird es nicht funktionieren. Und diese Einsicht kann leider nur aus ihrem Inneren kommen.

    Achte gut auf dich!

    Hallo helianthus,

    herzlich Willkommen bei uns.
    Ich weiß aus eigener Erfahrung wie schräg es sich anfühlt den Kontakt abzubrechen. Es wurde bei mir nicht einfacher, nur mit der Zeit anders.

    Ich wünsche dir einen hilfreichen Austausch.

    Linde

    Hallo Linde,

    vielen lieben Dank!

    Ja, es fühlt sich wirklich schräg an. Ein großes Gefühlschaos. Ich weiß, dass es für mich und meine kleine Familie die richtige Entscheidung ist und doch tut mir mein Vater Leid und ich sorge mich um ihn und stelle alles immer wieder in Frage.

    Er hat den Kontaktabbruch gezwungenermaßen akzeptiert, den Spieß aber direkt umgedreht und gesagt, dass er sich dann jetzt auch von mir entfernt und meine Nummer löscht. Und das tat er dann auch. Obwohl er sich vor 1,5 Wochen an mich gewandt hat, weil es ihm so schlecht ging, sagte er dann heute, ich solle mich nicht einmischen, es würde mich nichts angehen. Aus ihm spricht seine Verletzung und seine Sucht. Das sehe ich. Aber es tut trotzdem sehr weh.