Ich weiß gerade einfach nicht mehr weiter. Ich bin so fassungslos.
Die Partnerin meines Vaters wirft mir - 2 Tage nach seinem Tod - nun vor, dass ich keinen Kontakt zu ihm hatte und er seinen Enkel nicht sehen konnte und gibt mir damit Schuld daran, so traurig darüber gewesen zu sein. Auch bei meiner Schwester, die selbst kaum Kontakt zu unserem Vater hatte, hat seine Partnerin sich gemeldet. Eigentlich, weil sie ihr etwas über unseren Vater erzählen wollte, über sein Leben und was alles so passiert sei in letzter Zeit. Als meine Schwester dann danach fragte, was sie denn erzählen möchte, änderte sich ihre Meinung plötzlich und sie wollte uns gar nichts mehr erzählen. Es fühlt sich manchmal an, als würde sie die Position sehr genießen, mehr zu wissen als wir und uns diese Informationen vorzuenthalten. So fand sie es auch unmöglich, dass die Kriminalpolizei uns über die Obduktion informierte. Im Gespräch mit meiner Schwester wurde sie dann wieder vorwurfsvoll und sagte, sie könne nicht verstehen, wie man so sein könne wie wir und dass wir so egoistisch seien. Meine andere Schwester war die einzige von uns, die zuletzt sporadisch den Kontakt gehalten hatte. Sie hätte es nie übers Herz gebracht, den Kontakt abzubrechen, weil sie glaubte, nur so eine gute Tochter zu sein und immer so viel Mitleid mit ihm hatte. Die Partnerin meines Vaters hat sie in höchsten Tönen gelobt, gleich nachdem sie uns so scharf kritisiert hatte. Meine Schwester sagte ihr dann, dass sie solche Vorwürfe bitte unterlassen soll. Daraufhin antwortete die Partnerin nur noch, dass sie uns nie etwas vorgeworfen hätte und ab sofort nichts mehr mit uns zu tun haben will. Ich finde das alles so furchtbar. In so einer Situation solche Sachen zu sagen. Das ist einfach unendlich verletzend!
Es fiel mir damals so schwer, diese Entscheidung zu treffen. Aber ich habe sie getroffen, um mich und mein Kind zu schützen. Weil ich nach über 30 Jahren, in denen ich unter dem Alkoholmissbrauch, der Gewalt, den Lügen und all den anderen schweren Erlebnissen gelitten habe, einfach nicht mehr konnte. Ich habe war mein ganzes Leben lang immer für ihn da. Selbst in Angelegenheiten, die überhaupt nicht meine Aufgabe gewesen wären. Als ob ich nicht selbst traurig darüber gewesen bin, dass ein Kontakt offenbar nicht möglich ist. Ich habe vor dem Kontaktabbruch lange versucht, einen Spaziergang zu organisieren, damit er seinen Enkel mal sehen kann. Dass dieser Spaziergang nie stattgefunden hat, war seine Schuld, denn er hat mich immer wieder versetzt. Und er kannte dann auch die Bedingungen für die Wiederaufnahme des Kontakts. Ich habe ihm klar gesagt, dass er sich gerne wieder bei mir melden darf, wenn er trocken ist und dass ich mich dann freuen würde, wenn wir nochmal einen Neuanfang versuchen. Und jetzt muss ich mir so etwas vorwerfen lassen. Das tut einfach so weh.
Es war ja schon immer sehr schwierig mit ihr. Sie ist eine sehr egozentrische und für mein Gefühl sehr manipulative Person. Egal um was es in der Vergangenheit ging oder auch heute noch geht, sie lenkt den Fokus immer wieder darauf, dass sie immer für meinen Vater da war, ihn immer verteidigt hat, immer an seiner Seite war, ihn nie im Stich gelassen hat. Manchmal fühlt es sich so an, als ob sie einen Helferkomplex hat oder eine Medaille dafür erwartet, dass sie trotz Sucht an seiner Seite war. Dazu sei zu sagen, dass sie selbst alkoholabhängig ist. Vielleicht ist es auch ein Weg für sie, von ihrer eigenen Sucht abzulenken. Als sie vielleicht gerade einmal ein Jahr lang mit ihm zusammen war, meinte sie schon, mir erzählen zu können, sie würde ihn ja viel besser kann als ich. Sie wollte mir meine Erfahrungen mit meinem Vater immer absprechen. Wenn sie mal wieder Beziehungsprobleme hatten, hat sie sich immer an mich gewandt und wollte, dass ich schlichte. Meine Grenzen hat sie nie akzeptiert. Ich habe ihr immer wieder gesagt, dass ich mit deren Beziehungsproblemen nichts zu tun haben möchte und dass sie das bitte unter sich klären sollen. Schlussendlich musste ich ihre Nummer irgendwann blockieren, weil ich sonst keine ruhige Minute mehr gehabt hätte und sie diese Grenze einfach nicht einhalten konnte. Ich könnte ewig weiter erzählen. Es war einfach immer schon schwer mit ihr.
Leider war sie die einzige, die uns hätte erzählen können, wie sein Leben zuletzt so verlaufen ist. Ich hätte das gern gewusst.
Entschuldigt den Roman. Das musste gerade alles raus. Ich hoffe, ihr könnt meinen Erzählungen folgen. Und danke für's Lesen!