Alles anzeigenHallo Helianthus,
schön, dass du da bist!
1. Du bist nicht alleine.
2. Jedes Gefühl ist richtig und wichtig.
So ein Kontaktabbruch kommt ja nicht aus heiterem Himmel, es war dann irgendwann zu viel. So war es bei mir und meiner Mutter auch. Nun geht’s mir besser.
Lass‘ Dich nicht auf Machtspiele ein. Nummer blockieren, löschen, alte Chats löschen und tief durchatmen. Auch wenn’s schwerfällt. Bei mir ist es ähnlich auch 30+ und Babys. Für meine kleine Familie und mich ist es besser so, sich auf uns zu fokussieren.Richtig ist auch, dass du erkannt hast, dass dein Vater krank ist. Diese Suchtkrankheit ist unberechenbar. Hast du noch Kontakt zu anderen Familienmitgliedern, die noch Kontakt mit ihm haben?
Hallo Landliebe,
vielen lieben Dank für deine lieben Worte. Nicht allein zu sein und auf so viel Verständnis zu stoßen, ist für mich schon unheimlich hilfreich und beruhigend!
Vor allem dieser Kontaktabbruch jetzt kam alles andere als aus heiterem Himmel. Ich habe in schwierigen Zeiten schon häufiger den Kontakt zu meinem Vater einschlafen lassen oder konkret auf Eis gelegt. Als dann mein Kind auf die Welt kam, habe ich schlagartig gemerkt, dass ich es mir absolut nicht vorstellen kann, dass mein Vater mein Kind kennenlernt. Mein Vater ist eine schwierige Persönlichkeit, vor allem dann, wenn er viel getrunken hat. Ich habe in der Kindheit sehr unter dem Alkoholismus meines Vaters gelitten. Und tue es noch heute. Ich wollte unter keinen Umständen, dass mein Kind auch darunter leiden oder ihn so erleben muss. Ich wollte nicht, dass mein Kind mit einem problematischen, alkoholkranken Opa aufwächst. Dann lieber einen Opa weniger. Also habe ich nach der Geburt den Kontakt zur Ruhe kommen lassen. Mein Vater hatte sich eh kaum gemeldet, da war das sehr leicht. Aber vor rund zwei Wochen hat er mich dann kontaktiert, weil es ihm wohl wahnsinnig schlecht ging. Seine Partnerin, selbst alkoholkrank, hatte sich von ihm getrennt, weil sein Konsum immer mehr ausschweifte. Er hat nur geweint, hatte Suizidgedanken, wollte plötzlich etwas verändern und aufhören zu trinken. Ich hatte schon die Befürchtung, dass genauso laufen würde, wie die letzten Male, aber ich wollte ihm diese eine letzte Chance geben. Aber für mich war ganz klar: Wir können nur Kontakt haben und er kann sein Enkelkind auch nur kennenlernen, wenn er trocken und stabil ist. Er war dann in einer Klinik zur Entgiftung, war kurz darauf sehr stark delirant, es kam zu einem Vorfall und er musste mit Hilfe der Polizei auf die geschlossene Station verlegt werden. Ich hab in dieser Zeit gemerkt, wie sehr mir dieses Thema an die Substanz geht und habe bereut, ihn wieder diesen Schritt in mein Leben gemacht haben zu lassen. Und am Ende seiner Klinikzeit zeigte sich dann, was ich schon befürchtet hatte: Er war nicht bereit, die Therapie fortzuführen, wollte umgehend nach Hause, war sehr gereizt. An diesem Punkt habe ich den Kontakt dann vollständig abgebrochen. Ich habe es ihm ruhig erklärt, er hat es akzeptiert, wenn auch mit viel Verletzung und Trotz. Er hat die Klinik am Donnerstag trocken verlassen, aber ich befürchte, dass das nicht lange anhalten wird, wenn er nicht schon wieder rückfällig geworden ist. Ich schwanke dauerhaft zwischen Mitleid, Wut, Sorge und Genervtheit. Aber seit ich den Kontakt am Donnerstag wieder abgebrochen habe, habe ich von Tag zu Tag meinen Kopf wieder mehr für mich und vor allem für meine kleine Familie frei. Es wird täglich etwas leichter mit jedem Stückchen mehr Distanz zu diesen anstrengenden zwei Wochen.
Ich war schon sehr früh sehr stark mit seiner Sucht konfrontiert, sodass mir zum Glück schon sehr lange klar ist, dass er krank ist. Das macht es mir, glaube ich, oft auch so schwer. Ich bin dann zu empathisch und habe zu viel Mitleid. Ja, ich habe noch Kontakt zu anderen Familienmitgliedern, die den Kontakt zu ihm noch aufrechterhalten. Eine meiner beiden Schwestern hat noch Kontakt zu ihm. Und ich glaube, den würde sie auch niemals abbrechen. Die andere hat den Kontakt selbst auch abgebrochen.