Beiträge von E69

    Stimmt Rennschnecke. Da gebe ich dir vollumfänglich recht. War halt nur eine Frage, interessiert mich schon ein wenig, da dies ja auch bei Anfeindungen immer wieder ein Thema ist. Nach dem Motto: War ja klar, bei so einem Elternhaus. Und ja, ich hatte Geschwister, den einen älteren Bruder. Der ist aber nicht mal mehr 50 Jahre alt geworden. Blutsturz, geplatzte Varizen in der Speiseröhre. Kommt oft vor bei Alkoholikern.

    Wie seht Ihr das?

    Ich habe ja von dem möglichen "Unfall" im Gehirn gesprochen. Und das Thema Sucht als vererbte Verhaltensweise ist ja nie zur Gänze geklärt worden. OK, es wird zwar immer gesagt das dies sehr häufig in entsprechenden Haushalten vorkommt. Bei mir war das auch so ein Haushalt (Vater und älterer Bruder). Aber, ist das genetisch bedingt, oder veranlagt?

    Wie ist Eure Meinung dazu?

    Ich möchte noch einmal auf das gesagte von Kazik zurück kommen. In der Langzeitreha haben die Ärzte und Psychologen auch von dem Zeitpunkt gesprochen, an dem der, oder die Alkoholiker/in ein Möglichkeit gehabt hätten aus diesem Teufelskreis aus zu steigen. Sie alle sagten: Diesen Zeitpunkt hat es nie gegeben! Wir hätten nie eine reale Chance gehabt. Vielleicht ist es dann doch ein "Unfall" in unserem Gehirn. Die Quintessenz aus diesen Gesprächen war aber, dass wir uns nicht mit Vorwürfen belasten sollten. Was geschehen ist, ist geschehen. Man kann die Vergangenheit nicht mehr ändern, sehr wohl aber die Zukunft!

    Insgesamt warst du aber auch viele Jahre nüchtern, umso tragischer finde ich deine Leberwerte. Ich dachte immer, dass sich die Leber bei Abstinenz wieder gut erholen kann.

    Stimmt, die Leber ist in der Lage sich zu regenerieren, allerdings nur bei Schädigungen bis zu einem gewissen Punkt (kompensierte Leberzirrhose), und nur bei andauernder Abstinenz. Auch ein "Quartalssäufer wird einen Leberschaden entwickeln. Ab dem Stadium dekompensierte Leberzirrhose ist aber eine Regeneration ausgeschlossen. Bestenfalls kann man, bei Abstinenz, den Vorgang zum Stillstand bringen. Ansonsten... naja. Und um allen einmal etwas ganz deutlich zu sagen, meine Leber ist dekompensiert, und ich hatte und habe noch nie Schmerzen im Leberbereich gehabt. Also bitte nicht auf das Schmerzzeichen warten, dann ist es in der Regel zu spät (Ende nah).

    Hi E69,

    es geht bei der Reduktion oder Konzentration auf die Sucht darum, etwas wegzulassen, was nicht da ist. Es geht um das eigene Verständnis, dass die Sucht nicht mehr ist als eine Sucht. Und dass all die vorgeschobenen Gründe, Gefühlslagen, Anlässe, etc. um das eigene Trinken zu rechtfertigen, eben genau das sind vorgeschoben. Und sie sind eine geöffnete Hintertür und Gefahr für die eigene Abstinenz. Überspitzt formuliert, ich muss abstinent bleiben können, egal, ob mir der Himmel auf den Kopf fällt oder mir die Sonne aus dem Allerwertesten scheint.

    Dein Beispiel hinkt von Anfang an. Sucht ist eine Krankheit, kein Unfall. Und "Schuld" an dieser Krankheit ist die Droge Alkohol, die bei übermäßigem Konsum zur Sucht führt.

    Dein Beispiel hinkt von Anfang an. Sucht ist eine Krankheit, kein Unfall. Und "Schuld" an dieser Krankheit ist die Droge Alkohol, die bei übermäßigem Konsum zur Sucht führt.

    Stimmt, Sucht ist eine nicht heilbare Krankheit. Aber - um es mal mit deinen eigenen Worten zu sagen, ist denn eine "Krankheit" eine Ausrede? Für Krankheit kann ich ja nichts. Oder vielleicht doch?! Ich habe ja auch nicht gesagt das der Alkoholkonsum ein Unfall ist.

    Und - da widerspreche ich dir, da dies nämlich auch eine Ausrede ist, nicht der Alkohol ist schuld, sondern man selbst! Ich sprach ja auch von "SELBSTVERSCHULDET".

    OK, ich verstehe dich. Aber sieh es doch bitte nicht so verbissen. Und um dem schon einmal vorzubeugen, ich sehe Sucht auch nicht als etwas lustiges an.

    VG

    Beim ersten mal kann man eigentlich nicht von Rückfällig sprechen. Das war noch in meiner Jugendzeit. Da gab es dann immer wieder mal längere Trinkpausen, ich nenne es extra nicht Trockenphasen denn da war ich nie wirklich trocken.

    Diese Pausen waren meinem Umfeld geschuldet, Freundin. Mein Suchtgedächtnis war aber ja schon programmiert. Irgendwann wurde es dann exzessiv und ich erlitt einen Kreislaufzusammenbruch. Daraufhin dann die Erste ärztliche ambulante Entgiftung.

    Anschließend auf anraten des Arztes zur Selbsthilfegruppe. War ganz ok, wenn auch nicht wirklich mein Ding. Ich nahm dann irgendwann auch meine langjährige Freundin mit, um einmal bei den Co-Alkoholikern dabei zu sein. Ergebnis: Sie war außer sich, und wollte nie mehr etwas damit zu tun haben. Ich weiß nicht, was da vorgefallen ist. Das war dann das Ende der "Therapie". Immerhin schaffte ich es aber nahezu 10-Jahre trocken zu bleiben.

    Leider stellte ich aber in der Trockenheit fest, dass die Beziehung zu meiner Freundin nicht mehr das gleiche war. In dieser Zeit habe ich auch den Arbeitgeber gewechselt. Es kam zur Heirat. Ich wollte so meine Beziehung retten. Denn, ich liebte diese Frau, und Sie war eine echte Schönheit.

    Dann kam es jedoch zur Scheidung, von mir ausgehend, da ich keine Zukunft mehr sehen konnte. Ich begann eine neue Beziehung. Diese war sehr intensiv, kühlte sich aber durch die Krankheit (Alzheimer) Ihrer Mutter immer mehr ab.

    Nach so langer Zeit war ich der Meinung kontrolliert trinken zu können. Was für ein Blödsinn! Aus hin und wieder einem Glas wurde schnell echt viel. Ich klaute den Schnaps sogar bei Freunden.

    Ende war dann wieder eine kaputte Beziehung und ein Führerscheinverlust (MPU). Nach stationärer Entgiftung folgte eine Langzeitreha mit anschließender 1-Jähriger psychologischer Betreuung. Ging dann auch so etwa 10-Jahre gut.

    Wieder eine neue Beziehung incl. Heirat. Und wieder kam die irre Idee des kontrolliertem Trinkens . Ergebnis: Wie schon einmal gehabt! Völliger Absturz in die Krankheit (mit dem RTW in das Krankenhaus). Mehrere Krankenhausaufenthalte mit dem Ziel mich am Leben zu halten.

    Nun seit 2-Jahren wieder trocken, und permanent ärztlich überwacht. Habe ich jetzt gelernt? Ich hoffe es! Die Sucht kann verdammt stark sein, und das Gedächtnis spielt einem manchmal eine Fiktion vor. Mein Wunsch: Trocken bleiben, und noch etwas vom Leben haben, dass wünsche ich allen hier.

    P.S. Ich habe soviel Glück gehabt, meine Frau ist eine wertvolle Stütze für mich.

    Liebe Grüße

    Hallo Kazik

    Stimmt, es geht hier nicht um das Weltgeschehen, aber auch wir Alkoholiker sind nun einmal ein Teil dieses Geschehens. Es kann nicht sein, dass alles immer und immer wieder nur auf die Sucht reduziert wird. OK, am Anfang steht die Auseinandersetzung mit der Sucht, aber man muss auch als Süchtiger weiterleben können und irgendwann akzeptieren, das man es selbst in der Hand hat. Meine Bemerkung "schön saufen" sollte auch keine Ausrede sein, sondern lediglich eine Wahrnehmung aus meiner nassen Zeit. Ich sagte ja auch, dass es danach nicht besser war. Ich sehe es in etwa so, wenn ich aufgrund eines SELBSTVERSCHULDETEN Unfall (damit klar ist, das ich keine Ausreden suche)Unfalles erblinden sollte, habe ich exakt zwei Möglichkeiten. Entweder ich akzeptiere es und arbeite an mir das Beste daraus zu machen, oder aber ich wähle den Weg aus diesem Leben. Und glaube mir, ich weiß wie schwer der erste Weg ist, es ist nicht immer Kampf, und manchmal fällt es einem sogar leicht. Man muss aber achtsam bleiben und niemals aufhören an sich zu arbeiten. Mit Ausreden kommt man da nicht sehr weit, dann hat man schon verloren. Ich selbst bin dreimal Rückfällig geworden.

    Könnte man sicherlich auch so formulieren, aber ob mit der bloßen Formulierung der Abstand größer wird, oder die Sache an sich anders? Ich bin halt der Meinung, dass dies jeder persönlich für sich rausfinden muss. Es gibt da keine Patentrezepte, ebenso wenig wie eine andere Formulierung etwas an der Realität ändern könnte. Ich konnte mit Alkohol träumen und mir alles schön saufen. Aber - die Erkenntnis ist nun einmal, dass dies nichts genutzt hat, und sich eben nicht etwas geändert hätte. Apropos "ändern", Ich kenne genügend trockene Alkoholiker bei denen die Beziehung in der Trockenheit gescheitert ist. Warum? Na, weil der trockene Alkoholiker wieder sein Leben selbst bestimmen kann und in die Hand nimmt. Damit kommt so manch ein Partner nach Jahren nicht immer klar. Auch das ist eine Tatsache.

    Hallo Rennschnecke

    Ja, da hast du schon recht, ist halt eine Erinnerung. Gefährlich? Mag sein, aber Erinnerungen lassen sich nicht löschen, sie sind Narben in deinem Leben. Damit muss man als trockener Alkoholiker fertig werden. Hat ja niemand gesagt das dies einfach wäre. In der Langzeitreha gab es mal ein Spiel: Schreiben Sie auf einen Zettel auf was mit Alk doof ist. Als alle fertig waren sollten wir den Zettel umdrehen, und auf der anderen Seite schreiben was ohne Alk doof ist. Wir haben uns zunächst alle blöd angekuckt, aber der Therapeut meinte dann: Klar, dann müssen Sie nämlich die Dinge aushalten, welche in ihrem Leben geschehen. Schmerzen zum Beispiel, und das ist doch doof. Man muss sich dessen nur bewusst sein, um nicht wieder in die Alk-Falle zu tappen. Ich finde das enorm wichtig dies zu verstehen, denn der Alk löst keine Probleme. Es ist eher so wie mit der "Aufschieberitis". Wenn man dann mental soweit ist, hat man auch eine Chance trocken zu bleiben.

    Liebe Grüße

    Hallo KaDett.

    Danke für dein Interesse. Mir geht´s gut, habe leider zur Zeit (Wetterumschwung) mit Nervenschmerzen und Arthrose in den Fingern zu kämpfen. Ist aber verglichen mit den anderen Krankheiten nur "pillepapp". Blöde ist nur, das man mit der Nervensache nicht besonders schlafen kann. Aber das bin ich gewöhnt. Habe vor gut 10-Tagen festgestellt, dass ein "guter Freund" von mir ein toxischer Narzisst ist. Hat mich jahrelang nur zu seinem Nutzen ausgenutzt. Habe den Kontakt abgebrochen, und siehe da, genau so wie ein Narzisst beschrieben wird, reagiert er. Mehr Bestätigung brauche ich nicht. Habe kommende Woche wieder mal meine Routineblutuntersuchung beim Hausarzt. Ergebnisse dann 1-Woche später. Wunder erwarte ich nicht, Hauptsache es wird nicht schlimmer. Alkoholabstinenz ist für mich nicht das Thema, alleine schon weil ich noch etwas Leben möchte. Suchtdruck habe ich auch nicht. Auch wenn ich sagen muss, dass die Wahrnehmung des Weltgeschehens nicht gerade erfreulich ist. Da könnte der Alk schon helfen, sich weg zu träumen. Auf der Arbeit habe ich einen Weg gefunden, mich aus der Schusslinie zu halten. Klappt ganz gut. Mal sehen wie lange?! Grins...

    Herzliche Grüße

    Im Moment sieht es so aus, als ob ich mich dank "guter Führung" aus dem hohen Risikobereich weg bewege. Könnte nun ein hoher C2 Wert sein. Immerhin, besser als nichts! Daher ja auch die ambulante Überwachung in der Klinik um bei Verschlechterung handeln zu können. Ich bin schon so froh über kleine Erfolge. Zur Rente, tja habe ich ja schon geschrieben, Ob 45 Versicherungsjahre oder Schwerbehinderung, es bleibt immer nur bei 2-Jahren früher als die Regelaltersgrenze. In meinem Falle dann mit 64 1/2-Jahren. Erwerbsunfähigkeitsrente brauche ich erst gar nicht zu beantragen, als Pförtner oder Parkwächter geht immer. Habe auch schon einmal Pflegestufe beantragt. Ziel war Stufe 2. Raus kam nicht einmal Stufe 1. Kann mich ja noch selbstständig anziehen. Von daher, auch wieder nur Blendgranaten seitens der Politik. Habe mich aber damit ab gefunden. Ist nun mal so. Benötige auch eine Menge Medikamente. Einige davon, speziell die, welche meine Leber unterstützen (Vitamin B12 und Lactulose) muss ich selber zahlen. Übernimmt die Kassen nicht. Auch nicht bei Rentnern. So ist das nun mal in D.

    Ohne Abschläge kann ich in 2 1/2-Jahren. Normal bis 66 1/2, und mit der Schwerbehinderung halt 2-Jahre früher. Habe dann 47-Jahre gearbeitet. Erhalte dann ein im Verhältnis gute Rente (viele Rentenpunkte), aber dann noch Kranken und Pflegeversicherung und Einkommenssteuer. Macht dann keine 50% vom jetzigen Nettogehalt. Urlaubs- und Weihnachtsgeld ist dann ja auch noch futsch. Unsere Politiker sollten sich was schämen!

    Ich versuche aus diesem Mobbing für mich meine Stärke zu generieren. Aber, es tut halt weh. Geht aber auch irgendwann vorbei. Ich weiß, was ich von diesen Menschen zu halten habe.

    Was ich noch sagen möchte: Menschen die immer wieder mit dem "Totschlagargument" -trinkt schon wieder kommen, halten sich selbst für absolut Woke, Weltoffen, und grenzenlos Tolerant. Die "Gutmenschen" halt! Sie haben überhaupt keine Vorstellung davon wie weh das tut! Auf diese so hinterhältige Weise kann man Menschen auch vernichten.

    Ich versuche einmal eure Fragen zu beantworten.

    Ich bin jetzt 62-Jahre alt, Jahrgang 1963

    Zunächst einmal, ich bin, da nachweislich trocken noch auf einer Liste in Warteposition da mein Score so am Anfang ist des dritten Stadiums ist. Bauchwasser hatte ich, Varizen in der Speiseröhre sind auch vorhanden, Nervenschäden sowieso, die Leber hat selbstständig Bypässe geschaffen. Dummerweise kann sie aber dadurch nicht mehr entgiften, da der Blutfluss durch die Leber stark eingeschränkt ist. Gottseidank aber noch keine Ammoniakvergiftung im Hirn feststellbar. Daher ja auch die Überwachung durch die Klinik.

    Es sind natürlich immer wieder die gleichen Personen, dummerweise gehört aber auch mein Chef und der Betriebsrat dazu. Von daher, Betriebsräte? Pah... Betriebliches Widereingliederungsmanagement, klar Papier ist zur Doku wichtig. Haben wir gemacht, Punkt und Aus!

    Thema Strategien, ich bin sehr stabil in meiner Trockenheit, auch weil mein Körper die rote Laterne geschwenkt hat. Suchtdruck habe ich nicht. Es ist nur wie schon gesagt, schwierig in dieser Welt zurecht zu kommen. Da war der Rausch schon ein probates Mittel zum träumen.

    Ich weis auch, was ich alles erreicht habe. Sowohl beruflich, wie aber auch das Leben mit der Sucht. Denn die Sucht zu überwinden, oder ihr zu trotzen ist etwas, was die meisten Menschen in ihrem Leben nie erfahren, oder erreichen werden!

    Hallo R/no

    Meine Geschichte? Seit meiner Jugend Alkoholiker mit hin und wieder Trockenphasen. Wenn Alkohol, dann mindestens 35%ig, alles Andere war doch nur Zankerei. Ich hatte dann auch keine Ruhe bis die Flasche leer war (eine habe Flasche war schon ein Erfolg). Die Umstände entsprechend: Vater und Bruder sowie Schwägerin Alkoholiker, alle daran verstorben. Aber - Ich will es nicht auf die Umstände schieben (Familie, Druck, Trauer, usw.), ein jeder ist für sich selbst verantwortlich. Habe trotzdem etwas aus mir gemacht, Lehre, Meister, Studium. Ein Therapeut meinte mal: "Was hätte aus Ihnen werden können?!" Leider war die Sucht aber immer zu stark. Ich träumte mir dann meine Welt zurecht. Ehrlich, es ist sehr schwer für mich mit der realen Welt klar zu kommen. Dreimal Entzug (Entgiftung) und eine Langzeittherapie 4-Monate. Führerschein weg, aber dann MPU bestanden. Und meine Krankheit? Nun ja, ich selbst habe meinen Körper zerstört. Niemand sieht das, aber ich bin Schwerbehindert mit GdB 90 unbefristet. Innendrinn so ziemlich alles kaputt. Habe aber noch Glück gehabt, Gehirn ist nicht betroffen, jedenfalls noch nicht. Ach ja, Zwei Beziehungen kaputt, wegen Alkohol. Bin jetzt aber wieder verheiratet. So, das ist mein Alkoholikerleben in Kurzform.

    VG E69

    Ich habe mal mit einem Neurologen/Psychiater darüber gesprochen. Als Antwort bekam ich leider nur die Auskunft, dass diese Ängste völlig normal sind. Damit war dann Punkt und Aus. Die tollen Tabletten, welche mir von ihr als Einschlafhilfe verschrieben wurden, knallten dann auf meine Leber. Also wieder absetzen, und weitere Besuche dort unterlassen.