Beiträge von Seepandarine

    Hallo Katha,

    da seid ihr ja auch räumlich sehr nahe, du und dein Vater, das stelle ich mir nochmal schwieriger vor, dann eigene Grenzen auch gut einhalten können.

    Als ich gelesen habe, dass du dein Leben für deine Mama schon hinten angestellt hattest, ist mir schwer ums Herz geworden. Ich habe keinen guten Rat - deine Freundin hatte/hat ja schon einen sehr guten, aber wie du schreibst, es ist leichter gesagt als getan. Ich weiß auch nicht, ob ich mich damals von mir aus von meinem Vater hätte distanzieren können (Bei mir war es so, dass er den Kontakt vorübergehend abgebrochen hat - was mir rückblickend unglaublich gut getan hat. Wir waren aber auch räumlich weit getrennt und der Vater war vorher auch nicht so häufig wie bei dir und deinem Vater).

    Liebe Grüße!

    Hallo Katha,

    herzlich Willkommen :)

    Wie oft siehst du denn deinen Papa? Ich kann mir vorstellen, dass es sich für dich wie ein schlechter Film anfühlt, dass sich das Muster, das du bei deiner Mama gesehen hast, jetzt bei deinem Papa wiederholt. Gibt es noch Geschwister, mit denen du deine Sorgen teilen kannst?

    Liebe Grüße,
    Seepandarine

    Das Befreiendste der letzten Monate war für mich die Erkenntnis (also nicht vom Kopf her, der wusste das schon ewig, aber der Bauch brauchte Zeit), dass ich mich nicht den Verhaltensweisen anderer Menschen ausliefern muss. Denn das Gefühl des Ausgeliefertseins hab ich seit Kindheit an, kombiniert mit dem Gefühl, das aushalten zu müssen und nichts ändern zu können bzw zu dürfen. Ich nenne diesen Zustand mein "persönliches Grauen", in den ich mich auch jahrelang aufgrund meiner Prägung selber hinein begeben habe (da grüßt die Co- Abhängigkeit).

    Aaaaah, wenn ich das lese merke ich Sehnsucht bei mir, diesen Zustand auch erreichen zu wollen. Mein Vater ist schon einige Jahre tot (totgesoffen - harter aber passender Ausdruck), ich stehe trotzdem jetzt erst am Anfang meiner Aufarbeitung.
    Das Gefühl aushalten zu müssen...Im Freundeskreis meines Mannes wird viel Alkohol getrunken (ja, ich glaube ich habe mir das ausgesucht, was mir vertraut war...), in den letzten Jahren merkte ich, dass ich mich da zunehmend unwohler fühlte. Erst dachte ich: "Liegt halt an mir, dass ich da nicht reinpasse, mit mir stimmt etwas nicht.". Erst danach dämmerte mir langsam: "Moment mal, ich will eigentlich nicht mehr in so Kreisen unterwegs sein, in denen Saufen verherrlicht wird und normal ist. Es gibt auch Freundeskreise, in denen das nicht so ist.". Dem Kopf dämmerte es also schon, der Bauch und das Verhalten hinken noch hinterher. Wobei ich mich im letzten Jahr bei vielen Aktivitäten zurückgezogen habe, bei denen der Alk im Vordergrund steht. Dafür treffe ich mich regelmäßiger mit Freundinnen, die eine ähnliche Einstellung zu Alkohol haben wie ich.

    Danke für deine Empfehlungen zu den Podcasts - hatte in beide schon mal reingehört aber mich bisher nicht tiefer damit beschäftigt. Ein Grund, dort nochmal einzutauchen :)

    Ich finde mich in vielem wieder, was du geschrieben hast - kognitiv vieles verstehen, es aber nicht ins Fühlen bekommen (und dann werde ich ungeduldig mit mir selbst - nach dem Motto: "Ja, ich hab's ja jetzt verstanden - warum ändert sich denn nix?!"). Von außen betrachtet lebe ich mein Leben sehr erfolgreich, wenn man mein Elternhaus mit betrachtet. Vor allem was meine formalen Bildungsabschlüsse angeht. Innen drin schaut es (wie schon weiter oben geschrieben) oft anders aus.

    Darf ich fragen, ob du in Bezug auf deine Kindheit/Herkunftsfamilie in Therapie bist oder warst?

    Ich habe mich jetzt nochmal eingehener mit der Liste von Zitaten aus dem "Merkmale für ein EKA" Thread beschäftigt und das für mich zusammengefasst.

    Stark verdichtet sehe ich bei mir zwei Bereiche von Merkmalen:

    Bereich 1:
    Eine tief liegende Verunsicherung in Bezug auf mich selbst und Angst vor Bedrohung/Abwertung durch andere.
    Das führt zu Zurückhaltung meinerseits und Schwierigkeiten mit der Wut von anderen umzugehen.

    Bereich 2:
    Verantwortungsübernahme/Kontrolle


    Jetzt wo ich das nochmal so schreibe, ist es möglicherweise doch ein Gesamtbereich. Ich konnte erst nicht ganz sehen, wie die Verantwortungsübernahme/Kontrolle zu Bereich 1 passt, aber Verantwortungsübernahme und Kontrolle sind letztlich auch sehr gute Mittel, um Angst (siehe Verunsicherung und Angst vor Abwertung) nicht spüren zu müssen und damit vielleicht eine andere Strategie neben der Zurückhaltung.

    Ich frage mich in letzter Zeit öfter, ob diese Angst vor Abwertung eigentlich meine eigene Wut ist. Wut, die ich in mir nicht zulassen und spüren darf und daher auf meine Umwelt projiziere, denen also unterstelle, sie wären so wütend - was mir dann Angst macht.

    Die fehlende Wut und fehlende Emotionen wenn ich an schlimme Ereignisse aus meiner Biografie denke, finde ich bei mir auch. Manchmal bin ich wirklich am Zweifeln: "War es denn so schlimm, was ich erlebt habe?" und erkenne dann erst an der Reaktion meines Gegenübers: ja, das war definitiv keine behütete Biografie ohne Vorkommnisse. Mir fehlt Wut auf meinen Vater. Ich finde sie nicht in mir, spüre sie nicht. Ich wünsche mir immer wieder, ich könnte wütend auf ihn sein, statt ihn nur empathisch zu verstehen. Und es ist ein bisschen so, als würde ich durch diese fehlende Wut ausdrücken: "Ist schon okay wie du mit mir umgegangen bist. Ich weiß, du konntest nicht anders." Auf einer Ebene weiß ich, dass er selbst nicht rosig aufgewachsen ist, Konflikte mit seinem Vater hatte und uns Kindern nie bewusst schaden wollte. Und das, also meine Empathi und mein Verständnis, finde ich auf einer anderen Ebene ziemlich verkorkst. Und da merke ich in dem Ausdruck: Wut ist schon irgendwo da, aber ich richte sie gegen mich selber. Ich empfinde sie nicht für den Vater, der mir in besoffenen Telefonaten erzählt hat, dass es viel schlimmer ist die Ehefrau zu verlieren, als die Mutter zu verlieren, dass ich doch verstehen muss, dass er schlimmer dran ist als meine Schwester und ich (das gemeine an der Aussage: er hat die Erfahrung nie gemacht, wie es ist einen Elternteil zu verlieren. Beide Eltern von ihm leben heute noch...). Ich empfinde sie nicht, für den Vater, der in seiner einzigen stationären Rehabilitation pünktlich zum Angehörigenseminar rückfällig war, sodass ich mal wieder alleine war. Ich empfinde sie nicht, für den Vater, der nicht wie verabredet in den Kindergarten kam, sodass ich als einziges Kind ohne Elternteil bei einem Event/Ritual war (weiß nicht mehr, um was es da genau ging, nur dass ich mich geschämt habe und eine andere Mutter mich dann unter ihre Fittiche genommen hat, damit ich da nicht so verloren im kleinen Kreis stehe). Ich spüre stattdessen eine Ahnung von Traurigkeit und die tiefe Sehnsucht eines kleinen Kindes doch endlich noch von diesem Mann gesehen und angenommen zu werden...

    Ich empfinde bei mir verschobene Grenzen, auch dieses "ist das jetzt wirklich so schlimm oder muss ich mich einfach noch mehr anstrengen oder meine innere Einstellung ändern, um es passend zu machen." Ich habe da keinen inneren Kompass, wann was zu viel ist und stelle mich und mein Empfinden oft in Frage. Erst wenn mir manches von außen von jemand unabhängigen validiert wird, sozusagen die Erlaubnis erteilt wird, dass ich es schon richtig empfinde, kann ich Grenzüberschreitungen etc. sehen und auch für mich anerkennen, ziehe aber nicht unbedingt dann die nötigen Konsequenzen.

    Liebe Mel,

    danke für deine Antwort! Ich finde mich da stark wieder, mein eigenes Empfinden in Frage stellen oder auch gar nicht bemerken, dass eine Grenzüberschreitung stattfindet bzw. das Fehlverhalten beim Gegenüber liegt.

    Hatte so eine Situation auf der Arbeit, da kam ein wütender Brief mit Vorwürfen wir hätten betrogen etc. Ich bin Teamleitung und war in den Fall nicht direkt involviert. Nachträgliche Recherchen haben dann ergeben, dass wir tatsächlich unwissentlich zum Nachteil dieser Person gehandelt hatten. Ich hab mich so klein gefühlt und in mir drin war nur noch: "Ich muss mich entschuldigen, der hat ja Recht!", dass ich völlig den Ton des Schreibens übergangen habe. Erst die Reaktion meines Vorgesetztes und einer guten Freundin, die beide sinngemäß sagten: "Na, so ein Ton wie diese Person an den Tag legt, ist einfach nicht angemessen, Fehler hin oder her." hat mich da innehalten lassen. Ich habe bemerkt,dass es für mich scheinbar völlig okay ist zur Sau gemacht zu werden, wenn ich einen Fehler gemacht habe.

    Außerdem kenne ich auch diese "Normalität" von der du schreibst. Es war völlig normal, dass mein Vater quasi immer mit Bier auf seinem Sofa lag (außer vielleicht früh am Morgen). Wenn er zu viel getrunken hatte oder Frust von der Arbeit mit nachhause gebracht hatte, hat er das auch oft an meiner Mutter ausgelassen. Gestichelt, Streit gesucht, war richtig ecklig im verbalen Verhalten. Ich habe sogar ganz lange überzeugt gesagt: "Ich hatte eine schöne Kindheit und Jugend, das war halt schlagartig vorbei als meine Mutter gestorben ist" und erkenne jetzt erst, dass etwas ganz wichtiges (tiefere Bindung) in der Kindheit gefehlt hat. Nicht nur von meinem abhängigen Vater, auch von meiner Mutter, die ich (noch) nicht als klassische Co einsortieren kann, sondern eher als Mensch, der selbst so verloren war, dass sie sich oft in Fantasiewelten geflüchtet hat (Lesen, Videospiele, Fernsehen).

    Guten Morgen Pia,

    Das finde ich gut, dass du für dich klar hast, dass du dieses Verhalten nicht mehr mit ansehen willst. Das schleichend suizidale kenne ich von meinem Vater auch und das war massiv anstrengend, das mit mehr Nähe zu erleben...

    Nein, deine Frage klingt gar nicht krass für mich. Ja, ich würde schon sagen, dass durch den Tod Ruhe eingekehrt ist und dass das ein Segen für uns Angehörige war/ist. Meine Mutter war schon Jahre vor meinem Vater gestorben und so schlimm der Verlust war, war es einfacher für mich damit umzugehen. Tot bleibt tot, sie lebt nicht plötzlich einen Tag wieder und ist dann wieder tot. Mit den ersten Trinkpausen und erneutem Einsetzen des Trinkens bei meinem Vater habe ich mir viel schwerer getan, dieser Wechsel aus Hoffnung und enttäuschten Hoffnungen. Das war sehr anstrengend.

    Hallo Pia,

    ich bin auch ganz neu hier und erwachsene Tochter eines mittlerweile verstorbenen Alkoholikers.

    Das liest sich verzwickt für mich, du hast jetzt schon Zweifel. Ist es dir deinen Kontakt/Kontaktabbruch wichtig, dass dein Vater gar nichts mehr trinkt oder nur nichts mehr trinkt, wenn ihr euch seht/sprecht?

    Mein Vater ist auch nie dauerhaft vom Alkohol weggekommen, konnte es aber irgendwann (soweit ich das beurteilen konnte) respektieren, dass ich keinen Kontakt mehr wollte, wenn er getrunken hatte, also nur noch in nüchternen Phasen. Rückblickend kann ich gar nicht sicher sagen, ob er wirklich immer nüchtern war, bei einzelnen Treffen hatte ich da auch meine Zweifel, aber da war er dann lang nicht so auffällig, wie er es vor dieser Absprache war.

    Sei herzlich gegrüßt :)

    Kontaktabbruch zu meinem Vater war für mich Anfang meiner 20er Jahre ganz wichtig. Ich habe erst rückblickend gemerkt, wie groß der Druck damals war. Ich habe viel geweint, mein Körper war oft in einer Art Alarmzustand, ich habe zuhause halluziniert, dass das Telefon klingelt, bin erschrocken - es hat meist mein Vater angerufen und der war zu der Zeit in der Regel betrunken und hat sich in Selbstmitleid gesuhlt. Und ich hab es nicht geschafft einfach nicht ans Telefon zu gehen oder wieder aufzulegen, sondern habe mir brav seinen Seelenmüll angehört - geschluckt, bis ich mein Körper auf einer somatischen Ebene gesagt hat "Du schluckst jetzt nicht mehr!" (Phagophobie entwickelt).

    Der heilsame Kontaktabbruch wurde tatsächlich durch meinen Vater initiiert, das wurmt mich mal mehr, mal weniger, dass es von seiner und nicht von meiner Seite kam. Es zeigt sich daran aber gut, wie er nass drauf war. Er lebte zu der Zeit in einer soziotherapeutischen Einrichtung, bekam von seiner gesetzlichen Betreuerin ein kleines Taschengeld und war relativ regelmäßig rückfällig. Nicht lange nach so einem Rückfall schrieb er einen Brief an mich und meine jüngere Schwester. Ich war damals im Studium, mit Bafög, kleiner Halbwaisenrente und Job als studentische Hilfskraft konnte ich ganz gut leben (hatte aber auch keine großen Ansprüche). Meine Schwester war grade in der Ausbildung. Unser Vater bat uns in dem Brief um Geld, sein Taschengeld wäre so gering, dass er sich kaum etwas leisten könne. Ob meine Schwester und ich ihm nicht einen regelmäßigen Betrag zuschießen könnten. In mir gleich große Sorge, dass er das Geld nur in seine Rückfälle investiert. Mit meiner Schwester gesprochen, einen freundlich formulierten Brief zurückgeschrieben, dass wir ihn nicht finanziell unterstützen, in dem ich diese Sorgen auch geäußert habe - als Sorgen, nicht als Vorwurf. Zurück kam ein Brief, in dem sinngemäß stand: "Ist okay. Ich hatte gedacht ihr unterstützt mich. Ihr wart mal meine Töchter, aber jetzt will ich von euch nichts mehr wissen.". Mein Vater hat den Kontakt abgebrochen, weil seine beiden in der Ausbildung befindlichen Kinder ihm sein Taschengeld nicht aufstocken wollten...

    Ich weiß nicht mehr genau, wie lange der Kontaktabbruch anhielt. Vielleicht 1 Jahr. Mein Vater hat schon früher versucht wieder Kontakt herzustellen - ganz unschuldig bei mir und meinem damaligen Freund angerufen. Zum Glück war ich grade mehrere Wochen auf Praktikum in einer anderen Stadt und mein Freund hat sich geweigert meine Handynummer weiterzugeben. So konnte ich noch ein paar weitere Monate zur Ruhe kommen. Dann kam der Kontakt wieder, ich weiß gar nicht wie, vielleicht durch eine Karte zum Geburtstag oder zu Weihnachten. Es kamen wieder Telefonate und Treffen. Dieses Mal konnte ich ihm sagen, dass ich keinen Kontakt zu ihm möchte, wenn er trinkt. Soweit ich beurteilen kann, hat er das respektiert, mich zumindest nie mehr volltrunken und in seinem vollen Selbstmitleid angerufen. Immer, wenn ich ihn dann mal versucht habe anzurufen und nicht erreicht habe, wusste ich schon, dass er wahrscheinlich wieder im Rückfall war - auch daran hatte ich mich irgendwann besser gewöhnt, das Auf und Ab. Wir hatten dann bis zu seinem Tod, das waren vielleicht noch ca. 6 Jahre, oberflächlichen Kontakt. Ich habe dabei leider auch gemerkt, dass mein Vater eigentlich nur hören wollte, dass alles okay ist bei mir. Er hat sich nicht tiefer für mich oder das was ich tue interessiert (zumindest schien es mir so). Das hat mir zu dem Zeitpunkt aber nicht weiter wehgetan (oder ich habe es nicht zugelassen). Der Kontakt war so für mich in Ordnung, es war Distanz da. Diese Distanz hätte ich ohne den vorübergehenden Kontaktabbruch wahrscheinlich nicht hinbekommen. Und ich hatte sie bitter nötig.

    Hallo zusammen,

    habe mich durch den "Merkmale für ein EKA" Thread gewühlt und fleißg Zitate für mich kopiert, wo ich mich wiederfinde. Wie ich dort schon geschrieben hatte, ist für mich ein Kernmerkmal, meine Zurückhaltung. Daher habe ich mir vorhin gedacht, eine gute Leitfrage für mich könnte sein: "Was halte ich grade zurück?". Diese Frage kann ganz verschiedene Ebenen aufgreifen, zum Beispiel in einem Gespräch zurückhalten, dass ich die Sicht des Gegenübers grade nicht teile. Aber auf einer größeren Ebene z.B. auch, dass mir meine Lebenssituation bisweilen nicht zusagt, ich das aber vor mir selbst zurückhalte.

    Ich will die Tage nochmal über meine gesammelten Zitate drüber lesen und die 5 Seiten zusammenfassen/runterbrechen. Ich glaube/hoffe klar zu sehen, was es ist bzw. was ich tue, hilft mir etwas zu verändern. Oder mich im Idealfall erst mal so anzunehmen, wie ich bin.

    Ich finde mich in sehr vielem wieder, was ich hier in diesem Thread gelesen habe.

    In meinem Fall ergänze ich noch:
    Es fällt mir schwer, mit anderen auf echter Augenhöhe zu sein. Es kommt oft vor, dass ich insgeheim die andere Person abwerte oder aber mich selbst abwerte. Bewertung ist da also ein ganz großes Thema - meines Gegenübers und von mir selbst. Als gäbe es insgeheim ein Regelwerk, wie ich und der/die andere zu sein haben und was davon abweicht ist nicht okay.

    Wenn es eine Rolle/soziales Skript gibt, an die/das ich mich halten kann, fühle ich mich halbwegs sicher. In sozialen Kontakten, wenn es darum geht "ich" zu sein, ist große Angst da - da gibt es keine Rolle etc., an die ich mich klammern, hinter der ich mich verstecken könnte.

    In meinem Körper ist, glaube ich, viel mehr Anspannung als ich eigentlich spüre. Meine Therapeutin hat mir schon die Sichtweise angeboten, dass das früher als Kind wichtig war, diese Anspannung nicht zu spüren, mich da eher taub zu machen oder davon abzuschneiden, um so gut wie möglich durch meine Kindheit kommen zu können. So viel Energie, die ich zurückhalte.

    Ja, wenn ich es jetzt grade auf ein Wort reduzieren müsste, was mein Aufwachsen in meiner Familie mit mir gemacht hat bzw. bei mir Hinterlassen hat, dann ist das:
    Zurückhaltung.

    Guten Nachmittag,

    ich merke grade wieder meine Hemmung/Unsicherheit, wie ich jetzt hier genau anfange, was ich schreibe, berichte, etc. Vor dem Hintergrund einer diffusen Angst es falsch zu machen und ... andere Forenmitglieder damit zu verärgern. Damit bin ich auch bei einem Kernmerkmal, das ich auf mein Aufwachsen in einer alkoholabhängigen Familie zurückführe. Ein diffuses Gefühl anderen "unterlegen" zu sein und vieles zu tun, damit ich keinen Ärger/Wut auf mich ziehe.

    Ein Schnupfen inklusive positivem Corona-Test schafft mir jetzt heute Nachmittag unerwartet Zeit, etwas durchs Forum zu stöbern. Ein großes Verantwortungsbewusstsein und gleichzeitig Kontrollbedürfnis kenne ich auch schon sehr lange von mir - ohne den positiven Test hätte ich es mir heute wahrscheinlich nicht zugestanden mich krankzumelden, auch wenn ich merke, dass es mir nicht ganz gut geht. Dann kommt aber gleich die Selbstüberprüfung: "Geht es dir wirklich schlecht genug? Redest du das nicht grade schlimmer als es eigentlich ist?"

    Jetzt vergrabe ich mich mal ein bisschen im "Merkmale für ein EKA" Thread.

    Hallo zusammen,

    Ich bin erwachsene Tochter eines Alkoholikers. Mein Vater ist Anfang 2019 am Alkohol gestorben, das Thema lässt mich dennoch nicht los bzw. holt mich erst jetzt, mit Mitte/Ende 30, so richtig ein. Mein so geworden sein, wie ich bin. Mich zu fragen und anzuerkennen, wie viele meiner Charakteristiken und Eigenheiten auf das Aufwachsen in einer alkoholabhängigen Familie zurück gehen. Der Gedanke: "Ach, vielleicht bauschst du da auch einfach zu viel auf, so schlimm war es ja jetzt auch wieder nicht." Und andererseits dieses große Wiedererkennen, wenn ich mir typische Eigenschaften/Eigenheiten von EKA durchlese.

    Ich würde mich freuen, mich hier mit euch austauschen und über mich schreiben zu dürfen.