Beiträge von tysja15

    Ich glaube, das ist ein ganz ganz wichtiger Aspekt der Co Abhängigkeit, das lässt viele so lange hoffen und aushalten und bleiben. Weil sie nämlich das Gefühl brauchen, gebraucht zu werden. Und wenn dann der Mittelpunkt auf einmal weg ist, um den man so lange gekreist ist, steht man vor einer Leere, ohne Bestätigung das man gebraucht wird und muss auf einmal mit sich selbst klar kommen.

    Absolut! Es gäbe theoretisch so viele Sachen zu tun, sei es endlich mal Schränke aufräumen, Kleidung sortieren, neue Hobbys, Sport... Stattdessen scrolle ich ewig auf dem Handy, weil es mir so komisch vorkommt, plötzlich Zeit zu haben und ich gar nicht weiß, wie ich meinen Tag abseits der Arbeit strukturieren soll, wenn ich nicht auf den nächsten Anruf warte oder die nächste Fahne erschnüffle oder darüber nachdenke, ob er eventuell gerade trinkt. Ich komme mir vor wie einer dieser alten Kommissare im Krimi, die in Rente geschickt werden und dann privat ermitteln, weil sie ohne Verbrechen nichts mit sich anzufangen wissen :roll:

    Hallo Tysja, gut, dass Du das bemerkst.

    Hast Du vielleicht in der Vergangenheit schon Süchtige in Deinem engen Umfeld erlebt, dass Du da so ein Verabtwortungsgefühl entwickelst ?

    Ich bin Scheidungskind mit einer liebevollen, aber emotional total unreifen Mutter und einem emotional abwesenden Vater. Ich war gefühlt mit fünf Jahren schon erwachsener als meine beiden Eltern zusammen. :lol: Da hat sich auf jeden Fall ein übertriebenes Verantwortungsbewusstsein etabliert, das arbeite ich aber auch gerade in meiner Therapie auf. Ich dachte eigentlich, dass ich das schon gut im Griff hätte, aber seine Abhängigkeit hat mich da echt wieder eingefangen.

    Danke für eure Antworten und den Zuspruch. Ich habe seiner Mutter jetzt auch mal ganz konkret erzählt, was er so zu mir sagt, wenn er betrunken ist und ausfällig wird. Ihr gegenüber hatte er wohl nur erzählt, er wäre manchmal "ein bisschen blöd" zu mir. Sie war dementsprechend schockiert und hat das Zusammenziehen auch nicht mehr erwähnt.

    Und ja, ihr habt recht. Wenn ich jetzt zurückblicke, hat er tatsächlich irgendwie nach einem Weg gesucht, weiter trinken zu können und gleichzeitig die Beschwerden darüber von mir und aus dem Umfeld zu minimieren und uns alle zu "befrieden". Ich dachte halt, er wolle wirklich auch aufhören, das hat er ein paar Mal auch klar kommuniziert. Aber sein Verhalten zeigt leider etwas anderes.

    Es ist trotzdem schwer. Man hängt ja irgendwie drin und es fühlt sich komisch an, sich von dieser "Veranwortung", die man mitgetragen hat, loszusagen. Ich weiß gerade gar nicht, was ich mit meiner freien Zeit plötzlich anfangen soll, auch wenn das total bescheuert klingt. Da, wo die ganze Zeit die Hoffnung und die Anspannung war, ist jetzt so ein Loch in meinem Alltag...

    Ich kann einfach nicht fassen, wie er auf so einem guten Weg sein konnte und nun wieder so abgestürzt ist. Trotz Beratung, trotz Aussicht auf Besserung. Natürlich wird das Zusammenziehen nicht stattfinden. Allerdings reden jetzt seine Freunde auf mich ein, dass er sich so auf die Wohnung gefreut hat und es ihn komplett zerstören wird, wenn ich das abblase. Seine Mutter sagt, das sei sein einziger Lichtblick und ohne hätte er ja erst recht keinen Grund aufzuhören... :roll:

    Jetzt ist schon fast wieder ein halbes Jahr vergangen und ich dachte wirklich, dass vielleicht doch endlich alles gut wird.
    Im Dezember nach langen Diskussionen und Einwirkung durch seinen Freundeskreis hat mein Partner sich endlich bereit erklärt, eine Suchtberatung zu machen. Er hatte dann ab Januar dort Termine und es wurde erstmal wirklich besser. Seine Trinkabende beschränkten sich auf maximal 1-2 Mal pro Woche, er wurde nicht mehr ausfällig oder aggressiv mir gegenüber und das Ziel war bis Juni komplett abstinent zu sein, um ab dann in eine ambulante Suchttherapie und eine SHG zu kommen. Auch seine Blutwerte waren wieder im Normalbereich, seine Ärzte waren fast schon beeindruckt. Im Nachhinein war das vielleicht das Problem. Seit einigen Wochen geht es wieder bergab. Immer öfter höre ich von ihm, er habe es doch jetzt im Griff, er sei gesund, das sei alles übertrieben gewesen, er sei ja schließlich kein "Säufer unter der Brücke". Mittlerweile wurde er mir gegenüber auch bereits ein Mal wieder verbal extrem ausfallend. Er verbringt kaum noch Abende mit mir, sondern findet Gründe, warum er in seiner Wohnung übernachten will, um dann da alleine zu trinken. Ab Freitagabend ist er eigentlich das WE über kaum noch ansprechbar, weil er entweder betrunken ist oder so verkatert und abwesend, dass es unangenehm ist. Jede Minute, die er allein ist, birgt das Risiko, das er trinkt. Er fährt mittlerweile auch zu Tankstellen und kauft sich dort kleine Dosen Wodka. Von wegen er trinkt nur Bier und Wein.... Er lügt und manipuliert wieder ohne Ende, zieht meine Sorgen ins Lächerliche, es ist furchtbar.

    Ich fühle mich so unfassbar naiv und bescheuert, dass ich geglaubt habe, es würde klappen. Nach allem, was ich in den letzten Jahren gelesen und gehört habe, hätte ich es besser wissen müssen, aber ich wollte daran glauben. Jetzt bin ich wieder hier, wir wollten eigentlich in 10 Wochen zusammenziehen und ich habe keine Ahnung, was ich jetzt machen soll.

    Wir hatten heute seit ein paar Tagen das erste Mal wieder telefonisch Kontakt. Mir haben die letzten Tage unheimlich gut getan und ich habe nochmal gemerkt, wie viel Energie dieses Thema aufgefressen hat. Meine Wohnung sieht wieder ordentlich aus, ich habe mir endlich mal wieder was Leckeres gekocht und einfach genossen, kein Drama zu haben bzw., dass meine Gedanken sich nicht 24/7 um ihn und seinen Konsum drehen.
    Er meinte dann heute am Telefon, dass es ihm so Leid tue und er unsere gemeinsame Zukunft möchte, mit allem. Er wüsste, dass er allein Schuld an der Situation ist und er könne auch verstehen, wenn ich mich trenne, hoffe es aber nicht. Ich habe ihm dann eine Nachricht geschickt, in der ich explizit (vielleicht war ich da etwas zu schroff, aber ich habe einfach keine Lust mehr, um den heißen Brei zu reden) gefragt habe, wie er sich das vorstellt. Wenn wir zusammen wohnen und er kommt wieder besoffen nach Hause - was dann? Wie soll ich ihm wieder vertrauen, solange er trinkt? Wie steht es um seine Einsicht, dass er ein Alkoholproblem hat? Darauf ist er dann (mal wieder) nicht eingegangen. Nur die gleiche Leier, er ändere sich und er würde es mir so gern beweisen, aber wüsste nicht wie... Was soll man darauf noch antworten?!

    Ich bin einfach nur frustriert und war nach diesem "kurzen" Kontakt schon wieder völlig ermüdet. Ich vermisse ihn und würde mir ja wirklich wünschen, dass er sich endlich für Hilfe öffnet, aber leider wird das wohl nichts. Sollte ich den Kontakt wirklich mal längere Zeit abbrechen? Ihm vorher nochmal was mit auf den Weg geben? Nochmal das Gespräch suchen? Bin gerade wirklich ratlos.

    Guten Abend zusammen,

    ich wollte hier mal von meinen Erfahrungen berichten, auch, damit es nicht so anonym wirkt, wenn ich etwas kommentiere. Wenn es hier nicht alles doppelt und dreifach besprochen werden soll, kann das Thema auch gern wieder gelöscht werden.

    Ich bin Anfang 30 und habe meinen Partner vor vier Jahren kennengelernt. Ich hatte damals eine harte Trennung hinter mir und habe zugegebenermaßen viel gefeiert und getrunken, auch mit meinem jetzigen Partner. Diese Phase war bei mir aber irgendwann vorbei, ich machte eine Therapie, wurde wieder stabiler und schränkte meinen Alkoholkonsum massiv ein. Leider war das bei meinem Partner nicht so. Ich dachte am Anfang, dass er auch nur eine Phase habe, laut Freunden dauerte diese Phase bei unserem Kennenlernen aber schon lange an und begann nicht erst mit mir. Egal, wo wir waren, überall trank er Alkohol, auch wenn es nur ein Bier im Biergarten war. Schnell wurde ich, in meinem jetzt wieder "trockenen" Zustand, dann für ihn zur Spaßbremse. Es dauerte nicht lange bis er hin und wieder verbal aggressiv mir gegenüber wurde, wenn ich ihn auf seinen Konsum ansprach. Er pöbelte, ließ mich einfach irgendwo stehen und beschimpfte mich. Am nächsten Morgen dann Entschuldigungen und Reue. Ich verzieh ihm immer wieder, er war schließlich nüchtern ein aufmerksamer, liebevoller und toller Partner. Im Nachhinein muss ich feststellen, dass meine Co-Abhängigkeit hier schon anfing. Ich begann seinen Konsum zu überwachen, wie viel von was, ich wusste genau, welchen Blick von ihm ich wie zu deuten hatte, versuchte ihn auf Geburtstagen ins Taxi zu laden, bevor er anderen gegenüber unangenehm werden konnte und schaffte Probleme aus der Welt, damit er keinen Grund hatte, noch mehr zu trinken. Das ging drei Jahre soweit gut und es gab ja auch schöne Zeiten, auch wenn es mich Kraft gekostet hat.

    Seit Ende letzten Jahres geht es leider steil bergab. Seine verbalen Ausraster mir gegenüber sind mittlerweile die Regel, wenn er trinkt. Er trinkt an 3-4 Tagen die Woche ab 18 Uhr so viel, dass ich sein Gelalle am Telefon kaum noch verstehen kann. Er lügt und manipuliert. Wenn ich ihm sage, dass ich das Gefühl habe, er habe getrunken, nennt er mich paranoid und sagt, ich wolle ihm etwas unterstellen, um ihn loszuwerden... das alles, während einem die Fahne des Todes entgegenweht. :roll: Auch nüchtern ist er kein liebevoller Partner mehr, sondern gleichgültig, leicht reizbar, genervt und unaufmerksam. Mir gehen die Argumente aus, diese Beziehung noch weiterzuführen, auch wenn ich den Menschen, der da irgendwo in ihm steckt, sehr liebe. Ich habe mir eine gemeinsame Zukunft sehr gewünscht, kämpfe aber dafür wohl seit langem schon auf verlorenem Posten. Eine Therapie, SHG, Beratung lehnt er vehement ab. Er habe schließlich kein Problem, alle anderen hätten ein Problem mit ihm. Sein Arzt hat ihm die klare Ansage gemacht, dass seine gesundheitlichen Probleme chronisch werden, wenn er nicht sofort aufhört, zu trinken. Auch seine Freunde distanzieren sich mittlerweile von ihm. Es ändert gar nichts.
    Wir wohnen noch nicht zusammen, das war aber in Planung und mein erster Schritt ist jetzt, das auf Eis zu legen und den Kontakt langsam immer weiter zu reduzieren.

    Leider gibt es bei uns in der Nähe keine Selbsthilfegruppe für Angehörige, die zeitlich für mich passt, weshalb ich froh bin, mich hier eventuell ein bisschen austauschen zu können.

    Danke fürs Lesen und einen schönen Abend!

    Die Frage ist, ob bei dir nicht doch ein Leidensdruck da ist. Du siehst schließlich dabei zu, wie dein Mann bewusst seine Gesundheit gefährdet. Das ist doch unglaublich schmerzhaft, wenn man jemanden liebt und Angst um jemanden hat. Und was das "Heimlich trinken" angeht, hat ja schon jemand kommentiert, dass das echt ein klares Zeichen ist, dass er weiß, was falsch läuft. Wenn Angehörige Sorgen äußern und das nicht zu Einsicht führt, sondern dazu, dass man dann heimlich trinkt, ist das einfach nicht mehr ok. Ich bin überzeugt: Ein Mensch, der nur eine Phase hat, in der er "mal" zu viel trinkt und der dann von seinen Lieben (oder einem Arzt) darauf hingewiesen wird, dass es problematisch wird, wird aufwachen und sich Hilfe suchen. Ein Süchtiger hingegen zieht sich zurück und verheimlicht.

    Mein (Noch-)Partner hat auch vor nicht allzu langer Zeit erfahren, dass seine Blutwerte schlecht sind und er eine Fettleber hat. Ansage des Arztes war ganz klar: Es ist noch nichts verloren, es kann sich regenerieren, aber nur mit Abstinenz. Das hat er dann knapp zwei Wochen durchgezogen (allerdings mit einer Laune, die ich kaum ausgehalten habe) und dann hat er wieder getrunken. Erst ein Bier, dann ein paar Tage später mehrere und jetzt sind wir wieder bei 3-4 Abstürzen pro Woche. Ich habe ihn am Anfang daran erinnert, was sein Arzt gesagt hat und ihn gebeten, endlich wenigstens Verantwortung für seine Gesundheit zu übernehmen, aber er packt es nicht.
    Das hat bei mir jetzt schlussendlich zum Trennungsbeginn geführt. Wir sind noch kinderlos und selbst wenn er es schaffen würde, aufzuhören, möchte ich nicht in ein paar Jahren (evtl. sogar dann noch mit Kleinkind) einen schwerkranken Mann zuhause, der sich dieses Leid "selbst" zugefügt hat. Einen Schubs in die richtige Richtung, wie du es sagst, kann nur er sich geben, so furchtbar es auch ist.

    Guten Abend zusammen,

    ich war jetzt vier Jahre mit einem Alkoholiker zusammen (was mir natürlich am Anfang so nicht bewusst war) und habe nun die ersten Schritte der Trennung eingeleitet bzw. bemühe mich ebenfalls meine Co-Abhängigkeit anzugehen. Die letzten Monaten waren hart, voller Hoffnung und Enttäuschung und nun der Start in die ungewisse Zukunft. Ich freue mich auf Erfahrungsberichte und Austausch in diesem Bereich.

    Viele Grüße