Guten Abend zusammen,
ich wollte hier mal von meinen Erfahrungen berichten, auch, damit es nicht so anonym wirkt, wenn ich etwas kommentiere. Wenn es hier nicht alles doppelt und dreifach besprochen werden soll, kann das Thema auch gern wieder gelöscht werden.
Ich bin Anfang 30 und habe meinen Partner vor vier Jahren kennengelernt. Ich hatte damals eine harte Trennung hinter mir und habe zugegebenermaßen viel gefeiert und getrunken, auch mit meinem jetzigen Partner. Diese Phase war bei mir aber irgendwann vorbei, ich machte eine Therapie, wurde wieder stabiler und schränkte meinen Alkoholkonsum massiv ein. Leider war das bei meinem Partner nicht so. Ich dachte am Anfang, dass er auch nur eine Phase habe, laut Freunden dauerte diese Phase bei unserem Kennenlernen aber schon lange an und begann nicht erst mit mir. Egal, wo wir waren, überall trank er Alkohol, auch wenn es nur ein Bier im Biergarten war. Schnell wurde ich, in meinem jetzt wieder "trockenen" Zustand, dann für ihn zur Spaßbremse. Es dauerte nicht lange bis er hin und wieder verbal aggressiv mir gegenüber wurde, wenn ich ihn auf seinen Konsum ansprach. Er pöbelte, ließ mich einfach irgendwo stehen und beschimpfte mich. Am nächsten Morgen dann Entschuldigungen und Reue. Ich verzieh ihm immer wieder, er war schließlich nüchtern ein aufmerksamer, liebevoller und toller Partner. Im Nachhinein muss ich feststellen, dass meine Co-Abhängigkeit hier schon anfing. Ich begann seinen Konsum zu überwachen, wie viel von was, ich wusste genau, welchen Blick von ihm ich wie zu deuten hatte, versuchte ihn auf Geburtstagen ins Taxi zu laden, bevor er anderen gegenüber unangenehm werden konnte und schaffte Probleme aus der Welt, damit er keinen Grund hatte, noch mehr zu trinken. Das ging drei Jahre soweit gut und es gab ja auch schöne Zeiten, auch wenn es mich Kraft gekostet hat.
Seit Ende letzten Jahres geht es leider steil bergab. Seine verbalen Ausraster mir gegenüber sind mittlerweile die Regel, wenn er trinkt. Er trinkt an 3-4 Tagen die Woche ab 18 Uhr so viel, dass ich sein Gelalle am Telefon kaum noch verstehen kann. Er lügt und manipuliert. Wenn ich ihm sage, dass ich das Gefühl habe, er habe getrunken, nennt er mich paranoid und sagt, ich wolle ihm etwas unterstellen, um ihn loszuwerden... das alles, während einem die Fahne des Todes entgegenweht.
Auch nüchtern ist er kein liebevoller Partner mehr, sondern gleichgültig, leicht reizbar, genervt und unaufmerksam. Mir gehen die Argumente aus, diese Beziehung noch weiterzuführen, auch wenn ich den Menschen, der da irgendwo in ihm steckt, sehr liebe. Ich habe mir eine gemeinsame Zukunft sehr gewünscht, kämpfe aber dafür wohl seit langem schon auf verlorenem Posten. Eine Therapie, SHG, Beratung lehnt er vehement ab. Er habe schließlich kein Problem, alle anderen hätten ein Problem mit ihm. Sein Arzt hat ihm die klare Ansage gemacht, dass seine gesundheitlichen Probleme chronisch werden, wenn er nicht sofort aufhört, zu trinken. Auch seine Freunde distanzieren sich mittlerweile von ihm. Es ändert gar nichts.
Wir wohnen noch nicht zusammen, das war aber in Planung und mein erster Schritt ist jetzt, das auf Eis zu legen und den Kontakt langsam immer weiter zu reduzieren.
Leider gibt es bei uns in der Nähe keine Selbsthilfegruppe für Angehörige, die zeitlich für mich passt, weshalb ich froh bin, mich hier eventuell ein bisschen austauschen zu können.
Danke fürs Lesen und einen schönen Abend!