Ich kann ja mal ein bisschen weiterschreiben, bis ich hier freigeschaltet werde. Mein Vater trinkt vermutlich schon sein ganzes Leben, ich selbst habe erst relativ spät, mit Anfang 20, von seiner Erkrankung erfahren, da meine Eltern schon früh getrennt waren und er seinen Lebensmittelpunkt woanders hatte. Als er wieder näher in unsere Umgebung zog, begannen die harten Lehrjahre, die man als Co-abhängiges Familienmitglied durchläuft. Das ist nun auch schon wieder zwanzig Jahre her.
Seit ein paar Monaten merke ich, dass mein Vater bei seiner Alltagsgestaltung zunehmend hilfloser wirkt, es gab in diesem Jahr schon zwei alkoholbedingte Stürze. Der letzte war so gefährlich, dass ich den Notarzt rufen musste. Jetzt, wo es ihm im Rahmen der Kurzzeitpflege wieder besser zu gehen scheint, hoffe ich natürlich auf einen Sinneswandel. Ich befürchte aber, dass er -allen Beteuerungen zum Trotz, nichts mehr trinken zu wollen- irgendwann doch wieder rückfällig wird.
Ich habe bislang nie offen mit ihm über dieses Thema gesprochen, ich merke aber, dass er sich selbst immer wieder was vormacht. Er sucht dann die Flucht nach vorn und verharmlost seinen problematischen Konsum. Er habe mich ja noch nie geschlagen (Na immerhin: Danke, Papa!) oder er beschränke sich doch nur auf eine Sorte Alkohol.
Mich würde mal interessieren, ob es hier ähnlich gelagerte Fälle gibt, wo ein alkoholkrankes Familienmitglied am Scheideweg stand und sich vielleicht sogar für einen Weg der Heilung entschieden hat. Ein wenig Hoffnung hat ja noch niemandem geschadet.😉
Ich selbst merke jedenfalls, dass ich keine Kraft mehr habe, meinen Vater noch länger auf diesem Weg zu begleiten. Und mir graut vor der Vorstellung, was da noch alles auf mich zukommen könnte.