Beiträge von Somadi

    Puh, Johanna, ich sehe mich in Deiner Geschichte wieder, wenngleich mein Mann tagsüber nicht trinkt… es tut mir so leid, dass Du Dich so alleine fühlst. Aber hier bist Du nicht alleine, hier darfst Du alles schreiben, was Dir durch den Koof geht. Und Du kannst sicher sein, dass man Dich versteht. Vielleicht ist Dir das -so wie mir- ein kleiner Trost.

    Wie ist das bei Dir? Weiß Dein Umfeld von der Sucht Deines Mannes? Deine Schwester vielleicht?

    Ich drück Dich solidarisch aus der Ferne.

    Habe mir auch sowas anhören dürfen wie: ich hätte dich schon 2 mal betrügen können und hab es nicht getan & bestimmt 5 mal, ihn stört es nicht, dass ich ein lipödem Problem habe und dadurch nicht schlank bin.. er denkt wirklich, dass wären Komplimente..

    Das ist wirklich sehr gemein, Karlotti. Abgesehen von seiner Krankheit hat er wohl noch ein anderes Problem. Er ist kein netter Mensch…

    Ich verstehe aber so sehr, dass Deine Gefühle Achterbahn fahren. Mir geht’s genauso… wäre es die Geschichte eines Dritten, hätten wir einen eindeutigen Rat. Aber wenn man selbst emotional betroffen ist, ist es so schwer.

    Ich wünsche Dir alles Gute.🍀

    Ja, Ausreden, vielleicht sind es bei mir auch Ausreden. Objektiv schaffe ich alles alleine. Es sind die Emotionen, die es mir schwer machen. 15 Jahre lang gehen wir gemeinsam durchs Leben… vielleicht ist es auch Gewohnheit oder Angst vor Veränderung.

    Im Moment weiß es ch das alles nicht. Ich bin voller Gedanken, Emotionen, Ängsten. Rational bin ich gerade jedenfalls nicht.

    Und ich formuliere all diese Sache hier und jetzt zum ersten Mal. Noch nie habe ich mit jemandem darüber gesprochen. Das ist ein erster Schritt für mich, aber die Lösung habe ich damit noch nicht gefunden. Ich denke, ich brauche noch Zeit…

    Danke für Eure offenen Worte, Stef und Hartmut… Ihr habt so Recht. Wahrscheinlich liegt das Problem bei mir. Ich schaffe es im Moment einfach nicht, die Konsequenz zu ziehen. Ich bin auch ein etwas ambivalenter Mensch. Im Job kann ich sehr rational und auch knallhart sein. Im Privaten, wo die Emotionen „wohnen“, bin ich nachgiebig, weich und vielleicht einfach ein bisschen zu schwach…

    Jump!, wir haben mehrere Wohnungen in verschiedenen Städten. Das Wochenende verbringen wir (wie auch jetzt den Urlaub) auf dem Land in meiner Heimat. Während der Woche (wo wir arbeiten) habennwir zwei Wohnungen. Da kann ich mich zurückziehen. In dieser Zeit gibt es aber auch zusammen kaum Probleme, denn er muss ja auch morgens zu seiner Arbeit und kontrolliert dann seinen Konsum. Nur Abende vor freien Tagen sind kritisch. Im Frühjahr und Sommer wie gesagt eigentlich kaum, da gehen wir viel Golfen. Da steht er früh auf und ist abends oft erledigt… vielleicht hat er ja auch eine Winterdepression, die alles verschlimmert…

    Ich lese hier, dass es unterschiedliche Trinkformen gibt… ich weiß nur, dass der Asperger Autismus alles nur komplizierter macht.

    Danke, stef2303, für Deine Worte. Mir ist bewusst, dass die Krankheit jeden treffen kann, egal welchen Bildungsgrad man hat. Ich denke nur, dass jemand, der so intelligent ist wie mein Mann, vielleicht in abstinenten Phasen das Problem auf intellektueller Ebene erfassen könnte. Er ist so ein bisschen wie der von Benedict Cumberbatch gespielte Sherlock Holmes in der BBC-Serie. Ein hochfunktionaler Soziopath. Das macht den Zugang zu ihm vielleicht noch schwerer… Ich weiß es nicht…

    Wichtelmama, ich wollte ihn ja liegen lassen, aber nachdem er schon 30min laut nach mir gerufen hat, ich nicht weiterschlafen konnte, der Hund hysterisch wurde und Angst hatte, dass die Nachbarn geweckt werden und womöglich noch die Polizei rufen (was mit meiner beruflichen Stellung problematisch ist), gab ich ihm geholfen. Derartige Ausfälle sind nicht an der Tagesordnung, meist schafft er es noch selbst ins Bett… bloß wie - laut, rumpelnd, sarkastisch…

    Ich hatte auch schon mal die Schlafzimmertüre abgesperrt, aber das Theater war unerträglich…

    Danke, Jump!. Mir tut es gut zu hören, dass ich nicht alleine bin.

    Ja, ich habe auch Angst davor, dass es bei uns auch so schlimm wird. Aber ich weiß, dass er aufhören könnte, weil es im Frühjahr/Sommer oft Monate lang keine Abstürze gibt. Gut, Bier gibt es fast täglich, aber im Sommer oft auch alkoholfrei. Naja, das ist dann eben der Quartalstrinker, oder? Ändert nichts, krank ist krank. Aber in Abstinenzphasen müsste doch der rationale Zugang irgendwie da sein. Vielleicht ist er auch da, aber wird überschattet von der Scham. Oder dem Asperger Autismus. Über Gefühle kann mein Mann nur schwer bis gar nicht sprechen.

    Natürlich ist das psychische Gewalt, das ist mir klar. Ich wollte damit aber sagen, dass ich keine körperlichen Übergriffe fürchten muss, wie manch andere Frau. Es muss noch viel schlimmer sein, wenn zu der emotionalen und psychischen Beeinträchtigung noch die Angst um seine eigene körperliche Integrität hinzukommt. Angst vor meinem Partner in diesem Sinne habe ich keinesfalls. Als ich mich an der Schulter verletzt hatte, lag das daran, dass ich versucht habe, einen 1,95 großen 115kg-Mann vom Boden hochzuziehen.

    Dennoch ist es auch körperlich belastend, wenn man alle paar Tage nachts aus dem Schlaf gerissen wird, wenn der betrunkene Partner versucht, das Bett zu finden, laut schreit, immer wieder aufzustehen versucht und Radau macht. Nach solchen Nächten, die hauptsächlich Wochenende vorkommen, meldet sich gerne meine Migräne und ich leide am Folgetag auch körperlich.

    Natürlich habt Ihr alle Recht. Es ist so, wie Ihr sagt. Rein rational ist mir das alles klar. Emotional tu ich mich schwer, sehr schwer sogar…

    Im Grunde ist es genau dasselbe, das ich all den misshandelten Frauen sage, mit denen ich beruflich zu tun habe: schafft den Absprung, es wird sich so nichts ändern. Natürlich ist es etwas anderes, denn ich werde nicht misshandelt, zumindest körperlich nicht… Aber ich sehe, dass ich das, was ich immer predige, selbst nicht kann. Kopf und Gefühle gehen oft nicht zusammen.

    Manchmal fühle ich mich auch, als hätte ich auf ganzer Linie versagt…

    Vielen Dank für Eure Worte, Aurora und Soapstar.

    Mir tut es bereits gut, mit jemandem reden zu können. Ihr kennt dieses auf und ab genauso wie ich.

    Und sicherlich wisst Ihr auch, wie schwer man sich tut, wenn am nächsten Morgen der Mann zurück, in den man sich verliebt hat. Gestern war er total betrunken und unausstehlich, heute macht er Frühstück, bespielt den Hund und redet wieder ganz normal. Ohne natürlich zu erwähnen, dass gestern was aus dem Ruder lief…

    Tja, jetzt frühstücke ich halt mal…

    Lanabanana, warum tu ich mir das an?

    Hmmm, es gibt einige Gründe. Der erste ist wohl Liebe. Dann haben wir auch tolle Zeiten, Wochen und Monate ohne Ausfälle, im Sommer. Vielleicht ist auch Angst dabei, mein bisheriges Leben aufzugeben. Auch Angst um meinen Mann, der sonst alleine ist. Ich muss dazu sagen, dass er Asperger Autist ist und sozial wenig Anschluss hat.

    Ich würde mir so sehr wünschen, dass es sich ändert, dass es ständig so ist, wie im Frühjahr und Sommer, wenn wir viel Golfen. Da ist er wahrscheinlich abends so ausgepowert, dass er keinen Alkohol oder zumindest keinen übermäßigen Alkohol mehr braucht.

    Im Moment ist es aber sehr schlimm. Er trinkt nur zu Hause, funktioniert in der Arbeit und da sogar sehr gut. Im Spätsommer ist sein jüngerer Bruder bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen. Seither kommt es vermehrt zu Ausfällen. Jetzt im Weihnachtsurlaub, ohne feste Tagesstruktur ist es einfach richtig übel.

    Hallo an alle.

    Ich möchte mich gerne bei Euch vorstellen und mich vielleicht auch ein wenig ausweinen… Ich bin 46 Jahre alt, Juristin und seit 15 Jahren mit meinem Mann zusammen. Er ist auch Akademiker. Unser Leben läuft grundsätzlich gut, wir sind finanziell sehr gut gestellt, haben zwar keine Kinder, aber einen tollen Hund. Wir haben tolle Freunde, meine wunderbare Familie und gemeinsame Hobbies, wir spielen leidenschaftlich Golf. Alles wäre perfekt, wenn da nicht der Alkohol wäre.

    Faktisch trinkt mein Mann sich jeden zweiten Abend in körperöiche und geistige Ausfallerscheinungen,,, er brüllt dann rum, redet wirres Zeug, wird sarkastisch und verletzend, kann sich kaum auf den Beinen halten. Heute war er schon vor dem Weihnachtsessen betrunken. Er redete abfällig, der Hund hatte Angst vor ihm… und ich war mit den Nerven am Ende. Er packt den Hund so grob an, dass ich mit dem Kleinen aus der Wohnung geflüchtet bin. Gestern war es auch schon so. Mein Mann fällt dann ins Bett, schnarcht und weiß am nächsten Morgen von nichts mehr. Ich bin nur noch traurig, weil ich das nicht mehr schaffe. Außerdem kann ich mit niemandem darüber reden, weil ich mich so sehr schäme. Vor meinen Eltern, meiner Schwester, meinen Freunden. Ich schäme mich für ihn, weil er ein intelligenter Mensch mit Promotion und angesehenem Beruf ist. Ich schäme mich nicht dafür, dass er krank ist, sondern weil er keinen Willen zeigt, mit mir darüber zu sprechen und meine Not völlig ignoriert. Und ich schäme mich, dass mir als ebenfalls intelligenten, gesellschaftlich angesehenen, beruflich erfolgreichem und andere unterstützendem Menschen so etwas passiert. Mein Kopf sagt mir zwar, dass ich mich nicht schämen muss, aber ich tue es trotzdem.


    Nachdem mein Mann selbst(wie wohl jeder Alkoholiker) der Meinung ist, er trinke nicht übermäßig und habe das im Griff, ist jede Diskussion am nächsten Tag sinnlos. Im Gegenteil - es endet damit, dass mir unterstellt wird, ich würde die Ausfälle, bösen Worte etc. einfach erfinden. Mein Mann selbst erinnert sich ja nicht daran. Er weiß nicht mehr, dass er nachts um drei im Wohnzimmer am Boden lag und so lange brüllte, bis ich wach war. Er weiß nicht mehr, dass ich 30min brauchte, um ihn ins Bett zu bringen und auszuziehen. Er weiß nicht, dass es dieser Kraftakt war, der dazu führte, dass ich mir die Schulter verletzt habe. Er weiß nicht mehr, dass er mich beschimpft hat. Er weiß nicht , dass ich, nachdem er schon schnarchend im Bett lag, 2 Stunden weinend am Boden saß, neben mir ein verstörter Hund, der mir fürsorglich das Gesicht ableckte… er weiß das alles nicht. Und das Schlimme ist, er will es auch nicht wissen, denn -ich zitiere- er habe keine Lust auf Vorwürfe…

    Ja, das ist gerade mein Leben. Und genau so sah auch mein diesjähriger Heiligabend aus. Genauso wie letztes Jahr… dazwischen war es einige Monate besser. Im Sommer ist es immer besser. Da habe ich dann wieder Hoffnung. Bis die Tage wieder kürzer werden…

    Klar, eigentlich sollte ich mich trennen, aber es gibt auch die andere Seite. Da ist mein Mann ehrlich und kümmert sich. Wir haben auch sehr gute Zeiten. Und da ist eine tiefe Liebe. Die lässt mich nicht gehen…

    Wahrscheinlich kann man mir auch gar nicht helfen, ich könnte es ja sofort ändern… es wäre einfach, nur gehen müsste ich. Aber das will ich doch gar nicht.
    Vielleicht wollte ich gerade einfach nur mit jemandem reden, die Dinge aussprechen und formulieren, wie sie sind.
    Ich danke Euch, dass ich das hier darf.