Beiträge von jean

    Hallo!

    Hab ja am Abend um diese Uhrzeit meistens gesoffen. Das hat mich eingenebelt und lahmgelegt.

    Heute Abend fällt mir auf: Das geht mir nicht ab. Ich bin so wunderbar klar im Kopf, dass ich alles machen könnte, was mir Spaß macht... Plötzlich tun sich so viele Möglichkeiten auf...

    Statt eingenebelt herumzuliegen, kann ich jetzt, nüchtern: lesen, Musik hören, telefonieren, tanzen, spielen, hier schreiben...

    Das ist so ein Bahnhofs-, Reise und Aufbruchsgefühl jetzt, das ich als Kind schon hatte: Ich stand da und dachte: Vom Bahnhof gehen so viele Züge weg an schöne Orte, an denen ich sein möchte: nach Rom, Mailand, Moskau, Paris. Und dann fuhr ein Zug ab...

    :o Endlich hab ich eine Fahrkarte in mein neues Leben und kann einsteigen. Plötzlich gibt es viel mehr Möglichkeiten, Aktivitäten und schöne Orte im Leben, an die ich reisen kann. :)


    Stimmt, wenn das Verlangen stark wird und die alten Gewohnheiten sich melden, hilft der Gedanke an ein neues Leben. Auch jetzt. In der alten Situation mit neuem Lebensgefühl ohne Alkohol.

    Liebe Grüße von
    Jean

    Zitat von Tine

    Hallo Jean!
    Ich möchte Dir einfach nur noch einmal " Sei Stark" wünschen! Du bist auf dem besten Wege!
    In diesem Sinne!
    Tine
    PS: Denk an mich! Ich brauche diese 8 Wochen noch!!!

    Hallo Tine!
    Ich denk an Dich!!!

    Lass mich bitte wissen, wann es für Dich an die Entgiftung geht!

    Liebe Grüße von
    Jean

    Hallo Dorchen!

    Ich bin keine Therapeutin. Also antworte ich einfach mal aus dem Bauch heraus - und mehr ist es nicht.

    Ich kenn das sehr gut - ein Problem im Alkohol ertränken. Sch..... ist nur, es geht nicht weg,das Problem ist am nächsten Morgen wieder da, wie Du ja auch schreibst...

    Lösen lassen sich Probleme nur im nüchternen Zustand. Lösungen können nämlich beinhart sein und wehtun und das hält man, zumindest ich halte das nur im nüchternen Zustand aus.

    Ihr habt gemeinsam in Eurer Beziehungs-Wüste eine Fata-Morgana gebaut und dazu den Alkohol verwendet. Die Oase ist aber eine Illusion und braucht immer mehr Alkohol, um aufrechterhalten zu werden.

    Meinem Gefühl nach ist der Sündenfall in Eurer Ehe dort geschehen, wo Dein Mann Dir die Realität ausreden durfte. Das kann ich mir gut vorstellen, dass das ein Grund zum Ansaufen sein kann. Das darf er nicht, ver....... noch mal, und Du solltest das auf keinen Fall akzeptieren!

    Die Lösung Eures Eheproblemes mag nicht möglich sein oder vielleicht doch, jedenfalls lohnt es sich etwas Neues zu probieren.

    Wenn nicht Paartherapie - eine persönliche Therapie für Dich - damit Du wieder auf Deinen Füßen zu stehen kommst und für Dich eintrittst?

    Wenn Du Dich weiter gefügig und umündig säufst und Dir die Realität Deiner Wahrnehmungen ausreden lässt, tust Du Dir selber Gewalt an und Dein Mann ist Dein Komplize!

    Wie Du zu einer Entgiftung und zu einem dauerhaft abstinenten Leben kommst können andere hier Dir viel besser sagen...
    Aber sei es Dir wert für Dich einzustehen!!!!

    Liebe Grüße von
    Jean

    Hallo!

    Danke fürs Lesen meiner Wehwehchen und Eure lieben Ratschläge...

    Momentan wird mir alles, glaub ich, etwas zu schnell - zu viel.

    Werd mal nachdenken über das, was Ihr mir geschrieben habt. Vorher:

    Atem holen und mich freuen, dass ich jetzt 8 Wochen ohne Alkohol lebe...

    Ganz liebe Grüße und danke, dass Ihr mich in Eure Gemeinschaft

    aufgenommen habt

    Jean

    Zitat von Fietje

    Hallo Jean,

    ... Aber ich glaube auch, dass es für die Leute, die sowieso ein ruhiges Wesen haben und immer zu Hause gerne vorm Fernseher gebechert haben es einfacher haben, als diejenigen, die gerne Ausgegangen sind und viel Freude an Geselligkeit und Feiern hatten. aber das ist nur meine eigene Meinung.
    Ich habe für mich festgestellt, dass ich nicht zu Feiern , Discos oder ähnlichen Aktivitäten gehen darf, da ist die Gefahr für mich zu groß.
    Ich kann leider sagen, ich trinke nur aus dem Grund nicht, weil ich Todesangst davor habe, was ich im Filmriss anstelle, bzw. was mir angetan wird.
    Aber im Grunde meines Herzens würde ich alles dafür geben, wieder "normal" trinken zu können. Leider ist das so, und ich hoffe, dass es sich ändert.
    ...
    Viele Grüße, Fietje

    Hallo Fietje!

    Vielen Dank, dass Du so ehrlich antwortest. Ich fühl mich damit nicht so allein, weil ich weiß, dass Du auch Selbstmitleid kennst und den Partys nachtrauerst. :( Ich wünsch mir, dass ich Dich nicht weiter runterziehe... :? Ich wünsch mir für Dich, dass Du zufriedener wirst mit Deinem neuen Leben. Verdient hast Du es Dir weiß Gott, nachdem Du so lange die Zähne zusammengebissen hast und getan hast, was richtig ist...
    Gibts etwas, was Dich ein klein wenig aufbaut?

    Liebe Grüße von
    Jean

    Hallo!

    Vielen Dank für Eure Antworten!

    Heute gings mir besser: Ich war lange im Freien und bin auf ein Berglein getrabt. Hab den klaren Himmel bewundert, von oben ins Tal hinuntergesehen. Da hab ich keine Sekunde an das Trinken gedacht. Ich war so wunderbar mit der Welt, mit dem nächsten Schritt, mit meinem Körper beschäftigt... Es war ein Genuss; und ich habe das Gefühl, mein Körper ist viel leistungsfähiger als vor dem Entzug. Dann waren da Sonne, der Winterhimmel... Ich erlebe alles viel intensiver als vor dem Entzug.

    Ich hab was wiedergewonnen, was ich verloren hatte.

    Ich glaube, das ist ein Teil des Weges aus dem Selbstmitleid, wie ihr mir ja geraten habt: Mir was Gutes tun. Oder vielleicht: Mir Dinge zurückerobern, die einmal mir gehört haben. Das neue Leben. Manchmal sagt der Augenblick: Das neue Leben ist schöner als das alte. Dafür lohnt es sich weiterzumachen.

    Mal sehen, eine Belohnung muss heute noch drinnen sein: Ich werde mal in Ruhe eine halbe Stunde Musik hören. Das Alleinsein genießen. Als ich noch getrunken hab, war ich oft nervös. Konnte nicht allein sein. Das kann ich jetzt wieder... :)

    Andererseits: Es stimmt schon, dass ich in eine Selbstmitleidsphase gerutscht bin und dass ich gefährdet bin. Momentan denke ich oft ans Trinken. Mir ist aber klar, dass es für mich nur ein alles oder nichts gibt... Und dass ich die Hausbar in ein Bücherregal verwandelt habe war eine gute Idee. Ich würde mir gerne sagen, dass ich einfach zum normalen Trinken zurückkehren kann... War ja noch nicht so lange her, dass ich halbwegs normal mit Alkohol umgegangen bin. Aber ich spüre, dass ich mich damit selbst belüge. Es gibt nur alles oder nichts, Abstinenz oder Saufen für mich. Einfach weil ich es mir selbst angetan habe. Ich hab keine Grenzen mehr gekannt und jetzt gibt es kein Zurück.
    Wenn alle Stricke reißen, motiviert mich wenigstens, dass ich meinen Arbeitsplatz erhalten möchte, dass ich nicht zum Glas oder zur Flasche greife. Und... Aber darüber möchte ich dann nur im geschützten Bereich sprechen.

    Eure Unterstützung ist ganz, ganz wichtig für mich. Ich kann Euch gar nicht sagen wie. Was für eine Erleichterung, es nach 8 Wochen nicht mehr allein schaffen zu müssen, sondern mir helfen zu lassen.

    Liebe Grüße und vielen Dank von
    Jean

    Zitat von Lilly12

    Dein Verhalten zeigt mir aber auch, das Du das Nicht-Trinken als Verlust und Verzicht siehst. Solange das der Fall ist, wirst Du nur Trinkpausen machen. Die Vorteile des Nicht-Saufens hast Du aber schon erkannt, Deine Gedanken werden klarer etc. Vielleicht kannst Du das durch Verinnerlichung zu einem wirklich trockenem Leben machen.

    Bei mir war das etwas anders, ich verspürte nur unheimliche Erleichterung, nicht mehr trinken zu MÜSSEN, denn das war am Ende so bei mir. Ich wußte anfangs zwar noch nicht, wie ich es schaffen soll, nie wieder zu trinken, aber eins wußte ich genau: Wo ich nie wieder hin wollte.

    Du bist nun schon 8 Wochen trocken, eine sehr gute Zeit. Hast Du begonnen, Dein Umfeld zu ändern ? Hast Du begonnen, Deinen Bekanntschaftskreis zu sondieren, wer da noch dazugehören kann und wer nicht ?
    Das sind alles wichtige Dinge, die man einfach machen muss, auch wenn man es erst vielleicht nicht versteht, es ist trotzdem sehr wichtig.

    Wie füllst Du nun Deine Zeit, die Du früher mit Saufen verbracht hast ? Die will doch nun gefüllt werden.
    Ich denke, man wird unzufrieden, wenn man nur Nicht-mehr-trinkt. Auch andere Veränderungen müssen herbeigeführt werden.

    Hallo Lilly!

    Du hast Recht, zu den Feiertagen habe ich zum ersten Mal so richtig gespürt, dass ich auf Dinge verzichten muss, wenn ich nicht trinke.
    Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich quasi zu unserer ganzen Weihnachts- und Feiertagskultur nicht richtig dazugehören kann, wenn ich nicht auch besoffen bin. Das sind jetzt die Nachwirkungen, die ich spüre.
    Ich musste ständig "nein" sagen, "nein", danke, "nein", "nein" - mich für etwas entschuldigen, das eigentlich mein Recht ist, nämlich nicht zu trinken... Das hat mich verletzt, dass ich das Gefühl vermittelt bekommen habe, dass ich plötzlich nicht mehr dazugehöre...

    Die Erleichterung, nicht mehr trinken zu müssen, kenne ich auch, danke dass Du mich darauf hingewiesen hast. Ich war in der letzten Zeit, bevor ich aufhörte zu trinken, psychisch sehr angeschlagen, nervös und ängstlich, manchmal benebelt und total verzweifelt. Es ist eine große Erleichterung dass das verbei ist und dass ich mich stark und klar im Kopf fühle (auch wenn ich momentan traurig bin und mit manchen Veränderungen klarkommen muss).... Mein Leben gefällt mir so viel besser.

    Ja, ich hab begonnen meinen Bekanntenkreis zu sondieren... Gottseidank trinken die meisten meiner Freunde ohnehin nicht viel und jetzt in meiner Gegenwart gar nichts... Eine Ausnahme ist ein sehr guter und inzwischen langjähriger Freund, mit dem ich zumindest wöchtentlich einen Abend verbringe. Er ist Alkoholiker und schafft es nicht, in meiner Gegenwart nicht zu trinken. Na ja, von seinen Samstagabendveranstaltungen bin ich ausgeladen, seitdem ich mich nicht mehr betrinke. Das hat sich von selbst erledigt. Das wäre ohnehin die größte Versuchung gewesen. Auf die Freundschaft mit ihm möchte ich aber zumindest momentan noch nicht verzichten... Ich hab das Gefühl, ihn nicht einfach "weglegen" zu können; er ist ja ein Freund... Ich muss halt sehen, dass ich mich nicht übernehme... Jedenfalls weiß er, was bei mir los ist, und steht jetzt selbst mir gegenüber unter Rechtfertigungsdruck. Er trinkt zwar auch vor mir, animiert mich aber nicht mehr zum Trinken und besäuft sich nicht mehr...
    Aber ob ich das schaffe, ohne mehr auf Distanz zu gehen? Weiß ich nicht...
    Eine zweitägige Tour mit ihm habe ich abgesagt, weil ich sicher war, ich würde das nicht schaffen... Mit meinem Nachbarn habe ich auch einmal gesoffen und er hat mich wieder eingeladen; da bin ich momentan"auf der Flucht" und er ist jetzt ohnehin so beleidigt, dass ich ausgeladen bin...

    Sonst hab ich nicht den Eindruck, dass der fehlende Alkohol Leere in meinem Leben hinterlassen hat. Eher sehr im Gegenteil. Ich kann meine Zeit jetzt wieder sinnvoll verbringen, mit Musik hören, mit einem Buch, mit Spielen, mit Leuten... Bei mir war es mehr ein Trinken aus Gewohnheit und um meinen Schmerz über meine Situation am Arbeitsplatz zu betäuben... Der Alkohol hat aber als Betäubungsmittel nicht wirklich funktioniert. Am nächsten Tag waren die Probleme ja noch da und ich hätte mich nur dauerbesaufen können. Wie ich das gemerkt habe, hab ich die Notbremse gezogen. Statt dass ich mich besaufe gehe ich halt jetzt zu vertrauten Menschen und rede, rede, rede...

    Vielen Dank für's Zuhören!

    Liebe Grüße von
    Jean

    Zitat von dannilein

    hallo

    mich würde interessieren wie du dich fühlst,welche alternative hast du gefunden .....wie geht es dir bei der sache??


    lieben gruss danny

    Hallo Danny!
    Ich habe so einzelne Tage, wo es mir be.......en geht... Da stürze ich gefühlsmäßig ziemlich ab - wie z.B. heute.
    Das war häufiger, direkt nachdem ich aufgehört hatte zu trinken.
    Mir ging es aber ziemlich schnell ziemlich konstant gut.
    Irgendwie hab ich gleichzeitig einen klaren Kopf und meine Gefühle und meine Fähigkeit, mich Problemen zu stellen, wiedergefunden.
    Die waren ja nicht weg vorher, aber irgendwie wurde alles viel klarer und leichter. Ich fühle mich stark momentan.

    Ersatz für meine abendlichen Trinkgewohnheiten war eine Zeitlang Limonade aus Weingläsern - so hab ich auch den Sekt zu Silvester ersetzt... Momentan bin ich grade dabei, auf Tees zumzusteigen, weil ich sonst zu fett werde.

    Neu sind stundenlange Telefongespräche mit meinen Freunden. Ich kann jetzt wieder auf andere zugehen...

    Neu ist auch die Erkenntnis, dass ich mindestens genauso fröhlich und ausgelassen sein kann ohne Alkohol wie mit trinken. Das hab ich vor ein paar Jahren noch gehabt; dann hatte ich es vergessen. Ich hab gedacht ohne Krücke muss ich sitzenbleiben. Dabei kann ich gehen. Mit Alkohol war es nur ein Hinken.

    Grüße von
    Jean

    Vielen Dank für Eure Antworten
    - die die mir "den Kopf gewaschen haben" und mir gesagt haben wo's langgeht... Und die, die mir Mut gemacht haben... Danke für Euer Verständnis.
    Heute ist für mich einer von diesen wichtigen Tagen, die immer seltener werden, der letzte war vor Weihnachten, wo ich mit mir kämpfe, um den eingeschlagenen Weg weiterzugehen... Mit jedem Kampf werde ich sicherer. Aber na ja, falscher Stolz, von dem habe ich jede Menge, ich kann es ja sagen: War ein Kampf heute, vor allem weil meine Stimmung im Tal war.

    Hab heute auf Euer Anraten hin mit 2 sehr engen Freundinnen gesprochen und mein Alkoholproblem eingestanden, einmal nur angedeutet, einmal schonungslos ausgesprochen, ohne zu verharmlosen...

    Beide waren schockiert; besonders weil ihnen nichts aufgefallen war; dann nochmals über die Offenheit; wollten micht beschützen; waren dann verständnisvoll...

    Für mich war es jedenfalls wichtig, zu mir zu stehen und mich zu outen.

    Allzu weit werde ich nicht gehen mit der Offenheit, denk ich, ich möchte mir ja nicht schaden, aber der Tipp, mich in meinem engeren Umfeld zu outen war gut, glaub ich... Ich schaff es nicht allein.

    Meine Eltern wissen, dass ich keinen Schluck trinken darf, das reicht vorläufig, wenn ich sie besuche, wird nicht getrunken...


    Das war ganz wichtig für mich heute und ich weiß wieder, wo's langgeht.

    Danke für die Hilfe
    Jean

    Hallo Tine!

    Ich finde es super, dass Du Deine Probleme Schritt für Schritt angehst.
    Gratulation zu Deinem Mut!!!

    Bleib auf jeden Fall dran und lass Dich nicht durch die unklare Situation verunsichern.

    Die Entscheidung für die Entgiftung, egal ob jetzt so oder ein bisschen anders, ist auf jeden Fall die richtige. Die Entscheidung kann nur richtig sein!!!


    Ganz viel Mut zu Telefonanrufen und anderen konkreten Schritten wünscht Dir weiterhin

    Jean

    Hallo Dante!

    Ich hab nicht das Gefühl, dass bei mir irgend etwas dümpelt und schon gar nicht die Alkoholsucht.
    Zum Leben gehört für mich der Schmerz mit dazu. Auch mir zu erlauben, manchmal traurig zu sein.
    Traurig bin ich nicht drüber die Hausbar entsorgt zu haben - oder dass ich allein dabei war. Erschrocken war ich drüber, dass der Zug zur Flasche in dem Moment so stark war.
    Den Verlust zu leugnen, wenn ich zu Sylvester nicht so feiern konnte, wie ich wollte, wäre glaub ich falsch. Das war ein Verlust für mich. Und das macht mich traurig.
    Traurig macht mich, dass einer meiner Freunde nicht zu mir gestanden ist. Das ist traurig. Weil ich Freunde nicht einfach ablege - ich hab mir Freundschaften langjährig aufgebaut und stehe zu meinen Freunden. Das sind echte Freunde.

    Ich bereue aber keinen Tag, seitdem ich zu trinken aufgehört habe. Vieles ist aber neu und verwirrend für mich in meinem Leben. Und, nein, ich glaube nicht, dass ich momentan gefährdet bin, mit dem Trinken wieder anzufangen.
    Danke dass Du mich darauf hingewiesen hast, wie wertvoll mir mein neues Leben ist.

    Jean

    Danke für Eure Antworten!

    Ich bewundere alle von Euch, die es geschafft haben, sich offen zur Alkoholsucht zu bekennen.


    Ich habe bis jetzt zwei sehr engen Freunden von meiner Alkoholsucht erzählt - ganz offen.

    Meine Eltern und diverse Freunde wissen, dass ich zuviel getrunken habe - und momentan nichts trinken darf, gar nichts. Wahrscheinlich haben sie eh kapiert, was der Grund ist. Nur beim Namen genannt habe ich es nicht - hab mich nicht getraut.

    Ja, vor mir selber habe ich zugegeben, dass diesmal ein Schritt zurück - zumindest im nächsten Jahr - und weiter will ich nicht denken - nicht möglich ist. Diesmal ist es anders. Hab schon früher mal mehr getrunken und dann einfach aufgehört. Diesmal ging das nicht. Ich hatte einen kalten Entzug. Ja, dann möchte ich hier sagen, dass ich Alkoholiker bin oder war - je nach Betrachtungsweise. Dass es kein Zurück mehr für mich gibt. Und dass ich keinen einzigen Schluck Alkohol mehr trinken darf und möchte. So - jetzt fällt es mir glaub ich leichter, selbst nicht drauf zu vergessen.

    Ihr habt mir viel zum Nachdenken gegeben mit Eurer Konsequenz und Euren persönlichen Geschichten - aber zuviel nachdenken, das schaffe ich momentan nicht. Trinken werde ich aber nicht.
    Bin einfach nur ziemlich traurig und K.O..

    Danke, dass Ihr mich nicht allein gelassen habt!

    Sabine

    Hallo!
    Ich bin seit 8 Wochen trocken und ich habs allein geschafft - schaffen müssen - es war ja niemand für mich da und ich hatte das Gefühl, die Notbremse ziehen zu müssen - sonst hätte ich nicht mehr arbeiten gehen können.
    Ich habs geschafft - zunächst ohne die Hausbar zu entsorgen (Die ist jetzt allerdings in den Müll gewandert).
    Ohne meine Beziehungen zu Alkoholikern und Freizeit-Alkohol-Freunden abzubrechen.
    Ohne auf Feiern zu verzichten (außer zum Jahreswechsel - da habe ich verweigert, das hätte ich wohl nicht geschafft.)
    Ich war im Kampf und hab mir nicht erlaubt, zuzugeben, wie weh mir manches tut. Ich kann hart sein, will es aber nicht sein müssen.

    Jetzt habe ich viele Tränen zu weinen.
    Darüber, wie weh es mir tut, dass einer meiner besten Freunde mich zum Trinken animiert hat - obwohl er sich vorher Sorgen über mich gemacht hat und wollte, dass ich aufhöre. Warum versucht ein Freund, mich runterzuziehen?
    Wie weh es mir tut, dass ich meinen Eltern nicht wirklich erzählen kann, wie schlimm es war. Ich möchte sie nicht verletzen.
    Wie weh es tat, als ich vor Weihnachten ständig anstoßen sollte und der Spielverderber war, als ich es nicht tat. Einen Schluck Sekt mit Kollegen habe ich genommen, das Glas dann weggestellt - fast hätte ich zu Hause wieder angefangen zu trinken. Dann habe ich einsam die Hausbar entsorgt.
    Wie weh es tat, dass ich Sylvester nicht im Kreis meiner Freunde feiern konnte. Das wäre mir zu viel geworden. Der ganze Spaß und die Lebenslust ist mir auch entgangen.
    Ich geh jetzt mal heulen.

    Und frage mich:
    Was macht Euch traurig? Was tut Euch am meisten weh - beim Aufhören mit dem Trinken? Und wie werdet Ihr damit fertig?

    Entschuldigung für das Selbstmitleid.
    Grüße von
    Jean

    Zitat von Wachhund

    Mir ist aufgefallen das sich bei so manchem die "Sucht" verlagert hat.

    Vom "Alkohol trinken", ins "Alkohol jagen".

    Das Viele es mit der Verdammung von Alkohol in Ihrem Leben genau so übertreiben wie so manch anderer mit der Sucht selbst.

    Hallo Frank!
    Einer meiner besten Freunde ist schwerer Alkoholiker... Eine Zeitlang - ich trinke jetzt seit 8 Wochen nicht mehr - war ich drauf und dran, ihn zu verdammen, damit ich mich selbst reinwasche... Er ist der Alkoholiker, ich bin ja jetzt... Ich habe aber einen neuen Umgang mit ihm gefunden... Er animiert mich nicht mehr mit Worten zum Trinken, obwohl er auch in meiner Gegenwart trinkt... Wir sind Freunde geblieben - und er trinkt jetzt zumindest weniger, ist in meiner Gegenwart nicht besoffen. Früher war er oft stockbesoffen und hat die Selbstkontrolle total verloren.
    Immer wenn ich ihn verdamme - und das kommt vor - leugne ich mein eigenes Problem. Insofern verstehe ich Deine Beobachtung.
    Grüße von
    Jean

    Zitat von Karsten

    Hallo und Willkommen Jean,

    acht Wochen ist ja schon eine gute Zeit.
    Hast Du in dieser Zeit einen Erfahrungsaustausch unter Gleichgesinnten gehabt, etwas verändert oder "nur" nicht getrunken?

    Hier kannst Du Dich austauschen und auch Unterstützung finden.

    Hallo Karsten!
    Danke für Deine rasche Antwort...
    Nein, der Erfahrungsaustausch unter Gleichgesinnten fehlt mir bis jetzt. War ziemlich verzweifelt deswegen.
    Ich hab mir aber Unterstützung unter meinen Freunden und Bekannten gesucht und hab einiges an Solidarität erfahren... Z.B. eine Weihnachtsparty, die ohne Alkohol gefeiert wurde. Das war beinahe ein Weihnachtswunder. :)
    Sonst war die Weihnachtszeit fast unerträglich, ich bin immer wieder zum Saufen animiert worden... Anstoßen, anstoßen, anstoßen - ja, womit? Sich rausreden, der Spielverderber sein... Das tat ungeheuer weh.
    Werd mal schaun, dass ich mich in Eurem Forum orientiere.
    Vielen Dank,
    Jean

    Zitat von Tine

    Hat sich an Deiner Situation,oder Arbeitsplatz etwas geändert? Ich finde es toll,das Du jetzt nicht mehr trinkst und Dir hier Hilfe suchst! Vielleicht schreibst Du mal was Du sonst so machst, oder was Dich interessiert! Tine

    Hallo Tine!
    Vielen Dank für Dein Interesse!
    Ja, es hat sich was geändert, bei mir hat nicht das Saufen Probleme am Arbeitsplatz gemacht... Sondern ein langer Krankenstand, den jemand genützt hat, um mich "abzusägen"... Dann folgte ein langer Kampf... Ich hab meinen Frust einfach im Alkohol ertränkt, hatte das Gefühl, ich müsste mich betäuben, um das, was in der Arbeit so läuft auszuhalten... Meinen Arbeitsplatz habe ich noch...
    Bin noch etwas schüchtern Persönliches hier zu schreiben... Vielleicht dann eher im geschützten Bereich oder per PN...
    Ich werd mal schaun, was Du so geschrieben hast, damit ich Dir an der richtigen Stelle antworte! Ich wünsch Dir jedenfalls alles Gute für die Entgiftung; ich hab das Gefühl, dass das Nüchternsein mir ungeheuer gut tut und ich wünsch Dir viel Glück dazu!
    Grüße von
    Jean

    Hallo!

    Ich habe aus einer Stressituation am Arbeitsplatz heraus begonnen zu trinken... Anfangs waren es nur Sauftouren am Wochenende und das eine oder andere Mal ein Schluck zum Einschlafen.

    Dann wurden die Abstände zwischen den Saufereien immer kürzer, aus dem Abend wurde der späte Nachmittag, aus dem Wochenende fünf Tage in der Woche, aus ein paar Gläsern Wein wurde eine Flasche, die reichte dann bald nicht mehr aus...

    Vor 8 Wochen hab ich aufgehört zu trinken und brauche dringend etwas moralische Unterstützung.

    Danke fürs Zuhörn
    Jean