Zitat von Lilly12
Dein Verhalten zeigt mir aber auch, das Du das Nicht-Trinken als Verlust und Verzicht siehst. Solange das der Fall ist, wirst Du nur Trinkpausen machen. Die Vorteile des Nicht-Saufens hast Du aber schon erkannt, Deine Gedanken werden klarer etc. Vielleicht kannst Du das durch Verinnerlichung zu einem wirklich trockenem Leben machen.
Bei mir war das etwas anders, ich verspürte nur unheimliche Erleichterung, nicht mehr trinken zu MÜSSEN, denn das war am Ende so bei mir. Ich wußte anfangs zwar noch nicht, wie ich es schaffen soll, nie wieder zu trinken, aber eins wußte ich genau: Wo ich nie wieder hin wollte.
Du bist nun schon 8 Wochen trocken, eine sehr gute Zeit. Hast Du begonnen, Dein Umfeld zu ändern ? Hast Du begonnen, Deinen Bekanntschaftskreis zu sondieren, wer da noch dazugehören kann und wer nicht ?
Das sind alles wichtige Dinge, die man einfach machen muss, auch wenn man es erst vielleicht nicht versteht, es ist trotzdem sehr wichtig.
Wie füllst Du nun Deine Zeit, die Du früher mit Saufen verbracht hast ? Die will doch nun gefüllt werden.
Ich denke, man wird unzufrieden, wenn man nur Nicht-mehr-trinkt. Auch andere Veränderungen müssen herbeigeführt werden.
Hallo Lilly!
Du hast Recht, zu den Feiertagen habe ich zum ersten Mal so richtig gespürt, dass ich auf Dinge verzichten muss, wenn ich nicht trinke.
Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich quasi zu unserer ganzen Weihnachts- und Feiertagskultur nicht richtig dazugehören kann, wenn ich nicht auch besoffen bin. Das sind jetzt die Nachwirkungen, die ich spüre.
Ich musste ständig "nein" sagen, "nein", danke, "nein", "nein" - mich für etwas entschuldigen, das eigentlich mein Recht ist, nämlich nicht zu trinken... Das hat mich verletzt, dass ich das Gefühl vermittelt bekommen habe, dass ich plötzlich nicht mehr dazugehöre...
Die Erleichterung, nicht mehr trinken zu müssen, kenne ich auch, danke dass Du mich darauf hingewiesen hast. Ich war in der letzten Zeit, bevor ich aufhörte zu trinken, psychisch sehr angeschlagen, nervös und ängstlich, manchmal benebelt und total verzweifelt. Es ist eine große Erleichterung dass das verbei ist und dass ich mich stark und klar im Kopf fühle (auch wenn ich momentan traurig bin und mit manchen Veränderungen klarkommen muss).... Mein Leben gefällt mir so viel besser.
Ja, ich hab begonnen meinen Bekanntenkreis zu sondieren... Gottseidank trinken die meisten meiner Freunde ohnehin nicht viel und jetzt in meiner Gegenwart gar nichts... Eine Ausnahme ist ein sehr guter und inzwischen langjähriger Freund, mit dem ich zumindest wöchtentlich einen Abend verbringe. Er ist Alkoholiker und schafft es nicht, in meiner Gegenwart nicht zu trinken. Na ja, von seinen Samstagabendveranstaltungen bin ich ausgeladen, seitdem ich mich nicht mehr betrinke. Das hat sich von selbst erledigt. Das wäre ohnehin die größte Versuchung gewesen. Auf die Freundschaft mit ihm möchte ich aber zumindest momentan noch nicht verzichten... Ich hab das Gefühl, ihn nicht einfach "weglegen" zu können; er ist ja ein Freund... Ich muss halt sehen, dass ich mich nicht übernehme... Jedenfalls weiß er, was bei mir los ist, und steht jetzt selbst mir gegenüber unter Rechtfertigungsdruck. Er trinkt zwar auch vor mir, animiert mich aber nicht mehr zum Trinken und besäuft sich nicht mehr...
Aber ob ich das schaffe, ohne mehr auf Distanz zu gehen? Weiß ich nicht...
Eine zweitägige Tour mit ihm habe ich abgesagt, weil ich sicher war, ich würde das nicht schaffen... Mit meinem Nachbarn habe ich auch einmal gesoffen und er hat mich wieder eingeladen; da bin ich momentan"auf der Flucht" und er ist jetzt ohnehin so beleidigt, dass ich ausgeladen bin...
Sonst hab ich nicht den Eindruck, dass der fehlende Alkohol Leere in meinem Leben hinterlassen hat. Eher sehr im Gegenteil. Ich kann meine Zeit jetzt wieder sinnvoll verbringen, mit Musik hören, mit einem Buch, mit Spielen, mit Leuten... Bei mir war es mehr ein Trinken aus Gewohnheit und um meinen Schmerz über meine Situation am Arbeitsplatz zu betäuben... Der Alkohol hat aber als Betäubungsmittel nicht wirklich funktioniert. Am nächsten Tag waren die Probleme ja noch da und ich hätte mich nur dauerbesaufen können. Wie ich das gemerkt habe, hab ich die Notbremse gezogen. Statt dass ich mich besaufe gehe ich halt jetzt zu vertrauten Menschen und rede, rede, rede...
Vielen Dank für's Zuhören!
Liebe Grüße von
Jean