Beiträge von Minihexe

    Moin Rasko,

    ich war auch Alleinetrinker und habe mich, meine Bedürfnisse, Wünsche, Gedanken immer schön weggebeamt.
    Als ich dann nüchtern mit mir alleine war, fiel es mir echt schwer zu erspüren, was mir gut tut, was ICH möchte. Und ich hatte immer Angst, ich werde jetzt zum Ego-Schwein, weil ich nicht in erster Linie an andere denke.
    Aber es funktioniert ... :wink:

    Liebe Yvonne,

    ja, ändern kann ich jetzt eh nix mehr.
    Ich fand´s bloß enttäuschend, dass das alles so scheinbar 0-8-15-mäßig abgeklappert wurde und letztendlich davon meine berufliche Zukunft abhängig gemacht werden wird. Das hinterlässt einen faden Beigeschmack. Oder aber der Prof. war ein Genie und hat mich so oder so für seine Begriffe gleich durchschaut.
    Ich werde es erleben...

    Auf alle Fälle bin ich froh, dass es vorbei ist und ich wieder einen Meilenstein für mich bewältigt habe.

    Liebe Grüße,
    Helga

    Hallo Rasko,
    das mit den Veränderungen sehe ich so ein bißchen wie Autofahren in England.
    An sich haben wir ja doch oft recht gute Ideen, mit was wir unser Leben sinnvoll bereichern können ohne Alkohol. Aber wir setzen es nicht um, es war einfacher sich zu betrinken.
    Für mich war es ungewohnt, einfach einen Abend nüchtern daheim zu sein und nüchtern noch irgendwas zu machen. Musste gar nix großartiges sein. Kleiner Spaziergang, einfach ´ne Zeitung lesen, ´ne blöde Fernsehsendung gucken, völlig wurscht. Es hat sich erst mal angefühlt, als ob ich auf der falschen Seite der Fahrbahn Autofahren würde, total ungewohnt und neu.
    Aber ich gewöhne mich recht schnell an das schöne nüchterne Leben und die vielen gewonnenen klaren Stunden und das Bewusstsein, diese für mich zufriedenstellend verbracht zu haben.

    Aber das müssen nicht immer große Veränderungen sein...
    Und ich muss mir Zeit geben, mich an diese Veränderungen zu gewöhnen und sie lieben zu lernen...

    So, die Untersuchungen sind vorbei.
    Der erste Teil bestand aus Fragebögen (abklappern des Depressionsgrades, Reaktionstests, Konzentrationstests etc.). Die Psychologin sagte mir, es sei alles bestens. Der psychiatrische Test hat mich ein wenig "enttäuscht". Der Arzt hat zunächst mal meinen groben Lebenslauf notiert, wann ich wo in einer Klinik war, seit wann ich das exzessive Trinken begonnen habe und ob ich jetzt noch Therapie und/oder SH-Gruppe mache. Was ich alles geändert habe, was ich begriffen habe, wie es mir damit geht etc. hat ihn gar nicht interessiert. Irgendwie war das so ein leicht gelangweiltes Abklappern seines Schemas, dann noch körperlich checken (Reflexe etc.), Blut zapfen und tschüss. Das fand ich ein wenig mager, ich hätte gerne mehr "erzählt", aber das hat er jedesmal im Keim abgewürgt. Keine Ahnung, was ich davon halten soll.
    Das Ergebnis bekommt meine Dienststelle, ich werde mir aber eine Kopie erstellen lassen.
    Tja, nun kann ich nur abwarten, zu welchem Schluss die kommen.

    ...und das trockene Leben weiter genießen und leben :)

    Hallo Jürgen,

    Danke für´s Daumen drücken :wink:
    Was soll mir passieren? Naja wirklich passieren tut mir sicher nichts.
    Es ist nur zermürbend, dass mein Arbeitgeber sich davon offenbar sowas wie ein "ich bin geheilt, oder ich bin nicht geheilt" verspricht. Außerdem war ein weiteres Argument, dass sie mich aufgrund von Gleichbehandlungsgrundsätzen in Langzeit schicken wollten. Vielleicht erahnst Du, dass es denen lediglich um eine behördenmäßige Verwaltung meiner Krankheit geht. Aber wie gesagt, mehr kann und darf ich auch nicht erwarten und ich darf mich auch nicht persönlich deswegen angegriffen fühlen. Es wurmt mich aber trotzdem ein wenig, dass Menschen, die offensichtlich so gar nichts vom Alkoholismus wissen, über mich entscheiden.
    Andererseits denke ich, dass das Gutachten da dann endlich Klarheit schaffen wird - so oder so.

    Ich möchte mir halt nicht zu sicher sein, und das verunsichert mich. Aber ich glaube an mich, und das zählt im Moment.

    So, allmählich geht´s mit großen Schritten auf das Wochenende zu, und ich freue mich drauf. Kommenden Mittwoch geht´s erst mal für zwei Wochen ab in die Sonne.

    Am Montagmorgen muss ich dann in die Klinik zu diesem Gutachten. Habe gestern noch einen Anruf bekommen, dass ich die Abschlussberichte der Klinik mitbringen soll.
    Wenn ich mir die im Nachhinein noch mal so durchlese ... au weia ... :oops:
    Was ich da vermeintlich an Strategien für die Abstinenz heraus gearbeitet habe - als Lehrer würde ich sagen: 6 - setzen und noch mal von vorne Anfangen. Das musste schief gehen. Ich bin da echt in dem Fahrwasser gewesen, jetzt tue ich was, damit die anderen mich alle wieder lieb haben... :roll: Geht ja gar nicht...
    Ich hatte am Mittwoch wieder Therapie. Meine Therapeutin meint, ich solle mich nicht verrückt machen, ich sei auf dem richtigen Weg.
    Nervös bin ich trotzdem, weil ich nicht weiß, was auf mich zukommt, und sowas mag ich ja gar nicht. Aber egal, ich werde das rum bekommen, und vor allem, ich glaube diesmal dass es gut läuft, weil ich das erste mal wirklich ehrlich und bei mir bin.
    Letztendlich habe ich zwar "Kritik" schon immer gut vertragen, aber ich habe sie nie für mich selbst beleuchtet, sondern was ich tun muss, damit keiner mehr an mir kritisiert. Und das mache ich jetzt nicht mehr ... und das ist gut so ... :wink:

    Könnt mir ja trotzdem mal die Daumen drücken...

    Guten Morgen,

    das mit den "einschneidenden Veränderungen" ist ein interessantes Thema. Rasko, ich vermute mal, Du bist auch so jemand, der immer 300% von sich fordert und unbedingt was leisten will.
    Ich habe mich auch gefragt, was ich denn jetzt so "großartig" anders mache als bisher, was Einschneidendes muss im wahrsten Sinne des Wortes ja richtig spürbar sein (nicht im Sinne von Selbstverletzung :wink: ). Aber so dramatisch darf man das glaube ich gar nicht sehen.
    Ich z.B. habe meine Volleyballmannschaft aufgegeben, weil da im Trainingsanschluss immer gut gebechert wurde. Das mit dem Tagesplan mache ich auch, mit dem Unterschied, dass ich mir (für meine Verhältnisse) bewusst wenig vornehme. Oder sagen wir mal so, ich nehme mir so viel vor, wie ich REALISTISCH und ohne Hetze schaffen kann, so dass auch noch Zeit bleibt, mir was Gutes zu tun. Ich versuche bewusst nicht mehr der Überflieger zu sein, sondern ganz bewusst auch mal was liegen zu lassen.
    Nicht, dass ich das Schlampern anfange. Aber ich muss ja nicht unbedingt nach der Arbeit noch Putzen, kochen, backen, schnell Sport dazwischen schieben, waschen, bügeln und dann noch happy sein.
    Nö, ich versuche mir realistische Ziele zu setzen, ohne Hetze. Ich versuche mir bewusst Zeit für mich zu nehmen und drauf zu hören, ob sich das Suchtgedächtnis mit "jetzt haste Dir aber für die Hetze ´nen Schluck "Entspannung" verdient" meldet.
    Es fällt mir unglaublich schwer, weil ich mich immer über besondere Leistungen definiert habe.
    ...aber ... es geht auch leichter, und niemand kreidet es mir an oder kritisiert mich deswegen.

    Gewisse Verhaltensmuster sind ja gar nicht verkehrt. Hausarbeit will nun mal erledigt werden und auch sonst gehören ein paar Abläufe einfach zum Alltag dazu. Ich denke auch nicht, dass ich alles komplett über Bord schmeißen muss, um mich neu zu definieren und auf mich zu achten.
    Für mich sind die einschneidenden Veränderungen vor allem die Fürsorge für mich, wie auch immer die sich beim Einzelnen darstellt... :)

    Hallo Sadi,

    ich glaube nicht, dass Dich irgendjemand hier veräppeln möchte!
    Du sagst ja selber, dass Du Dich schlau machen möchtest. Und hier hast Du die einmalige Chance, sowohl von Co´s, als auch von Alkoholikern Erfahrungswerte zu bekommen. Der eine mag es vielleicht etwas anders ausdrücken als der andere. Aber Du kannst Dir sicher sein, dass es nicht als Angriff oder Vereimerung oder auch nur annähernd böse gemeint ist. Da hätte niemand was von!

    Für mich habe ich die Erfahrung gemacht, dass gerade sehr deutlich und scheinbar harsch formulierte Statements mich im Endeffekt am weitesten bringen (lieber Gruß an Spedi ... :wink: ). Auch wenn ich im ersten Moment manchmal denke, boah, was erlaubt der oder die sich ... meistens sind es Wahrheiten, die mich scheinbar empören, die ich selbst noch nicht erkannt habe oder mir nicht eingestehen wollte. ...wie Spedi eben immer so schön sagt: weil es weh tut.

    Was Du letztendlich für Dich da rausholen kannst, bleibt einzig und alleine DIR überlassen... Und das ist ´ne ganze Menge :D

    Hallo Sadi,

    ich bin zwar noch nicht so lange trocken, aber vielleicht hilft Dir meine Antwort ja doch ein wenig.

    Solche Trinkpausen, wie Du sie bei Deinem Mann beschrieben hast, hatte ich auch zwischendrin. Und da ging es mir zweifelsohne sowohl körperlich, als auch psychisch einfach saugut. Nur eines habe ich dabei außer Acht gelassen: dass ich nur halbherzig bei der Sache war.
    Ich hatte in meinen Trinkpausen ja bewiesen, dass ich ohne Alk kann, also kann ich auch wieder ein bißchen mit Alk. Wie es beim Alkoholiker so ist, ich war schneller auf meinem alten Pegel als man gucken konnte, und meistens habe ich dann aus lauter Frust noch einen drauf gepackt.
    In meinen Trinkphasen war ich auch ab einem gewissen Punkt bereit, alles zu versprechen und zu tun, damit ich trocken werde. Das kam aber nur aus einer momentanen Verzweiflung heraus, und nicht, weil ich es wirklich wollte.
    Wenn ich dann wieder "Oberwasser" hatte (sprich pausiert habe), war das alles wie weggewischt. Ich bin ja schließlich alt und schlau genug, ich habe das doch alles im Griff.
    Diese vielzitierte Kapitulation ist aber für einen Alkoholiker wohl unabdingbar, um trocken zu werden. Ohne wenn und aber und ohne jedes Hintertürchen.

    Ich war auch ein paarmal in einer AA-Gruppe. Die habe ich auch nicht gut gefunden, und überhaupt, püh, Selbsthilfegruppe, nö, so schlimm isses ja nicht.
    Diese Gruppe war vielleicht wirklich nichts für mich. Aber ich halte es für sehr wichtig, sich eine passende Gruppe zu suchen. Manch einem mag das Forum hier genügen, es ist wirklich klasse. Dennoch habe ich zum Glück inzwischen auch noch eine reale SH-Gruppe gefunden, wo ich wöchentlich GERNE hin gehe!

    Aber lange Rede kurzer Sinn: Auch ein Pate oder so würde Deinem Mann nicht helfen können, im Gegenteil, wahrscheinlich fühlt er sich nur gegängelt und handelt aus Trotz kontraproduktiv. Er muss es von sich aus und alleine schaffen. Wenn Du dann noch für ihn da bist (ohne ihn zu decken oder zu entschuldigen), kann er sich glücklich schätzen!
    Ich habe meinen Mann lange verteufelt, dass er keinen Handschlag für mich getan hat. Jetzt weiß ich, dass das zum einen eh alles für die Katz gewesen wäre und er zum anderen dann nervlich wohl auch noch drauf gegangen wäre - einschließlich unserer Ehe.
    Zieh Dir nicht den Schuh an, ihm helfen zu können ...

    Hallo Jürgen,

    das war denke ich des Pudels Kern ... dass ich begriffen habe, dass es einzig und alleine um mich geht, dass es von mir und von innen heraus kommen und gelebt werden muss.
    Meinem Arbeitgeber bin ich früher oder später wurscht. Und ich habe ja noch das Glück, dass ich einen habe!
    Auch mein Mann wäre in der Vergangenheit ohne mich sicher besser dran gewesen. Auch meine Mutter hat mir die Rolle der perfekten Tochter nicht wirklich abgekauft. Jeder ist ersetzbar.
    Letztendlich habe ich mich selbst da ganz schön vereimert und ein Stück weit verloren. Und das möchte ich zurück haben, für mich und für mein Leben.
    Und wenn ich DAS mal auf die Reihe bekomme, ergibt sich alles andere von ganz alleine.

    Wie heißt es so schön: liebe deinen Nächsten wie dich selbst.
    Bloß - wie soll ich meinen nächsten lieben, wenn ich mich selbst nicht liebe und achte?

    Klingt furchtbar altklug, aber ich habe viel nachgedacht und gegrübelt.

    Hallo Andreas,

    sehe ich genau so.
    Wenn ich mal ganz ehrlich bin, hat sich jeder Rückfall so rechtzeitig gedanklich angekündigt, dass ich noch die Bremse hätte reinhauen können. Aber da war ich nur halbherzig bei der Sache.
    Das ist mit einer der Gründe, warum ich mich jetzt habe freischalten lassen, eben weil ich täglich und aktiv was dafür tun will, dass ich achtsam bleibe. Denn ich habe mich zu oft selbst belogen und enttäuscht, das macht nicht wirklich Spaß, und ich traue mir auch nicht mehr so richtig.
    Ich bin misstrauisch mir gegenüber, wenn ich sage "boah, geht´s mir gut". Es fühlt sich zwar prima an, dass es mir gut geht, aber das ist keine
    Selbstverständlichkeit und da muss/will ich was für tun, damit das so bleibt.
    Wo zu viel Euphorie hinführt, weiß ich ja...

    Und es lebt sich einfach viel besser, wenn man sich persönlich frei macht von Erwartungen, die irgendjemand an einen haben könnte. Meistens waren das eh nur meine Hirngespinste, dass ich glaubte, ich müsse überall superperfekt sein. Erwartet kein Mensch von mir!
    Es ist wie ein Befreiungsschlag gewesen, wobei ich da auch schon wieder den Gedanken habe "hoffentlich werde ich jetzt nicht zum Ego-Schwein". Aber da laufe ich glaube ich keine große Gefahr.

    Es ist noch sehr dünnes Eis, auf dem ich mich bewege, das soll mir immer bewusst bleiben. :)

    Hallo Spedi,

    ich glaube, dass da der Hase bei mir im Pfeffer lag: eben dass ich nur auf Druck von Außen hin bisher irgendwas gemacht habe. Mein erster Klinikaufenthalt kam aus Verzweiflung und Druck vom Arbeitgeber zustande. War zwar gut, aber ich habe geglaubt, da wird mir geholfen und es reicht einfach nicht mehr zu trinken.
    Hat nicht lange gedauert.
    Ich habe während der weiteren ambulanten Therapie mich selbst und somit auch die Therapeutin mit Durchhalteparolen belogen.
    Der zweite Klinikaufenthalt im März kam auch mehr oder weniger aus der Not heraus zustande, weil das der Arbeitgeber forderte, bzw. ich denen, meinem Mann, meiner Mutter, meinem damals noch lebenden Vater einen Gefallen tun wollte.
    Zumindest habe ich da gesehen, wie überheblich und unangebracht euphorisch ich nach meinem ersten Aufenthalt gewesen bin. Und naiv!
    So gesehen war es bei mir nötig, dass ich noch ein paarmal auf die Schnauze geflogen bin.

    Was mache ich seither anders?
    Ich habe im Juli einen Schnitt gemacht. Hört sich vielleicht bescheuert an, aber ich glaube, dass mein Vater mir da oben aus zuschaut und mir hier und da ein wenig beisteht mit seiner Liebe.
    Ich habe meine Therapeutin über mein wahres Ich noch mal informiert, eben dass ich nur Trinkpausen eingelegt habe und nicht ernsthaft trocken werden wollte. Bis März habe ich mir nicht eingestehen wollen, dass ich den Alkohol ganz und für immer sein lassen will und muss.
    Ich habe versucht mir Hobbies zu suchen. Saxophon war eins davon, habe ich aber wieder sein lassen, das war mit den Musikstunden nix. Aber da ich die italienische Sprache sehr mag und schon zig mal einen Kurs angefangen habe, habe ich mich wieder eingeschrieben, den ersten Kurs bereits hinter mir, der nächste geht im November los.
    Mit meinem kleinen Hund mache ich wieder Agility (Hundesport, bei dem Frauchen/Herrchen mitmacht), ich treffe mich wieder regelmäßig mit einer guten Freundin, die um meine Krankheit weiß und bei der ich so bin, wie ich bin. Ich habe meiner Mutter gesagt, was wirklich los ist - das war das schwerste für mich, weil ich immer um ihre Liebe gebettelt habe. Und ich habe ihr gesagt, dass ich nicht ihr oder sonstwem zuliebe trocken werden will, sondern einzig und alleine für mich.
    Ich habe mir feste Sport-/Saunatage eingeplant und lasse mir die soweit wie möglich durch nichts torpedieren.
    Und ich habe endlich eine reale Selbsthilfegruppe gefunden, in der ich mich wohl fühle. Selbsthilfegruppe hielt ich nach meinem ersten Klinikaufenthalt für Pillepalle, brauch´ ich nicht.

    Es stimmt, dass ich bis dahin nur auf Druck von außen tätig geworden bin, aber derzeit bin ich nur noch bei mir.
    Korrigiere mich, wenn Dir was anderes auffällt. Ich habe beim Lesen schon festgestellt, dass Du sehr offen und direkt bist. Manch einer mag das vielleicht verfluchen, in meiner nassen Zeit wäre ich auch empört gewesen, wenn mir jemand offen und ungeschönt die Wahrheit gesagt hätte. Aber im Endeffekt hilft nur das, und vier Augen sehen mehr als zwei...

    Liebe Grüße,
    Helga

    Ooooh jaaa ... Geduld ist ein meiner stärksten Tugenden :roll:
    Am besten ich habe bereits vorgestern zu 300% alles rundum perfekt erledigt...
    Zum Glück erwische ich mich inzwischen immer öfter dabei, wenn ich mir Aufgabenkataloge zusammenspinne, die schlicht und ergreifend nicht zu bewältigen sind - selbst für Zauberer nicht. Und dann zu bremsen und zu sagen, na dann bleibt halt was liegen ... uff ... das kostet echt Mühe - NOCH - ich hoffe, das gibt sich mit der Zeit mal.
    Zumal ich von wirklich niemandem (außer meiner Mum, und da ist meine Aufgabe eben auch Abgrenzung) zu irgendwas gedrängt werde. Ich mache mir den Spuk also komplett selbst. Und was man sich über Jahre so angewöhnt hat, kann/soll/darf man sich dann auch mit etwas Geduld wieder abgewöhnen.

    Rein theoretisch sind wir glaube ich allesamt recht gut aufgestellt. Aber zumindest bei mir hapert´s da noch oft in der Umsetzung.
    Deswegen bin ich auch froh, dass ich nach wie vor meine Therapie noch mache. Die Frau ist echt klasse, die gleiche Wellenlänge und sie weiß genau, wo sie bei mir ansetzen muss.

    Das Leben kann sooooo schön sein... :D

    Huhu Yvonne,

    da hast Du Recht, das wird noch ein Stück Arbeit. Es ist allerdings jedes mal schön, wenn man es mal geschafft hat.
    Ich habe zum Glück einen guten Bekannten, der so ziemlich alle Hochs und Tiefs miterlebt hat und "hart" im Nehmen ist. Das Blöde ist, dass ich mir manchmal selbst nicht mehr traue. Wer bin ich und was will ich. Dabei habe ich ihm auch schon einige male ziemlich auf den Schlips getreten, wenn ich überreagiert habe oder doch dünnhäutig und zickig war. Er weiß aber damit umzugehen und hält nach wie vor zu mir und meint, ich dürfe weiter an ihm "üben" :lol:

    Ich habe aber auch noch vor Augen, dass ich schon oftmals vermeintlich gut drauf war und dann aus heiterem Himmel wieder einen Absturz hatte. Ich hoffe bloß, ich bin inzwischen aufmerksamer mit mir geworden. Denn im Nachhinein hat sich ein Rückfall immer gedanklich rechtzeitig angekündigt. Aber das "Saufhirn" war bis dahin immer stärker. :oops:

    Guten Morgen und allen ein liebes Dankeschön für die Willkommensgrüße.

    Biene, das war halt so das typisch nasse denken, dass mein Mann (der ja doch natürlich mit Auslöser meiner Sauferei war) doch verdammt noch mal irgend was tun muss, um mir zu helfen. Wir haben oft gestritten und er hat sich zum Glück immer aus der Verantwortung gestohlen. Ich habe lange gebraucht um anzunehmen, dass das im Endeffekt die einzige Möglichkeit für ihn war und ist. Heute bin ich froh drüber, aber das hat ihn einiges an Nerven gekostet. Und wenn er nicht so leidensfähig gewesen wäre, mich immer und immer wieder besoffen vorzufinden und zweimal den Notarzt zu holen, dann wären wir nicht mehr zusammen.
    Ich habe ihm auch ganz ehrlich gesagt, dass ich an seiner Stelle das Theater mit mir nicht so lange durchgehalten hätte :(
    Natürlich muss er erst wieder vertrauen lernen. Ich habe zu oft versprochen, dass ich jetzt die Kurve bekomme.

    Hallo Feengesicht, nein, ich bin bei weitem nicht so locker, wie ich erscheine. Das ist mein großes Manko. Ich bin auch vor meiner Sauferei ein Meister darin gewesen, ein perfektes Äußeres zu geben. Immer gut drauf, auf alles eine Antwort, für alles eine Lösung, einfach unkaputtbar. Ein stückweit ist das wahrscheinlich jeder Alkoholiker.
    Ich bin mir meiner Selbst auch nicht wirklich sicher.
    Genau so, wie ich meinen Mann wieder und wieder enttäuscht habe, genauso oft habe ich mich selbst ja auch wieder enttäuscht, wenn ich wieder die Flasche am Hals hatte.
    Ich mache es wie einige hier und nehme mir nicht mehr die Ewigkeit vor. Ich versuche mir überschaubare Zeiträume vorzunehmen, angefangen bei den 24 Stunden.
    Das ist noch ein Ding, was ich gerne ändern würde, dass ich einfach authentischer bin. Dass ich sage, wenn es mir schlecht geht, dass ich mir Hilfe hole, wenn ich sie brauche, dass ich nein sage, wenn ich was nicht will, dass ich meine Bedürfnisse wahr nehme und auch formuliere. Und dass ich auch mal die Schauspielerei sein lasse :?
    Wenn ich momentan abgeklärt wirke, liegt es bestenfalls daran, dass es mir derzeit recht gut geht. Aber ich weiß auch, wohin mich meine Euphorie nach dem ersten Klinikaufenthalt gebracht hat, nämlich wieder auf unter Null.
    Ich habe mir vorgenommen, wachsam zu sein.

    Hallo Yvonne,

    jaaaaa, eine echte Minihexe *grins* ...
    Aber nur deswegen, weil meine ältere Schwester den Spitznamen Hexe hatte und für mich als die jüngere dann nur noch die Mini übrig blieb :lol:
    Aber so hexig bin ich glaube ich gar nicht.
    Und wie gesagt, ich bin nicht dünnhäutig und veräppel mich gerne auch selbst schon mal :)

    Die Grundbausteine habe ich auch schon gelesen. Halte ich so auch für absolut wichtig.
    Und die Tatsache, dass ich mich wirklich jeden Tag auf´s neue damit beschäftigen und nie aus den Augen verlieren will, was ich durch Alk schon alles verbockt habe und was ich in Zukunft für mich möchte. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass sich jemand die schlimmsten Momente seiner Sucht immer wieder vor Augen führt. Das hilft mir auch...
    Als ich mit Schlafmitteln und Alk im Krankenhaus wieder wach wurde, war ich fixiert und man hatte mir irgendso eine Kanüle zum Auspumpen durch die Nase gelegt, weil ich mich vom Salzwasser nicht übergeben konnte. Das sind Momente, die waren übel, haben mich aber letztendlich ja noch nicht endgültig vom Saufen abgehalten... :cry:

    ...so leicht verschreckt mich niemand :lol:
    Mir ist schon klar, dass ich als "normaler Angestellter" längst aus einem Betrieb rausgeflogen wäre. Es gibt bei uns eine Dienstvereinbarung, nach der der Arbeitgeber geeignete Maßnahmen anordnen KANN ... wie so oft im öffentlichen Dienst ein dehnbarer Begriff :roll:
    Was mich an der Sache stört ist, dass das Leute entscheiden, die Null Ahnung von Alkoholismus haben. So wurde ich gefragt, ob ich denn nicht mal ein Attest vorlegen könne, dass ich geheilt sei ... :roll: ...jaja...
    Ich bin bereits von einer Amtsärztin begutachtet worden (April´08) und als dienstfähig eingestuft worden. Aber nachdem im Juli´08 noch mal der Patzer war, reicht denen das nicht mehr, also muss ich zu einem neutralen Gutachter.
    Ich habe zwar von meiner Therapeutin und der Nervenärztin Atteste bekommen (nach ehrlicher Diskussion mit beiden), dass die ambulante Therapie ausreicht und eine erneute LZ derzeit eher kontraproduktiv wäre, weil mein soziales Umfeld stimmt, aber wie gesagt, das reicht jetzt nicht mehr.
    Da muss ich durch. :oops:

    Ja, mein Zuhause ist komplett alkfrei. Zum Glück trinkt mein Mann so gut wie gar nichts, bzw. nur beim Auswärtsessen mal, so dass ich da in keinerlei Versuchung komme.
    Er verhält sich passiv. Will sagen, er "schimpft" nicht, hält nach wie vor zu mir, bringt sich aber aktiv auch nicht ein. Da war ich anfangs bitter enttäuscht drüber, ich wollte, dass er mir hilft. Blödsinn ... :?
    Ich kann das nur von mir selbst heraus schaffen. Und wenn er dann immer noch zu mir hält, habe ich Schwein gehabt! Aber es ist richtig und wichtig, dass er mich nicht irgendwie deckt oder sowas, weil ich mich sonst auf ihn verlassen würde.

    So, war das alles? :roll: *überleg* ...

    Hallo zusammen,
    nachdem ich nun schon recht lange als "Gast" hier mitlese und bis jetzt schon sehr, sehr viel mitnehmen konnte, möchte ich mich dann doch auch mal kurz vorstellen und mich auch aktiv beteiligen.

    Ich bin 37, verheiratet, kinderlos (aber ein süßer Hund und ´ne Mieze), berufstätig und habe eine ziemliche "Suchtkarriere" hinter mir.
    Los ging es mit ca. 16 Jahren, Magersucht. Das ging dann so nach einigen Jahren schleichend über in Bulimie, bevor ich dann vor ca. 6 Jahren das ganze auf Alkohol "verschob".
    Als Bulimikerin war ich vor ca. 15 Jahren mal bei einem Psychologen, der mir ein Antidepressiva verschrieb und mich wieder heim schickte. Ich fühlte mich zwar daraufhin etwas besser, aber natürlich löste das nichts von meinen Problemen.
    Ich habe im Anschluss daran noch einige Therapeuten "verschlissenn".

    2005 war ich in einer Klinik am Chiemsee (wegen Essstörung, wobei ich da auch schon eher auf Alkohol hätte therapiert werden müssen), 10 Wochen lang. Das war zwar nicht schlecht, aber ich habe nicht kapiert, dass man auch nach, bzw. gerade erst nach dem Klinikaufenthalt -also außerhalb der Käseglocke- aktiv sein muss.
    So nahm das ganze weiter seinen Lauf.
    Die Essstörung bin ich zwar los gewesen, aber dafür konzentrierte ich mich nun voll auf den Alkohol.

    Ich begann mich erst abends mit ein, zwei Schlucken Yeni "locker und lustig" zu trinken. Das steigerte sich dann aufgrund steigender Toleranz. Wein und Bier habe ich selten getrunken, weil mir der Flash zu lange dauerte und mengenmäßig zu viel war. Ich wollte schnell besoffen sein und nichts mehr fühlen.
    Aufgefallen bin ich vor 2 Jahren dann auch im Dienst. Es folgten div. Gespräche mit Sozialdienst und Personalamt, die wenig befriedigend waren, aber das sind halt keine Fachleute und das darf ich auch nicht erwarten.
    Ich habe 2 halbherzige Selbstmordversuche unternommen, wurde einmal mit 4,2 % und das zweite mal mit über 3% und Schlaftabletten ins Krankenhaus gebracht. Ich hatte mich selbst und mein Leben und mein Versagen so über, dass ich in meinem besoffenen Kopf keinen anderen Ausweg mehr wusste.
    Letztes Jahr war ich dann 10 Wochen in einer Suchtklinik. Sehr euphorisch und mit festem Vorsatz, es diesmal endlich zu packen. Ich habe es ja begriffen ..... Pustekuchen...
    Wie heißt es so schön? Hochmut kommt vor dem Fall...
    So war´s denn auch, meinen Tiefpunkt hatte ich noch nicht erreicht und ich dachte, ich packe es, indem ich bloß aufhöre zu trinken.

    Es kam wie es kommen musste, der Rückfall. Erneut auffällig im Dienst, dann im März noch mal 2 Wochen Suchtklinik, aber auch danach hatte es noch nicht wirklich KLICK gemacht bei mir.
    Im April starb dann nach langem Leiden mein Vater. Ich kann es nicht genau erklären, aber das war der Punkt, wo ich erkannt habe, ich belog und belüge mich auf´s allerfeinste und so kann es nicht klappen. Seitdem habe ich versucht konsequent zu sein, aktiv was zu ändern.
    Den Tod meines Vaters habe ich erst im Juli wirklich realisiert (wir wohnen relativ weit auseinander) und hatte da noch einmal einen Rückfall über 3 Tage lang.
    Aufgrund meiner Vorgeschichte und der Fahne, die ich da hatte, habe ich derzeit noch einiges dienstlich auszustehen (Gutachtertermin nächste Woche). Da muss ich durch.

    Aber viel wichtiger ist mir, dass ich endlich kapiert habe, dass ich mich die ganze Zeit nur glücklich geredet habe. Das ist so schräg! Theoretisch hätte ich wie wohl jeder einem "echten Alkoholiker" gesagt, du darfst nie wieder trinken. Aber bei mir ist ja alles gaaaaaaaaanz anders und gaaaaaaaar nicht so schlimm ...
    Phänomenal, wie blöd und verbrettert man als halbwegs intelligenter Mensch ist und sich selbst was vormachen kann. Unglaublich

    Jedenfalls habe ich seither einiges geändert. Ich habe eine Volleyballmannschaft verlassen, weil da nach Trainingsende immer fleißig gebechert wurde. Zu heikel!
    Da ich immer nur alleine gesoffen habe, brauchte ich mich nicht von Saufkumpanen zu trennen.
    Ich habe eine neue Stelle zugewiesen bekommen und hier von Anfang an mit offenen Karten gespielt und gesagt, dass ich erst seit kurzem trocken bin. Meine Chefin ist voll im Bilde und wird mich auch nicht "decken", sollte es wieder zu Auffälligkeiten kommen.
    Ich habe einen vhs-Italienisch-Kurs begonnen (zum x-ten male ), ich mache wieder regelmäßig Sport und entspanne in der Sauna.
    Ich gehe regelmäßig zur Verhaltenstherapie. Wobei ich seit 2 Jahren bei einer Therapeutin bin, die echt genial ist und auch tacheless mit mir redet und mit mal in den Allerwertesten tritt, wenn sie merkt, ich eier rum.
    Und ich gehe wöchentlich zu den Guttemplern.

    Meine Ehe hat das ganze zwar auch mitgenommen, aber mein Mann hält zum Glück nach wie vor zu mir, wofür ich sehr, sehr dankbar bin!

    Aufgrund der letzten Auffälligkeit im Juli will man mich nun hier vom Dienstherrn aus auf Langzeit schicken.
    Das wäre sicherlich auch ein möglicher Weg. Ich habe das auch ernsthaft in Erwägung gezogen, denke aber (wie auch meine Therapeutin und Nervenärztin), dass ich ambulant die Kurve bekomme, so wie es jetzt läuft.
    Da ich privat versichert bin, würde meine Krankenkasse nichts mehr zahlen (hat damals auch nur "kulanterweise" 30% übernommen - so viel zum Thema "anerkannte Krankheit" ....). Im Gegenteil hat man mir schon angedroht, dass bei erneutem Rückfall auch der erste Klinikaufenthalt zurück zu zahlen ist.
    Wenn´s nicht anders ginge ... sch... drauf. Aber da ich ohne jeden Überschwang glaube, ich bekomme auch so die Kurve, möchte ich mir keine zusätzlichen Schulden und somit neue Probleme an den Hals hängen.
    Jedenfalls muss ich nun kommenden Montag zu einem angeordneten Gutachten, wo festgestellt werden soll, ob ich zur LZ muss oder nicht. Soll eine mehrstündige Untersuchung werden. Ich schätze, das wird ähnlich wie bei einer MPU ablaufen.
    Leberwerte habe ich, die sind im grünen Bereich, der CDT auch. Mulmig ist mir trotzdem, weil ich nicht weiß, was mich genau erwartet.

    Und dann hoffe ich, dass ich durch aktives Mitarbeiten hier im Forum auch weiter wachsen kann...

    Und wenn sich einer jetzt bis hierhin durchgelesen hat, freue ich mich über jede Zuschrift :)