Beiträge von Blizzard

    Zitat von abendstern

    Ach ja, die Ärztin fragte mich zu Beginn des Gespräches, ob ich mein Leben lang auf Alkohol verzichten möchte oder kontrolliertes trinken
    erlernen möchte, da gäbe es wohl unterschiedliche Ansatzpunkte.
    .

    Das hat man mich auch gefragt. Es stellte sich heraus, das das eine Art Testfrage ist die jedem Neuling gestellt wird, um herauszubekommen, wie weit der Klient geistig bereits ist und wieviel Ahnung er von der Alkoholkrankheit hat.

    Hallo Abendstern,

    vielleicht hast du die Ratschläge hier auch nur falsch aufgenommen. Eine stationäre Entgiftung ist immer eine sichere Sache und ein konsequenter erster Schritt - aber nicht immer notwendig. Natürlich sind auch ambulante Entzüge (unter ärztlicher Begleitung - was du ja jetzt wohl machen wirst bzw. schon machst) möglich.

    Absolut notwendig ist daber, das du das nicht nach gut dünken selber entscheidest, sondern eben nach Absprache mit einem Arzt.

    Ich hätte daher schon ein gewisses Vertrauen in deine Suchtambulanz. Die sehen dort schließlich jährlich tausende Fälle und können das schon ganz gut einschätzen.

    Was edit:/xxxx betrifft, habe ich keine Ahnung und keine Erfahrungen.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Zitat von sari

    und am Montag also gestern habe ich die erste Untersuchung gehabt
    und es war erstmal alles IO, wer weis was die andere Ärztin da gesehen
    hat aber zur Sicherheit gehe ich am Donnerstag nochmals zum CT ,

    naja wird schon alles werden
    Liebe Grüsse Kerstin

    :D

    Hallo Kerstin,

    freut mich, dass zu lesen - und hoffe es bestätigt sich! Weiterhin alles Gute!

    Herzlichst,

    Blizzard

    P.S.: Nachsatz zu Punkt 4: Du musst deinem Arbeitgeber nicht sagen, warum du im Krankenstand bist. Aus dem gelben Krankenschein geht nicht hervor, was du für eine Diagnose hast. Dein Arbeitgeber hat auch kein Recht, von Dir die Wahrheit zu erfahren. Wenn er dich fragt, ist es daher rechtlich völlig zulässig ihn anzulügen.

    Hallo Fantasy,

    das hört sich doch schon besser an, als deine ersten Postings.

    Dein Weg sollte der folgende sein:

    1. Gehe zu deinem Arzt und sprich offen über alles. Auch über dein Händezittern und deine psychischen Probleme ohne Alkohol. Bitte ihn, dir eine Überweisung zur Entgiftung zu geben.

    2. Lass dir die Überweisung von deiner Krankenkasse bestätigen (das wird verlangt - ausser du bist ein Notfall).

    3. Sprich offen und ehrlich mit deinen engsten Angehörigen. Sag ihnen klar und deutlich, was du ihnen in den letzten Monaten und Jahren vorgespielt hast und das es dir jetzt so dreckig geht, das du dein Leben ändern willst.

    4. Bezüglich Arbeitgeber: Auch hier wäre Ehrlichkeit angesagt. Falls du aber zuviel Angst haben solltest, deinen Job zu verlieren kann ich das verstehen. In diesem Falle meldest du dich einfach krank, wenn du in die Entgiftung gehst. Eine Entgiftung dauert auch nicht drei Wochen, sondern maximal 10 Tage. In den meisten Fällen reichen 7 Tage völlig aus. Und eine Woche Krankenstand bei dieser schweren Krankheit - das solltest du dir schon wert sein.

    5. Schließe dich einer Selbsthilfegruppe an und/oder schreibe hier regelmäßig wie es dir geht. Denn der schwerste Teil der Arbeit wartet nach der körperlichen Entgiftung. Mach bloß nicht den Fehler zu glauben, dass du nach der Entgiftung "geheilt" bist oder auch nur das schwerste hinter dir hast. Du musst dann damit beginnen, deinen Leben neu zu ordnen. Eventuell Veränderungen vorzunehmen, die den Alkohol aus deinem Umfeld fernhalten. Und vor allem: Du musst die Lücken, die Leere die die Abwesenheit des Alkohols hinterlässt, füllen.

    Ich wünsche dir dabei viel Glück und Kraft!

    Herzlichst

    Blizzard

    Hallo hasenpfoetchen,

    Selbsthilfegruppen dienen, wie der Name schon sagt, der Selbsthilfe. Professionell begleitet durch Psychologen oder Therapeuten sind sie daher in aller Regel nicht. Selbsthilfegruppen sind einfach Kreise von Gleichgesinnten, die ein gemeinsames Problem haben und versuchen sich bei der Bewältigung desselben bestmöglich zu unterstützen. Im Prinzip so wie hier im Forum. Verwechsle das daher bloß nicht mit einer Therapie - das ist was ganz anderes!

    Ich habe noch nie davon gehört, das jemand bei einer Selbsthilfegruppe genötigt wird, die "Hosen" runterzulassen, schon gar nicht beim ersten Mal. Aber natürlich werden die anwesenden Mitglieder wenigstens eine Kurzvorstellung von dir hören wollen. 2-3 Sätze darüber, wer du bist, was du für ein Problem hast und was du dagegen tun willst. Das entspricht der üblichen Vorstellungsrunde, der man überall bei SHG's, aber auch in Therapiegruppen begegnet. Dein Leben musst du da nicht ausbreiten. Du bestimmst was du preis gibst - wenn jemand dann doch nachboren sollte, sag einfach das du momentan nicht mehr sagen willst.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo hasenpfoetchen,

    die Scheu am Anfang, mit seinem Problem nach aussen zu gehen (zum Arzt, ins Krankenhaus, zur Suchtberatungsstätte oder zu einer Selbsthilfegruppe) ist, denke ich, bei jedem, in einer verschieden starken Prägung, vorhanden.

    Um dich zu beruhigen: Egal in welche Selbsthilfegruppe du gehen willst - was und wieviel du von dir und deiner Säuferkarriere preisgeben willst, bleibt dir selbst überlassen. Niemand zwingt dich auf Teufel komm raus alles zu erzählen. Man kann auch in eine Selbsthilfegruppe gehen und einfach nur zuhören. Und irgendwann, wenn man die erste Scheu überwunden hat, kann man dann selber was erzählen - oder es auch sein lassen.

    Hallo Marlen,

    nach meinem letzten Absturz, Anfang März, bin ich zum ersten Mal in eine Suchtberatungsstätte begeben. Ich musste einfach mit meinem Problem nach aussen gehen, wusste nicht, wie ich die Sache sonst noch unter Kontrolle bringen sollte. Allein hatte ich schon oft versucht etwas zu unternehmen, was dann immer nur in Trinkpausen geendet hatte.

    Ich ging also in die Suchtberatungsstätte und traf dort auf eine sehr nette Psychologin, bei der ich seitdem regelmäßig (im Schnitt ungefähr alle 10 Tage) ein Einzelgespräch habe. Am Anfang habe ich einfach erzählt, was mein Problem ist, warum ich aufhören will mit dem Trinken, wie ich mich fühle, was mir so durch den Kopf geistert. Sie gibt mir dann immer ein sehr informatives Feedback und macht mich auf meine automatisierten Verhaltensweisen und Gedankengänge aufmerksam und zeigt mir wo ich gegensteuern kann. Ich halte mich zwar für durchaus intelligent, aber auf diese Dinge wäre ich nie selber gekommen. Ich war (und bin es teilweise immer noch), vie zu tief drinnen in meinem eigenen Gedankensumpf.

    In den ersten 4 Wochen besuchte ich täglich (Mo-Fr.) für eine Stunde eine Tagesgruppe, die auch von einem Psychologen geleitet wurde. Da ging es dann vornehmlich tatsächlich über die möglichen Therapieangebote, aber auch um das aktuelle Befinden der Teilnehmer, da sich dieses Angebot an Alkoholiker richtet, die erst seit wenigen Tagen oder Wochen nüchtern sind. Diese Gruppe brachte mir zwar keine weltbewegenden Erkenntnisse, jedoch möchte ich auch diese Zeit nicht missen. Ich habe viele Geschichten und Erfahrungen gehört und mich hier und da auch wiedergefunden. Und gelegentlich habe ich von mir selber erzählt. Und diese paar Sätze, die ich dann mal selber zur Sprach brachte, gaben mir ein unglaublich gutes, erleichterndes Gefühl. An den Tagen wo ich selber was erzählt habe, ging ich nachher richtig beschwingt und erleichtert Richtung U-Bahn. Da habe ich angefangen zu begreifen, warum Leute in Selbsthilfegruppen gehen.

    Die ambulante Therapie die ich jetzt noch in diesem Sommer beginnen werde, beinhaltet ein wöchentliches Gespräch mit der Psychologin und ein Gruppengespräch (eine bzw. eineinhalb Stunden). Ich werde dann über die "Ergebnisse" in meinem Thread berichten.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Andi,

    ja, du hast es ganz gut auf den Punkt gebracht. Genau diese Unterscheidungsfähigkeit ist für mich jetzt von Bedeutung.

    Einerseits Angst und Zweifel aufmerksam hinterfragen, andererseits aber auch Freude und Glücksgefühle gelassen und entspannt annehmen können. :)

    Damit ich nicht leichtsinnig werde, werde ich hier weiterhin jeden Tag lesen und regelmäßig etwas schreiben. Mittlerweile kann ich den Satz in Michas Signatur gut nachvollziehen "Ich schreibe an euch, aber für mich".

    Herzliche Grüße,

    Blizzard

    Hallo Marlen,

    ich möchte dir an dieser Stelle recht geben. Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Vielen Leuten hat eine LZT geholfen, viele andere hatten aber nicht allzu lange danach auch wieder einen Rückfall. Viele haben es auch ohne Therapie geschafft, eine stabile und glückliche Trockenheit zu erreichen, andere sind dann wieder auf die Schnauze geflogen und haben dann nach langem hin und her doch eine LZT gemacht. Von denen haben es dann wieder einige so geschafft, andere nicht. Usw. Wege gibt es viele, jeder muss seinen eigenen finden.

    Mir persönlich hilft das Schreiben hier im Forum und die Gespräche in meiner Suchtberatungsstätte. Demnächst beginne ich eine ambulante Therapie, was meine Trockenheitsarbeit, denke ich, gut "abrunden" wird. Das ist mein Weg.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Zitat von .Micha

    Und da finde ich es auch schön und genauso wichtig, dieses "Aber" auch annehmen zu können und sich auch mit der Kehrseite der Medaille zu versöhnen und zufrieden damit leben zu lernen.

    Herzliche Grüße vom Micha

    Hallo .Micha und herzlichen Dank für deinen Beitrag. Soweit ich das überblickt habe, der erste Beitrag eines Moderators in meinem Thread (Andy hat mir auch mal geschrieben, wo er allerdings noch kein Mod. war).

    Zum Thema: Das "aber" annehmen viel mir ja nicht schwer - das Problem war für mich bisher vielmehr: Ich habe das "aber" mit Vehemenz gesucht, das ganze hatte irgendwie schon fast zwanghaften Charakter. Irgendwie hatte ich bisher offensichtlich ein Problem damit, einfach mal "hinzunehmen", das es mir gut ging. Immer suchte ich ein Haar in der Suppe, auch wenn es objektiv nichts gab, was zu bemängeln wäre.

    Dadurch konnte ich nie Energie und Zuversicht in den Maßen freisetzen, wie ich das gerne getan hätte, denn immer fühlte ich mich ja unsicher, instabil und nicht wirklich, richtig gut.

    Ich habe in den eltzten Wochen viel gelernt, in mich selbst reinzuhören. Was sind da für Gefühle? Was will mir mein Unterbewusstsein damit sagen?

    Was ich noch nicht gelernt habe, sind die tatsächlichen, berechtigten miesen Gefühlslagen zu unterscheien von den miesen Gefühlslagen, die nur deswegen mies sind, weil ich nicht wahrhaben kann, das es mir auch mal gut geht. Hört sich jetzt vielleicht ein bisschen wirr an, aber der eine oder andere hier wird es vielleicht nachvollziehen können.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Zitat von Fantasy40

    Hi Sensei,

    danke für Deine Antwort. Eine Entgiftung brauche ich nicht,da ich außer etwas Händezittern am Morgen eigentlich keine physischen Symptome habe, wenn ich dann mal eine Zeit nichts trinke. Ich bin nur fürchterlich schlecht gelaunt, eine Leere macht sich breit bei mir, wenn ich keinen Wein bekomme. In der Woche wenn ich auf der Arbeit bin habe ich nicht so viele Probleme aber kaum komme ich raus aus meinem Büro abends geht es los. Ich mache dann noch meinen Sport, denke aber während ich noch renne oder sonstwas mache schon wie ich nun meine kleinen Fläschen zu Hause rein schmuggle. Ich kaufe mir dann immer kleine 1/4 Liter-Fläschen und beruhige mich damit, dass ich ja nur so kleine Fläschen trinke. Nur wenn ich dann drei davon getrunken habe, ist eine ganz normal grosse Flasche Zeugs in mich rein geflossen - das ist Selbstbetrug, ich weiß das aber ich kann nichts dagegen tun. Nein, mit meinem Arzt habe ich nicht darüber gesprochen, mit niemandem und das kann ich auch nicht, ich schäme mich eh so, dass mir das passiert ist. :oops: Ich muss das ohne meine Mitmenschen regeln und möglichst heimlich. Wer heimlich trinken kann so wie ich - ich habe schon sehr viel Einfallsreichtum entwickelt - kann auch heimlich wieder trocken werden, sag ich mir. :cry:
    Ich wünsche Dir auch alles Gute, nochmals Danke.

    Gruß, Fantsay

    Hallo Fantasy,

    bitte nimm mir das jetzt nicht persönlich übel, aber: So wie du die Sache angehen willst, gebe ich dir NULL Chancen auf Erfolg.

    Wenn du ohne Alkohol schon morgens Händezittern hast, ist eine körperliche Abhängigkeit durchaus schon gegeben. Dein Körper ist jetzt so an das Zeug gewöhnt, das überhaupt nicht klar und sicher abgeschätzt werden kann, wie er nach absetzen des Stoffs reagiert. Manchmal treten die schlimmsten Entzugserscheinungen erst nach 4-6 Tagen auf. Eine Frau auf meiner Suchtberatungsstelle berichtete letztens, das sie am 6. Tag (!)ihres letzten Selbstentzuges mit einer Freundin im Cafe eine Tasse Kaffee trank und dann plötzlich einen Krampfanfall erlitt - und mit dem Notarzt ins KH transportiert wurde. Die Sache ging glimpflich für sie aus - das muss aber nicht. Andere sind daran auch schon gestorben. Auch wenn dieser schlimmste Fall natürlich sehr selten vorkommt, sollte man bloß nichts auf die leichte Schulter nehmen.

    Was du dir erhoffst, ist der "leichte Weg". Du willst ja nichtmal deinen Arzt und deine Familie einweihen. Du willst also eine schwere Krankheit bekämpfen und besiegen ohne das irgendwer in deinem Umfeld was mitbekommen soll. :roll: Alkoholismus ist eine anerkannte Krankheit, genauso wie Leukämie oder multiple Sklerose, die garantiert tödlich verläuft, wenn man sie nicht zum Stillstand bringt.

    Gerade beim Alkoholismus ist es wichtig, einen ehrlichen, geradlinigen Neuanfang anzustreben. Mit dem Selbstbetrug, der Geheimnistuerei und den Relativierungen aufzuhören. Deswegen ist ein ärztlich begleiteter Entzug (stationär oder ambulant - das kann nur dein Arzt entscheiden) auch ein doppelt hilfreicher Schritt: Neben dem Abmildern der körperlichen Symptome wäre es auch für deine Psyche von Vorteil, diesen konsequenten ersten Schritt nach Aussen zu gehen. Dann hättest du ein Fundament worauf du aufbauen kannst.

    Ehrlichkeit gegenüber deinen Angehörigen und Freunden ist völlig unumgänglich. Wenn du dazu nicht bereit bist, ist jegliche Diskussion überflüssig. Ein Alkoholiker braucht ein Umfeld, was ihm auch einen gewissen Schutz bietet - und das kann nur ein Umfeld leisten, das weiß das du da ein Problem hast.

    Ich fürchte du unterschätzt die Schwierigkeiten, die mit dem erlernen einer stabilen Trockenheit einhergehen, enorm.

    Lies dich mal hier durch die Geschichten der anderen Teilnehmer.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo zusammen,

    heute war ich wieder bei meiner Psychologin in der Suchtberatungsstelle. Neben der Therapievorbereitungsgruppe, die ich einmal pro Woche besuche habe ich momentan etwa jede 2. Woche ein Gespräch mit ihr. In den letzten Wochen ging es dabei um meinen Antrag/Sozialbericht auf ambulante Entwöhnungsbehandlung, wir reden aber auch ganz allgemein darüber, wie ich mich fühle und wie ich denn so vorankomme (um es mal so auszudrücken).

    Heut wurde mir dabei wieder etwas klar. Immer wenn es mir gut geht und wenn ich mich ein Stück weit sicherer auf meinem Weg fühle, fange ich noch im gleichen Atemzug alles zu relativieren (es geht mir gut, aber...ich fühle, das ich vorankomme, aber...ich fühle mich ein Stück weit wohler als am Beginn meiner Abstinenz, aber...). Mittlerweile fiel mir das schon gar nicht mehr so richtig auf, so sehr hat sich das ganze automatisiert.

    Weil bei mir auch depressive Episoden ein Thema waren und sind, erklärte meine Psychologin mir, dass dies eine typische Verhaltensweise von Depressionserkrankten ist: Man kann nicht zulassen, das es einem richtig gut geht, "man ist doch schließlich depressiv, man ist doch krank". Man traut dem "sich-wohl-fühlen" gar nicht mehr über dem Weg. Und da fiel bei mir der Groschen! Denn genau so geht es mir oft. Sobald ich mich zur Abwechslung mal richtig gut fühle, meldet sich sofort eine Stimme in mir, die zu mir spricht "oh, oh...lass dich nicht ablenken, du bist problembeladen, es geht dir nicht gut, wenns dir gut geht bist du rückfallgefährdet, wenn du dich wohl fühlst ist das allenfalls vorübergehend usw. usf.".

    Wenn man allerdings so denkt, tötet man systematisch alle guten Gefühle und allen schönen Gemütslagen, weil man sie sich quasi selbst verbietet und schlechtredet.

    Eine wichtige Erkenntnis für mich.

    Ich werde dem ab heute bewusst entgegensteuern.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Anemone,

    vielen Dank für deinen Bericht, den ich gerne gelesen habe. Es freut mich, dass es dir in deinem neuen Leben so gut geht. :)

    Was mir ein bisschen bei deiner Geschichte fehlt ist der Übergang. Du wolltest dich umbringen, kamst ins Krankenhaus und von da an war alles Klasse - so zumindest hört es sich für mich an.

    Aber wie ging es dir denn in den ersten Monaten der Trockenheit? Hattest du da auch mal Zweifel, ob du es schaffen wirst? Und wenn ja, wie bist du damit umgegangen? Wie hast du - nachdem du immerhin 2 mal versucht hast, die freiwillig aus dem Leben zu verabschieden - wieder den Willen und die Überzeugung gefunden, das das Leben etwas lebenswertes ist, für das es sich doch lohnt zu kämpfen?

    Diese Dinge würden mich an deiner Geschichte noch interessieren.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Marlen,

    meiner Meinung nach machst du nichts anderes als an deiner Trockenheit zu arbeiten, wenn du uns z.B. von deinem Tagesablauf erzählst und wie du dich dabei gefühlt hast. Da muss man dann auch nicht in jedem 2. Satz den Alkohol ins Spiel bringen.

    Aber hin und wieder wirst du in Situationen kommen, wo dir dann der Alkohol "über den Weg läuft" und wieder einen Platz in deiner Gedankenwelt (wenn vielleicht auch nur für kurze Zeit) einnimmt. Stell dir vor, du siehst einen ungepflegten Typen mit Fahne und Bierflasche in der U-Bahn. Wie fühlst du dich? Wahrscheinlich fühlst du dich angeekelt und bist froh, nicht mehr zu trinken. Das macht dich noch sicherer. Du fühlst dich von der Droge weit weit entfernt und in "Sicherheit".

    Nehmen wir jetzt aber mal an, du hast bisher hauptsächlich alleine abends vor dem Fernseher getrunken (ich weiß jetzt nicht ob das bei dir so war, aber nehmen wir es mal an) und eine alte Freundin ruft dich nach einem Jahr der Trockenheit an und lädt dich zu ihr ein. Du bist mittlerweile ein Jahr trocken, denkst kaum noch an Alkohol und es geht dir so richtig gut. Dann entkorkt deine alte Freundin plötzlich eine Flasche Wein.

    In diesem Moment ist es dann entscheidend, was du im abgelaufenem Jahr gelernt hast, wie sehr du dir auch in dieser Situation sofort bewusst bist, was passieren kann, wenn du dir jetzt eine "kleine" Schwäche leistest.

    Wenn du heute abend aufhörst, dich mit dem Thema Alkohol und Alkoholkrankheit zu beschäftigen, sind die Chancen erdrückend hoch, dass du in einer solchen Situation einen Rückfall erleidest.

    Abschließend kann ich dir nur empfehlen, die Arbeit an deiner Trockenheit nicht zu verbissen und zu spezifisch zu sehen. Du musst nicht dauernd im Zusammenhang mit Alkohol hier schreiben - und arbeitest dabei trotzdem an deiner Trockenheit.

    So sehe ich dass. :wink:

    Herzlichst,

    Blizzard

    Zitat von Marlen

    Hallo,

    Ich weiß, daß es ein Fehler wäre, sich nicht noch lange und gerade am Anfang sehr intensiv damit auseinanderzusetzen... Trotzdem habe ich das Gefühl, daß mich das Thema ermüdet, bzw. ich hier nichts beizutragen habe, eben weil es mir so gut geht.

    Hallo Marlen,

    dieses Gefühl hatte ich am Anfang auch, kann man auch in meinem Thread in dem einen oder anderen Posting herauserkennen. :wink:

    Trotzdem habe dann alle paar Tage mich hingesetzt und trotzdem was geschrieben - einfach weil ich es mir selbst versprochen habe. Und siehe da: Nach einer Zeit wurde mir bewusst, das mir das Schreiben über meinen Gefühlszustand - auch wenn dieser unspannend und undramatisch ist - doch etwas bringt: Reflektion! Durch das Schreiben hier wird mir klarer, wie ich mich jetzt echt, tatsächlich fühle. Ich werde mir meinem Zustand dadurch ein Stück weit bewusster.

    Und jetzt, wo ich das ein paar Monate gemacht habe, bin ich ech froh darüber. Ich lese mir dann ab und wann meine früheren Beiträge durch und erinnere mich wieder. Ich sehe meine Entwicklung ein Stück weit foranschreiten und freue mich.

    So wie in deiner heutigen Nachricht machst du es genau richtig. Du beschreibst, was du getan hast und wie du dich dabei gefühlt hast. Das ist gut so! Denn es macht einen wesentlichen Teil der Arbeit an deiner Trockenheit aus. Nur wer seine Gefühle kennt und einschätzen kann, weiß wann er rückfallgefährdet ist.

    In meiner Suchtberatungsstelle bin ich auf viele Menschen getroffen, die einen Rückfall hatten und auf die Frage nach dem Warum geantwortet haben: "Keine Ahnung", "es kam wie aus heiterem Himmel", oder "ich weiß nicht warum".

    Jemand der seine Gefühle regelmäßig reflektiert und so einzuschätzen lernt, ist da besser gewappnet und wird wahrscheinlich nicht so von bösen "Überraschungen" überrollt.

    Am Anfang mag dir das langweilig und mühsam vorkommen, aber mit der Zeit automatisiert sich das - und irgendwann macht es einem auch Spass.

    Ich habe momentan hier wesentlich mehr Spass daran zu schreiben und zu reflektieren, als in den ersten beiden Monaten.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Micha,

    nein, den Thread hatte ich bisher nicht bemerkt. In diesem Fall kann man natürlich gerne diesen Thread hier an den anderen dranhängen.

    Herzlichst,

    Blizzard

    P.S. Ich hatte bisher auch noch nie Saufdruck, aber so wie Carnel es bereits schrieb, wäre, glaube ich, für mich ganz gut, wenn ich zur Beruhigung immer soetwas in der Tasche haben würde.

    Hallo Chris,

    dein Posting bringt mich dazu, zum 1. Mal in diesem Forum nicht als trockener Alkoholiker sondern als Sozialarbeiter (der ich "nebenbei" auch noch bin) zu antworten.

    Gehe zum Jugendamt. Das ist absolut die richtige Anlaufstelle für dich. Dort solltest du deine Situation genauso schildern wie jetzt hier uns. Es gibt eine Reihe von Hilfestellungen, die der Gesetzgeber für solche Fälle vorgesehen hat. Z.B. könnte ein Familienhelfer eingesetzt werden, oder aber du könntest ein betreutes Einzelwohnen für junge Erwachsene beantragen. In deinem Fall wird wahrscheinlich sogar beides notwendig sein, da es nicht nur um dich, sondern auch um deinen Bruder geht, der ja weiterhin zu Hause leben muss.

    Für das "betreute Einzelwohnen" gibt es - je nachdem wo du wohnst - Organisationen und freie Träger, die dies durchführen und dafür vom Jugendamt bezahlt werden. Du bekommst dann entweder eine 1- bis 2 Zimmerwohnung innerhalb eines solchen Projektes oder einen Platz in einer WG. In beiden Fällen wirst du weitergehend von Sozialarbeitern betreut, die dich dann auch auf deinem Weg in eine berufliche Zukunft begleiten und dir Hilfestellung im Alltag bieten, wo du diese benötigen solltest.

    So eine Maßnahme muss aber erstmal bewilligt werden. Dies geschieht nach Einsicht der Sachlage durch den zuständigen Sachbearbeiter im Jugendamt. Rufe dort also an, schildere in kurzen Worten dein Problem (du stehst kurz vor dem Rauswurf aus der Wohnung durch deinen alkoholkranken Vater, hast Sorgen um deinen jüngeren Bruder, kannst dich aber nicht alleine durchschlagen da du noch ohne Ausbildung und Einkommen bist) und bitte um einen Termin.

    Dort wird man dir helfen. Hand drauf!

    Herzlichst,

    Blizzard

    Entschuldigung das ich schon wieder einen neuen Thread aufmache, aber ich denke dass das nun angesprochene Thema sehr viele interessieren könnte.

    In meinem Thread ging es zuletzt um den Notfallplan den jeder trockene Alkoholiker parat haben sollte, um sich in kritischen Situationen vor Rückfällen schützen zu können. Ich würde mir jetzt auch gerne so einen Plan zurechtlegen, weiß aber nicht so recht, wie ich das anfangen soll.

    Deswegen die Frage an alle:

    Habt ihr einen Notfallplan?
    Wie sieht dieser aus?
    Habt ihr ihn niedergeschrieben, oder existiert er nur im Kopf?

    Ich würde mich über Antworten freuen.

    Herzlichst,

    Blizzard