Zitat von Fantasy40
Hi Sensei,
danke für Deine Antwort. Eine Entgiftung brauche ich nicht,da ich außer etwas Händezittern am Morgen eigentlich keine physischen Symptome habe, wenn ich dann mal eine Zeit nichts trinke. Ich bin nur fürchterlich schlecht gelaunt, eine Leere macht sich breit bei mir, wenn ich keinen Wein bekomme. In der Woche wenn ich auf der Arbeit bin habe ich nicht so viele Probleme aber kaum komme ich raus aus meinem Büro abends geht es los. Ich mache dann noch meinen Sport, denke aber während ich noch renne oder sonstwas mache schon wie ich nun meine kleinen Fläschen zu Hause rein schmuggle. Ich kaufe mir dann immer kleine 1/4 Liter-Fläschen und beruhige mich damit, dass ich ja nur so kleine Fläschen trinke. Nur wenn ich dann drei davon getrunken habe, ist eine ganz normal grosse Flasche Zeugs in mich rein geflossen - das ist Selbstbetrug, ich weiß das aber ich kann nichts dagegen tun. Nein, mit meinem Arzt habe ich nicht darüber gesprochen, mit niemandem und das kann ich auch nicht, ich schäme mich eh so, dass mir das passiert ist.
Ich muss das ohne meine Mitmenschen regeln und möglichst heimlich. Wer heimlich trinken kann so wie ich - ich habe schon sehr viel Einfallsreichtum entwickelt - kann auch heimlich wieder trocken werden, sag ich mir.
Ich wünsche Dir auch alles Gute, nochmals Danke.
Gruß, Fantsay
Hallo Fantasy,
bitte nimm mir das jetzt nicht persönlich übel, aber: So wie du die Sache angehen willst, gebe ich dir NULL Chancen auf Erfolg.
Wenn du ohne Alkohol schon morgens Händezittern hast, ist eine körperliche Abhängigkeit durchaus schon gegeben. Dein Körper ist jetzt so an das Zeug gewöhnt, das überhaupt nicht klar und sicher abgeschätzt werden kann, wie er nach absetzen des Stoffs reagiert. Manchmal treten die schlimmsten Entzugserscheinungen erst nach 4-6 Tagen auf. Eine Frau auf meiner Suchtberatungsstelle berichtete letztens, das sie am 6. Tag (!)ihres letzten Selbstentzuges mit einer Freundin im Cafe eine Tasse Kaffee trank und dann plötzlich einen Krampfanfall erlitt - und mit dem Notarzt ins KH transportiert wurde. Die Sache ging glimpflich für sie aus - das muss aber nicht. Andere sind daran auch schon gestorben. Auch wenn dieser schlimmste Fall natürlich sehr selten vorkommt, sollte man bloß nichts auf die leichte Schulter nehmen.
Was du dir erhoffst, ist der "leichte Weg". Du willst ja nichtmal deinen Arzt und deine Familie einweihen. Du willst also eine schwere Krankheit bekämpfen und besiegen ohne das irgendwer in deinem Umfeld was mitbekommen soll.
Alkoholismus ist eine anerkannte Krankheit, genauso wie Leukämie oder multiple Sklerose, die garantiert tödlich verläuft, wenn man sie nicht zum Stillstand bringt.
Gerade beim Alkoholismus ist es wichtig, einen ehrlichen, geradlinigen Neuanfang anzustreben. Mit dem Selbstbetrug, der Geheimnistuerei und den Relativierungen aufzuhören. Deswegen ist ein ärztlich begleiteter Entzug (stationär oder ambulant - das kann nur dein Arzt entscheiden) auch ein doppelt hilfreicher Schritt: Neben dem Abmildern der körperlichen Symptome wäre es auch für deine Psyche von Vorteil, diesen konsequenten ersten Schritt nach Aussen zu gehen. Dann hättest du ein Fundament worauf du aufbauen kannst.
Ehrlichkeit gegenüber deinen Angehörigen und Freunden ist völlig unumgänglich. Wenn du dazu nicht bereit bist, ist jegliche Diskussion überflüssig. Ein Alkoholiker braucht ein Umfeld, was ihm auch einen gewissen Schutz bietet - und das kann nur ein Umfeld leisten, das weiß das du da ein Problem hast.
Ich fürchte du unterschätzt die Schwierigkeiten, die mit dem erlernen einer stabilen Trockenheit einhergehen, enorm.
Lies dich mal hier durch die Geschichten der anderen Teilnehmer.
Herzlichst,
Blizzard