Beiträge von Blizzard

    Hallo zusammen,

    gestern abend hatte ich noch ein Gespräch mit meiner Freundin und da kam mir eine Erkenntnis zu Bewusstsein, die ich als einigermaßen wichtig einstufe. Ich habe nämlich den Grund herausgefunden (oder zumindest den ausschlaggebenden Grund), warum ich begann zu trinken.

    Ich war damals ja so 14, 15 Jahre alt. Ich ging wie jeder andere auch in die Schule, hatte dabei keine besonderen Probleme. Ich kam Nachmittags (im Schnitt so um ca. 14 Uhr) nach Hause, aß und....legte mich ins Bett. 1,2 manchmal sogar 3 Stunden schlief ich dann nachmittags.

    Ich hatte keine Hobbies. Keine Interessen. Die meisten meiner Freunde, die ich davor noch hatte, gingen nun auch auf eine höhere Schule und hatten jede Menge zu tun. Ich nicht. Die Schule forderte mich nicht über die Maßen. Ich spielte kein Instrument und betrieb keinen Sport. Ich interessierte mich auch sonst für nichts. Und genau das war es. Das war es!

    Nach meinen ersten Berührungen mit dem Alkohol habe ich Gefallen an dessen Wirkung gefunden - die Langeweile war weg. Von da an trank ich immer öfter nach der Schule schon Alkohol, weil dann die Langeweile mit einem Schlag weg war. Ich konnte z.B. alleine auf einer Parkbank sitzen (oder auch in meinem Zimmer oder sonstwo) und zufrieden für mich eine Dose Bier nach der anderen trinken. Es machte mir nichts aus. Was für andere langweilig gewesen wäre, war für mich völlig befriedigend.

    Nach und nach fand ich dann andere Kumpels, zumeist Klassenkameraden, denen es im Prinzip genauso ging - und das waren fortan meine Freunde. Wir gingen dann fast jeden Nachmittag direkt nach der Schule in die Kneipe. Es war kein Frustrinken, es war kein Party-Trinken - es war einfach Zeitvertreib.

    Auch die Situationen danach in meinem Leben, wo ich am meisten trank (und wo mir dadurch auffiel, das etwas nicht stimmen konnte) spielten sich meist dann ab, wenn ich mit mir nichts anzufangen wusste. Beispiel: Lange Zugfahrten. Zuerst reiste ich freizeitmäßig gerne durch die Gegend, später aus beruflichen Gründen. Ohne Bier langweilig und an den Nerven zehrend. Mit Alkohol ruhig und entspannend, seinen Gedanken genussvoll hinterherhängend.

    Unglaublich, das mir das erst jetzt so bewusst wird, wo ich es doch eigentlich immer wusste. Aber es wird mir erst jetzt bewusst.

    Ich denke, das ist ein guter Punkt wo ich ansetzen kann um Rückfälle zu vermeiden.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo mannberlin,

    danke für dein ausführliches Posting! Es tut immer wieder gut, auch von anderen (die in einer ähnlichen Situation sind wie ich), zu hören, dass sie meinen Gefühlszustand/Gedankengang nachvollziehen können, weil es ihnen genauso oder zumindest ähnlich erging. Man kommt sich dann in seinem täglichen Dasein nicht mehr so "aussergewöhnlich" (im wahrsten Sinne des Wortes) vor.

    Ein paar Worte zum Thema Sport: Vom Anfang meiner Säuferkarriere mit ungefähr 15 Jahren bis zum Alter von 23 1/2 Jahren habe ich rein gar keinen Sport gemacht. Im Sommer 2003 war es dann besonders schlimm: Ich trank ungefähr 10-12 halbe Bier pro Tag und lag den ganzen Tag im Bett, aß dazu unmengen Fleisch und Pizza und wurde immer fetter. In einem lichten Moment habe ich mich dann im September 2003 entschlossen, diesem Zustand ein Ende zu bereiten und begann (mit Unterstützung auch meiner Freundin) zu joggen. Am Anfang macht man da immer rasante Fortschritte (je schlechter man zu Beginn in Form ist, desto größer werden die Fortschritte), was sehr motivierend ist. Hinzu kam, das ich mit meiner näheren Verwandtschaft immer kleine Wettkämpfe durchführte, was mich auch zusätzlich motivierte und dazu brachte, dabeizubleiben.

    Der Sport war dann auch in den schlimmsten Phasen, gegen Ende meiner nassen Zeit, neben meiner Freundin, immer der einzige stabilisierende Faktor, den ich nie aufgab. Eine Zeit lang habe ich jeden Tag 10 Bier getrunken, mich am nächsten Tag bis zum späten Nachmittag ausgenüchtert und bin dann wieder 3 Stunden trainieren gegangen. Das war wahrscheinlich auch der Grund, warum ich zumindest körperlich nicht total absackte in den letzten Jahren.

    Aber auch (und gerade) jetzt ist mein Sport für mich der wichtigste Halt für mich ausserhalb der eigenen 4 Wände. Meine gute Physis gibt mir eine gewisse Selbstsicherheit und Zuversicht in die Zukunft, so nach dem Grundsatz: Wenn ich das geschafft habe, kriege ich die anderen Probleme wahrscheinlich auch auf die Reihe.

    Ohne Sport wäre mir die letzten 3 Monate hier permanent die Decke auf den Kopf geknallt. Ich möchte gar nicht daran denken...

    Hallo phonix,

    die Sache mit dem Notfallplan ist sehr interessant! Ich werde mir jetzt in den nächsten Tagen auch so etwas handfestes zulegen.

    Herzliche Grüße an euch beide!


    Blizzard

    Zufriedene Trockenheit bedeutet für mich, ein Leben ohne jegliche Art von betäubender oder berauschender Mittel zu führen, ohne dies als etwas besonderes anzusehen. Es bedeutet für mich, mich all meinen Gefühlen und Gedanken - auch den unangenehmen - stellen zu können, ohne dabei ein Verlangen zu entwickeln, mich der Situation zu entziehen oder wegzulaufen.

    Zuallerst bedeutet eine zufriedene Trockenheit für mich, Nichttrinken nicht als "Verzicht" zu sehen oder zu fühlen.

    Zufrieden trocken zu sein bedeutet für mich zufrieden zu leben.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo phonix,

    und danke für deine Rückmeldung!

    Keine Sorge, ich passe auf wie ein Schiesshund. Momentan sowieso, da ich mich wie gesagt derzeit den Großteil meines Tages mit der Krankheit beschäftige (eigentlich die ganzen letzten 3 Monate). Aber auch für die Zukunft habe ich erkannt, das mein Erfolg wohl maßgeblich davon abhängt, sich die Problematik regelmäßig zu vergegenwärtigen. Ich habe schon sehr viel über Rückfälle gelesen und gehört, und warum sie so passiert sind. Ich werde mich dagegen wappnen, um es mal so salopp aushzudrücken.

    Die Arbeit an meiner Trockenheit soll mich den Rest meines Lebens begleiten - das ist mein Vorhaben.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Forumsgemeinde,

    ich durchlebe momentan so eine Art Wechselbad der Gefühle, allerdings nur mit leichten Temperaturschwankungen, um es mal so auszudrücken.

    Irgendwie ist das schon komisch. Wenn ich morgens aufstehe fühle ich mich eigentlich ganz gut, trinke meinen Kaffee und lese Nachrichten. Ich fühle mich dabei wie wahrscheinlich tausende andere Menschen auch.

    Dann gehe ich eine Stunde später in meine Suchtberatungsstelle (dort habe ich momentan immer Mittwoch morgens eine "Therapievorbereitungsgruppe" von 60 Minuten). Dort fühle ich mich anfangs meist etwas aufgekratzt und unwohl, später dann aber wieder besser. Zu Hause genau das selbe. Eine Stunde fühle ich mich gut, die nächste dann wieder sehr lethargisch bis nervös. Je später es im Verlauf des Tages wird, desto besser wird meine Stimmung. So gegen 23-1 Uhr gehts mir dann stabil, gleichmäßig gut, sodass ich dann ausgeglichen schlafen gehen kann.

    Irgendwie ist das komisch. Ich nehme keinerlei Medikamente oder Beruhigungsmittel oder ähnliches - aber diese Gefühlsschwankungen sind immer da. Sie kommen mir jetzt aber nicht "bedrohlich" vor, soll heißen, das ich das auch nicht dramatisieren will. Mich würde nur interessieren, ob das auch ein beobachtbares Sympthom bei euch war. Wie sah es bei euch in den ersten Monaten der Trockenheit aus? Ging es euch da ähnlich bezüglich Gefühlsschwankungen?

    Momentan nimmt die Arbeit an meiner Trockenheit einen wesentlichen Teil meines Tagesablaufes ein, wodurch ich auch schon viel gelernt und über mich selber erfahren habe.

    Herzliche Grüße an euch von meinem Balkon, wo ich wohl nicht mehr allzu lange werde sitzen können, da es nach Gewitter/Regen aussieht. :wink:

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo sari,

    das hört sich jetzt vielleicht irgendwie komisch an, aber ich werde es jetzt trotzdem schreiben:

    Als ich gerade deinen Eintrag gelesen habe, überkam mich sofort das Gefühl, das die Sache mit den 2 Dingern in deinem Körper harmlos ist.

    Ich hoffe recht zu haben und wünsche dir alles Gute! Bleib trocken, halte durch!

    Gruß,

    Blizzard

    Hallo liebe Forumsgemeinde,

    habe gestern im Vorstellungsbereich den Eintrag von Micha-Grophiusstadt gelesen, in welchem er berichtet hat, das er nach 13 Jahren der Trockenheit der einzige aus seiner ehemaligen Langzeittherapie ist, der noch heute trocken ist. Das war für mich der Grund intensiver über dieses Thema nachzudenken.

    Irgendwo habe ich auch mal gehört das nur 2 von 100 Alkoholikern es schaffen, bis an ihr Lebensende trocken zu bleiben, nachdem sie dem Alkohol ernsthaft entsagt haben.

    In meiner Suchtberatungsstelle gibt es zahlreiche Fälle von Menschen, die nach 6, 10, 12 und noch mehr Jahren rückfällig wurden. Auffallend war für mich, das ausschließlich alle berichteten, welch schönes Leben sie sich in den Jahren der Trockenheit aufgebaut haben.

    Jetzt frage ich mich natürlich: Welcher Teufel hat sie dann geritten, wieder zur Flasche zu greifen? War es Nachlässigkeit? Leichtsinn? Vergessen? Übersteigerte Selbstsicherheit?

    Wenn man rein von statistischen Werten ausgeht, muss man wohl auch davon ausgehen, das einige der Langzeittrockenen hier im Forum, die heute die überzeugendsten, sachlichsten und fundiertesten Beiträge schreiben, irgendwann in den nächsten Jahren wieder rückfällig werden. :(

    Ich finde diesen Gedanken ziemlich beunruhigend.

    Was meint ihr dazu?

    Zitat von Marlen

    Hallo,

    Hallo und guten Morgen Marlen :) ,


    Zitat von Marlen

    Bisher hatte ich keinerlei Probleme. Weder Schlafstörungen, Zittern, Herzrasen noch Saufdruck, Angst oder sonstige körperliche oder psychischen Beschwerden.

    Jetzt könnte ich sagen, alles fein, ich hab die ganz harte Zeit völlig problemlos überstanden, mir fehlt nichts und mich hier wieder verabschieden

    Gut das du dich noch nicht verabschiedet hast, denn das würde die Gefahr eines baldigen Rückfalles schlagartig erhöhen. Ein kapitaler Fehler, den du gemacht hast, ist zu denken, das du die "harte Zeit völlig problemlos überstanden hast". Das ist ein schwerer Denkfehler. Was du bis jetzt geschafft hast, ist der körperliche Entzug. Dieser dauert je nach Person zwischen 7-10 Tagen und ruft unterschiedlich starke Entzugserscheinungen hervor. Ich hatte übrigens genauso wie du gar keine sichtbaren Entzugserscheinungen. Nur bedeutet das leider nicht viel.

    Die richtig "harte Zeit" kommt jetzt auf dich zu. Du musst jetzt in den nächsten Wochen und Monaten lernen, dein Leben neu zu leben. Du wirst zahlreichen Situationen begegnen, wo du früher getrunken hättest, zahlreiche Gefühle durchleben, bei denen du früher zur Flasche gegriffen hättest. Diese Situationen und Gefühle werden dich eine ganze Zeit lang begleiten und dir das Leben nicht unbedingt einfacher machen. Wenn es einfach wäre, bräuchten wir ja keine Foren um darüber zu diskutieren und keine teuren Therapien.

    Momentan durchlebst du eine allseits bekannte Phase der Euphorie, weil du den ersten Schritt erfolgreich getätigt hast, und merkst, dass dir das offensichtlich gar nicht so schwer gefallen ist - im Vergleich zu vielen anderen, die auf Entzugsstationen im Krankenhaus nicht selten um ihr körperliches Überleben kämpfen müssen.

    Wie gesagt: Der körperliche Entzug ist zeitlich eingegrenzt - die psychische, geistig-seelische Entwöhnung vom Alkohol dauert aber Monate, wenn nicht sogar Jahre. Du musst dich vom Alkohol distanzieren um die Momente der Gefahr für dich wo es nur geht zu reduzieren:

    Zitat von Marlen

    Dann lese ich immer, daß man UNBEDINGT sein Leben völlig ändern sollte, sonst wird man nicht dauerhaft trocken.
    Ich mag mein Leben aber. Gerade nüchtern betrachtet hab ich ein sehr gutes Leben, das ich mir durch den Alkohol fast selbst zerstört hätte.

    Mein Umfeld ist alkoholfrei, ich habe keine Saufkumpane, mein Partner weicht kaum noch von meiner Seite, so begeistert ist er von seiner nüchternen Marlen :D Wir haben das letzte Jahr nicht so viel zusammen gelacht, wie die letzte Woche. Also auch hier alles im grünen Bereich

    Das sind gute Voraussetzungen. Natürlich muss nicht jeder zwanghaft sein Umfeld ändern, wenn dieses Umfeld nicht für den eigenen Alkoholkonsum verantwortlich gemacht werden kann. Ich z.B. habe in den letzten Jahren auch hauptsächlich alleine getrunken. Meine Freundin trinkt nicht, meine Freunde kenne ich allesamt vom Sport - die trinken so gut wie gar nicht.

    Und trotzdem musst du dich natürlich jetzt bewusst werden, in welchen Situationen du genau getrunken hast. Welche Angewohnheiten steckten dahinter, welche Automatismen? Jeder Mensch hat unterschiedliche Trinkgewohnheiten. Viele z.B. trinken hauptsächlich alleine abends vor dem PC. Das ist (oder war) für sie das "Freizeitprogramm". Wenn der Alkohol dann wegfällt, entsteht erstmal eine gewisse "Leere", schließlich fällt ein langjähriger Lebensbegleiter weg. Diese Leere gilt es nun bestmöglichst, sinnvoll und dauerhaft zu stopfen. Wenn du diese Leere mometan gut überwinden kannst, ist das positiv, aber frage dich immer selbstkritisch: Reicht mir das? Kann ich aus meinen neuen Aktivitäten die ich jetzt nüchtern angehe, eine Gewohnheit machen? Kann ich die Löcher die der Alkohol hinterlassen hat, stopfen? Diese Frage entscheidet maßgeblich über Erfolg oder Misserfolg, über Abstinenz oder Rückfall. Wenn es dir nämlich nicht gelingen sollte, diese Leere dauerhaft mit neuem Leben zu füllen, wird sich dein alter "Wegbegleiter" wieder zu Wort melden und auf seine Existenzberechtigung pochen.


    Zitat von Marlen


    Auf der Infoseite habe ich gelesen, daß nach dem Entzug, "wenn der körperliche Druck weg ist...."???? Bedeutet das, daß ich nicht mehr mit Suchtdruck zu rechnen habe ?

    Auch der "Saufdruck" äußert sich bei jedem Menschen mit unterschiedlicher Intensität und Häufigkeit. Ich denke, die Sache ist sehr situationsgebunden. Ich hatte z.B. die ersten 50 Tage überhaupt keinen Saufdruck. Dann war eine Situation nach einem sportlichen Erfolgserlebnis, eine Feier, und - zack - wie aus dem Nichts hatte ich plötzlich tierische Lust auf eine Flasche/einen Kasten Bier. Wenn ich mich zum damaligen Zeitpunkt nicht schon tagtäglich mit der Krankheit beschäftigt und an mir gearbeitet hätte, hätte ich hier wohl einen Rückfall erlitten. Und solche Situationen werden immer wieder kommen. Man muss wachsam sein. Ein ganz wichtiger Punkt der Arbeit an der eigenen Trockenheit ist daher, sich ein eigenes "Alarmsystem" zu entwickeln. Wo begebe ich mich in Gefahr? Wo lauert der Alkohol? Wie kann ich die Risiken minimieren?

    Zitat von Marlen

    Ich trauere dem Wein nicht hinterher. Manchmal kommt so ein kleiner Impuls, dann stelle ich mir vor, wie ich mich jeden Abend nach den zwei Flaschen Wein gefühlt habe und auch am nächsten Morgen, ich stell mir den Alkoholgeschmack vor - und dann ist der fiese Gedanke auch schon wieder weg.

    Das ist bereits "geistige Arbeit" an deiner Trockenheit was du da machst. Gut so. Das Problem bei der Sache hat man uns ganz anschaulich in meiner Suchtberatungsstelle erklärt. Psychologisch ist es nämlich so, das wir durch den Einzug des Alkohols am Beginn unserer Trinkerkarriere nur Vorteile sahen. Im Laufe der Zeit kamen dann die Nachteile hinzu, wurden mehr und größer, bis der Leidensdruck so groß war, dass wir beschlossen aufzuhören. Wenn wir jetzt am Anfang der Trockenheit stehen, erinnern wir uns v.a. an das was zuletzt war (die miese Stimmung in der wir uns befanden durch das Saufen, das ständige Verkatert sein, die Übelkeit, die peinlichen Momente usw.), was uns hilft, trocken zu bleiben. Wenn man jetzt aber aufhört, sich dessen ständig bewusst zu machen, neutralisieren sich die Gedanken irgendwann wieder...und widerum einige Zeit später "kramt" das Unterbewusstsein dann die schönen Gefühle und Gedanken hervor, die wir am Anfang unserer Trinkerzeit mit dem Alkohol verbanden - denn diese sind natürlich auch noch in uns gespeichert! In jedem von uns! Deshalb ist die geistige Auseinandersetzung mit dem Alkohol für einen trockenen Alkoholiker unentbehrlich. Wer damit aufhört, wird nachlässig - und Nachlässigkeit bereit dem Rückfall den Boden.


    Zitat von Marlen

    Was macht ihr bei akutem Suchtdruck? Ich habe Angst, daß er mich plötzlich und ganz unvermittelt doch noch überfallen könnte..

    Unterschiedlich. Du kannst vieles tun. Ein vielgehörter Ratschlag besteht darin, viel Fruchtsaft zu trinken. Auch anstrengender Sport kann kurfristig helfen dich auf andere Gedanken zu bringen. Ich habe auch von Leuten gehört, die ständig eine Art "Kurzzusammenfassung der schrecklichsten nassen Momente" in schriftlicher Form mit sich herumtragen. Eine Art Liste also mit den peinlichsten und unangenehmsten Momenten, verursacht durch den Alkohol, wo es einem richtig dreckig ging. Diese Liste wird dann einfach beim Einsetzend es Saufdruckes 3-5 mal schnell runtergelesen. Das sollte helfen! :wink:

    Zitat von Marlen


    Momentan beschäftige ich mich mit gesunder Ernährung und wenn ich heute "Leerlauf" habe, dann mach ich mein Rad wieder einsatzklar. Ich konzentriere mich jetzt sehr auf meinen Körper und meine Gesundheit - für mich ist das eine tolle Ablenkung und Sport wollte ich schon lange machen, ist aber im Alkoholnebel immer nur so eine Idee gewesen...

    Gute Ideen - gute Voraussetzungen. Aber rechne damit, dass sich der Teufel Alkohol wieder melden wird, auch wenn er das momentan nicht tut, und du deswegen auf Wolke 7 schwebst.

    Zitat von Marlen

    Aber ansonsten fällt mir wenig ein, das ich ändern könnte, wollte bzw. was mich zum Trinken bringen würde. Das bin nämlich nur ich selbst und nichts aus meinem Umfeld....

    Das siehst du glaube ich zu einfach. Du musst dich halt wirklich ehrlich selber fragen, warum du bisher getrunken hast. Welche Gefühle wolltest du damit ausschalten: Angst? Wut? Langeweile? Gefühle der Sinnlosigkeit? Sorgen?

    Irgendetwas davon trifft auf jeden Alkoholiker zu. Diese Gefühle haben einen Ursprung - und den gilt es herauszufinden, sich ihm zu stellen und zu fragen, wie ich den Ursprung beseitigen kann.


    Abschließend kann ich dir nur raten: Bleib wachsam, was immer du auch tust und wie gut du dich auch fühlst! Beginnende Nachlässigkeit, der Gedanke "ich habe es geschafft, mir kann nichts mehr passieren" ist die Fahrkarte zurück ins alte Leben, der sichere Weg in den Rückfall.

    Zitat von Marlen

    Liebe Grüße

    Marlen

    Viele Grüße zurück, machs gut!

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Timster,

    ich habe mir jetzt nochmal mein letztes Posting durchgelesen und ich glaube, dass ich mich missverständlich ausgedrückt habe.

    Du hast mit dem was du schreibst natürlich völlig recht. Aber ich meinte das anders. Ich glaube nicht, es "geschafft" zu haben, im Sinne von "mir kann nichts mehr passieren". Ich meinte vielmehr: Ich habe es geschafft, die Erkenntnis zu gewinnen, das ich lernen kann mit meinen Gefühlen und Emotionnen trocken umzugehen, sie zu be- und verarbeiten. Ich stehe negativen Gefühlsmomenten nicht mehr nur verzweifelt gegenüber, sondern bin mir bewusst, das ich das Handwerkzeug besitze, mich auch nüchtern mit diesen Gefühlen auseinanderzusetzen. Hört sich jetzt vielleicht ein bisschen kompliziert an, aber ich denke du weißt was ich meine.

    Ich wünsche Dir und allen anderen noch einen schönen Sonntag!

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo liebe Forumsgemeinde,

    morgen geht für mich wieder eine Woche ohne Alkohol zu Ende. Jetzt sind es 90 Tage her, seitdem ich dem Alkohol endgültig ade gesagt habe und ich fühle mich in meinem Entschluss sehr bestärkt. Die Zeit bisher war nicht immer einfach und wird es wohl auch in Zukunft nicht sein. Mittlerweile habe ich den notwendigen Abstand zu meiner nassen Zeit um mir erst mal richtig darüber klar zu werden, was ich für ein Leben geführt habe, wohin es mich mit dem Alkohol weitergeführt hätte und wo ich jetzt, ohne Alkohol, hinwill - in meinem Leben.

    Jeden Tag werden mir die Dinge irgendwie ein klein wenig klarer und ich kann mich nur immer mehr wundern, wie ahnungslos ich z.B. vor einem halben Jahr von meiner Krankheit noch war. Klar, ich wusste das mit mir was nicht stimmt und hatte auch kein Problem damit, mich als Alkoholiker zu bezeichnen. Aber was das bedeutet, was alles auf mich zukommen würde mit der Entscheidung abstinent zu leben usw., davon hatte ich kaum einen Schimmer.

    "Aus Krisen lernen" ist momentan ein festes Motto zur Bewältigung meines Alltages und zur geistigen Arbeit an meiner Trockenheit. Immer wieder kommt es vor, das ich mich schwach fühle in meiner Abstinenz in den letzten Wochen, das ich nervös, innerlich aufgekratzt, ja sogar richtig verzweifelt bin. Alles Gefühle, dich früher sofort mit Alkohol "niedergekämpft" hätte, nichtwissend, das ich damit genau diese Gefühle in Zukunft noch immer stärker gemacht habe.

    Heute setze ich mich damit auseinander und habe dabei diese Woche eine wichtige Entdeckung gemacht: Krisen gehen vorbei. 2 mal ging es mir diese Woche überhaupt nicht gut - Dienstag und Donnerstag. Ich fühlte mich verängstigt, lustlos, müde und vom Leben selbst einfach nur erschöpft. Sofort fing ich an zu dramatisieren, zu zweifeln, zu verzweifeln. Doch als ich mich wieder beruhigte, mich auf andere Gedanken brachte, mich ablenkte, stellte ich fest: Es geht vorbei. Das hört sich jetzt sicher so nichtssagend, so einfach an. Aber das ist es für mich nicht. Für mich ist es DIE Erkenntnis der letzten Monate schlechthin. Man kann schlechte Zeiten, man kann sogenannte "Tiefs" aushalten. Das sie momentan regelmäßig auftauchen schreibe ich einfach der Tatsache zu, das sich mein Leben in den vergangenen Wochen radikal geändert hat. Wo gehobelt wird, fallen Späne.

    Das große Erdbeben ist vorüber. Ich baue mein Leben neu auf. Wenn ich jetzt noch ab und zu meine Tiefs habe, dann sind das höchstens kleine Nachbeben, die mir nichts mehr anhaben können.

    Aber Übermut tut selten gut. Deshalb bleibe ich weiterhin wachsam und ich weiß das ich auch nur eine Armlänge vom nächsten Glas entfernt bin.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Kerstin,

    ich begreife diese ganzen Zusammenhänge hinter der Alkoholkrankheit auch erst seit ein paar Monaten.

    Die wichtigste Erkenntnis für mich war, das man um "trocken" zu werden, wesentlich mehr tun muss, als einfach nur "mit dem Trinken aufhören".

    Wenn ich auf die letzten 12 Jahre meiner nassen Karriere zurückblicke, entdecke ich jetzt - mit dem notwendigen Abstand, wie ich durch den Alkohol alle meine Gefühle manipuliert habe. Wenn ich negative Gefühle hatte (Ärger, Wut, Trauer, Langeweile) habe ich sie mit dem Alkohol betäubt, wenn ich voller Freude und Glück war, brauchte ich den Alkohol um diese Gefühle zu verstärken. Wenn man sowas jahrelang macht, ist es nur zu verständlich, dass man - nach Absetzen der Droge - emotional ein bisschen "verrückt" spielt.

    Irgendwie müssen wir neu lernen, mit all diesen Gefühlszuständen ohne Alkohol umzugehen. Und das erfordert Zeit und viel gedankliche Arbeit. Mein Ziel ist es, mit der Zeit mich offen meinen Gefühlen stellen zu können, sie auch ohne Alkohol oder andere Betäubungsmittel auszuhalten, immer und in jeder Situation. Denn wenn ich das kann - da bin ich mir sicher - werde ich von Grund auf selbstsicherer, innerlich ruhiger, entspannter - und damit trockener. Dann empfindet man die Abwesenheit von Alkohol auch nicht mehr als Verzicht. Der Alkohol hat dann für dein Leben keine Bedeutung mehr. Ich befinde mich auf diesen Weg und komme jede Woche ein kleines Stückchen voran. Das wünsche ich dir auch - jeder kann es schaffen, wenn er mit der richtigen Einstellung herangeht.

    Herzlichst

    Blizzard

    Hallo Sandra,

    Glaube ist sehr wichtig und er hilft vielen Menschen dabei, mit ihren Problemen umzugehen. Glaube gibt Kraft, Rückhalt und Sicherheit. Die Frage ist aber, ob dein Vater selbst ein Problem sieht. Denn wenn nicht, dann bringt auch kein Glaube etwas.

    Ich selbst würde mich dann doch auch als gläubigen (aber nicht gerade strenggläubigen) Christen bezeichnen und habe in meiner Anfangszeit (meiner Trockenheit) im Internet auch viele Seiten gezielt gesucht, die sich ganz konkret mit dem Thema auseinandersetzen und die mir in dieser schwierigen Zeit Rückhalt und innere Ruhe gaben. Google doch einfach mal. Viele Betroffene haben berichten dort über ihren Weg, ihren Glauben und ihre Alkoholsucht. Eine hervorragende Seite in dieser Hinsicht, die ich nur empfehlen kann: https://beispiel.rocks/beispiel.rocks/www.peterbirkner.de

    Gruß,

    Blizzard

    Hallo sari,

    der Unterschied zwischen einer Trinkpause und einem Rückfall ist meiner Meinung nach eine Sache der geisigen Herangehensweise.

    Bei mir persönlich war es so, das ich in den Trinkpausen tatsächlich bewusst nur eine Pause gemacht habe. Ich wollte gar nicht mit dem Trinken aufhören. Ich wollte mir nur selbst beweisen, das ich eine bestimmte Zeit lang auf Alkohol verzichten kann.

    Davon unterscheidet sich für mich eine 2. Art von Trinkpausen, nämlich die, wo man zwar mit dem Vorsatz beginnt, das Trinken tatsächlich sein zu lassen, wenns geht für immer, man aber sich geistig nicht von der Droge entfernt. Was heißt denn jetzt "sich geistig von der Droge entfernen", wirst du dich vielleicht fragen. Nun, für mich sind das alle Maßnahmen und alle geistige Arbeit die ich tätige um den Zustand zu erreichen, der hier im allgemeinen mit den Worten "zufriedene und glückliche Trockenheit" beschrieben wird.

    Denn nur wenn du lernst, auch ohne Alkohol glücklich und zufrieden zu leben, wirst du dauerhaft trocken bleiben können. Momentan habe ich den Eindruck du hantelst dich so von Tag zu Tag und empfindest das "Nicht-Trinken" eher als Verzicht, der dich eine ganze Menge Willenskraft kostet. Das ist kein Vorwurf. Den meisten geht es in ihrer Anfangszeit wohl so. Die Arbeit die jetzt vor dir liegt, ist nichts geringer als das Leben neu zu entdecken. Dazu gehört auch z.B. Gefühle zuzulassen, bei denen du dich bisher betrunken hast. Dazu gehört aber auch sich bewusst vor Situationen in Acht zu nehmen, die dich bisher zum Trinken veranlasst haben. Das alles sind Punkte an denen man bewusst und konsequent arbeiten muss um die besagte "glückliche und zufriedene Trockenheit zu erlangen.

    Wenn man dann später mal, nach dieser ganzen Arbeit der man sich bewusst gestellt hat und die einenm zu einem glücklichen trockenen Leben verholfen hat, doch noch rückfällig wird, dann würde ich das als "Rückfall" bezeichnen.

    Das ist für mich also der grundlegende Unterschied: Während einer "Trinkpause" arbeitet man kaum oder wenig an sich selber. Ein richtiger Rückfall erfolgt dagegen auf eine Phase der Abstinenz in der man sehr wohl schon (vielleicht sogar auch sehr intensiv) aktiv daran gearbeitet hat, sich ein zufriedenes und glückliches Leben ohne Alkohol aufzubauen.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Sari,

    wenn ich diesen letzten Eintrag von dir lese, habe ich das Gefühl du bewegst dich auf ganz dünnem Eis. Wenn du nichts änderst, sehe ich bei dir eine enorme Rückfallgefahr.

    Erstens solltest du ehrlich zu deinem näheren Umfeld sein und wenigstens deinen Bekannten und Freunden offen sagen, warum du keinen Alkohol trinkst. Das mag dir zwar schwer fallen, ist aber notwendig.

    Dieses Mal hast du standgehalten. Nächstes Mal wirst du es wahrscheinlich auch noch können. Aber in 3 Wochen? Oder 3 Monaten? Oder 3 Jahren?

    Du scheinst dem Alkohol geistig noch sehr sehr nahe zu stehen. Ich selber habe vor meiner jetzigen Abstinenz zahlreiche Trinkpausen gehabt, die längsten davon waren 165 Tage, 81 Tage und 77 Tage. Aber ich war in diesen Zeiten geistig kein bisschen weg von der Droge. In den von dir beschriebenen Gedankengängen sehe ich meine eigenen während dieser Trinkpausen.

    Noch ein Tipp: Denk nicht immer "ich werde nie mehr Alkohol trinken". Abhängig von deinem Alter können das noch einige Jahrzehnte sein. Dieser Gedanke setzt einen Menschen unter enormen Druck. Nicht umsonst haben die AA's deswegen den Grundsatz: "Ich trinke die nächsten 24 Stunden keinen Alkohol". Dieser Zeitraum ist wesentlich übersichtlicher. Psychologisch ist das sehr wichtig.

    Herzlichst

    Blizzard

    Hallo Brigitte,

    vor ein paar Monaten war ich noch felsenfest davon überzeugt Depressionen zu haben. Heute weiß ich, das ich einfach "nur" Alkoholiker bin, der nicht erkannt hat, wie schlimm es um ihn stand und dessen Seele deshalb verzweifelt aufgeschrien hat.

    Trotzdem habe ich die Gedanken, möglicherweise grundsätzlich depressiv veranlagt zu sein, noch nicht wirklich ablegen können. Aber meine Entwicklung seit ich jetzt zum ersten Mal mit dem Trinken aufgehört habe in dem Bewusstsein a) alkoholkrank zu sein und b) diesmal nicht nur eine Trinkpause zu machen hat mich zu der Erkenntnis geführt, das es wohl nicht so ist. Meine Seele, die mich die ganze Zeit so geschmerzt hat, wird besser, die Gesamtentwicklung halte ich für tendenziell positiv. Aber es gibt immer wieder Rückschläge, die ich dann in meiner derzeitigen, noch instabilen Gemütslage sofort dramatisiere.

    Deshalb ist es gut wenn ich z.B. hier schreibe und dann für mich die ganze Sache erst mal richtig reflektiere. Dabei fällt mir dann auf, dass die Sache gestern z.B. einfach "mal ein schlechter Tag war"

    Viele Grüße

    Blizzard

    Hallo sweety!

    Ja, du hast recht. Ich glaube das ist eine ganz wichtige Erkenntnis. Das von dir beschriebene Gedankenmuster trifft glaube ich tatsächlich auf viele von uns zu.

    Auch ich muss lernen, mit negativen Gefühlen umzugehen. Und das ist mir wahrscheinlich gestern sogar ganz gut gelungen. Heute bin ich wieder besser drauf.

    Das ist wahrscheinlich gerade wirklich aktives Lernen. Während meiner nassen Zeit fühlte sich ja jeder Tag irgendwie gleich an - das ist jetzt anders.

    Dir und allen anderen hier auch einen schönen Tag! Freue mich, dass du geantwortet hast. :)

    Zitat von me-myself

    Hallo,


    Ich möchte Euch fragen, wie ihr es schafft trocken zu bleiben.

    Me-myself

    Kurz und knapp:

    Ich mache mir ständig bewusst, dass sich beim nächsten Glas genau wieder dort anfange wo ich aufgehört habe. Nach zahlreichen Selbstversuchen (Trinkpausen) zuvor weiß ich, dass es so ist. Und so dermaßen erbärmlich (psychisch) wie damals möchte ich mich nie wieder fühlen.

    Hallo zusammen,

    meine gute, fast schon euphorische Phase ist die letzten 2 Tage irgendwie verflogen. Ich bin momentan gar nicht gut drauf. Morgens bin ich müde, mittags lustlos, nachmittags wieder müde und abends wieder lustlos.

    Mit Mühe und Not habe ich mich gestern und heute aufgerafft, die wichtigsten Besorgungen zu machen. Ansonsten habe ich meine Zeit im Internet (in politischen Diskussionsforen v.a.) verplempert.

    Jetzt frage ich mich, ob das der Beginn einer neuen Phase ist, die man irgendwie im Zusammenhang mit meinem neuen, nüchternen Leben sehen muss, oder ob man es einfach mal hinnehmen muss nicht gut drauf zu sein. Schließlich gehts doch jedem mal so, oder?

    Ich neige halt in meiner jetzigen Situation dazu negative Stimmungslagen sofort auf die Waagschale zu legen und mich zu fragen, ob das jetzt beginnende Depressionen sind usw. Ich bin mir einfach sehr unsicher, was mein Seelenleben anbelangt. Ich habe (noch) kein Vertrauen in eine sich anbahnende emotionale Stabilität.

    Aber wie gesagt: Vielleicht dramatisiere ich einfach auch. Meine Freundin kam gerade nach Hause und sagte als erstes zu mir: "Ich bin heute irgendwie schlecht drauf." Ich sagte dann, das es mir genauso ginge. Sie darauf wiederum: "Das geht heute offenbar allen so. Bei mir am Institut waren alle schlecht drauf und wollten schon zu Mittag wieder nach Hause gehen".

    Das beruhigte mich dann wieder ein bisschen. Vielleicht gehört zum Erlernen einer zufriedenen Nüchternheit dazu, sich selbst nicht mehr dauernd so ernst zu nehmen. :wink:

    Hallo liebe Leute,

    das Wochenende war widerum sehr schön. Samstag waren wir bei Freunden frühstücken mit anschließendem Gesellschaftsspiel, sonntags war ich mit meinen Trainingskamaraden 4 Stunden bei brütender Hitze am Sportplatz trainieren, danach war ich mit meiner Freundin noch Eis essen. Am Abend war ich dann so k.o. das ich fast schon während des "Tatort" einschlief. Habe dann zum ersten Mal seit langer Zeit 8 Stunden geschlafen (nur einmal aufgewacht).

    Für diese Woche habe ich mir vorgenommen, aktiver zu werden. Zu Hause tendiere ich nämlich in den letzten Wochen immer meh dazu, meine Zeit mit überflüssigem Internetsurfen und Fernsehen zu vergeuden. Heute werde ich mich erstmal um meine Homepage kümmern, meine Bewerbungen für ein geplantes Mastersstudium fertigmachen und mich auch wieder ganz konkret meine persönlichen Gedanken sortieren und ausformulieren (was ich nur für mich in einer Art Tagebuchsammlung zu verschiedenenen Themen mache).

    Nachdem ich in den vergangenen Wochen mir erstmal wieder ein Stück innere Ruhe erarbeitet habe, will ich jetzt wieder an meinem Selbstvertrauen/Selbstverständnis arbeiten. Und dazu ist es notwendig, aktiver zu werden.

    Von Zeit zu Zeit befallen mich immer noch Gedanken der Sinnlosigkeit, der Gleichgültigkeit und einer gewissen inneren Anspannung. Aber diese Gedanken haben einen Teil ihres Schreck-Potentials verloren. Und irgendwann werden sie sich dann hoffentlich ganz aus meinem Leben verabschieden.

    Herzliche Grüße an alle und einen guten Start in die neue Woche,

    Blizzard

    Hallo Annax,

    wir wissen hier natürlich nicht, ob dein (Ex)Freund "ernst" machen würde mit seinen Internet-Aktivitäten oder ob er das ganze hauptsächlich als "Abenteuer" betrachtet. Beides ist möglich.

    Ich muss als Mann auch zugeben, dass wir uns nun mal gerne in erotische Fantasien hinein begeben, die das Internet zu Hauf bietet. Aber zum tatsächlichen Betrug kommt es nur bei den allerwenigsten Fällen - so zumindest meine Erfahrung. Viele Männer finden in einer einzigen Frau ihre 100 % Liebe, aber so gut wie keiner findet in dieser bestimmten Frau auch seine 100 %ige Sexualtrieberfüllung. Muss er sich diese deswegen bei einer anderen Frau holen? Nein, ganz sicher nicht. Das wäre gegenüber der Frau verletzend und demütigend.

    Was ich damit sagen will: Viele Frauen nehmen die Aktivitäten ihrer Männer im Internet oder im Sex-Shop zu ernst und interpretieren da was hinein, was nicht richtig ist. ABER das heißt nicht, das es genau in deinem Falle anders sein könnte und dich dein Freund tatsächlich vorhat zu betrügen. Wie gesagt: Wir wissen es nicht!

    Wenn in einer Beziehung so wenig Vertrauen vorhanden ist, wie bei euch, dann sehe ich ehrlich gesagt schwarz für die Zukunft. Da die ganze Situation für dich selbst gefährlich wird - dadurch nämlich, dass du in Rückfallgefahr in Bezug auf Alkohol gerätst - kann (oder muss) man dir empfehlen hier einen Schlussstrich zu ziehen.

    Ein Alkoholiker, der einen ehrlichen und möglichst erfolgreichen Weg in ein neues, abstinentes Leben finden will, muss dazu seine ganze Lebenssituation und Lebensweise dahingehend ändern, dass alles was die Gefahr eines Rückfalls heraufbeschwört, entfernt werden muss.

    Daher meine Empfehlung: Beende die Beziehung. Zumindest vorläufig. Abstand kann euch nur guttun. Dir hilft es bei deinem Weg in ein abstinentes Leben, und dein (Ex)Freund hat dann vielleicht die Chance zu erkennen, was er er selbst falsch macht, was du ihm bedeutest und sich zu ändern. Tut er das nicht, dann ist das für dich die Bestätigung, das es sowieso nicht geklappt hätte.

    Herzlichst,

    Blizzard