Zitat von Krueger
jeder muss für sich verantwortlich sein. D. h. wenn meine Frau trinken sollte, ist sie dafür verantwortlich, nicht ich.Das mag generell richtig sein.
Wenn aber doch eine Zuneigung besteht, fällt es schwer, Abstand zu nehmen. Dann kann ich doch nicht einfach sagen: "Ok, ich kümmere mich mal um mich und bin nicht für Dich verantwortlich."
Da habe ich einen Gewissenkonflikt.
Geht da nicht die eine Waag-Schale der Zuneigung zurück, wenn ich in der anderen Waag-Schale mich auf mehr Abstand trimme ??????
Hallo Krüger,
diese Krankheit ist vertrackt. Sie dreht manches, was uns so selbstverständlich erscheint, einfach um. Das Zeichen größter Zuneigung ist hier womöglich das Loslassen. Mich um mich selbst zu kümmern, heißt nicht gleichzeitig, dem Anderen keine Zuneigung entgegen zu bringen. Im Gegenteil. Wenn ich dem trinkenden Partner die Verantwortung für sein Leben lassen möchte, MUSS ich ihn loslassen und gut für mich selbst sorgen. Mich um mein eigenes Leben kümmern, um mich nicht ständig in seines einzumischen, auch wenn ich es unter dem Mäntelchen Zuneigung und Liebe tue.
Ich habe gemerkt, dass ich hinter dem, was ich als Zuneigung und Liebe bezeichnete, und das mich „ihn“ nicht loslassen ließ, meine ureigenste Angst vor dem Alleinsein stand. Ein Gefühl, versagt zu haben, ihn falsch behandelt zu haben, so dass er wieder begann zu trinken. Eine Art, mich nicht genug bemüht zu haben und das Gefühl, dass mein Leben erst dann in Ordnung ist, wenn er nicht mehr trinkt. Irrtum meinerseits – als er aufhörte zu trinken, war mein Leben noch lange nicht in Ordnung. Aber dann musste ich hingucken, denn nun hatte ich nicht mehr sein Trinken als Begründung dafür, dass ich nicht zufrieden war.
Verantwortung für dich übernehmen heißt auch, nicht zu fragen, warum SIE sich nicht trennt, sondern warum DU es nicht tust, wenn du nicht glücklich bist. Du schreibst, du würdest es als eine Art Weglaufen empfinden, wenn du dich trennen würdest. Das stimmt sicherlich teilweise. Aber nur unter dem Gesichtspunkt, dass du vor dir selbst wegläufst und das funktioniert nicht. In den Gesprächen mit deinem Therapeuten sind die Hinweise darauf, wie es dir besser gehen kann. Nämlich den Fokus auf dich selbst zu richten, denn hier kannst du etwas bewegen. Und dann womöglich sowohl deine Frau gern haben als sie auch loslassen.
LG
Ette