Beiträge von Ette

    Zitat von Krueger


    jeder muss für sich verantwortlich sein. D. h. wenn meine Frau trinken sollte, ist sie dafür verantwortlich, nicht ich.

    Das mag generell richtig sein.
    Wenn aber doch eine Zuneigung besteht, fällt es schwer, Abstand zu nehmen. Dann kann ich doch nicht einfach sagen: "Ok, ich kümmere mich mal um mich und bin nicht für Dich verantwortlich."
    Da habe ich einen Gewissenkonflikt.
    Geht da nicht die eine Waag-Schale der Zuneigung zurück, wenn ich in der anderen Waag-Schale mich auf mehr Abstand trimme ??????

    Hallo Krüger,

    diese Krankheit ist vertrackt. Sie dreht manches, was uns so selbstverständlich erscheint, einfach um. Das Zeichen größter Zuneigung ist hier womöglich das Loslassen. Mich um mich selbst zu kümmern, heißt nicht gleichzeitig, dem Anderen keine Zuneigung entgegen zu bringen. Im Gegenteil. Wenn ich dem trinkenden Partner die Verantwortung für sein Leben lassen möchte, MUSS ich ihn loslassen und gut für mich selbst sorgen. Mich um mein eigenes Leben kümmern, um mich nicht ständig in seines einzumischen, auch wenn ich es unter dem Mäntelchen Zuneigung und Liebe tue.

    Ich habe gemerkt, dass ich hinter dem, was ich als Zuneigung und Liebe bezeichnete, und das mich „ihn“ nicht loslassen ließ, meine ureigenste Angst vor dem Alleinsein stand. Ein Gefühl, versagt zu haben, ihn falsch behandelt zu haben, so dass er wieder begann zu trinken. Eine Art, mich nicht genug bemüht zu haben und das Gefühl, dass mein Leben erst dann in Ordnung ist, wenn er nicht mehr trinkt. Irrtum meinerseits – als er aufhörte zu trinken, war mein Leben noch lange nicht in Ordnung. Aber dann musste ich hingucken, denn nun hatte ich nicht mehr sein Trinken als Begründung dafür, dass ich nicht zufrieden war.

    Verantwortung für dich übernehmen heißt auch, nicht zu fragen, warum SIE sich nicht trennt, sondern warum DU es nicht tust, wenn du nicht glücklich bist. Du schreibst, du würdest es als eine Art Weglaufen empfinden, wenn du dich trennen würdest. Das stimmt sicherlich teilweise. Aber nur unter dem Gesichtspunkt, dass du vor dir selbst wegläufst und das funktioniert nicht. In den Gesprächen mit deinem Therapeuten sind die Hinweise darauf, wie es dir besser gehen kann. Nämlich den Fokus auf dich selbst zu richten, denn hier kannst du etwas bewegen. Und dann womöglich sowohl deine Frau gern haben als sie auch loslassen.

    LG
    Ette

    Hallo Lefty,

    du schreibst, du bist wieder einen Monat abstinent. Das liest sich für mich, als ob du es schon öfter versucht, aber nicht durchgezogen hast.

    Ich habe einen Freund, der seit einigen Jahren trocken ist. Mit ihm habe ich nach wie vor, allerdings nach einem längeren Kontaktabbruch, wieder häufiger Verabredungen. Ein anderer Freund will schon seit Jahren etwas gegen seine Sucht tun. Meldet sich hin und wieder, wenn er getrunken oder gekifft hat und ereifert sich über die schlechte Welt und seine fürchterliche Kindheit. Außer Absichtserklärungen ist bisher nichts passiert. Ich habe dann irgendwann den Kontakt abgebrochen, weil ich diese Nörgeleien über alles und jeden nicht mehr hören wollte. Noch dazu, weil er die Dinge, die er als negativ sieht, auch noch als Grund für seine Abhängigkeit benennt und Schuldzuweisungen über Schuldzuweisungen formuliert. Verantwortung für sein Leben hat er jedoch nach wie vor nicht übernommen. Es hat mir auf Dauer nicht gut getan, mir das immer und immer wieder anzuhören. Deshalb habe ich mich zurückgezogen, obwohl ich ihn auch nie persönlich betrunken oder sonst wie berauscht erlebt habe und recht gern habe.

    Vielleicht lässt dich das deine Familie ein wenig besser verstehen. Vielleicht wollen sie einfach erst einmal abwarten, was aus deiner vierwöchigen Abstinenz wird. Wie gehst du selbst denn mit dir um? Hast du Hilfe von außen? Machst du eine Therapie? Oder wie möchtest du eine zufriedene, nachhaltige Abstinenz erreichen?

    LG
    Ette

    Hallo Bleegle,

    tja, was meine ich? Na ja, inwieweit hast du dich mit dir selbst beschäftigt? Damit, dass du aushältst, alles regelst, dich für alles verantwortlich fühlst. Deine Antwort zeigt mir, dass du es allen schön und nett machen willst. Und für dich alleine? Machst du es da auch nett? Ist deine Leben, dein ganz eigenes Leben, auch lebenswert, wenn dein Mann wieder trinkt? Oder nur, wenn er es nicht tut?

    Für mich war es sehr wichtig, zu lernen, ohne meine Partner zufrieden zu sein. Als er bei mir wohnte und noch trank, hing meine Tagesform immer von seiner Befindlichkeit ab. Genauso wie sie davon abhing, wie Menschen in meiner Umgebung mit mir umgingen. Inzwischen habe ich durch viel Lesen – hier und in „schlauen“ Büchern – und eine Therapie gelernt mich von den Äußerlichkeiten nicht so beeinflussen zu lassen. Mein Wohlfühlen und meine Zufriedenheit mehr in mir selbst zu finden als in dem, was um mich herum passiert.

    Und ich habe gelernt, Erwachsene nicht wie kleine Kinder zu behandeln. Denn ich habe mich schon des öfteren so verhalten, als wäre mein Partner mein Sohn und ich müsste ihm sagen, wo es lang geht. Schließlich war ich der Meinung, ich wüsste schon, was gut für ihn ist und was er tun müsste, um trocken zu werden. SHG gesucht, ihn zum Arzt geschickt usw., usw....

    Dadurch hatte ich eine Menge Freiraum, den ich für meine eigene Entwicklung nutzen konnte. Denn schließlich bin ich der einzige Mensch, für den ich voll verantwortlich bin. Du hast natürlich auch noch deine Kinder. Und da wird es für mich schon schwierig, nachzuvollziehen, warum DU nicht wirklich etwas für dich veränderst. Aber das ist halt deine Entscheidung und du musst dich morgens im Spiegel betrachten können.

    So, nun aber.... es gibt viel zu tun.

    Bis die Tage

    Ette

    Guten Morgen,

    ha, zum ersten Urlaubstag gleich strahlender Sonnenschein am frühen Morgen! Das hab ich mir verdient!

    Ansonsten kann ich endlich meine Hand wieder ohne Schmerzen gebrauchen und somit ist in diesem Urlaub eine Menge Hausarbeit angesagt, da die letzten beiden Monate viel liegen blieb. Aber ein ordentlicher Vorher-Nachher-Effekt ist ja auch ein Stück Motivation.

    Arzt- und Physiotermine stehen auch noch an, sodass es mir sicherlich nicht langweilig wird ohne Büro. Aber langweilig ist mir sowieso selten. Lesen, denken, schreiben, träumen – zwei Wochen Zeit dafür ohne ins Büro zu müssen. Eine schöne Vorstellung.

    Jeder geht immer davon aus, dass man wegfährt im Urlaub. Ich fahre gerne weg, besonders gern an die See (Gotti, ich beneide dich), aber ich bin auch sehr gerne zu hause. Mein Zuhause ist mir ein Genuss, der während der Arbeitszeit einfach zu kurz kommt, da ich lange Arbeitstage habe und die Wochenenden immer viel zu schnell vorbei sind. Mich stört noch nicht einmal die Hausarbeit, weil ich sie in Ruhe erledigen kann und nicht nach einem langen Arbeitstag oder vor dem Aufstehen.

    Und jetzt mache ich mal zufrieden ans Werk.

    LG
    Ette

    Zitat von Bleegle


    2x hat er jeweils 8 + 6 Monate nichts getrunken und ich fand unser Leben schön, genauso wie ich es mir immer vorgestellt habe. Jedoch kamen dann zum Schluß dieser Zeit immer Vorwürfe, wie es ist überhaupt nichts besser, außer das ich nicht trinke.

    Hallo Bleegle,

    hast du denn hinterfragt, was genau er damit meinte? Und - was hast du denn für dich verändert, als er nicht trank?

    LG
    Ette

    Hallo Bleegle,

    es ist deine Entscheidung, dein Leben so zu führen, wie du es tust. Wenn du ein Leben hast, das du dir immer erträumt hast, warum solltest du auch etwas verändern? Wenn du dich sicher und geborgen fühlst, warum solltest du dich in die raue Alleinerziehungs-Realität begeben? Nun, Teil dieses „geborgenen, sicheren Lebens“ ist eben dein trinkender Ehemann. Und den kannst du nicht verändern, auch wenn du dir noch so viel Mühe gibst. Denn es ist SEINE Entscheidung, zu trinken. Die wirst du genauso wenig beeinflussen können, wie wir dich davon überzeugen können, dass es womöglich besser wäre, zu gehen.

    Du hast dich für dein erträumtes Leben entschieden. Dazu gehört dein trinkender Ehemann. Und zwar solange, bis er SELBST entscheidet, nicht mehr trinken zu wollen. Das wirst du wohl oder übel akzeptieren müssen. Auch wenn wir Co´s gerne alles regeln und in den Griff bekommen wollen. Mit unseren trinkenden Angehörigen klappt dies definitiv nicht. Du wirst hier auch keine Ratschläge finden können, wie man seinen Alki trocken legt.

    Und mit den tröstenden Worten ist das auch so eine Sache. Als ich die Arme mit dem trinkenden Partner war, fühlte ich mich bestätigt in meinem Schmerz und meiner Wut wenn ich getröstet und bedauert wurde. Wirklich genützt hat es mir nicht. Denn es hat mich in meiner Opferrolle bestätigt. Darin, dass alles nur am Trinken meines Partners liegt. Tut es aber nicht. Mein Leben kann ich nur selbst gestalten, egal, ob der Partner trinkt oder nicht.

    Du machst dir sehr viele Gedanken über das Trinken deines Mannes. Stell dir vor, er würde nicht mehr trinken, wofür hättest du dann den Kopf frei?

    LG
    Ette

    Zitat von Innocent


    Ich habe vor etwas einem Jahr aufgehört hier zu schreiben , weil ich zum einen merkte, dass schreiben zwar eine wunderbare Art der komunikation ist, aber auch Grenzen hat.
    Oft entstanden Mißverständnisse, auf die wiederum mißverständlich geantwortet wurde.So entstand eine Art parallel Universum, in dem ich mich nicht mehr verstanden fühlte.
    Das Forum habe ich als Gedankenaustausch unter Gleichgesinnten und Betroffennen erlebt, zeitweise
    wurde es jedoch zur Hobby-Psyochogenen-Kaumasse ohne Inhalt.
    Ich wurde dann lieber Beobachter als Teilnehmer.

    Hallo Innocent,

    na, das find ich ja ganz schön schräg, was du hier schreibst.

    Ich habe in deinem Thread mal ein wenig zurückgeblättert. Du fühltest dich nicht verstanden? Nun, vielleicht wäre dies etwas anders gewesen, wenn du auf die Fragen eingegangen wärst, die dir von verschiedenen SchreiberInnen gestellt wurden. Womöglich hätten die Antworten dazu beigetragen, dass wir alle dich besser verstanden hätten. Ich habe bei dir ziemlich viel allgemein gültiges gelesen und wenig, was mir beim Verstehen deiner Situation geholfen hätte.

    Und was die „Hobby-Psychogene-Kaumasse“ betrifft: Unsere Abhängigkeiten haben ihre Ursachen zu großen Teilen in der Psycho. Folglich ist es nicht verwunderlich, dass manche Postings psychogenen Inhaltes sind. Wenn du dies nun als Hobby-Psychogene-Kaumasse bezeichnest, empfinde ich das als abwertend den Menschen gegenüber, die offen von ihren Problemen und Empfindungen erzählen und sich nicht auf Allgemeinplätze zurückziehen.

    Sicherlich wirst du deine Gründe haben, nicht wirklich etwas von dir erzählen zu wollen. Als treuherzig-naiv, unschuldig, harmlos oder züchtig kommst du mit deinen Postings jedoch nicht bei mir an, auch wenn dein Nick dies wohl suggerieren soll.

    Vielleicht magst du ja einfach mal erzählen, welche Art von Unterstützung du dir hier im Forum erhoffst.

    LG
    Ette

    Guten Morgen,

    mir ist dieser Tage wieder einmal aufgefallen, dass es mir sehr schwer fällt, nein zu sagen. Nein sagen beinhaltet für mich immer noch die Angst, abgelehnt zu werden, weil ich nicht so reagiere, wie es sich der Andere vielleicht erhofft. Ganz automatisch läuft das Programm: dem Anderen gut tun, egal ob es mir damit gut geht oder nicht. Dem Automatismus kann ich aber entgegenwirken, wenn ich mir erst einmal eine Bedenkzeit nehme, um in mich hinein zu spüren, was ICH wirklich will. Konsequenzen meines Neins, Auswirkungen und eigene Empfindungen, die daraus dann resultieren, abzuwägen. Ich glaube, es ist nicht die Angst, nein zu sagen, sondern die Angst, was daraus resultiert, die mich immer wieder ja sagen lässt, wo ich eigentlich nein sagen will. Wenn ich es hinbekomme, auf meine eigenen Gefühle dabei zu achten und sie annehmen zu können, bin ich einen großen Schritt weiter. Wenn mich jemand wegen eines Neins ablehnt, wird er mich auch mit einem Ja nicht wirklich annehmen. Wer soll mich denn ernst nehmen, wenn ich es selbst nicht tue?

    LG
    Ette

    Hallo julchen,

    mein Kontaktabbruch ist nun vier Jahre her und er war zu diesem Zeitpunkt wichtig und richtig. Wir mussten beide an uns selbst arbeiten, um wieder in die Lage zu kommen, miteinander umzugehen. Es ist ein anderer Umgang als zu der Zeit der Trennung. Ich hätte diesen Umgang damals auch so nicht leben können. Zu verletzt, zu enttäuscht war ich. Inzwischen habe ich aber den trockenen ..... kennengelernt und ich bin gerne mit ihm befreundet, musste aber akzeptieren, dass wir kein Paar sein können.

    LG
    Ette

    Hallo Ribanna,

    schön, dass du wieder einmal von dir „hören“ lässt. Und es tut gut, zu lesen, dass es dir gut geht.

    Du hast recht, Co-Abhängigkeit ist eine Gratwanderung und ich weiß von mir selbst, dass ich mich und mein Verhalten sehr genau beobachten muss, um nicht aus dem Auge zu verlieren, was Hilfsbereitschaft und was Selbstaufgabe ist.

    Ich treffe mich auch oft mit meinem Ex-Partner und wir gehen recht vorsichtig miteinander um. Jeder hat sein Leben, und teilweise haben wir Gemeinsamkeiten. Schließlich haben wir einige Jahre zusammen verbracht.

    Mach dir keinen Kopf über das Stagnationsempfinden. Ich habe gelernt, dass Teil meiner Co-Abhängigkeit der ständige Thrill war, dass immer Chaos und Katastrophen für Aufregungen sorgten. Und auch dafür, dass ich mich selbst nicht zu spüren brauchte. Als dieses Chaos aufhörte, hatte ich das Gefühl, dass etwas fehlte, Stillstand herrschte. Wie Susanne schon schreibt, worin begründet sich dein Stillstandsempfinden? Vielleicht magst du ja darüber schreiben.

    Du schreibst, dass du dir Gedanken machst, ob dich dein Freund zu sehr unterstützt und damit nicht genug Energie für seine eigenen Probleme hat. Ich denke, es ist nicht DEINE Aufgabe, dir um seine Grenzen Gedanken zu machen. Darauf muss er selbst achten. Ich kann aber gut nachvollziehen, dass es so ist. Ich habe auch immer wieder solche Gedanken, die ich dann auch mit ihm bespreche. Und mehr und mehr kann ich einfach seine Unterstützung annehmen, ohne mir Gedanken um IHN zu machen. Denn ich sehe, dass er durchaus in Lage ist, seine Grenzen zu ziehen, Verantwortung für sich selbst trägt. Aber es sind eben lang gelebte Strukturen, die uns so handeln lassen. Es dauert seine Zeit, „umzulernen“.

    LG
    Ette

    Zitat von Rosita

    Liebe Ette,
    den Aspekt finde ich sehr interessant.


    Könntest du das bitte mal weiter erklären. Vielleicht steige ich dann eher hinter MEINE Defizite, da ich es so nicht wahrnehmen kann.
    Ganz lieben Dank. Rosita

    Guten Morgen Rosita,

    sorry, dass meine Antwort ein wenig auf sich warten ließ, aber sie ist nicht mit zwei, drei Sätzen erledigt.

    Ich will mal versuchen, zu erklären.

    Ich war ein Mensch, der versuchte, die Anerkennung von so vielen Menschen, wie möglich zu erhalten. Über Leistung, Anderen nach dem Mund reden und so zu sein, wie ich dachte, dass Andere mich haben wollen, bemühte ich mich, dies zu erreichen. Wollte nicht anecken, gern gemocht werden. Auch für die Gefühl von anderen habe ich mich stark verantwortlich gefühlt. Wenn es mir schlecht ging, habe ich das überspielt, damit die Menschen in meiner Umgebung nicht auch schlechte Gefühle bekamen. Hingegen war ich aber selbst von den Gefühlen meiner Umgebung stark beeinflussbar. Trotzdem ich mich so bemühte, hatte ich nie das Empfinden, wirklich angenommen zu sein und musste dies immer wieder bestätigt haben. Meine Zufriedenheit hing davon ab, ob Menschen mich annahmen oder nicht. Dafür hab ich ziemlich viel getan, hatte aber trotzdem nicht das Empfinden, irgendwann ausreichend „gewürdigt“ zu werden. Immer mehr und nie genug – süchtiges, abhängiges Verhalten eben.

    Im Grunde hatte ich keine eigene Meinung, ließ mich gerne von anderen Menschen überzeugen. Oder aber war so verbohrt in dem, was ich für richtig hielt, dass ich nicht in der Lage war, eine andere Meinung stehen zu lassen, sondern versuchte, in geradezu missionarischem Eifer meine Sicht der Dinge Anderen aufzudrücken. Schwarz oder weiß, entweder oder - sowohl als auch gab es für mich nicht. Zudem nahm ich alles sehr persönlich. War jemand anderer Meinung als ich, ging ich davon aus, dass er mich nicht mag. Ich konnte die Fakten nicht von meiner Person trennen.

    Ich konnte auch sehr schlecht formulieren, was ich selber will. Wenn es zum Beispiel um Entscheidung ging, war meine Lieblingsantwort: Mir ist es egal, was möchtest du denn? Das hat sich inzwischen deutlich verändert, so wie auch viele andere Verhaltensweisen. Andererseits war ich immer die mit dem „großen Rand“, die überall das Wort führte und meinte, alles mit gestalten zu müssen. Ich habe mich für alles verantwortlich gefühlt, was kein Anderer tun wollte. Das kostet zum einen Kraft und Energie und enthebt mich zum anderen der Möglichkeit, mich mit mir selbst auseinandersetzen zu müssen. Da kam mir dann natürlich ein trinkender Partner gerade recht – merkte ich in der Nachschau. Hier gab es soviel, was im Argen war, was ich regeln konnte, um das ich mich kümmern musste, dass für mich selbst gar keine Zeit mehr blieb. Mein Tagesablauf richtete sich nach seinem Befinden. War er gut drauf, ließ ich alles stehen und liegen, um alles zu tun, damit sich seine gute Laune nicht verschlechterte. War er schlecht drauf, ließ ich alles stehen und liegen, um mich um ihn und nur um ihn zu kümmern.

    Das war dann der Zeitpunkt, wo ich irgendwann nicht mehr konnte und einen Schlussstrich ziehen musste. Jedoch musste ich feststellen, dass mein Verhalten ihm gegenüber nur die Spitze des Eisberges war. Mit Therapie, vielen Tränen und natürlich auch Rückfällen konnte ich die letzen Jahre etwas für mich verändern. Ich begriff, dass das, was im Zusammenleben mit ihm unübersehbar geworden war, mein ganzes bisheriges Leben bestimmt, sich durch alle Bereiche gezogen hatte. Ganz einfach deshalb, weil meine Strukturen schon sehr viel früher geprägt wurden.

    Bereits in meiner frühen Kindheit galt ich nur etwas, wenn ich so war, wie meine Eltern mich wollten, wenn ich „lieb“ war, fleißig und gehorsam. War ich das nicht, erfuhr ich Ablehnung, Schweigen, wurde ich einfach „übersehen“. Ich musste erst langwierig lernen, dass ich mich davon frei machen kann, indem ich für mich selbst beschloss, nicht mehr den alten Ansprüchen an mich zu entsprechen. Dem, was meine Eltern als richtig empfanden, nicht mehr zu glauben. Eigene Wertvorstellungen für mich und mein Leben zu entwickeln und dazu zu stehen. Dazu gehört auch, aushalten zu können, dass mich NICHT alle Menschen toll finden, wenn ich meine eigenen Vorstellung lebe.

    Zudem spielte auch der Alkohol bei meinen Eltern eine Rolle. Zwar nicht dergestalt, dass einer von beiden unter der Brücke landete, aber er war immer wieder Grund für Streitereien, die die Stimmung vergifteten. Und streitende, schlagende Eltern sind nun mal keine guten Vorbilder für ein starkes Selbstbewusstsein.

    Hmmm.... das solls erst mal gewesen sein. Vielleicht konnte ich mich so halbwegs verständlich machen.

    Ich wünsch dir einen sonnigen Sonntag.

    LG
    Ette

    Julchen, das Gefühl kenn ich! Aber zu dem Zeitpunkt, als ich meinen Ex wie ein Art zweiten Sohn behandelt habe, war ich mir meiner Co-Abhängigkeit auch nicht bewusst. Ich habe an Termine erinnert, an Friseur- und Arztbesuche usw. usw. ... Dieses Verhalten war Teil MEINER Krankheit. Jetzt mache ich es anders. Nicht dass ich mich gar nicht mehr dafür interessiere, was mein Freund macht. Sondern dass ich ihn machen lasse, was seins ist. Nun leben wir auch nicht zusammen und von daher ist es leichter. Da wir aber sehr viel Zeit miteinander verbringen, gibt es immer wieder Situationen, in denen ich mich auf die Zunge beißen muss, um nicht zu sagen, mach das doch dann und dann so oder so.

    Ich weiß nicht, ob wir uns dafür schämen müssen. Ich glaube eher nicht. Wie gesagt, es ist Teil unserer Abhängigkeit und ich war mir nicht bewusst, dass das so falsch läuft. Jetzt kann ich es besser machen.

    LG
    Ette

    Zitat von dagmar007

    Und mal ganz ehrlich: bei manchem was ich lese, wie in Partnerschaften "diktiert" wird, da meine ich, dass es jedem zuviel werden kann, selbst wenn er/sie nicht Alkoholiker ist. Fremdbestimmung ist etwas ganz übles - das tut auf Dauer keinem Menschen gut und ist anmaßend .... wie soll das gut gehen?

    Hallo Dagmar,

    ja, mir geht es da manchmal ganz genauso. Da werden Partner wie Kleinkinder behandelt und alles im Namen der Liebe. Aber das ist halt so, wenn die Co-Abhängigkeit noch sehr präsent ist.


    LG
    Ette

    Zitat von Weitsicht

    Hi Ette,

    ich mag es nicht, wenn Du Einzelsätze aus meinen Beiträgen heraus kopierst, um sie mit Deinen Kommentaren und Auslegungen zu bereichern.
    weiter so.

    Hi Weitsicht,

    und ich mag es nicht, wenn du dir anmaßt, in MEINEM Thread meine SELBSTREFLEKTION ( tja, wer lesen kann ist einwandfrei im Vorteil) mit deinen Bewertungen zu versehen.

    Wenn du unterstellst, dass sich hier Menschen besserwisserisch äußern, ist es allein DEINE Bewertung dieser Äußerungen. Ich vermisse da schon die von dir immer wieder postulierte liebe- und verständnisvolle Art. Es begegnen mir immer wieder Menschen, die manche Dinge besser wissen als ich. Deshalb erachte ich sie noch lange nicht als besserwisserisch. Sie haben sich einfach mit den Dingen, über die sie mehr wissen als ich selbst, länger oder ausführlicher beschäftigt. Punkt.

    Ansonsten .... hier ist ein öffentliches Forum, in dem ich mich über MEINE Erfahrungen und Empfindungen bezüglich meiner Co-Abhängigkeit austausche. Und ich rede bzw. schreibe, wie mir der Schnabel gewachsen ist und daran wirst auch du nichts ändern. Ich habe, weiß Gott, Verständnis dafür, dass dir manches hier nicht gefällt. Aber es ist zum einen nicht meine Absicht, dir zu gefallen und zum anderen wirst du immer wieder Menschen finden, deren Art dir nicht gefällt, oder? Wenn dir nicht gefällt, was ich schreibe, wer zwingt dich denn, es zu lesen?

    Ette

    Zitat

    So ist es doch auch im Austausch von Erwachsenen, Schuldzuweisungen und Bewertungen zu meinem Gegenüber, lassen Menschen *zugehen* , sie öffnen sich nicht mehr, verschliessen sich mehr und mehr.

    Das weiss man heute und trotzdem treten einige besserwisserisch anderen gegenüber auf. Wo ist hier die eigene Zufriedenheit.

    Guten Morgen,

    dies habe ich irgendwo hier heute morgen gefunden und ich kann gut nachvollziehen, dass jemand so reagiert.

    Vor einigen Jahren habe ich auch Menschen, die eine Sichtweise vertraten, die mir nicht gefiel, negiert. Ich sah Schuldzuweisungen, wo eigentlich nur Fakten waren, die ich nicht sehen wollte. War nicht in der Lage, das, was gesagt wurde, als Meinung, als Fakt stehen zu lassen. Für mein eigenes inneres Gleichgewicht war es erforderlich, diese Menschen, die für mich Unangenehmes formulierten, negativ zu bewerten, konnte die Meinung nicht vom Menschen trennten.

    Jeder hat nun einmal seine Gründe, warum er auf bestimmte Sachen auf eine bestimmte Art und Weise reagiert. Das ist schließlich auch im Alltag so. Für mich ist es dann hilfreich, mir ein paar Minuten Zeit zu nehmen und zu gucken, warum ich so reagiere. Für mich habe ich festgestellt, dass ich stark auf Menschen reagiere, die so sind, wie ich früher war. Eine Art nachträgliche Scham macht sich dann in mir breit. So nach dem Motto „O Gott, so schlimm war ich auch mal!“ Quasi eine Art Vergangenheitsspiegel, der mir ein Bild von mir zeigt, das mir nicht gefällt. Die andere Variante ist, dass ich im Anderen eine Verhaltensweise sehe, die ich selbst gerne leben würde. Also eine Form des Neides, weil ich mich schlechter fühle als der Andere, was ich natürlich nie zugeben würde. Also negiere ich das, was er sagt.

    Hilfreich finde ich inzwischen für mich auch die Grundannahme, dass jeder Mensch eine positive Motivation für sein Verhalten hat. Diese Motivation muss nicht für mich selbst positiv erscheinen, sondern aus der Sicht des agierenden Menschen positiv sein. Dadurch ist es mir leichter, Menschen in ihrer Gänze anzunehmen, egal ob sie mir nun sympathisch sind oder nicht.

    LG
    Ette

    Zitat von Rosita


    Die Trinkerei hat so viel zerstört;

    Hallo Rosita,

    das Empfinden hatte ich zuerst auch. Inzwischen konnte ich erkennen, dass SEINE Trinkerei nur MEINE eigenen Defizite endlich unübersehbar gemacht hat und ich anfing, an ihnen zu arbeiten. Inzwischen kann ich auch sagen, dass ich ohne "sein" Trinken nie auf diesen Zufriedenheitsweg gekommen wäre. Und von daher kann ich noch nicht mal mehr sagen, dass die Trinkerei so viel zerstört hat. Im Gegenteil, ohne diese Trinkerei hätte ich womöglich noch jahrelang im Außen nach etwas gesucht, was ich letztendlich nur in mir selbst finden kann.

    LG

    Hallo Ayki,

    möööönsch, du bist noch so jung! Aber die Empfindungen, die du jetzt hast, kenne ich auch. Den Fokus fest auf das gerichtet, was fehlt, solche Zeiten hatte ich auch. Inzwischen habe ich aber akzeptiert, dass eben zur Zeit kein Mann an meiner Seite ist. Und ich hätte nie gedacht, dass ich es jemals so genießen würde, alleine zu leben. Keiner, dem ich Rechenschaft schuldig bin. Niemand, der meinen privaten Tag bestimmt. Nach anstrengenden Tagen muss ich nicht mehr gut gelaunt und unterhaltsam sein, sondern kann mich einfach vor den Fernseher knallen oder mich in mein Buch vertiefen. Ich kann morgens um fünf bügeln und nachts um eins abwaschen, ohne dass einer sagt, ich sei verrückt. Ehrlich, im Moment finde ich meine Unabhängigkeit einfach nur genial.

    Freu dich über dein kinderloses Wochenende! Setz dich ins Straßencafe und guck dir Leute an und lass die Augen weiden... wer weiß, vielleicht "weidet" ein Paar Augen zurück! Geh tanzen als die Geheimnisvolle, die mitten in der Nacht auftaucht und irgendwann wieder verschwindet wie Cinderella.... oder genieße die Ruhe deiner kinderlosen Wohnung. Ayki, guck dahin, wo das Positive in deinem Leben ist, dann verliert das Fehlende seine Macht und kommt irgendwann von alleine....*s*

    LG
    Ette

    Hallo Mädels,

    ja, ich bin zufrieden und es geht mir gut. Bis auf meine Hand, aber wie gesagt, besser eine, die immer noch mal weh tut als gar keine mehr.

    Meinen Urlaub verbringe ich gern zu hause. Durch die Arbeit bin ich immer lange außer Haus und freue mich einfach, einige Tage einfach nur zu hause in MEINER Geschwindigkeit Dinge zu erledigen, die getan werden müssen. Normalerweise muss ja immer alles schnell gehen, so neben der Berufstätigkeit. Außerdem suche ich noch ein paar Kletterrosen, so ganz besondere und werde dafür durch ein paar Gartencenter flanieren gehen. Und natürlich, mit einem Freund endlich mal wieder in den Zoo gehen (ne proberunde....*s*) Falls also jemand mal zufällig in der Zeit AUCH mal....usw....*ggg*

    Ja, mir geht es einfach gut. Nix Aufregendes, keine Achterbahngefühle, ein langer ruhiger Fluss....schön!

    Zur Zeit finde ich es genial, mit Vogelgezwitscher aufzustehen und einzuschlafen... fällt mir grad ein, weil draußen die Amseln so herrlich vor sich hin zwitschern. Die Tomaten runden sich, Rosen und Lavendel duften, die Hängematte schwingt im Schatten.... Ettchen, was willst du mehr!

    LG
    Ette

    Guten Morgen,

    puuuhhh... Sommer! Und ich habe das Gefühl, dass ich nur morgens um fünf etwas tun kann, weil die dann Luft noch halbwegs erträglich ist. Trotzdem mach ich die Wärme. Auch wenn die Menschen unter der Hitze stöhnen, liegt es Leichtes, Unbeschwertes über der Stadt. Sommer eben....

    Ich hätte gerne Urlaub, um in der heißen Mittagshitze eine kleine Siesta zu halten und bis in die Nacht die abends angenehmer werdende Wärme zu genießen. Unter duftenden Lindenbäumen sitzen und zusehen, wie der Himmel sich von blau in ein zartes Blauweiß verwandelt und die Sonne sich langsam verabschiedet. Bald ist es so weit, nur noch wenige Tage Arbeit und dann....

    Wenn ich hier lese, lese ich oft von Stimmungsschwankungen, die mit dem Partner zu tun haben. Die Euphorie, wenn er zwei, drei Tage oder Wochen nix getrunken hat und die Abstürze in die dunklen Löcher der Hoffnungslosigkeit, wenn sich herausstellt, dass es lediglich ein Trinkpause war, die die Euphorie hervorgerufen hat. Ich bin dankbar, dass ich solche Stimmungsschwankungen nicht mehr haben muss, weil ich gelernt habe, nach und nach meine Co-Abhängigkeit in den Griff zu bekommen und realistisch zu sehen, dass ich mich vom Verhalten meines Ex abhängig gemacht hatte in meinen Gefühlen.

    Noch immer aber habe ich Probleme mit meiner Hand, der die Hitze nicht so sehr gefällt und die immer wieder schmerzt. Aber wenigstens habe ich noch eine Hand, das halte ich mir immer vor Augen, wenn sie mich wieder nervt, denn sie hätte genauso gut weg sein können.

    Wie ein zarter Schleier hüllt mich Zufriedenheit ein. Das Wochenende steht vor der Tür und das Wetter soll sich halten, sodass ich viel draußen sein kann. Unter Bäumen, im Schatten, die Düfte genießen, die der Sommer mit sich bringt. Die Seele baumeln lassen in der Hängematte und einfach sein. Noch nicht einmal wegfahren mag ich, sondern mein Zuhause genießen und den Garten. Nicht losmüssen und abends erst spät nachhause kommen, sondern in den Tag träumen oder einfach Dinge tun, die nicht unbedingt „zielführend“ sind. Ich freu mich drauf...auf den Urlaub.

    LG
    Ette