Hallo und guten Morgen,
ich fand es zu Anfang sehr schwierig mit meinem trockenen Ex umzugehen. Immer wieder heiße Tipps für Jobs usw. Jedoch hatte er, wie er mir sagte, ständig das Gefühl, kontrolliert zu werden. Ganz subtil zwar (Atemluft riechen, Fragen stellen, misstrauische Blicke), aber stark genug, dass er damit nicht leben konnte und sich von mir trennte mit der Begründung, dass das Zusammenleben mit mir seine Trockenheit gefährdet.
Ein halbes Jahr nachdem er sich von mir getrennt hatte, ging ich selbst in Therapie, was mir sehr gut tat. Inzwischen habe ich so viel eigenes Leben, dass ich gar nicht mehr die Zeit hätte, mich ständig um seinen Kram zu kümmern und mir Sorgen zu machen. Eins ist mir aber in der Nachschau ganz bewusst geworden: ich bin mit ihm umgegangen wie mit meinem Sohn, als er noch nicht mündig war. Meinte immer, dass ich besser wüsste als er selbst, was gut für ihn ist. Was für mich gut war, hab ich dabei übersehen. Hatte ich ja auch gar keinen Blick mehr für, da er meine gesamte Aufmerksamkeit beanspruchte.
Heute sehen wir uns mehrmals in der Woche, besuchen die gleiche gemischte Selbsthilfegruppe und machen sehr viel zusammen. Allerdings gibt es bei mir keinen Alkohol im Haus und auch wenn wir weggehen, trinke ich selbst nichts. Das ist aber keine Einschränkung für mich, da mir das Zeug so wichtig nicht ist.
Das Getrenntleben hat uns sehr geholfen, bei uns selber zu bleiben und den Anderen machen zu lassen. Und wir haben akzeptiert, dass das, was wir Liebe nannten, nur eine alkoholgesteuerte Notgemeinschaft war. Trotzdem mögen wir uns nicht aus den Augen verlieren.
Ein-, zweimal hatte ich den Eindruck, er hätte etwas getrunken. Er behauptete natürlich das Gegenteil. Vielleicht waren es wirklich Rückfälle. Einmal sagte ich ihm, dass es mir nicht egal ist, wenn er wieder trinken würde, er aber selber am besten wissen müsse, wie er damit umzugehen hat. Ich konnte dies ziemlich entspannt sehen. Vielleicht auch deshalb, weil ich nicht mehr das Gefühl habe, dass es mich mitreißt, wenn er wieder tränke.
LG
Ette