Beiträge von Ette

    Guten Morgen Cinderella,

    gut, dass du dich hier im Forum angemeldet hast. Hier kannst du über viele ähnliche Schicksale lesen und auch, wie du dich von der Beziehungssucht oder Co-Abhängigkeit befreien kannst, wenn du es willst.

    Ich habe zwei Fragen an dich: Was ist für dich das Positive in deiner Beziehung mit deinem Freund? Und was hat dich bewogen, dir den Namen Aschenputtel für dich auszusuchen?

    Söckchen :

    Zitat von Söckchen


    der Mann ist es nicht wert von dir geliebt zu werden!!!!

    Ich kann nachfühlen, dass es gerade für erwachsene Kinder von Alkoholkranken sehr schwer ist, mit der Tatsache umzugehen, dass ihre Eltern tranken oder noch trinken. Trotzdem denke ich, dass niemand von uns das Recht hat, einen anderen Menschen zu „bewerten“. Alkoholiker sind nicht minderwertig, sondern krank. Das ist oftmals schwer zu verstehen, denn die Verletzungen, die die Familienmitglieder von Alkoholkranken erleiden, sind tief. Meines Erachtens kann muss man sich Liebe auch nicht verdienen. Jeder Mensch hat liebenswerte Seiten. Er muss sich unsere Liebe aber nicht durch gutes Verhalten verdienen. Wenn wir ihn nicht lieben können, so wie er ist, ist es an uns zu gucken, warum wir das nicht tun können.

    LG
    Ette

    Guten Morgen,

    nun wäre ich doch fast der Versuchung erlegen, hier die ganze Geschichte aufzuschreiben. Dabei ist dies gar nicht erforderlich. Ich halte es für viel wichtiger, zu sehen, was ich in der ganzen Zeit, nachdem er nicht mehr bei mir wohnte, für mich getan hatte.

    Mich mit dem Thema Alk und Co auseinander zu setzen, habe ich ja relativ früh getan. Allerdings eher auf einer sehr verstandesmäßigen Ebene. Mein Kopf wusste recht gut, wie Co-Abhängigkeit funktioniert und bei Anderen konnte ich auch ganz klar die Strukturen erkennen und erkenne sie heute noch. Jedoch dauerte es noch eine ganze Weile, bis ich das, was ich mit dem Kopf wusste, in meine Gefühlswelt integrieren konnte. Zumal mir dabei auffiel, dass ich in jeder meiner Beziehungen Beziehungsabhängigkeit gelebt hatte. Sie wurde nur nicht als Co-Abhängigkeit bezeichnet, weil die Männer keine Alkoholiker waren. Aber die Strukturen waren die gleichen. Dafür sorgen, dass alles läuft, zu wissen, was gut für „ihn“ ist, Veränderungen nur von „ihm“ zu verlangen. Und wenn es nicht richtig läuft in meinen Augen, den Abflug machen.

    Durch die Tatsache, dass ich einen alkoholabhängigen Partner hatte, hatte ich eine echte Chance bekommen, mich zwangsläufig mit mir selbst auseinander setzen zu müssen. Denn ich hatte meinen eigenen Tiefpunkt erreicht. Er half mir, zu erkennen, dass ICH für MICH etwas ändern musste. Denn kein anderer Mensch kann dafür sorgen, dass ich mit mir zufrieden bin.

    Es war und ist inzwischen ein jahrelanger Lernprozess., in dem ich immer wieder feststelle, dass Vieles von dem, was ich im Außen suchte, längst in mir ist, von mir aber nicht akzeptiert wurde, weil ich mir selbst die Kompetenz absprach, zu wissen, was gut für mich und an mir ist.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Ribanna,

    ja, uns selbst habe wir ja lange Zeit ganz schön hinten angestellt. Durch meine Beziehung mit einem alkoholkranken Mann habe ich die Chance bekommen, mehr über mich zu lernen. Und ich hatte mir selber auch sehr viel zu sagen....

    Wie geht es dir heute? Hier ist ein guter Ort, "Selbstgespräche" zu führen. Denn es findet sich immer jemand, der dir "zuhört", wenn du durch unangenehme Gefühle gehen musst.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Sonnenschein,

    du schreibst, dass es zwischen deinem Freund und dir nicht an Liebe mangelt. Liebe heißt aber auch, den Anderen so sein zu lassen, wie er ist. Aus deinem Posting lese ich, dass du einiges an ihm verändern möchtest. Das mit dem Trinken hat er ja nun schon gelassen, nun muss der Rest auch noch passend gemacht werden.

    Sonnenschein, das geht nicht. Du liebst in meinen Augen nicht ihn, sondern den, der er sein könnte, wenn er sich nach deinen Vorstellungen verändert. Du hast dir ein Bild von ihm geschaffen, an das er sich nun nach und nach angleichen soll.

    Das ist ein Anspruch, der nicht erfüllt werden kann. Vielleicht gibt es irgendwo einen Menschen, der so ist, wie du es dir wünschst. Er ist es augenscheinlich nicht.

    Ich weiß, dass es hart ist, zu akzeptieren, dass eine Beziehung zu Ende ist, oder einfach nicht mehr funktionieren kann. Vielleicht ist bei dir gerade der Zeitpunkt da, dies zu tun, auch wenn es weh tut.

    LG
    Ette

    ...Trotz seiner manchmal schlechten Stimmung, fühlte ich, dass wir uns ebenbürtig waren. Und im Grunde waren wir das ja auch in unseren Suchtstrukturen. Nur fiel mir das erst sehr viel später auf. Ein kluger Mensch sagte während dieser Zeit zu mir, dass wir wie zwei hungrige Kinder wären, die die Sättigung vom jeweils anderen erhoffen. Solange wir jedoch nicht selbst dafür sorgen konnten, „satt“ zu werden, hatten wir wenig Chancen auf Zufriedenheit. Aber das wurde mir erst sehr viel später klar. Zu dieser hab ich ihn einfach immer nur geliebt....gehofft....verzweifelt agiert, um ihm ein Umfeld zu geben, in dem er das Trinken sein lassen konnte. Nur – er hat es gar nicht gewollt...

    In unserem Zusammenleben nahmen er und seine Befindlichkeit einen immer größeren Platz ein. Total fixiert erlebe ich mich in der Rückschau. Alles war unwichtig, solange es ihm schlecht ging. Alles, was ich sagte, wurde vorher von mir innerlich geprüft, ob es vielleicht seine Stimmung verschlechtern könne, wenn sie gut war. Jedes Wort wurde daraufhin überdacht, dass es ja keinen Anlass bieten konnte, ihm einen Grund zum Trinken zu liefern. Und dazwischen fühlte ich mich toll, weil „er“, dieser phantastische Mensch, mit mir lebte. Trotzdem hatte ich immer wieder das Gefühl, dass er trank. Nicht offen, aber das hatte er nie getan. Manchmal hatte er einen seltsamen Mundgeruch. Wenn ich ihn darauf ansprach, erzählte er etwas von zuviel Magensäure oder aber er aß stark riechende Lebensmittel, Knoblauch, Zwiebeln, Hering, sodass ich ihm schon nicht so nah kommen mochte und er nichts erklären brauchte.

    Immer wieder Problemgespräche, stundenlang und oftmals nach einem anstrengenden Arbeitstag. Ich fühlte mich immer mehr ausgelaugt und erschöpft. Seine nächtlichen Wanderungen durch die Wohnung machten mir Kummer, denn ich vermutet Alk dahinter. Also fing ich an zu suchen. Ohne Erfolg – bis, ja bis ich eines Morgens eine angefangene Wodkaflasche fand. Per Zufall. Einerseits ein Gefühl, als ob eine eiskalte Hand mein Herz packt, andererseits ein lautes: „Hab ich’s doch gewusst!“ in meinem Kopf. Natürlich Beteuerungen, dass es die erste sei, und dass er es natürlich wieder sein lassen würde. Vorrübergehen ließ er es aber erst sein, als ihn die Polizei mit alkoholisiert anhielt und er für einige Tage zur Entgiftung ging. Von dort aus beantragte er gleich eine ambulante LZT, zu der er die ersten paar Mal noch angetrunken auftauchte.

    Tagelang ließ er sich in der Wohnung nicht blicken. Streunte tagsüber draußen herum und verkroch sich nachts betrunken was weiß ich wo. Ich hatte Albträume, sah ihn irgendwo ertrunken, gestürzt, halb tot liegen. Bis heute weiß ich nicht, wie ich diese Zeit überstanden habe. Mehrfache Suizidandrohung, dass ich ihn mit der Polizei suchen ließ. Und irgendwann wieder einmal war er verschwunden und ich hatte die Nase endlich so voll, dass ich losfuhr und mir einen Stapel Umzugskartons besorgte. Alles, was von ihm in der Wohnung war, packte ich ein. Als die Kartons voll waren, stopfte ich den Rest einfach in Müllsäcke und schaffte alles in den Keller. Ich weiß nicht, wo ich Kraft hernahm, weiß nur, dass ich mich innerlich wund, zerrissen, abgestorben fühlte. Dem Nervenzusammenbruch nah. Aufrecht gehalten nur von einer unbändigen Wut, denn beim Ausräumen hatte ich noch ein paar nette Kleinigkeiten gefunden, die mir zeigten, dass alles nur eine große, perfekte Schauspielnummer gewesen war....

    Zitat von koketterie


    Zur Frage, was du mit meinem Gefühl zu tun hast: Mein Gefühl ist mein Gefühl. Du oder andere Menschen lösen ein Gefühl in mir aus. Und dieses will ich genauer anschauen und die Mechanismen verstehen und weitergehen zu können. Und dabei bin ich hoffentlich ehrlich zu mir selbst. Also Ette, das war gestern keine Verteidigungsstrategie von mir das war ein Eingestehen an mich. Den Abend vorher schrieb ich Seitenweise eine Antwort, schickte die Antwort aber nicht ab, ich gab sie auf, denn ich schrieb und schrieb ohne etwas zu sagen. Den Morgen danach (gestern früh) versuchte ich einfach nur ohne viel Drumherum zu antworten auf deine Frage.

    Hallo koketterie,

    ich habe dein Posting weder als Verteidigungsstrategie noch als Vorwurf aufgefasst. Ich habe die Worte gelesen und angenommen, wie sie da standen. Meine Frage war lediglich zur Reflektion gedacht. Und deine Antwort gibt mir das Empfinden, dass du auf einem guten Weg bist, Dinge zu hinterfragen.

    Ich kann auch deine Angst verstehen, genau hinzuschauen. Es gab Tage, da konnte ich nur weinen, weil es mich erschreckte, was ich gefunden habe bei meinem Suchen in mir. Oft habe ich dabei festgestellt, dass meine Ängste und Empfindungen eher kindlich waren. So, als ob irgendein Teil von mir nicht richtig erwachsen geworden war. Dieses "Nachholen einer Entwicklung", das ist mein Weg aus der Co-Abhängigkeit. Und es ist ein guter Weg. Ich wünsch dir, dass du ihn auch findest.

    Liebe Grüße
    Ette

    Guten Morgen nero.d,

    herzlich willkommen hier im Forum. Es war eine gute Entscheidung, dich hier anzumelden und zu schreiben. Ein paar Antworten hast du ja bereits bekommen, in denen einige Wahrheiten über unsere Abhängigkeiten stehen. Wahrheiten, die vielleicht bzw. sicherlich schmerzen. Ich wünsche dir Mut und Kraft, dich mit deiner Abhängigkeit auseinander zu setzen, weil du dann eine Chance hast, aus hier heraus zu kommen und zufrieden leben zu können.

    LG
    Ette

    Hallo gudi,

    nun steht wieder ein Wochenende vor dir Tür. Wie geht es dir? Und was hast du am Wochenende vor? Ich wünsch dir einen wunderschönen Tag. Bei uns hat er mit dem ersten Herbstnebel angefangen, durch dessen zarte Schleier die ersten leuchtend bunten Blätter schimmern. Wie wärs mit einem Herbstspaziergang?

    LG
    Ette

    Hallo Sari,

    stimmt, für mich liest sich das schön, was du über die Klinik schreibst. Die Kontaktsperre zu anfang, ja, ich kann mir vorstellen, dass sie erst einmal Angst macht. Ich habe aber in meiner psychosomatischen Reha erfahren, dass es sehr hilfreich ist, wenn ich mich nur auf mich konzentrieren kann. Ich habe es als positiv empfunden.

    Ich wohne auch sehr stadtnah und bin früher, wenn es mir schlecht ging, weil Entzugserscheinungen von meinem "Suchtmittel", dem Mann, mit dem ich lebte, hatte, in die Stadt gefahren und habe eingekauft. Dann war ich beschäftigt, musste den Trennungsschmerz und den Verlust nicht spüren. ab quasi mit einem neuen Mittel den Entzug vom bisherigen überdeckt.

    In der Reha hab ich gelernt, mit mir selber klarzukommen und dazu war es ganz gut, dass die Klinik in einem kleinen Kaff war, wo es nicht so viel Ablenkung gab.

    Es ist doch toll, dass du Ende Oktober dort einziehen kannst. Das sind ja nur noch ein paar Wochen. Und freu dich, dass es dort so viel Natur gibt. Mir hat sie damals sehr gut getan, weil sie etwas ganz anderes ist als das Stadtleben.

    LG
    Ette

    Für meine Gefühle selbst verantwortlich sein..... das war etwas, das ich erst lernen musste. Solange ich einem Anderen die Macht gebe, durch sein Verhalten meine Befindlichkeit zu steuern, halte ich mich abhängig von ihm und seinem Umgang mit mir. Und ich wurde mir klar darüber, dass meine Befindlichkeit IMMER mit mir zu tun hat. Egal, was der Andere sagt. Ich in einem schlauen Buch auf ein sehr schönes Beispiel gestoßen:

    Abends, im Dunkeln an der Bushaltestelle stehen drei Frauen und warten auf den Bus. Es kommt ein Mann dazu, der nacheinander jede der drei Frauen fragt, ob sie ihm einen 20-Euro-Schein wechseln könne.

    Die erste Frau guckt in ihre Geldbörse und antwortet ihm, dass sie dies leider nicht könne. Der Mann bedankt sich und fragt die nächste.

    Die zweite zieht ihren Mantel enger um sich, klemmt sich die Handtasche fester unter den Arm, sagt ihm sie könne es nicht und geht einige Schritte weiter. Sie ist ganz Vorsicht, denn sie befürchtet, dass der Mann ihr die Handtasche klauen will.

    Die dritte antwortet ebenfalls, dass sie den Schein nicht wechseln können und denkt: Mein Gott, was für ein platte Anmache.

    Drei ganz unterschiedliche Reaktionen, drei ganz unterschiedliche Empfindungen auf eine ganz schlichte Frage. Der Frager hat die Gefühle nur hervorgerufen, dafür zuständig ist er nicht.

    Mir hat dieses Bespiel deutlich gemacht, dass ICH dafür verantwortlich bin, wie ich mich fühle und nicht der Mensch, mit dem ich lebe oder in Kontakt trete.

    LG
    Ette

    Zitat von koketterie


    Meine persönliche Empfindung deiner brutalen Art ohne viel Drumherum:

    Allein der Umstand, dass Jemand auf mich schaut, der einen kennenden und wissenden Erfahrungsblick hat, ist für mich als Menschen, der sich im Leben nur all zu oft durchgemogelt hat, unglaublich brutal.

    Allein der Umstand, dass du mir Fragen stellst und mich damit „zwingst“, das was ich sage, tue, bin genauer, tiefer anzuschauen, nicht mehr nur an der Oberfläche zu kratzen, empfinde ich als brutal.

    Allein der Umstand, dass du mir eine Frage zweimal stellst, so dass eine Intensität entsteht, derer die Antwort schon anhaftet, finde ich brutal, denn dann setze ich mich in die Verteidigungsposition und rede und rede und rede – ohne wirklich was zu sagen.

    Deine Wortwahl, z. B. „Hallo oder Guten Morgen Koketterie“ empfinde ich als brutal, denn diese Wortwahl hat nichts Umarmendes („Liebe Koketterie“) - Aber dazu bist du wohl auch nicht hier bei mir. Ich empfinde bei dir kein mich auffangendes Netz unter mir, falls ich stürze in die Tiefe meiner selbst.

    Guten Morgen koketterie,

    als den wichtigsten Satz in deinem Posting sehe ich den ersten an. Wenn du durchliest, was du geschrieben hast, kannst du mir sicherlich auch die Frage beantworten, was dein Gefühl mit mir zu tun hat.

    Koketterie, ich weiß nicht, ob du dir dessen bewusst bist, dass ich dir meine Zeit und meine Energie schenke, indem ich mich in deinem Thread auf dich einlasse und versuche, Hilfestellung dabei zu geben, dir selbst heraus zu helfen aus deiner Co-Abhängigkeit. Vielleicht sieht meine Hilfe nicht so aus, wie du sie gerne hättest. Dann überlies sie einfach. Du musst dir nur mitnehmen, was du möchtest. Ich hab das Gefühl, du möchtest dir aussuchen, wie die Hilfe auszusehen hat. Damit kann ich leider nicht dienen.

    In meiner realen SHG nehme ich im übrigen auch nicht jeden in den Arm, wenn ich ihn begrüße. Den meisten gebe ich die Hand und begrüße sie mit einem „Guten Abend“, ganz einfach, weil es der Höflichkeit des Grüßens entspricht. Es bleibt mir verborgen, was du hier in dieser virtuellen SHG an eineem „Guten Morgen“ als brutal ansiehst.

    LG
    Ette

    ...wahnsinnig aufregend...

    Da hatte ich ihn also gefunden, den absolut seelenverwandten Übermann, dessen Vorzüge all die anderen Menschen bisher nicht wahrgenommen hatten. Schließlich hatte ich den Blick der tiefen, aufopferungswilligen Liebe, mit dem ich ihn betrachtete. Meine Zeit wurde wochenend-getaktet. Ich lebte von Freitag bis Sonntag und wartet von Sonntagabend auf Freitagmittag. Morgens meine erste „Amtshandlung“ war ein Telefonat und abends meine letzte ebenso. Manchmal hatte ich dabei das Gefühl, dass er nicht „alleine“ sei. Sein Verhalten war anders als an den Wochenenden, er redete über Dinge, über die er sonst nicht redete. Ich freute mich darüber, weil ich dachte, wir kämen uns näher. Aber es war wohl lediglich der Alk, der in vergessen ließ, seine brave Fassade aufrecht zu erhalten. Doch diese Erkenntnis kam mir erst viel später.

    Alles war eitel Freude und Sonnenschein. Bis ich ihn immer wieder im Chat sah, zu Zeiten in denen er angeblich in der SHG war. Mit einem anderen Nick, den er mir irgendwann erzählt hatte, es aber wohl wieder verbuddelte hatte, dass ich ihn kannte. Darauf angesprochen, erhielt ich nur die lapidare Antwort, dass er keine Lust gehabt hätte und sich, hätte er mir die Wahrheit erzählt, vor den dann folgenden Auseinandersetzungen schützen wollte. Natüüürlich glaubte ich ihm das.

    Ich war zwischenzeitlich aus meiner Ehewohnung ausgezogen, geschieden und wohnte in einer schnuckeligen, kleinen Drei-Zimmer-Wohung. Groß genug für mich allein. Da er ohne Arbeit war, machte ich irgendwann die Rechnung auf, dass zwei kleine Wohnungen ja teuerer waren als eine große und wir zudem noch die ewigen Fahrt- und Telefonkosten sparen könnten. Und so wurde mein Glück fast perfekt, denn wir zogen zusammen, das heißt er zog um in meine Stadt. Seltsamerweise hatte ich, als wir die gemeinsame Wohnung aussuchten, ein seltsames Gefühl. Und ich hatte beim Aussuchen darauf geachtet, dass ich sie notfalls auch alleine finanzieren konnte. Mein Verstand war also noch nicht vollkommen durch den Wind.

    Manche Tage waren göttlich und es war so, wie ich es mir vorgestellt hatte. An anderen war er so fürchterlich durch den Wind. Weinte vor Weltschmerz und Existenzangst. Oder war stur und rechthaberisch, erzählte mir fünfmal das gleiche, wenn er sich über etwas aufgeregt hatte, was ich tat. War himmelhoch-jauchzend und zu Tode betrübt. Wenn ich dahinter Alkohol vermutete, erzählte er mir von seinen Depressionen. Als ich ein Buch darüber las, sah ich schon so ähnliche Verhaltensweisen, wie er sie an den Tag legte, jedoch waren auch in einem Buch über Alkoholabhängigkeit derartige Verhalten zu finden. Selbstverständlich glaubte ich an die Depression. Es tat mir auch so leid, dass er so ein schweres Leben hatte. Ich konnte verstehen, dass ihn seine Situation – ohne Arbeit, ohne Kontakt zu seinen Kindern wegen der bösen Ex, ein quasi wirtschaftlich von mir abhängig sein – sehr belastete und depremierte.....

    Zitat von Amai

    8) ich bin noch mehr Co, als ich gestern noch dachte. Eine Steigerungsstufe, ... gestern noch hielt ich das für überhaupt nicht möglich! Irrtum! Und das hat nix mit löwenmäßig übertreiben zu tun, das ist heute eine Tatsache für mich.

    Guten Morgen Amai,

    was genau hast du denn festgestellt? Unter Umständen könnten andere Forenmitglieder für sich ebenfalls eine Erkenntnis daraus ziehen. So, wie es jetzt da steht, ist es nur ein leere Hülse.... und wenig hilfreich für Mitlesende. Aber vielleicht ist es ja auch nur eine Art Legitimation, um hier zu schreiben. Zumal du ein paar Zeilen weiter bereits von einem neuen "Suchtmittel" erzählst. Das lässt in mir den Eindruck entstehen, dass es dir nicht nachhaltig um die Bearbeitung deiner Abhängigkeit geht.

    Ette

    Hallo sari,

    du wirst doch wohl nicht auch vor dem Forum verkriechen wollen? Oder schwelgst du so doll in den Farben deiner Malerei, dass du keine Zeit mehr hast, zu schreiben?

    Auf jeden Fall halte ich dir heute für den Klinik-Besichtigungstermin die Daumen, dass es klappt und du dort Unterstützung bekommst.

    Alles Liebe
    Ette

    Guten Morgen Shaila,

    Zitat von Elocin

    Nachtrag:
    Vielleicht könnt ihr euch eine Hilfe bei der Krankenkasse besorgen, fällt mir grad so ein.
    LG
    Elocin

    Vielleicht hast du den Tipp von Elo überlesen. Aber das wäre doch einfach mal einer Anfrage bei der Krankenkasse wert. Vielleicht gibt es auch in der Klinik die Möglichkeit der Kinderbetreuung. Wie alt sind deine Kinder eigentlich? Kennst du noch andere Mütter mit Kindern, die vielleicht für einen Tag deine beiden mitbetreuen würde? Shaila, wenn du es wirklich willst, an dieser Veranstaltung teilzunehmen, wird sich auch ein Weg finden lassen, da bin ich ganz sicher.

    Was die Partnerveranstaltung in der Klinik betrifft, ist es recht unterschiedlich, wie so etwas abläuft. Ich kann dir nur sagen, wie es bei mir war. Da dauerte die Veranstaltung allerdings auch eine ganze Woche. Es gab Gruppenstunden. Nur mit den Angehörigen teilweise. Die meisten aber zusammen mit den Abhängigen. Wir bekamen jede Menge Input, darüber, wie Sucht funktioniert, Rückfallprophylaxe, wie man als Paar wieder eine neue Ebene zusammen finden kann, kurz, Vieles, was im Umgang mit seiner und meiner Abhängigkeit wichtig und richtig ist.

    Du schreibst, dass du dir Sorgen um ihn machst. Ich frag jetzt mal ganz ketzerisch: Was soll ihm denn in der Klinik passieren? Und – machst du dir nicht viel mehr Sorgen darüber, was dort mit ihm passiert, ohne dass du darüber bescheid weißt? Wenn er von seiner Wochentour zurückkam, wusstest du, wie er ist, wie du mit ihm umgehen musst. Das weißt du jetzt nicht, denn sicherlich wird er ein Teil verändert sein nach der Klinik. Ich kann verstehen, dass dich das verunsichert und dir auch Angst macht. Schließlich ist Veränderung immer auch mit "dem Unbekannten" verbunden, welches uns Angst macht.

    Du schreibst weiter, er sei am Telefon locker und gelöst. Sehr wahrscheinlich ist er das auch und das aus gutem Grund. Schließlich ist er in einer Situation, wo er nicht mehr trinken kann und muss. Und in der er Unterstützung erfährt, ohne das Zeug auszukommen. Und er hat niemanden, der an ihm rummeckert und ihm Vorwürfe macht wegen seiner Sauferei.

    Die trockenen Alkis, die ich kenne, haben es als Erleichterung empfunden, nicht mehr trinken zu müssen. Aber wir Co´s wissen ja immer sehr viel besser, was unser Alki denkt und fühlt, was hinter dem ist, was er uns zeigt. Irgendwann hab ich angefangen, einfach die Worte so hinzunehmen, wie er sie sagt. Schließlich kann ich nicht seine Gedanken denken, auch wenn ich es mir in meiner Hoch-Co-Zeit noch sehr eingebildet habe.

    LG
    Ette

    Zitat von Amai


    Wenn aber danach nicht "Schluss sein sollte", setz Dich bitte nicht unter Druck. Du weißt ja heute nicht, was Morgen sein könnte. Nur für alle Notfälle, eventuell einen Plan B oder C bereithalten.

    Viele liebe Grüße,
    Ingrid :D

    Sorry, Amai,

    aber das ist absoluter Nonsens. Das ist nämlich genau das Verhalten, was Co´s bereits hervorragend können, inkonsequent sein, wenn es um ihren Alki geht. Konsequenz ist eine der Grundvoraussetzungen, sich aus der Co-Abhängigkeit zu lösen.

    Amy , es ist gut, dass du schon einmal formuliert hast, was du NICHT mehr willst. Der nächste Schritt wird sein, zu erkennen was du WILLST und das dann für dich umzusetzen.

    Infomaterial hast du mitgenommen? Über Co-Abhängigkeit? Warum willst du ihm das in den Brief packen? Versteh ich nicht.

    LG
    Ette

    Hallo Moni,

    ich hab heut mal bei dir vorbeigeschaut. Bei dem, was du über den Picollo schreibst, ist mir eingefallen, dass mein Ex-Freund, wenn es ums Rauchen ging, das er des öfteren aufhören wollte, immer wieder rückfällig wurde und dann sagte, dann höre ich eben morgen auf. So geht das nun schon, solange ich ihn kenne. Er hört immer morgen auf. Von daher sehe ich die Geschichte mit dem Picollo etwas, naja, anders als du.

    Ich weiß nicht, wer robi ist, weil ich hier bei den Betroffenen selten schreibe. Ich kann mir schon vorstellen, dass eine Trennung von deinem Mann oder Freund nicht leicht ist. Wenn du schreibst, dass alle ihn hier kennen, gehe ich davon aus, dass er auch trinkt. Wenn er auszieht, geht er dann in eine Therapie? Auf jeden Fall hast du, wenn du dann alleine mit deiner Tochter wohnst, zum einen die Möglichkeit, dich besser darauf konzentrieren zu können, was du selber willst. Zum anderen aber auch noch mehr die Verantwortung für deine Tochter.

    Wenn ich dich lese, kommt es mir nicht vor, als wolltest du trocken werden. Du schreibst von deinem Picollo, als hättest du einfach ein Stück Torte zuviel gegessen, so vollkommen ohne Gefühl. Sorry, das verstehe ich nicht. Auf die Frage, wodurch sich der Suchtdruck aufgebaut haben könnte, hattest du auch nicht wirklich eine Antwort. Wenn du die aber nicht suchst, wie sollen dann deine Werkzeuge aussehen, einem Suchtdruck entgegenzuwirken?

    Ich bin "nur" co-abhängig, aber eine Art Suchtdruck habe ich auch empfunden, als ich mich von meinem Ex trennte. Und es war jedesmal ein Akt, mir Alternativen zu einem Anruf bei ihm zu suchen. Und ich habe geguckt, warum ich plötzlich wieder dieses fast schmerzhafte Sehnen hatte, um Möglichkeiten zu finden, es gar nicht erst so weit komemn zu lassen. Ich bin zum Beispiel stundenlang spazieren gegangen, wenn ich merkte, ich schleiche immer ums Telefon und überlege, was er wohl macht.

    Moni, ich weiß nicht, ob es geht, trocken zu werden, wenn du Suchtdruck nicht lernst auszuhalten bzw. dir Werkzeuge schaffst, mit ihm umzugehen, ohne zu trinken. Ich halte dir die Daumen, dass du es schaffst, dein Leben ohne das Zeug zu gestalten. Für dich - aber auch für deine Tochter, damit sie eine Mutter haben kann, die lieber ihr Kind im Arm hält statt eine Flasche.

    LG
    Ette

    Hallo Charmenida,

    ich glaube, wir Co´s brauchen die Aufregung und den Thrill, weil wir sonst merken würden, dass unser Leben und wir leer sind. Wir haben nicht gelernt, unsere Leben für uns zu leben und alleine ist uns ganz einfach zu langweilig. Wir brauchen etwas gegen diese „Langeweile“. Selbst Katastrophen haben dann etwas Gutes. Wir müssen uns nämlich kümmern, helfen, lieben..... und brauchen nicht zu spüren, dass wir uns nicht spüren. Die erste Zeit, als mein Freund nicht mehr bei mir wohnte, fand ich es schrecklich ruhig, wenn ich nach hause kam, obwohl mir vorher immer grauste, weil ich nie wusste, wie er drauf war. Das ging von himmelhoch jauchzend über zänkisch-rechthaberisch bis hin zum absoluten Weltschmerz.... aber jeden Abend war irgendeine Form von Theater. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich die Ruhe genießen konnte. Ich wusste nichts mit mir anzufangen....so ganz ohne Katastrophe.

    Die Eifersucht auf die Vergangenheit kenne ich auch. Schließlich standen da wenige Jahre gegen 25 Ehejahre. Und er nahm immer noch mehr Rücksicht auf sie als auf mich in der Anfangszeit. Zu Anfang hieß es noch, er wüsste nicht, ob er wieder zu ihr zurück geht.... die Entscheidung überließe er ihr. Und ich Rind, hab drauf gewartet, was sie tut. Schön blöd, find ich heute.

    Dass er dir erzählt, bei der anderen Frau wäre er ehrlich gewesen von Anfang an und bei ihr hätte er nicht mehr angefangen zu trinken, halte ich für eine Schutzbehauptung bzw. für eine ganz perfide Art, dir eine Schuld einzureden. Makaber formuliert, könnte man auch behaupten, die andere Frau ist vielleicht nur zu früh gestorben. Hätte sie länger gelebt, wärs womöglich auch irgendwann soweit gewesen. Aber in erster Linie, denke ich, will er dich verletzten, weil er sich selbst ziemlich sch..... fühlt, wenn er wieder trinkt. Lass dir den Schuh nicht anziehen. Es war schließlich seine Entscheidung, wieder zu trinken. Da hat weder die andere Frau noch du mit zu tun. Oder hast du ihm die Pulle an den Hals gesetzt? Sicher nicht! Außerdem solltest du in Betracht ziehen, dass diese Aussage nur SEINE Form der Wahrheit ist, eine Form, damit er nicht der wirklichen Wahrheit ins Auge gucken muss, nämlich der, dass er rückfällig geworden ist.

    Halt die Ohren steif!

    LG
    Ette