Guten Morgen,
dass meine Eltern ein Alkoholproblem hatten, hab ich erst in der Zeit festgestellt, als ich durch die Beziehung zu „meinem Alki“ begann, mich der Thematik auseinander zu setzen. Ob sie es noch haben, weiß ich nicht, denn ich habe sie seit mehr als 25 Jahren nicht mehr gesprochen. Dennoch haben sie in meinem Leben noch gewirkt und wirken manchmal noch heute. Nur bin ich jetzt eigenständig genug, diese Strukturen, die sie mir mitgegeben haben, zu hinterfragen und für mich andere zu entwickeln.
@ Dinchen, ja meine Frage war krass. Und in meiner Entwicklung von „voll co-abhängig“ bis gemäßigt mit der Tendenz zur Besserung, waren es genau derart krasse Fragen, die mich zum Nachdenken gebracht haben. Dinchen, ich kann gut verstehen, dass du so reagierst. Ich habs zu Anfang genauso getan. Inzwischen habe ich das Gute in solchen Fragen kennen gelernt und sage erst mal gar nix. Denn ich habe erfahren, wenn mich eine Frage derart anpackt, dann hat sie einen wunden Punkt getroffen. Und ich habe immer wieder festgestellt, dass nicht die Fragen krass waren, sondern meine Verletzungen, die ich dadurch spüren musste.
Wie Karsten schon schreibt, Schuldzuweisungen in die Vergangenheit bringen weder Co´s noch Alkis noch die Kinder von Alkis weiter. Vorwärts in eine gesunde Richtung kommen wir nur, wenn wir bei uns bleiben. Der Hass hält uns in der Vergangenheit und macht, dass wir uns nicht weiterentwickeln können. Ich weiß, dass es auf den ersten Blick ein alberner Vergleich ist, aber mir hat er sehr geholfen. Ich würde niemanden dafür hassen oder verantwortlich machen, dass er bei Masern rote Flecke bekommt oder bei einer Erkältung eine laufende Nase. Wer alkoholkrank ist, hat auch bestimmte Symptome, die zu dieser Krankheit gehören. Lügen, Schuldzuweisungen, manchmal auch Schlimmeres. Aber es sind Symptome seiner Krankheit. Und so wenig wie ein Masernkranker seine roten Flecken abstellen kann, kann ein Alki, solang er nass ist, sein „Symptome“ abstellen.
Ich weiß, dass besonders Kinder es sehr, sehr schwer haben mit trinkenden Eltern. Aber ihr seid jetzt erwachsen. Und solange ihr den Hass und den Zorn auf euere Eltern nicht loslasst, seid ihr es nur äußerlich. Ich hatte es an anderer Stelle schon geschrieben. Ich muss jetzt nicht mehr glauben, was meine Mutter mir immer wieder gesagt hat und wie sie mich behandelt hat. Sie konnte nur so handeln, wie ihre eigenen Fähigkeiten und ihre Krankheit es zuließen. Jetzt kann ich selbst für mich entscheiden, wie ich MICH behandele und behandeln lasse.
Ich kann eueren Hass nachvollziehen. Weiß aber auch, dass Alkis keine Verletzungen aus Bosheit oder aus Freude am Verletzen zufügen. Solange sie trinken, können sie nicht anders. Wir, egal ob erwachsene Kinder oder ehemalige oder Noch-Partner, wir müssen für uns selbst sorgen. Und für mich war der Hass etwas, was mir nicht gut tat. Ich hätte mich mit ihm nicht weiterentwickelt.
LG
Ette