Beiträge von Ette

    Guten Morgen Michaela,

    ich seh es ganz einfach so: Da dein Mann viele Gründe findet, sein Trinkverhalten nicht ändern zu müssen, ist er einfach noch nicht so weit, sich endgültig von der Flasche zu verabschieden. Wie Spedi schon ganz richtig schreibt, das Einzige, was du in die Hand nehmen kannst, ist dein eigenes Leben. Guck dir an, frag dich, ob du mit seinem Trinken leben kannst und willst und wo dabei DEIN Leben bleibt. Entscheidungen treffen und sie umzusetzen, kannst du nur für dich, für dein Leben. Er muss seinen Weg selbst finden und so wie es aussieht, muss er vielleicht noch die ein oder andere Runde drehen, bis er trocken werden kann. Du bist machtlos gegenüber dem Alkohol und er womöglich auch bereits. Diese Machtlosigkeit anzunehmen ist der erst Schritt in die richtige Richtung.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Lebensmelodie,

    willkommen hier im Forum. Wenn du hier liest, wirst du feststellen, dass es ganz Vielen, vor allem Frauen, sehr ähnlich geht wie dir. Du hast jedoch einen Vorteil – du hast schon eine eigene Bleibe, lebst räumlich von deinem Mann getrennt. So hat jeder die Möglichkeit, für sich selbst und sein Leben den richtigen Weg zu finden. Du kannst dies nur für dein Leben und er für seins. Helfen, machen, drehen, tun, um ihn trocken zu kriegen, diese Illusion musst du dir abschminken. Trocken zu werden ist ganz allein seine Angelegenheit. Du kannst nichts dabei tun, wenn er nicht selber will.

    Du warst bei einer Suchttherapeutin, um dich zu informieren, wie du mit ihm umgehen sollst. Warst du auch bei einer Beratungsstelle, um zu klären, wie du dir selbst helfen kannst? Denn du selbst bist die einzige Person, die du ändern kannst, deren „Lebensmelodie“ du so harmonisch komponieren kannst, wie du möchtest. Wenn du deine „Lebensmelodie“ nach seinem Verhalten stimmst, ist es dann überhaupt noch deine? Lebst du oder lässt du dich leben? Von seinem Verhalten, von seiner Aufmerksamkeit, von seinem Trinken?

    Nicht nur Meister der Rede können dich im übrigen in Grund und Boden reden, wenn es darum geht, ihr Trinkverhalten nicht ändern zu müssen. Wenn er nicht will, wird er mit oder ohne Therapie nicht trocken werden. Ob er sich davor entgiften lässt, kannst du ebenso wenig beeinflussen. Klug ist es nicht, auf eine Entgiftung zu verzichten, es ist sogar ziemlich gefährlich, „kalt“ zu entziehen. Wenn er jedoch mit Suchtkranken arbeitet, wird er dies wissen und es ist SEINE Entscheidung, was er macht oder nicht.

    Du kannst nur dafür sorgen, dass in dein Leben und in das deiner Tochter wieder Ruhe einkehrt. Im schlimmsten Fall ohne ihn..... so schwer sich das anhören mag, aber DEIN Leben ist das einzige, welches du beeinflussen und gestalten kannst. Ich wünsche dir den Mut und die Kraft dazu.

    LG
    Ette

    Guten Morgen,

    gestern war ein Sonnenbrillen-Regenschirm-Tag, was ich nach all der Wärme gar nicht so schlecht fand. Morgens, als es recht kühl auf dem Weg ins Büro war, kam mir dieser Spruch in den Sinn von der Reihe der guten Tage, die gar nicht so leicht zu ertragen sind. Ich fand die Abkühlung ganz angenehm. Sie hielt mich auch nicht davon ab, mich am Nachmittag mal wieder in die Beete zu schmeißen. Und danach zufrieden immer wieder das Ergebnis meiner Wühlarbeit zu betrachten. Ich sah hinterher wieder aus wie ein Erdferkel, aber die Erde, in der ich wühlte, duftet herrlich nach Wachstum. Wenn ich zwei, drei Tage nicht im Garten war, ist es richtig spannend, zu gucken, was sich noch alles zeigt. Neue Blüten an den Stauden, neue Blättchen in meiner „Pflanzenkinderstube“. Oder die Holunderblüten, die schon verblühen und viele Beeren versprechen. Einige davon habe ich in voller Blüte geplückt und Holunderblütengelee gekocht. Es schmeckt nach Sonne und Sommer, einfach köstlich.

    LG
    Ette

    Hallo Dibo,

    deine Zeilen sind sehr anrührend und sehr wahr. Es ist schön zu lesen, dass du einen guten Weg gefunden hast und gehst. Klar, einfach, ein Spaziergang, ist es nicht, sich mit seinen Gefühlen auseinander zu setzen und sich auf den trockenen Weg zu machen, den unabhängigen.... und hier kommt auch der Zusammenhang zur Co-Abhängigkeit. Denn da ist es auch kein Spaziergang, sich mit den all den Gefühlen, die wir Co´s allzu oft verleugnen, auseinander zu setzen. Danke für das, was du geschrieben hast.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Ayki,

    herzlichen Glückwunsch zu deinen sportlichen Erfolgen.

    Zu der Geschichte mit dem Unterhalt ist mir noch etwas eingefallen. Wenn ich Angst vor irgendeiner Situation habe oder ich mir Sorgen darum mache, dann stelle mich mir vor, was das Schlimmste wäre, was passieren kann. In deinem Fall also, dass kein Geld mehr von ihm kommt. Dann setzte ich mich mit dieser etwaigen Situation auseinander und suche Lösungen dafür. So bin ich gerüstet, wenn es schlimm kommt und wenn nicht, na, umso besser. Wenn ich für mich eine Lösung oder einen Weg des Umgehens mit dem „worst case“ gefunden habe, kann ich relativ entspannt auf mich zukommen lassen, was immer da kommt.

    LG
    Ette

    Hallo clauga,

    ich kann verstehen, dass die Mitteilung, dass dein Mann einen Betreuer benötigt, ein ziemlicher Schock war. Zudem gehe ich davon aus, dass wenn dieser Vorschlag bzw. die Anfrage vom behandelnden Arzt kommt, diesbezüglich auch die Notwendigkeit da sein wird. Aus meiner beruflichen Erfahrung weiß ich, dass das bei schwer Abhängigen gar nicht so selten ist. Jedoch kann es auch durchaus sein, dass die Betreuung nur vorübergehend angeordnet wird und diese, sobald dein Mann gesundheitlich wieder in der Lage ist, sein Leben selbst zu organisieren, aufgehoben werden kann.

    Nahe Verwandte oder Ehepartner werden in der Regel als erste gefragt, weil hier dann eine s. g. befreite Betreuung angeordnet werden kann, d. h. mit weniger Auflagen durch das Vormundschaftsgericht. Hier geht das Gericht wohl davon aus, dass Verwandte ohnehin auf die Belange des Betreuten mehr achten als dies ein Außenstehender tun womöglich tun würde und somit im Interesse des Betreuten dafür sorgen werden, dass alles Notwendige für ihn organisiert wird. Ich sehe das so ähnlich wie bei einem Kind, wo du als Elternteil der gesetzliche Vertreter des Kindes bist und aus emotionaler Bindung heraus nichts tun wirst, um das Kind zu schädigen. In meinen Augen bist du dann so etwas Ähnliches wie die gesetzliche Vertreterin deines Mannes.

    Die Betreuung kann auf verschieden Bereiche eingeschränkt sein. Sie kann für die Aufenthaltsbestimmung, für den gesundheitlichen Bereich, die Finanzen oder die zu erledigende Post oder vielleicht Rentenangelegenheiten sein. Oder eben für alles zusammen, je nach dem wie weit der Betreute bestimmte Teilbereiche noch selbst regeln kann. Genaueres kannst du aber bei dem für dich zuständigen Amtsgericht erfahren. In der Regel gibt es dort Rechtspfleger, die man in solchen Dingen um Rat und Unterstützung fragen kann.

    Was mir dabei aber noch viel mehr durch den Kopf geht, ist die Sache mit der Co-Abhängigkeit. Wenn du die Betreuung für deinen Mann übernimmst, wirst du wieder sehr, sehr nah mit dem Alkohol bzw. seinen Folgen konfrontiert sein. Deine eigene Ruhe und Genesung wird wieder hinten angestellt. Unter diesem Gesichtspunkt wäre es vielleicht doch anzudenken, jemandem anderen die Betreuung zu übergeben. Gibt es noch Eltern oder andere Verwandte, die dafür in Frage kämen?

    Ich würde mich an deiner Stelle auch nicht unter Druck zu einer überstürzten Entscheidung hinreißen lassen. Vielleicht kannst du in Erfahrung bringen, warum die Entscheidung so schnell gefällt werden muss. Andererseits würde ich mich, wie o. geschrieben, beim Amtsgericht schlau machen.

    Ich wünsche dir die Kraft und die Ruhe, die du nun mehr brauchst als alles Andere.

    LG
    Ette

    Hallo Ettena,

    es tut mir leid, dass es dir nicht gut geht. Alleinesein und Wechseljahren - das wäre ansich kein Grund für Trübsal, denke ich. Ne Inso ist es auch nicht unbedingt, denn das Notwendigste zum Leben ist in der Regel immer da. Dafür sorgt unser Staat.

    Was ich nicht ganz verstehe, ist die Sache mit deinem Ex. Ich denke, ihr ward schon eine Weile getrennt? Oder wart ihr zwischendurch wieder zusammengekommen? Du hast so unterschiedliche Threads angefangen, dass ich irgendwie den Faden verloren habe.

    Wenn es einem nicht gut geht nach einer Trennung, ist das relativ normal, denke ich. Und da ist es auch durchaus normal, wenn nicht unbedingt die beste Gesprächspartnerin ist. Lass dir einfach Zeit für die Trauer, dann kannst du dich auch wieder freuen.

    LG
    Ette

    Liebe Dagmar,

    wenn ich deine Postings lese und sehe, welchen Anteil doch noch immer dein Ex oder Noch oder wie immer du ihn nennen möchtest, einnimmt, werde ich nachdenklich. Denn andererseits möchtest du uns glauben machen, dass dir das alles am A...... vorbeigeht. Sorry, das liest sich für mich, als würdest du hinter all deinen Worten vom alleine klarkommen nur die Angst vor genau diesem Zustand verstecken.

    LG
    Ette

    Guten Morgen,

    diese warmen, ja heißen Sommertage finde ich einfach göttlich. Vor allem ganz früh am Morgen. Heute hatte der Morgen noch eine ganz besondere Überraschung für mich. Es hatte in der Nacht geregnet und die Luft war kühl und feucht. Wie frisch geduscht alle Blätter und Gräser. Grad, als ich aus dem Fenster sah, hoppelte ein Häschen über die Wiese, knabbert mal hier und da an einem Blatt und sah aus, als ob es mit sich und der Welt zufrieden sei. Eine ganz herrliche Stimmung, die macht, dass ich mich richtig auf den Tag freue.

    Gefreut habe ich mich dieser Tage auch, als ich in den Briefkasten sah. Es war etwas darin, was von Äpfeln bzw. dem Geschmack ihrer Kerne, erzählt. Am Wochenende, unterm Apfelbaum, habe ich somit neue Lektüre. Den Dank dafür schicke ich nun einfach ins Netz.......

    LG
    Ette

    P.S. Dagmar : Ich sammle hier Genussmomente. Welchen hast du gestern oder vielleicht heute schon erlebt?

    Guten Morgen Lydia,

    ich kenne deine Geschichte zu wenig, um Entwicklungen bei dir festzustellen. Ich kann aber verstehen, dass du nun sehr auf dich achtest. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es zu Anfang damit ist wie mit einem Pendel, das zuerst zu weit in die falsche Richtung ausschlug. Wenn du dir dessen bewusst wirst und etwas gegen den falschen Ausschlag tust, kann es passieren, dass das Pendel anfangs zu doll in die richtige Richtung tendiert. Das ist dann für Angehörige ziemlich anstrengend. Ich denke, wir brauchen auch dafür Zeit, eine ausgeglichenes Miteinander leben zu können. Durch Therapie und Gespräche werden wir sehr zu einem eigenständigen, auf uns bezogenen Leben geleitet. Ausgeglichenheit wird sich dann im Laufe der Zeit entwickeln.

    Für mich war es sehr schwierig, aber auch wichtig, zu akzeptieren, dass mein Partner einfach anders tickt als ich. Er geht mit Gefühlen anders um und mit Beziehung. Ich kann ihn nicht dahingehend „erziehen“, dass er alles genauso sieht und macht wie ich. Das ist völlig unabhängig davon, ob er trinkt, trocken ist oder niemals getrunken hat. Es ist allerdings genau dann ein ganz schönes Stück Arbeit, wenn ich gerade in der Therapie beigebracht bekommen habe, auf mich und meine Gefühle zu achten, meine Bedürfnisse zu formulieren und ihre Befriedigung einzufordern. Ich glaube, wir leben in einem ständigen Entwicklungsprozess und die Akzeptanz des Andersseins unserer Partner ist dabei ein ganz, ganz wichtiger Punkt. Du kannst nur für dich selbst entscheiden, inwieweit du Zugeständnisse machen kannst und wo für dich die Grenze erreicht ist.

    LG
    Ette

    Hey...Ayki!

    Denk dran, nasses Denken, egal ob mit oder ohne Alk, geht gern mit großgotzigem, fast größenwahnsinnigem, Verhalten einher. Was bin ich, was kostet die Welt?

    Ich kann verstehen, dass dich die Besuchwochenenden mit den verdreht zurück kommenden Kindern nervt. Hast du diesbezüglich schon einmal mit einem Kinderpsychologen gesprochen? U.U. kann auch für die Kinder womöglich erst einmal ein Pause im Kontakt sinnvoll sein. Es würde womöglich mehr Ruhe in dein kleine Familie bringen.

    Ich wünsche dir ein wunderschönes Wochenende.

    LG
    Ette

    Hallo fish,

    du suchst Ruhe für dich und deine Kinder. Das kann ich gut nachfühlen, denn ich hatte Zeiten, in denen ich Angst hatte, nach dem Büro nach hause zu gehen, weil ich nicht wusste, was mich dort erwartete. Es konnte der Himmel auf Erden sein oder das Tal der Tränen, je nach dem ob und wie viel er getrunken hatte. Nun weiß ich genau, was mich erwartet, wenn ich meine Wohnungstür aufschließe. Und ich kann dir sagen, dass es, weiß Gott, nicht der bequemere Weg war, aufzugeben und ihm seine Sachen vor die Tür zu stellen. Inzwischen aber weiß ich, dass es der einzig richtige Weg war und zwar für uns BEIDE. Ich denke sogar, dass es der schwerere Weg war, denn auf diesem Weg musste ich ganz viel an MIR arbeiten und verändern. Alte Verhaltensstrukturen und Denkmuster zu durchbrechen und das Erreichte auch durch zu halten, empfand ich als alles andere als bequem und ich tue es noch.

    Er ist seither trocken und ich habe ein eigenes, selbstbestimmtes Leben, in dem er nach wie vor einen Platz hat, genau wie ich in seinem. Heute sagte jemand zu mir, dass ich hart geworden sei. Ich erwiderte nur, dass ich nach wie mitfühlend und fürsorglich bin, allerdings auch sehr gut für mich sorge und dafür, mich gegenüber übergriffigem Verhalten abzugrenzen.

    Fish, du wirst es spüren, wann die Zeit dafür reif ist, eigene Wege zu gehen und gut für dich und deine Kinder zu sorgen. Bedenke nur, dass du ihn mit deinem Ausharren auch vor der Verantwortung für SEINEN Weg und SEIN Leben bewahrst. Ich hatte damals für MEIN Leben und MEINE Verantwortung überhaupt keine Energie mehr, weil sich alles um ihn drehte, er mein Leben bestimmte – so sehr, dass nichts, außer ihm und seiner Krankheit zählte.

    LG
    Ette

    Guten Mogen fish,

    ich kenne dieses immer wieder aufpassen, ob er trinkt oder nicht. Noch eine Chance geben und noch eine, denn wenn er die letzte Chance nicht wahrnehmen würde, müsste ich mich ja selbst bewegen. Aber glaub, mir irgendwann ist es soweit, dass du dir selber wichtiger wirst. Je eher, desto besser.

    Was wäre, wenn du erst einmal so tun würdest, als ob es dir egal ist, ob er trinkt oder nicht? Was wäre, wenn du für dich einen Weg suchen würdest, egal, ob er trinkt oder nicht? Was wäre, wenn du dir einen Plan für dein Leben alleine machen würdest, egal, ob er trinkt oder nicht?

    Wenn ich dich lese, sind deine Handlungen in erster Linie davon abhängig, ob er trinkt oder nicht. Warum?

    LG
    Ette

    Na, Kaltblütiger,

    Selbstverwerterin war ich doch schon lang. Nun bin ich auf dem Weg, mich zur SelbstverSORGERIN zu mausern. Ob mir dann allerdings Pülpe ins Glas kommt - schau´n wir mal. Auf jeden Fall koche ICH dies Jahr Holundermarmelade. Wobei ich natürlich nicht weiß, ob sie auch so lecker wird wie deine.

    LG
    Ette

    Zitat von dagmar007


    Ich für meinen Teil muss sagen, diesen Menschen, den ich persönlich lieben gelernt hatte der ist nicht mehr sichtbar - vielleicht auch nicht mehr vorhanden weil er von allen Seiten von seiner Freundin Alkohol wattiert wurde und nichts mehr spürt, hört, vielleicht auch nicht mehr empfindet.

    Hier bin ich mir nicht sicher, ob wir nur den Menschen verloren haben, der er einmal war oder den, den wir haben sehen wollen. Viel zu oft denken wir Co´s doch, wenn er nur erst aufhören wollte zu trinken, wäre er genauso, wie ich ihn haben wollte und dann würde er mich bestimmt so lieben, wie ich es mir wünsche.

    Liesel, vielleicht ist dein Mann eher introvertiert und ruhig. Vielleicht war seine Unkompliziertheit und sein Humor nur unter einem Alk-Nebel möglich. Wenn Alkoholiker trocken werden, ist es ganz normal, dass sie sich verändern. Genauso, wie wir uns verändern, wenn wir unsere Abhängigkeit bearbeiten.

    Deine Angst vor einem Rückfall ist für mich nachvollziehbar. Jedoch kann NIEMAND und NICHTS einen Alkoholiker davon abhalten, wenn er wieder trinken will. Selbst wenn wir noch so große Angst davor haben, nützt diese nicht. Im Gegenteil – wir engen uns selber in unserer Lebensqualität ein und setzen unbewusst unseren Partner damit unter Druck. Es ist schwer, ich weiß, aber der einzige Weg, damit umzugehen, war für mich der, dass ich mir immer und immer wieder gesagt habe, dass ich nichts verändern kann. Ich muss annehmen, wie diese Krankheit ist und wie er damit umgeht.

    Einer seiner Therapeuten hat mir mal gesagt, dass ich nicht nur den trockenen, liebenswerten Menschen bekommen kann, wenn ich mit ihm leben will. Der, der getrunken hat und vielleicht irgendwann wieder trinkt, ist genauso ein Teil seiner Persönlichkeit. Ich müsste dies einfach akzeptieren. Wenn ich mir dann vorstelle, dass ich ständig Angst davor hätte, dass er wieder trinkt, würde das ja bedeuten, dass ich mein Leben lang Angst haben müsste, wenn ich mit einem trockenen Alkoholiker lebe. Ich muss auch Vertrauen in ihn setzen, dass es ihm selbst wichtig ist, nicht mehr trinken zu müssen. Vielleicht habe ich es leichter, weil ich mit "meinem Alki" nicht mehr lebe, sondern "nur" mehr befreundet mit ihm bin. Jedoch ist es für uns beide entspannend, dass ich nicht ständig hinterher schnüffele oder ihn kritisch begutachte, wenn er bei mir auftaucht. Inzwischen können wir sehr angenehm miteinander umgehen.

    Liesel, Co-Abhängigkeit ist nicht vorbei, wenn der Partner nicht mehr trinkt. Sie ist schon vor der Trinkerei da und nachher immer noch. Daraus kannst nur du dich selbst lösen, denn sie hat in erster Linie mit dir zu tun.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Liesel,

    schön, dass du hierher gefunden hast. Herzlich willkommen!

    Du hast also gleich zwei „Alkis“, mit denen du „verwoben „ bist. Das ist im übrigen nicht ungewöhnlich, denn ich denke, wir suchen uns immer so einen Mann, mit dem Strukturen leben können, die wir aus der Kindheit kennen.

    Raten kann ich dir wenig, denn ich kam damals alleine auch nicht aus dem Misstrauen. Es hat eine lange Zeit gedauert, bis ich „ihm“ so weit vertrauen konnte, dass ich nicht schnüffelte oder mir seine Augen oder seinen Gang kritisch betrachtete.

    Ein Jahr nach dem er seine Therapie gemacht hatte, entschloss ich mich selbst zu einer solchen. Von der hiesigen Suchtberatungsstelle war mir das schon sehr viel früher empfohlen worden. Allerdings hatte ich zu dieser Zeit noch nicht die Einsicht in meine eigene Krankheit, die Co-Abhängigkeit. Und diese ist ja nicht einfach weg, wenn der Angehörige nicht mehr trinkt. Aber da hat es auch eine Zeit gedauert, bis ich das für mich akzeptiert habe. Bis dahin war ich, genauso wie du, misstrauisch und ängstlich. Immer rechnete ich mit einem Rückfall. Dies war auch für meinen damaligen Partner nicht einfach. Deshalb hat er dann irgendwann gesagt, er kann nur zufrieden trocken werden, wenn er alleine lebt. Das ist jetzt mehr als zwei Jahre her.

    Zwei Jahre, in denen ich mächtig viel über mich selbst erfahren habe, ich ihn einfach machen lassen kann, und in denen er nicht mehr getrunken hat. Ich wünsche dir, dass du deine Angst und dein Misstrauen loslassen kannst. Denn es ist für euch beide nicht gut. Zudem ist deine Energie sicher für angenehmere Dinge, und vor allem für deine eigene Weiterentwicklung, sehr viel wichtiger als dafür, in der Angst vor einem Rückfall verbraucht zu werden.

    LG
    Ette

    Hallo,

    als ich die Woche eben in Gedanken noch mal Revue passieren ließ, ist mir aufgefallen, dass ich mich immer noch mal wieder bremsen muss, mir nicht anderer Leute Probleme zum Thema zu machen. Allzu schnell wollen mir gute Ratschläge über die Lippen, anstatt dem Anderen die Möglichkeit zu geben, selbst die Lösung seines Problems zu finden. Bei „meinem Alki“ fällt es mir seltsamerweise inzwischen recht leicht, ihn machen zu lassen. Wahrscheinlich, weil mir hier die Tatsache meiner Co-Abhängigkeit bewusster ist. Diese beschränkt sich jedoch nicht nur auf den Umgang mit ihm, wie ich immer wieder merke. Das Machen und Tun, das Beeinflussen und Manipulieren wollen durch Worte oder Taten, ist immer noch präsent, wenn es um den Umgang mit anderen Menschen geht. Wenn ich einfach nur reagiere, kommen dabei oftmals Co-Strukturen zum Vorschein. Immer wieder muss ich mir bewusst machen, dass manche Dinge einfach nicht mein Thema sind. Gedankenstopps und – für mich ganz besonders schwierig, weil „es mich oft redet“ – lieber einmal öfter nichts zu einem Thema sagen, als dauernd „Frau Dr. Allwissend“ agieren lassen, muss ich mir immer wieder bewusst machen.

    LG und ein charmantes Wochenende

    Ette

    Guten Morgen,

    Sommer ist doch eine wunderschöne Zeit! Morgens um 5 Uhr vom Gezwitscher der Vögel geweckt zu werden, ist einfach nur schön.

    Zudem habe ich inzwischen eine „Gartenbeteiligung“ und wühle in fast jeder freien Minute durch Beete und Gesträuch. Immer begleitet von einer Drossel, die sich Würmer erhofft in der von mir aufgebrochenen Erde. Gegen Abend den Grill anschmeißen und den sich meldenden Hunger ganz in Ruhe mit einem Würstchen oder zwei stillen. Danach bin ich dann satt, staubbedeckt und sonnendurchglüht und so müde, dass mir um 21 Uhr meine Augenlider einen permanenten Drang nach unten signalisieren. Riesige Tomaten und ein wild mit Blüten überwuchertes Häuschen durchziehen meine Träume.

    Die Stunden im Garten sind wie ein Miniurlaub, kaum 5 Minuten von meiner Haustür entfernt. Gestern Abend im warm goldenen Abendlicht, als ich da saß, rechtschaffen müde von der Arbeit, friedlich in diesem Gesumme und Geblühe, da fehlte mir rein gar nichts, um zufrieden zu sein. Ich war es ganz einfach.

    LG
    Ette

    Kuscheln, Nähe, Zärtlichkeiten....

    Ich denke, dass es hier auch Diskrepanzen gibt, wenn nicht einer der Partner Alkoholiker ist. Lernen musste ich dabei, und akzeptieren, dass meine Bedürfnisse diesbezüglich nicht mit denen meines Partners übereinstimmen müssen. Nur weil er nicht das gleiche Bedürfnis nach Nähe und Zärtlichkeit hat wie ich, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass ich ihm nichts bedeute. Bedürfnisse sind einfach unterschiedlich. Das zu lernen und zu akzeptieren, hat bei mir eine ganze Weile gedauert. Mein Maßstab ist für mich der richtige, nicht jedoch der allein seelig machende für die Menschen, mit denen ich umgehe.

    LG
    Ette