Zitat von dagmar007
Ich für meinen Teil muss sagen, diesen Menschen, den ich persönlich lieben gelernt hatte der ist nicht mehr sichtbar - vielleicht auch nicht mehr vorhanden weil er von allen Seiten von seiner Freundin Alkohol wattiert wurde und nichts mehr spürt, hört, vielleicht auch nicht mehr empfindet.
Hier bin ich mir nicht sicher, ob wir nur den Menschen verloren haben, der er einmal war oder den, den wir haben sehen wollen. Viel zu oft denken wir Co´s doch, wenn er nur erst aufhören wollte zu trinken, wäre er genauso, wie ich ihn haben wollte und dann würde er mich bestimmt so lieben, wie ich es mir wünsche.
Liesel, vielleicht ist dein Mann eher introvertiert und ruhig. Vielleicht war seine Unkompliziertheit und sein Humor nur unter einem Alk-Nebel möglich. Wenn Alkoholiker trocken werden, ist es ganz normal, dass sie sich verändern. Genauso, wie wir uns verändern, wenn wir unsere Abhängigkeit bearbeiten.
Deine Angst vor einem Rückfall ist für mich nachvollziehbar. Jedoch kann NIEMAND und NICHTS einen Alkoholiker davon abhalten, wenn er wieder trinken will. Selbst wenn wir noch so große Angst davor haben, nützt diese nicht. Im Gegenteil – wir engen uns selber in unserer Lebensqualität ein und setzen unbewusst unseren Partner damit unter Druck. Es ist schwer, ich weiß, aber der einzige Weg, damit umzugehen, war für mich der, dass ich mir immer und immer wieder gesagt habe, dass ich nichts verändern kann. Ich muss annehmen, wie diese Krankheit ist und wie er damit umgeht.
Einer seiner Therapeuten hat mir mal gesagt, dass ich nicht nur den trockenen, liebenswerten Menschen bekommen kann, wenn ich mit ihm leben will. Der, der getrunken hat und vielleicht irgendwann wieder trinkt, ist genauso ein Teil seiner Persönlichkeit. Ich müsste dies einfach akzeptieren. Wenn ich mir dann vorstelle, dass ich ständig Angst davor hätte, dass er wieder trinkt, würde das ja bedeuten, dass ich mein Leben lang Angst haben müsste, wenn ich mit einem trockenen Alkoholiker lebe. Ich muss auch Vertrauen in ihn setzen, dass es ihm selbst wichtig ist, nicht mehr trinken zu müssen. Vielleicht habe ich es leichter, weil ich mit "meinem Alki" nicht mehr lebe, sondern "nur" mehr befreundet mit ihm bin. Jedoch ist es für uns beide entspannend, dass ich nicht ständig hinterher schnüffele oder ihn kritisch begutachte, wenn er bei mir auftaucht. Inzwischen können wir sehr angenehm miteinander umgehen.
Liesel, Co-Abhängigkeit ist nicht vorbei, wenn der Partner nicht mehr trinkt. Sie ist schon vor der Trinkerei da und nachher immer noch. Daraus kannst nur du dich selbst lösen, denn sie hat in erster Linie mit dir zu tun.
LG
Ette