Guten Morgen Liesel,
schön, dass du hierher gefunden hast. Herzlich willkommen!
Du hast also gleich zwei „Alkis“, mit denen du „verwoben „ bist. Das ist im übrigen nicht ungewöhnlich, denn ich denke, wir suchen uns immer so einen Mann, mit dem Strukturen leben können, die wir aus der Kindheit kennen.
Raten kann ich dir wenig, denn ich kam damals alleine auch nicht aus dem Misstrauen. Es hat eine lange Zeit gedauert, bis ich „ihm“ so weit vertrauen konnte, dass ich nicht schnüffelte oder mir seine Augen oder seinen Gang kritisch betrachtete.
Ein Jahr nach dem er seine Therapie gemacht hatte, entschloss ich mich selbst zu einer solchen. Von der hiesigen Suchtberatungsstelle war mir das schon sehr viel früher empfohlen worden. Allerdings hatte ich zu dieser Zeit noch nicht die Einsicht in meine eigene Krankheit, die Co-Abhängigkeit. Und diese ist ja nicht einfach weg, wenn der Angehörige nicht mehr trinkt. Aber da hat es auch eine Zeit gedauert, bis ich das für mich akzeptiert habe. Bis dahin war ich, genauso wie du, misstrauisch und ängstlich. Immer rechnete ich mit einem Rückfall. Dies war auch für meinen damaligen Partner nicht einfach. Deshalb hat er dann irgendwann gesagt, er kann nur zufrieden trocken werden, wenn er alleine lebt. Das ist jetzt mehr als zwei Jahre her.
Zwei Jahre, in denen ich mächtig viel über mich selbst erfahren habe, ich ihn einfach machen lassen kann, und in denen er nicht mehr getrunken hat. Ich wünsche dir, dass du deine Angst und dein Misstrauen loslassen kannst. Denn es ist für euch beide nicht gut. Zudem ist deine Energie sicher für angenehmere Dinge, und vor allem für deine eigene Weiterentwicklung, sehr viel wichtiger als dafür, in der Angst vor einem Rückfall verbraucht zu werden.
LG
Ette