Beiträge von Ette

    Guten Morgen,

    als ich vorhin auf den Balkon trat, lag sie noch ganz flach an den Horizont geschmiegt. Wie ein große Apfelsine schimmert sie durchs Geäst der Büsche und Bäume vor dem Haus. Das Vogelgezwitscher untermalte ihren Auftritt und schmetterte ihr den Jubel entgegen, den sie verdient.

    Nach dem morgendlichen Regenzimmer-Besuch hat sie sich dann am Himmel ein Stück höher geschoben. Strahlend lässt sie die rosigen Blüten des Apfelbaumes noch rosiger erscheinen und das zarte, junge Grün der Erlenblätter smaragden leuchten. Ein paar Graugänse fliegen am Himmel dahin und über den Teich lässt sich lautlos ein Entenpärchen treiben. Ich nehme mir meinen Kaffee, schiebe den Stuhl in die Sonne und genieße diese halbe Stunde in ihrem Glanz. Die Zeile eines Liedes aus dem Religionsunterricht fällt mir: Danke für diesen guten Morgen, danke für jeden neuen Tag.... Ja, schön ist er, der Morgen und gut, denn ich kann ihn erleben.

    Und Genuss ist er natürlich, vor allem in dieser hellen, wärmeren Jahreszeit. Noch einmal strecke und räkle ich mich in den Strahlen der eben aufgegangen Sonne und mach mich davon ins Büro.

    Ich wünsche euch, dass ihr auch so einen guten Morgen habt und natürlich einen genauso guten Wochenanfang.

    LG
    Ette

    Hallo Karotte,

    ich bin nicht davon ausgegangen, dass mein Posting bewertet wird danach, ob es nett ist oder nicht. Und selbst wenn, hätte es mich nicht davon abgehalten, es zu schreiben. Denn es ist wirklich bilderbuchmäßig, wie hier die Co-Strukturen plastisch werden.

    Im Übrigen fand ich es, genau wie du, früher genauso wenig nett, wenn mich jemand auf meine Co-Abhängigkeit aufmerksam machen wollte. Ich hatte für mein Verhalten immer schlüssige Erklärungen, die NIEMALS co-abhängig waren. Ich hatte, nach meiner Meinung, immer alles im Griff. Aber Alkis meinen ja auch immer, sie könnten jeden Tag mit der Sauferei aufhören und nur unser Gekeife würde sie wieder an die Pulle treiben.

    Karotte, Co-Abhängigkeit ist nun mal nicht nett, sondern unsere Krankheit. Und solange wir sie nicht als solche anerkennen, können wir auch keinen vernünftigen Weg finden, gesund zu werden. Ich werde dich nicht bemitleiden und dich in deiner Opferrolle bestärken. Denn aus dieser Opferrolle herauszutreten, ist einer der wichtigsten Schritte, um sich von der Co-Abhängigkeit zu befreien.

    Lies, was du schreibst! Du findest Entschuldigungen für sein Verhalten und Erklärungen dafür, dass du für ihn kochst. Warum sollte er sich ändern? Soooo schlecht geht es ihm doch gar nicht.

    Frag nicht andere, was du tun sollst, sondern dich selbst, was du tun WILLST. Denn eines habe alle Co´s gemeinsam. Sie haben verlernt, eigene Ziele, eigene Bedürfnisse zu formulieren und in Angriff zu nehmen.

    Genau wie du, war ich eine zeitlang in der Reha. Allerdings habe die Klinik genommen, die mir zugewiesen wurde, denn ich war nur noch froh, endlich aus dem Hamsterrad heraus zu sein, weil ich nicht mehr konnte. Egal wohin, Hauptsache weg von zu Hause und endlich Zeit, mich mit meinem Schmerz und den Verletzungen auseinander zu setzen. Und das nett sein - das wurde mir dort nicht beigebracht, denn ich war dort, weil ich es vorher schon allzu gut konnte.

    LG
    Ette

    Zitat von Lütze

    Guten Abend Karotte
    Ich lese hier stirnrunzelnd deinen Thread noch mal durch bis hier her.Du quälst dich ganz schön und hast trotzdem die Kraft anderen hier im Forum zu helfen.
    Du bist was Besonderes!
    Wollt ich dir mal sagen.

    Lütze

    Danke, Lütze, für dieses Posting! Das ist es, was Co´s lieben! Ihre Anstrengung für Andere wird anerkannt. Genau das ist es, wie Co-Abhängigkeit funktioniert. Egal, ob sie sich auf einen Alki bezieht oder andere Mühselig und Beladenen.

    LG
    Ette

    Moin, moin,

    Löwen-Herz, das war die falsche Frage. Nicht worauf ich mich irgendwann freue, sondern worüber ich mich täglich freuen kann, ist wichtig.

    Dazu gehört zum Beispiel auch, dass ich mich, obwohl ich sicherlich auch schon mehr als die Hälfte meines Lebens hinter mir habe, besser fühle als das mit 20, 30 Jährchen weniger auf meinem entzückenden Rücken war.

    Wenn du schreibst, dass es abwärts geht, was meinst du denn damit? Was wäre für dich anders, wenn du nicht bald 50 Jahre alt würdest sondern 30? Ich arbeite sehr viel mit jüngeren Kollegen zusammen, vor allem Männer. Wenn ich mir betrachte, was die für ein Hype machen, um der Beste, der Schnellste, der Erfolgreichste zu sein, dann kann ich mich nur amüsiert zurücklehnen. Denn das ist ein Hamsterrad. Sind sie heute erfolgreich, geht es morgen wieder von vorne los und sie müssen sich wieder beweisen.

    Weißt du, ich habe mir ein Selbstbewusstsein und eine Sicherheit erarbeitet, von der ich mit 25 oder so nur träumen konnte. Dieser Tage hatte ich Gespräch mit meiner Führungskraft, damit, meiner Meinung nach, meine Arbeit angemessen honoriert würde. Wir arbeiten seit 4 Monaten zusammen. Folglich sagte er mir, dass er nicht einschätzen könne, wie ich arbeiten würde, das könnte er frühestens am Ende des Jahres. Meine Antwort darauf war, dass ich es mir nicht ausgesucht hätte, einen neuen Chef zu bekommen. Es könne also nicht sein, dass ich mich ein weiteres Jahr bewähren müsse, damit sich etwas bewegt. Er möge doch, bitte schön, die nächst höhere Führungsebene in das Gespräch mit einbeziehen. Tja, das hat er dann auch getan. Es wurde zwar nicht so viel mehr, wie ich gefordert habe, aber es wurde mehr. Glaubst du, dass ich mich mehr über die Tatsache meiner Verhandlungsführung gefreut habe, als auf das, was nun künftig monatlich dabei herauskommt? Ich habe mich nämlich ohne Furcht für MEINE Interessen eingesetzt. Etwas, was ich vor 25 Jahren im Leben nicht geschafft hätte. DARÜBER freue ich. Und solche Freude gibt’s täglich – in kleinen Dosen.


    LG
    Ette

    Klar, Lola, dass du die Belohnung für 20 Jahre ausharren bekommen möchtest. Und die soll dir dein Mann geben, indem er trocken wird und bleibt und mit dir glücklich lebt bis ans Lebensende.

    Wenn du schreibst, dass du dich schon vor Jahren hättest trennen können, wenn du es jetzt tust, dann ist mein Gedanke dabei nur, dass das Leben mit einem Alki keine Aufgabe ist, die es zu bewältigen gilt, um dann die Früchte für das Durchstehen zu ernten. Du siehst das scheinbar anders und hast dann so gesehen natürlich recht, wenn du schreibst, dann wäre alles für die Katz gewesen. Es ist dein Leben und du kannst es gestalten. Wenn du es davon abhängig machst, ob dein Mann trinkt oder nicht, lässt du dich weiterhin leben anstatt es selbst zu tun.

    LG
    Ette

    Moin Lütze,

    ich guck immer mal wieder, wie es dir denn so geht. Es gefällt mir, was ich von dir lese, auch wenn mal dunkle Tage dabei sind. Das ist relativ normal. Gut, dass du sie ohne Alk hinter dich bringst.

    Du schreibst, dass du in deiner Therapie Leuten begegnest, die sich scheinbar nicht mehr weiterentwickelt haben. Dies zu bemerken ist ein Schritt in die richtige Richtung. Denn bei Anderen fällt es uns immer sehr viel leichter auf, was nicht richtig läuft. Wenn wir das dann zur Selbstreflektion nutzen, kann es helfen, damit wir selber vorwärtskommen, egal, ob Alki oder Co.

    Achte gut auf dich und deine Gefühle, dann wird es sicher gut. Und gib deiner Frau die Zeit, zu sehen, dass du ernsthaft an deiner Trockenheit bleibst. Den Kontakt zu ihr wirst du ja aufgrund der Kinder nicht vollends verlieren und vielleicht seid ihr beide irgendwann soweit, ganz neu aufeinander zuzugehen. Wobei ich denke, dass ihr das ganz anders könnt, wenn ihr beide die Gelegenheit hattet, festzustellen, dass es auch ohne den anderen geht. Unabhängiges Miteinander braucht Lernzeit, genauso wie Trockenheit.

    Ich wünsch dir Geduld, Durchhaltevermögen und Kraft...

    LG
    Ette


    Lola, damit hat Spedi es auf den Punkt gebracht. Bei mir war dieses „Jetzt“ vor zweieinhalb Jahren. Inzwischen drehen sich meine Gedanken längst nicht mehr darum, was er wohl macht, womit er mich damals verletzt hat oder ob er wohl wieder trinkt. Und das nicht etwa, weil wir uns aus den Augen verloren haben. Nein, ich habe eine ganze Menge eigener Dinge und Projekte, mit denen ich mich gedanklich und auch tätig befasse, sodass gar kein Platz mehr in meinem Kopf ist, ständig die Gedanken um ihn kreisen zu lassen. Kontakt haben wir dagegen relativ häufig. Schon alleine deshalb, weil wir uns beide, getrennt, für die Selbsthilfe engagieren und von daher immer wieder Berührungspunkte haben. Und weil wir Dinge zusammen unternehmen, denn schließlich sind wir mal zusammengekommen, weil wir ähnliche Interessen und Vorlieben haben. Allerdings warte ich seit langem nicht mehr darauf, dass wir irgendwann mal wieder ein Paar sind. Jeder hat sein Leben und diese Leben berühren sich punktuell. Für mich ist das ein sehr befreites Gefühl. Auch weil ich weiß, dass es mich nicht mehr aus der Bahn werfen würde, sollte er sich bezüglich seiner Trockenheit irgendwann einmal wieder umorientieren. MEIN Glück und MEINE Zufriedenheit sind davon nicht mehr abhängig. Traurig wäre ich darüber, ja, aber es würde mir nicht mehr den Boden unter den Füßen wegziehen, denn ich habe inzwischen ein eigenes Leben.

    LG
    Ette

    Tja, Kaltblütiger,

    eines ist gleich geblieben in der ganzen Zeit in der du dich hier, mal mehr, mal weniger, zeigst. Deine Wortklauber-Zaubereien nämlich. Und ihre Wirkung haben sie nicht verloren, wie ich immer wieder lesen kann ;-).

    Heute ist heut und morgen schau´n wir mal – ja, das ist ein guter Ansatz. Heute ist heut und heut ist nicht immer gut, aber so ist Leben eben einfach, auch wenn es nicht immer einfach ist. Aber wer will schon „einfach“, zumal wir manchmal einfach wollen. Und dabei ist mir mein Kant-iger Spruch noch immer hilfreich.

    Ich habe festgestellt, dass es dann für mich erneut vorwärts ging, als ich wieder ein Stückchen weiter gucken konnte als bis heute. Ein Ziel, einen Plan, Voraussetzungen schaffen dafür, dass es weitergehen kann – für mich. Loslassen ohne fallen zu lassen kann dabei sehr befreiend sein und manchmal bedeutet Freiheit auch annehmen. Nämlich das Annehmen MEINER Freiheit – etwas, was ich in der Beziehung zu „meinem Alki“ nicht wirklich hatte. Sie hat mir lange Angst gemacht, diese Freiheit, denn sie bedrohte mich mit der Tatsache, keine „Bezugsperson“ zu haben. Und das war für mich eine ganz schreckliche Vorstellung. Seitdem ich diese Angst angesehen habe, hat sie ihren Schrecken verloren. Wie du schon ganz richtig schreibst, hat Liebe nichts mit räumlicher Nähe zu tun. Letztendlich ist Liebe die Summe vieler kleiner Dinge, die sich zu einer warmen Gewissheit manifestieren. Dazu braucht es einerseits mehr als nur räumliche Nähe und andererseits ist räumliche Nähe dazu überhaupt nicht erforderlich.

    Ach - und deine Wortzaubereien - bist du sicher, dass sie dich nicht auch selber verzaubern?

    LG
    Ette

    Hallo elody,

    ich lese und schreibe hier schon eine ganze Weile und dachte, ich hätte schon alle Schattierungen des Co-Daseins mitbekommen. Dein Posting hat mich jedoch sprachlos gemacht.

    Kaum kennst du deinen Freund ein Jahr, gesteht er dir, dass er Alkoholiker ist. Er hat dir also bereits ein Jahr lang etwas vorgemacht. Du schreibst, dass du ihn liebst, dass er für dich der tollste, liebenswürdigste Mann der Welt ist. Sorry, so toll könnte einer für mich gar nicht sein, dass ich damit leben könnte, dass er sich bepinkelt. Allerdings gibt es ja auch Menschen, die auf Natursekt-Spielchen stehen, von daher will ich mir kein Urteil erlauben. Ich kann nur von meinem Empfinden diesbezüglich ausgehen.

    Ich kann mir vorstellen, dass es mit drei Kindern nicht so ganz einfach ist, einen neuen Partner zu finden. Deshalb kann ich nachvollziehen, dass frau da schon mal über die ein oder andere Macke hinwegsieht, weil sie es satt hat, alleine zu sein. Allerdings gibt es in der Beziehung zu einem Alkoholiker immer auch die Tatsache, dass die ganz Familie, sprich auch deine Söhne, von der Krankheit betroffen sind oder werden. Wenn du für dich diese Beziehung aufrecht erhalten willst, ist das ganz alleine deine Verantwortung – für dich. Du hast aber auch die Verantwortung für deine drei Kinder und deren Wohlergehen. Wie gehst du mit DIESER Verantwortung um?

    Ich finde es sehr nett, dass du uns allen wünschst, dass wir stark bleiben. Ich wünsche dir, dass du die Stärke FINDEST, deren es bedarf, dein Leben in die Hand zu nehmen und deine Liebe zu deinem Freund genau und ehrlich zu betrachten. Den ersten Schritt hast du getan, nämlich dich hier in diesem Forum anzumelden. Ich wünsche dir, dass du hier die richtigen Anregungen findest, um ein zufriedenes Leben zu führen. Ratschläge kann ich dir nicht geben, denn meine Art, mit „meinem Alki“ umzugehen, waren mein Weg. Deinen musst du selber finden. Vielleicht kannst du hier ein paar „Wegweiser“ aus den anderen Geschichten lesen.

    LG
    Ette

    @ bokins: Nein, ich bin, wie webby, auch der Meinung, dass die Tatsache, dass wir in Beziehung zu anderen Menschen treten wollen, nicht zwangsweise unser Co-Sein bekräftigt. Beziehung, gesunde Beziehung, setzt voraus, dass ich auch mit mir alleine zurecht komme, mich selbst annehmen kann. Nur dann kann ich in Beziehung zu anderen Menschen treten und nicht nur in Abhängigkeit von ihnen leben.

    kaltblut : Es ist doch schön zu lesen, dass deine Frau jemanden hat, auf den sie sich so verlassen kann. Sie kann sich glücklich schätzen, jemanden wie dich zu haben, der für sie sorgt und ihr folgt. Der nach fast 50 Jahren in einer Gegend alles aufgibt und dorthin geht, wo sie sich wohlfühlt. Vielleicht hast du ganz einfach deine Unschuld wieder gefunden.

    LG
    Ette

    Hallo Mistmaus,

    aus meiner Arbeit in der Selbsthilfe weiß ich, dass es hier keine allgemein gültige Aussage gibt. Es ist bei den Einzelnen sehr unterschiedlich, wie sie mit Alkohol in ihrem nahen Umfeld umgehen. Deine Schwester muss dies, meiner Meinung nach, für sich selbst entscheiden, was der beste Weg für sie ist. Von außen, also von uns Angehörigen, kann hier nur reagiert werden. Agieren muss deine Schwester selbst. Ihren Mann bitten, nichts zu trinken und keinen Alkohol zu bevorraten, wenn es ihre Trockenheit gefährdet, ist ihre Aufgabe. Und die deines Schwagers ist es, ihrer Bitte nachzukommen. Ich trinke nichts, wenn ich mit meinem Ex unterwegs bin, weil ich nicht immer, wenn ich irgendwo unterwegs bin, etwas trinken muss. Und in seiner Wohnung gibt es keinen Alkohol. Manchmal hat er Besuch, der trinken möchte. Dieser bringt sich dann sein bevorzugtes Getränk mit und nimmt die Reste wieder mit, wenn er geht. Er kommt damit klar. Wie deine Schwester am besten damit umgehen kann, müsstest du mit ihr besprechen. Es ist nicht deine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass sie ein alkoholfreies Umfeld hat.

    LG
    Ette

    Hallo Kaltblütiger,

    schön, wieder einmal von dir zu lesen!

    Du hast recht, wir müssen nicht alles sehen. Und wir WOLLEN auch nicht alles sehen. Denn wenn wir alles sehen, müssen wir uns auch mit dem, was wir sehen, auseinandersetzen. Und das ist nun wirklich nicht immer angenehm..... Deshalb sehen wir ganz oft nur das, was wir sehen wollen.

    LG
    Ette, die zufriedene.

    @ Sternchen: Buchtipps sind immer gut und Lesen, um sich zu informieren, auch. Das Problem ist dann aber, das Gelesene auf sich selbst anzuwenden. Denn das theoretische Verstehen heißt noch nicht, dass wir auch in der Lage sind, dies umzusetzen.

    @Stinktierchen: Fakten, wie wir unser Leben in den Griff bekommen und eigenverantwortlich damit umgehen können, sind hier in diesem Forum jede Menge. Aber da ist es genau wie mit dem Wissen aus Büchern. Es nützt nichts, nur zu lesen, sondern WIR selbst müssen etwas ändern. Es hat wenig Sinn, uns nur zu informieren, wie wir mit einem trinkenden Angehörigen umzugehen haben, wenn wir dieses Wissen für uns nicht umsetzen. Und eine Veränderung kann nun einmal nicht von außen kommen. Weder durch Bücher noch durch die Geschichten und Erfahrungen der Anderen. WIR selbst haben es in der Hand, ob wir zufrieden leben.

    LG
    Ette

    Hallo Gabsi,

    willkommen hier im Forum.

    Du schreibst, dass du schon erkannt hast, dass du dein Leben nicht nach deinem Mann ausrichten willst, quasi helfen durch nicht helfen willst. Das ist schon ein guter Schritt in die richtige Richtung.

    Dein Mann ist scheinbar noch nicht so weit, dem Alkohol endgültig abzuschwören. Bei Manchem reicht eine Therapie, bei Anderen müssen es auch mal 4 oder 5 sein. Mein Ex brauchte zwei und eine lange Zeit der ambulanten Nachsorge, damit er, so wie es zur Zeit aussieht, trocken werden konnte. Für mich war es, genau wie jetzt für dich, lange Zeit unvorstellbar, mich von ihm zu trennen. Aber irgendwann war das Maß voll und so hab ich ihn mit all seinen Sachen vor die Tür gesetzt. Wir sind also nicht mehr zusammen, haben uns aber trotzdem in all der Zeit nie aus den Augen verloren. Wir sind nun beide auf einem gesünderen Weg.

    Ich weiß, dass die Hoffnung uns lange in der Beziehung, im System, hält. Aber diese Zeit des Hoffens und Wartens geht uns für unser eigenes Leben verloren. Somit habe ich in dieser Zeit damals nichts gewonnen. Seit über zwei Jahren leben wir nun nicht mehr zusammen. Mein Leben ist in dieser Zeit sehr viel zufriedener und ruhiger geworden. Ich habe Gelegenheit gefunden, mich mit mir selber auseinander zu setzen und herauszufinden, warum ich an der Beziehung festgehalten habe. Habe gelernt, dass Liebe manchmal einfach loslassen sein muss, weil festhalten an etwas mich selbst beschränkt und auch meinem Partner die Möglichkeit nimmt, eigene Verantwortung für sein Leben zu tragen.

    Wenn wir uns in einer co-abhängigen Beziehung befinden, hat dies immer ganz viel mit uns selbst zu tun. Sich daraus zu lösen, beinhaltet für uns selbst die Chance, uns weiterzuentwickeln, zu wachsen. Und ihm gibt sie die Freiheit, sich mit seiner Krankheit eigenverantwortlich auseinander zu setzen. Vielleicht reicht es aus, dein Leben in der Beziehung für dich zu verändern, vielleicht musst du aber auch für eine Weile aus seiner Nähe verschwinden, um euch beide die Chance zum Gesundwerden zu geben. Das kann niemand für dich entscheiden.

    Auf jeden Fall ist es ein guter Weg, dich selbst so wichtig zu nehmen, dass du dich mit der Problematik für DICH auseinandersetzt. Er muss den Weg aus der Sucht alleine gehen und wenn er sagt, dass er zum Arzt und zur Suchtberatung gehen will, dann ist das für ihn der einzig richtige Ansatzpunkt. Wie es dann weitergeht, musst du einfach abwarten. Ob du das mit ihm zusammen oder alleine tust, liegt in deiner Entscheidung. Ich wünsche dir Mut und Kraft für deinen Weg.

    LG
    Ette

    Hallo und guten Morgen ihr beiden!

    Ich danke euch für die freundliche Bekräftigung.

    Karotte : Zu hoffen alleine reicht nicht, habe ich für mich gemerkt. Was tust du denn explizit für DEINE Zufriedenheit? Was macht DICH zufrieden?

    LG
    Ette

    Hallo Dorfkrümel,

    ich kann gut nachvollziehen, was du schreibst bezüglich deiner Überlastung, weil es mir seinerzeit ähnlich ging. Bis hin zu Suizidgedanken, weil ich einfach nur noch meine Ruhe haben wollte und sie mir nur in einem langen, langen Schlaf vorstellen konnte. Aber scheinbar ist deine Überlastung noch nicht groß genug. Erst als es für mich wirklich unerträglich war, habe ich gehandelt. Im nachhinein weiß ich, dass ich damit unnötig lange gewartet habe, aber ich musste eben meinen eigenen Zeitpunkt zur Veränderung finden, so wie du nun auch. Wie würde denn dein Leben ohne deinen Partner aussehen? Stell dir vor, wie es ist, wenn du nach hause kommst und musst dich nicht über einen trinkenden oder betrunken Partner aufregen. Was würde sich dann für dich verändern?

    Ich hatte für mich das Empfinden, dass ich alle finanziellen Hürden nehmen kann, wenn ich nur meine Ruhe habe. Und dies hat sich als richtig erwiesen. Meine Zufriedenheit, mein Leben ist nicht mit Geld zu bezahlen oder zu kaufen. Und ich habe, genau wie du, nur ein einziges, das ich leben möchte, so gut es eben geht.

    LG
    Ette

    Guten Morgen,

    in letzter Zeit habe ich hier sehr wenig gelesen und auch kaum mehr etwas geschrieben. Für mich ist das ein gutes Zeichen, denn ich bin sehr eingebunden in mein reales Leben. Und es macht mich zufrieden, wenn ich feststelle, dass ich ohne Verlustängste alleine sein kann, mein Leben auf die Reihe bekomme. Dann kann ich nicht mehr nachvollziehen, warum ich damals so lange ausgehalten habe. Aber ich weiß, dass es ganz viel mit mir selber zu tun hatte, dass es so lange gedauert hat und ich so lange mitgespielt habe. Immer wieder verziehen und gehofft. Immer wieder Normalität gesucht und sie vom Nichttrinken meines Ex abhängig gemacht. Meine Normalität hat inzwischen überhaupt nichts mehr mit Trinken zu tun, und wenn, dann nur damit, dass ich selbst kaum mehr Alkohol konsumiere. Ich will einen klaren Kopf bewahren, weil ich mein Leben nicht durch einen Schleier leben will, auch nicht stundenweise.

    Zufriedenheit hat sich eingestellt. Und wo ich nicht zufrieden bin, versuche ich etwas zu ändern. Suche das Gespräch, wo es für mich ungute Situationen gibt, um die Situationen zu verbessern. Oder aber ich akzeptiere, dass manche Dinge nicht gehen und grenze mich ab. Es ist mein Leben und dafür, dass es zufrieden ist, bin ich ganz alleine verantwortlich. Diese Verantwortung zu übernehmen, ist ein sehr gutes Gefühl.

    LG
    Ette

    Moin Lütze,

    na, dein Pfund Selbstbewusstsein hast du dir doch schon selbst gegeben, indem du mit deiner Zahnärztin Tacheles geredet hast. Und mit mit diesem Pfund kannst du wuchern.

    Und was deine Eltern betrifft, auch sie reagieren nur so, wie sie in der Lage dazu sind. Als ich mich von meinem Ex trennte, hat seine Mutter auch den Kontakt zu mir eingestellt. Dabei hat sie mich zuvor dauernd angerufen und mir erzählt, dass ich ihn nur nicht fallen lassen soll, weil er dann vollkommen untergeht. Auch Eltern haben co-abhängige Verhaltensweisen, wenn es um ihre Kinder geht. Da sie sich der Machtlosigkeit gegenüber dem Alkohol wohl bewusst sind, lassen sie ihren Frust an den Frauen aus, die nicht mehr aushalten wollen. Von außen nachvollziehbar, aber wenn man im System steckt, schon sehr verletztend. Das kann ich aus eigener Erfahrung sagen.

    Ich wünsche dir, dass du in deiner Therapie noch viel Selbstbewusstsein und Gelassenheit finden kannst.

    LG
    Ette