Beiträge von Ette

    Hallo Bärbel,

    ich denke mal, dass bei dir alles als Angriff ankommt, weil du nicht das zu lesen bekommst, was du möchtest. Keiner stößt mit dir ins gleiche „Dem-Armen-muss-man-helfen-Horn“.

    Infos über Co-Abhängigkeit gibt’s übrigens bei Amazon, Melody Beattie kann ich da sehr empfehlen als Autorin oder Anne Wilson Schaef. Solltest du dich über die Krankheit Alkoholabhängigkeit informieren wollen, hat mir die Suchtfibel von Ralf Schneider viele Infos gebracht.

    Ansonsten ist dieses Forum hier dazu da, um mit sich selber ins Reine zu kommen. Zum Beispiel, sich damit auseinander zu setzen, warum wir unbedingt helfen wollen und was wir hinter diesem Drang zu helfen, verstecken. Und natürlich – wie wir von unserer Abhängigkeit, der Sucht, zu helfen, loskommen.

    Wir alle leben mit wertvollen Menschen, oder haben zusammen gelebt, die trinken oder getrunken haben. Diese wertvollen Menschen haben alle irgendwann die Kontrolle über ihr Trinkverhalten verloren und sind süchtig geworden. Probleme, Ängste und schlechte Gefühle waren so für sie leichter zu ertragen. So hat es mir jedenfalls „mein Alki“ erzählt. Und viele Angehörige haben im Laufe der Zeit festgestellt, dass es wichtig ist, bei sich, bei den eigenen Gefühlen und Motiven zu bleiben. Ich habe dir an anderer Stelle geschrieben, dass Co-Abhängigkeit oder auch Beziehungsabhängigkeit eine psychische bzw. psychosomatische Krankheit ist, die jedoch in unserem Land, im Gegensatz zu den USA, nicht als eigenständiges Krankheitsbild anerkannt ist.

    Symptome dafür sind z. B., dass es typisch ist für Co´s, dass sie andere Menschen in den Mittelpunkt ihres Lebens machen. Es wird immer die Opferrolle gesucht, die meist eine Helfer-Rolle in aussichtsloser Position ist. Ein Sucht nach Anerkennung von außen geht damit einher. Und sie wollen so gern andere Menschen „retten“.

    Bei einem Gespräch, das ich kürzlich mit einer Suchttherapeutin der Diakonie führte, sagte mir diese, dass in aller Regel darauf hingewirkt wird, dass Angehörige von Alkoholabhängigen eine Psychotherapie machen. Jedoch versuchen allzu viele, Zitat:....sich da ohne Therapie durchzuwurschteln. Das kann ich nachvollziehen. Kein Wunder nämlich, denn bei einer Psychotherapie muss man sich mit all seinen Schwächen und Ängsten auseinandersetzen. Das tut so leicht nicht jemand, zumal doch auch der Alki der Kranke ist. Die Co´s wollen ja nur helfen. Bis sie sich selber helfen und helfen lassen, muss der Leidensdruck schon immens sein.

    Co-Abhängigkeit kann verschiedene Ursachen haben. Meist kommen Co-Abhängige aus dysfunktionalen Familien, wobei dies nicht der einzige Grund sein muss. Allen ist aber ein mangelndes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen gemein.

    Vielleicht solltest du im Netz mal nach Co-Abhängigkeit googeln. Einige Fakten aus meinem Posting habe ich so auch gefunden.

    LG
    Ette

    Ich noch mal,

    also, Therapie ist auch für einen Co-Abhängigen wichtig, denn nicht die Sauferei des Partners hat uns co-abhängig werden lassen. Das waren wir schon vorher. Co-Abhängigkeit ist eine psychische Erkrankung, die sich darin zeigt, dass man sich um andere Menschen mehr kümmert, als ums sich selbst - quasi nur im Zusammenspiel mit anderen Menschen sich lebendig und etwas wert fühlt. Und das hat überhaupt nix mit trinken zu tun. Wir suchen uns dann nur solche Menschen, weil sie uns unsere Sucht leben lassen.

    LG
    Ette

    Hallo Ihrs,

    da fragt ihr euch immer wieder, wie blöd frau sein kann. Sorry, einfach das Telefon mal liegen lassen. So, wie der Alkoholabhängige abstinent von seinem Suchtmittel sein muss, müssen wir auch abstinent von unserem „Suchtmittel“ Mann sein. Ganz einfach – und ganz schön schwer, ich weiß.

    LG
    Ette

    Hallo Bärbel,

    ich seh das ganz ähnlich wie Spedi. Bei deinem letzten Posting war mein erster Gedanke, warum kümmert sie sich so viel um Andere? Was mag sie bei sich nicht sehen, dass sie es mit Aktivitäten und Sorgen um andere Menschen „weg kümmert“? Denn Alkis trinken sich ihre Probleme und schlechten Gefühle weg. Co´s machen das über das Sorgen für Andere.

    Es wäre natürlich eine glorreiche Aktion, wenn aufgrund deiner Intervention Horsti aufhören würde zu trinken und zu rauchen. Dann würde sicherlich so mancher sagen: Nun guck dir die Tochter seiner Freundin hat! Die hat und hat nicht locker gelassen, bis sie ihn aus seinem Sumpf befreit hat. Sie hat ihn gerettet!

    Bärbel, alle Angehörigen, die hier schreiben, haben sicherlich für sich das Gefühl, dass sie der einzige Mensch sind, der den Trinkenden retten, ihn von seiner Sucht befreien kann. Das funktioniert aber nicht, denn sie müssen sie selber wollen. Und keiner von uns wird jemanden dazu bringen, trocken leben wollen. Ich denke, es ist sinnvoller, sich mit der eigenen Abhängigkeit zu befassen, als mit der der Anderen. Aber das wirst du vielleicht im Laufe der Zeit lernen. So, wie jeder Alki erst einen Tiefpunkt erreicht haben muss, damit er aufhört, muss auch jede/r Co erst genug Leidensdruck empfinden, um an seiner Abhängigkeit etwas zu verändern.

    LG
    Ette

    Hi Schneggsche,

    weder naiv noch utopisch. Einfach nur abhängig. So, wie jeder Alki immer wieder einen Grund zum Trinken findet, finden wir ganz lange und ganz viele Gründe, uns nicht von ihm trennen zu "müssen".

    Ich habe zig Ultimaten für das Nichttrinken gestellt und immer wieder gehofft und ihm Chance um Chance gegeben. Selbst jetzt bin ich mir nicht ganz sicher, wenn er sagen würde, lass es uns noch mal probieren, ob ich nicht umfallen würde.l

    Also, guck einfach nur auf Dich,

    LG
    Ette

    Hallo Ayki,

    ich kann nachempfinden, wie es dir geht. Trotzdem - dein Wort in Gottes Gehörgang. Lass dich nicht einlullen!!!

    Im Moment hab ich bei dir das Gefühl von Rückfall. Noch hat er nicht sehr lange durchgehalten! Sei vorsichtig - für dich.

    LG
    Ette

    Hallo Bärbel,

    Co-Abhängigkeit ist eine psychische Erkrankung. Von daher ist es wichtig, dass sich Co-Abhängige selber helfen bzw. helfen lassen. Die Alkoholkranken müssen dies im Hinblick auf ihre Alkoholabhängigkeit tun. Der einzige Ansatzpunkt, den du und deine Mutter haben ist, dafür zu sorgen, dass es euch selbst gut geht, egal ob der Freund deiner Mutter mit dem Trinken aufhört oder nicht.

    Vielleicht wacht er auf, wenn deine Mutter sich von ihm trennt. Vielleicht, wenn er seinen Führerschein verliert. Vielleicht aber auch gar nicht. Das könnt ihr nicht beeinflussen. Niemand kann euch einen Weg sagen, auf dem ihr ihn trocken legen könnt. Weil es keinen von außen gibt. ER muss es wollen und sich helfen lassen.

    In der Regel suchen Angehörige in einer SHG zu Anfang nicht Hilfe für sich, sondern dafür, den Trinkenden vom Trinken weg zu bekommen. Wenn du und deine Mutter anfangt, euch um euer eigenes Wohlbefinden zu kümmern, dann seid ihr auf einem guten Weg. Alles andere ist verlorene Liebesmüh.

    LG
    Ette

    Hallo Archi,

    willkommen hier im Forum. So oder ähnlich, wie du deine Geschichte mit deiner Freundin beschreibst, haben hier alle ihre Erfahrungen mit einem trinkenden Angehörigen gemacht. Sie haben gehofft und gewütet, gedroht und getröstet. Und immer wieder versucht, zu helfen. Dem Anderen zu helfen, indem sie versuchten, in dahin zu bekommen, dass er nicht mehr trinkt. Nur leider ist das ein Ding der Unmöglichkeit. Wir können nur sehen, dass wir so gut als möglich für uns selber sorgen.

    Die Gedanken auf uns richten anstatt uns den Kopf zu zerbrechen, wie wir „unseren Alki“ vom Trinken weg bekommen. Da helfen weder Geld noch gute Worte, das muss der oder die ganz alleine wollen. Für mich war es sehr wichtig, zu gucken, warum ich um alles in der Welt helfen, stark sein, alles drehen und bewegen wollte. Dabei habe ich meine ganz eigenen Baustellen gefunden, die ich lange nicht sehen wollte und bin sie Schritt für Schritt angegangen. Wir können nur uns verändern, nicht den, der trinkt. Mag sein, dass er sich ändert, wenn er merkt, dass wir es tun. Vielleicht aber auch nicht.

    Selbsthilfegruppen für Angehörige und eine eigene Therapie, sind Hilfsmöglichkeiten, die uns helfen, damit WIR gesund werden. Der Trinkende muss selbst gesund werden wollen, für seine Genesung nützt unser Wille gar nichts.

    LG
    Ette

    Guten Morgen,

    ja, gut ist er einigermaßen. Nachdem gestern ein ganz weltuntergangsmäßiger Tag war. Seltsam, ich dachte, ich wäre darüber hinweg, zu jammern. Aber nein, gestern, ganz plötzlich und unerwartet, hatte sie sich verflüchtigt, die Kraft und die Zuversicht. Weinend und mit dem Gefühl, nichts, aber auch gar nichts auf die Reihe zu bekommen, saß ich zuhause. Also ging ich raus in eine Gruppe. Jedoch, anstatt dass es besser wurde, fühlte ich mich danach erst recht von Gott und der Welt verlassen. So etwas wie "Co-Druck" vielleicht, das Pendant zum Saufdruck?

    Ich hatte wohl den falschen Radiosender gewählt, während ich am Nachmittag Kekse gebacken habe. Liebesschnulzen und Weihnachtslieder in geballter Form waren denn wohl doch zu viel für mich. Wie Ayki an anderer Stelle schreibt, diese Weihnachtsduselei macht nicht unbedingt ein gerades Denken. Jedenfalls bei mir. Plötzlich waren die Vorteile meines Lebens nur noch Makulatur. Er war wieder da, dieser Wunsch, jemanden zu haben, in dessen Arme ich mich flüchten kann an solchen Tagen und mich einfach nur halten lassen kann.

    In meiner Not griff ich zum Telefon und hatte Glück. Magische Worte schienen mich aus meinem Loch zu reden, dabei waren es letztendlich keine Beschwörungen, sondern ganz normale Dinge wie z. B. lange Unterhosen, um die sich das Gespräch drehte. Ich werde mal wühlen, irgendwo müssen solche Dinger bei mir auch noch herumliegen. Angebracht sind sie ja, bei diesen Temperaturen. Auf jeden Fall war es ein warmes Gespräch, ob mit oder ohne lange Unterhosen. Und gut einschlafen konnte ich danach. Ein wenig neidisch, ja, aber beruhigt.

    Es ist ein gutes Gefühl, nicht immer nur stark sein müssen, sondern auch jemandem, der mich für stark hält, meine schwache Seite zeigen, ohne meine Gesicht zu verlieren. Jemand, der mich „Regenbogenlächeln“ lässt. Ein Lächeln, das sich in mein Gesicht stiehlt, während die Tränen noch rinnen.

    Heut kann ich auch wieder nicht mehr verstehen, dass es gestern so schlimm war. Hätte ich auch gar keine Zeit zu. Es gibt viel zu tun. Schließlich weihnachtet es sehr ;)

    LG
    Ette

    Liebe Ayki,

    ich habe beim Lesen deiner Postings schon längere Zeit das Empfinden, dass du wieder näher an ihm dran bist. Deinem Mann, meine ich. Ich weiß nicht, was das für dich bedeutet. Welche Gefühle hast du ihm gegenüber, wenn du ganz ehrlich mit dir umgehst?

    Die Hundegeschichte, seh ich ähnlich wie du, als eine Art Fuß in der Tür an. Dies zusammen mit der Ankündigung der Therapie, na, ich weiß nicht.....Ich kann aber gut nachfühlen, dass du dich auf den gemeinsamen Spaziergang freust. Schließlich warst du mit diesem Mann zusammen, weil du ihn gern hast und die Trennung erfolgte aus den bekannten Gründen. Vielleicht schleicht sich da doch so ein klitzekleines Hoffnungspflänzchen ein. Beobachte es, dann wirst du bestimmt auch feststellen, wie du weiter vorgehen möchtest.

    Ich wünsche dir, dass du auf eine für dich verträgliche Weise mit der Situation umgehen kannst. Mit „meinem“ Alki verbindet mich auch immer noch eine ganze Menge. Wir können inzwischen Etliches zusammen unternehmen, ohne dass es in Richtung Paarbeziehung ausschlägt. Uns verbindet Vieles, aber wir können als Paar nicht zusammen leben. Deshalb unternehmen wir trotzdem gern etwas miteinander. Zumal wir auch beide in der Selbsthilfe engagiert sind, ergeben sich immer wieder Berührungspunkte. Aber das kann ich inzwischen gut von der Mann-Frau-Geschichte trennen.

    LG
    Ette

    Guten Morgen,

    ich hab mir das hier nun schon eine ganze Weil mit angesehen. Ich kann Bibi´s Äußerungen verstehen, nicht allerdings den Ton, in dem sie ihr Anliegen formulierte.

    Ich kann auch akzeptieren, dass es zeitweise andere Prioritäten im Leben gibt, als ein funktionierendes Sexualleben. Jedoch denke ich, dass in einer Beziehung zwischen Mann und Frau dies ein fundamentaler Teil ist. Wenn dieser Teil, aus welchen Gründen auch immer, längerfristig nicht gelebt werden kann, ist meines Erachtens ein wichtiger Teil einer Beziehung nicht gegeben. Dann ist es keine Mann-Frau-Beziehung, sondern eine Art Freundschaft. In Jahrzehnte langen Beziehung mag das angehen. Da wird sich nicht mehr getrennt, wenn es im Bett nicht klappt. In der Regel jedenfalls. Auch da habe ich schon andere Fälle erlebt.

    Wenn ich jedoch in einer noch recht „jungen“ Beziehung lebe, dann überlege ich mir schon, ob ich das langfristig so leben möchte. Ich habe einmal gelesen, dass eine funktionierende Beziehung, wie ein Stuhl, auf vier Beinen steht. Respekt, die Fähigkeit, miteinander offen kommunizieren zu, gemeinsame Interessen und eine funktionierende Sexualität sind diese vier Beine. Wenn eines davon fehlt, kippelt der „Beziehungsstuhl“. Dann wird jeder für sich selbst entscheiden müssen, ob er mit diesem Kippeln leben möchte oder nicht.

    LG
    Ette

    Guten Morgen,

    die letzten Tage war mein Genuss, mich nicht so sehr mit dem Thema „Alkohol- und Co-Abhängigkeit“ auseinander zu setzen. Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass es immer noch viel zu sehr mein Denken und Fühlen bestimmt. Deshalb habe ich hier sehr wenig geschrieben.

    Genuss ist aber auch, die Tage so zu verbringen, wie ich Lust dazu habe. Ganz selbstbestimmt. Kein Terminkalender, der mir Kundentermine vorschreibt. Und keine Kunden, die manchmal geradezu erpresserische Konditionsverhandlungen mit mir führen wollen. Urlaub einfach. Und den finde ich auch wunderschön, wenn ich ihn in meinen eigenen vier Wänden verbringe. Wie gesagt, der Genuss der freien Tageseinteilung ist es, der mich erholen lässt.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Bärbel,

    ich kann, wenn ich dich lese, nachvollziehen, wie es meinem Sohn ging. Er hat auch mit angesehen, wie ich mit jemandem zusammen war, der trank. Und er sah, wie es mich belastete. Er sagte damals mehrfach zu mir: Mutter, du wirst wissen, was du tust. Dafür bin ich ihm heute noch dankbar. Er war da, wenn ich ihn brauchte, ließ mich ansonsten machen. Solange, bis ich von mir aus etwas ändern wollte.

    Wenn ich euere Überlegungen lese, wie ihr den Freund deiner Mutter dazu bringen wollte, etwas gegen seine Abhängigkeit zu tun, bekomme ich Bauchweh. Dieses „machen wollen“ ist in meinen Augen ein typisches Co-Verhalten. Etwas tun, etwas verändern, kann deine Mutter nur dort, wo sie es auch in der Hand hat. Nämlich bei sich selbst. SHG – das wäre der erste und einzige Schritte, den sie im Moment machen kann. Und akzeptieren, dass er ist, wie er ist. Er wird dann mit dem Trinken aufhören, wenn ER dazu bereit ist. Nicht wenn du und deine Mutter ihn davon abbringen wollen.

    Es tut mir leid, aber das ist der einzige Weg, den ich sehe. Helfen kann deine Mutter nur sich selbst.

    LG
    Ette

    Guten Morgen,

    dieser Tage hat mich doch voll meine Co-Seite erwischt. In einem Gespräch, in dem es um Nähe ging, wurde mir gesagt, dass es meinem Ex nur deshalb gut gehe, weil wir uns nicht mehr räumlich nah sind. Mir ging es nach diesem Gespräch überhaupt nicht gut und ich lag abends im Bett und weinte. Dabei wusste ich erst gar nicht genau warum. Langsam tastete ich mich an dieses Gefühl. Schuldbewusstsein! Ich habe mir Vorwürfe gemacht, „ihm“ zu nah sein zu wollen.

    Vielleicht wäre dieses Nähebedürfnis jedoch in einer „gesunden“ Beziehung gar nicht zum Problem geworden. Er hat zu allem ja und amen gesagt und lieber getrunken, als seine Grenzen aufzuzeigen. Ich hatte vollkommen andere Vorstellungen unserer gemeinsamen Zukunft als er. Jedoch sagte er mir nie etwas von seinen Vorstellungen. Der Hochzeitstermin stand fest und er vermittelte den Eindruck, dass er sich darauf freut – und trank heimlich. Im nachhinein kommt es mir vor, als hätte er es darauf angelegt, erwischt zu werden, weil ich ihm gesagt hatte, wenn er wieder tränke, würde ich mich trennen.

    Trotzdem ging es mir in der letzten Woche nicht gut. Ich suchte die Schuld, dass es so gekommen war, erst einmal einzig bei mir. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich mich aus diesem Gefühl herausgedrößelt hatte und sehen konnte, dass wir beide nicht ehrlich miteinander umgegangen waren. Es holt mich immer wieder mal ein.....

    LG
    Ette

    Hallo co-maus,

    sorry, aber dein Name allein impliziert schon, dass du Opfer bist. Das arme Mäuschen, das sich gegen den bösen Alki nicht wehren kann.

    Ansonsten kann ich natürlich deinen Schmerz und deine Trauer, und auch die Wut, verstehen. Sicherlich hast du hier schon viel gelesen und weißt somit, dass deine Situation viele Parallelen zu all den Geschichten hier aufweist. Bestimmt hast du dann auch schon die Beantwortung deiner Frage hier gefunden. Nasse Alkoholiker lieben nur eine – ihre Flasche. Und mit dieser Geliebten kannst du nicht konkurrieren. Solange er diese Liebe nicht aufgeben wird, wirst du dich damit abfinden müssen, dass du allerhöchstens an zweiter Stelle kommst.

    Es ist dann deine Entscheidung, ob du dich mit diesem Platz begnügen magst und all dem was er so mit sich bringt. Wenn du eine eigene Wohnung hast, hast du doch den ersten Schritt bereits getan. Lass die Tür vor ihm verschlossen, dann hast du auch eine Chance, irgendwann wieder zufrieden leben können. Allerdings setzt es voraus, dass du dies willst und etwas dafür tust. Dich also aus deiner Opferrolle befreist.

    LG
    Ette

    Guten Morgen in die Runde,

    @Ingane: Nein, ich habe erst die letzten zwei Jahre alleine gelebt – zwangsläufig zuerst und inzwischen überzeugt. Von meiner Ursprungsfamilie zog ich seinerzeit gleich mit meinem damaligen künftigen Ehemann zusammen. Jedoch denke ich, dass das alleine leben keine Gewähr dafür ist, nicht co-abhängig zu werden. Denn ansonsten hättest du nach 9 Jahren Single-Leben sicherlich nicht das gleiche Problem bekommen.

    Inzwischen kann ich sehr gut alleine leben, mit Freude und Zufriedenheit. Wenn ich mit Menschen Kontakt habe, dann aus dem Wunsch heraus, mit anderen Menschen zu sein und nicht mehr aus der Angst, alleine nicht existieren zu können. Wirtschaftlich war ich schon immer in der Lage, mich alleine zu erhalten. Und doch war es für mich lange Zeit unvorstellbar, ohne anderen Menschen in meiner Nähe zu leben. Wenn ich allein an die ersten Sonntage denke, in denen ich spazieren ging. Ich fühlte mich regelrecht stigmatisiert, weil ich an solch einem „Familientag“ ohne Anhang durch die Gegend lief.

    Auch jetzt kommen mir manchmal wehmütige Gedanken, weil ich es in meinem Leben nicht geschafft habe, eine „Bis-dass-der-Tod-euch-scheidet-Beziehung“ aufrecht zu erhalten. Ich finde es sehr anrührend, wenn ich alte Ehepaare sehe, die noch mit achtzig oder so Händchen haltend durch die Gegend gehen. Es war immer meine Vorstellung, einen Menschen zu finden, mit dem ich alt werden kann. Dass Vertrautheit und Verbundenheit irgendwann die Geilheit und Anziehungskraft der jüngeren Jahre ablöst. Aber das hätte vorausgesetzt, dass ich mich auf wahre Nähe eingelassen hätte, denn nur dann hätte ich auch einen Menschen finden können, der dies auch kann.

    So habe ich mich, mit sicherem Griff, immer mit jemandem zusammengetan, der zu solcher Nähe ebenfalls nicht fähig ist. Und fast habe ich das Empfinden, dass sich da noch nichts geändert hat. Scheinbar vergucke ich mich immer noch in Männer, die nicht dazu bereit sind, sich einzulassen. Aber inzwischen suche ich die Gründe nicht mehr bei mir, wenn sich jemand nicht auf eine Nähe mit mir einlassen kann, sondern kann akzeptieren, dass es mit seiner Geschichte zu tun hat. Wirkliche Nähe erzeugt schließlich auch Angst - Angst vor dem Verlassenwerden.

    LG
    Ette

    Mein gestriger Genuss:

    Durch die Nacht gehen, gegen den Wind warm eingepackt zügig ausschreiten. Die Kälte auf den Wangen spüren und die Luft, die tief in die Lungen fließt. Es riecht nach Schnee und am dunklen Himmel jagen noch dunklere Wolken.

    Nach hause kommen, heimelige Wärme schlägt mir entgegen und Stille nach einem langen, unruhigen Tag voller Außenreize. Bald summt das Wasser im Kocher und ein letzter Tee ist aufgebrüht, der wohltuend heiß und süß in den Magen rinnt. Jeder Handgriff, jeder Eindruck ganz bewusst wahrgenommen.

    Wie in einer warmen Höhle liege ich danach in meinem Bett und freue mich am lang ausgestreckt sein können, lasse kurz den Tag Revue passieren und gleite langsam in die Träume, umgaukelt von einem Schmetterling.

    LG
    Ette

    Gestern.....

    Von draußen prasselt der Regen gegen die Scheiben und immer wieder einmal meldet sich mit einem gespenstischen Heulen der Wind, der die Regentropfen wie tanzende Schleier vor sich hertreibt. Ab und zu knistert die Heizung, das Ticken der Uhr teilt die Zeit und die Leselampe schafft eine trauliche Insel im Grau des Spätnachmittags. Bis ans Kinn habe ich die bunte Decke gezogen und mich warm eingekuschelt. Ingwertee, der eine leichte Schärfe auf der Zunge hinterlässt, sorgt für Wärme von innen und duftet nach Gewürzen wie aus 1000 und einer Nacht. Das Buch, das ich lese, lasse ich ab und zu sinken und sehe gedankenverloren aus dem Fenster. Schwarzgraue, nackte Bäume trotzen nachgiebig dem Wetter. Elastisch Gebeugte – nicht ungebeugt, denn würden sie ungebeugt bleiben im Sturm, würden sie brechen. Dabei fällt mir der Kaltblütige ein, mit seiner ungebeugten Gebeugten.

    Mir wird bewusst, dass ich es gut habe. Ein Dach über dem Kopf, warm und trocken, sitze ich. Ein wohliges Gefühl von Genuss durchströmt mich. Und Dankbarkeit und Zuversicht – ganz ohne direkten Grund eigentlich. Doch, dankbar bin ich darüber, dass ich diese Augenblicke genießen, obwohl ich alleine lebe. Denn das ist nicht für alle selbstverständlich, habe ich gelernt. Diese „Ich-Zeit“ zu genießen, musste ich erst lernen. Dass ich es jetzt kann, dafür bin ich dankbar. Auch das ist für mich Genuss.

    LG
    Ette

    Guten Morgen allerseits,

    seltsam – gestern Nachmittag, als es draußen stürmte und der Regen gegen die Festerscheiben prasselte, fand ich es ganz gemütlich. Kerzen brannten, es duftete nach Zimt und eingekuschelt in meine Decke, saß ich auf der Couch und las. Ich freute mich an der Tatsache, dass ich warm und trocken sitzen konnte und habe das Wetter als Kulisse für die heimelige Stimmung wahrgenommen.

    Ganz anders heute morgen. Ich weiß, dass ich gleich ins Büro muss und folglich gezwungen bin, durch den Regen zu gehen. Es schaudert mich, wenn ich daran denke, vor die Tür zu müssen. Ich glaube, so ist es mit vielen Situationen. Ich kann mich erinnern, früher, als ich verheiratet war, hab ich es immer genossen, wenn mein Ehemann mit seinen Freunden mit dem Motorrad losfuhr und eine Woche „Herrentour“ machte. Ich hatte Zeit nur für mich und musste mich um niemanden kümmern als um mich.

    Später allerdings, als wir uns trennten, machte mir der Gedanke alleine leben zu müssen Panik und schnell hatte ich eine neue Beziehung, meinen „Alki“. Inzwischen habe ich gelernt, dass ich besser erst einmal eine Weile alleine hätte leben sollen. Das hole ich nun eben nach und ich muss dabei feststellen, wenn ich keine Angst davor habe und es genießen kann, ist es überhaupt nicht schlimm. Ich verstehe nicht mehr, was damals diese Panik in mir ausgelöst hat. Heute kann ich die Stille und die Entspannung eines Sonntagnachmittages, an dem ich nichts vorhabe, einfach nur schön finden. Mich daran freuen, dass keine Termine mich einengen und ich tun und lassen kann, was ich will.

    So wie mit dem Dauerregen ist es vielleicht auch mit anderen Situationen im Leben. Es ist immer eine Frage der Sichtweise und des Annehmens. Wenn ich mich gegen bestimmte Dinge wehre, brauche ich mehr Energie, als wenn ich die Situation annehme und die Energie dafür verwende, es mir gut gehen zu lassen und mein Leben so zu gestalten, wie es mir gut tut.

    @ Nicole: Vielen Dank für deine Wünsche zum Advent. Ich wünsche dir auch eine schöne Adventszeit.

    Und allen wünsche ich einen schönen Wochenanfang, trotz Dauerregen.

    LG
    Ette