Beiträge von Ette

    Caro, das mit dem Baby kann ich gut nachvollziehen. Als mein Sohn klein war, hab ich ihn auch manchmal, während er schlief, einfach nur angesehen und mich an diesem kleinen Wunder gefreut. Inzwischen ist er 186 cm groß, aber wundern kann ich mich immer noch über ihn.

    Heute morgen, als ich Teig geknetet habe für ein Früchtebrot, der Duft nach Gewürzen und Obst mir in die Nase stieg, durchströmte mich ein Glücksgefühl. Dinge, die ich mit den Händen machen kann, ohne mich auf andere Menschen einstellen zu müssen. Musik aus dem Radio, von der Sorte: keine Frau, kein Geschrei, lässt mich an Sommer und Sonne denken. Es ist warm in der Küche und ich fühle mich heimelig. Und gleich werde ich mit den riders on the storm durch die Wohnung saugen.

    LG
    Ette

    Zitat von kaltblut


    Infarkt – Alkohol – trocken – neues Leben – was steckt in diesen harten Worten für herzliches Leben.

    Kaltblütiger, okay, hier handelt es sich um IHR Leben. Und was ist mit deinem?

    Im übrigen muss ich dir wieder mal widersprechen. Buchstaben in der Suppe dürfen nicht so labberich sein, dass sie auf der Zunge zergehen. Allzu weich gekocht und all zu weich gespült ist nichtssagend und langweilig, find ich. Und Kratzbürsten können die Durchblutung anregen und sind, wenn sie aus kleinen Wurzeln sind, ausgesprochen natürlich.

    Bei der Linsensuppe geh ich jedoch mit dir konform. Schon seit ich Kind war, ist sie meine Lieblingssuppe und ich konnte gut verstehen, dass jemand sein Erstgeburtsrecht dafür verkauft, so wie es in der Bibel steht.

    LG
    Ette

    Hallo Innocent,

    ich kann all das, was du schreibst, gut nachvollziehen, weil ich dieses Auf und Ab der Gefühle gut kenne. Irgendwann ist dann aber für mich der Punkt gekommen, an dem ich beschlossen habe, für mich zu sorgen ohne ständig nach "meinem Alki" zu gucken.

    Seit gut drei Monaten schreibst du hier. Kannst du für dich schon einen Punkt feststellen, am dem du vorwärts gehst? Für mich liest es sich immer noch so, als würdest du zwar mit dem Kopf bestimmte Sachen erfasst haben, mit den Gefühlen jedoch nach wie vor in dem Hoffnungs-Hamsterrad rotieren.

    LG
    Ette

    Zitat von Saskia

    Hallo Ihr Lieben

    Hab mal eine Frage an euch

    Hat schon mal einer von euch während seiner Therapiesitzung, im beisein des Therapeuten SMS an seinen Partner geschrieben.

    Bin mal gespannt was ihr schreibt.

    Liebe Grüsse
    Saskia

    Hallo Saskia,

    na, ich denke, die Frage kannst du dir selbst beantworten. Oder möchtest du von einem von uns hören, dass dich dein Typ bezüglich Therapiegespräch angeschwindelt hat, weil er zum Zeitpunkt der Therapiestunde simst? Es kann natürlich auch sein, dass die Stunde schlicht und ergreifend verschoben wurde.....

    LG
    Ette

    Hallo,

    dieser Tage ging mir so durch den Kopf, dass ich Genuss in ganz anderen Dingen finde als zu der Zeit, in der ich tief in meiner Co-Abhängigkeit steckte. Vielleicht hat ja der Eine oder die Andere Lust, genüssliche Momente aufzuschreiben, um sie einfach bewusst zu machen. Ein Bewusstsein, das uns hilft, uns auch dann wohl zu fühlen, ohne dieses Gefühl von einem anderen Menschen abhängig zu machen. Schließlich ist das ein Teil unserer Krankheit. Wir meinen, uns nur wohl zu fühlen und zufrieden leben zu können, wenn wir die Anerkennung und Zuwendung von einem anderen Menschen bekommen.

    Ich würde mich freuen, wenn wir hier einige „Werkzeuge“ für eine Art „Wohlfühl-Notfall-Koffer“ sammeln könnten.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Sternenfängerin,

    die Sucht hat ihre eigenen Gesetze, die von uns nicht immer unbedingt verstanden werden. Ich glaube, am ehesten können wir sie nachvollziehen, indem wir auf uns selbst und unsere Empfindungen sehen, die „unseren Alki“ betreffen. Das Sehnen nach Zuwendung, die Unvorstellbarkeit, ohne ihn zu leben, kann uns eine ungefähre Vorstellung der Sucht nach einem bestimmten Stoff geben. Unser Suchtmittel ist der Mensch, der uns das Gefühl von Leben gibt.

    Unser Leben, das wir ganz bestimmt auch alleine meistern können. Hilfe kannst du bei Sucht- und Familienberatungsstellen finden, die oft von diakonischen, caritativen Einrichtungen angeboten werden.

    Sternenfängerin, mach dir nicht so viele Gedanken um ihn, sondern eher um deine Kinder und dich. Er muss für sein Leben selber die Verantwortung übernehmen. Das kannst du nicht für ihn tun. Akzeptiere, dass du gegen die Sucht nichts ausrichten kannst. Die Energie, die du dafür aufwendest, lässt sich sinnvoller in deine eigene Entwicklung und das Regeln deines eigenen Lebens investieren. Ich weiß, dass dies am Anfang unvorstellbar ist und doch gibt es letztendlich keine anderen Weg gesund zu werden. Denn wir sind genauso krank, wie die Menschen, die trinken müssen.

    LG
    Ette

    Hallo Kaltblut,

    ich glaube, Co-sein hat immer mit einer Art Betriebsblindheit zu tun. Wenn wir an dieser arbeiten, wissen wir noch nicht genau, wo es hingehen soll, fühlen uns also wieder irgendwie betriebstblind. Das Problem ist meines Erachtens, dass wir zu lange etwas sehen wollen, was vielleicht gar nicht da ist. Oder aber die Tatsachen nicht wirklich ansehen mögen, weil sie uns unsere Hoffnung und unsere Illusion vom "alles wird gut" zerstören würden.

    Irgendwann wirst du wissen, wie es für dich weitergehen soll. Ob mit oder ohne deine Frau - auch das wirst du wissen, wenn du für dich "sehend" geworden bist. Leider kannst du dieses Sehvermögen nur ganz alleine entwickeln. Hilfe kannst du dir natürlich dazu suchen, aber deinen Weg sehen und gehen musst du doch für dich alleine.

    LG
    Ette

    Kaltblütiger, ich habe das Empfinden, dass du im Moment wieder am Trudeln bist. Scheinbar entwickelt sich nicht alles so, wie du es dir vorgestellt hast. Ich denke, dass auch hier gilt, den Fokus in erster Linie auf dich zu richten. Auch wenn dein Nebenbuhler nicht mehr präsent ist, solltest du dir wichtig sein.

    Ob du gebeugt bist oder nicht, kannst du selber entscheiden. Unbeugsam gerade gehen muss nicht zwangsläufig heißen, nicht mehr angenommen zu sein - im Gegenteil. Grün ist die Hoffnung - heißt es und im Grünen sollen wichtige Erkenntnisse verborgen sein, hat man mir erzählt. Ich bin gespannt....

    LG
    Ette

    Sternenfängerin,
    du verrätst niemanden, wenn du versuchst, dein eigenes Leben auf die Reihe zu bekommen. Geh auch alleine zu den Gesprächen, denn letztendlich wirst du irgendwann auch für dich allein entscheiden müssen, wie es weitergehen soll für dich.

    LG
    Ette

    Guten Abend,

    lang sind sie zur Zeit, die Abende. Und die Tage so kurz und grau. Heute Mittag auf dem Nachhauseweg hatte ich das Gefühl, die wild tschilpenden Spatzen wollen einfach den grauen November ignorieren und mit ihrem lauten Gezwitscher die hellere, wärmere Jahreszeit herbeirufen.

    Im Grunde bin ich trotz des trüben Wetters recht zufrieden. Ruhig mache ich mir die Zeit, in der ich nicht von meinem Kalender und den Kundenterminen strukturiert werde. Allerdings frage ich mich inzwischen doch ein wenig bang, wie ich die Weihnachtsfeiertage hinter mich bekomme. Dabei habe ich doch ein ängstliches Gefühl ums Herz. Letztes Jahr bin ich vor dem Feiertagsblues davongelaufen. In diesem Jahr werde ich wohl oder übel durch ihn hindurch gehen. Das hat den Vorteil, dass ich dann im nächsten Jahr weiß, dass ich es aushalten kann.

    Sehr müde bin ich. So, als ob ich ständig Schlaf verpassen würde. Dabei schlafe ich jede Nacht mindestens acht Stunden. Vielleicht zeigt sich die allgemeine Erschöpfung aufgrund der Tatsache, dass ich lange keinen Urlaub mehr hatte. Bald werde ich aber den letzten Arbeitstag für dieses Jahr haben und ich habe mir eine Menge Dinge vorgenommen, die ich dann machen möchte. Schöne Dinge und auch welche, die ich schon eine ganze Weile vor mir herschiebe, denn meine Energie hat sich scheinbar mit der hellen Zeit verflüchtigt. Wer weiß, vielleicht ist dies auch ein ganz archaisches Erbe, denn schließlich mussten die Menschen ganz, ganz früher mit ihrer Energie in der kalten Jahreszeit haushalten. Das Essen wurde spärlicher und so haben sie vielleicht mehr geschlafen, um dem Körper nicht unnötig Kalorien zu rauben.

    Mein Co-Dasein wurde mir dieser Tage wieder mächtig vor Augen gehalten. Mir wurde bewusst, dass ich früher wohl ähnlich agierte wie eine Bekannte von mir. Nun weiß ich erst zu schätzen, wie geduldig meine Umwelt mit mir war. Traurig bin ich darüber, dass ich nicht helfen kann. Jedoch möchte ich nicht dergestalt helfen, dass ich zu jeder Tages- und Nachtzeit ansprechbar bin. Denn ich habe nicht den Eindruck, dass dies hilfreich ist. Es scheint, als würde ihr jegliche Selbstreflektion abhanden gekommen sein. Wie ein Kleinkind braucht sie ständig das Gefühl, dass jemand für sie da ist. Dies überfordert mich und ich muss für mich Grenzen ziehen. Trotzdem mache ich mir Sorgen um sie.

    LG
    Ette

    Kaltblütiger,

    unser Unbewusstes ist manchmal viel klüger als der Verstand. Wenn du dich durch drei gefährlichen Situationen, ganz unbewusst, gesund nach hause chauffiert hast, dann hat vielleicht noch jemand etwas mit dir vor.

    Und wenn wir etwas „auserkennen“, bleibt uns doch die Erkenntnis. Vielleicht haben wir uns selbst verändert und werden etwas Neues erkennen oder aber wir haben erkannt, dass wir uns etwas vorgemacht haben. Die Zeit wird es bringen, was dein „auserkennen“ bedeutet.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Innocent,

    grad jetzt ist die Zeit, die Regie für dein Leben zu übernehmen. Wenn ihr Klarheit geschaffen habt, du bei Null anfängst, dann kannst du doch jetzt deinen Weg so weitergehen, wie er für dich richtig ist. Allerdings, und das ist bei Co´s das größte Hindernis, geht es darum, Zufriedenheit und Sinn im Leben ohne einen anderen Menschen zu finden. Das ist ein Lernprozess, den es zu beginnen gilt, wenn wir bei Null wieder anfangen. Wobei – ganz bei Null fangen wir ja nicht an. Wir wissen ja auf jeden Fall, was wir nicht wollen. Nun gilt es nur in sich zu lauschen, zu spüren, was unsere ganz eigenen Bedürfnisse sind.

    Deine Tarnung sei aufgeflogen, schreibst du. Nun, ich denke, dass sie auch dir selbst gegenüber aufgeflogen ist. Für mich war das der schmerzlichste Punkt. Er war noch schmerzlicher als die Tatsache, dass ich meinen EX nicht dazu bringen konnte, so mit mir zu leben, wie ich es mir vorstellte. Denn an dem, was ich an mir selbst feststellte, musste ich ja auch selbst arbeiten, die Verantwortung dafür übernehmen. Keiner da, dem ich die Schuld, die Verantwortung für meine schlechten Gefühle übertragen konnte. Aber das ist auch der Punkt, wo ich mich aus meiner Opferrolle lösen kann. Denn meine eigenen Defizite, die ich hinter der Tarnung versteckte, das sind auch die, auf die ICH Einfluss nehmen kann, wo ich etwas verändern kann. Und das ist eine ganz schön spannende Aufgabe. Es hat mir sehr gut getan, sie in Angriff zu nehmen, etwas zu verändern.

    Ich wünsche dir gutes Gelingen bei DEINER Aufgabe.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Ihr Lieben,

    ich habe nicht so sehr viel geschrieben in den letzten Tagen. Und manchmal habe ich mich gefragt, warum nicht. Vielleicht, weil das Rückfall-Gefühl nicht sehr präsent war, vielleicht weil ich im „richtigen“ Leben eingespannt war. Eins ist mir aber bewusst geworden. Nämlich, dass mein Leben und die Art, wie es läuft, viel mit meiner eigenen Einstellung zu tun hat. Vielleicht muss ich einen neuen Thread eröffnen. Einen, in dem ich mir immer wieder bewusst mache, was mir Gutes am Tag passiert. Das hilft, den Blick auf das Schöne zu schärfen und es hilft, dort nachzulesen, wenn es mir mal nicht so gut geht. Aber da geh ich noch mal in mich.

    Ich habe auch bemerkt, dass mich schwere Schicksale, von denen ich hier lese, oftmals belasten. Sie machen mich hilflos und ich überlege dann, woher dieses Gefühl kommt. Ist es wieder mein „Helferlein“, das sich meldet oder ist es einfach nur die Machtlosigkeit einer Krankheit gegenüber, die sich oft hinter der Fassade einer heilen Welt versteckt und so alles andere als heil ist und macht. Deshalb habe ich auch nicht mehr so viel hier gelesen und mich mit anderen Dingen beschäftigt. Diesbezüglich bin ich mit mir aber noch nicht ganz im Reinen. Ich muss noch einmal genauer hingucken, warum ich so empfinde.

    Jetzt mache ich mich aber auf den Weg ins Büro. Wochen-Endspurt oder Wochenend-Spurt oder so, ist angesagt und ich freue mich auf zwei Tage ohne Kunden, Akten und Telefon.

    LG
    Ette

    Hallo Ihr Lieben,

    ich habe in der letzten Zeit ziemlich viel um die Ohren bei der Arbeit nachdem ich krank war und genieße deshalb solche Nachmittage wie heute, an denen keine großen Termine anstehen. In Ruhe „das Bisschen Haushalt“ machen und einfach die Zeit genießen, die ich nach eigenem Gutdünken verbringen kann.

    Da es draußen in der Natur nicht mehr so sehr schön ist, suche ich mir nun die angenehmen Momente in der Wohnung. Hab öfters gebacken in der letzten Zeit und freu mich heute, jemanden „bekochen“ zu können, weil mir das für mich alleine nicht wirklich Spaß macht. Es geht alles einen recht ruhigen Gang ohne Aufregungen, trotzdem viel zu tun ist im Büro. Dieser Tage ging mir so durch den Kopf, dass es ein schönes Gefühl ist, nach hause zu kommen und zu wissen, was mich erwartet. Das war früher ganz anders.

    Ich lese hier öfter als das ich schreibe, weil es bei mir keine großen Veränderung gibt und ich nicht nur in anderen Threads schreiben möchte, um meinen Senf dazu zu geben. Beim Lesen sehe ich mich oft so, wie ich vor einiger Zeit noch war und ist dann ein gutes Gefühl, die Veränderungen an mir festzustellen. Wenn ich die letzten zwei Jahre so für mich betrachte, hat sich eine Menge geändert und ich weiß, dass ich auch im „hohen Alter“ noch lern- und veränderungsfähig bin. Die Verantwortung für mich selbst zu übernehmen und nicht darauf zu warten, dass sich an meiner „Außenwelt“ etwas verändert, macht mich zufrieden. Ich glaube, das ist auch der Grund dafür, dass ich nicht unbedingt mehr helfen muss um jeden Preis.

    Jemandem eine Freude machen – ja, aber nur soweit, wie es mir selber gut tut. Und vor allem mir nicht den Kopf über Dinge zu zerbrechen, die zu verändern nicht in meiner Macht liegt. Die gibt es im privaten und im beruflichen Bereich schließlich immer wieder und früher bin ich dann öfter in ein Gedankenkarussell geraten, dass mich beunruhigt hat und mir schlaflose Nächte bereitete. Was ich nicht ändern kann, muss ich auf mich zukommen lassen und eventuell meine eigene Einstellung dazu überprüfen.

    Verändern werde ich jetzt aber den Inhalt meiner Badewanne indem ich erst Wasser und dann mich hinlasse......

    Ich wünsche euch allen noch einen angenehmen Tag.

    LG
    Ette

    Kaltblütiger,

    wenn wir die Matrix als Gebärerin betrachten, können wir vielleicht endlich annehmen, was wir wirklich sind, was wirklich aus ihr geboren wurde und was wir vielleicht all die Zeit hinter dem Bemühen versteckten, geliebt zu werden. Wir müssen nicht der Spiegel sein, in dem sich Andere als besser, intelligenter, gebildeter betrachten können. Unser eigenes Leben leben und nicht mehr das, von dem wir denken, wir müssten es leben, um Anerkennung zu finden. Uns eingestehen, dass es womöglich im Grunde gar nicht das ist, was wir leben wollen. Wenn Dinge, im wahrsten Sinne des Wortes, wegbrechen und sich zeigt, was als Substanz dahinter steckt und es sich dann trotzdem gut anfühlt, könnte es sein, dass dies das von UNS gewünschte Leben ist.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Pitatio,

    ich glaube dir, dass du davon überzeugt bist, mit der Sache durch zu sein und deshalb meinst, die Sachen im Keller liegen lassen zu können. Irgendwann wird es dir vielleicht gehen wie Lavendel und du merkst, dass dich das Zeug im Keller immer an ihn erinnert. Sicherlich wirst du den Kram dann entsorgen.

    Es sind bestimmt verschiedene Ursachen, die dich jetzt noch zögernd lassen, dein Umfeld „vergangenheitsfrei“ zu gestalten. Es ist ja auch noch so ein kleines Machtspielchen. Er soll sein Zeug abholen, weil du es möchtest. Er muss dich darum bitten, dass du ihm Zugang zu seinen Sachen gestattest. Ein letztes Aufbäumen quasi, weil er sich sonst nicht so verhält, wie du es gerne möchtest. Ich kann das gut nachvollziehen, weil ich ganz ähnlich agierte – damals. Es schien mir der einzige Weg, mit meiner Machtlosigkeit umzugehen.

    Irgendwann kommst du vielleicht dahin, dass es dich stört, dass da immer noch etwas von ihm rumliegt und du für DICH den Ballast loswerden möchtest. Ich denke, es ist eine Frage der Zeit. Im Moment bist du noch recht wütend auf ihn. Da kommt dir so ein kleines Machtmittel ganz recht. Die Wut geht irgendwann weg, wenn du akzeptierst, dass es ist, wie es ist. Und vor allem ehrlich mit deinen Motivationen umgehst. Für mich war das eine recht schwere Erkenntnis. Nämlich das Eingestehen, dass genau dieses Verhalten zu meinem Co-Sein passt. Ich habe immer wieder Erklärungen dafür gefunden, warum ich doch nicht alles von ihm aus meinem Leben haben wollte. Eine kleine Hoffnung, dass dadurch der Kontakt nicht ganz abbricht und vielleicht – entgegen allen äußeren Anscheins - doch noch alles wieder gut wird.

    LG
    Ette

    Hallo Elocin,

    ich kann gut nachvollziehen, dass du dir darum Gedanken machst, wie irgendwann eine neue Beziehung aussehen könnte. Leider ist es ja bei uns nicht so einfach damit, das „Suchtmittel“ wegzulassen.

    Zudem habe ich gelernt, dass co-abhängige Strukturen nicht zwangsläufig mit einem trinkenden Partner gelebt werden. Es gibt sie auch in Beziehungen, in denen der Partner trocken ist. Wie genau diese Strukturen funktionieren, ist ein sehr komplexes Thema und hat sehr viel damit zu tun, wie wir aufgewachsen und als Kind behandelt worden sind. Jedenfalls habe ich das so verstanden. Diese Strukturen haben sich in einem Teil unseres Gehirns manifestiert, d.h. verankert, den wir nicht mit dem Verstand beeinflussen können. Wir reagieren dann ganz unbewusst, so wie wir diese Strukturen auch unbewusst gelernt haben. Dieses Lernen geschieht in einem recht alten Teil des Gehirns, dem sog. Stammhirn. Dort werden Emotionen gespeichert. Diese so gespeicherten Gefühle lassen uns als Co handeln, wie wir es tun. Wir haben Strategien entwickelt, um diese oft sehr schmerzlichen Gefühle nicht spüren zu müssen. Co-Verhalten ist auch eine solche unbewusste Strategie.

    Um diese alten Empfindungen zu „überschreiben“ bedarf es neuer emotionaler Erfahrungen. Damit wir die aber bekommen, müssen wir uns immer wieder mit dem Verstand dahin bringen, nicht einfach zu reagieren, sondern anders zu handeln, als wir es bisher getan haben. Das ist für mich sehr schwierig, denn es erfordert sehr viel Konsequenz. Und macht auch oft Angst, denn das, was wir abgespeichert haben, kennen wir. Die Erfahrungen, die jetzt durch anderes Handeln entstehen, kennen wir noch nicht unbedingt. Veränderung und Ungewissheit machen eben Angst und durch die müssen wir hindurch.

    Genauso wie ein Alkoholiker, denke ich, müssen wir uns immer wieder mit unserer Co-Abhängigkeit auseinandersetzen und auch selbstverständliche Handlungsweisen und Reaktionen immer wieder bewusst betrachten. Ich glaube, nur dann werden wir in der Lage sein, irgendwann Beziehungen einzugehen, die nicht selbstausbeutend sind. Aber wie gesagt, es ist ein langer, ständiger Prozess, Rückfälle eingeschlossen. Im Moment habe ich dazu ein ganz interessantes Buch entdeckt. Es heißt „Liebeskummer lohnt sich doch“. Vielleicht kannst du damit ja auch etwas anfangen.

    Ich weiß nicht, ob ich verständlich geschrieben haben. Wie gesagt, das Thema ist recht komplex und erfordert auch ein mit sich selbst Auseinandersetzen, welches oftmals schmerzhaft ist. Nicht zuletzt deswegen sind wir co-abhängig geworden. Solange wir uns mit den Belangen von anderen Menschen befassen, müssen wir uns nicht mit unseren eigenen Ängsten und Verletzungen auseinandersetzen und sie wahrhaben. Wir nutzen quasi die Co-Abhängigkeit als Schutzfunktion um unseren „Minderwert“, den wir irgendwann gelernt haben, nicht fühlen zu müssen. Aber – das ist halt nur das, was ich im Laufe der Jahre gelernt habe, seit ich mich mit dem Thema befasse.

    Für eine neue Beziehung ist es, glaub ich, deshalb erst mal wichtig, mit sich selbst im Reinen zu sein. Ich musste mir erst über ein paar Dinge klar werden, die ich immer einfach nicht sehen wollte. Ob ich sie irgendwann richtig umsetzen kann in einer Beziehung, wird sich zeigen. Im Moment, da ich alleine lebe, versuche ich eben, das Gelernte im Umgang mit anderen Menschen umzusetzen. Aber auch dort merke ich, dass sich etwas verändert hat.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Sabine,

    der Spruch mit den Steinen im Weg, ist ein sehr schöner, finde ich. Er macht uns deutlich, dass alles eine Frage der Sichtweise ist. Es liegt in unserer Hand, was wir aus Lebenssituationen machen, in unserer Verantwortung. Dinge, die wir geschafft haben, stärken das Selbst, habe ich erfahren.

    Krisen sind etwas Schweres, ohne Zweifel, aber auch die Möglichkeit, zu wachsen und er-wachsen zu werden. Denn das sind wir nicht unbedingt, nur weil es im Perso steht.

    LG
    Ette

    Guten Morgen,

    heute, als um 7 Uhr das Telefon klingelte, ich blind nach meiner Brille suchte und nach einem verschlafenen durch die Wohnung tigern endlich das klingelnde Ding fand – an dem natürlich Keiner mehr war – ist mir bewusst geworden, dass so ein paar Tage Krankheit meinen Tagesablauf völlig durcheinander gebracht haben. Normalerweise bin ich spätestens um 6 Uhr auf den Beinen und freue mich darüber, so viel Tag vor mir zu haben. Und jetzt? Na ja, dafür war es letzte Nacht recht spät. Ich habe mich „verlesen“, weil ich ein neues Buch habe, das mich von einer Erkenntnis in die nächste katapultiert und ich einfach nicht aufhören konnte.

    Zudem hatte ich gestern einen aufregenden Abend in meiner realen SHG, der mir auch noch mächtig zum Nachdenken gab. Eine Co-Frau ist nun schon zum wiederholten Male vollkommen aufgelöst erschienen und Alles, was wir ihr über das Krankheitsbild Alki/Co erzählen, scheint einfach an ihr abzuperlen. Es hat schon fast den Anschein von Besessenheit, wie sie an ihrer Hoffnung festhält, dass alles wieder gut wird. Sie reibt sich dabei auf und wir können ihr nicht helfen, weil sie scheinbar nichts wahrnimmt, was dieser Hoffnung entgegenspricht. Es schmerzt, mitanzusehen, wie sie sich quält. Aber scheinbar quält sie sich noch nicht genug, denn sonst würde sie etwas ändern. Machtlosigkeit zeigt sich nicht nur dem Alkohol gegenüber.

    Die Jahreszeit mit ihrer morgendlichen Dunkelheit lockt auch nicht gerade dazu, früh aus dem Bett zu steigen. Allerdings habe ich schon festgestellt, dass ich es akzeptieren kann, einfach mal nicht „zu können“. Ich muss nicht die ganze Zeit roboten, sondern kann für mich sorgen, indem ich mir die Zeit nehme, wieder gesund zu werden. Die Zeit habe ich mir früher so nicht genommen.

    Ein Gutes hat aber diese dunkle Zeit. Es macht Spaß, es im Haus gemütlich und kuschelig zu machen. Nachher werde ich Früchtebrot backen, wofür ich gestern Abend noch das Obst vorbereitet habe. Trockenobst und Äpfel warten nun, kleingeschnitten und mit Zimt und Zucker gemischt, darauf, weiter verarbeitet zu werden. Der Duft des Zimtes und der Äpfel haben mich gestern Abend richtig in weihnachtliche Stimmung kommen lassen. Ach – dann ist meine „Rüsselpest“ ja schon ganz gut abgeklungen, wenn ich das wieder riechen kann. Die Selbstverständlichkeit des Riechens war mir gestern gar nicht so bewusst gewesen, wie das mit Selbstverständlichkeiten halt oftmals so ist.

    Und jetzt muss ich mich noch ein wenig mit den liegen gebliebenen Dingen befassen, die die Woche über so aufgelaufen sind. Die Heinzelmännchen scheinen schon irgendwo zu überwintern, denn es nichts passiert während ich schlief.

    LG
    Ette

    Guten Morgen liebe Loti,

    Hectors Suche nach dem Glück hat ihm ja eine ganze Menge Erkenntnisse gebracht. Nicht alle finde ich jetzt unbedingt toll, aber hilfreich können sie schon sein. Die Sache mit dem Vergleichen kann frau ja schließlich auch andersherum sehen. Es kommt halt immer darauf an in welche Richtung du vergleichst.

    Freu dich an der Zeit, in der du unabhängig bist. Auch wenn um dich herum Heirats- und Kinderpläne geschmiedet werden. Ich habe meinen Sohn bekommen, als ich so alt war wie du. Geplant, gewollt und sehr geliebt. Trotzdem weiß ich im nachhinein, dass mir dadurch eine Menge an Zeit verloren gegangen ist, die ich für meine Entwicklung noch gebraucht hätte. Ach und – spätestens wenn deine Mitkommilitonen verzweifelt nach einem Babysitter suchen oder sich nicht aus dem Haus wagen können, weil der kleine Schreihals krank ist, wirst du auch mal wieder anders über die Geschichte denken.

    Genieße es, nur für dich verantwortlich zu sein. Mir hat dieser Entwicklungsschritt immer gefehlt, ich muss ihn jetzt, als alte Schildkröte, nachholen. Was auch ein schönes Gefühl ist, allerdings mit einem Tropfen Wehmut, denn die Endlichkeit von Kraft und Zeit wird mir dann doch schon manchmal bewusst. Du hast noch so viel Leben vor dir und Möglichkeiten, dich aus den Verstrickungen, die du in deinem Elternhaus durch den Alkohol mitbekommen hast, zu befreien. Du hast jetzt auch schon ein Kind, für das du sorgen kannst und es lieben, nämlich dein „inneres Kind“. Das wird deinen eigenen Kindern auch zugute kommen, wenn dann irgendwann die Zeit reif ist für die „Rama-Familie“.

    Ich finde es übrigens schön, dass du dir Kinder wünschst. Die Freundin meines Sohnes möchte keine und darüber bin ich ganz schön traurig.

    LG
    Ette