Beiträge von Ette

    Hallo Katrin,

    ich hab mir mal die Zeit genommen und durchgelesen, was du so geschrieben hast. Ich kann verstehen, dass du darauf achtest, ob dein Freund trinkt oder nicht. Allerdings steht er doch sehr im Fokus deines Denkens und Schreibens.

    Wenn er in eine SHG geht, dann wird er dort sicherlich auch Tipps bekommen, wie er professionelle Hilfe bekommen kann. Jedenfalls kenne ich das so aus unserer SHG. Psychologische Unterstützung ohne dass vorher die Alkoholproblematik bearbeitet ist, halte ich persönlich für nicht sehr effizient. Aber da hat vielleicht jeder seinen eigenen Weg. Zudem gibt es durchaus Möglichkeiten, dies nicht selbst bezahlen zu müssen. Der erste Ansprechpartner wäre hier der Hausarzt. Schließlich geht es ja auch darum, dass dein Freund entgiftet. Vielleicht solltest du dazu auch ab und zu in der Abteilung der Betroffenen lesen. Termine bei kassenzugelassenen Therapeuten sind allerdings mit langen Wartezeiten verbunden. Nach meiner Erfahrung geht dies über eine Suchtberatungsstelle schneller. Darüber hinaus sind dort die Therapeuten speziell mit dem Thema Abhängigkeit befasst.

    Über eine Suchtberatungsstelle gibt es außerdem die Möglichkeit, mit den dortigen Therapeuten 5 kostenlose Gespräche zu führen. Auch Angehörige haben diese Möglichkeit. Wenn er nicht geht, nimm doch auf jeden Fall für dich diese Möglichkeit in Anspruch. Ich habe es als sehr hilfreich empfunden, mit „Profis“ über die Thematik zu sprechen. Zudem ist dies der Schritt in Veränderungen, die du WIRKLICH anschieben kannst, nämlich für DICH selbst etwas zu verändern.

    @pitato: Sorry, aber dein Posting empfinde ich nur als rachsüchtig und nicht sehr konstruktiv. Damit ist niemandem geholfen. Es macht mir ein wenig das Gefühl von „sich auf das Feindbild Alki einzuschießen“. Sie sind nicht unsere Feinde – sie sind krank, abhängig, genau wie wir.

    LG
    Ette

    Hallo Sabine,

    du kannst dich und dein Kind also alleine ernähren, machst einen guten Job und bist nicht feige oder faul. Warum meinst du dann, dass du nur nach außen taff wirkst? Wenn du das alles auf die Reihe bekommst, ist das schon eine ganze Menge. Vielleicht solltest du dir öfter mal deine positiven Seiten vor Augen halten. Damit bist du auch nicht unbedingt auf einen Mann angewiesen. Eigentlich sollte der dann doch nur noch das Sahnehäubchen sein – fürs Herz, zum Kuscheln und für die Dinge, die mit einem Mann einfach Spaß machen.

    Vielleicht musst du irgendwann akzeptieren, dass das mit deinem Mann nicht geht. Jedenfalls nicht, solange er nicht trocken ist. Glaub mir, frau kann schon mal ne Weile ohne Streicheleinheiten leben. Das lässt sich lernen. Und – Streicheleinheiten müssen auch nicht immer unbedingt körperlich sein. Gedanklich, verbal oder in Hilfestellungen von außen bekommen wir davon oft eine ganze Menge. Sie genügen uns nur in der Regel nicht. Denn unsere Co-Abhängigkeit ist auch eine Abhängigkeit und die ist nun mal gezeichnet von einem „Nie genug Gefühl“.

    @KimP: Sorry, aber als dumme Tussi würde ich mich selbst noch nicht mal im Scherz bezeichnen. Wie soll dich jemand wertschätzen und ernst nehmen, wenn du dich selbst so abwertend bezeichnest?

    LG
    Ette

    Guten Morgen *krächz* !

    Nun hatte ich die letzten Tage viel Zeit nachzudenken. Wie ein gestrandeter Wal, na gut, ein recht magerer Wal, lag ich kurzatmig im Bett und nachdem das Bienenstock-Summen im Kopf etwas besser war, begannen die Gedanken zu kreisen. Dies ist das erste Mal gewesen, dass ich ziemlich krank war, seitdem ich alleine lebe. Es war für mich ein seltsames Gefühl, einfach im Bett zu bleiben, ohne dass mir dies jemand ans Herz gelegt hatte. Früher hatte ich immer das Gefühl, ich müsste beweisen, dass ich trotz allem noch etwas schaffen kann und ich von irgend jemandem die Erlaubnis bräuchte, mir die Zeit zu nehmen, um gesund zu werden. Ich hab mir diesmal selbst gestattet, mehrere Tage am Stück zu schlafen. Und es hat mir gut getan, ganz ohne schlechtes Gewissen.

    Sehr bewusst ist mir auch geworden, welches Glück es ist, gesund zu sein. So Kleinigkeiten wie draußen spazieren gehen, wird schließlich allzu oft als selbstverständlich angesehen.

    Gestern bekam ich dann, kaum wieder halbwegs auf den Beinen, den nächsten Schock. Mir wurde mitgeteilt, dass ich eventuell auf eine OP zusteuere, die mich so ca. 6 Wochen alles „mit links“ machen lassen wird. Einarmige Banditin sozusagen. Als mir der Arzt das sagte, fühlte ich mich ganz schrecklich einsam und verlassen. Den Tränen nahe, denn ich kann mir nicht vorstellen, wie das gehen soll. Ganz blöde Gedanken gingen mir durch den Kopf. Wie ich meine Haare waschen sollte oder meine Hose auf- und zumachen, alles halt, wofür man zwei Hände braucht. Mich ausziehen zu lassen, könnte ja unter Umständen noch ganz nett sein ;) , aber anziehen?

    Gott sei dank hat kurz nach dem ich zu hause war, ein lieber Mensch angerufen und gefragt, wie es war. Wenn es soweit ist, wird er mir nicht wirklich helfen können, aber es tat gut, die ersten Bedenken zu teilen. Sicherlich wird sich ein Weg finden, wie es funktionieren kann, aber, wie gesagt, der erste Moment war schon heftig. Da zeigen sich dann die Schattenseiten des Single-Daseins. Aber kommt Zeit, kommt Rat und noch ist es nicht soweit. Es muss noch eine größere Untersuchung stattfinden, nach der dann endgültige Entscheidungen fallen werden. Mal sehen.....

    Und jetzt werde ich mich mal um meinen „Fensterbank-Dschungel“ kümmern. Meine grünen Lieblinge mussten die letzten Tage auch darben.

    LG
    Ette

    Zitat von ilcicaso2007

    doch irgendetwas in mir will es einfach nicht wahrhaben, das scheint der teil von mir zu sein, wo sich die hoffnung verankert hat. ich kann die hoffnung nicht einfach ausradieren, auch wenn alles hoffnungslos erscheint.
    ilcicaso2007

    Guten Morgen ilcicaso,
    wie du schon ganz richtig bemerkst, willst du wohl die Fakten nicht wahrhaben. Ich habe früher auch immer gedacht, dass dies die Hoffnung wäre. Im nachhinein weiß ich, dass es einfach nur Verleugnung, Illusion und mangelnde Akzeptanz meiner Machtlosigkeit gegenüber dem Alkohol war. Wie Speedy schon schreibt - warum sollte er etwas ändern? Er findet die richtigen Schlüssel, um dich für SEINE Bedürfnisse aufzuschließen. D. h. in diesem Fall, dich ruhig zu stellen. Und sicherlich bist du, genau wie ich damals, der Überzeugung, dass ausgerechnet bei euch alles ganz anders läuft, als bei denen, die dir von ihren Erfahrungen erzählen. Vielleicht ist die Zeit für dich noch nicht reif, etwas grundlegend zu verändern.

    LG
    Ette

    Zitat von bine123

    Ich find mich immer toll...

    Hallo Sabine, wenn du das von dir sagen kannst, hast du ja bestimmt Dinge an dir, die du gut findest. Vielleicht solltest du dir ins Gedächtnis rufen oder, noch besser, aufschreiben. Mach dir bewusst, was du gut kannst. Erzähl uns davon und, falls erforderlich, schlachte noch ne Tafel Vollmilch-Nuss...

    LG
    Ette

    Hallo http,

    was möchtest du denn lesen? Es wurde dir angeraten, wenn du trocken werden möchtest, zwecks Entgiftung zu allererst deinen Hausarzt aufzusuchen, da ein "kalter Entzug" lebensgefährlich sein kann. Dies war anscheinend nicht das, was du lesen wolltest.

    Wie sieht es denn mit deinem Wunsch und Willen aus, ernsthaft an deiner Trockenheit zu arbeiten? Du schreibst, dass du schon länger hier mitliest. Dann bist du sicher über einige fundamentale Schritte informiert. Was hast du, außer dem Termin bei der Suchtberatung, bisher in Gang gebracht?

    Wie ein trotziges Kind Aufmerksamkeit einfordern – ich weiß nicht, ob das der Weg in eine zufriedene Abstinenz ist. Für die im Übrigen niemand anders sorgen kann als du alleine. Hier wirst du jede Menge Unterstützung finden, wenn du den Weg ernsthaft gehen möchtest. Allerdings wird es nicht damit getan sein, nur zu lesen. Irgendwann wirst du nicht umhin kommen, das Gelesene umzusetzen - wenn es dir Ernst ist mit deinem Vorhaben.

    Gruß
    Ette

    Hallo Nicole,

    ja, klar, wir WOLLEN ganz lange unsere Rolle nicht ehrlich wahrnehmen. Ich kann mich erinnern, dass überall dort, wo ich über Alkoholabhängigkeit las, auch der Hinweis zur Co-Abhängigkeit war. Ich habe relativ früh auch angefangen über Co zu lesen, trotzdem hat es noch eine ganze Weile gedauert, bis ich in der Lage war, meinen Anteil am "System" wahrzunehmen.

    Mir wird dies immer wieder bewusst, dass es Vielen so geht, wenn ich die Schreibstrukturen hier betrachte. Dir ist es ja wohl auch schon aufgefallen, wie ich vermute.

    Ich habe zum Beispiel bemerkt, dass ich mehr Resonanz bekomme, wenn ich schreibe, dass es mir nicht gut geht. Rückmeldung über meine sonstigen Gedanken bekomme ich sehr wenig. Dies ist etwas, was ich auch in meiner realen SHG so wahrnehme. Warum das so ist, kann ich nur vermuten.

    LG
    Ette

    Hallo Grazia,

    herzlich willkommen hier.

    Was das Licht am Ende des Tunnels betrifft – ich denke, sobald du anfängst, dich mit dir selbst und deiner Rolle im Abhängigkeitssystem auseinander zu setzen, wird es jeden Tag ein wenig heller.

    Es ist sicher gut für dich, wenn du dich erst einmal nur um dich und dein Wohlergehen, dein Gesundwerden kümmerst, auch wenn es dir im Moment schwer vorkommt. Der Burnout ist sicherlich das Zeichen deiner Seele und deines Körpers, dass es nun genug ist. Co-Abhängigkeit hat im übrigen, so ist meine Erfahrung, überhaupt nichts mit Intelligenz zu tun, ebenso wenig wie Alkoholabhängigkeit. Du wirst beides in allen Bildungsschichten finden. Es hat aber viel mit unserer Seele, unseren Gefühlen zu tun und da sind uns womöglich Dinge beigebracht worden, die überhaupt nichts mit einer kognitiven Intelligenz zu tun haben.

    In deiner Therapie wirst du sicherlich mehr darüber erfahren. Darüber hinaus hast du mit diesem Forum immer einen Platz, um deine Gedanken zu hinterlassen, sie reflektieren zu lassen oder aber die Geschichten der Anderen selbst zu reflektieren. Es ist immer jemand da, der dir „zuhört“.

    LG
    Ette

    Wenn ich hier lese, lese ich Geschichten, die ich in Teilen so oder ähnlich selbst erlebt habe. Manche sind schlimmer als meine, manche nicht. Gemeinsam haben sie aber alle den Ansatz, dass der Fokus in erster Linie darauf liegt, wie dem Alkoholabhängigen geholfen werden kann. Unsere eigene Symptomatik bleibt am Rande. Tu etwas für dich – heißt es zwar oft. Aber dafür ist es auch erforderlich, uns selbst ehrlich zu betrachten und unsere Abhängigkeit zu akzeptieren.

    Ein Symptom der Co-Abhängigkeit ist es, andere Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Wir Co´s nehmen uns als nicht so wichtig wahr, unser Leben als langweilig und leer, sodass es aufregend und inhaltsreich durch das Helfen wird. Das Chaos, das unser Leben durch einen trinkenden Partner beherrscht, ist zwar belastend, aber trotzdem trachten wir nicht in erster Linie danach, UNSER Leben in Ordnung zu bringen. Nein, wir überlegen und holen uns Ratschläge, wie wir dem Anderen helfen können. Wir setzen uns mit Alkoholabhängigkeit auseinander und versuchen, diese Krankheit und somit auch unsere trinkenden Angehörigen zu verstehen. Unsere eigene Abhängigkeit meinen wir damit in den Griff zu bekommen, dass wir Ultimaten setzen, um den Anderen zum Trockenwerden zu bringen.

    Wenn wir über Co-Abhängigkeit lesen und uns damit auseinandersetzen, kommen wir früher oder später zu den Informationen, die besagen, dass Co-Abhängigkeit mit einem geringen bis gar nicht vorhanden Selbstwertgefühl einhergeht. So gut wie jede/jeder, die hier schreibt, fragt aber, wie es zu schaffen ist, dass der Alkoholabhängige aufhört zu trinken. Ich habe noch nie die Frage gelesen, wie man sein Selbstwertgefühl steigern kann, denn nur das macht uns stark genug, sowohl mit unserer Abhängigkeit als auch der des Partners umzugehen.

    Unseren eigenen Defiziten gegenüber sind wir ganz, ganz lange blind. Eher suchen wir die Veränderung im Außen. Unser Partner, die Umstände, seine Eltern, unsere Eltern, überall wird geguckt nach Ursachen, nach Möglichkeiten der Veränderung, die Besserung verheißen soll. Es hat eine ziemliche Zeit gedauert, bis ich meine blinden Flecken, sprich den Selbstwert, der hinten angestellt wurde, wahrgenommen habe. Schließlich war ich schon immer eine von den Power-Frauen, die alles Mögliche gedeichselt bekam. Dass sich dahinter ein ganz kleines Ettchen versteckte, das meinte, mit all dem Gemache und Getue Anerkennung zu bekommen, die sie sich selbst nicht geben konnte, das war mir lange nicht bewusst.

    Die richtige Frage von Anfang an wäre also nicht die gewesen, wie kann ich meinem trinkenden Partner helfen, vom Alk loszukommen. Sie hätte viel mehr heißen müssen, wie kann ich mein Selbstbewusstsein stärken, damit ich diesen Mangel nicht mit zu viel helfen kompensieren muss...

    Meint eine nachdenkliche Ette

    Guten Morgen,

    ich glaube, euere guten Wünsche zeigen langsam Wirkung. Heute morgen fühle ich mich das erste Mal nicht mehr ganz so schlapp. Allerdings habe ich nun seit Samstag auch fast Tag und Nacht geschlafen. Wach war ich nur jeweils wenige Stunden. Das hat allerdings auf der Waage erstaunliche Wirkung gezeigt. Drei Pfund im Schlaf abgenommen. Ich glaub, ich schlaf gleich weiter...

    Der Doc hat mich erst einmal für ein Woche aus dem Verkehr gezogen. Seltsamerweise hab ich das ohne große Diskussion hingenommen. Ohne Gedanken an Termine und Verpflichtungen. Vollkommen neues Verhalten meinerseits. Schließlich ist keiner unersetzlich, auch wenn wir es manchmal nicht wahrhaben wollen.

    Die Gedanken hielten sich während der letzten Tage in Grenzen. Auch ein Verlassenheitsgefühl hatte ich nicht. Ich kann mich an eine Situation erinnern, als ich noch verheiratet war und auch krank im Bett lag. Mein Mann ging zur Arbeit, mein Sohn zur Schule und ich lag zu hause und kam mir so jämmerlich verlassen vor, obwohl ich wusste, die kommen nachmittags wieder nach hause. Verrückt! Na ja, ein wenig Kopf oder Rücken graulen hätte mir schon gut getan. Aber dafür hab ich mir dann halt warme Wasserstreicheleinheiten gegönnt. Und ich find es total entspannend, mich mit Jogginghose und Sweatshirt ins Bett zu kuscheln, einfach weil mir dann schön warm ist und ich mir überhaupt keine Gedanken darum mache, ob das jetzt sexy aussieht oder nicht.

    Ich kann Menschen anrufen, die mir etwas einkaufen, wenn etwas fehlt und ich bin nicht vergessen oder von aller Welt verlassen, wenn ich krank im Bett liege. Ein beruhigendes Gefühl, dem ich mich jetzt wieder hingebe und mich unter die Decke kuschele. Und – mich womöglich noch zwei, drei Pfund leichter schlafe....

    LG
    Ette

    Guten Morgen Pitato,

    klar fühlst du dich schlecht, denn wenn er seine Sachen holt, wird es quasi „offiziell“, dass ihr getrennt seid. Solange seine Sachen da sind, gibt es ja immer noch das Hpffnungs-Hintertürchen, dass er sich vielleicht ändert. Zudem hat er in seiner SMS auch genau den Ton getroffen, der dich anpackt. An die unsterbliche Liebe erinnert, versucht, dich wieder „aufzuschließen“ mit den Schlüsselworten, die du magst.

    Tritt einen Schritt zurück und guck es dir quasi von einer höheren Warte an, was da gerade passiert. Dann hast du die Möglichkeit, es zu durchschauen und dann tut es weniger weh, weil es so offensichtlich ist. Aber Kraft kostet es trotzdem. Die wünsch ich dir.

    LG
    Ette

    Hallo Geisterle,

    ich kann verstehen, dass du dich mit der Thematik näher befassen möchtest. Mir hat es sehr geholfen, mich mit Alkoholismus auseinander zu setzen. Blauäugig hatte ich einst gedacht, es sei ausreichend, dass im Haushalt eben kein Alkohol mehr verwendet wird. Weit gefehlt! Nur dadurch, dass ich mich über die Krankheit informiert habe, konnte ich lernen, dass „er“ nicht trinkt, weil er schwach ist, sondern weil er krank ist. Dass er mich nicht belügt, um mich zu verletzen, sondern dass es zu dieser Krankheit dazugehört. Als ich das alles begann, zu begreifen, konnte ich meine Wut auf ihn loslassen, die mich in meinem eigenen Vorwärtskommen behinderte. Schließlich sehen Alkis, wenn sie nicht betrunken sind, relativ gesund aus. Deshalb fiel es mir sehr schwer, seine Verhaltensweisen nicht als gegen mich gerichtet zu sehen. Als ich in der Lage war, sie als Teil seiner Krankheit zu akzeptieren, war das für mich sehr wichtig. Dann erst konnte ich für mich entscheiden, wohin der Weg gehen sollte. Ich lasse ihn nicht fallen, weil er krank ist, aber ich muss ihn nicht so nahe bei mir haben, dass ich meine eigene Gesundheit gefährde.

    Und es kam die Erkenntnis, so wie Lillith schon schreibt, dass meine Liebe und meine Fürsorge nicht ausreichen, ihn zu heilen. Ich bin weder Therapeutin noch Ärztin. Meine Bemühungen, ihn „trocken zu legen“ waren von vorn herein zum Scheitern verurteilt. Aber das habe ich erst im Laufe der Zeit gelernt und vor allem gelernt, dies auch zu akzeptieren. Die hier oft recht offen zu Schau gestellte Wut und Frustration gegenüber dem Abhängigen, die oftmals dazu führt, abwertend über den Menschen, der krank ist, zu schreiben, macht mich oft recht nachdenklich. Ich würde auch niemandem, der rote Flecke von seinen Masern hat, einen Vorwurf daraus machen. Aber ich würde mich zurückziehen, um mich nicht anzustecken.

    LG
    Ette

    Hallo pooh,

    willkommen hier. Du fragst, ob du alles schlimmer machst. Für wen meinst du jetzt? Vorrangig wäre die Frage, ob es für dich schlimmer wird. Wenn du schreibst, du hast seit einer Woche ein seltsames Gefühl, dann höre drauf. Du musst dir nicht einreden lassen, dass deine Gefühle falsch sind. Vielleicht könnt ihr klären, woher dieses Gefühl kommt.

    Auch dein Misstrauen ist relativ normal. Woher sollst du denn plötzlich vertrauen haben? Ich weiß nicht, wie lange du mit deinem Mann zusammen bist und wie lange er getrunken hat. Aber in der nassen Zeit, so nehme ich an, ist dein Vertrauen oft und oft missbraucht worden. Also wird es auch eine Zeit dauern, bis es wieder da ist. Dafür kannst du Verständnis verlangen und wenn deinem Mann das Zusammensein mit dir wichtig ist, wird er dieses Verständnis auch aufbringen.

    Dein Misstrauen kann auch nur dann Grund für ein neuerliches Trinken sein, wenn dein Mann es zulässt. ER wird, wenn, die Flasche wieder an den Mund setzten und nicht du oder dein Misstrauen. Wenn du ihn lange genug trocken erlebt hast, wird sich dein Misstrauen auch wieder legen. Um, so kenne ich es, doch immer wieder einmal den Kopf zu heben, um einen recht kritischen Blick auf Hautfarbe oder Kommunikationsverhalten zu werfen. Das ist einfach so. Es dauert seine Zeit.

    Redet darüber, denn nur mit der klaren Formulierung dessen, was euch bewegt, könnt ihr wissen, wo ihr steht. Ohne Schuldzuweisung, rein als Fakt, was bei dir oder bei ihm in den Gefühlen passiert. Lass dir keinesfalls eine Schuld einreden, falls er wieder trinkt. Das ist, da hast du ganz recht, ganz alleine sein Ding, zu trinken oder es sein zu lassen.

    LG
    Ette

    Hallo Ayki,

    ich finde es gut, dass du deinen Kindern den Kontakt zu ihrem Vater nicht unterbindest. Wenn man mit den Kindern bespricht, was Sache ist, denke ich das dies machbar ist. Ich habe genau das Gegenteil erlebt. Die Ex-Frau meines Ex hat ihm die Kinder systematisch entzogen. Ganz subtil und unschuldig auf seine Trinkerei hingewiesen, die inzwischen seit zwei Jahren nicht mehr relevant ist. Seine Kinder haben nur das „Feindbild“ „Säufer“ von ihrer Mutter mitbekommen. Er hatte keine Chance mehr, etwas gerade zu rücken.

    Sicherlich ist es wichtig, Kinder aus akuten Trinksituationen herauszuhalten. Aber Kindern den Vater zu verweigern, finde ich nicht in Ordnung. Ich denke auch, dass du verantwortungsbewusst genug bist, zu beurteilen, wann du die Kinder zu ihm geben kannst und wann nicht.

    LG
    Ette

    Guten Morgen,

    kann ich euch heut nur entgegenschniefen. Triefäugig und kurzatmig, weil mich eine fette Erkältung gepackt hat. Fiebrig und mit einem Kopf, der summt wie ein Bienenstock lag ich gestern schon den ganzen Tag und bin grad mal kurz aus dem warmen Nest gekrochen, um zu testen, was meine Knie heute so sagen. Sie sind ein wenig wackelig, na ja, morgen wird es besser sein.

    Viel denken kann ich heute nicht. Das Summen im Kopf übertönt alle Gedanken. Noch nicht einmal lesen mag ich. Ich dümpel einfach so vor mich hin und schlafe zwischendurch wieder ein. Aber dann werde ich das wohl brauchen. Also.... bis demnächst

    LG
    Ette

    Charlos,

    ich glaube, du möchtest einen Sieg erringen in einem Spiel, das nicht alleine zu gewinnen ist. Und dann ist es irgendwann unausweichlich, sich zu entscheiden. Wenn du alleine etwas schaffen willst, was nur gemeinsam zu lösen ist, werden sich irgendwann Prioritäten für dich zeigen. Irgendwann macht es „klick“ und du weißt, wo es lang geht. Da, wo es sich gut anfühlt, ist der richtige Weg – hab ich für mich gemerkt. Anfang des Jahres stand ich auch wieder einmal da, wo du gerade stehst. Und dann hatte ich einfach die Nase voll vom Bemühen und Warten, dass alles wieder gut wird. Irgendwann ist sie auch für dich reif, die Zeit. Vielleicht musst du ausnahmsweise auch einmal mit DIR Geduld haben.....

    LG
    Ette

    Hallo Anna,

    ja, manchmal fühle ich mich auch beneidenswert. Und dann gibt es aber wieder Tage, wo ich so eine Art Flashback habe und einfach nur ein kleines Mädchen sein möchte, um das sich jemand kümmert.

    Heute zum Beispiel, wenn es draußen Schmuddelwetter ist und nix mit draußen herumtollen ist. Nass-kalt fegt der Wind ums Haus und der Regen peitschte unter den Schirm, als ich eben nach hause ging. Da wünsch ich mir dann schon mal ein paar Streicheleinheiten. Aber es ist ja nicht nur Kuschel- sondern auch Suppenwetter. Also hab ich den großen Topf aus dem Schrank geholt und nun köchelt ein herzhafter Eintopf auf dem Herd. Nachher kommt ein Freund und wir werden zusammen Suppe löffeln, lachen und tiefschürfende Gespräche führen. Ich mache noch ein paar Kerzen an, damit es schön nach Zimt riecht und schon ist auch das Muckelwetter erträglich.

    Anna, ich glaube, es hat damit zu tun, was ich will, nämlich es mir gut gehen zu lassen. Sicherlich sind manchmal die dunklen Gefühle schlimm und es kostet schier unmenschliche Kraft, sich daraus zu befreien. Für mich war es lange Zeit ein großes Angehen, zu akzeptieren, dass niemand kommt, der dafür sorgt, dass es mir gut geht. Das muss ich für mich alleine regeln. Es ist meine Verantwortlichkeit. Dann kann ich auch Groll loslassen gegen Menschen, von denen ich meine, sie haben die Schuld, dass es mir schlecht geht.

    Dabei kann ich aber immer noch Wünsche und Träume haben. Aber die dürfen halt dann nicht dergestalt sein, dass sie mich nur traurig auf ihre Erfüllung hoffen lassen. Bis sich die vielleicht irgend wann mal erfüllen, na, bis dahin kann ja das Leben auch solo ganz nett sein. Solo – nicht für Onkel, aber für Ette.... sozusagen ;-).

    Ich wünsche dir, dass du auch einmal dieses "Solo für Anna" mit Freude leben kannst.

    LG
    Ette

    Guten Morgen,

    heut morgen, beim Aufwachen, kam mir als erstes der Gedanke an Freiheit und Zufriedenheit in den Sinn und das Empfinden, frei und zufrieden zu sein. Einfach so – ohne dass irgendwelche besonderen Dinge geschehen wären.

    Gestern Abend hatte ich mich mit jemandem unterhalten und dabei wieder einmal festgestellt, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben eine so lange Zeit (ein Jahr und acht Monate) alleine lebe. Eine Zeit, in der ich mit meinen guten und schlechten Tagen klarkommen muss. Nicht immer alleine, ich kann mir jemanden suchen, mit dem ich sprechen kann, mit dem ich etwas unternehme. Die erste Zeit habe ich sehr viel unternommen. Wohl, um nicht zu merken, dass ich alleine bin. Im Laufe der Wochen und Monate habe ich mir dann immer wieder Tage genommen, an denen ich nichts verabredet habe und so habe ich nach und nach gelernt, zu genießen. Der Genuss meiner ruhigen Wohnung, mich in Dinge zu verdrößeln, die mir Spaß machen. Schreiben, lesen, backen, laufen, nähen oder ein einfach mal vor dem Fernseher abzuhängen. Nur meinen ureigensten Bedürfnissen Rechnung zu tragen.

    In meinem bisherigen Leben war Freizeit immer mit anderen Menschen verbunden. Mein Ex-Mann, mein Sohn, mein „Ex“, nie konnte ich mir vorstellen, ohne einen anderen Menschen in meiner unmittelbaren Nähe leben zu können. Immer wieder hatte ich mir, wenn eine Beziehung zu Ende war, innerhalb weniger Wochen etwas Neues gesucht. Immer mit der hintergründigen Angst, dass der dann doch wieder nicht bei mir bleibt. Hab vorsichtig agiert, taktiert und auch manipuliert, damit diese neue Beziehung hält. Gehalten hat keine. Ich glaube, weil ich nie gelernt hatte, alleine zu leben. Ich denke, wenn ich jetzt jemanden kennen lernen sollte, wird das anders. Ich kann gleichberechtigt und ohne Verlassenangst mit jemanden zusammen sein, weil ich weiß, dass ich alleine klarkommen kann.

    Muss mich nicht mehr verbiegen und meine eigenen Bedürfnisse ignorieren und verstecken. Nicht mehr dem Anderen nach dem Mund reden oder alles für ihn tun, nur damit er bei mir bleibt. Ich denke wirklich, dass es so eine Art Erwachsenwerden ist, was ich die letzten 20 Monate durchgemacht habe. Und es fühlt sich gut an.

    Dann werde ich mich jetzt mal ganz erwachsen und vernünftig auf den Weg ins Regenzimmer machen und mich anhübschen fürs Büro. Verrückt und kindlich kann ich dann heute Nachmittag durch den richtigen Regen tollen, der schon wieder an die Scheiben trommelt.

    Bis denne

    Ette