Hallo Ihr Lieben,
manchmal lese ich hier Worte, Sätze oder Sequenzen, die, nachdem ich den PC ausgeschaltet habe, sich in meinem Kopf zu verselbständigen scheinen. Denkprozesse kommen dann in Gang, die ohne das Lesen hier vielleicht gar nicht in mein Bewusstsein kämen.
Von Träumen hab ich gelesen, von Einstellungen und davon, wie ich selbst damit umgehen sollte oder manchmal auch muss. Ja, Träume sind etwas Wunderschönes, alles ist eine Frage der Einstellung – und eine Frage der Entscheidung, wie ich selbst damit umgehen möchte.
Ich hatte einen Traum von Zusammenleben, von Partnerschaft, von Beziehung, der irgendwann in Wodkaflaschen ertrunken ist. Das, was dabei an die Oberfläche kam, waren Dinge, die nur mich ganz alleine betrafen, aus meiner Geschichte resultierten, mir Ecken und Kanten anerzogen, angelernt hatten. „Er“ war nur derjenige, aufgrund dessen ich mich mit diesen meinen Ecken und Kanten nun auseinandersetze. Dazu musste ich akzeptieren, dass ich mit meiner Art dazu beigetragen habe, das System aufrecht zu erhalten. Und das hat er für sich dann eher erkannt als ich und dem Ganzen ein Ende bereitet. Mir erzählt, dass er nicht mit mir leben, jedoch den Kontakt mit mir nicht missen möchte und sich womöglich irgendwann in mich verliebt.
Geduldig hatte ich mich beschieden, meine Bedürfnisse zurückgestellt, um ihn nicht ganz zu verlieren. Jedes Mal, wenn ich ihn traf, darauf gewartet, vielleicht ein „Liebeszeichen“, einen Kuss, eine Berührung zu erhaschen – gewartet und gehofft, dass er mich irgendwann doch noch so liebt wie ich es mir erträumte. Schließlich hatten wir schon einige Jahre Gemeinsamkeit hinter uns gebracht, eine gewisse Vertrautheit aufgebaut, kannten unsere guten und weniger guten Seiten. Und brachten immer noch die ein oder andere Saite zum Klingen beim Anderen. Jedoch nicht so, wie ich mir das in einer Beziehung vorstellte. Ich musste auf dies oder jenes verzichten, mich bescheiden, wenn ich nicht den letzten Kontakt mit ihm auch noch verlieren wollte. Das hielt ich eine ganze Weile aus, hoffte auf die Erfüllung meines Traumes und vergaß während dieses Hoffens, dass mein Leben auch ohne diesen Traum wunderschön, vielfältig und zufrieden sein kann.
Den Traum von einem gleichberechtigten, gesunden Zusammenleben habe ich immer noch. Jedoch ohne die erzwungene Harmonie, die meine Bedürfnisse außen vor lässt, nur um mit jemandem zusammen zu sein, denn es heißt, wenn es schmerzt und zehrt und sehnt, ist es keine Liebe.
Inzwischen bin ich der Lage, alleine gut zurecht zu kommen. Und mir begegnen Zeichen von Liebe, ganz ohne mein Zutun. Ich bescheide mich nicht mehr, aber ich habe mich entschieden. Entschieden, so zu leben, wie es mir gut tut. Ohne Ansprüche und ohne Erwartungen an Andere, einfach das leben, was MIR gefällt. Und obwohl ich mir das nie vorstellen konnte, geht es mir gut damit. Ich genieße das, was mir freiwillig gegeben wird.
Erstaunlicherweise ist das ganz schön viel, wenn ich es so recht betrachte. Vielleicht hat sich aber auch nur mein Traum verändert. Selbstbestimmt, selbstbewusst, selbstreflektierend und mich in anderen Menschen spiegelnd, kann ich plötzlich ganz ohne Beziehungskiste zufrieden leben. Ich denke, dass das die Voraussetzung dafür ist, irgendwann auch wieder mit jemandem zusammen zu leben. Bedingungslose Liebe hab ich kennen gelernt.....wo ich sie nie erwartet hätte. Mein eigenes Leben in den Fokus zu nehmen, hat mich befähigt, die Menschen um mich herum sein zu lassen, wie sie sind. Wenn sich dann daraus etwas entwickelt, was meinem Traum vom Zusammenleben entspricht, wäre das einfach on top. Ansonsten bleibe ich lieber so wie ich bin, eine zufrieden träumende Singelin mit der Option zum Zusammenleben – irgendwann und irgendwie. Etwas, was ich ohne die Alkoholabhängigkeit meines Ex und seinem Loslassen von mir nie kennen und leben gelernt hätte. Denn dabei habe ich selbst gelernt, loszulassen und zufrieden damit zu leben.
LG
Ette