Beiträge von Ette

    Liebe Tihaso,

    jau, die Erkenntnis, welches unser eigener Anteil an dem ganzen System ist, ist immer wieder schmerzhaft. Und dass sich die Geschichten gleichen, hängt wohl damit zusammen, dass nasse Alkoholiker zu gerne den Wünschen ihres Umfeldes nachgeben, weil sie ein schlechtes Gewissen haben, dass sie trinken. Weil sie mit dem Nachgeben Nörgeleien aus dem Weg gehen und in Ruhe trinken können. Und - vielleicht mit all den Nörgeleien wieder ein Argument pro trinken haben.

    LG
    Ette

    Guten Morgen ihr alle Zusammen,

    heute morgen war mir beim Aufwachen ganz friedlich. Ich weiß gar nicht recht, warum. Aber es war ein schönes Gefühl, aufzuwachen und nicht träge und widerstrebend aus den Träumen aufzutauchen, sondern gleich wach und präsent zu sein.

    Als ich gerade hier las, dachte ich, dass ich vorsichtig sein müsse. Die Co- und Kontrollstrukturen machen sich schon wieder bemerkbar. Ich kann niemanden von etwas überzeugen, von dem ICH meine, dass es richtig sei. Wenn ich Wut und Unzufriedenheit lese, kann ich sie nur wahrnehmen. Verändern kann ich sie nicht. Dazu muss der oder die Wütende schon selbst sorgen in der angemessenen Zeit. Und die ist nun mal bei jedem unterschiedlich.

    Ich hätte lange Zeit jedem den Hals umdrehen mögen, der mich co-abhängig genannt hat, weil ich davon überzeugt war, es nicht zu sein. Pustekuchen! Augenwischerei meinerseits war es, weil ich den Fokus auf alles mögliche gerichtet habe, nur nicht auf das, auf das es ankam. Wie ein nasser Alki hatte ich für mein Verhalten immer wieder schlüssige Erklärungen, die meine Co-Abhängigkeit widerlegen sollten. Meine Aktivitäten, die Stückchen eigenes Leben, die ich mir so nach und nach erobert hatte und die Zeiten, in denen ich „meinen Alki“ provokativ links liegen ließ, sollten darlegen, dass ich alles andere als co bin. Aber sie waren nur im Außen. Im Innern, als ich irgendwann ehrlich mit mir umging, stellte ich fest, dass sie nur die Zeit überbrücken sollten, bis „er“ endlich so war, wie er für mich sein sollte.

    Inzwischen lass ich ihn längst sein, wie er ist. Mit dem Ergebnis, dass er Sachen mit mir unternimmt, von denen er weiß, dass ich sie mag und solche lässt, die er selbst nicht mag oder die nicht in seinen Zeitplan passen. Und ich kann zufrieden mit mir selber leben, ohne dass ich meine Energie dafür verschwende, zornig über die Tatsache zu sein, dass er nicht so „funktioniert“ wie ich es mir vorstelle. Entspannt und friedlich mein „Ding“ zu drehen und zu tun, weil meine eigenen Dinge und mein Umgehen damit, die einzigen sind, die ich kontrollieren und verändern kann.

    Und jetzt werde ich ganz entspannt ins „Regenzimmer“ tappern und mir die Reste der Nacht von der Haut duschen.

    Nicole : Vielen Dank für die Geburtstagswünsche.

    LG
    Ette

    Na Mädels,

    dann willkommen im Club! Ich wollt ihm damit seine Zukunftsängste nehmen.... hat aber auch nix genützt. Und vor allem... meine Vorstellung von Zukunft war letztendlich überhaupt nicht seine, obwohl ich es immer so sehen wollte.

    Und nu macht jeder sein Ding - und er macht das inzwischen ganz schön gut.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Ihr Lieben,

    nun beginnt sie also wieder, die neue Woche und sie wird sicherlich wieder sehr arbeitsreich. Im Gegensatz dazu habe ich mir ein „Cocooning-Wochenende“ gegönnt. Ganz, ganz viel geschlafen und nur das Allernotwendigste zu hause erledigt. Gelesen, nachgedacht und gestern Nachmittag, als die Sonne so herrlich golden nach draußen lockte, habe ich einen langen Spaziergang gemacht.

    Dabei bin ich auch einen klitzekleinen Weg zwischen Häusern und Gärten gegangen, den ich noch nie gegangen war. Beidseitig von Hecken war er eingerahmt und erstaunlicherweise war es dort sehr still, obwohl hinter den Hecken Häuser und Gärten liegen. Ich hatte fast das Gefühl, die Stille körperlich zu fühlen. Es war jedoch kein unangenehmes Gefühl. Im Gegenteil – als wäre ich selbst einer dieser Büsche, so kam ich mir vor. Lediglich der Wind strich sanft durchs Geäst und über meine Haut und das flammendrote Weinlaub wisperte mir etwas zu vom nahenden Winter. Die roten Beeren einer Eibenhecke leuchteten mir entgegen und der Duft von vergehendem Lauf wehte mir um die Nase. Ganz friedlich wurde mir dabei und ich fühlte mich auf eine sehr ruhige Art lebendig und als Teil von all dem, was da so wuchs.

    Dieser Tage hatte ich Geburtstag und habe, da ich sehr eingespannt bin zur Zeit, auf eine Feier verzichtet, weil sie mir zusätzlich Stress gemacht hätte. Dabei fand ich es schon erstaunlich, wer sich meldete oder nicht, wenn keine Feier ansteht, die an den Tag erinnert. Und doch hatten sich drei Menschen schon ganz früh am Morgen gemeldet. Der, den ich liebe, der, den ich schätze und der, den ich geboren habe, kurz die Menschen, die meinem Herzen am nächsten sind. Ich war zufrieden, so wie es war, denn ich habe mir den Tag so geschenkt, wie es für mich am angenehmsten war. Und habe dabei festgestellt, dass es mein erster Geburtstag war, an dem ich nicht melancholisch ans Älterwerden dachte und auf die große Überraschung wartete. Früher hatte ich an diesem Tag immer dasselbe Gefühl wie zu der Zeit, als ich Kind war. Ganz toll sollte er sein und alles sollte sich um mich drehen. Und trotzdem war ich immer ein wenig traurig und unzufrieden gewesen.

    Dieses Jahr habe ich den Tag so verbracht, wie es mir gut tat. Auch wenn das eine Form der Feier ist, die niemand von außen unbedingt nachvollziehen kann. Zufrieden war ich und glücklich darüber, dass ich ihn so erleben durfte. Vielleicht bin ich doch noch erwachsen geworden.

    LG
    Ette

    Hallo,

    Apfel , ich denke nicht, dass Vertrauen und Abhängigkeit nah beieinander liegen, denn das Vertrauen möchte ich da eher als Verdrängung oder Verleugnung bezeichnen. Wenn ich zurückdenke, dann habe ich ihm gern geglaubt. Denn hätte ich es nicht getan, hätte ich die Konsequenzen meiner Androhungen wahrmachen müssen, nämlich mich von ihm zu trennen. Und das erschien mir zu dem Zeitpunkt noch unerträglicher als die Tatsache, dass er trank.


    Was die ganze Geschichte mit der Kontrolle betrifft – nun, ich habe für mich festgestellt, dass sie im Zusammenleben mit einem Alkoholiker eskaliert, d. h. wir suchen Flaschen und Beweise dafür, dass er trinkt und lügt, uns womöglich sogar noch mit einer anderen Frau betrügt. Ich habe im Gegenzug aber auch bemerkt, dass mein Kontrollzwang schon vorher und auch danach noch da war. Nur hat er sich dann halt nicht auf das Trinken bezogen. Aber ICH wollte sagen, wo es lang geht, ICH war immer die „Bestimmerin“, denn auch das ist ein Form der Kontrolle.

    Die Aufgabe der Kontrolle, das mich einlassen können, habe ich diesen Sommer auf einem ganz, ganz anderem Gebiet erlebt. Und zwar beim Motorrad fahren. Früher, als ich verheiratet war, bin ich öfter als Sozia mit meinem damaligen Mann unterwegs gewesen. Ich hatte immer Angst dahinten drauf, denn ich machte mir ständig Gedanken darum, ob er denn die Maschine auch immer im Griff hätte und wir heil wieder nach hause kommen würden. Ich fühlte mich ausgeliefert, weil ich selbst bei der ganzen Geschichte nichts tun konnte. Trotzdem hätte ich es gern genossen, denn beim Motorrad fahren kann ich auch unheimlich schöne Eindrücke bekommen. Düfte, Schwerkraft, Geschwindigkeit, Vibrationen, Harmonie, Klänge, Wind und Wetter - ihr seht ich könnte rein ins Schwärmen kommen. Aber so richtig genossen habe ich all diese Eindrücke nie, erst in diesem Sommer.

    Ein Freund meinte, wir könnten doch mal zusammen losdüsen. Und was soll ich sagen? Obwohl er mir bei weitem nicht so vertraut ist wie es mein Ehemann war, konnte ich mich vollkommen entspannt auf die Fahrt einlassen. Für mich war dies wie ein Schlüsselerlebnis dafür, dass ich auf einem guten Weg bin. Die Aufgabe der Kontrolle ist für mich ein Zeichen von Vertrauen und ist dazu noch erleichternd, hilft mir Dinge zu genießen anstatt mein Erleben zu beschränken aufgrund der Angst, was passiert, wenn ich nicht eingreifen kann.

    LG
    Ette

    Spedi,

    du provozierst mich nicht, denn im Grunde sage ich nichts anderes als du. Unsere Kontrolle und unsere Stärke ist so eine Art Mimikry, hinter dem wir unsere Angst vor der eigenen Unzulänglichkeit verstecken. Und die Angst, die entstanden ist durch fehlendes Vertrauen. Ja, es ist sicherlich so etwas ähnliches wie eine Drohgebärde. Aber eine, die auf sehr schwankendem Boden steht, wie wir allzu oft erleben.

    Das Problem, und das sehe ich genau wie du, ist die mangelnde Bereitschaft, dies einzugestehen. Denn nur das Eingeständnis bringt uns in die Lage, diese Gefühle und die daraus resultierenden Verhaltensweisen zu verändern. Diese Veränderung hilft uns, den Co´s, uns abzugrenzen, den Fokus auf uns selbst zu lenken. Für den Anhängigen, vermute ich, hat das zur Folge, dass er uns nicht mehr zur grenzenlosen Unterstützung manipulieren kann. Er muss selbst die Verantwortung für seine Entscheidungen und sein Leben übernehmen. Kein Wunder, dass manche dann wütend reagieren. Denn dadurch nehmen wir ihnen einen Grund zum Trinken. So habe ich es jedenfalls empfunden.

    Mit der Kontrolle anderer Menschen hast du recht. Wir können sie und ihr Verhalten nicht kontrollieren, aber tun oft so als ob. So, wie wir unsere Kinder kontrollieren, dass sie ihre Hausaufgaben machen und ihre Zimmer aufräumen. Kein erwachsener Mensch lässt sich das gefallen, wenn er gesund ist. So wie du schreibst, hast du, als du getrunken hast, diese Strukturen zugelassen, weil sie dir neuerlichen Grund und Ruhe zum Trinken verschafft haben. Die Funktion dieses Systems, das Durchblicken und das Handeln, das dazu führt, es aufzubrechen, stellen für BEIDE die Chance zum Wachsen, zum eigenständigen, selbstbestimmten Leben dar.

    Und dieses daraus resultierende Wachsen schlägt sich auch in anderen Bereichen meines Lebens nieder. Ich muss nicht mehr alles drehen und tun. Ich kann die Kontrolle aufgeben und auf mich selbst achten und nicht nur auf das, was um mich herum geschieht. Denn mein eigenes Verhalten ist das einzige, das ich beeinflussen und verändern kann.

    LG
    Ette

    Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.... eine Redewendung, die bestimmt allen bekannt ist. Gerade in der Alkoholkrankheit spielt die Kontrolle eine Art Schlüsselrolle – für den Betroffenen als auch für den Angehörigen, bin ich der Meinung. Kontrolle ist aber noch viel mehr. Ich habe festgestellt, dass sie in meinem ganzen Leben immer eine große Rolle gespielt hat.

    Wenn ich selbst drehe und tue, dann habe ich die Kontrolle über das Verfahren, egal um welchen Bereich oder welche Menschen in meinem Umfeld es sich handelt. Kontrolle bringt mich in die Lage, böse Überraschungen, Unvorhergesehenes, Schmerzhaftes, Verlust, Verletzung, Verlassensein in Grenzen zu halten. In Grenzen, die mich vor unangenehmen Gefühlen bewahren sollen. Kontrolle ist das Gegenteil von Vertrauen.

    Ich glaube, dass gerade Menschen, die der Co-Abhängigkeit anheim fallen, ein großes Kontrollbedürfnis und eine Art „Urmisstrauen“ haben. Es sind meist nicht die Schwachen, die co-abhängig werden, so wie es aussieht. Stärke zeigen sie nach außen, bekommen alles auf die Reihe. Setzen ihre Stärke ein, um sich selbst zu schützen, indem sie handeln, bevor sie be-handelt werden. Ich glaube, hier wird Angst hinter der vordergründigen Stärke versteckt. Vielleicht, weil das Urvertrauen fehlt, dass auch ohne ihr Zutun alles seinen geregelten Gang gehen kann. Selbst zu drehen und zu tun, hat den Vorteil, sich nicht auf Andere verlassen zu müssen, denn wenn wir uns auf Andere verlassen, gehen wir das Risiko ein, verlassen, enttäuscht, verletzt zu werden. Vielleicht, weil wir es so erfahren haben – irgendwann...

    Wie geht es euch damit?

    Nachdenkliche Grüße
    Ette

    Hallo Innocent,

    die Wutausbrüche, weil niemand mehr unschuldig und unwissend nach ihrer Pfeife tanzt, die Entscheidung, ins Bett zu gehen oder wach zu bleiben, selbst getroffen werden muss. Niemand mehr den Resonanzboden für die eigene Unzufriedenheit bildet.

    Ist es dir wichtig, ob du der Böse bist oder nicht? Für sie ist es leichter, in dir den Bösen zu sehen als selbst etwas zu verändern. Ist es dir wichtig, dass sie begreift? Ist es nicht wichtiger, dass DU begreifst?

    Der Zug hat die alten Schienen verlassen und rumpelt nun erst einmal ohne führende Gleise dahin. Schwierig, schmerzhaft, aber alles ist schwierig, bevor du es kannst.

    Denk an Fähigkeiten, die du dir im Leben angeeignet hast. Selbst Rad fahren war ganz schön schwierig, bevor du gelernt hast, Balance zu halten, nachgiebig und ausgleichend auf die Schwankung des Rades zu reagieren. Ich bin dabei gefallen, hab mir die Knie aufgeschürft und die Arme. Und doch bin ich immer wieder aufgestiegen und irgendwann hat mein Körper gelernt und es sein Leben lang nicht mehr vergessen. Das halte ich mir vor Augen, wenn mal wieder ein schwieriger Tag mich in ein tiefes Loch fallen lässt. Alles ist schwer, bevor es leicht wird....

    LG
    Ette

    Guten Morgen Ihr Lieben,

    die letzten Tage hatte ich sehr viel tun, Stress, den ich nicht beeinflussen konnte und dem ich auch nicht aus dem Weg gehen konnte. Gestern Nachmittag habe ich mir dann einfach Ruhe gegönnt – dachte ich. Denn trotzdem ich mich körperlich entspannt habe, ging es in meinem Kopf drunter und drüber.

    Der Grund dafür? Ein Geschenk, das gestern mit der Post kam, und zwar ein Buch. Ein ganz besonderes Buch. Ich hatte es gleich begonnen zu lesen und konnte nicht aufhören, bis ich es nachts gegen halbeins durch hatte. Der Zauber dieses Buches lässt mich auch heute morgen nicht los. Mich selbst habe ich darin stellenweise wiedererkannt. Und am Ende bin ich sehr nachdenklich ins Land der Träume gereist, denn einer der letzten Sätze dieses Buches hat mich tief berührt. Zu gerne würde ich mich mit dem Menschen, der mir das Buch geschenkt hat, darüber unterhalten. Aber leider geht dies nicht. Allerdings habe ich wahrgenommen, dass auch dieser Mensch von dem Buch sehr beeindruckt war. Mir jedoch bleiben nur Spekulationen darüber, worin dieses sein beeindruckt sein besteht. Wenn es sein soll, wird sich die Gelegenheit dazu noch finden.


    @Ayki: Stimmt, der Mensch tut mir nicht gut, obwohl dies mal ganz anders war. Das Problem ist aber noch ein ganz anderes, weittragenderes. Und damit schlage ich mich zur Zeit herum. Ich habe in einer Gruppe etwas ausgesprochen, was kein anderer getan hat. Ich habe keinen Protest bekommen und keine Zustimmung – nur Schweigen. Nun bin ich gespannt, wie es weitergeht.

    Apfel : Bei Anderen sehe ich auch immer wieder co-abhängige Strukturen oder Dinge, die meiner Meinung nach nicht richtig laufen. Ich glaube, dass das nur allzu menschlich ist. Oft denke ich dann darüber nach, wie ich selbst reagiere, mit Situationen umgehe, denn die Grenzen sind fließend. Wenn ich wegschaue, ist es dann Ignoranz, Gleichgültigkeit oder ist es Toleranz dem Anderen gegenüber? Spreche ich jemanden auf sein Problem an oder lasse ich ihn machen, seine eigenen Erfahrungen, seinen eigenen Weg finden. Hilfe, um die ich gebeten werde, ist für mich okay, wenn sie meine eigenen Grenzen nicht überschreitet. Ich dränge sie jedoch nicht mehr auf, nehme alles einfach in die Hand und versuche zu machen und zu tun. Und ich sage, was ich wahrnehme, auch wenn es nicht immer gern gehört oder gelesen wird.

    Ich kann mir, genau wie du, schlecht vorstellen, dass Trockenheit den Rest des Lebens gelebt werden kann. Wahrscheinlich ist es eine lebenslange Arbeit, es zu bleiben. Genauso, wie ich immer wieder daran arbeiten muss, nicht wieder in co-abhängigen Strukturen zu denken und zu handeln.

    LG
    Ette

    Moin, moin,

    mein Co-Gespür, zur Zeit ist es wieder sehr präsent. Ein Mensch in meinem Umfeld benimmt sich in meinen Augen seltsam. Er bezeichnet sich als trocken, jedoch habe ich ein anderes Gefühl. Fragen nützt nichts, wie ich aus Erfahrung weiß. Nun stehe ich da, sorge mich und weiß, dass ich nichts bewegen kann. Von anderer Mensch hat mir bestätigt, dass ich im Bezug auf sein Trinken, das richtige Gespür hatte. Aber das muss ja dann in diesem Fall nicht auch so sein.

    Es ist im Moment ein ganz ungutes Gefühl, was mich beherrscht. Ich muss zusehen, wie etwas seltsam läuft und kann nichts bewegen. Ich kann den Menschen sogar verstehen, dass die Scham ihn vielleicht davon abhält, sich zu öffnen. Bin mir aber auch bewusst, dass ich vielleicht falsch liege. Das Loslassen des Etwas bewegen zu wollen, es ist immer noch eine Anstrengung, eine Geschichte, die ich rein vom Kopf her regeln muss. Wieder einmal Kopf gegen Bauch.....

    Ette, die sehr nachdenklich ist.

    Hallo Ihr Lieben,

    manchmal lese ich hier Worte, Sätze oder Sequenzen, die, nachdem ich den PC ausgeschaltet habe, sich in meinem Kopf zu verselbständigen scheinen. Denkprozesse kommen dann in Gang, die ohne das Lesen hier vielleicht gar nicht in mein Bewusstsein kämen.

    Von Träumen hab ich gelesen, von Einstellungen und davon, wie ich selbst damit umgehen sollte oder manchmal auch muss. Ja, Träume sind etwas Wunderschönes, alles ist eine Frage der Einstellung – und eine Frage der Entscheidung, wie ich selbst damit umgehen möchte.

    Ich hatte einen Traum von Zusammenleben, von Partnerschaft, von Beziehung, der irgendwann in Wodkaflaschen ertrunken ist. Das, was dabei an die Oberfläche kam, waren Dinge, die nur mich ganz alleine betrafen, aus meiner Geschichte resultierten, mir Ecken und Kanten anerzogen, angelernt hatten. „Er“ war nur derjenige, aufgrund dessen ich mich mit diesen meinen Ecken und Kanten nun auseinandersetze. Dazu musste ich akzeptieren, dass ich mit meiner Art dazu beigetragen habe, das System aufrecht zu erhalten. Und das hat er für sich dann eher erkannt als ich und dem Ganzen ein Ende bereitet. Mir erzählt, dass er nicht mit mir leben, jedoch den Kontakt mit mir nicht missen möchte und sich womöglich irgendwann in mich verliebt.

    Geduldig hatte ich mich beschieden, meine Bedürfnisse zurückgestellt, um ihn nicht ganz zu verlieren. Jedes Mal, wenn ich ihn traf, darauf gewartet, vielleicht ein „Liebeszeichen“, einen Kuss, eine Berührung zu erhaschen – gewartet und gehofft, dass er mich irgendwann doch noch so liebt wie ich es mir erträumte. Schließlich hatten wir schon einige Jahre Gemeinsamkeit hinter uns gebracht, eine gewisse Vertrautheit aufgebaut, kannten unsere guten und weniger guten Seiten. Und brachten immer noch die ein oder andere Saite zum Klingen beim Anderen. Jedoch nicht so, wie ich mir das in einer Beziehung vorstellte. Ich musste auf dies oder jenes verzichten, mich bescheiden, wenn ich nicht den letzten Kontakt mit ihm auch noch verlieren wollte. Das hielt ich eine ganze Weile aus, hoffte auf die Erfüllung meines Traumes und vergaß während dieses Hoffens, dass mein Leben auch ohne diesen Traum wunderschön, vielfältig und zufrieden sein kann.

    Den Traum von einem gleichberechtigten, gesunden Zusammenleben habe ich immer noch. Jedoch ohne die erzwungene Harmonie, die meine Bedürfnisse außen vor lässt, nur um mit jemandem zusammen zu sein, denn es heißt, wenn es schmerzt und zehrt und sehnt, ist es keine Liebe.

    Inzwischen bin ich der Lage, alleine gut zurecht zu kommen. Und mir begegnen Zeichen von Liebe, ganz ohne mein Zutun. Ich bescheide mich nicht mehr, aber ich habe mich entschieden. Entschieden, so zu leben, wie es mir gut tut. Ohne Ansprüche und ohne Erwartungen an Andere, einfach das leben, was MIR gefällt. Und obwohl ich mir das nie vorstellen konnte, geht es mir gut damit. Ich genieße das, was mir freiwillig gegeben wird.

    Erstaunlicherweise ist das ganz schön viel, wenn ich es so recht betrachte. Vielleicht hat sich aber auch nur mein Traum verändert. Selbstbestimmt, selbstbewusst, selbstreflektierend und mich in anderen Menschen spiegelnd, kann ich plötzlich ganz ohne Beziehungskiste zufrieden leben. Ich denke, dass das die Voraussetzung dafür ist, irgendwann auch wieder mit jemandem zusammen zu leben. Bedingungslose Liebe hab ich kennen gelernt.....wo ich sie nie erwartet hätte. Mein eigenes Leben in den Fokus zu nehmen, hat mich befähigt, die Menschen um mich herum sein zu lassen, wie sie sind. Wenn sich dann daraus etwas entwickelt, was meinem Traum vom Zusammenleben entspricht, wäre das einfach on top. Ansonsten bleibe ich lieber so wie ich bin, eine zufrieden träumende Singelin mit der Option zum Zusammenleben – irgendwann und irgendwie. Etwas, was ich ohne die Alkoholabhängigkeit meines Ex und seinem Loslassen von mir nie kennen und leben gelernt hätte. Denn dabei habe ich selbst gelernt, loszulassen und zufrieden damit zu leben.

    LG
    Ette

    Zitat von kaltblut

    Ist feinfühliges Beobachten und Erkennen weiter angesagt und was mache ich eigentlich damit? Was hat das jetzt noch mit Co und Alk zu tun? Gehört das noch hier hin? Alte Muster sind vorhanden, aber ist das noch Co? Warum muss ich noch was ändern, warum überhaupt noch darüber nachdenken? Ich bin wie ich bin oder doch nicht, weiter entwickeln, wachsen, wohin, wofür?

    Kalblütiger,
    weil weder der Alki gesund ist, nur weil er nicht mehr trinkt noch wir unser Co-Sein ablegen, nur weil der Andere trocken ist. Wir haben beide nur die Symptome beseitigt und nicht die Ursache der Krankheit. Deshalb geht es noch eine ganze Weile weiter und deshalb dauert es noch eine ganze Weile, bis wir wissen, wo es denn nun lang gehen soll. Ganz einfach....

    Ich wünsche dir einen guten Flug und komm gesund zurück.

    LG
    Ette

    ..und noch ein nachträglicher Gedanke:

    Andere Menschen als Spiegel sind hilfreich. Denn an Anderen sehen wir immer viel besser, was nicht richtig läuft oder wo Ansatzpunkte sind. Wenn wir das, was wir am Anderen als falsches oder zögerliches Handeln entdecken, auf uns selbst projezieren, können wir auch herausfinden, was bei uns selbst noch nicht so ganz rund läuft...

    meint die Ette

    Hallo Innocent,

    das „Vestrickungs-Buch“, ja, das hat mir auch die Augen geöffnet. Und dann gibt es da noch eins, das heißt „Wege aus der Abhängigkeit“ von Heinz-Peter Röhr und soll helfen, destruktive Beziehungen zu überwinden. Schließlich nennen wir unsere Abhängigkeit allzu gerne Liebe.

    Ich denke nämlich, und da gebe ich dem Kaltblütigen recht, dass es ein guter Weg ist, erst einmal zu definieren, was deine „Liebe“ im Grunde ist. Allzu oft verkleiden sich die Angst vorm Alleinsein, Verantwortungsbewusstsein, das gute Gefühl des Gebrauchtwerdens und natürlich das Versprechen „bis dass der Tod uns scheidet“ als Liebe. Auch die Angst vor der Veränderung oder die Unbequemlichkeit, die solch eine Veränderung mit sich bringt, werden gern hinter der Liebe versteckt.

    Manchmal muss man einfach mehrmals ein- und auspacken, bevor man die richtigen Gefühle hinter der ach so großen Liebe zu packen bekommt. Schließlich ist auch das Eingeständnis der versteckten, verkleideten Gefühle nicht unbedingt bequem und angenehm. Es erfordert eine große Ehrlichkeit sich selbst und seinen eigenen Ängsten und Fehlern gegenüber. Und – da hast du recht – es ist ein recht zäher Prozess, der da in Gang kommen muss. Aber das Ergebnis lohnt den Aufwand. Jedenfalls ist das mein Empfinden.

    LG
    Ette

    Guten Morgen,

    und recht vielen Dank Smilla und frau. Smilla, ja, das von Hesse meinte ich und konnte es, Dank deiner Hilfe, auch wieder finden. Das Gedicht von Möhrike finde ich auch sehr schön, frau. Bestimmt hat er es an einem Tag wie gestern geschrieben.

    Dabei fiel mir auf, dass ich mir zwar immer wieder Bücher kaufe, aber ganz wenige mit Gedichten habe. Noch immer ist in meinem Hinterkopf, dass das etwas ist, was nicht unbedingt erforderlich ist, nicht vernünftig. Dabei bin ich manchmal alles andere als vernünftig.

    Frau, ich denke, dass es nicht schlimm ist, dass das Gedicht nicht mit Alkoholabhängigkeit zu tun hat. Schließlich beherrscht diese Krankheit unser aller Leben viel zu sehr. Da ist es ganz gut, sich auch mit ganz anderen, schönen und angenehmen Sachen zu beschäftigen. Die, die vielleicht auch unvernünftig sind.

    Vor allem in Augenblicken von großer Freude ist mir Vernunft ganz egal. Da war ich doch gestern in einer Situation, dass mir etwas begegnet, mit dem ich gar nicht mehr gerechnet hatte, weil mir mein Kopfkino einen anderen Film präsentiert hatte. Und schwupps, machten sich meine Hände selbständig. Ohne groß darüber nachzudenken, taten sie etwas, was ich mir so rein vom Kopf her vorgenommen hatte, nicht mehr zu tun. Als unvernünftig hatte ich es für mich eingestuft. Das Fühlen darüber war aber ganz anders, als das, was mein Kopf beschlossen hatte. Später dann, beim Einschlafen, ging mir das durch den Kopf. Und ich war froh, dass ich nicht nur immer vernünftig handle, sondern auch meinem Fühlen, dem Unbewussten, auch Raum lasse. Schließlich zeigen sich doch im Unbewussten meine Bedürfnisse, das was ich mir wünsche, was ich mag.

    LG
    Ette

    Moin, moin,

    heute ist das Haus, in dem ich wohne, wieder vollends wie in Watte gepackt. Wenn ich auf den Balkon trete, fühle ich mich wie in einer Wolke. Gestern morgen war es ähnlich und als ich zum Laufen ging, legte sich der Nebel wie ein feiner, kühler Schleier auf mein Gesicht. Ganz still war es, als ob der Nebel alle Geräusche dämpft. Es gibt darüber auch ein Gedicht. Aber mir fällt nicht ein, von wem es ist, dass ich es suchen könnte. Na, irgendwann finde ich es wieder.

    Bedauerlicherweise kann ich heute nicht laufen, weil ich eine Verletzung am Fuß habe. Nun muss ich also mindestens bis Mittwoch eine Trainingspause einlegen. Seltsam, ich hätte vor einem halben Jahr nicht gedacht, dass mir das irgendwann fehlen würde.

    Der Nebel draußen hat inzwischen ein strahlendes Weiß angenommen, weil die Sonne scheint. Bald wird sie ihn vertrieben haben und es wird wieder einer von diesen herrlichen goldenen Oktobertagen, die nach Laub riechen und den Himmel in durchsichtigem Blau über alles wölben. Ein wenig Melancholie liegt dann im Sonnenschein, der die sommerliche Kraft und Hitze verloren hat. Und auch die Bäume, die sich wie für das Grande Finale jeden Tag ein wenig bunter zeigen und feurig aufleuchten, bevor sie nackt und trostlos ihre Zweige in den grauen Novemberhimmel strecken, erzählen schon von der dunklen Jahreszeit.

    In Rilkes Herbsttag heißt es, wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr, wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben. Seltsamerweise habe ich zur Zeit wenig Bedenken und Befürchtungen vor dem Grau des Novembers und den langen Winterabenden, die in absehbarer Zeit folgen werden. Vielleicht weil ich mein „Haus“ bestellt habe, ich weiß, dass ich zwar alleine bin, aber nicht einsam. Im Sommer bin ich eher nach draußen orientiert, sodass viele Dinge liegen bleiben, die mir auch Freude bereiten und mit denen ich mich dann, wenn nichts mehr nach draußen lockt, endlich wieder beschäftigen kann.

    Langsam fange ich schon an, Backzutaten zu bevorraten, um dann, wenn die Lust mich überfällt, Kekse zu backen. Wahrscheinlich wird so mancher in den Genuss dieser meiner „Wohlfühltätigkeit“ kommen, denn alleine kann ich sie gar nicht alle aufessen. Aber ich liebe den Duft, der dann die Wohnung durchzieht und freue mich am Ergebnis, dass nach getaner Arbeit, von verführerischen Aromen umhüllt, vor mir liegt. Aber noch gibt es draußen genug zu erleben. Deshalb mach ich mich jetzt davon....

    LG
    Ette

    Hallo Rebekka,

    am Anfang des Jahres ging es mir ziemlich mies, deshalb hatte ich mich hier angemeldet. Selbst nach inzwischen eineinhalb Jahren ohne ihn, überkam mich damals dieses unheimlich heftige Sehnen nach ihm und ich konnte nicht verstehen, dass es nicht klappte mit uns beiden. Ich suchte hier Erklärungen für sein Verhalten. Dabei habe ich jedoch eine ganze mehr über mich selber erfahren. Und das hat bewirkt, dass ich nun besser und zufriedener leben kann.

    Ich hatte das Gefühl, dass mit seinem Ent- und Auszug nur das Symptom meiner „Krankheit“, der Co-Abhängigkeit, weg war, nicht aber die Ursache dafür geheilt sei. Also hieß es für mich, weiter an mir zu arbeiten. Und dafür ist so eine virtuelle SHG gut. Besser sogar noch als eine reale. Denn ich habe festgestellt, dass hier die Menschen, in der Anonymität, offener schreiben als sie in der Realität reden. Zudem denke ich, dass Gruppenarbeit auch ein Geben und Nehmen ist. Wenn ich nur in die Gruppe gehe, bzw. hier schreibe, wenn es mir schlecht geht, ich mir Trost und Unterstützung hole, dann sollte ich auch dann, wenn es mir wieder besser geht, die Anderen daran teilhaben lassen.

    LG und alles Gute
    Ette

    Moin, moin,

    manche Tage sind schon gebraucht, kaum dass ich aufgestanden bin. Gestern war so einer. 12 Stunden im Büro, weil alles, was schief gehen kann, schief gegangen ist. Verrückt, wie ein Mist den nächsten nach sich zieht. Es fiel mir sehr, sehr schwer, dabei ruhig und gelassen zu bleiben. Am Abend dann hatte ich zu nichts mehr Energie, als mich einfach ins Bett und vor den Fernseher zu werfen. Aber ich denke, dass es halt auch solche Tage geben muss. Heute ist bestimmt ein besserer.

    Allerdings fällt es mir an so einem Tag sehr schwer, einen schönen Moment zu sehen. Trotzdem hatte ich tief in mir drin ein warmes Gefühl. Vielleicht weil mich heute Abend als erster meine Rose in der Küche begrüßte. Ach, da fällt mir ein.... es gab ja doch schöne Momente gestern. Ich habe festgestellt, dass ich bei all den schrägen Sachen, die passiert sind, doch noch lachen konnte. Und dass ich eine sichere Wärme in mir spürte, obwohl mein Umfeld alles andere als sicher und behaglich erschien.

    Für das Wochenende habe ich ein paar ganz schöne Sachen vor, sodass ich bestimmt für die nicht so schönen Situationen in der Woche entschädigt werde. Jedenfalls habe ich dafür gesorgt, dass es mir am Wochenende besser geht als in der Woche. Allerdings hätte ich heute morgen gerne noch ein wenig länger geschlafen. Aber morgen, morgen schlafe ich aus.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Ayki,

    also.... abends, kurz vor 22 Uhr, da darf frau durchaus mal etwas antriebslos sein, denke ich. Ich hoffe, dass du eine gute Nacht hattest und dich heute morgen besser fühlst.

    Mach doch gleich mal das Fenster auf! Vielleicht lärmen bei dir draußen auch die Amseln so wie hier. Die hören sich richtig lebensfroh an, das macht mir selbst auch so ein lebendiges Gefühl. Vielleicht funktioniert es bei dir ja auch.

    LG
    Ette

    Zitat von rebekka

    ...wer weiss, wofür es gut ist. möchte daran glauben, dass alles irgendwie sinn macht.

    Guten Morgen Rebekka,

    ich kann dir nur schreiben, wie ich es empfinde, so im Rückblick, mit einem alkoholkranken Mann gelebt zu haben. Inzwischen sage ich, dass es Sinn gemacht hat. Nämlich diesen, dass ich mich mit meinen eigenen Unsicherheiten und Ängsten ohne die Krankheit von ihm nie so auseinandergesetzt hätte, mich nicht weiterentwickelt hätte. In einem funktionierenden Umfeld hätte ich da sicherlich keine Veranlassung dazu gesehen.

    Dass ich dadurch souveräner, selbstsicherer geworden bin, macht sich jedoch in allen Bereichen bemerkbar und ist somit ein Gewinn für mich. Das hätte ich in der Zeit, als ich genauso hilflos, verwirrt und voll dieser zehrenden Liebe war wie Viele hier, niemals gedacht.

    Ich drück dir die Daumen, dass du Ähnliches auch irgendwann für dich sagen kannst.

    LG
    Ette