Hallo allerseits,
puuhhh, gestern war ja wohl ein Tag! Ich hatte ein Gespräch, vor dem ich schrecklich aufgeregt war, obwohl ich letztendlich nichts dabei zu verlieren hatte. Ohne Frühstück, mit Herzklopfen und in Gedanken ständig Sätze formulierend, saß ich im Bus, der endlos für die ansonsten recht kurze Strecke zu brauchen schien.
Endlich angekommen, musste ich auf dem Weg in den fünften Stock unbedingt noch eine kleine Kaffeepause einlegen und natürlich, eine Zigarette rauchen, bevor es dann endlich soweit war. Und was soll ich sagen? Ich saß in diesem Besprechungszimmer und war die Ruhe selbst! Verrückt! Ich konnte einfach darüber reden, was meine Beweggründe für dieses Gespräch waren, was ich erwarte, was ich mir vorstelle, was ich mir wünsche. Das Ende vom Lied? Nicht das, was ich mir erhofft hatte, mit realistischem Kopf aufgrund angeordneter „Personaleindampfung“ (fürchterliches Wort) aber nachvollziehen kann. Nein, mir wurde etwas ganz anderes angetragen. Schließlich „braucht das Haus genau solche Mitarbeiterinnen wie Sie, Frau Ette“. Na, da muss ich jetzt erst einmal darüber nachdenken, ob das auch das ist, was ICH brauche. Nur mit schönen Worten lasse ich mich nicht dahin locken, wo ich im Grunde nicht hin will. Also ist wieder einmal Nachdenken angesagt.
Aber – als ich da raus kam und mir erst mal ein knuspriges Frühstücksbrötchen einverleibte, war ich mindestens drei Meter groß. Vor zwei, drei Jahren hätte ich um dieses Gespräch gar nicht erst gebeten, weil ich gedacht hätte, die halten mich einfach nur für verrückt, wenn ich denen von meinem Lebenstraum erzähle.
Und am Abend konnte ich vollkommen zufrieden, auch wenn überhaupt nichts entschieden ist, nach Hause kommen und mich über den Tag freuen. Grenzenlos dankbar noch dazu, denn in der Zeitung hatte ich am gleichen Tag die Todesanzeige einer Frau gelesen. Die ich zwar nur vom Sehen kannte, jedoch kenne ich ihre Tochter und bin mit ihren Exmann befreundet. Und sie ist kaum ein Jahr älter geworden, als ich jetzt bin. Das hat mir wieder ganz bewusst gemacht, dass jeder Tag, den ich lebe, egal wie, so kostbar ist, dass es nichts Wichtigeres gibt, als jeden zu leben, als wäre er der letzte. Ohne Kompromisse.
LG
Ette