Rückfall, aber nicht ins Trinken

  • Moin, moin,

    sammy : mein innerer Waldi hat sich die letzten zwei Tage als sehr durchsetzungstark gezeigt. Folglich nimm dir lieber kein Beispiel an meiner sportlichen Energie.

    @elle: ne, ne, ich will nix hertrommeln. Entweder kommt er freiwillig oder bleibt in der Wüste verschollen. Ich halte es da mit Katja.... und summe so vor mich hin.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Guten Morgen allerseits,

    ....irgend etwas fehlt, alles so merkwürdig ruhig....

    dieses Satzfragment ist mir vor kurzem begegnet und die letzten zwei Tag immer wieder durch den Kopf gegangen. Es hat mich erinnern lassen an die Anfangszeit, als ich begann, mich mit meiner Co-Abhängigkeit mehr und mehr auseinander zu setzen. Ich weiß nicht, wie es euch ging oder geht, aber es war ja eigentlich immer etwas los. Entweder schlecht drauf, getrunken, Zoff, Schuldzuweisungen, Verwürfe, Verbohrtheit, endlos sich wiederholende Diskussionen. Vereinbarungen, die nicht eingehalten wurden, Dinge, die plötzlich wieder auf den Kopf gestellt waren und all die bösen äußeren Umstände, die „ihm“ und damit mir das Leben schwer machten.

    Ja, dann kam damals, in der ersten Zeit allein, bei mir auch dieses Gefühl, dass es merkwürdig ruhig sei, als würde etwas fehlen, in mein Bewusstsein. Folglich kann ich diese Worte, dort ganz oben, sehr gut nachempfinden. Inzwischen ist mein Leben ruhig, nicht langweilig, nicht öde und alles andere als unausgefüllt. Aber ruhig. Trotz all der Kurzweil, der verschiedene Interessen, der Arbeit und der Menschen, die mir etwas bedeuten. Kleine Alltäglichkeiten, Pflichten, Ziele, Pläne, Wünsche, Vorstellungen, Träume, sie sind Teile meines Lebens, die mir trotz ihrer Vielfältigkeit die Ruhe nicht nehmen.

    Menschen sind mir vor allem wichtig, aber nicht mehr so, dass ich darüber mich vergesse. Es gibt die täglichen Kontakte mit den Kollegen, mit Kunden, Bekannten, wenigen, weil handverlesenen, Freunden. Manche Menschen sehe ich, manche höre ich und manche lese ich. So wie Elle, die immer noch ein Wort zum Abend für uns hat. Oder die Gruppenstunde meiner realen SHG, die mich manchmal fast bis an mein Zickentum bringt, weil ich dort oftmals Ignoranz, Nehmerqualitäten, Konsumverhalten und Oberflächlichkeit feststelle und mich dann das „Seinlassen“ an meine Grenzen bringt. Aber auch wunderschöne Abend- oder Morgengespräche, einfach mal so, die mir zeigen, dass irgendwo Gedanken sind, die meinen gleichen und mich ein tiefes Verständnis fühlen lassen im Dialog.

    Ein Verständnis, das mir die Gewissheit gibt, dass ich auf einem guten Weg bin und alles seinen Sinn hat. Friedvoll, liebevoll.... überwältig von Glück.... leicht abgewandelt nach Grönemeyer, fühle ich mich dann. Liebestoll möchte ich nämlich nicht mehr sein, weil ich das ruhige Verständnis als sehr viel tiefer, näher empfinde, als es mir jedes Himmelhochjauchzend – zu Tode betrübt jemals war.

    Wenn ich mir hier dann durchlese, was hier im Forum geschrieben wird. Die Aufregungen, die Belastungen, die Ängste, die Wirrnisse, bis es zu Entscheidungen kommt, dann bin ich ganz zufrieden mit mir selbst und meinem Leben und zwar ohne Selbstzufriedenheit. Nur dankbar.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hallo Elle,

    danke für deine Anregung, darüber nachzudenken, ob mir etwas fehlt. Wenn du Platons Theorie von der Liebe zugrunde legst, nach der jeder eine zweite Hälfte hat, die ihm durch den Zorn der Götter verloren ging, dann hast du recht. Ich lebe alleine, ohne Partner, meine zweite Hälfte ist noch irgendwo da draußen. Es gibt sie, das weiß ich, aber ich werde sie nur finden, wenn sie mit sich und ich mit mir im Reinen bin. Davon bin ich überzeugt.

    Vielleicht schließt du wirklich von dir auf andere. Denn ansonsten fehlt mir nichts. Zeit, in der ich alleine bin, kann ich genießen und Einsamkeit ist für mich nicht wirklich ein Thema. Ich fühle mich nicht einsam. Die vergangenen zwei Tage habe ich ganz bewusst alleine verbracht, ohne Termine, ohne Verabredungen und habe einfach nur genossen, sie völlig nach meinen ganz eigenen Bedürfnissen zu verbringen. Es waren zwei sehr entspannte, befriedigende, ausgefüllte Tage.

    Wenn ich aber lese, was du schreibst, dann frage ich mich, warum dein eigener Thread verwaist ist. Von dir lese ich bei allen möglichen Leuten aufmunternde Sätze, Trost, launige Scherze und Formulierungen, die locker auf ein recht zufriedenes Leben schließen lassen könnten. Ich lese jedoch zwischen deinen Zeilen, dass du dich wohl manchmal einsam fühlst. Ich habe es bisher aber nirgends explizit formuliert lesen können.

    Ich habe für mich entdeckt, dass es mir hilft, alle möglichen Gefühlslagen zu formulieren, um sie besser annehmen zu können und dadurch zu lernen, mit ihnen umzugehen. Hier habe ich eine Plattform dafür. Wo du gefühlsmäßig stehst, kann ich schlecht nachvollziehen. Du schreibst wenig von dir selbst, von deiner jetzigen Situation.

    Das Forum hier ist meiner Meinung nach sogar noch besser als meine reale SHG dazu geeignet. Hier setze ich mich mit meinen Gedanken und Gefühlen ganz anders auseinander, weil ich sie aufschreibe. Das ist für mich noch klärender als Gespräche. Aus der SHG kenne ich aber auch die Tatsache, dass es Ratschläge und Aufmunterungen für Andere gibt und mancher dahinter sein eigenes Gefühlsleben versteckt, dass mehr im und durch den Anderen gelebt wird. Auch noch Jahre, nachdem ein Partner trocken ist. Und mir begegnen immer wieder ganz schlüssige Begründungen, warum das so ist und sein muss und die, natürlich, in den Umständen liegen.

    So, und jetzt geh ich duschen, damit ich schnell ins Büro komme.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hallo allerseits,

    puuhhh, gestern war ja wohl ein Tag! Ich hatte ein Gespräch, vor dem ich schrecklich aufgeregt war, obwohl ich letztendlich nichts dabei zu verlieren hatte. Ohne Frühstück, mit Herzklopfen und in Gedanken ständig Sätze formulierend, saß ich im Bus, der endlos für die ansonsten recht kurze Strecke zu brauchen schien.

    Endlich angekommen, musste ich auf dem Weg in den fünften Stock unbedingt noch eine kleine Kaffeepause einlegen und natürlich, eine Zigarette rauchen, bevor es dann endlich soweit war. Und was soll ich sagen? Ich saß in diesem Besprechungszimmer und war die Ruhe selbst! Verrückt! Ich konnte einfach darüber reden, was meine Beweggründe für dieses Gespräch waren, was ich erwarte, was ich mir vorstelle, was ich mir wünsche. Das Ende vom Lied? Nicht das, was ich mir erhofft hatte, mit realistischem Kopf aufgrund angeordneter „Personaleindampfung“ (fürchterliches Wort) aber nachvollziehen kann. Nein, mir wurde etwas ganz anderes angetragen. Schließlich „braucht das Haus genau solche Mitarbeiterinnen wie Sie, Frau Ette“. Na, da muss ich jetzt erst einmal darüber nachdenken, ob das auch das ist, was ICH brauche. Nur mit schönen Worten lasse ich mich nicht dahin locken, wo ich im Grunde nicht hin will. Also ist wieder einmal Nachdenken angesagt.

    Aber – als ich da raus kam und mir erst mal ein knuspriges Frühstücksbrötchen einverleibte, war ich mindestens drei Meter groß. Vor zwei, drei Jahren hätte ich um dieses Gespräch gar nicht erst gebeten, weil ich gedacht hätte, die halten mich einfach nur für verrückt, wenn ich denen von meinem Lebenstraum erzähle.

    Und am Abend konnte ich vollkommen zufrieden, auch wenn überhaupt nichts entschieden ist, nach Hause kommen und mich über den Tag freuen. Grenzenlos dankbar noch dazu, denn in der Zeitung hatte ich am gleichen Tag die Todesanzeige einer Frau gelesen. Die ich zwar nur vom Sehen kannte, jedoch kenne ich ihre Tochter und bin mit ihren Exmann befreundet. Und sie ist kaum ein Jahr älter geworden, als ich jetzt bin. Das hat mir wieder ganz bewusst gemacht, dass jeder Tag, den ich lebe, egal wie, so kostbar ist, dass es nichts Wichtigeres gibt, als jeden zu leben, als wäre er der letzte. Ohne Kompromisse.


    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Guten Morgen allerseits,

    in meinem Kopf rädert es nach diesem Gespräch am Dienstag. Ist das, was ich bekommen kann, das was ich möchte? Möchte ich mit einem Kompromiss leben? Gebe ich mich mit etwas zufrieden, was zwar mehr ist als ich bisher hatte, aber nicht das, was ich möchte? Oder sage ich, lieber warte ich noch und irgendwann wird der Zeitpunkt da sein, dass ich das bekomme, was ich will?

    Ich habe klar formuliert, was ich möchte, mir vorstelle und mein Gegenüber hat mir gesagt, was er bereit ist, zu geben. Ich habe sehr positive Rückmeldung bekommen, aber ich kann nicht das bekommen, was ich mir vorstelle. Dafür hätte mein Gegenüber bestimmte Vorteile aus meinem Engagement, aus meinem „Sein“. Also ist es nun meine Entscheidung, ob ich das Angebot annehme, den Kompromiss eingehe oder nicht. Ich denke, meine Entscheidung steht so gut wie fest. Aber ich werde noch einmal „drüber laufen“. Denn beim Laufen bewegt sich nicht nur mein Körper, sondern auch meine Gedanken und Gefühle.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
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  • Guten Morgen allerseits,

    gestern habe ich einen „Co-Notfall“ in der Realität erlebt. Völlig aufgelöst, ständig wiederholend, dass sie ihn liebt, dass sie sich von ihm menschenunwürdig und ungerecht behandelt fühlt. Letztendlich stellte sich heraus, dass sie nur einen Weg suchte, ihm zu helfen, ihn zu halten. Eine Stunde lang war „er“ Gesprächsthema. Kein Gedanke daran, was sie für sich tun wollte, damit es ihr wieder besser ging. Ihre Gedanken schienen nur um ihn zu kreisen, so wie die Gedanken eines Alkis auf Entzug um die Flasche kreisen.

    Er solle ausziehen, ungerecht wäre es, wenn sie dies tun müsse. Er sollte tun, damit es ihr wieder besser ginge. Ich konnte ihre Gefühl sehr gut nachvollziehen. All meine damalige Verzweiflung, mein Empfinden des Betrogen seins, meine Machtlosigkeit, all das war wieder da. Ich sah mich in all meiner Abhängigkeit, meines nicht mehr vorhanden Selbsterhaltungstriebes vor mir sitzen.

    Im Laufe dieser Stunde wurde ich innerlich immer wütender. Und danach stellte ich fest, dass ich gar nicht auf sie wütend war. Ich merkte, dass mir da ein Spiegel vorgehalten wurde. Genauso aufgelöst und mit dem Ansatz, ich muss doch irgendwie helfen können, er muss es doch irgendwie einsehen, dass es mit uns nur klappt, wenn er seine Abhängigkeit an die Seite stellt. Mich selbst und die Tatsache der Machtlosigkeit ignorierend.

    Und es hat mich im Nachhinein auf mich selbst wütend gemacht, dass ich mich zu der Zeit so wenig geachtet, für mich gesorgt habe, mich schlicht und ergreifend vernachlässigt hatte. In all meiner Verzweiflung damals mich immer noch an die zweite Stelle gesetzt hatte und nur ihn in den Fokus nahm. Letztendlich jedoch auch ein Beispiel dafür, wie ich nie wieder mit mir umgehen möchte.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
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  • Hallo allerseits,

    draußen dämmert es schon mächtig und doch dringt noch angenehm temperierte Luft durch das Fenster. Es riecht nach Laub und Herbst und dieser Maler, Herr Herbst heißt er wohl, war schon mit dem Farbeimer unterwegs, um hier und da rotgoldene Kleckse ins Laub zu pinseln.

    Heute morgen, für mich schon relativ spät, aber für die meisten Menschen wohl recht früh am Sonntag, hatte ich mich zum Frühstück in einem Straßencafe verabredet. Büffet – essen satt und Sonne ebenfalls. Fast menschenleer war es noch, als wir ankamen und wir konnten uns das sonnigste Plätzchen aussuchen. Nach einem opulenten Frühstück, das sich bestimmt über zwei Stunden hinzog, noch ein kleiner Bummel durch die Stadt und dann wieder gemächlich mit dem Bus nach hause.

    Einige Stunden dem süßen Nichtstun gefrönt, fleißig unliebsame Hausarbeit verrichtet und konsequent den inneren Waldi Gassi geführt, im Laufschritt. Ein ausgefüllter, zufriedener Tag, der mich für die Woche stärkt, die morgen ganz aufregend beginnt.

    Vorhin, beim Laufen, ist mir aufgefallen, dass ich früher selten solche Tage hatte. Und wenn, dann hatten sie immer damit zu tun, dass mein Ex gut drauf war. So ganz normale Tage, ohne große Unternehmungen, die einfach nur schön und angenehm waren, gab es zu der Zeit selten. Aufregungen, therapeutisch angehauchte Gespräche, Berg- und Talfahrten und nur dazwischen ein, zwei Tage Atem holen, wenn er sich zusammennahm. Da geht es mir jetzt richtig gut, finde ich.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
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  • Moin, moin,

    die zwei letzten Tage waren mit solcher Arbeit gefüllt, wie ich sie mir wünsche. Der erste war hart, weil ungewohnt. Der zweite schon deutlich routinierter. Faszinierend, wie unterschiedlich Menschen sind und wie sie ihre Gefühl hinter Arroganz zu verbergen suchen oder, obwohl richtig gut agiert, dann in Tränen ausbrechen. Diese zwei Tage haben mir gezeigt, dass die Arbeit mit Menschen das ist, was ich machen möchte. Nun muss ich nur noch sehen, wie sich doch vielleicht noch ein Weg findet, dies auch zu leben. Dazu muss ich mir noch Zeit lassen, etliches lernen, an mir arbeiten. Und darauf bauen, dass sich eine Möglichkeit finden wird, wenn ich darauf vertraue.

    Nachts das Rauschen des Regens, das immer wieder in meine Träume drang und mir Gedanken ins Bewusstsein rief, die ich nicht mehr denken will. Tagsüber zwischen den Terminen bei Bikerwetter über Bikerstraßen fahren, mich über Landschaft und Sonne freuend, die, ganz unverhofft, auch den zweiten Tag überstrahlte, obwohl die Wetterfrösche anderes vorhergequakt hatten.

    Stolz war ich und müde, als ich wieder zuhause war. An der Stille und am Gewohnten habe ich mich gefreut nach zwei Tage, in denen ich kaum zum Nachdenken kam. Meine Gedanken haben sich jedoch trotzdem ihren Weg gebahnt, indem ich gestern morgen ganz früh wach und ausgeschlafen war und somit Zeit war, die Gedanken wandern zu lassen.

    Auf dem Nachhauseweg war ich noch am Schwanken, ob ich gleich noch einen Termin wahrnehmen wollte, der für Dienstagabend angedacht war. Jedoch habe ich auf mein Gefühl gehört und meinem Ruhebedürfnis nachgegeben, mich in die Stille meiner vier Wände zurückgezogen. Wobei – es war auch ein klein wenig Bedauern dabei, dass niemand mich hier erwartete und ich all meine Eindrücke ganz frisch erzählen konnte. Aber das wird sich heute sicherlich noch ergeben.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Guten Morgen,

    endlich ist er ohne Regen, dieser Morgen. In den letzten Tagen rauschte er unaufhörlich und drückte auf meine Stimmung. Grau und trüb wie der Himmel zeigte sich auch meine Seele. Nachdenklich, als ob sie Atem holen wollte vor den nächsten Schritten. Die Gedanken gehen in alle möglichen Richtungen und haben doch ein paar Fixpunkte, die nicht in Frage gestellt werden. Ein kleines Büchlein ist mir wieder in die Hände gefallen, das ich schon fast vergessen hatte. Bestellungen beim Universum heißt es und ich habe es mir in einer Situation gekauft, als ich mich so stark fühlte, dass alles möglich zu sein schien. Inzwischen haben sich manche Möglichkeiten als zu schwer für mich erwiesen. Trotzdem halte ich an dem Glauben fest, dass das Universum, meine höhere Macht oder wie immer das heißen mag, was unser Leben lenkt, mir die richtigen Impulse zur richtigen Zeit senden wird, damit das wahr wird, was gut für mich ist.

    Die Bestellung, die ich aufgegeben hatte vor einiger Zeit - ich habe sie nicht storniert, meine Entscheidung dafür nicht revidiert. Heute morgen ist mir plötzlich ganz bewusste geworden, dass ich davon ausgehe, dass irgendwann „geliefert“ wird. Und bis zu diesem „Liefertermin“ werde ich all das tun, was erforderlich ist, dass mein Leben rund läuft und es soweit als möglich selbstbestimmt leben.

    Dieser Tage habe ich mich mit meiner Rolle als Frau auseinandergesetzt, Gedanken dazu einfach kommen lassen und schriftlich fixiert. Danach stellte ich fest, dass ein ganzes Teil meiner alten Überzeugungen nicht mehr relevant sind. Dass sich neue Erfahrungen über die alten gelegt haben und wirken. Dass anerzogene Überzeugungen, die mich wie ein dicker grauer Umhang einhüllten und bremsten, abgelegt wurden und ich leichter, unbeschwerter in meinem Leben agieren kann. Allerdings muss ich mir ab und zu die Zeit nehmen, dies bewusst wahrzunehmen, genau hinzugucken und innehalten, Atem holen vor den nächsten Schritten.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hi Ette,

    Zitat

    Die Bestellung, die ich aufgegeben hatte vor einiger Zeit


    Bin nicht mehr so ganz auf dem Laufenden, aber eine Frage habe ich: "Bestellung vom Universum"?

    Zitat

    Dieser Tage habe ich mich mit meiner Rolle als Frau auseinandergesetzt,


    Genau das sollte ich in der Kur machen, leider ist das Einzelgespräch dafür ausgefallen, weil die Therapeutin krank wurde. Ich habe auch genauso wie du neue Erfahrungen über die alten gelegt. Diese wirken aber noch nicht. Ich sollte einen Baum malen, und mir gleichzeitig die Frage stellen: "Ich bin eine Frau - was bedeutet das für mich"? Hab aufgeschrieben: attraktiv,
    verantwortungsbewußt, bodenständig, freundlich, offenherzig... du weißt mit Sicherheit, worauf ich anspiele. Alles Pflichten... und man sollte ja auch Spaß am Leben haben dürfen als Frau. Das ist mir schon klar, aber mir sind diese Eigenschaften nicht eingefallen. Obwohl sie mir 100%ig bewußt sind. Es dauert lange, bis man die alten Überzeugungen fallen lassen kann. Man muss sich ständig damit auseinandersetzen. Wie machst du das? Wie kommst du in dieser Sache weiter?

  • Hallo Ayki,

    also die Bestellung beim Universum, das ist so eine Art Glaubenssatz. Ich bestelle mir etwas, das ich selbst nicht bewegen kann, mir aber sehr wünsche. Wenn ich aufhöre, mich darum zu bemühen, geht manches leichter und passiert von ganz alleine, so als ob das Universum mir das Gewünschte liefert. Ein bisschen esotherisch, ich weiß....

    Ansonsten ist alles wie ein großes Puzzle. Ich sehe immer wieder kleine Teile, die ich anders handhaben muss und dann auch kann. Ein ständiger Prozess des sich mit mir und meiner Geschichte Auseinandersetzens. Für mich ist dabei noch ein wichtiger Punkt, mich nicht als Opfer zu fühlen. Wenn ich mich als Opfer der Umstände betrachte, nehme ich mir die Möglichkeit, eigenverantwortlich mit meinem Leben umzugehen. Sicherlich gibt es Dinge, die ich nicht beeinflussen oder verändern kann. Diese muss ich akzeptieren. Aber dann kann ich meine Sichtweise überprüfen und bestimmte Dinge einfach stehen lassen, wie sie sind. Oder verändern, was ich selbst beeinflussen kann.

    So wie mit dem Gefühl des hängen gelassen seins. Nicht klagen, dass etwas nicht für mich gemacht wird, sondern gucken, warum ich es nicht selber mache. Die Verantwortung dafür, dass es mir gut geht, selbst zu übernehmen. Bisher, d. h. in der Co-Abhängigkeit, hing mein gutes Gefühl davon ab, wie es meinem Ex ging. Danach folgte dieser leere Raum, in dem ich scheinbar nutzlos in der Zeit hing, weil niemand da war, um den ich mich kümmern konnte und musste. Inzwischen nutze ich die Zeit eben dergestalt, dafür zu sorgen, dass die Dinge passieren, erledigt werden oder in Gang kommen, die mir persönlich wichtig sind und mir gut tun.

    Und ich kann meine Ansprüche an mich selbst auf den Prüfstand stellen. Sind es wirklich MEINE Ansprüche an mich oder sind es Ansprüche meiner Eltern oder meines Partners oder meines Umfeldes. Wie bei der Überlegung, wie ich mich als Frau sehe. Zu oft sind es Überzeugungen, die uns in unserer Sozialisation eingeimpft wurden, die unser Frauenbild prägen, dem wir entsprechen möchten.

    Wissen, was ICH will, ist dabei ein wichtiger Schritt. Es dauerte lange, jedenfalls bei mir, bis ich mir all dieser Dinge bewusst wurde. Und es ist nicht immer angenehm, mich damit ehrlich auseinander zu setzen. Denn das heißt auch, Teile von mir zu akzeptieren, die ich gar nicht an mir mag. Wieder ist also Akzeptanz gefragt. Nämlich die meiner Fehler bzw. einengender Überzeugungen. Es ist ein ständiger Weg, der nicht jeden Tag leicht zu gehen ist. Manchmal drehe ich noch eine extra Runde, nehme noch einmal Anlauf. Muss mich über den Kopf auf dem Weg halten, bis ich fühlen kann, dass ich auf ihm richtig bin. Emotionales Lernen.... heißt die Geschichte mit dem Überschreiben alter Erfahrungen und sie dauert ihre Zeit.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hi Ette,
    ich kenne die Bestellung vom Universum. Ich wollte nur nachfragen, ob du das auch meinst... Esotherik ist doch gut, ein wenig zumindest *lach*

    Du interessierst dich genau für die Dinge, mit denen ich mich seit ein paar Jahren auseinanderetze. Emotionale Intelligenz, inneres Kind, Partnerschaft, Kommunikation und dieser ganze Psychokrempel (mein Schrank füllt sich damit). Ich finde das, was du schreibst, wahnsinnig interessant, und du bist mir in diesen Dingen wirklich viele Schritte voraus und auch in gewisser Weise mein Vorbild. Ich lese immer gerne bei dir! Danke für deine Antwort!

  • Zitat

    Du interessierst dich genau für die Dinge, mit denen ich mich seit ein paar Jahren auseinanderetze. Emotionale Intelligenz, inneres Kind, Partnerschaft, Kommunikation und dieser ganze Psychokrempel (mein Schrank füllt sich damit)

    *wow* und wo bei alle dem bleibt der Spaß am Leben ? Alles auseinandernehmen, hinterfragen, anders machen - wieder Überlegen, sich verbiegen weil jemand ein schlaues Buch geschrieben hat ?

    Zitat

    Und ich kann meine Ansprüche an mich selbst auf den Prüfstand stellen. Sind es wirklich MEINE Ansprüche an mich oder sind es Ansprüche meiner Eltern oder meines Partners oder meines Umfeldes. Wie bei der Überlegung, wie ich mich als Frau sehe. Zu oft sind es Überzeugungen, die uns in unserer Sozialisation eingeimpft wurden, die unser Frauenbild prägen, dem wir entsprechen möchten.

    Man kann den Spieß auch umdrehen und mit dem "Frausein" spielen, es sich zu nutze machen und es sich dabei gut gehen lassen. Wenn wir alles immer nur analysieren um es dann perfekt zu machen geht viel Zeit im Leben verloren. Mal ganz davon abgesehen, dass nichts und niemand perfekt ist oder sein kann !
    Viele tausende von Frauen tragen zum Beispiel den gleichen Namen: nämlich MAMA :wink: das ist schon seid vielen Generationen so. Trotzdem haben sie sich weiterentwickelt.
    Man sollte sich als eher als Mensch sehen und als Mensch handeln - egal ob Mann oder Frau. Man muss nicht alles bis auf den Grund sezieren.

    Man sollte sich annehmen wie man ist - aus dem was man hat und was man für sich darstellt einen Mensch modellieren der einem gefällt. Und das strahl man dann auch aus. Zufrieden mit sich sein. Mit all den Fehlern und Macken die man hat :wink:

    Liebe Ette, überlege bei wem Du schmunzelst obwohl er einen Fehler gemacht hat. Du nimmst diesen Fehler nicht übel - kennst Du doch diesen Menschen. Umgekehrt ist es genauso - Du machst Fehler, worüber andere schmunzeln. Was soll daran schlimm oder verkehrt sein ?

    Man sollte sich und das Leben so annehmen wie es ist. Aus fast allem kann man was positives interpretieren - man muss es nur zulassen. Wenn einem was tolles durch die Lappen gegangen ist z.B. der Satz: "Wer weiß wozu das gut war, es sollte wohl so sein" ! Vielleicht werden wir es nie erfahren, aber es erspart eine Menge Grübelei - denn ändern kann man es sowieso nicht mehr.

    Wenn man soviel Zeit mit tiefsinniger Grübelei verbringt, dann verpasst man die schönen Dinge des Lebens wie z. B. einen Regenbogen am Himmel, der Sonnenaufgang, Sonne die die Blätter der Bäume besonders grün leuchten lassen, graue regenverhangene Tage die man mit Kerzenschein und einem lustigen Buch verschönern kann. Natürlich darf und soll man auch mal nachdenklich sein - aber eigentlich ist das Leben doch viel zu schön um sich immer wieder in tristen Gedanken wiederzufinden.

    :D:D

    LG
    Dia

    Mögen alle meine Fehler sich auf ihre Plätze begeben und möglichst wenig Lärm dabei machen.

    Überwältigend was geschehen kann,
    wenn sich die Fingerspitzen zweier Menschen
    ganz leicht berühren,
    am richtigen Ort
    und zur rechten Zeit!

  • Liebe Diandra,

    du hast recht, mit Grübeln verpasse ich mein Leben und mit Co-Abhängigkeit ebenso. Wenn ich mir das, was mich ausmacht, was mir Spaß macht und mir gut tut, bewusst mache, dann verpasse ich jedoch nichts. Ganz im Gegenteil! Hätte ich mich früher mit all dem „Psychokrempel“ auseinandergesetzt, denke ich, dass ich mir die Co-Abhängigkeit erspart hätte bzw. mich nicht so auf einen anderen Menschen eingelassen hätte, dass ich überhaupt keine eigenes Leben mehr hatte.

    Man sollte..... sorry, Diandra, das ist ein Satzanfang, bei dem sich mir die Nackenhaare aufstellen und die Fußnägel hochkrempeln. Was „man“ sollte, ist mir relativ egal. Was ICH will, das ist für mich wichtig. Denn wenn ich das weiß, kann ich dafür sorgen, dass ich es bekomme und zufrieden leben, ohne dass ich immer wieder in alte Verhaltensmuster falle.

    Wenn du aufgrund meiner Posts den Eindruck hast, dass ich an meinen Defiziten arbeite, um anderen zu gefallen, dann habe ich mich womöglich schlecht ausgedrückt. Meine Defizite haben mich in die Co-Abhängigkeit geführt und DESHALB möchte ich daran arbeiten. Und genau das führt dazu, dass ich mein Lebe genieße. Das tausenderlei Grün der Blätter im Sonnenlicht wahrnehme, den Sonnenaufgang, der jeden Tag anders ist, bei meinen Laufrunden erlebe oder die unterschiedlichen Düfte, die mir auf diesen Runden vor die Nase kommen.

    Mein Leben und mich anzunehmen, heißt für mich nicht, dass ich mich nicht damit auseinandersetze. Denn nur die Auseinandersetzung und das Hinterfragen schützen mich davor, die gleichen Fehler, sprich co-abhängiges Verhalten, immer wieder an den Tag zu legen. Verbogen habe ich mich in der Zeit, als ich mit dem Herrn ein Bisschen vielleicht gelebt habe, weil ich mich selbst nicht wichtig genug nahm. Die Zeiten sind vorbei.

    Mir Dinge bewusst zu machen, hat für mich nichts mit Grübelei und Tristesse zu tun. Ganz im Gegenteil! Nur im bewussten Wahrnehmen kann ich feststellen, wo ich mich verbiege und wo ich ganz allein nach meinen Bedürfnissen lebe. Aber das ist eben mein Weg, damit umzugehen. Jeder hat da seine eigene Art und Weise.


    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Ette
    Genauso sehe ich das auch. Nur wenn ich mir bewusst mache, was ich selbst will, was mir guttut, und welche Bedürfnisse ich habe und darauf eingehe, dann gehts mir auch gut! Und das geht nur auf dem Weg, mich damit auseinanderzusetzen. Hier gehört auch mein co-abhängiges Verhalten dazu, denn mit diesem Verhalten hab ich eine Menge meiner letzten Lebensjahre verschwendet, und damit auch eine Menge Spaß am Leben verpasst. Das möchte ich nicht noch einmal machen, und deshalb setzte ich mich mit diesen ganzen Dingen auseinander und hinterfrage die Dinge genauer, um mich selbst besser kennenzulernen und besser einzuschätzen! Und um in der Zukunft anders damit umzugehen, anders zu reagieren und nicht wieder in alte Verhaltensmuster zu fallen.

  • Hi Ette,

    Zitat

    Wenn du aufgrund meiner Posts den Eindruck hast, dass ich an meinen Defiziten arbeite, um anderen zu gefallen, dann habe ich mich womöglich schlecht ausgedrückt.

    Daran habe ich gar keinen Gedanken verschwendet. Auf die Idee bin ich nicht mal gekommen :shock:

    Das alles war und sollte auch keine Kritik sein - wenn es so rübergekommen ist, dann tut es mir sehr leid.

    Du klingst immer ein wenig traurig und hoffnungslos - selbst wenn Du den Dingen auf den Grund gegangen bist und eine für Dich akzeptabele Meinung dazu gefunden hast. Das ist mir dazu aufgefallen.

    Und dieses "man sollte" ist eine Redensart - allgemein gehalten für viele von uns. Sprachlich auseinander genommen dann logischerweise auch nicht mehr korrekt wenn man es aus einer anderen Perspektive sieht. Natürlich geht es uns viel besser damit das eigene ICH und die eigenen Wünsche in den Vordergrund zu stellen. Und daran arbeiten wir ja alle.

    LG
    Dia

    Mögen alle meine Fehler sich auf ihre Plätze begeben und möglichst wenig Lärm dabei machen.

    Überwältigend was geschehen kann,
    wenn sich die Fingerspitzen zweier Menschen
    ganz leicht berühren,
    am richtigen Ort
    und zur rechten Zeit!

  • Guten Morgen allerseits,

    @ Ayki: Da wir die Dinge ziemlich ähnlich angehen, können wir wohl besser verstehen, was in der Anderen vorgeht. Das tut gut, ich danke dir!

    Diandra : Dia, wir beide haben wohl über elementare Dinge einfach unterschiedliche Auffassungen. Was du als traurig und hoffnungslos liest, ist für mich ruhig und zufrieden. Vielleicht kannst du es schlecht nachvollziehen, dass mein Leben in erster Linie nur von meinen eigenen ups and downs bestimmt ist. Ich mache mir keine Gedanken darüber, ob jemand trinkt oder nicht oder wie ich mit dem in meiner Wohnung klarkomme. Ich habe das Türschloss schon vor mehr als zwei Jahren ausgetauscht. Ich sehe „man-Sätze“ auch nicht als allgemeine Redewendung an. Früher habe ich sie auch mehr gebraucht, denn damit habe ich die Verantwortung für meine Meinung an die Allgemeinheit abgegeben. Inzwischen brauche ich sie nicht mehr. Ebenso wenig, wie ich mit meinem „Frau-Sein“ spielen muss, um es für mich zu nutzen. Ich flirte gern, ja. Aber als Spielerei und nicht um mit einer Art „Weibchen-Sein“ manipulierend etwas zu erreichen, vor dem ich mich scheue, es klar zu formulieren.

    Des weiteren habe ich festgestellt, dass wir Co´s einfach darauf ausgelegt sind, hinter allem etwas zu vermuten, bei dem wir helfen, trösten, unterstützen können. Ich habe mich kürzlich mit einem Alki, der einen Hang zum Co hat, unterhalten. Der sagte mir, dass er für sich aufpassen muss, sich abzugrenzen, denn das Helfen, das für einen anderen da sein, mache ihm schließlich ein unheimlich gutes Gefühl, das er natürlich oft empfinden möchte, weil er sich dann toll fühle. Ich denke, dass das der Punkt ist. Mich gut fühlen, weil es einen gibt, der schwächer als ich ist, dem ich helfen kann. Das lässt mich meine subjektiv empfundenen Mängel, meine eigenen Unsicherheiten vergessen. Und – schwupps – muss ich es immer wieder haben, so wie der Alki seine Pulle. Co´s trinken sich ihre schlechten Gefühle für sich selber nicht weg, neee, die helfen sie sich weg. Und das Feststellen dieser Tatsache, das ist etwas, an dem ich recht lange zu kauen hatte.

    Geduldig, hilfsbereit, verständnisvoll – alles Attribute, die als positiv angesehen werden in unserer Gesellschaft. Wenn wir so genannt werden, fühlen wir uns gut, klar. Nur ist es eben eine Gratwanderung, denn allzu oft genießen wir einfach dieses Gefühl, wenn uns unsere Geduld, unsere Hilfsbereitschaft und unser Verständnis von anderen bestätigt wird. Und zwar so sehr, dass wir darüber vergessen, wo wir selber bleiben. Ich habe eine zeitlang auch vergessen, wie ich ohne dieses Gefühl leben kann. Grenzen aufzeigen, auf mich selber zu achten, nein zu sagen, beinhaltet schließlich das Risiko, von anderen abgewiesen, nicht mehr gemocht zu werden. Wenn ich das nicht aushalten kann, komm ich nie aus meiner Co-Abhängigkeit. Das habe ich mir bewusst gemacht und seither kann ich recht zufrieden mit mir leben.

    Rückfälle passieren mir immer wieder. Immer wieder gerate ich in die Situation, dass die Gedanken an andere Menschen und deren Probleme meinen Kopf okkupieren. Dann muss ich einfach die Bremse treten, stopp sagen und für mich Grenzen ziehen. Das Bewusstsein dafür habe ich mir aber erst erarbeiten müssen und auch die Kraft, meine Grenzen aufzuzeigen.

    So, und jetzt gehe ich duschen.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • hallo ette,

    Zitat

    Ich denke, dass das der Punkt ist. Mich gut fühlen, weil es einen gibt, der schwächer als ich ist, dem ich helfen kann. Das lässt mich meine subjektiv empfundenen Mängel, meine eigenen Unsicherheiten vergessen. Und – schwupps – muss ich es immer wieder haben, so wie der Alki seine Pulle. Co´s trinken sich ihre schlechten Gefühle für sich selber nicht weg, neee, die helfen sie sich weg. Und das Feststellen dieser Tatsache, das ist etwas, an dem ich recht lange zu kauen hatte.

    .... das ist eine sehr harte betrachtungsweise, finde ich. sicher steckt da auch einiges an wahrheit dran.
    nun gut, ich helfe immer noch gern und freue mich etwas gutes getan zu haben. wenn ich helfe, denke ich eigentlich weniger daran, dass jemand schwächer ist als ich, sondern dass ein problem oder wie auch immer gelöst werden soll. wenn ich hilfe benötige, freue ich mich auch, wenn jemand mir unter die arme greift. ich denke, einem nicht-co tut es auch gut, wenn er hilft, ansonst wäre er ja vollkommen gefühlskalt oder eine art vogel strauß, der bei allem wegschaut.

    du hast ja weiter unten schon geschrieben, dass es da eine grenze gibt.

    Zitat

    Nur ist es eben eine Gratwanderung, denn allzu oft genießen wir einfach dieses Gefühl, wenn uns unsere Geduld, unsere Hilfsbereitschaft und unser Verständnis von anderen bestätigt wird. Und zwar so sehr, dass wir darüber vergessen, wo wir selber bleiben. Ich habe eine zeitlang auch vergessen, wie ich ohne dieses Gefühl leben kann. Grenzen aufzeigen, auf mich selber zu achten, nein zu sagen, beinhaltet schließlich das Risiko, von anderen abgewiesen, nicht mehr gemocht zu werden. Wenn ich das nicht aushalten kann, komm ich nie aus meiner Co-Abhängigkeit. Das habe ich mir bewusst gemacht und seither kann ich recht zufrieden mit mir leben.

    wie wahr. und es war kein risiko, es nicht jedem rechtzumachen, sondern ließ mich wachsen an selbstbewußtsein.


    liebe grüße apfel

  • Hallo Ihr Lieben Un-Einheits-Frauen,

    in erste Linie bin ich mit einem Partner zusammen weil ich ihn mag, weil ich Lust auf ihn habe, weil ich ihn Liebe. So lange es mir dabei gut geht, ist doch alles schön. Die „gut gehen Grenze“ ist bei jedem anders, so wie wir alle anders sind, anders denken und deshalb denke ich, dass alles möglich ist. Aber vor allem Glaube ich, dass es kein „Endprodukt“ gibt, da sich alle Menschen permanent verändern. Wenn Ihr glaubt, eines Tages den Stein der Weisen gefunden zu haben, dann achtet darauf nicht verwaist zu sein.

    Als Kerl ist es durchaus realistisch, dass mein Partner mir körperlich unterlegen ist, trotzt dem bin ich unterlegen, geistig kann ich meinem Partner überlegen sein und trotzt dem unterlegen, alles kommt auf den Augenblick und die Situation an. Manchmal braucht mein Partner mich, einen Unkranken, manchmal brauche ich meinen Partner, weil ich krank bin, als Unkranken.

    Als Kerl liebe ich die unendliche Arten- und Gedankenvielfalt der Weiblichkeit, ihr habt so viele Begabungen, die ein Kerl nie nachvollziehen kann, ihr könnt die tollsten Blumen pflücken, in einer Vase das ganze Zimmer damit erleuchten und so lange an den Blumen rum zupfen, bis das letzte Blättchen abgefallen ist. Manchmal muss man die Dinger auch einfach auf dem Tisch stehen lassen, sein lassen, sonst nix.

    Übrigens, ich finde es klasse, dass Ihr alle so unterschiedlich denkt, das ist das Leben, keine deutsche Einheit.

    LG und frohe Einheit kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hallo,

    @ Apfel: Du hast recht, es ist eine harte Betrachtungsweise, allerdings auch eine ehrliche und schonungslose. Wenn wir uns ehrlich und schonungslos betrachten, kann das schon mal hart sein. Deshalb vermeiden wir es ja auch so oft, ehrlich mit uns selber umzugehen. Ich sehe das genau wie du, wenn es um das Helfen geht. Ich lasse jemanden, der mich um Hilfe bittet, nicht im Regen stehen. Allerdings trage ich meine Hilfe nicht mehr immer wieder ungefragt an, übernehme Dinge, um die ich nicht gebeten werde. Es ist eine Frage des Maßes, denke ich. Altruistisch für alle da zu sein, hat für mich viel zu oft als reziproken Hintergrund einen ausgeprägten Egoismus, der durch allzu engagiertes Helfen verschleiert wird. So nach dem Motto – Wenn ich viel helfe, dann bin ich viel.....

    Dass das Selbstbewusstsein wächst, wenn ich es nicht mehr jedem recht machen will, habe ich auch erfahren. Davor muss ich aber einfach das Risiko eingehen, dass der Andere verschnupft ist, wenn ich nicht mehr nur für ihn da bin. Es ist einfach ein ständiger Prozess, der uns zu neuen Erfahrungen verhilft.

    @ Heißkalter: Stimmt, in der Regel sind wir mit jemandem zusammen, weil wir ihn lieben, begehren und einfach gerne mit ihm sind, weil er ist, wie er ist. Gut ist es dann, wenn dabei auch unsere ureigensten Bedürfnisse, unser Plan vom Leben nicht zu kurz kommt. Es wird in Partnerschaften immer Zeiten geben, in denen mal der eine und mal der andere gibt. Stell dir eine Beziehung wie eine große, wunderschöne Schale vor, in die jeder etwas legt und daraus wieder schöpfen kann. Wenn du jedoch das Gefühl hast, dass nur einer in diese Schale etwas hineinlegt und einer immer nur heraus nimmt, dann ist irgend etwas nicht richtig, da es nicht ausgewogen ist. Wie mit dem Helfen, ist es auch hier eine Frage des Maßes.

    Es gibt kein Endprodukt, richtig, denn eine Partnerschaft ist so lebendig und veränderlich wie wir Menschen es einfach sind. Um bei deiner Metapher mit den Blumen zu bleiben – es kommen neue Blättchen nach, wenn alte, welke abgepflückt werden. Blumen und Pflanzen können nicht ungehindert wachsen, wenn sie zu eng gepflanzt sind. Wenn ich in der Co-Abhängigkeit stecke, stehe ich zu eng an meiner „Alki-Pflanze“, kann weder meine Zweige noch meine Blüten richtig entfalten, genauso wenig wie die andere Pflanze. Das Loslassen, das Abrücken, versetzt uns beide in die Lage, uns zu entwickeln. Verwaisen muss ich dabei nicht, ganz im Gegenteil. Erst die Entwicklung meines „Planzendaseins“, mein Wachsen, versetzt mich in die Lage, zu lieben ohne der Symbiose zu bedürfen.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

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