Beiträge von Ette

    Guten Morgen ihr Lieben,

    heute kommt es so kalt durch die geöffnete Balkontür, dass ich, da ich gestern ziemlich weit gegangen bin, die heiße Dusche auch ganz ohne Laufen genießen werde.

    Gestern Abend habe ich mich an ein Gespräch mit meinem Ex erinnert, das wir kürzlich hatten. Dabei war mir aufgefallen, dass er seinen Standpunkt vertritt, ohne Rücksicht darauf, ob dies etwas ist, was ich hören wollte oder nicht. Früher, als wir noch zusammen waren, hatte ich oft das Gefühl, dass er mir genau das sagte, was ich gerne hören wollte. Und nicht nur gesagt. Als er aus seiner letzten LZT kam, hat er mir etwas geschrieben, etwas was ich mir immer gewünscht hatte. Er hat es wunderschön geschrieben, gestaltet und mir geschenkt.

    Manchmal hole ich es noch hervor, sehe es mir an und nehme wahr, dass es zu diesem Zeitpunkt genau der richtige Schlüssel war, der in dieses Schloss aus nicht enden wollender Hoffnung und ewigem Verzeihen passte. Er hatte mich nie gefragt, ob er wieder bei mir wohnen könne, er hat einfach aufgeschlossen, war wieder da und ich hab es mit Freuden zugelassen. Solange, bis er eine andere, eine eigene Unterkunft hatte und ich saß da mit einem wertlosen Schlüssel und verstand die Welt nicht mehr.

    Inzwischen habe ich das Schloss ausgewechselt, es mit etwas mehr Realitätssinn versehen und betrachte mir die Schlüssel, die jetzt aufschließen könnten, sehr genau.

    LH
    Ette

    Hoppla, was ist mit dir denn heute morgen passiert? Durchgearbeitet? Schlaflos in dei´m Sessel? Senile Bettflucht? Aber das hält dich nicht davon ab, es mal wieder auf den Punkt zu treffen.

    Es ist wunderschön, weil es voller Liebe ist, das Leben wenn ich es zulasse. In mir selber zulasse. Dann ist auch die Rat- und Rastlosigkeit erledigt, denn dann kann ich mich zurücklehnen und alles einfach fließen lassen, weil es gut ist. Durch die Angst muss ich durch, richtig, weil ich daraus stärker und ohne DIESE Angst hervorgehe, weil ich sie ausgehalten habe, nicht an ihr zerbreche. Die Co-Angst, ausgesogen, absorbiert zu werden, mich zu verlieren. Das Dreh´n und Tun aufgeben, weil es einfach Dinge gibt, die außerhalb unserer Kontrolle sind.

    Ganz entspannt lediglich die Rädchen drehen, die mir möglich sind, die im Büro, die meiner ganz normalen Alltagsdinge. Nichts mehr, was mich bremst, mich grübelnd im Irgendwo festhält, mich vor lauter Denken bekloppt macht. Kann ohne Angst Meer- und Wüstenfrau sein, die weiß, es passiert, was passieren soll, weil Dinge sind wie sind und diese gut sind. Nicht von uns beeinflusst, sondern uns geschenkt. Es muss ja nicht gradlinig sein, das Geschenk, sondern mit auf und ab, ohne eine Achterbahn zu sein. Und wer bin ich, dass ich bossige Geschenke wie dieses wild-normale, bunte Leben ignorieren wollte, das mehr als ein paar Minuten ist?

    Die zauberhafte Spinne übrigens, die in meinem Balkonkasten lebt, hat ihr Netz wieder ganz neu gesponnen, das der ihr Wind zerrissen hatte. Ein wenig anders ist es als das vorherige, aber schön und komplett und in seiner Zartheit vollkommen. Ich glaube nicht, dass sie sich Gedanken darüber machte, ob es Sinn macht oder wann es ihr der Wind das nächste Mal zerreißt. Sie hat es diesmal nur ein wenig anders konstruiert. Beweglicher befestigt, damit es im Auf und Ab des Windes nachgiebiger ist und besser standhalten kann.

    LG
    Ette

    Kalli Kaltblut,

    es ist überhaupt nicht kompliziert, sondern einfach.

    Der erste Schritt ist: schwarz oder weiß
    der zweite: sowohl als auch
    der dritte: warum nicht?

    Folglich, wenn ich mir dein Motto betrachte, bist du doch schon auf einer recht guten Ebene, mein ich jetzt mal so. Zudem findest du hier immer wieder jemanden, der dir die Räuberleiter macht, damit du ein Stückchen weiter drausraus kommst. Und manchmal bist du auch der mit der Räuberleiter. ;)

    LG
    Ette

    Kaltblütiger,

    du hast mich zum Lachen gebracht! Ich danke dir! Stimmt, zu viel denken macht bekloppt. Klein-Ettchen weiß das längst, aber der Kopf hat sich mal wieder dazwischen geschoben und sich von anderen Gedanken gefangen nehmen lassen. Wir sind, wie wir sind, da hast du recht und jeder von uns ist gut und in Ordnung, so wie er ist.

    Den ganzen Kram weglegen? Nur noch normal die Ette sein? (Was immer auch normal sein mag, ich bin wie ich bin.) Weg und gut ist? Radikaler, da haben wir, glaub ich, schon mal drüber diskutiert, dass nicht alles einfach weggeschoben werden kann und es damit gut ist. Und auch mit wegstoßen ist nicht alles erledigt.

    Schnapsflaschen kann man wegstellen und nicht mehr ansehen oder anfassen. Mit Menschen geht das nicht so einfach. Und ich denke, das weiß niemand besser als du. Wir sind nicht „trocken“ wenn unser „Suchtmittel“ ausgezogen ist. Aber im Gegensatz zu einem Alkoholabhängigen möchte ich irgendwann wieder in der Lage sein, mit einem Menschen zu leben, ohne abhängige Strukturen erneut Fuß fassen zu lassen. Und ich glaube, da bin ich auf einem guten Weg. Aber so wenig, wie es kontrolliertes Trinken gibt, gibt es kontrolliertes Lieben. Da trifft es wohl dein Geben und Nehmen besser. Aber für diese Fähigkeit müssen wir gesund sein und das sind wir nicht einfach, nur weil wir uns sagen, wir sind jetzt nicht mehr co-abhängig.

    Was jedoch das Rädchen des Lebens betrifft, gehe ich mit dir nicht ganz konform. Es kommt, wie es kommt und liegt nicht immer in unserer Hand, dies zu beeinflussen oder etwas in die Hand zu nehmen und zu drehen und zu tun. Ich denke, manchmal müssen wir die Hände einfach leer machen und alles fließen lassen. Aber wenn du deinen Glauben wieder gefunden hast, wirst du das sicher besser wissen als ich. Ich verlasse mich darauf, dass es Dinge gibt, die nicht in meiner Macht stehen und es etwas gibt, das lenkt.

    Auf jeden Fall danke ich dir für deine Reflektion, sie hat mir geholfen, wieder zu meinen eigenen Gedanken und Empfindungen zurückzukehren. Und die können sowohl grenzenlos also auch ganz, ganz differenziert sein und selbst in ihrem Widerspruch ganz straight - Klein-Ettchens Weisheit sei Dank ;) Und die hat mit S...., egal ob auf oder unter dem Tisch überhaupt nix zu tun.

    LG
    Ette

    Hallo ihr Lieben,

    Sonntags ist in der Regel mein Ette-Tag. Da gibt es wenige Termine, die mich davon abhalten, dafür zu sorgen, dass es Klein-Ettchen gut geht. Der Himmel hatte auch ein Einsehen und hat mir wunderschönes Spätsommerwetter geschickt, sodass ich mich in der Sonne aalen konnte und mich mit einem dicken Eis für das morgendliche Laufen belohnen konnte.

    Viele Hundebesitzer waren mir morgens begegnet und still in mich hineinschmunzelnd, dachte ich, dass ich auch mein Hündchen mit dabei habe. Meinen inneren Schweinehund nämlich, Waldi heißt er übrigens, den ich in letzter Zeit jedoch ganz gut im Griff habe, wenn es ums Laufen geht. Derjenige, der für die Hausarbeit zuständig ist, na gut, an dem erziehe ich noch rum, jedoch tendiere ich dazu, das Erziehen sein zu lassen und einfach zu gucken, was passiert.

    Am späten Nachmittag dann ein wenig Sonne tanken auf dem Balkon mit dem Blick auf die großen Bäume, deren Blätterrauschen ganz entspannend an meine Ohren dringt und mich die Augen schließen lässt. Die Hände ganz entspannt geöffnet auf den Oberschenkeln, liege ich also so da und habe das Gefühl, einfach nur zu sein, zu fließen in dieser friedlichen Sonntagnachmittagsstimmung. Irgendwo hatte ich kürzlich gelesen, wenn man alles losließe und dann mit leeren Händen dasäße, würde alles von alleine gut und rund. Seltsam, dass mir das ausgerechnet in diesem Moment in den Kopf kam.

    In meinen Haaren spielte zärtlich der Wind und in meinen Hände hatte ich nur die flüchtige Wärme der Sonne, die sich davon macht, sobald die Sonne hinter einer Wolke verschwindet. Und doch hatte ich das Empfinden, eins zu sein mit dem Blätterrauschen, dem Wehen des Windes und den Sonnenstrahlen auf der Haut. Mit leeren Händen, die nichts halten wollen, ist es gar nicht so schlecht leben, denke ich. Zumal dann die Hände Platz haben, das zu Empfangen, was von ganz alleine kommt. Wie die Wärme der Sonne, zum Beispiel.

    LG
    Ette

    Neiiiiin!

    Spedi, komm mal ruhig wieder vor unterm Tisch! Ich hab nicht gesagt, dass ich ins Kloster gehen will und auch nicht, dass MIR dieser Gedanke kam. Der ist mir begegnet. Nichstdestotrotz habe ich mir Gedanken darum gemacht, weil ich nämlich denke, dass es WOHL möglich ist, sowohl als auch zu leben, währenddessen Alkis definitiv mit ihrem Suchtmittel nur entweder oder leben umgehen können. Ich möchte halt nur mal ein paar Stimmen dazu lesen.

    Und da denke ich, genau wie du, dass sich Alkohol- und Co-Abhängigkeit unterscheiden. Abhängigkeit, die auf Verhaltensmustern basiert, ist anders zu „heilen“ als stoffgebundene. Lavendel, du hast recht, es bedarf dann eines Partners, der mit sich im Reinen ist. Schließlich würde ich dann wieder in alte Strukturen fallen, wenn ich quasi Therapeutin bin, dem anderen auf seinem Lebensweg zu helfen. Den muss jeder alleine finden und gehen.

    Ich glaube auch, dass es etwas mit Authentizität zu tun hat. Ich kann mir ganz oft erzählen, dass ich nicht mehr co-abhängig bin und trotzdem so leben. Mich mehr gedanklich mit meinem trinkenden oder trocken werdenden Partner auseinander setzen als mit mir. Wenn ich inzwischen meinem Ex begegne, dann freue ich mich daran, was er auf die Beine stellt. Trotzdem kann ich mit ihm mitfühlen, wenn er schlimme Dinge von anderen Menschen aus seinem Umfeld erfährt. Ich muss aber nicht loslaufen und ihn dafür trösten oder mich neben ihn setzen, Händchen halten, damit er womöglich nicht wieder anfängt zu trinken.

    Wie Lavendel, sage ich auch, dass ich in Ordnung bin und wer damit nicht klarkommt oder das nicht sehen will, ist selber schuld. Es liegt ganz an mir alleine, wie ich mich sehe. Obwohl es mir halt immer wieder passiert, dass ich mich wundere, wenn ich vollkommen ohne Anstrengung angenommen werde. Aber das ist einfach, weil es für mich noch relativ ungewohnt ist. Es ist aber auch mit schmerzlichen Empfindungen verbunden gewesen, dahin zu kommen.

    So, und nun bin ich mal gespannt, was noch für Meinungen über ein abstinentes Co-Leben auftauchen.

    LG
    Ette

    Hallo,

    auch wenn wir nur die Schattenseiten „unseres“ Alkoholikers in den Fokus nehmen, nehmen wir trotzdem IHN in den Fokus. Ich glaube, der erste wichtige Schritt ist, uns und nur uns in den Fokus zu nehmen. Ihr, die ihr Kinder habt, müsst natürlich auch das Wohl der Kinder im Auge behalten, denn sie können sich am allerwenigsten wehren.

    Es ist schwer, die Fixierung auf trinkende Angehörige aufzugeben, aber der einzige Weg, vorwärts zu kommen. Umzug, Auskommen, neuer Anfang, das alles findet sich, wenn wir den festen Willen dazu haben. Aber für mich war und ist der erste Schritt, loszulassen in meinem Bemühen, mein Gegenüber beeinflussen zu wollen. Ihn stehen zu lassen, so, wie er ist. Das heißt nicht, dass ich ihn hassen muss, ihm Vorwürfe machen oder zu sagen, er sei schuld. Es würde nichts ändern und nur unsere Energie fressen, die wir brauchen, um vorwärts, aus der Abhängigkeit heraus, zu gehen.

    Ich wünsche dir Kraft, Tecki, und vor allem den Mut, denn den braucht es auf jeden Fall. Nämlich den Mut, hinzugucken, wo unsere eigenen Anteile sind, die dazu beigetragen haben, dass es gekommen ist, wie es ist. Für mich war das stellenweise viel schmerzhafter als die Tatsache, dass ich „meinen“ Alkoholiker nicht trocken legen konnte. Das hat er irgendwann ganz alleine getan.

    LG
    Ette

    Hallo Lavendl,

    ja, vermeiden, war jetzt plötzlich so ein Schlüsselwort für mich. Schließlich könnte ich ja meine Co-Abhängigkeit dazu benutzen, um nähere Beziehungen zu vermeiden, denn sie beinhalten immer ein Risiko. Verletzt zu werden, vertrauen habem zu "müssen", anzunehmen, dass ich liebenswerter bin, als ich von mir selbst vielleicht annehme. Und das fast unbekannte Gefühl, einfach so sein zu dürfen, wie ich bin.

    Da muss ich jetzt noch mal drüber nachdenken - beim Laufen natürlich!

    Bis dann!

    Ette

    Guten Morgen, ihr Lieben,

    dieser Tage ist mir ein Gedanke begegnet, der mich sehr, sehr nachdenklich gemacht hat. Deshalb würde mich interessieren, wie ihr darüber denkt. Und zwar darüber, wie es sich mit UNSERER Abhängigkeit und Rückfällen verhält.

    Wenn ich davon ausgehe, dass ein Alkoholiker sein Leben lang abstinent von seinem Suchtmittel leben muss, um nicht wieder in den Teufelskreis des Trinkens zu rutschen, frage ich mich, wie ich als Co-Abhängige mit meiner Abhängigkeit umgehen muss. Bedeutet co-abhängig zu sein, dass ich mein Leben lang alleine bleiben muss, um nicht wieder in die Co-Abhängigkeit zu fallen?

    Bisher hatte ich immer angenommen, wenn ich nur genügend an mir arbeite, mir klar darüber bin, wo die Ursachen meiner Tendenz zur Co-Abhängigkeit liegen und ich ihre Strukturen erkenne und ausmerze, dann werde ich irgendwann wieder in der Lage sein, mit einem Menschen ein „gesundes“ Miteinander zu haben. Der Gedanke nun, dass genauso wie bei einem Alkoholabhängigen, mein Leben von meiner Krankheit bestimmt wird, macht mir Angst. Ich bin ein Mensch, dem andere Menschen viel bedeuten, obwohl ich gerne alleine lebe. Die Aussicht, mich nie mehr auf nähere Beziehungen zu Menschen einzulassen, um nicht rückfällig in meiner Co-Abhängigkeit zu werden, ist für mich keine sehr schöne Vorstellung.

    Ich denke, wenn ich mir im Klaren darüber bin, worauf ich achten muss, dann kann ich die Co-Abhängigkeit in den Griff bekommen und sowohl meine Grenzen und mein eigenes Leben wichtig nehmen als auch einem anderen Menschen liebevoll und ohne Anspruch das Gleiche zugestehen. Wenn ich betrachte, wie ich vor Monaten und Jahren war und wie ich heute bin, denke ich, dass dies möglich ist. Trotzdem macht mich der Denkansatz, dass ich abstinent leben, d. h. alleine leben muss, um nicht wieder co-abhängig zu werden, sehr nachdenklich.

    Was habt ihr für eine Meinung dazu? Wie geht ihr damit um, um nicht wieder rückfällig zu werden? Ich würde mich über Antworten dazu sehr freuen.

    LG
    Ette

    Innocent,

    es ist sicherlich gut, wenn du dir Hilfe suchst, deine Situation zu bewältigen. Vielleicht sprichst du mit deinem Hausarzt. Meiner war mir in ähnlicher Lage eine große Unterstützung.

    Wenn es in deinem Ort keine Beratungsstelle für Suchtkranke und ihre Angehörigen gibt, dann vielleicht im nächstgrößeren Ort. Oftmals wissen auch Geistliche entsprechende Ansprechpartner.

    Wenn du ganz akuten Gesprächsbedarf hast, kann es auch hilfreich sein, über die Telefonseelsorge einen Menschen zu finden, der dir zuhört.

    Auf jeden Fall werden sich im Netz, so wie du hier das Forum gefunden hast, Anlaufstellen finden lassen. Wenn du dich auf den Weg machst, Hilfe suchst und annehmen möchtest, dann wird sie sich auch finden lassen. Ganz bestimmt.

    LG
    Ette

    Hallo,

    heute morgen schien die ganze Welt in Watte gepackt zu sein. Dick und weiß stand der Nebel vor meinem Balkon und alle Geräusche schien er zu verschlucken. Als ich zum Laufen vor die Tür ging, hatte ich das Gefühl, dass ich jeden lauten Ton vermeiden müsse um diese fast andächtige Stille nicht zu stören. Unterwegs dann kaum ein Vogel, der sich hören ließ, nur das leise Knirschen meiner Schuhe auf dem Weg und mein Atem. Gedanken sind nicht zu hören, zum Glück, es waren heute morgen sehr viele, die mir durch den Kopf gingen.

    Ich habe bald ein wichtiges Gespräch und überlege immer wieder, wie es laufen kann, wie ich es strukturieren möchte, was ich vermitteln will. Und ich muss mich mit dem Gedanken vertraut machen, dass es unter Umständen nicht so laufen wird, wie ich es mir wünsche. Die Bewegung tut mir gut bei all dem Gedankenkreisen. Vorwärts gehen scheint das Grübeln zu verhindern und das Denken effektiver zu machen.

    Vorbei an Wiesen, auf denen letztes Heu dichte Duftschwaden zu mir herüberschickt und unter Bäumen dahin, von denen der Wasser gewordene Nebel tropft. Einige Passanten begegnen mir, die freundlich und launig grüßen, weil wir uns kennen. Ein Gefühl von Heimat durchströmt mich angenehm. Kurz danach begegnet mir ein Mann mit einem Fahrrad, der nicht so aussieht, als ob er irgendwo zu hause wäre. Seine ganzen Habseligkeiten führt er in etlichen Plastiktüten mit sich und er sieht müde und resigniert aus. Als ich wieder ins Dorf zurückkomme, tritt eine Frau vor eine Haustür und atmet genüsslich die milde watteweiche Morgenluft ein. Ihr Kopf scheint kahl zu sein unter dem Tuch, das sie fantasievoll darum geschlungen hat.

    Ganz dankbar und demütig fühle ich mich plötzlich. Rundum glücklich und zufrieden, mit dem was ich habe und bin. Keine Gedanke daran, dass etwas fehlt zu meinem Glück, dass erst noch dies oder jenes passieren müsse, um diesen Tag perfekt zu machen. Er ist es, einfach weil er angebrochen ist und ich ihn erleben kann.

    LG
    Ette

    Kaltblütiger,

    das Schöne am Leben ist, dass es fließt. Dass jedes Ende einen neuen Anfang beinhaltet und, wie Herr Hesse sagt: ....jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben. Wir schaffen das, zu leben, neu anzufangen, uns neu zu orientieren. Zu wachsen an dem, was uns das Schicksal in den Weg legt. Aus den Steinen auf dem Weg etwas Neues, Schönes zu bauen.

    LG
    Ette

    @ Kaltblut:

    Ich hebe nicht den Stinkefinger. Ganz im Gegenteil. Ich halte die Arme und mein Herz offen, aber ich beute mich nicht mehr emotional aus. Und ich vergesse sicherlich nicht, woher ich komme und genauso sicher werde ich niemanden wegen seiner Macken aus meinem Leben schmeißen. Das würde ja bedeuten, dass ich werte, verurteile. Und wer bin ich, dass ich mir dieses Recht herausnehmen dürfte? Darüber hinaus möchte ich selbst doch auch mit meinen Macken, den Ecken und Kanten, die ich habe, angenommen werden, einfach weil ich bin, wie ich bin.

    Aber du hast recht, wenn ich in der Lage bin, anzunehmen UND loszulassen, dann beginnt es erst. Dann nämlich beginnt es, gesund zu werden, mein Leben, AUCH im Dialog mit Anderen. Dann beginnt es nämlich schmelzend zu werden. Dann dürfen Grenzen auch mal fallen, weil ich weiß, dass ich mich auch wieder abgrenzen kann, wenn die Verschmelzung zu groß wird. Kaltblütiger, ja, es tut gut, wenn sie schmelzen, die Mauern, weil WIR dahinter sind. Hinter den Masken-Mauern, hinter denen das ist, was wir nicht sagen. Und was manche doch hören...

    @ Lavendel:

    Stimmt, irgendwann werden die Gedanken weniger, dass ich mir überlege, wem ich erzählen soll, dass ich mich freue, dass etwas schön ist. Ganz einfach aus dem Grund, weil wie durch einen Zauber auch immer wieder Menschen da sind, die mir zuhören, wenn ich es brauche. Nicht zu letzt auch hier.

    Und dann gibt es wieder Situationen, wo ich ganz für mich alleine eine derartige Wonne empfinde, dass ich sie mit einem Jubelschrei zum Ausdruck bringen muss. Nachts, unterm Sternenhimmel im offenen Auto durch eine Sommernacht zu fahren, die Düfte der Nacht wahrnehmen und mich vom Fahrtwind zärtlich streicheln zu lassen. Oder als Sozia auf dem Motorrad, wenn mein Körper ohne Angst der Schwerkraft folgt und ich mich so leicht und nachgiebig fühlen kann, wie es meine Seele noch nicht immer hinbekommt. Dann bleibt mir nur zu jubeln, egal, ob es jemand hört oder nicht, ganz allein für mich.

    Ihr tut mir gut.

    LG
    Ette

    Manchmal sitze ich vor dem Bildschirm, lese und habe ein Gefühl als ob sich ständig alles wiederholen würde.

    Liebe, Hoffnung, Kontrolle, Anstrengung, und wieder Hoffnung und Hoffnung und Hoffnung. Verharren und zu hoffen, empfinde ich inzwischen als absolut co-abhängig! Eine Hoffnung, die darauf basiert, dass alles gut wird, wenn der Andere nur nicht mehr trinkt – so funktioniert, wie wir es uns vorstellen. Da wird überhaupt nicht mehr wahrgenommen, dass auch dann sich alles nur um den dreht, der trinkt. WIR, wir selber treten auch in der Hoffnung in den Hintergrund! Wieder ist es „er“, der Mensch, der trinkt, der unser Denken und unser Fühlen bestimmt. Nicht unser Überlebenswille kommt zum Tragen. SEINE Krankheit ist präsent und unsere? Co-Abhängigkeit ist eine Krankheit, die ein zufriedenes Leben blockiert und einschränkt. Aber es wird einfach ignoriert! Wir sind nicht schon gesund, wenn wir erkennen, dass wir das Trinken nicht beeinflussen können!

    Wir sind VIELLEICHT gesund, wenn wir für uns selber sorgen, unser Leben für uns ganz allein zufrieden hinbekommen und das ohne Gedanken daran, was ist, wenn der Andere wieder trinkt. Die Kontrolle aufzugeben, ist das Wichtigste und somit auch das Schwerste. Egal, ob der Andere trinkt oder nicht, ob er bei mir bleibt oder nicht, ob er mich liebt oder nicht, ICH, ich ganz alleine, bin dafür verantwortlich, zufrieden und ohne Abhängigkeit zu leben. Und da habe ich keinen andere Möglichkeit als jeder Alki, ich muss dafür sorgen, dass ich gesund lebe und niemand sonst. Als ich das verstanden habe, habe ich erst das System verstanden, nachdem Cos und Alkis leben. Ob ich es nun realisieren kann, was ich begriffen habe, das wird sich zeigen.

    Ich glaube, dass ich Teil eines großen Ganzen bin, egal ob Gott, Boss oder höhere Macht, ich bin es jedenfalls nicht, die das Verhalten meiner Mitmenschen unter Kontrolle hat, es beeinflussen kann. Ich kann nur einfach sein, zulassen, dass es so ist und meinem Gegenüber die Zeit lassen, sich von seinen Abhängigkeiten in seinem ganz eigenen Tempo zu lösen. Und die Hoffnung auf ein glückliches Leben auf mich selber richten und hoffen und daran arbeiten, dass ich genug Kraft und Selbstliebe entwickeln kann, für MEIN zufriedenes Leben zu sorgen. Weil ich dann auch vollkommen ohne Anspruch den Anderen annehmen UND loslassen kann, egal, was seine Abhängigkeiten sind, damit er sein Leben auf die Reihe bekommen kann.

    Sorry, aber das musste jetzt mal raus.

    Ette

    Question,

    irgendwo hab ich mal gelesen, oder auch in einem Film gesehen, dass Abhängige, und hier betrachte ich Co- und Alk-Abhängige gleich, im ersten Jahr der Abstinenz sich Zimmerplanzen anschaffen sollten. Wenn die nach einem Jahr noch grünen und gedeihen, können sie darüber nachdenken, sich ein Haustier anzuschaffen. Wenn das Tier nach einem weiteren Jahr noch lebt und gesund ist, dann könne man wieder an eine Partnerschaft denken.

    Wenn du dir diesen Ansatz vor Augen führst, findest du sicher selbst eine Antwort auf die Frage mit dem Hund.

    LG
    Ette

    Hallo ihr Lieben,

    Wochenende nach einer anstrengenden, aufregenden Woche. Viel zu tun, viel geschafft, Schönes und weniger Schönes, Anstrengendes und Leichtes. Trotz alle dem eine gute Woche. Mir ist klar geworden, dass ich nicht unbedingt einen anderen Menschen „brauche“, um zufrieden leben und glücklich leben zu können. Nichtsdestotrotz empfinde ich es als ein besonderes Geschenk, mit einem anderen Menschen etwas teilen zu können.

    Nicht immer jedoch ist ein anderer Mensch da. Geben, von dem was ich habe, kann ich trotzdem. Liebevolle Gedanken, ein freundliches Wort, ein Lächeln. Wenn ich mit mir im Reinen bin, kann ich das, einfach so, im Alltag - oder wo immer mir Menschen begegnen. Und es kommt genau das zurück, was ich gebe. Jedoch gebe ich ohne Erwartung. Deshalb kann ich mich umso mehr über das freuen, was zurückkommt, weil es wie eine Überraschung, ein Geschenk bei mir ankommt und von daher einfach schön ist.

    LG
    Ette

    Skye,

    ich glaube, da ist noch ein ganz wichtiger Punkt, für den die Selbstliebe wichtig ist. Annehmen können, dass wir geliebt werden, ohne uns dafür anstrengen zu müssen. Nicht überlegen zu müssen, wie muss ich sein, dass ich geliebt werde. Sondern aus der Sicherheit heraus, dass ich liebenswert bin, Gefühle, die mir entgegengebracht werden, einfach nur genießen können

    LG
    Ette

    Ähmmm..... also – wenn Kiste und S.... wie Essen, Trinken und Luft sind, ohne die ich definitiv nicht leben kann, bedeutet das ja im Umkehrschluss, dass ich um dieses Grundbedürfnis zu befriedigen, zwangsläufig in Beziehung zu anderen Menschen treten muss. Denn „Liebe an und für sich“ ist nicht wirklich ein adäquater Ersatz.

    Irgendwie werde ich ganz wirr im Kopf, wenn ich darüber nachdenke. Ich versuche, alleine klarzukommen und dann erzählt der Kaltblütige was von den Grundbedürfnissen, genau wie Herr Maslow, und ich frage mich, wie ich das alles auf die Reihe bekommen soll. Es geht wohl nur so, wie Teaser meint. In „gesunden“ Beziehungen wachsen wir, entwickeln wir uns quasi im Dialog mit dem Anderen. Aber halt nur, wenn wir schon ein gutes Fundament haben, eine Selbstliebe, die uns befähigt, uns und auch den Anderen einfach um seiner Selbst zu lieben, egal ob er sich so verhält, wie wir es uns vorstellen oder nicht. Ich glaube, liebevoll mit uns selber umzugehen, beinhaltet automatisch die Fähigkeit, auch liebevoll mit unserem Gegenüber umzugehen. Aber – da muss ich noch mal drüber nachdenken, nachspüren.... obwohl, ich glaube, das ist der richtige Ansatz.

    LG
    Ette

    Hallo Kaltblut,

    ich sah dich geradezu da sitzen mit deinen Holunderbeeren. Einfach schön, deine Schreibe! Ich hoffe nur, du hast die Mini-Spinnen nicht tot gemacht. Die sind nämlich nützlich. Und kleine Häuser-Schneckchen sind einfach nur zauberhaft in ihrer Mini-Vollkommenheit.

    Dass du noch etwas Leckeres für deine Marmelade findest, daran zweifle ich keinen Augenblick. Aber ich denke trotzdem, dass es uns recht gut tut, wenn wir auch von außen die Bestätigung bekommen, dass sie lecker ist, die Marmelade. Nur für uns alleine schwärmen und genießen, mag eine zeitlang gut sein. Irgendwann aber, wenn wir vielleicht genug Bananen-Pferdeäpfel-Holundermarmelade genossen haben, dann können wir auch wieder gucken, wie man Marmelade gemeinsam kocht. Alles dauert eben seine Zeit, auch das Marmeladekochen... Auf jeden Fall ist damit ein Hauch von Sommer in den Marmeladegläsern und das tut gut im Winter.

    LG
    Ette