Guten Morgen, ihr Lieben,
dieser Tage ist mir ein Gedanke begegnet, der mich sehr, sehr nachdenklich gemacht hat. Deshalb würde mich interessieren, wie ihr darüber denkt. Und zwar darüber, wie es sich mit UNSERER Abhängigkeit und Rückfällen verhält.
Wenn ich davon ausgehe, dass ein Alkoholiker sein Leben lang abstinent von seinem Suchtmittel leben muss, um nicht wieder in den Teufelskreis des Trinkens zu rutschen, frage ich mich, wie ich als Co-Abhängige mit meiner Abhängigkeit umgehen muss. Bedeutet co-abhängig zu sein, dass ich mein Leben lang alleine bleiben muss, um nicht wieder in die Co-Abhängigkeit zu fallen?
Bisher hatte ich immer angenommen, wenn ich nur genügend an mir arbeite, mir klar darüber bin, wo die Ursachen meiner Tendenz zur Co-Abhängigkeit liegen und ich ihre Strukturen erkenne und ausmerze, dann werde ich irgendwann wieder in der Lage sein, mit einem Menschen ein „gesundes“ Miteinander zu haben. Der Gedanke nun, dass genauso wie bei einem Alkoholabhängigen, mein Leben von meiner Krankheit bestimmt wird, macht mir Angst. Ich bin ein Mensch, dem andere Menschen viel bedeuten, obwohl ich gerne alleine lebe. Die Aussicht, mich nie mehr auf nähere Beziehungen zu Menschen einzulassen, um nicht rückfällig in meiner Co-Abhängigkeit zu werden, ist für mich keine sehr schöne Vorstellung.
Ich denke, wenn ich mir im Klaren darüber bin, worauf ich achten muss, dann kann ich die Co-Abhängigkeit in den Griff bekommen und sowohl meine Grenzen und mein eigenes Leben wichtig nehmen als auch einem anderen Menschen liebevoll und ohne Anspruch das Gleiche zugestehen. Wenn ich betrachte, wie ich vor Monaten und Jahren war und wie ich heute bin, denke ich, dass dies möglich ist. Trotzdem macht mich der Denkansatz, dass ich abstinent leben, d. h. alleine leben muss, um nicht wieder co-abhängig zu werden, sehr nachdenklich.
Was habt ihr für eine Meinung dazu? Wie geht ihr damit um, um nicht wieder rückfällig zu werden? Ich würde mich über Antworten dazu sehr freuen.
LG
Ette