Beiträge von Ette

    Hallo Pipilotta,

    irgendwie versteh ich deine ganze Geschichte nicht so recht. Nach der Entgiftung deines Freundes schließt ihr Kompromissen über zwei alkoholfreie Tage in der Woche? Wozu? Damit die nächste Entgiftung etwas länger hinausgeschoben wird?

    Alkoholiker können nicht kontrolliert trinken! Da gibt es nur ein entweder oder. Wenn du dich auf solche Spielchen einlässt bzw. sie auch noch vorschlägst, dann trägst schön dazu bei, dass er auch möglichst lange ungestört weitertrinken kann. Und du weiter die Starke, die Verzeihende, die Unverzichtbare bleibst.

    Warum willst du ihm noch mal sagen, dass es an ihm liegt, wie es mit euch weitergeht? Hast du ihm das nicht schon wiederholt erklärt? Hast du dazu keine eigene Meinung für DICH? Du willst dich von ihm nicht für dumm verkaufen lassen. Versteh ich! Aber du tust das mit dir selbst doch schon genug! Willst ihn nicht unter Druck setzen damit, dass du ihn trinkend nicht als Partner haben möchtest. Du hast recht, weder mit Druck noch mit faulen Kompromissen oder immer neuer Verzeihung wirst du ihn nicht trocken legen können. Das muss er schon ganz alleine tun. Das wird aber nicht geschehen, wenn er gleich nach der Entgiftung wieder weitertrinkt. Und du dich auf stundenlange Gespräche darüber einlässt, wie ihr Kompromisse findet, dass er seine Sucht weiterleben kann auf eine Art, die für dich erträglich ist.

    Was tust du denn gegen deine Sucht, deine eigene Abhängigkeit?

    LG
    Ette

    Hallo und guten Morgen,

    ich dank euch, für eure Rückmeldungen!

    kaltblut : Nun, morgens begeb ich mich da schon mal hin. Und was das Schreiben betrifft – vielleicht gibt es nicht mehr so viel zu schreiben, weil mein Leben ruhiger geworden ist und ich mit mir mehr im Einklang bin.

    Einklang – nicht immer ganz leicht. Grenzziehung ist ein ganz wichtiger Punkt, um bei mir zu bleiben. Und diese Grenzen werden oft attackiert. Besonders im Berufsleben, in dem Stress, Hektik und Belastung täglich an ihnen nagen.

    Dieser Tage hatte ich wieder ein so treffendes Beispiel dafür. Alle an meinem Arbeitsplatz haben viel zu tun. Eine Kollegin fragte mich nun, ob ich ihr etwas abnehmen könne. Meine Antwort, dass ich leider selbst bis Oberkante Unterlippe in Arbeit stecke, löste bei ihr eine Art Gequengel aus. Sie hätte die ganze Woche ihre Arbeit alleine gemacht ohne etwas weiterzugeben. Sie hätte sogar mehrmals bis 20 Uhr gearbeitet. Mein nein quittierte sie dann damit, dass sie einfach ihr Telefon auf mich umstellte, damit sie Ruhe hätte. Die Tatsache, dass ich allein an einem Arbeitsplatz saß, der ansonsten von vier Leuten ausgefüllt wird, war vollkommen irrelevant. Aber nicht für mich. Ich bat sie folglich, ihr Telefon wieder zurück zu nehmen und wenigsten zu warten, bis zwei weitere Kolleginnen wieder aus der Pause zurück wären. An diesem Tag hat sie kein Wort mehr mit mir gesprochen.

    Ich kann ihre Not nachvollziehen. Kann aber nicht ihre Not lindern, indem ich meine eigene größer mache. Dafür musste ich einfach aushalten, dass sie mich anschließend ignorierte. Ist einfach so. Das Ignorieren macht mir keinen Stress, zusätzlich Teile ihrer Arbeit zu machen schon.

    Früher hätte ich sicherlich gesagt, geben sie ruhig her, irgendwie schaffe ich das schon, nur damit ich ihr Schweigen nicht hätte aushalten müssen. Co-abhängiges Verhalten, ganz ohne Alkohol, stelle ich für mich in solchen Situationen inzwischen fest. Und ich denke, dass uns solche Situationen im alltäglichen Leben immer wieder passieren. Grenzziehung mit dem Tragen der daraus resultierenden Konsequenzen ist gerade mit unserer Disposition nicht einfach. Aber lernbar......

    LG
    Ette

    Hallo Billy,

    ich bin dir nicht böse, dass du auf mein Posting nicht antworten kannst. Und ja, es stehen Dinge drin, die du vielleicht nicht lesen willst. Für mich waren immer die Äußerungen Anderer am hilfreichsten, die mich am meisten angepackt haben. Wenn sich meine anfängliche Ungehaltenheit darüber gelegt hatte und ich begann, darüber nachzudenken, fing ich an zu verstehen. Manchmal wahr es ziemlich schmerzhaft, dieses Verstehen. Aber wer sagt, dass das Leben immer nur angenehm ist? Und heißt es nicht, dass der Baum die stärksten Wurzeln entwickelt, der den Stürmen ausgesetzt ist?

    Wie gesagt, ich wünsch dir Mut und Kraft.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Candygirl,

    Zitat von candygirl7

    Weist du,er ist die ganze Woche nicht da wegen der Arbeit und dann wenn er nach Hause kommt geht er 20 Uhr ins Bett weil er total breit ist.
    Nicht immer aber immer öfter.

    Wie ich lese, bist du bereits alleinerziehend, obwohl du in einer Beziehung lebst. Und wie du ganz richtig bemerkst, wird das immer öfter der Fall sein. Die Schulter zum Anlehnen findest du auch nicht. Was wäre denn noch schlimmer, wenn du dich auf eigene Füße stellen würdest? Würden dir die verbalen Verletzungen fehlen? Oder das Bierkisten schleppen? Oder würde es dir fehlen, deinen Kindern erklären zu müssen, warum Papa schon wieder schläft oder nach Bier riecht?

    Ich habe mir damals eine Liste gemacht, auf der die positiven und negativen Aspekte meiner Beziehung standen. Aber erst, als ich „ihn“ schon vor die Tür gesetzt hatte und totsterbenstraurig war, dass er nicht mehr da ist. Weil ich, wie ein Alkoholiker, mich nach meinem „Suchtmittel“ sehnte. Ich kann gut nachvollziehen, was in dir vorgeht. Und ich weiß, wie schwer es ist, loszulassen.

    Schau einfach genau hin, was dich hält. Frage dich, warum du unbedingt aushalten möchtest.

    LG
    Ette

    Hallo Billy,

    Zitat von Billy170


    Das mir dieser Gedanke gekommen ist, zeigt mir nur wieder, dass dieses Überwachungsverhalten, was wir Cos an den Tag legen, immer noch in mir drin steckt....

    Wie hast du in den letzten 5 Monaten an deiner Co-Abhängigkeit gearbeitet, dass du dich wunderst, über Co-Gedanken? Co-Abhängigkeit ist nicht verschwunden, nur weil du dich von deinem trinkenden Freund getrennt hast. Die ist schon sehr viel länger Teil deines Lebens als die Beziehung zu deinem Ex. Wie soll sie dann weg sein, nur weil er weg ist?

    Wenn ich deine Geschichte lese, fällt mir der Wodkatrinker ein, der sagt, ich bin kein Alkoholiker mehr, ich trinke jetzt nur noch Bier.

    An anderer Stelle fragst du dich, ob du ein bestimmtes Männerschema hast, auf das du abfährst. Ich konnte das für mich feststellen. Und habe angefangen, mich mit mir selbst auseinander zu setzen. Diese „Beziehungs-Hopping“, sprich raus aus der einen, rein in die andere, habe ich ebenfalls hinter mir. Und dabei festgestellt, dass ich mir zu dieser Zeit mit sicherem Griff immer wieder den nächsten „Pflegefall“ einfing. Weil ich nicht allein sein wollte, weil ich mich nur vollständig mit einem Mann an meiner Seite fühlte, weil ich mich dann nicht mit mir selbst und meinen Defiziten auseinander setzen musste.

    Kein Mann, und sei er noch so empathisch, kann mein Leben zufrieden machen, wenn ich dazu nicht auch allein in der Lage bin. Ich werde ewig von seinem guten Willen, sprich, dass er bei mir bleibt, abhängig sein in meiner Zufriedenheit. Und um sie zu erlangen, würde ich mich immer wieder verbiegen, um so zu sein, wie er mich haben will, nur damit er nicht auf die Idee kommt, stiften zu gehen.

    Das sind die Erkenntnisse, die ich für mich aus meiner Beziehung mit einem alkoholabhängigen Menschen mitgenommen habe. Und für die ich dankbar bin, denn wäre diese Beziehung nicht gewesen, hätte ich mein weiteres Leben stetig damit verbracht, ein glückliches, zufriedenes Leben durch einen anderen Menschen zu bekommen. Und da dies kein anderer Mensch für mich bewirken kann, wäre ich ständig weiter auf der Suche geblieben.

    Ich wünsch dir Mut und Kraft, dich mit dir selbst auseinander zu setzen. Einen trinkenden Partner zu verlassen, ist zwar nicht einfach, aber immer noch einfacher als auf sich selbst zu gucken. Vor dir selbst kannst du nicht davonlaufen. Auch wenn du es noch so sehr versuchst. Du nimmst dich in jede neue Beziehung mit.

    LG
    Ette

    Hallo Misskateshi,

    ich kann deinen Hass verstehen, habe aber gelernt, dass der Hass uns nicht gesund macht und nicht vorwärts bringt.

    Es ist in meinen Augen nicht erbärmlich, es ist schlicht und ergreifend traurig. Für deine Mutter, die nicht aus ihrer Abhängigkeit findet und für dich, die du geprägt von deiner Kindheit, die Verantwortung dafür noch immer ihr gibst. Mit 33 Jahren bist du erwachsen und für dein Leben selbst verantwortlich. Ja, du hast ein ganz schönes Päckchen mitbekommen. So, wie wir alle, die wir hier schreiben. Wir können alle nichts für unsere Eltern, egal, ob sie getrunken haben oder uns auf andere Art und Weise negativ beeinflussten.

    Die Vergangenheit können wir nicht mehr ändern - keiner von uns. Aber wir können unser Leben selbst in die Hand nehmen und gut für uns sorgen. Denn als Erwachsene sollten wir dazu in der Lage sein. Oder aber es lernen, egal, wie in der Kindheit für uns gesorgt wurde.

    Würdest du deine Mutter eigentlich genauso hassen, wenn sie an einer anderen chronischen Krankheit leiden würde?

    LG
    Ette

    Hallo Sternchen,

    ja, es ist eine traurige Geschichte, die du hier erzählst. Einen Menschen jedoch gibt es, der diese traurige Geschichte beenden und dir ein zufriedenes Leben gestalten kann. Dieser Mensch guckt dich täglich aus dem Spiegel an. Wenn du für dich nicht die Kraft findest, etwas zu verändern, vielleicht magst du darüber nachdenken, was du deinem Kind dadurch mit auf den Weg gibst. Es ist ein Riesenpaket, das so eine kleine Seele mitbekommt, die in einem alkoholisierten Umfeld aufwächst. Lies dir hier die Geschichten durch. Oft haben Frauen mit alkoholkranken Partnern schon einen Elternteil gehabt, der missbräuchlich oder abhängig getrunken hat. Eine kleine glückliche Familie kann auch mit einem Elternteil entstehen. Und wie Gotti schon ganz richtig schreibt – mit einem alkoholabhängigen Partner wirst du immer alleinerziehend sein. Allerdings mit einem ziemlich großen zweiten „Kind“, für das du sorgen musst.

    Die Fragen bezüglich Förderung für dein wirtschaftliches Auskommen können dir Fachleute umfassend beantworten. Städte und Gemeinden haben oftmals SozialberaterInnen. Auch bei Suchtberatungsstellen kannst du Hilfe und Unterstützung finden. Bei Fragen zur Therapie kann dich dein Hausarzt unterstützen, wenn du ihm die Karten offen auf den Tisch legst. Nur losgehen musst du selbst. Die Energie, die du zweifellos hast, die du aber in die Trauer und das Kämpfen gegen die Windmühlenflügel der Alkoholabhängigkeit einsetzt, wird dir dabei helfen.

    Ich wünsch dir Kraft und Mut, die richtigen Schritte zu unternehmen.

    LG
    Ette

    Guten Morgen,

    viele sind es ja nicht mehr, die mich hier kennen, habe ich den Eindruck. Aber die Geschichten, die hier im Forum stehen, sind seit Jahren immer die gleichen.

    Und auch in der Realität mache ich immer wieder die Erfahrung, dass sich Geschichten gleichen. Frauen, die rackern, ohne für sich gesunde Grenzen zu ziehen und die Gründe dafür bei anderen suchen – es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich herausstellt, dass sie ein alkoholkrankes Familienmitglied haben. Es ist erstaunlich, wie sich die Geschichten und Verhaltensweisen gleichen.

    Ich selbst muss mich zur Zeit sehr in den Hintern treten, um richtig für mich zu sorgen. Wieder mal habe ich eine Schokoladen-Phase und kann nix liegen sehen. Darf mir also nichts einkaufen, weil es sonst ratzfatz aufgefuttert ist. Gleichzeitig sind natürlich auch diese kleinen Tierchen in meinen Kleiderschrank eingezogen, die über nacht die Klamotten enger machen. Ich glaube, Kalorien heißen die.

    Kälte und Schnee mag ich inzwischen nicht mehr sehen und sehne mich unendlich nach dem Frühling. Bei einem kurzen Inspektionsgang durch den Garten hat es mich richtig in den Fingern gejuckt, endlich wieder meinem Ruf als Wühlmaus gerecht zu werden. Aber die Erde ist noch nicht richtig aufgetaut. Mist!

    Ansonsten bin ich jedoch zufrieden. Allerdings, siehe Selbstfürsorge, könnte ich jemanden gebrauchen, der mir hilft, meinen inneren Waldi zu überwinden und mit mir einen ordentlichen Frühjahrsputz macht. Früher hatte ich eine Schwiegermutter, die mich dabei unterstützte, was mich immer tierisch angenervt hat. Heute wäre ich dankbar, wenn sie hier wäre. Aber ich bin sicher, dass ich das noch schaffe, bis die Gartensaison richtig losgeht. Guter Gedanke, wie ich gerade feststelle. Ich werde mir einen Termin setzen. Ostern wäre nicht schlecht. Bis, spätestens an Ostern, wird alles picobello sein.

    So, nun werde ich mich wenigstens selbst picobello machen und im Regenzimmer verschwinden. Schließlich bin ich zum Frühstück verabredet.

    LG und ein schönes Wochenende.
    Ette

    Hallo Stern,

    ich kann deine Empfindungen gut nachvollziehen, denn früher ging es mir ähnlich. Inzwischen habe ich gelernt, dass ich persönlich Gründe dafür hatte, mich auf einen alkoholkranken Partner einzulassen.

    Du hast deinen Vater durch Alkohol verloren. Somit weißt du, was dich auf Dauer erwarten kann. Bist also sehenden Auges in die gleiche Situation gegangen, die du schon kanntest. Du konntest deinen Vater nicht vor dem Alkohol retten. Genauso wenig wird dir das mit deinem Partner gelingen. Du schreibst, du möchtest deinen Partner nicht verlieren. Aber so wie du schreibst, ist ihm der Alkohol wichtiger als du, hast ihn letztendlich gar nicht erst ernsthaft an deiner Seite. Und du kannst dich noch so sehr anstrengen, gegen den Alkohol ziehst du immer den kürzeren – wenn dein Partner nicht selbst ohne Alkohol leben möchte.

    Hast du dich schon einmal gefragt, warum du dich auf ihn eingelassen hast? Du weißt, was es heißt, einen Menschen an und durch den Alkohol zu verlieren. Warum tust du dir das ein weiteres Mal an?

    LG
    Ette

    Hallo Anesa,

    die Überschrift deines Threads heißt „co-abhängig wegen Alkohol“. Hmmm... also ich habe für mich festgestellt, dass der Alkoholkonsum und das dadurch bedingte Verhalten meines Ex-Partners nur meine bereits vorhandenen Suchtstrukturen potenziert und zum Ausdruck gebracht haben. Die Ursachen dafür waren schon längst in mir vorhanden. Im Nachhinein habe ich festgestellt, dass es nur eine Frage der Zeit war, dass ich an einen suchtkranken Partner geriet. Auch in vorhergehenden Beziehung war ich immer der Part, der alles unter Kontrolle hatte und am Laufen hielt. Nur haben diese Partner nicht exzessiv getrunken.

    Hier in diesem Forum passiert es meist, dass die Ursache für die Co-Abhängigkeit beim trinkenden Partner gesucht wird. Das sehe ich inzwischen ganz anders. Auch ich war nicht das Opfer des trinkenden Partners, sondern meiner eigenen Defizite. Das ist keine schöne Feststellung, aber die einzige, die es mir ermöglichte, mich zu verändern in Richtung eines eigenverantwortlichen Lebens.

    Meine Zeitrechnung war geprägt durch nüchterne und betrunkene Tage „meines Alkis“. War er nüchtern, wuchs meine Hoffnung auf eine Beziehung mit ihm nach meinen Vorstellungen. Trank er, fiel ich ein Loch der Hoffnungslosigkeit. Meine Gedanken drehten sich nur darum, wie es IHM wohl heute geht, wie ER sich verhält. Verhielt er sich nach meinem Verständnis „gut“, ging es mir auch gut. Schlecht ging es mir, wenn er nicht so „funktionierte“ ich es mir wünschte.

    Ich musste lernen, meine Befindlichkeit von seinem Tun und seiner Befindlichkeit abzukoppeln. Inzwischen geht es mir auch gut, wenn um mich herum nicht alles so ist, wie ich es mir wünsche. Das war für mich ein ziemlich langwieriger Prozess – der immer noch anhält und der überhaupt nichts mit dem Alkoholkonsum von wem auch immer zu tun hat.

    LG
    Ette

    Hallo Fliegender Stern,

    ich danke dir, dass du uns so detailiert an deinen Therapiegesprächen teilhaben lässt. Aus eigener Erfahrung kann ich die Fragen und das Empfinden, das sie auslösen, gut nachvollziehen.

    Als ich dann meine eigene Abhängigkeit akzeptiert hatte, konnte ich handeln - für mich. Ich wünsche dir, dass es dir genauso hilft, aus dem Hamsterrad Abhängigkeit heraus zu kommen. Achtgeben müssen wir dann, wie ein Alkoholiker, trotzdem unser Leben lang auf uns.

    Vielleicht können deine Postings noch ein paar andere SchreiberInnen wachrütteln.

    LG
    Ette

    Hallo und guten Morgen,

    heute war der erste Tag, an dem ich beim Aufwachen die Vögel zwitschern hörte und auch wenn draußen der Wind ganz schön heftig weht, liegt ein Gefühl von Frühling in der Luft. Es geht aufwärts - wettermäßig.

    Ich habs gemacht wie Julchen und bin ziemlich früh aufgestanden. So hab ich einen schön langen Tag vor mir. Der geht schon gleich gut los mit einer Verabredung zum Frühstück, auf das ich mich freue.

    Ich wünsch euch allen ein friedlich-zufriedenes Wochenende.

    LG
    Ette

    Zitat von Julchen148

    Aber egal, dafür konnte ich meine zweite Tasse Kaffee mit einem frischen Mohnbrötchen geniessen, kam in den Genuss einer fast leeren Autobahn und kann heut 2 Stunden länger den sonnigen Tag geniessen. :lol: Hat doch alles seine zwi Seiten!

    Hallo und guten Morgen Julchen,

    genau das ist die Einstellung, die uns jeden Tag etwas Schönes finden lässt. Ich gratuliere dir, dass du auch im weniger Schönen das Gute finden kannst.

    Ich wünsch dir ein schönes Wochenende.

    LG
    Ette

    Hallo Besucherin,

    ich denke, dass es einen gesunden Narzissmus gar nicht geben kann. Schließlich war Narziss, nachdem diese Störung benannt ist, jemand, der in sich selbst, sein Äußeres, verliebt war. Meines Erachtens geht es um einen gesunden Egoismus und Selbstliebe. Selbstliebe, die wir uns mit all unseren Schwächen und Stärken geben. Und dann können wir auch andere Menschen um ihrer Selbst lieben und nicht nur, weil sie uns das geben, was wir uns selbst nicht geben können oder weil sie so sind, wie wir sie gern haben wollen.

    Wenn wir unsere eigene Co-Abhängigkeit beginnen wahrzunehmen, geben wir allzu leicht dem Partner und seiner Sucht die „Schuld“ dafür. Aber letztendlich ist die Sehnsucht nach Beziehung und Geborgenheit, die dich deine eigenen Grenzen vergessen lässt, nichts Anderes als eine andere Art von Sucht. Beziehungssucht, Romanzensucht – guck dir Suchtbeziehungen an und du wirst häufig einen trinkenden Partner und eine beziehungssüchtige Frau an seiner Seite finden. Wenn du für dich deine eigene Sucht akzeptiert hast, wirst du auch Wege finden, aus ihr heraus zu kommen. Das geht aber nicht, indem du dich vom einen Mann trennst und dir dann den nächsten suchst, in der Hoffnung dort zu finden, was du in der ersten Beziehung nicht bekamst.

    Viele Menschen, die ich im Rahmen der Abhängigkeitsarbeit kennen gelernt habe, sind in einer dysfunktionalen Familie aufgewachsen. Die einen wurden alkoholabhängig, die anderen beziehungsabhängig, manche haben es trotz aller Widrigkeiten geschafft, ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln. Die Strukturen ähneln sich. Beim einen ist das Suchtmittel der Alk, beim anderen ist das Suchtmittel ein Partner. Alleinleben geht nicht oder verursacht ein geradezu körperlich schmerzhaftes Sehnen. Wie das Craving eines Alkis habe ich die erste Zeit nach der Trennung von „meinem Alki“ empfunden. Ich hatte manchmal das Gefühl, es nicht aushalten zu können, ohne dass ich mit jemanden leben kann. Erst als ich dieses mein Verhalten als süchtiges Verhalten akzeptiert habe, konnte ich mich auf den Weg machen, es zu verändern. Kein schönes Gefühl, sich selbst als süchtig wahrnehmen zu müssen, aber der einzige Weg, gesund zu werden.

    LG
    Ette

    Machtlosigkeit = Hilflosigkeit? Hmmmm.... ich denke, ich kann nicht über alles Macht und Einfluss haben. Als Co-Abhängige ist aber mein Kontrollbedürfnis sehr ausgeprägt, deshalb habe ich es früher als sehr belastend empfunden, etwas nicht kontrollieren zu können, keine Macht über Abläufe und auch das Verhalten von anderen Menschen zu haben. Inzwischen kann ich es als entlastend empfinden, nicht über alles die Kontrolle und somit Macht zu haben. Es ist meine eigene Entscheidung, mich dann hilflos zu fühlen. Hilflos fühle ich mich nur, wenn ich den Anspruch habe, auf alles und Jeden Einfluss zu haben. Wenn ich akzeptiere, dass ich nicht alles beeinflussen und kontrollieren kann, fühle ich mich nicht hilflos, sondern entlastet. Aber ich muss halt akzeptieren und zulassen können, dass ich nicht alles beeinflussen kann.

    LG
    Ette

    Guten Morgen,

    dieser Tage ist mir wieder aufgefallen, was sich bei mir alles verändert hat. Hochtrabende Worte, Sätze, die ohne Fremdwörterbuch nicht zu lesen sind und immer wieder der Hinweis, auf das, was ich alles kann – all das konnte ich gut. Zu gut konnte ich dahinter mein Minderwertigkeitsgefühl verstecken. Durch meine Ausdrucksweise habe ich versucht, mich über andere Menschen zu stellen. Inzwischen kann ich auf Augenhöhe gehen, ohne mir etwas zu vergeben. Will mich nicht mehr Anderen gegenüber profilieren. Ich weiß, dass ich bestimmte Dinge kann und auf meine Art intelligent bin, das muss ich mir nicht immer wieder von außen beweisen lassen.

    Spaßig ist, dass ich inzwischen als ruhig und besonnen wahrgenommen in meinem Umfeld werde. Dabei war ich doch immer Eloquenzia, die Redefreudige, die zu allem ihren Senf dazugeben musste. Die immer im Mittelpunkt stand, sobald mehr als zwei, drei Leute zusammenkamen. Heute sitze ich oft da und staune, wie sich Menschen darstellen und manchmal bedauere ich sie auch, dann ahne ich das kleine Ego hinter all dem Schauspiel. Manchmal hinterfrage ich zum Verständnis, wenn mir der hochtrabenden Worte zuviel begegnen. Aber dieses Hinterfragen ist eher der Hinweis darauf, dass nicht alle Menschen soviel Bücherwissen haben, um zu verstehen und somit im Grunde schon wieder ein Einstehen und Sorgen für Andere. Es geschieht im ersten Moment unbewusst, erst wenn ich überlege, warum ich das getan habe, fällt es mir auf. Und es zeigt mir dann, dass ich immer wachsam und achtsam mit mir umgehen muss. Ansonsten schleichen sich immer wieder meine Co-Wurzeln ein. Die werde ich nie ganz ausmerzen können, aber wie einen Bonsei beschneiden kann ich sie, damit sie mir das Leben nicht durchwuchern.

    @ Gesche: Liebe Gesche, danke für die Rückmeldung, dass du etwas mit meinem Beitrag anfangen kannst. Du musst mich nicht um Erlaubnis fragen, wenn du dir hier etwas mitnimmst. Es ist der Sinn von Selbsthilfe, sich das mitzunehmen, von dem man denkt, es wäre hilfreich. Alles andere lass einfach stehen. ;)

    LG
    Ette

    Liebe Besucherin,

    ich würde gerne verstehen, was du schreibst. Deshalb fragte ich nach. Wenn du unter dem "Drama des hochbegabten Kindes" leidest, dann sieh uns weniger begabten nach, dass wir, in diesem Fall ich, nachfrage.

    Allerdings hast du mir noch nicht erläutert, wer oder was denn nun den Maßstab einer adäquaten Entwicklung festlegt.

    Sollte dieser Thread allerdings dem intellektuellen Schlagabtausch mit dem Heißkalten vorbehalten sein, bitte ich meine Einlassungen zu verzeihen.

    Das wäre in diesem Forum auch nicht mein Anliegen. Mich intellektuell zu messen - dafür gibt es andere Foren und vor allem die Realität. Hier ist in der Regel das Anliegen vorrangig, sich mit der eigenen Co-Abhänigkeit auseinanderzusetzen und so weit als möglich davon zu genesen. Profilieren kann ich mich woanders. ;)
    In diesem Sinne - viel Spaß bei Klingen kreuzen.

    LG
    Ette

    Wieder mal ein kleines Up date.....

    Langsam habe ich die Nase voll vom Winter. Stiefel, dicke Pullover und Jacken, ich würde sie gern „einsommern“. Aber das wird wohl noch ein wenig dauern.

    Vielleicht ist diese Wintermüdigkeit auch der Grund gewesen, warum ich wieder einmal, nach ziemlich langer Zeit, in mein ASS gefallen bin. Todsterbenstraurig hab ich mich in meiner Wohnung vergraben und selbst liebe Menschen nicht an mich herangelassen. Zwei Tage hat es gedauert, bis ich mir, wie neben mir stehend, die Frage stellte, was ich hier eigentlich veranstalte. Schön doof, mir zwei Tage zu klauen, weil ich mich in meinen grauen Vorhang hüllte. Also – weg mit dem Teil. Schließlich habe ich im Grunde alles, was ich brauche und keinen Anlass, mich selbst zu bemitleiden.

    Die kalte, klare Luft wieder freudig in die Lungen lassen, spüren, wie Muskeln und Gelenke prima arbeiten. Mich daran freuen, dass es morgens auf dem Weg zur Arbeit schon am Horizont dämmert und das erste Vogelgezwitscher an den Frühling erinnert. Noch hat der Winter alles im Griff – doch kann man das Schwächerwerden dieses Griffes schon ahnen. Den Blick auf das Positive zu lenken, lässt meine Augen funkeln und schenkt mir das ein oder andere unverhoffte Passantenlächeln. Wie sollte ich da noch traurig sein?

    LG
    Ette

    Hallo vollblütige Besucherin,

    herzlich willkommen hier im Forum. Und noch herzlicheren Dank dafür, dass du uns an deinem reichen Erfahrungsschatz in Sachen Psychologie teilhaben lässt. Allerdings hätte ich Schwierigkeiten gehabt, alles zu verstehen, wenn ich nicht ab und an im Kleinen psychologischen Wörterbuch blättern würde.

    Du bezeichnest dich als Vollblut. Das kann ich gut nachvollziehen. Genauso hätte ich mich vor ein paar Jahren auch bezeichnet. „Sex, Drugs and Rock´n roll“ ließen mich erst lebendig fühlen. Natürlich auch die Selbstdarstellung und nicht zu vergessen – die Männer. Ohne Mann an meiner Seite und in meinem Bett fühlte ich mich unvollständig. Inzwischen bin ich soweit erwachsen, dass ich auch ohne diese „Krücken“ von außen ganz gut leben kann. Das bedeutet für mich auch, dass es nicht mehr erforderlich ist, das Potential in einem Partner zu wecken und zu fördern, ich kann ihn sein lassen, wie er ist. Denn ich liebe ihn so, wie er ist und nicht so, wie er vielleicht sein könnte, wenn er sich so entwickelt, wie ich mir das vorstelle.

    Du schreibst, dass du immer wieder dein Kinheitstrauma reinszenierst. Auch das kann ich gut nachvollziehen. Nur habe ich irgendwann angefangen, die Szenen „umzuschreiben“. Denn inzwischen bin ich kein Kind mehr und muss mich auch nicht mehr so verhalten. Aber so nimmt eben jeder aus seiner Therapie etwas anderes mit.

    Eines kann ich jedoch nicht verstehen. Du schreibst von adäquater Entwicklung. Wer legt fest, wer bestimmt, wann eine Entwicklung adäquat ist? Was ist der Maßstab dafür? Ich weiß, dass ich in Teilen meiner Persönlichkeit ein Entwicklungsdefizit hatte und vielleicht stellenweise auch noch habe, da ich in einer dysfunktionalen Familie aufgewachsen bin. Darauf kann ich mich aber nicht mein Leben lang zurückziehen. Adäquat oder nicht, letztendlich bin ich als Erwachsene selbst dafür verantwortlich, meine Traumata, meine Defizite aufzuarbeiten. Es ist harte Arbeit, das habe ich erfahren. Aber es ist Arbeit, die mich davon befreit hat, für das was ich tue, immer noch meine Kindheit verantwortlich zu machen.

    LG
    Ette